E. T. A. HOFFMANN von seinen Benutzern am Leben erhalten

Lichtgeschwindigkeit 10439

am Sonntag, den 26. Juni 2022

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Welche geistreiche europäische Zeit, als man vom Geist des Rechts zur Menschlichkeit Gesellschaften als produzierende Gemeinschaften begriff und darin Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit auf die Fahnen schrieb, um zu merken, man braucht neben Produktion auch Distribution, man braucht Bildung und Information und neben gezügelten Herrschern auch Führung und Fühlung. Von ersten Aufklärern zur wirklichen „Spätaufklärung“ um das Jahr 1800 schenkten sich die Europäer außerdem unglaubliche Musiker, geniale Schriftsteller und eine Explosition der Denker, die seitdem gar nicht mehr alle gelesen werden können, denn man muss ja auch lernen, Rolltreppen zu fahren, Reisverschlüsse im Dunkeln zu öffnen und Senftuben zu öffnen, Schalter drehen, Knöpfe drücken, jetzt Berührungs-Steuerflächen gebrauchen, dazu mit unzähligen pharmazeutischen Selbstvergiftungen die individuellen Dosierungen treffen.

E. T. A. HOFFMANN, geboren als Ostpreuße in Königsberg, 1776, wurde eine intelligente und tüchtige Wunderperson, die uns heute ohne literarische Umstände das Geisterreich der Sinnlichkeit mit den Möglichkeiten der Vorstellungsentgrenzungen bietet, wie man es zu seiner Zeit als Romantik gar nicht verdauen konnte – damals galt gewissermaßen bereits Goethe als Phantast. Im 21. Jahrhundert nun können E.T.A. HOFFMANS Phantasien, Surrealismen, Psychopathien und Absurditäten geradezu über das oft unsinnliche IT-Design von heute hinweghelfen, nennt man es nun Utopismus oder Science Fiction, Leichte Muse oder nur Spielereien. Hoffmann entgrenzte die realen Lebensgrenzen in seinen Darstellungen, behielt aber möglichen Sinn, indem unwirkliche Vorgänge den Leser fesseln, anstatt nur leerer Unfug zu sein. Hoffmann konnte hervorragend malen und zeichnen und verwirklichte Bühnenbilder und Dekorationen fürs Theater.

E. T. A. HOFFMANN war in seinem kurzen Leben ausstudierter preußischer Staatsjurist einer Dienstklasse, er war mehrfach politisch arbeitslos, er konnte malen und zeichnen, er komponierte wie Beethoven, er schrieb alle möglichen Textsorten, wovon die kleinen Formen vorzüglich auch gedruckt wurden; die Uraufführung einer Symphonie in Bamberg war auch für den Künstler ein besonderes Ereignis. Hoffmann war ein herausragender KÜNSTLER-GELEHRTER.

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Der deutsche Literat HUBERT SPIEGEL, geb. 1962 in Essen, studierte Soziologie, Politikwissenschaft, Germanistik und Geschichte, Redaktionsmitglied im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – und kenntnisreich.

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Huber Spiegel verdanken wir eine Exposition zu E. T. A. HOFFMANN, am Samstag, 15. Juni 2022 (anlässlich dessen 200sten Todestages), die ich hier kurz kritisiert und unzensiert wiedergebe:

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„Die Authentizität des Übersinnlichen. Geschenke für den Teufel: Frankreich liest Hoffmann

Sein zweiter Roman trug den Titel „Der Geheimisvolle“. Er wurde nie veröffentlicht, und nichts daraus ist überliefert als ein einziger Absatz, etwa eine Seite lang, den E.T.A. Hoffmann als Zwanzigjähriger am 13. März 1796 in einem Brief aus Königsberg an seinen Jugendfreund, den Pfarrerssohn Theodor Gottlieb von Hippel zitierte. Es geht darin um das „Männer-Monopol“: eine Haltung, die das Ideal der Männerfreundschaft weit über die Liebe zwischen den Geschlechtern stellte. Die Begründung: „Die Freundschaft tut gar nichts für die Sinnlichkeit, aber alles für den Geist.“ Der Erzähler fühlt sich befreit, denn vor dem Beginn der großen Freundschaft zwischen zwei verwandten männlichen Seelen war sein „Geist ein Gefangener, den man eingesperrt hatte und unaufhörlich bewachte“.

Einige Jahrzehnte später kehrt ein anderer Schriftsteller in einer anderen Stadt in sein Dachzimmer zurück. Es ist ein Uhr nachts. Er will nur noch allein sein. Zwei Mal schließt er die Tür hinter sich ab, atmet auf, nimmt ein „Bad aus Dunkel“ und läßt einen vergeudeten Tag an sich vorüberziehen: Ununterbrochen war er in Gesellschaft, ununterbrochen litt er unter der „Thyrannei des menschlichen Gesichts“. Er hat mit den falschen Menschen gesprochen, die falschen Hände geschüttelt, die falschen Dinge gesagt und getan. Jetzt ist er allein, unzufrieden mit sich und allem anderen und bittet Gott um die Ehre, einige schöne Verse erschaffen zu dürfen, „die mir selbst beweisen, dass ich nicht der letzte der Menschen bin, dass ich nicht niedriger bin als jene, die ich verachte“. Freundschaft? was soll das sein? selbstverordnete Einzelhaft wäre ihr vorzuziehen.

Dass ausgerechnet der nachtschwarze Einzelgänger Charles Baudelaire im Werk von E. T. A. Hoffmann die „absolute Komik“ entdeckte und sie bereits 1855 in seinem Essay „De essence de rire“ behandelt hat, mutet heute kaum weniger erstaunlich an als die Tatsache, dass Hoffmann wenige Jahre nach seinem Tod in Frankreich weitaus populärer war als in Deutschland. Adolphe-Francois Loève-Veimars hatte Werke von Hoffmann um 1830 übersetzt und das Genre der phantastischen Erzählung in Frankreich damit populär gemacht.

Eine der ersten Veröffentlichungen Théphile Gautiers trug den Titel „Onuphrius oder die Ärgernisse eines Bewunderers von Hoffmann“ und erzählte 1832 von einem jungen Mann, den seine Begeisterung für Hoffmanns Werk geradezu in den Wahnsinn trieb. Einige der Erzählungen in Balzacs „Comédie humaine“ sind erkennbar von Hoffmann beeinflusst, etwa die Künstlernovelle „Das unbekannte Meisterwerk“ über den Maler Frenhofer, der das Absolute der Kunst sucht und sich umbringt, als er die Aussichtslosigkeit seiner Suche erkennt.

Alexandre Dumas veröffentlichte 1850 den Roman „Die Dame mit dem Samthalsband“, in dem er einen jungen Studenten namens E. T. A. Hoffmann ins revolutionäre Paris versetzt, wo er seine deutsche Braut Antonie wegen einer Tänzerin namens Arséne verlassen will. Sie trägt das Samthalsband, von dem der Titel spricht. In ihrer letzten gemeinsam verbrachten Nacht verbirgt es den Schnitt, mit dem ihr die Guillotine am Tag zuvor den Kopf vom Rumpf getrennt hatte.

Für einige Jahrzehnte ist Hoffmann einer der meistgelesenen Autoren in Europa. In Russland kommt er gleich hinter Gogol, in Frankreich macht ihn Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ ungeheuer populär. Sie beginnt in der Berliner Weinstube Lutter&Wegner, in der Hoffmann, mit einer geradezu höllischen Trinkfestigkeit mehr gestraft als gesegnet, ständig verkehrte. In der französischen Rezeption wird Hoffmann nicht zu nur einem bewunderten und vielfach nachgeahmten Autor, sondern auch zu einer literarischen Figur.

„Der Grund für die Geschwindigkeit von Hoffmanns Erfolg“, glaubte Théophile Gautier, „liegt in dem heftigen und wahren Gefühl der Natur, das in einem so hohen Maße in seinen unerklärlichsten Schöpfungen hervorsticht.“ Mit anderen Worten: Was Frankreich an E.T.A. Hoffmann liebte, war die mit allen Sinnen fassbare Authentizität des Übersinnlichen in seinem Werk. Sie gehörte zu einer Ästhetik des Bösen, für die Baudelaire, der die Werke von Edgar Allan Poe ins Französische übersetzt hatte, besonders empfänglich gewesen sein dürfte. In L’essence de rire“ definierte er das Lachen als zwiegespalten: Es sei satanisch, aber auch zutiefst menschlich. Die absolute Komik, die er in Hoffmann entdeckt zu haben glaubte, musste sich demnach zumindest zur Hälfte aus einer obskuren Quelle speisen. Wer über die zerrissenen Figuren E. T. A. Hoffmanns lacht, macht dem Teufel ein Geschenk. HUBERT SPIEGEL“

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Dietmar Moews meint: Mich freut es immer, wenn meinem Kunst- und Künstlerurteil Honig in den Arsch geblasen wird, wie vorstehend. Die Herausstellung E. T. A. Hoffmanns in der deutschen Tagespresse, wie in der aktuellen F.A.Z., von dem Fachmann und FAZ-Feuilleton-Redakteur Hubert Spiegel, muss hier in der Lichtgeschwindigkeit als eine Perle im ‚Vorgarten des Globus‘ gelobt werden. Hubert Spiegel hat Kenntnisse.

Dennoch ist seine persönliche Distanz zu Hoffmanns Nervensystem zu Jenachdemig. „Obskure Quelle“? – was soll das? absolute Komik .. zur Hälfte? welche ein ungeklärter Gedanken von Spiegel und welch schwiemelige Formulierung. Soll da „Romantik“ als Schwachsinn abgetan werden? Mir fehlt hier der klare Blick, dass Hoffmanns existenzielle Wahrheit und die Fähigkeit diese in seine Darstellungen zu fassen PHÄNOMENAL sind.

Meine eigen Hoffmann-Freundschaft basiert auf dieser Echtheit – nicht auf halben Narrativ-Phantastereien. Wer immer die Überschrift zu diesem Feuilleton-Artikel formuliert hat: „Die Authentizität des Übersinnlichen“ hat es doch in einem Satz vermocht mitzuteilen. Der Untersatz „Geschenke für den Teufel“ ist lächerlich, nämlich „Geschenk für die Katz“.

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Also E. T. A. HOFFMANN anhören – er komponierte sehr sehr besonders schön – was immer die Musikpolitiker in Bamberg gegen Hoffmann geleitet haben mochte – vermutlich Neid und Missgunst gegen den Fremden. Man hätte E. T. A. Hoffmann ganz groß plazieren müssen – ebenso Dresden. Hoffmann hätte Bamberg zu einem erste Ort gemacht, wie in Weimar Herr von Goethen (nur besser malen und zeichnen, besser musizieren, besser schreiben vermochte Hoffmann, und als Jurist hätte sich Goethe ohnehin freiwillig auf Platz zwei beschieden. Alkohol plagte beide – nur dass der alte Goethe zu hause in Privatgesellschaft soff – Hoffmann hing in der Kneipe von Berlin.

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Die FAZ hat im Wochenendfeuilleton noch weitere E.T.A. Hoffmann-Berichte:

JAN BRACHMANN: „In die Tiefe des Geisterreiches. Er nannte sich nicht umsonst Amadeus: als Musiker Mozart Hoffmanns Leitstern“.

STEFAN TRINKS: „Groß Zaches. Hoffmann war in allem, was er tat, ein echter Uomo universale. Inspiriert haben ihn große Schreckensmaler“

TILMAN SPECKELSEN: „Singend auf dem Totenbett. Wenn wir uns selbst begegnen, brauchen wir ein gutes Gesprächsthema, sonst wird es gruselig: Vor zweihundert Jahren starb der Musiker, Zeichner, Jurist und Autor E. T. A. Hoffmann.“

JÜRGEN KAUBE: „Wir haben Wir haben den Täter, das Verbrechen suchen wir noch. Ein guter Aktenmensch lässt nur Taten gelten: Hoffmann als Jurist.“

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Der FAZ möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich Dank und Lob verzeichnen .

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Damit nehme ich von der Lügenpresse-Waffenlieferungs-Ideologie der Ukrainezerstörung gegen die FAZ kein Wörtchen zurück. Dazu ist mir die FAZ dann zu wenig deutsch und zuviel USA:

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