Katarina Witt für 3sat bei Beltracchi – „Der Meisterfälscher“ portraitiert

Februar 14, 2016
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vom Sonntag, 14. Februar 2016

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Frau Witt hat jetzt als Vergütung ihrer Promi-Rolle für 3sat das Beltracchi-Gemale, das die Polizei nicht als Fahndungsbild gebrauchen und der Fälschermarkt nicht als Tamara de Lempicka weiterverkaufen könnte.

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Wolfgang Beltracchi, der Kunst-Betrugs-Prominente wird jetzt vom Deutschen Staatssender 3sat zur Unterhaltungsprominenz genutzt.

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Nun geht die preisgekrönte Serie «Der Meisterfälscher» in die zweite Runde.

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Die Gäste der neuen Staffel – hier Katarina Witt, genannt „Eisprinzessin“ – sind ferner Niccel und Emil Steinberger, Hape Kerkeling, Annette Dasch und last but not least Otto Waalkes.

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INTRO der SERIE: Strafhäftling kommt aus dem Knast (wo?) und wird von seiner Ehefrau abgeholt – beide arbeiten zusammen, zur Frage: Gibt es ein Malerleben nach der Haft?

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Er sagt: Ich bin der größte Fälscher, denn ich habe nicht gefälscht, sondern im Stile anderer (über 100 verschiedener schlechter Maler) eigene Werke erfunden und gemalt. Und all die Fachleute und Gutachter haben es nicht gemerkt.

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Nun, das ist natürlich gelogen. Beltracchi behauptet, die Gutachter seien von seinem Fälscherkönnen getäuscht worden. – Das stimmt gar nicht. Das ist –  so sollte man wohl zu einer Kunstfälscher 3sat-Sendereihe dem interessierten Publikum offenlegen – Gutachter werden gekauft:

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Die waren nicht getäuscht, sondern wurden dafür bezahlt, Gutachten zu unterschreiben und Echtheit zu zertifizieren – ein anderer unverzichtbarer Baustein im Erfolg des Betrüger-Werzeugkastens.

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Ein weiterer ist dann, dass nicht Beltracchi dick BELTRACCHI draufschreibt, sondern nix. Aber jemand anderes, später dann, die Signatur-Fälschung draufpinselt JAWLENSKY oder MALEWITSCH oder STEINBERGER.

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Getäuscht von den Provenienz-Urkunden, von den Gutachten und den Kunsthändlern wurden unter Umständen gutgläubige Käufer bzw. Schwarzgeld-Umwandler in namhafte, aber unbekannte Bilder.

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Doch oft dient der Kauf auch nur der Geldwäsche. Dafür darf das Werk eines berühmten Meisters gar nicht selbst sehr berühmt und nicht sehr kostspielig sein – denn das würde im Museumsbetrieb der Berühmtheitswelt auffallen. Nein – ein kleiner Emil Nolde, der erst kürzlich aus einer Familienerbschaft in den Handel gegeben worden sei – das ist, was Beltracchi bringen muss.

 

So viel zum EXPOSÉ der Beltracchi-Serie bei 3sat.

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Man lässt Beltracchi (63) mit unterhaltsamen Prominenten posieren. Sie reden, hier die früher wunderbare Chemnitzer Meister-Eiskunstläuferin, Weltmeisterin und Olympiasiegerin, heute Unterhaltungs-Werbungs-Promi, Katarina Witt (50) und erzeugen den Eindruck, als malte der Maler Portrait, während man sich sympathisch unterhält.

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Frau Witt vergleicht die Kunstfälscherei „ein Bisschen“ mit der Unlauterkeit im Sport durch Doping.

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Beltracchis reist nach Berlin. Wo man sitzt und malt wird nicht gesagt. Frau Witt kommt aufs Bild. Und Beltracchi hat natürlich seinen Fotoapparat dabei, denn man konstruiert das Portrait nicht vor den 3sat-Kameras, sondern unbeobachtet zu hause, angeblich in Montpellier. Die Leinwand ist ca. 75 cm hoch und 65 cm breit und steht auf einer kleinen Klappstaffelei. Über die Farbe, die Pinsel, die Malmittel oder den Geruch, die Trocknungszeiten wird gar nichts erwähnt. Beltracchi hat bereits mit seiner Ehefrau zu hause vorgearbeitet – im Stile TAMARA DE LEMPICKA – irgendwie nun.

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Was 3sat dem Beltracchi und der Katharina Witt zahlt? – es sollte so aussehen, als erhielte Frau Witt das fertige Bild als Entgeltung. Beltracchi erhält den Promi-Jazz und so dadurch natürlich den Agenten und die Ausstellung in der Galerie.

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Über das Malen, das Fälschen, wie Sowas gemacht werden kann, über Malerin Lempicka erfährt der Zuschauer so gut wie nichts:

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„Sie sei ein ganz heißer Feger gewesen“ – starke Frau, hatte Power die Frau, zu Frau Witt passe das, die startete auch einen Neubeginn, und musste weiter gehen, hat sich finanziell etabliert und schon vor hundert Jahren war die großartig gleichberechtigt. Man nannte Lempicka „die schöne Polin“ und riss sich um ihre Bilder.

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Schließlich lebte sie in den USA – es ging ihr gut. Zuletzt, in Mexico, starb sie mit 82 Jahren.

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Die Brustfalte der Frau Witt und die Stirnfalte und dann merkt die, dass die Darstellung Beltracchis gar nicht ihrer Positur folgt, sondern der vorgesetzten Vormalerung. Und Beltracchi erklärt, wie die Falte von den Brüsten käme – viele Frauen hätten die Falte gar nicht.

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Manche zeigen die Falte auch nicht für eine Portraitsitzung und Gackern ohne – wir Frauen.

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Der freundlich-geduldige Kunstfälscher Beltracchi hat etwas Umstände mit dem albernen Gegackere des Modells K. Witt. Keinen Dialog abzubilden, wurde jeder Kamera-Schnitt von 3sat abgeschnitten – es ging angeblich über zwei Tagen Arbeitszeit von Maler und Modell.

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Zum Zirkus mit der Mona Lisa kommt man vom Lächeln zum Lachen, zum Gackern, zu Zahnschmerzen. (Beltracchi malte den angeblichen „Liebhaber der Mona Lisa“ – sein Agent-Galerist erklärt: Der ist einer der Wichtigsten unserer Tage).

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Witt sagt: „Man dürfe ja nicht übergehen, dass Beltracchis „Kunstfälschung“ vom Gericht als Betrug verurteilt wird“

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Witt sagt: „Ich bin kein Spezialist, aber wenn man da sitzt, wird man in die Kunst einbezogen und „hat eine total spannende Begegnung“.

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Beltracchi fragt dafür nicht nach der SED-Mitgliedschaft und der Mitarbeit Witts in der DDR-Volkskammer in Honeckers Lampenladen oder der Doping-Leistungssportorganisation der DDR.

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Frau Beltracchi sagt angesichts des schiefen Pseudo-Lempicka-Gesülzes: „Schön schön schön.“

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Frau Witt hat jetzt als Vergütung ihrer Promi-Rolle für 3sat das Beltracchi-Gemale, das die Polizei nicht als Fahndungsbild gebrauchen und der Fälschermarkt nicht als Tamara de Lempicka weiterverkaufen könnte.

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Später wird das fertige Bild der Katarina Witt überreicht.

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Es ist nicht die Erzählung der verirrten Kunstorganisation – OKF- im kapitalistischen WESTEN und nicht der Absturz der irregeführten Künstler durch verirrte Kunstorganisation und durch Falschkunst für Hochpreise:

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Engel bringt Gewünschtes“.

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Dem Leser dieses (kunstsoziologischen) Bezuges zum Stichwort „Beltracchi“ oder zum Reizwort „Kunstfälschung“ – dahinter stecken dann Anmutungen von Betrug, Kriminalität, Schattenwirtschaft – anhand einer aktuellen Meldung „Giacometti-Fälscher: Millionen ergaunert“ (dpa am 1. Juni 2015) ist eine wertende Fachmeinung des Malers, Künstlergelehrten und Organisationssoziologen anzuknüpfen – die Nachricht lautet in Kürze:

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Wegen Hunderter gefälschter Giacometti-Skulpturen stand ein Bildhauer vor Gericht. Der 56-Jährige gilt als künstlerischer Kopf einer Bande, die mit wertlosen Metall-Skulpturen in Deutschland Millionen gemacht hat. Laut Anklage geht es um einen Schaden von acht Millionen Euro. Es habe Pläne gegeben, mit Fälschungen weitere 50 Millionen Euro zu erzielen.

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Der als Kunst- und Urkundenfälscher verurteilte und eine Gefängnisstrafe ausgesessene Maler Wolfgang Beltracchi (63) wurde erneut gezeigt, wie er für eine TV-Kleinserie Modelle in Essig und Öl und Ei auf Leinwand nicht portraitiert, sondern Quatsch vorführt:

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Wolfgang Beltracchi hat die Möglichkeit als Portraitmaler für 3Sat als Hauptdarsteller mitzuwirken; er hat das angenommen. Und so ist es geworden:

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Der interessierte 3Sat-Zuschauer, erhielt in der ersten Folge dieser Beltracchi-Show Arbeitsschritte vorgetäuscht, wie der Maler angeblich arbeitet – nur gezeigt wird es nicht: Wie ein Wunder sehen wir plötzlich eine feine Portraitvorzeichnung, aber nicht, wie die entstand. Nun pinselte Beltracchi die Linien nach. Nun, mit Emil Steinberger das gleiche Spiel.

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Der erste Blick auf das Bildformat zeigt bereits eine fertige Vorzeichnung des Gesichts.

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Der Maler beginnt hier also mit dem Nachpinseln der Konturen der Zeichnung. Warum er das überhaupt macht, wird nicht gesagt, aber ist auch nicht verständlich. Denn das Ganze wird ja dann übermalt. Er hätte ebensogut die Vorzeichnung ausmalen können, statt die Zeichnung nochmal mit dünner Farbe nachzufummeln. Soll wohl für den Fernsehzuschauer der Eindruck entstehen, es entstünde wie von Zauberhand das Zauberportrait.

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Beltracchi sagt für sich als Fälscher: „Ich kann Alles – mir ist Nichts zu schwer.“

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Ein Gespräch zwischen Goethe und Winkelmann kann nicht annähernd tumb verlaufen sein. Doch die KULTURINDUSTRIE verändert nicht nur die oberflächliche Wegwerfkunst von heute, sondern auch die kulturindustrielle Darbietung einer Kunstfälscher-Verhackstückung.

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Immerhin sagt der Off-Sprecher erklärend:

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Ein Meisterfälscher ist kein Kopist. Kopieren ist viel schwieriger als im Stile von dem und jenem ein neues Bild zu machen. Da muss dann nur die Signatur und das Drum und Dran „historisch“ nachtäuschend sein. Beltracchi behauptet also: Ich kann jeden Maler nachmachen.

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Und der OFF-Sprecher betont: Immerhin ist Beltracchi eine Jahrhunderterscheinung, denn er kann als einziger Malerstile über den geschichtlichen Zeitraum von 400 Jahren vortäuschen (das kann indes jeder zweite Malereistudent – entscheidend ist das Marketing, Schwarzgeld-Begabte „Kunden“ zu akquirieren, wofür sich begehrliche Dienstklasse-Artmen, die im staatlichen Betrieb als „Gutachter“ herumgeistern, am besten eignen).

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Die 3sat-Reihe Staffel 2 hat nun aber nicht gezeigt, dass Beltracchi außer den Kindermalern des zwanzigsten Jahrhunderts andere Stile zu mehr als Laientäuschung auszuführen vermag. Und damit kommen wir zum Schluss.

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Dietmar Moews meint: Erstaunlich, wie wenig man den Zuschauern an Kunst und Malereiverständnis und Malereiinteresse und Neugier am Kunstfälschmetier zutraut.

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Erstaunlich, wie wenig hier die Möglichkeit benutzt worden ist, regelrecht vorzuführen wie Beltracchi sein Publikum vorführt:

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Aber abschließend ganz kurz:

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Wer heute als Restaurator ausgebildet wird, muss zur staatlichen Prüfung eine Meisterwerk-Kopie selbständig ausführen. Die muss vom Ausdruck und von der Werktechnologie Gültigkeit beanspruchen können.

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Das kann Beltracchi nicht. Das versucht er auch gar nicht. Er kann also nicht Zaubern, sondern er hat sich in Primitivstilen der Moderne eingeübt Trickzauber vorzumachen. Das heißt, nicht seine Malerei ist meisterlich oder täuschend verwechselbar gut. Sondern Beltracchi macht das, was dazu führt, dass seine Verkaufspromotoren den Käufern ein solches Beltracchi-Werk als ein „Botticelli“ abnehmen.

 

In dieser Fernseh-Reihe „Der Meisterfälscher“ werden Bilder so vorgemacht, dass es ein Laienpublikum, das die Originalmeister nicht kennt – sondern ebenfalls die Kunst-Bildbände zuhause anschaut – sofort sagt: ja, Botticelli, ja Cranach, ja de Chirico, ja Beltracchi, zauberhaft.

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Auch sehr sympathisch ist dann der Fernseh-Beltracchi selbst, der ständig über die Arbeit stöhnt, die Strichelei, die Altersweitsichtigkeit, die langweilige Trocknung mit dem Elektroföhn – er macht auch noch, während und nach seiner Gefängniszeit als Bandenbetrüger, weiterhin Max-Ernst-Gemälde auf Bestellung der nachfragenden Max-Ernst-Interessenten.

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Nicht gesagt wird, dass Beltracchi natürlich jede Woche fünf Max Ernste machen könnte, lässt er die Fälschung der Max Ernst-Signatur weg, und übergibt die Replik dem „Liebhaber“ (hat womöglich noch für die Röntgenkriminalisten eine Beltracchi-Signatur in die Untermalung / Eitempera unter Öl-Tempera unsichtbar eingefügt), dann könnte Folgendes passieren:

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Der Liebhaber hat gerade ein Geldproblem, macht mal eben eine Max Ernst-Signatur auf den unsignierten Beltracchi und gibt die Max Ernst-Wandaktie an eine begehrlichen Schwarzgeld-Käufer ab.

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Dies ist nunmehr die neue Variante der Kunstfälschung (die übrigens historisch belegt ist: Man signiert einfach nachträglich – man erlässt Beltracchi die Falschsignatur, er muss nur den Matisse malen) – für die Provenienz, die Zertifikate und die Signatur sorgen die Mittelsleute. Während der Käufer auch gar nicht die Echtheit anzweifeln möchte, sondern einen äußerst preisgünstige Matisse erwirbt – Geldwäsche auch so.

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Werke des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti (1901-1966) werden auf dem Kunstmarkt hoch gehandelt. Seine Bronzefigur „Zeigender Mann“ wurde im Mai für rund 141,3 Millionen Dollar versteigert und stellte damit einen Rekord der teuersten je versteigerten Skulptur auf.

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Das Landgericht Stuttgart hat in dem Fall bereits fünf Urteile gefällt: Die beiden anderen Köpfe der Bande erhielten Haftstrafen von jeweils mehr als sieben Jahren. Der Bildhauer war in Thailand untergetaucht. Das Landgericht hat sieben weitere Termine terminiert.“

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Was ist nun also mit der Kunst?

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Was ist mit den Künstlern?

 

Was ist mit den Kunstkonsumenten?

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Wie hängen Kunstinteresse, Kunstgeschäft und Kunstqualität zusammen?

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Dietmar Moews ist selbst Berufskünstler und Künstlergelehrter.

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Im Fremdbild, mit Blick der Gesellschaft auf Dietmar Moews, gehört Dietmar Moews der Berufsgruppe „Künstler“ an – das ist eine fiskalische Zuordnung.

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Zugleich gehört Dietmar Moews im Fremdbild der Gruppe „zeitgenössische Künstler“ an, deren Kennzeichen die anerkannte Produzentenrolle im gesellschaftlichen Kunstprozess ist.

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Betrachtet man nun den empirischen zeitgenössischen Kunstprozess, so liefern Künstler, in der „Produzentenrolle“ in den zeitgenössischen Kunstprozess hinein „Kunstwerke“. Die „Kunstwerke“ stehen im Mittelpunkt des „Kunsterlebnisses“, solche, die den „Kunstkonsumenten“ zum Kunstgebrauch bereitgestellt werden. Durch die Kunstwerke im „Kunsterlebnis“ stehen Kunstkonsumenten (Publikum) und Kunstproduzenten in einer sozio-kulturellen Beziehung – im „Kunstprozess“.

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Es ist zweifellos leicht zu erkennen, dass es dabei um unterschiedliche Rollen im Kunstprozess geht, um Produzenten und um Konsumenten. Und es geht also eindeutig um einen durchaus sozialen „Werkbereich“, unterschieden vom „Wirkbereich“ der Kunstwerke im Kunsterlebnis.

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Wie sind diese greifbaren Sachverhalte einzuorden, wenn es auf möglichst freie lebendige Kunsterlebnisse, sowohl der Kunstkonsumenten wie der Kunstproduzenten ankommen soll? Dabei ist das Kunstgewerbe nur eine Trittbrettfahrerei ums Schwarzgeld oder Spekulationen.

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Jedenfalls sind dies die Werte, „Freiheit“, „Pluralität“, „Zugang und Teilnahme“, Demokratie, Zivilität, Selbstbestimmung, staatliche Bildungsorganisation und Kulturhoheit der Bundesländer, Kulturgestaltungsmacht des Bundes und Allzuständigkeit der Städte und Gemeinden – der Kompetenz-Generalklausel der Basisdemokratie, der Lokalpolitik, der Selbstbestimmung und der Dezentralität.

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Man muss diese sämtlichen Werte dem Alltagsmenschen, der nicht Staatswissenschaftler ist, mal versammelt vor Augen führen, um aufleuchten zu lassen, wenn es einfach heißt „Freiheit der Kunst“ (§ 5 GG).

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DIETMAR MOEWS 1994 Pandora Kunst Projekt München

DIETMAR MOEWS 1994
Pandora Kunst Projekt München

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Dietmar Moews meint: Man könnte den Maler Beltracchi fragen, ob er auch mal Bilder von Armin Müller-Stahl oder Udo Lindenbergs Likörelle oder Otto Waalkes Ottifanten „fälschen“ könnte. Denn auch dafür gibt es eine Nachfrage und Neureiche, deren Kunstverwertung sich auf kenntnislose Gesellschaftsanlässe zu Zwecken der besseren Geschäftsabschlüsse im privaten Umgang mit „sinnlosen“ Luxusgütern anbauen ließen.

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Bei dieser Art von Promi-Kunst geht es nur um 3.500 EURO oder 5.000 und weniger um Geldwäsche. Es sei denn, demnächst kommen Käufer mit Stapeln von 500-EURO-Scheinen zum Barkauf in UDOs Ausstellung.

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Ich versuche das gegenwärtige „Beltracchi / Giacometti“-Thema – durchdrungen und auf die soziale Wirklichkeit von uns allen entschlüsselt – auf den entscheidenden Punkt zu bringen und stelle das zusammenfassende FAZIT hier voran:

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FEHLER – wenn wertoriert kultiviert entschieden werden sollte – ist:

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Solange unechte Werke von professionellen Artmen (Salonpersonnage) zu echten Werken erklärt werden –

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solange unechte Künstler (Salonpersonnage) als echte Künstler durch den Kunstbetrieb gehyped werden –

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solange also nicht die Kunstqualität eines jeden Werkes an dem Werk objektiv abzulesen ist, tritt der längst obsolete Blödheits-Effekt ein: „Des Kaisers neue Kleider“.

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Wir wissen, der Kaiser ist nackt – alle Menschen heucheln Lob über neue Kleider, die der nackte Kaiser gar nicht trägt, nur ein Kind sagt: Der Kaiser ist ja nackt.

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Es hat also keinen Sinn, gegen teuere Versteigerungslose oder hohe Kaufpreise zu sein.

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Es hat also keinen Sinn, wenn ein Kunstinteressent ein DALI-Werk kaufen will. Er wendet sich an seinen Agenten oder Händler. Der sucht die bekannten Sammler, die aktuellen Auktionskataloge, das Insiderwissen ab, wo wer, ob da wer DALI verkaufen möchte – man habe einen potenten Kaufinteressenten an der Hand. Und wenn dann jemand nach dem Motto

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Engel bringt Gewünschtes“ (Hans Platschek) ein DALI-Ölbild bringt, dann sind schließlich alle froh. Wer wollte dagegen was haben? (Dietmar Moews hat sehr viele DALI-Gemälde und unzählige Grafiken gesehen und sagt, NEIN DANKE – meist schlecht gemalte linkische Leinwände, oft langweilige unechte Blätter) – aber, was geht es mich an, wenn sowas jemand gerne kaufen möchte.

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Das Drama setzt konkret bei der miesen Qualität schlechter unechter Künstler an. Wenn Schrubber-gerakelte 6-Meter-Flachware von Gerhard Richter sich nicht vom Estrich einer Messebau-Firma im Akkord unterscheiden lassen.

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Sowohl Wolfgang Beltracchi bringt lediglich schlechte Namen, deren schlechte Malerei er „sinngemäß“ variiert. Man wird von Beltracchi keinen bedeutenden „Picasso“ oder „Matisse“, Monet oder Manet sehen, sondern all das Gesoße, das vielleicht bei der Galerie Thomas aus München noch frischklebrig auf den Kunstmessen erscheint – einer bei Thomas sogenannten „Klassischen Moderne“, große Namen, unbekannte schlechte Sowie-Gemälde im preisgünstigen Geldwasch-Segment (sehr beliebt „Jawlenski“, „Blauer Reiter“, „Max Beckmann“, schlechte „Liebermanns“ (Max Libermann war ein sehr guter Maler), Delauney, Emil Nolde, Seifert-Watenphul, Campendonck – ja natürlich – schon die Geschwister von Alberto Giacometti hatten es bereits zu seinen Lebzeiten mit dem Ausbau der schlechten Figuren ins Geschäft gebracht. Das sind natürlich keine Skulpturen (Bildhauerei vom Material heruntergeschlagen), sondern es sind Güsse, Abgüsse, Schmiedetechnik und Bronze-Güsse Plastiken über verlorenen Formen.

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Die Giacometti-Lieferanten wie auch Wolfgang Beltracchi liefern, was Käufer wünschen.

 

Der Kunstbetrieb und die riesige Schar unechter Künstler, die Kunst von Pseudokunst gar nicht zu unterscheiden wissen – die auch nur auf dieser billigen Schiene selbst als „Künstler“ im Kunstbetrieb und in der Künstlersozialversicherung und in den Künstlerverbänden und sogar schon bei den Studienbewerbern herumhängen, sind der harte Grund dafür, dass es heutzutage möglich ist, schlechte Kunstfälschung am Markt durchzusetzen.

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Der Clou sind die Artmen und Salonperssonage, die oft als studierte „Kunstwissenschaftler“ keine Kenntnisse aber Verwaltungsposten und Parteien-Gschaftlhuber kennen:

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denn diese setzen sich gegenseitig in die sogenannten „hochkarätigen“ Kunstgremien. Diese unechten Künstler sorgen dafür, dass unechte Kunst hochgepreist und in die staatlichen Kunstbezeugungs-Plätze, Biennale, Documenta, Museum Ludwig, „Guggenheim usw. durch die WESTKUNST-Welt gekurbelt werden.

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Dann – hoch gelabelt, hochgepreist, in die wichtigsten Museen geliehen und geschenkt (der schlechte ERNST WILHELM NAY) – kaufen Investoren „Wandaktien“ , deren Werthaltigkeit der syndikalisierte Markt des „ersten Kunstmarkts“ die Verkäufer garantieren (einschließlich Rückkaufoptionen / s. Achenbach).

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Schluss: Nicht Beltracchi oder Giacometti machen was falsch – sondern der Staat organisiert eine verirrte Kunstorganisation, in der im Kunstberuf in allen Belangen Laien und Nichtskönner die begehrlichen Mehrheit als Salonpersonnage bilden. Und das Finanzamt erkennt das an.

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Während früher Salonkunst dazu diente, dass vor den Werken gesellschaftsrelevante Abendveranstaltungen stattfinden konnten – Salonkünstler waren zur Belustigung da („der röhrende Hirsch“ – den musste immerhin jemand malen können) – kümmert man sich heute eben um die Qualität der gemalten „Hirsche“ nicht (warum auch), sondern hat statt Salonmaler oder Salonkünstler nunmehr (professionelle) Salonpersonnage, die sich als unechte Künstler mit unechten Machwerken im Kunstbetrieb verankert haben.

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Darüber stimmt nun die steuerzahlende Wählermehrheit täglich ab, wenn die lustigen 1:30 min in der Tagesschau kommen, wo Gerhard Richter sagt: „Ich finde die Preise sehr hoch“ – oder Schlingensief sagte „Ich bin wichtig“ oder Beltracchi, der sagt: „Ich kann jeden Maler“. Man kann das prüfen:

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Beltracchi kann leider nur die grobe Schlechtware (egal, wenns gekauft wird) und für Giacometti fehlt ihm die Kundschaft – das könnte Beltracchi auch hinkriegen.

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Dr. DIETMAR MOEWS von FOKKO VON VELDE fotografiert

Dr. DIETMAR MOEWS
von FOKKO VON VELDE
fotografiert

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Was sollte Dietmar Moews dagegen haben, dass jemand Giacometti sofort erkennt, wenn er die neue Kunstmesse betritt. Was spricht dagegen, dass jemand anderes sofort Micky Mouse und Donald Duck erkennt, weil Walt Disney völlig legitim seine Kundschaft beliefert.

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Von Kunst hätten wir mit Beltracchi, Giacometti und dem neuen Kölner Ludwig-Leiter Yilmaz Dziewior nichts zu reden und mit dem ganzen Beuys-Gerümpel auch nicht, wenn der Biennale-Leiter von Venedig nicht „Das Kapital“ von Karl Marx vorlesen ließe, von vorne bis zur letzten Seite – aber er selbst hat von dem Inhalt keine Ahnung. Und niemand wird sich die Vorlesung monatelang anhören. Es wird durchgezogen, wie die MEW-Bände ungelesen in den Grüften der SED-Haushalte unaufgeschnitten vergammelt sind.

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UNSERE WOHLHABENDE GESELLSCHAFT verzichtet auf die sistierfähige Übernahme der Verantwortung dafür, heute, als „Demokratie“, die jetzt anstelle der historischen Vorgänger, Kunstbesteller, Kunstentscheider (auch der Kirche und Kulturreiter anderer Kulturherrschaften) die Kunstqualität zu sichern und echte Künstler zu berufen, die hochbegabt sind und das Billige, Zufällige und Chaotische vom menschengemachten Wunder unterscheiden können.

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Helge Achenbach-Auktion: Syndikats-Kunst bei Van Ham ausverkauft

Juni 23, 2015
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vom Dienstag, 23. Juni 2015

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Dietmar Moews Sportbilder 1978 bei Hanns Joachim Friedrichs im ZDF Sportstudio

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Achenbach hat sicherlich Fehler gemacht“, räumt ein Mann ein, der namenlos bleiben möchte. „Aber müssen Superreiche, die mit Kunst noch reicher werden wollen, nicht auch damit rechnen, beschissen zu werden?““

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So leitet die DW (Deutsche Welle) einen Bericht zur Versteigerung des Kunsteigentums des Aldi-Kunstagenten Helge Achenbach, dem seine Erwerbsarbeit zivilgerichtlich verurteilt worden ist und der auf weitere strafrechtliche Würdigung wartet. – „Salonpersonnage“ lautet der Fachbegriff.

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Bildschirmfoto vom 2015-06-23 14:38:47

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Wir hören hier von der Deutschen Welle nichts weiter dazu, wie dieses zeitgenössische Kunstvermarktungs-Geschehen zu verstehen wäre:

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Kunstsoziologen in Köln Moews und Silbermann (Prof. Dr. Alphons Silbermann 1909-2000)

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Es ist eine mit überdimensionalen Staatsmitteln (Steuergesetze, Budgets und Personal) aufgeblasene ordnungspolitische „Verirrte Kunstorganisation“. Dabei wird der Eindruck erzeugt, es handele sich – wie hier bei Achenbach / Van Ham – um Marktwirtschaft, privater Kunstmarkt. Dem ist eben überhaupt nicht so (s. a. Dietmar Moews „Verirrte Kunstorganisation in der Bundesrepublik Deutschland … Soziologisch-empirische Untersuchung“, Universitäts-Dissertation, Bremen 2000:

http://elib.suub.uni-bremen.de/publications/dissertations/Diss1224_Moews.pdf

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Dietmar Moews „Die Wonnen der Gewöhnlichkeit“ DMW 338.7.82; 156cm / 135cm; Öl auf Polyäthyl / Blattgold, 1982 in Kirchhorst / Hannover gemalt; VK Euro 3.200.-

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Was hier bei Achenbach / Van Ham als Privatkunstkauf von „Sammlern“ vorgespielt wird, basiert auf einem feingestrickten Kunstdirektions-Modell, das der deutsche Staat zur Kontrolle der zeitgenössischen Kunst, ausgehend von den 1960er Jahren aufgezogen hat.

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Dietmar Moews „Carebean Chimpanzees“, DMW 651.1.6; 155cm / 135cm; Öl auf Polyäthyl. November 2006 in Springe gemalt; VK Euro 3.200.-

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BEISPIEL: Herr Aldi kaufte natürlich steuerbegünstigt. Herr Achenbach hatte diverse fiskalisch begünstigte Finanzierungsmodelle in seinem Absatz-Werkzeugkasten. Dabei denken dann die Kunstkäufer, sie machen ein Schnäppchen nach dem anderen, bekommen günstig zum halben Preis geschenkt, zusätzlich Kickback in bar und Rückkaufgarantien, garantierte „Wertsteigerung“, Aufwertung der gekauften Kunstware durch gezielte Plazierung der „Werke“ in namhaften staatlichen Museen, Ausstellungshallen, Documenta, Bienale, Kunstmessen, daran hängend der gesammte Schranzenschwanz der „Kunstkritiker“, der Salonpersonnage und „hochkarätigen Kunst-Sachverständigen“, Expertise, Provenienz, Gutachten (Werner Spieß und Beltracchi liefern gegen Bares) in den ersten Blättern des Staatskunst-Staates (und in der DW mit Stefan Dege) usw.

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Die „DW“ „Deutsche Welle“ – vielweltsprachlicher deutscher Staats-Radiosender aus Bonn berichtete mit dem Autor Stefan Dege über die Kunstversteigerung beim Auktionshaus VAN HAM:

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Verwundert reibt sich Gerd Seifert die Augen. „Beachtlich“ findet er, was der schillernde Kunstberater in seinem Kunstlager so alles zusammengetragen hat. Rund 2000 Gemälde, Skulpturen, Plastiken, Drucke und Fotografien kommen unter den Hammer. Die wertvollsten werden in Köln versteigert, darunter drei Werke von Gerhard Richter, ein Kissenbild von Gotthard Graubner und lebensgroße Affen von Jörg Immendorf. Vier Tage lang währte der Auktionsmarathon bei Van Hamm. Es war die größte Versteigerung zeitgenössischer Kunst in Deutschland.

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Dietmar Moews „Sitzender Schimpanse hält Hände“, DMW 677.1.12 100cm / 73cm; Öl auf Polyäthylän, Im Jahr 2012 in Berlin gemalt; VK Euro 3.000.-

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Superlative, die ihre Wirkung nicht verfehlen: Der Presserummel hat einen Sog ausgelöst. Neugierig und weil sie einmal echte Auktionsluft schnuppern wollte, ist Christel van Stigt gekommen.

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Dietmar Moews „Schiffsmotiv“ Öl auf Leinwand, 190cm / 190cm, 2013 in Berlin gemalt; VK Euro 7.250.-

 

Die gebürtige Hamburgerin hält Ausschau nach Bildern mit Schiffsmotiven. Eine junge Frau aus Mexiko, die zur Art Basel in die Schweiz gereist ist, hat kurzerhand einen Abstecher nach Düsseldorf gemacht. „Vielleicht bekomme ich etwas Schönes!“

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Dynamisches Bietergefecht

Auf die Leinwand springt das Bild einer weiteren Affenskulptur. Schätzpreis: 500 Euro, aktuelles Gebot 2000 Euro. Die erste Bieterkarte steigt auf. Dort reckt sich die zweite. Eine dritte folgt. Der Auktionator erhöht den Kaufbetrag in 500 Euro-Schritten. Ein Ruck geht durch die Sitzreihen. Eisenbeis legt sich ins Zeug. Jetzt steigen Telefon- und Onlinebieter ein. Junge Frauen an Telefonen und Computern, die entlang der Hallenwand sitzen, skandieren Geldbeträge. Der Auktionator ist in seinem Element. Er hebt die Stimme, fällt ins Stakkato. Plötzlich, mit einem jähen Schauern, erstirbt das Bietergefecht. Der Hammer fällt.

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„Da sind Leute, die wissen nicht wohin mit ihrem Geld“, wundert er sich über die illustren Auktionsbesucher, „andere können sich kaum den Katalog leisten, dafür schlägt ihr Herz für die Kunst!“ Dabei wüssten viele der kaufkräftigen Bieter vielleicht schon in 20 Jahren nicht mehr, ob Immendorf sich mit einem oder mit zwei „m“ schreibe. Ein Affentheater eben.

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Tucuman / Argentina

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Handelsblatt.com, 20. Juni 2015, mit Autor Christian Fricke : „SUPERLATIVE Der viertägige Auktionsmarathon um den Lagerbestand Helge Achenbachs ist mit einem unerwartet hohen Ergebnis zu seinem nur vorläufigen Ende gekommen. Ende September kommen rund 100 sperrige Installationen zum Aufruf.

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Köln; „Es war eine Auktion der Superlative“, fasst Markus Eisenbeis, Chef des Kölner Auktionshauses Van Ham den vier Tage dauernden Auktionsmarathon um den Lagerbestand des im Gefängnis sitzenden Kunstberaters Helge Achenbach zusammen. 6,5 Millionen Euro allein an Zuschlagssumme für rund 2.300 Werke stehen am Abend des 20. Juni 2015 in seinen Büchern; mit Aufgeld machen das 8,9 Millionen Euro. So viel hat noch keine Auktionsserie im Hause eingefahren.

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Dietmar Moews meint: Die marktwirtschaftlichen Westkunstagenten (wie auch Helge Achenbach) organisieren einen mit staatlichen Organisationsmitteln durchgesetzten Kontrollkunstmarkt.

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Der Staat stellt die massenmediale Bereitstellung und Hochbewertung belangloser Mistkunst den privatwirtschaftlichen Agenten zur Verfügung. Die nehmen sich leichtgängige Mickymäuse unter Vertrag und betreiben den „KUNSTBETRIEB“ des zugangsbeschränkten Staatskunstmarktes.

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Bei der Witzschranze Immendorf konnte man es wunderbar sehen – natürlich durch das Syndikat mit dem monatlichen Professorengehalt versehen, brachten seine Publizisten und die malenden Studenten in Düsseldorf  „Immendorfbilder“ hervor, die Immendorf außer Stande gewesen wäre überhaupt zu malen:

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„Der Affenschröder“ ist ja der in die weite Nichtkunstgesellschaft Deutschlands hinein bekannte Fall, albernster Camouflage, die der Staat an Stelle von Kunst und Künstler syndikalisieren lässt – ist doch witzig, so ein Kanzlerbild (wäre nicht wirklich Kunst ein Anliegen jeder Gesellschaft).

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Helge Achenbach ist ein lustiger Vogel – wer nichts wird wird Wirt, wer nicht Wirt wird wird Polizist – der kann gebrauchte Ferraris oder Bentleys vermitteln und Herrn Aldi belatschern, wie toll man sich fühlt, wenn man mit Concorde über den Atlantik fliegen kann: Engel bringt Gewünschtes.

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Die erzielten Preise bei Van Ham rühren sowohl

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EINS vom Glauben der Käufer an Wert und Kunstwert

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ZWEI Immer wieder Schwarzgeld-Wäsche und Abschreibungen

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DREI Die Garantie des „ersten Kunstmarktes“ für die Werthaltigkeit der angebotenen Syndikatskunst – Gerhard Richter wurde in allen für das Syndikat relevanten Museen der Welt plaziert (überwiegend des Namedropping-halber hingeschenkt). Deshalb sind diese Gemälde auch so unsagbar schlecht:

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Ein einfacher Richter, samt Fabrikhalle und Helfern, kann nicht von Hand die ganze Welt mit den Groß-Wandaktien zuballern – deshalb kommt man auf Schrubbertechniken (drei Tafelbilder pro Tag – noch schneller als die Tausende schlechten Picasso). Und man kann natürlich drei ganz gute frühe Gemälde von Richter oder Polke vorzeigen (Ich denke da an das Foto-Repro von der brennenden weißen Kerze als Siebruck – steht unlimitiert in der warmen Druckpresse). ABER vertickt wird tausendfach Massenschrott der „Meisterwerkstätten“.

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Das Ganze funktioniert aufgrund der heutigen, segensreichen Situation:

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Wir haben heutzutage beinahe die gesamte Weltkunst an analog zugänglichen, jedenfalls digital bereitgestellten Meister-Werken aller Epochen.

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Das Kunstbedürfnis kann ganz sinnlich mit den Großen Meistern befriedigt werden. Und der „demokratische Kunst-Betriebsanspruch des Volkes“ wird mit den Partys bei den Immendorfschen Rotweinglashaltern befriedigt.

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Ist doch besser als Krieg. (Es ist aber der Vordergrund, in dessen Hintergrund der Krieg bewirtschaft wird – erste Rufe zur Verteidigungs-Aufrüstung Deutschlands werden publiziert).

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Was wollen Sie? – Geduldig lässt man sie bloggen.

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Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi macht Christoph Waltz bei 3Sat

Dezember 20, 2014

Lichtgeschwindigkeit 5198

am Samstag, 20. Dezember 2014

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Der als Kunst- und Urkundenfälscher verurteilte und eine Gefängnisstrafe absitzende Maler Wolfgang Beltracchi (61) wurde erneut gezeigt, wie er für eine TV-Kleinserie ein Modell in Essig und Öl auf Leinwand portraitiert: Das Kulturindustrie-Modell Christoph Waltz Richtung Max Beckmann, – na, ja.

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Wolfgang Beltracchi hat die Möglichkeit als Portraitmaler für Endemol und 3Sat als Hauptdarsteller mitzuwirken angenommen und so ist es geworden:

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Der Maler Wolfgang Beltracchi und der Schauspieler Christoph Waltz treffen sich im Ostberliner Ballhaus. Sie werden nicht warm – legen aber auch keinen Wert darauf. Waltz macht freundlich mit. Beltracchi redet seine inzwischen bekannten Unverfrorenheiten: „Darf ich Sie was fragen, Herr Waltz? Ihre Mutter hat bei Fernand Léger studiert? – Das ist ja Wahnsinn, dass ich den ausgerechnet gemalt habe“ (wieso ist das Wahnsinn?).

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Wer aufpasst und Augen im Kopf hat, wird bei Begrüßung bemerken, wie Beltracchi unvermittelt und als Erstes den Waltz auf dessen Schnauzbart anspricht. Nach etwa 25 Minuten wird klar:

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Während Maler-Modell Waltz einen Schnauzbart trägt, hat der Beltracchi-Photorealismus versehentlich ein Photo-Modell-Waltz ohne Bart vorgearbeitet. Nun – da ja Beltracchi gar nicht portraitiert, sondern die heimlich vorgezeichneten Linien der Photovorlage auf die Leinwand abpinselt, kann der Maler mit dem Schnauzbart vor Augen nichts anfangen.

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Dem ebenfalls mit forscher Folklore hervortretendem Schauspieler Waltz („Mumpitz, sehr viel Mumpitz“), der dann auch noch sagt: „Man muss die Kunst nicht erklären – jeder soll selbst sehen!“ Sieht sich also auf Beltracchis Tableau als bärtig Portraitierter – nur, ohne Bart und merkt bzw. bemerkt das nicht (während Beltracchi dieses Problem bereits beim Hereinkommen des lebendigen Christoph Waltzt sogleich merkte, dann aber auch nichts dazu sagte, außer: Die Hände).

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Erster Maltag: Ein bereits ohne Publikum abgemaltes Max-Beckmann-Gemälde (Armformat) wird von Beltracchi auf seine Staffelei gestellt und mit einem indigoblauem Tuch verhängt (damit das Modell Waltz nicht sieht, was da bereits längst vorher „portraitiert“ worden war).

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3Sat zeigt, wie der als „Meisterfälscher“ bezeichnete Beltracchi dem Modell (Waltz) Einen vom Pferd erzählt, indes nicht, wie das Portrait auf der Malfläche entsteht.

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Im Bildzentrum der „Beckmann-Fälschung“, in die nun das Gesicht von Waltz noch eingefügt werden soll, ist die Hauptfigur noch gesichtslos – aber bereits mit einem Boluston grundiert.

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Und, schaut man nun genau hin, während der Maler Beltracchi mit seinen Flachpinseln die für Beckmann typischen schwarzen Konturen in das noch nicht ausgemalte Gesicht hinpinselt, ist am Fernsehschirm zu hause zweifellos zu erkennen, dass bereits eine fotorealistische Stiftzeichnung des Waltz-Gesichts, von vorne gesehen, unter der Grundierung der Freifläche durch den Bolus hindurchscheint.

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Glauben wir, dass wir mit 3Sat Zeuge des ersten Maltermins der Portraitssitzung sind, dann hat man also die Portrait-Vorzeichnung schon vorher, ohne das Portrait-Modell Waltz, hergestellt – wie denn? wer denn? – wir sollen glauben, Wolfgang Beltracchi sei der „Gesichtsfälscher“ gewesen, vermutlich nach einem Foto. Nur wird das dem Fernsehzuschauer vorenthalten. Es handelt sich nämlich um den Zaubertrick dieses „Beltracchi-Foto-Realismus“, dass da immer schon nach Foto vorgearbeitet ist, wenn sich Meister und Modell an die anscheinende Arbeit machen.

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Wenige Minuten Malschnitte zeigen nun, wie Beltracchi diese ziemlich realistische Vorzeichnung hinsichtlich der Portraitgenauigkeit nachzieht.

Der Kritiker muss hier einwenden: Was entsteht ist fotogenauer als es bei Beckmann normaler Weise der Fall ist. Und es ist „totgemalt“ – es wird zu viel Farbtubenfarbe vermalt. So dicke Aufstriche haben Beckmanns Original-Bilder manchmal in den hastigen Pinselzeichnungs-Umrissen, eigentlich aber nie in den Flächen (sowas Dickes findet man mehr bei Rembrandt).

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Es wird dadurch weniger ein Waltz-Beckmann-Portrait – wie die gesamte restliche Darstellung in diesem Beckmann-Beltracchi-Bild, das ein Waltz-Portrait werden sollte, aber bereits mit einer Beckmann-Kopie überzogen fertig dasteht.

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Aber Beltracchi möchte dem Laienblick der 3Sat-Zuschauer und damit der Referenz des Modells Christoph Waltz vorgreifen, das zwar sagen darf „Beckmann gefällt mir nicht“ („die Hände sind schlecht“, meint Beltracchi). Aber keiner sollte an der Portraitgenauigkeit der Portrait-Kunstfertigkeit Beltracchis zweifeln, wenn er dieses 3Sat-Machwerk sieht.

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Es ist eigentlich witzig: Der 3Sat-Zuschauer  soll glauben, es würde gezeigt, wie Beltracchi fälscht. Nur, das wird gar nicht gezeigt.

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Was immer als „Beltracchi“ hier vorgeführt wird, entsteht nicht vor Augen der Zuschauer.

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Ja, wir wissen nicht mal, ob das abgebildete Gemale irgendein namenloser Zahntechniker oder Gebrauchsgrafiker herstellte und was dabei Beltracchi selbst zu tun hatte.

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Mit dieser Trickübung zeigt Beltracchi, dass er ein Beckmann-Vorbild aus dem Bilderband irgendwie reproduzieren kann (er zeigt aber nicht, wie er und seine Frau das machen – ob sie malen).

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Ein Beckmann-Portrait von Waltz hat er nun nicht vorgemacht. So gesehen hätte Beltracchi-3Sat besser einen Foto-Siebdruck von Andy Warhol mit Christoph-Waltz-Automaten-Foto vormachen sollen.

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Bei dieser Christoph Waltz-Arie wird nun dem 3Sat-Publikum gar nichts mehr mitgeteilt, was mit Malen, Portraitieren oder Fälschen zu tun haben könnte. Beltracchi teilt mit, dass man gerne ins Beckmann-Museum oder ins Museum Ludwig Köln oder ins Städel Frankfurt gegangen wäre, aber die lassen keine Beltracchi-3Sat-Darstellung in die seriösen Gemächer der Museums-Gemälde.

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Alle Museums-Chefs hätten abgelehnt.

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Man bringt leider keinen der Staatskunst-Beltracchi-Ablehner vor Mikrofon und Kamera.

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3Sat möchte offensichtlich die Beltracchi-Mache unerklärt vors 3Sat-Fälscher-Publikum bringen. So könnte deutlich werden, wie urteilsschwach ein jeder Fernsehzuschauer ist, sobald sich noch ein berühmter Oscar-Schauspieler Waltz dafür hergibt.

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Dabei hatte der Christoph Waltz weder mitgeteilt, warum gerade á là Max Beckmann „portraitiert“ werden sollte. Und er enthielt sich – außer den halblauten Aufschrei, nachdem er nach mehreren Sitzungen das erste Mal das fertige Gesamtbild sehen durfte – vollkommen jeder Wertäußerung und auch jeder Sympathiebekundung für Wolfgang Beltracchi, der dann ganz einfach sich selbst auf die Schulter klopfte und sagte:

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„Jetzt muss ich mir mal selbst auf die Schulter klopfen – es ist wirklich gelungen, mehr Beckmann kann es nicht sein“.

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Der Off-Sprecher behauptet: Die Beltracchis treffen sich – fertig.

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Beltracchi sagt: Es sind über hundert Fachleute – der verschiedenen Maler, die ich nachgeahmt habe – die alle versagt haben, meine Bilder als Fälschungen zu erkennen. Das Ehepaar blättert Beckmann-Fotobände durch.

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Zweiter Maltag mit Waltz: „Langweilen Sie sich?“ Waltz meint: „Nein überhaupt nicht“.

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Ich glaube, die Hände von Beckmann – viel besser kann man das nicht mehr machen, jedenfalls nicht als Beckmann“, suggeriert Beltracchi seinem Publikum – denn Waltz, zu dem Beltracchi vor der Kamera spricht, der ja keinen einzigen Blick auf die Malgänge werfen durfte, lässt sich gar nicht ein – wie auch, wenn er nichts sieht.

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Dietmar Moews (als Berichterstatter hier) hat sehr viele Bilder – eigentlich alle Hauptwerke von Max Beckmann –  in zahlreichen Wanderausstellungen und an Originalplätzen in aller Welt sehen können: „Ich schätze Max Beckmann nicht, verabscheue die schwarzen „spanischen“ Konturen, – finde sogar die Bilder, die er nach seiner Übersiedlung nach New York malte, wirklich schlecht“.

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Hier, für Wolfgang Beltracchi, ist das unerachtlich – es ist mehr die Frage: Ist dieses hier von 3Sat zelebrierte Portrait eine gelungene „Fälschung“ des Bild- und Malstils von Max Beckmann, wie angekündigt?

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Und hier lautet meine Beurteilung, anders als die Selbstbezeugung Beltracchis: Gerade bei der Christoph-Waltz-Gesichtsdarstellung im Beltracchi-Beckmann von 3Sat ist erheblich mehr Farbe vermalt worden, als bei Beckmann-Bildern sonst. Das Waltz-Gesicht hat viel mehr pastose Farbmasse als hier bei dem im Waltz-Portrait dem Beckmann nachempfundenen Arsch, den Beltracchi so lobt.

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Beltracchi wagte nicht, das Waltz-Portrait so zügig zu „abstrahieren“ wie es Beckmann Portraits gewöhnlich sind. Ich denke da an die zahlreichen Selbstbildnisse von Max Beckmann.

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Sollte Beltracchi doch mal ein Beltracchi-Selbstportrait vorlegen, das im Beckmann Stil „gefälscht“ worden ist (ich will gar nicht überprüfen, wie er es malt, nur  sehen, was er irgendwie im Beltracchi-Foto-Realismus fabriziert.)

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Was löst das Bild bei Ihnen aus (Christoph Waltz)? fragt der 3Sat-Off-Sprecher-Filmer aus dem Off.

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Antwort Waltz: „Jetzt muss man das Bild erstmal Bild-Sein-lassen – ich würde Ihnen sowieso nicht sagen, ob und was mich berührt.“

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Dietmar Moews meint: Diese Meisterfälscher-Folge wurde schlicht langweilig. Kaum vorzustellen, dass hier jetzt Harald Schmidt, Gloria von Emmeran oder Max Helge Achenbach Spaß daran hätten, die hohle Angeberei anzuschauen. Wolfgang Beltracchi kündigt an: Bald gehen wir wieder nach Frankreich, in die Heimat. Da haben wir ja immer gelebt. Da haben wir alle unsere Freunde. Wo man seine Freunde hat, ist die Heimat. Oder?

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Christoph Waltz hat Heimat mit Beltracchi-Freunden so anscheinend nicht – er kann die Heimatdefinition Beltracchis nicht bestätigen.

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Beltracchi meint auch, in Deutschland gibt es hundertausend Vorschriften – in Frankreich ist Alles erlaubt.

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Klar, dass auf solchen Prämissen nicht „Heimat“ sondern eher „Hemdsärmligkeit“ diskutierbar wäre – und das wäre hier zum Fälscher-Künstler und seinen Kenntnissen und Qualitätsbegriffen ein Einstieg. Doch das war nicht Absicht dieser 3Sat-Mistsendung in mehreren Folgen – aber, neuer Rekord: 39 mal das Wort Beltracchi in einem Beitrag und damit ganz klar 3Sat geschlagen.

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Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi malt Harald Schmidt bei 3Sat

Dezember 7, 2014

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am Sonntag, 7. Dezember 2014

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Der als Kunst- und Urkundenfälscher verurteilte und eine Gefängnisstrafe abgesessen habende Maler Wolfgang Beltracchi (63) wurde gestern das erste Mal gezeigt, wie er für eine TV-Kleinserie Modelle in Essig und Öl auf Leinwand portraitiert: Den Fernseh-Unterhalter Harald Schmidt (57) Richtung Otto Dix, die bayerische Schlosseigentümerin Gloria von Thurn und Taxis Richtung Lukas Cranach – na, ja.

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Wolfgang Beltracchi hat die Möglichkeit als Portraitmaler für Endemol und 3Sat als Hauptdarsteller mitzuwirken angenommen, und so ist es geworden:

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Harald Schmidt wollte nach eigener Wahl für ein „Otto-Dix-Portrait“ modellsitzen – das fertige Bild sollte seine Entgeltung werden. Gezeigt wurde dann, Beltracchi und Schmidt treffen sich, sind freundlich, reden so Dies und Das (aus dem Off wird erklärt: Hier in Mülheim hat Harald Schmidt seine Tausende Latenight-Shows aufgezeichnet). Schmidt sitzt neben Staffelei und Leinwand (etwa 100 cm mal 75 cm, mittlere „Portrait-Leinwand, irgendwie grundiert) dem Maler gegenüber. Beltracchi schaut hin, kleine Positionsanweisung ans Modell, lässt sich anschauen und beginnt eine gefrickelte Bleistiftskizze auf der Leinwand zu zeichnen.

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Aus dem Off werden kurze Hilfserklärungen eingesprochen, aber nichts Fachliches über Maltechnik oder zu den Eigenarten von Otto Dix. Das Modell Schmidt äußert persönliche Abwertungsmeinungen zur heutigen Kunst, womit er seinen Vorschlag „Otto Dix“ begründet (vielleicht hätte ihm Christian Schad besser gefallen? – Nein, der ist nicht so bekannt).

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Beltracchi wird im Laufe dieses Portrait-Sitzungs-Gesprächs mit der TV-Kamera nicht wirklich auf die Finger geschaut, man sieht nicht wirklich, wie er seine Proportionen und Abstände, Größenverhältnisse und Korrekturen ausführt – egal. Einige Schnitte weiter pinselt er mit dem feinsten Rundspitzpinsel die Bleistiftkonturen dunkel nach, bald ist dann schon mal eine öllasierte Portraitzeichnung zu sehen, die Größe und Position des Kopfes sind festgelegt, Schmidt sitzt links-seitlich von vorne im Bild.

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Nun sehen wir gleich, dass Beltracchi eine banale Fotoabmalpraxis pflegt, nennen wir es „Beltracchi-Foto-Realismus“ – nur wird das bei 3Sat nicht gesagt (so billig kommen Strassenportraitisten auf der Piazzale Michelangelo nicht davon).

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Alles stimmt – wie bei Wilhelm Buschs Maler Klecksel: Vor Allem das Brillengestell ganz genau, Nase, Ohr, Mund, zwei Augen.

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Dann kommt ein kleiner Taschenspieler: Otto Dix und der Persönlichkeitsausdruck durch Handbewegung (Schmidt würde ja mit den Händen reden) – also mal eben eine Foto-Aufnahme mit dem Mobile. Hierbei legt Beltracchi die spätere Position des Portraits fotografisch fest (wie lang sind die Koteletten, Ohrläppchen angewachsen, Nasenhaare, Augenfarbe gefragt).

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Und schon geht’s weiter. Dem Modell gefällt die Arbeit gut. Sie verabreden sich fürs nächste Mal. Dann hat der Maler zuhause schon mal das Ganze farblich durchgearbeitet und man kann letzte Abstimmungen mit Modell zum guten Ende führen. SCHNITT.

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Beltracchi zuhause diskutiert mit seiner Ehefrau anhand von Bildbänden Abbildungen von Portraitgemälden von Otto Dix und Lukas Cranach.

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Hier hätte zumindest der Maler Beltracchi selbst ein wenig aus der Schule plaudern sollen, für welche Besonderheiten er sich für das Harald Schmidt-Bild, aus welchen Malergründen entschieden hat. Denn Otto Dix hat extrem unterschiedlich gemalt. Auch gegenständliche Bilder, wie ein solches der Neuen Sachlichkeit zuzuordnendes Portrait, wurden von Dix teils dick bis pastos in Öl gemalt, teils, wie es Beltracchi der Einfachheit macht, dünn wie ein Aquarell. Beltracchis Behauptung, er male Schmidt in Öl-Lasurtechnik, ist im Sinne von Otto Dix falsch und irreführend. Beltracchi hat mehr eine kolorierte Zeichnung angefertigt. Trocknet ja auch schneller (zur Not mit einem Elektro-Fön).

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DIETMAR MOEWS "Mexikano" DMW 567.7.0,140 cm / 140 cm, Öl auf Textil, in Dresden im Jahr 2000 gemalt

DIETMAR MOEWS
„Mexikano“ DMW 567.7.0,140 cm / 140 cm, Öl auf Textil, in Dresden im Jahr 2000 gemalt

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Ein Malereifachmann, als der Wolfgang Beltracchi ja zu bezeichnen ist, ist erkennbar ein weit aufzufassender Begriff.

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Ein professioneller Restaurator, der speziell Otto Dix-Maltechnik studiert hat, müsste sagen: Beltracchi ist schlau. Er immitiert Otto Dix nur so weit, an der Oberfläche, dass seine Kundschaft glücklich ist. Das heißt: Portrait und Otto Dix müssen geglaubt werden können, dazu kurze Arbeitszeit, minimale Lohn- und Materialkosten; der Fachmann sieht zumindest hier bei der 3Sat-Nummer, dass nur Dekorationsmalerei geboten wird (Harald Schmidt und Gloria in 100 Jahren? – Kölle Allaaf)

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Wolfgang Beltracchi sitzt jetzt also zu hause und hat sich eine lebensgroße farbige Fotovergrößerung gezogen, die er neben der Darstellung als Abbildung auf der Leinwand kleben hat und pingelt nunmehr die Feinheiten, die er links sieht, rechts ab. Er sagt auch schon mal: Dafür könnte ich einen Assistenten gebrauchen. Zu seinem Farbenfabrikat aus der Tube, seinen Malmitteln, seinen Pinseln, sagt er gar nichts. Was jeder Maler hat – einen Lappen – kriegen wir nicht zu sehen.

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Das Modell Harald Schmidt hat jedenfalls nichts Kennerhaftes geäußert, warum ihm diese oder eine andere Otto-Dix-Malweise gefällt oder nicht. Schmidt hat eigentlich keinerlei fachliche oder künstlerische Frage gestellt. So entspricht es wohl auch der Zielgruppe: 3Sat zwei PROMIS im SMALL-TALK – keine langen oder fachlichen Belehrungen, die man dann im digitalen Fernsehbildschnitt sowieso nicht sehen könnte.

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Okee Dokee:

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Beltracchi und Schmidt treffen sich ein zweites Mal.

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Jetzt war das Bild eigentlich (in Abwesenheit der TV-Kamera) schon weitgehend fertig. Schmidt bewunderte seine Hände (die Hände auf dem Gemälde), die aussahen wie die Hände von Otto Dix, und findet Beltracchi gut, der wenigsten was kann. Der machte schnell noch mal ein Foto vom Kopf, wegen der Haare und des speziellen Brillendesigns (denn Sowas merken die). Und weiter ging’s, wieder nach hause – wenn es fertig ist, würde Beltracchi es Schmidt ins Büro bringen.

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Beltracchi hat sein Dix-Schmidt-Portrait in Folie eingeschlagen und kommt ins Büro. Schmidt ist wieder freundlich,

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soll ich auswickeln helfen,

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nein, geht schon.

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Beltracchi stellt das Bild an die leere Wand. Ja, das ist ja gut geworden – Beltracchi sagt was von Otto-Dix-Stil, er könne es auch aufwendiger malen – der Kopf schaut ernst, aber wenn man genauer hinsieht, kann man auch einen Anflug eines feinen Lächelns ahnen, sagt der Maler (Schmidts Ironie), ja, sagt Schmidt, wie Mona Lisa.

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Zweites Motiv: Fürstin Gloria aus Regensburg wie Lukas Cranach der Ältere. Gloria sagt: Ich weiß auch nicht, wie viele Fälschungen sich in der Kunst-Sammlung THURN und TAXIS befinden: Ich will es auch gar nicht wissen. Sie schätzt ihn auf über Sechzig – ja, im Gefängnis sei er gealtert. Hinsetzen, etwas rumfrickeln, ein Püppchengesichtchen in Zeichenstift, dann das Foto – und ab geht’s, nach hause.

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Jetzt geht’s ganz schnell: Anstrich mehrerer Flächen, Kleidung, Hintergrund, Vergoldung. Welche Werkzeuge, welche Farben, Öl? welche Malmittel? wissen wir nicht, dann der Auftrag einer Mixion – für Blattgold oder Schlagmetall? – da besteht erfahrungsgemäß ein großes farbtechnologisches Problem: Die Ölfarbe trocknet sehr langsam bzw. sie lässt sich leicht wieder auflösen, besonders auch mit einer Vergoldungs-Mixion. Es wird nicht erklärt, wie lange hier getrocknet worden war, oder, ob er vorher mit Wasserfarbe gemalt hatte.

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Jedenfalls ist seine Vergoldung lustig, ohne Schläger usw. es bleibt tatsächlich überhaupt kein Blattgold sonstwo kleben, auch nicht überall dort, wo grundiert worden war und wo es kleben sollte. Wie der Maler das Problem löst, wird nicht erkennbar, während er zu hause das Foto abmalt. Denn nun kommt er schon wieder ins Schloss von Regensburg. Gold und Edelsteine, Glitzergewand einer wiedergeborenen Renaissance, so gut wie keine Portraitähnlichkeit (eben Wilhelm Buschs Maler Klecksel). Gloria ist vollprofessionell happy, Beltracchi doch auch.

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Dietmar Moews meint: ENDEMOL und 3Sat bringen das Thema Malerei nach dem Motto „Leute abholen, wo sie sind“.

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Da kommt mehrfach, wie Beltracchi sagt: An einem Nachmittag gemalt, eine Million gekriegt, kein schlechter Stundenlohn, da müsste Harald Schmidt eine ganze Woche für arbeiten.

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Ich kann jeden Stil. Ich war faul. Ich habe nur ca. 300 Bilder gemalt. Es hätten Tausend mehr sein können. Die Agenten haben an OFF-Shore-Firmen und Geld-POOLS verkauft, nur an sehr reiche Leute – seine Straftaten bestanden in der Benutzung der fremden Namens-Signaturen. Alles andere machte die Begehrlichkeit und die Augenlosigkeit und mangelnde Kennerschaft der Kundschaft – selbst Galeristen haben Campendonck, Max Ernst oder Kirchner geglaubt.

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Einfacher ist es, wenn man im Stile des Malers was ganz Neues malt, statt ein Original zu kopieren. Zu replizieren oder zu fälschen ist schwierig.

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Beltracchi ist ein Freund der Kunst und der Malerei, hat Kenntnisse und Augen im Kopf, dazu eine Frau die vermutlich auch mitgemalt hat, wenn der Liefertermin drückte (Assistenten gebrauchen), und solche Mittler, die wussten, wie der Westkunstbetrieb aus Flachware, Wandaktien macht und Provenienz wie Zertifikate liefert: „Engel bringt Gewünschtes“

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Ganz sicher könnte Beltracchi eine Menge zur heutigen Kunst und aus seinen konkreten Erfahrungen mitteilen – aber das war jetzt bei diesem „britischen“ Endemol-Format bei 3Sat nicht vorgesehen (und wohl auch nicht im Preis drin – schade).

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