Helge Achenbach-Auktion: Syndikats-Kunst bei Van Ham ausverkauft

Juni 23, 2015
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vom Dienstag, 23. Juni 2015

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Dietmar Moews Sportbilder 1978 bei Hanns Joachim Friedrichs im ZDF Sportstudio

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Achenbach hat sicherlich Fehler gemacht“, räumt ein Mann ein, der namenlos bleiben möchte. „Aber müssen Superreiche, die mit Kunst noch reicher werden wollen, nicht auch damit rechnen, beschissen zu werden?““

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So leitet die DW (Deutsche Welle) einen Bericht zur Versteigerung des Kunsteigentums des Aldi-Kunstagenten Helge Achenbach, dem seine Erwerbsarbeit zivilgerichtlich verurteilt worden ist und der auf weitere strafrechtliche Würdigung wartet. – „Salonpersonnage“ lautet der Fachbegriff.

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Bildschirmfoto vom 2015-06-23 14:38:47

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Wir hören hier von der Deutschen Welle nichts weiter dazu, wie dieses zeitgenössische Kunstvermarktungs-Geschehen zu verstehen wäre:

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Kunstsoziologen in Köln Moews und Silbermann (Prof. Dr. Alphons Silbermann 1909-2000)

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Es ist eine mit überdimensionalen Staatsmitteln (Steuergesetze, Budgets und Personal) aufgeblasene ordnungspolitische „Verirrte Kunstorganisation“. Dabei wird der Eindruck erzeugt, es handele sich – wie hier bei Achenbach / Van Ham – um Marktwirtschaft, privater Kunstmarkt. Dem ist eben überhaupt nicht so (s. a. Dietmar Moews „Verirrte Kunstorganisation in der Bundesrepublik Deutschland … Soziologisch-empirische Untersuchung“, Universitäts-Dissertation, Bremen 2000:

http://elib.suub.uni-bremen.de/publications/dissertations/Diss1224_Moews.pdf

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Dietmar Moews „Die Wonnen der Gewöhnlichkeit“ DMW 338.7.82; 156cm / 135cm; Öl auf Polyäthyl / Blattgold, 1982 in Kirchhorst / Hannover gemalt; VK Euro 3.200.-

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Was hier bei Achenbach / Van Ham als Privatkunstkauf von „Sammlern“ vorgespielt wird, basiert auf einem feingestrickten Kunstdirektions-Modell, das der deutsche Staat zur Kontrolle der zeitgenössischen Kunst, ausgehend von den 1960er Jahren aufgezogen hat.

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Dietmar Moews „Carebean Chimpanzees“, DMW 651.1.6; 155cm / 135cm; Öl auf Polyäthyl. November 2006 in Springe gemalt; VK Euro 3.200.-

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BEISPIEL: Herr Aldi kaufte natürlich steuerbegünstigt. Herr Achenbach hatte diverse fiskalisch begünstigte Finanzierungsmodelle in seinem Absatz-Werkzeugkasten. Dabei denken dann die Kunstkäufer, sie machen ein Schnäppchen nach dem anderen, bekommen günstig zum halben Preis geschenkt, zusätzlich Kickback in bar und Rückkaufgarantien, garantierte „Wertsteigerung“, Aufwertung der gekauften Kunstware durch gezielte Plazierung der „Werke“ in namhaften staatlichen Museen, Ausstellungshallen, Documenta, Bienale, Kunstmessen, daran hängend der gesammte Schranzenschwanz der „Kunstkritiker“, der Salonpersonnage und „hochkarätigen Kunst-Sachverständigen“, Expertise, Provenienz, Gutachten (Werner Spieß und Beltracchi liefern gegen Bares) in den ersten Blättern des Staatskunst-Staates (und in der DW mit Stefan Dege) usw.

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Die „DW“ „Deutsche Welle“ – vielweltsprachlicher deutscher Staats-Radiosender aus Bonn berichtete mit dem Autor Stefan Dege über die Kunstversteigerung beim Auktionshaus VAN HAM:

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Verwundert reibt sich Gerd Seifert die Augen. „Beachtlich“ findet er, was der schillernde Kunstberater in seinem Kunstlager so alles zusammengetragen hat. Rund 2000 Gemälde, Skulpturen, Plastiken, Drucke und Fotografien kommen unter den Hammer. Die wertvollsten werden in Köln versteigert, darunter drei Werke von Gerhard Richter, ein Kissenbild von Gotthard Graubner und lebensgroße Affen von Jörg Immendorf. Vier Tage lang währte der Auktionsmarathon bei Van Hamm. Es war die größte Versteigerung zeitgenössischer Kunst in Deutschland.

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Dietmar Moews „Sitzender Schimpanse hält Hände“, DMW 677.1.12 100cm / 73cm; Öl auf Polyäthylän, Im Jahr 2012 in Berlin gemalt; VK Euro 3.000.-

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Superlative, die ihre Wirkung nicht verfehlen: Der Presserummel hat einen Sog ausgelöst. Neugierig und weil sie einmal echte Auktionsluft schnuppern wollte, ist Christel van Stigt gekommen.

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Dietmar Moews „Schiffsmotiv“ Öl auf Leinwand, 190cm / 190cm, 2013 in Berlin gemalt; VK Euro 7.250.-

 

Die gebürtige Hamburgerin hält Ausschau nach Bildern mit Schiffsmotiven. Eine junge Frau aus Mexiko, die zur Art Basel in die Schweiz gereist ist, hat kurzerhand einen Abstecher nach Düsseldorf gemacht. „Vielleicht bekomme ich etwas Schönes!“

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Dynamisches Bietergefecht

Auf die Leinwand springt das Bild einer weiteren Affenskulptur. Schätzpreis: 500 Euro, aktuelles Gebot 2000 Euro. Die erste Bieterkarte steigt auf. Dort reckt sich die zweite. Eine dritte folgt. Der Auktionator erhöht den Kaufbetrag in 500 Euro-Schritten. Ein Ruck geht durch die Sitzreihen. Eisenbeis legt sich ins Zeug. Jetzt steigen Telefon- und Onlinebieter ein. Junge Frauen an Telefonen und Computern, die entlang der Hallenwand sitzen, skandieren Geldbeträge. Der Auktionator ist in seinem Element. Er hebt die Stimme, fällt ins Stakkato. Plötzlich, mit einem jähen Schauern, erstirbt das Bietergefecht. Der Hammer fällt.

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„Da sind Leute, die wissen nicht wohin mit ihrem Geld“, wundert er sich über die illustren Auktionsbesucher, „andere können sich kaum den Katalog leisten, dafür schlägt ihr Herz für die Kunst!“ Dabei wüssten viele der kaufkräftigen Bieter vielleicht schon in 20 Jahren nicht mehr, ob Immendorf sich mit einem oder mit zwei „m“ schreibe. Ein Affentheater eben.

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Tucuman / Argentina

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Handelsblatt.com, 20. Juni 2015, mit Autor Christian Fricke : „SUPERLATIVE Der viertägige Auktionsmarathon um den Lagerbestand Helge Achenbachs ist mit einem unerwartet hohen Ergebnis zu seinem nur vorläufigen Ende gekommen. Ende September kommen rund 100 sperrige Installationen zum Aufruf.

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Köln; „Es war eine Auktion der Superlative“, fasst Markus Eisenbeis, Chef des Kölner Auktionshauses Van Ham den vier Tage dauernden Auktionsmarathon um den Lagerbestand des im Gefängnis sitzenden Kunstberaters Helge Achenbach zusammen. 6,5 Millionen Euro allein an Zuschlagssumme für rund 2.300 Werke stehen am Abend des 20. Juni 2015 in seinen Büchern; mit Aufgeld machen das 8,9 Millionen Euro. So viel hat noch keine Auktionsserie im Hause eingefahren.

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Dietmar Moews meint: Die marktwirtschaftlichen Westkunstagenten (wie auch Helge Achenbach) organisieren einen mit staatlichen Organisationsmitteln durchgesetzten Kontrollkunstmarkt.

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Der Staat stellt die massenmediale Bereitstellung und Hochbewertung belangloser Mistkunst den privatwirtschaftlichen Agenten zur Verfügung. Die nehmen sich leichtgängige Mickymäuse unter Vertrag und betreiben den „KUNSTBETRIEB“ des zugangsbeschränkten Staatskunstmarktes.

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Bei der Witzschranze Immendorf konnte man es wunderbar sehen – natürlich durch das Syndikat mit dem monatlichen Professorengehalt versehen, brachten seine Publizisten und die malenden Studenten in Düsseldorf  „Immendorfbilder“ hervor, die Immendorf außer Stande gewesen wäre überhaupt zu malen:

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„Der Affenschröder“ ist ja der in die weite Nichtkunstgesellschaft Deutschlands hinein bekannte Fall, albernster Camouflage, die der Staat an Stelle von Kunst und Künstler syndikalisieren lässt – ist doch witzig, so ein Kanzlerbild (wäre nicht wirklich Kunst ein Anliegen jeder Gesellschaft).

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Helge Achenbach ist ein lustiger Vogel – wer nichts wird wird Wirt, wer nicht Wirt wird wird Polizist – der kann gebrauchte Ferraris oder Bentleys vermitteln und Herrn Aldi belatschern, wie toll man sich fühlt, wenn man mit Concorde über den Atlantik fliegen kann: Engel bringt Gewünschtes.

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Die erzielten Preise bei Van Ham rühren sowohl

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EINS vom Glauben der Käufer an Wert und Kunstwert

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ZWEI Immer wieder Schwarzgeld-Wäsche und Abschreibungen

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DREI Die Garantie des „ersten Kunstmarktes“ für die Werthaltigkeit der angebotenen Syndikatskunst – Gerhard Richter wurde in allen für das Syndikat relevanten Museen der Welt plaziert (überwiegend des Namedropping-halber hingeschenkt). Deshalb sind diese Gemälde auch so unsagbar schlecht:

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Ein einfacher Richter, samt Fabrikhalle und Helfern, kann nicht von Hand die ganze Welt mit den Groß-Wandaktien zuballern – deshalb kommt man auf Schrubbertechniken (drei Tafelbilder pro Tag – noch schneller als die Tausende schlechten Picasso). Und man kann natürlich drei ganz gute frühe Gemälde von Richter oder Polke vorzeigen (Ich denke da an das Foto-Repro von der brennenden weißen Kerze als Siebruck – steht unlimitiert in der warmen Druckpresse). ABER vertickt wird tausendfach Massenschrott der „Meisterwerkstätten“.

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Das Ganze funktioniert aufgrund der heutigen, segensreichen Situation:

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Wir haben heutzutage beinahe die gesamte Weltkunst an analog zugänglichen, jedenfalls digital bereitgestellten Meister-Werken aller Epochen.

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Das Kunstbedürfnis kann ganz sinnlich mit den Großen Meistern befriedigt werden. Und der „demokratische Kunst-Betriebsanspruch des Volkes“ wird mit den Partys bei den Immendorfschen Rotweinglashaltern befriedigt.

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Ist doch besser als Krieg. (Es ist aber der Vordergrund, in dessen Hintergrund der Krieg bewirtschaft wird – erste Rufe zur Verteidigungs-Aufrüstung Deutschlands werden publiziert).

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Was wollen Sie? – Geduldig lässt man sie bloggen.

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Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi malt Daniel Kehlmann bei 3Sat

Dezember 14, 2014

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am Samstag, 13. Dezember 2014

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Der als Kunst- und Urkundenfälscher verurteilte und eine Gefängnisstrafe absitzende Maler Wolfgang Beltracchi (61) wurde erneut gezeigt, wie er für eine TV-Kleinserie Modelle in Essig und Öl und Ei auf Leinwand portraitiert: Den Trivial-Literaten Daniel Kehlmann Richtung Giorgio de Chirico, seine erwachsene Tochter Richtung Sandro Botticelli – na, ja.

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Wolfgang Beltracchi hat die Möglichkeit als Portraitmaler für Endemol und 3Sat als Hauptdarsteller mitzuwirken angenommen und so ist es geworden:

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Der Maler Beltracchi kommt mit seinem Mobil-Studio, Klapp-Staffelei und Wandergepäck nebst eines leinwandbezogenen Keilrahmens in die imposante neue Gebrüder-Grimm-Bibliothek der heutigen Ostberliner Humboldt-Universität. Das Portrait-Modell, der Österreicher Kehlmann, kommt die Treppe hoch – sagt “mal nicht mit wehendem Mantel aus dem U-Bahn-Schacht, wie bei Literatursendungen vom Fernsehen“ – Publikumsbeschimpfung bei Peter Handke war origineller und prägnanter.

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Beltracchi nimmt diesmal das Format (etwa 80 cm mal 100 cm) quer auf die Staffelei. Grundiert ist schon, wie alle Meister der Jahrhunderte, aber wie nun? Das Modell sitzt wieder links neben dem Bild, der Maler portraitiert über seinen linken Arm, malt als Rechtshänder.

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Daniel Kehlmann von Beltracchi im Stile des italienischen Malers Giorgio de Chirico („pittura metaphysica“, Neue Sachlichkeit, Surrealismus, Symbolismus, figürliche Malerei). Kurz gesagt, de Chirico erkennt der Laie an dem abgebildeten „faschistischen“ Architekturquader, mit Horizont und harter Perspektive mit Schatten).

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Der interessierte 3Sat-Zuschauer, erhielt in der ersten Folge dieser Beltracchi-Show Arbeitsschritte vorgetäuscht, wie der Maler angeblich arbeitet – nur gezeigt wird es nicht: Wie ein Wunder sehen wir plötzlich eine feine Portraitvorzeichnung, aber nicht, wie die entstand.

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Nun pinselte Beltracchi also auch bei diesem „de Chirico“ kurz die bereits vorhandenen Linien nach. Nun, mit Modell Kehlmann, aber anders als bei Harald Schmidt und Gloria:

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Der erste Blick auf das Bildformat zeigt nämlich bereits eine fertige Vorzeichnung des Gesichts von Modell Kehlmann. Wie die Zeichnung dahin kam, sahen wir nicht, obwohl wir angeblich die erste Sitzung sehen. Man spart uns damit die Fotoapparat-Nummer des „Beltracchi-Fotorealismus“.

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Der Maler beginnt die „erste“ Sitzung mit dem Nachpinseln der Konturen der bereits vorhandenen Zeichnung.

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Warum er das überhaupt macht, wird nicht gesagt, wird aber auch nicht verständlich. Denn das Ganze wird ja dann übermalt.

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Er hätte ebenso gut die Vorzeichnung ausmalen können, statt die Zeichnung nochmal mit dünner Farbe nachzufummeln. Soll wohl für den Fernsehzuschauer der Eindruck entstehen, es entstünde wie von Zauberhand das Zauberportrait.

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Das Modell Daniel Kehlmann, der über Shakespeare und Tolstoi sagt: Diese Meister konnten bis zu 40 Charaktere in einem Buch über 30 Jahre entwickeln – das sei eine wirklich enorm große Form, das könne er nicht.

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Beltracchi sagt für sich als Fälscher: „Das kann ich leider nicht von mir sagen. Ich kann Alles – bedauere, mir ist Nichts zu schwer.“

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Der sympathische Beltracchi ist wirklich frech und dickfellig.

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Und auch Kehlmann, der sich im Genieverdacht gegen sich selbst und als Denker unwiderstehlich findet, ist sich offenbar nicht schuldig, zumindest mal ironisch auf den Angeber Beltracchi zu reagieren. Und Beltracchi seinerseits hatte Kehlmann ja auch nicht gesagt, Kehlmann könne nicht nur „nicht 40 Charaktere“ wie Anna Karenina entwickeln – er könne gar keine Person entwickeln.

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Wer dessen Alexander-von-Humboldt-Comic gelesen hat, weiß, was Scherenschnitte sind (de Chirico) und, dass Kehlmann keine Romanpersonen zu entfalten vermag, sondern Holzschnitte rausbringt.

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Ein Gespräch zwischen Goethe und Tischbein kann nicht annähernd tumb verlaufen sein, wie die beiden Trivialisten Kehlmann und Beltracchi vormachen. Dabei ist Kehlmann schuld. Denn Beltracchi ist als Dienstleister nur der respondierende Chor des Kunden (durchaus möglich, dass Beltracchi keine Romanfigur von Kehlmann diskutieren könnte).

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Doch die heutige KULTURINDUSTRIE verändert nicht nur die oberflächliche Wegwerfkunst von heute, sondern auch die kulturindustrielle Darbietung einer Kunstfälscher-Verhackstückung, wie hier mit Beltracchi und Modell-Komplizen Kehlmann, Harald Schmidt und Co für 3Sat.

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Immerhin sagt der Off-Sprecher erklärend: „Ein Meisterfälscher ist kein Kopist“.

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Kopieren ist viel schwieriger, als im Stile von dem und jenem ein neues Bild zu machen. Man müsse da nur die Signatur und das Drum und Dran „historisch“ täuschend hinkriegen. Eine Kopie dagegen muss vollkommen wie echt sein.

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Beltracchi behauptet auf diesem Weg also: Ich kann jeden Maler nachmachen – und meint, er könne jeden großen Meister der Kunstgeschichte fürs Laienauge verwechselbar variieren.

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Und der OFF-Sprecher betont: Immerhin ist Beltracchi eine Jahrhunderterscheinung, denn er kann als einziger Fälscher Malerstile über den geschichtlichen Zeitraum von 400 Jahren vortäuschen.

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Die 3Sat-Reihe „Der Meisterfälscher“ hat nun aber nicht gezeigt, dass Beltracchi, außer den Kindermalern des zwanzigsten Jahrhunderts, andere Stile zu mehr als Laientäuschung auszuführen vermag. Und damit kommen wir zu Botticelli, dem Florentiner Renaissancemaler:

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Während also bei Kehlmann, der „sein Bild“ „ganz toll“ fand, das 3Sat-Fernsehen nicht zeigt, wie Beltracchi es malt – allein erneut eine Esstisch-Sitzung mit Frau Beltracchi vor Kunst- und Abbildungsbüchern. Sie diskutieren, welcher de Chirico sich als Vorwurf für einen Kehlmann eignen würde – hier jetzt also der Clou:

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Zur Vorbereitung des Portraits, das Beltracchi von seiner Tochter Franziska malen möchte, sehen wir, wie Frau und Tochter Beltracchi die Uffizien in Florenz besuchen und Botticellis berühmte Großformate ansehen: „Die Geburt der Venus“ und vier Jahreszeiten „Frühling“.

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So, gut vorbereitet, sieht sich Wolfgang Beltracchi zu hause wieder die schönen Kunstbücher an und nimmt gleich das bekannteste Portrait – denn man soll den Botticelli ja wiedererkennen.

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Frau Beltracchi sagt: Die Tochter ist ein Renaissance-Typ (wieder suggeriert man dem Publikum, was es zu sehen glauben soll). Man hat die wellige Langhaar-Frisur und das Make-up zu Botticelli passend eingestellt –

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Wolfgang Vater Beltracchi meint zur Modell-Tochter: … schön wär’s, nicht?

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Schließlich werden zahlreiche Portraitstudien, verschiedene Blickwinkel, Vorzeichnungen, bald vom „Meister“ „Kartons“ genannt – als angebliche Vorabeiten gezeigt. Wir sehen nicht wie er sie macht (vielleicht sind die ja von der Tochter oder der Ehefrau). Und verwendet werden die auch nicht – sollen also ein bisschen blenden – vielleicht sind es auch Fotokopien, trotzdem hübsch.

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Dann wird aber nur eine der Portraitstudien davon auf die Portraitleinwand durchgepaust und nun die Ei-Mixion als Tempera-Farbe mit Pigment angemixt: Eigelb, destilliertes Wasser, etwas Ochsengalle – das wird mit Wasser verdünnt – trocknet und härtet schnell unauflösbar (also übermalbar und lasierbar ohne anzulösen (wie es Öltempera mit Terpentin an sich hat).

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Wir hören „Verdaggio“, die grüne Erde“-Untermalung eines Renaissance-Portraits. Dann die Strichelei, die der Räumlichkeit eines flachen Gesichts abhilft. Dann die Hautfarben-Lasur – dazu behauptet die Off-Erklärung: Über zwanzig Lasuren legt Beltracchi über einander, alle scheinen durch und durch. Gut gebrüllt Löwe: SEHEN kann man wieder nicht, was behauptet wird.

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Was er mit den nicht besonders hochwertigen Tuben-Studienfarben „Norma“ macht, statt mit „Mussini“, wird nicht gesagt. Einen Malerlappen hat er hier wieder nirgends.

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Abschließend kommen das mit Goldtröpfchen aufgenuttete Botticelli-Haar der geduldigen Tochter Franziska noch zur Höhung und der Familiengeist, die Bildnerei und die Freude an der Kunst, die leicht fällt – das überzeugt menschlich sehr. Guter Grund, für die Tochter auch Kunst zu studieren.

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Witzig, wie der Maler den Hintergrund lasierend blau anstreicht, keinen homogenen Anstrich hinkriegt, Wolken nicht zu vermeiden vermag und deshalb sofort einige Wölkchen hineinmalt – Ja! So geht’s!

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Dr. DIETMAR MOEWS von FOKKO VON VELDE fotografiert

Dr. DIETMAR MOEWS
von FOKKO VON VELDE
fotografiert

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Dietmar Moews meint: Erstaunlich, wie wenig man den Zuschauern an Kunst und Malereinteresse und -verständnis zutraut.

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Erstaunlich, wie wenig hier die Möglichkeit benutzt worden ist, regelrecht vorzuführen, wie Beltracchi sein Publikum vorführt:

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Also abschließend ganz kurz: Wer heute als Restaurator ausgebildet wird, muss zur staatlichen Prüfung eine Meisterwerk-Kopie vor dem Originalgemälde selbstständig ausführen. Die muss vom Ausdruck und von der Technologie Gültigkeit beanspruchen können.

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Das kann Beltracchi nicht. Das versucht er auch gar nicht. Er kann also nicht Zaubern, sondern er hat sich in Primitiv-Stilen der Moderne eingeübt, Trickzauber vorzumachen.

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Das heißt, nicht seine Malerei ist meisterlich oder täuschend verwechselbar gut. Sondern Beltracchi macht das, was dazu führt, dass seine Verkaufspromotoren den Käufern ein solches Beltracchi-Werk als ein „Botticelli“ abnehmen. Einfach so, wie ein Zaubertrick-Künstler sein Publikum gut unterhält und allerdings was vortäuscht, was nicht ist.

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Mit den „Meistern des Zwanzigsten Jahrhundert“ funktioniert die Vormacherei, weil es sich weitreichend einfach nicht um „Meister“ und nicht um echte Künstler handelt – Beltracchi erzählt: Es gibt viel zu wenige Portraits von dem Kunsthändler Flechtheim, der so viel für die Maler gemacht hatte – deshalb habe ich mehrere Fälschungen von Flechtheim gemalt, in schwulen Farben – der Flechtheim war ja so.

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Lieber Freund Beltracchi, die vier Jahreszeiten? Frühlingsfarben? weibliche Farben? schwule Farben? – das hätte mich schon weiter interessiert.

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In dieser Fernseh-Reihe „Der Meisterfälscher“ werden Bilder so vorgemacht, dass es ein Laienpublikum, das die Originalmeister nicht kennt, sondern ebenfalls die Kunst-Bildbände und Postkarten zuhause anschaut, sofort sagt: ja, Botticelli, ja Cranach, ja de Chirico, ja Beltracchi, zauberhaft.

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Auch sehr sympathisch ist dann der Beltracchi, der ständig über die Arbeit stöhnt, die elende Strichelei, die Altersweitsichtigkeit, die langweilige Trocknung mit dem Elektroföhn – 

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Zukünftig macht er angeblich auch noch während und nach seiner Gefängniszeit als Bandenbetrüger weiterhin Max-Ernst-Gemälde auf Bestellung der nachfragenden Max-Ernst-Interessenten.

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Nicht gesagt wird, dass Beltracchi natürlich jede Woche fünf Max Ernste machen kann.

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Nunmehr lässt er einfach die Fälschung einer Max Ernst-Signatur weg, und übergibt die Replik oder Variante dem Auftraggeber „Liebhaber“, der eine unsignierte Kopie des Max Ernst von Beltracchi bezahlt (da wird zukünftig auch noch Brot und Kuchen für die malende Tochter abfallen).

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(Wohl möglich wird Beltracchi zukünftig für die Röntgenkriminalisten eine Beltracchi-Original-Signatur in die Untermalung (als Alibi) hineinpinseln / Eitemera unter Öl-Tempera unsichtbar eingefügt), dann könnte Folgendes passieren: Beltracchis Max Ernst-Gemälde ist sichtbar nicht signiert, also es steht keine Handsignatur drauf.

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Der Max-Ernst-Besteller, Max Ernst-Liebhaber, hat gerade ein Geldproblem, macht mal eben eine Max Ernst-Signatur auf den unsignierten Beltracchi und gibt das Gemälde dann als die Max Ernst-Wandaktie an einen begehrlichen Schwarzgeld-Käufer ab.

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Dies ist nunmehr die neue Variante der Kunstfälschung (die übrigens historisch belegt ist: man signiert einfach nachträglich – man erlässt Beltracchi die Falschsignatur (er muss den „Max Matisse“ nur malen) – für die Provenienz, die Zertifikate und die Signatur sorgen später Mittelsleute.

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Während ein solcher Käufer auch gar nicht die Echtheit anzweifeln möchte, sondern einen äußerst preisgünstigen Matisse erwirbt – sind damit alle zufrieden. Jedenfalls kann dem Meister keiner mehr was Unrechtes anlasten: Denn malen ist erlaubt! „Mach’s wer’s kann“, sagt der Kollege zum grünen Heinrich Lee – Geldwäsche auch so.

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Daniel Kehlmann, das mit Malereiwissen unbelastete de Chirico-Portrait-Modell, fand zwar die Idee eines „gefälschten Fälschers“ bemerkenswert. Doch leider führte er den Gedanken nicht aus – Beltracchi natürlich auch nicht. Der Off-Sprecher von 3 Sat auch nicht. Okeee. Dieser Riese wird nicht rieseln und Beltracchi nicht verhungern.

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Denn: Arbeit schändet nicht.

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