Jenseits von Mut und Möse: SEX SELLS

September 16, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4898

am Dienstag, 16. September 2014

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JOB CROGIER Plakatentwurf

JOB CROGIER
Plakatentwurf

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Ich komme kurz auf LICHTGESCHWINDIGKEIT 4896 „SEX SELLS oder Schadenfreude“ vom 15. September 2014 zurück:

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Umarme das Schicksal“ – dieses Schlüsselwort Nietzsches weist auf die Sicht Nietzsches auf das Leben und die Dinge hin, als amoralische Bedingungen, denen wir mit der Kunst der Lüge begegnen.

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Der Auslöser für meine Erörterung der Codierung des menschlichen Verhaltens, ausgehend von Reizgewalt von entweder Triebverwirklichung, Triebhemmung oder Triebverzicht, durch Not oder durch Wertziele, war durch einen Text in der Neuen Zürcher Zeitung angeregt, die von Ronald G. Gerste als „GO WEST: Schiessen erlaubt, Küssen hingegen …“ überschrieben war.

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Der GO WEST-Text akzentuiert eine Spezialität in der heutigen US-Amerikanischen Kultur:

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Die Brüste von Kate Winslet erhalten einen „prüden“ schwarzen Balken – Lehrern in Schulen werden Schusswaffen empfohlen.

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ZUGINSFELD 27 "Man kann ja nie wissen" DMW 548.2.99, 198cm / 198 cm, Öl auf Leinwand, in Dresden 1999 gemalt

ZUGINSFELD 27 „Man kann ja nie wissen“ DMW 548.2.99, 198cm / 198 cm, Öl auf Leinwand, in Dresden 1999 gemalt

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Gerste schreibt: „Kürzlich ließ mich ein TV-Werbespot erstarren. Ein schönes Tier, wohl eine Hirschkuh, äst an einem Waldrand. Dann fällt ein Schuss, sie wird niedergerissen, ihre nach oben gereckten Beine krampfen im Todeskampf. Schneller Szenenwechsel: Abermals stirbt ein Tier. Dann tritt er auf, im olivgrünen Tarnanzug: Ted Nugent, Altrocker, Waffennarr und politischer Rechtsaussen. Er preist seine Munition an: „Killer-Munition für den ernsthaften Jäger!“ Und mit Blick auf diejenigen, deren plötzlichen Tod dank „Ted Nugent Ammo“ der Spot so plastisch gezeigt hat, beendet er seinen Auftritt mit dem Credo: „Kill them, grill them!“ Das war am Nachmittag.

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Am Abend kam „Titanic“, nicht auf einem der Premium-Kanäle, welche Filme ungekürzt und ohne Werbeunterbrechungen zeigen, sondern einem der „basic channels“. Wer das Epos mehrfach gesehen hatte, merkte sofort, was diesmal anders war. Es ist zweifellos eine der schönsten cineastischen Interpretationen einer erblühenden Liebe zwischen zwei jungen Menschen, wenn Jack (Leonardo di Caprio) seine Rose (Kate Winslet) zeichnet, nachdem sie die Diamantkette angelegt hat und ihm erklärt, wie sie portraitiert werden möchte: „Wearing only this.“ Jack leichtes Erröten sahen wir, die unbekleidete Kate indes nicht. Die Szene, die sie auf der Couch zeigt, ist herausgeschnitten. Und als wir über Jacks Schultern auf seinen Block blicken, verdeckt eine überblendete Grauzone den Bereich zwischen ihrem Schulterblatt und ihrem Bauchnabel. Winslets Brüste sind für die Zuschauer tabu, werden vom Moralkodex des Senders zweifellos als jugendgefährdend eingestuft – im Gegensatz zu Teds Munition.

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DIETMAR MOEWS "IRAK als Sportflagge: Misfits", Seidenapplikation, 2004 in Dresden

DIETMAR MOEWS
„IRAK als Sportflagge: Misfits“, Seidenapplikation, 2004 in Dresden

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Bei allen gemeinsamen kulturellen Wurzeln Europas und der USA scheint die Schere der Empfindungen darüber, was statthaft ist oder nicht, in diesen beiden Punkten besonders weit auseinander zu gehen:

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Waffen und Sexualität.

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Die Offenheit im Umgang mit einem potenziell todbringenden Instrument, der Waffe, steht in scharfem Kontrast zur öffentlichen Wahrnehmung eines potenziell lebensspendenden Vorgangs, des körperlichen Bei einander Seins. Hier wird staatlicher- wie privater Seits reglementiert. Jüngstes Beispiel: Bei dem richtigen Anliegen, sexuellen Missbrauch an Universitäten zu bekämpfen, haben die Gesetzgeber in Kalifornien unter dem Druck von Political Correctness (PC-)Lobbygruppen ein Gesetz zum Umgang von Studentinnen und Studenten miteinander erlassen, das nach Einschätzung seiner Schöpfer für die Nation massgeblich werden soll (ob der Gouverneur es unterzeichnen wird?)

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Julia Lipnizkaja trat anscheinend ohne Höschen an, dachte wohl der Verantwortliche bei der Süddeutschen Zeitung, in dessen Auge bereits der ausrasierte Kinderarsch wirkte (SZ v. 21. Febraur 2014 S. 27)

Julia Lipnizkaja trat anscheinend ohne Höschen an, dachte wohl der Verantwortliche bei der Süddeutschen Zeitung, in dessen Auge bereits der ausrasierte Kinderarsch wirkte (SZ v. 21. Februar 2014 S. 27)

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Bei jeder Stufe der fortschreitenden Aktivität – von Händchen halten über den Kuss bis zum Berühren anderer Stellen – muss „verbal oder nonverbal“ das Einverständnis eingeholt werden. Es ist so formuliert, dass diese Einholung allein Pflicht des jungen Mannes ist. Schweigen darf nicht als Zustimmung gewertet werden, nach Genuss von Alkohol gilt etwaiges Einverständnis als ungültig:

Sex zwischen jungen – und erwachsenen! – Menschen nach ein paar Bier wird so zur Vergewaltigung.

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top spin doctors

top spin doctors

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Hier liegt ein Potenzial für eine Prozesslawine.

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Jedoch: dass es ungewollte Übergriffe auch zwischen Homosexuellen oder gar von einer Frau gegenüber einem Mann geben kann – dieses Szenario passt nicht in die Vorstellungswelt der Initiatoren.

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In einer Gemengelage aus Sexualitätsfeindlichkeit und PC gilt der heterosexuelle Mann grundsätzlich als potenzieller Täter … als besten Weg zur Verhinderung weiterer Massaker an Schulen ansieht, Lehrer zu bewaffnen, fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, welchen Ansatz Ted Nugent wohl hätte: Zum Rendez-vous nur mit geladener Flinte.

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Dietmar Moews

Dietmar Moews

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Dietmar Moews meint: Meine Lieblingslektüre, LONGOS „Daphnis und Chloe“ fällt so wenig unter den ordnenden Geist der Amerikaner wie die Vorläufer der Bills of Rights und der Französischen Revolution, wie VOLTAIRE, der ebenso hübsch und geil die Übungen innerhalb und außerhalb der Gebüsche dieser Welt hervorruft, als sei der Leser selbst dabei (von einer bewaffneten Leserin schreibt Voltaire in Candide nichts).

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S. Reicht zu Besuch bei Georg Schramm alias Lothar Dombrowski

September 7, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4866

am Sonntag, 7. September 2014

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Bildschirmfoto vom 2014-09-07 22:16:22

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Layos Dayatos sagt: „In der Kunst gibt es keine Pause“.

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Laut Süddeutsche Zeitung vom 6. September 2014 sagte Georg Schramm, der leuchtendste Stern am deutschsprachigen Kritik-Showhimmel: „Es reicht!“

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Es ist nicht sicher, ob die Süddeutsche das Ausrufungszeichen eigenmächtig gesetzt hat. Denn Georg Schramms Kunst bestand ja darin, dass seine Semantik ohne Satzzeichen und ohne Spielanweisungen wirkungsstark ist. Er muss nicht mit den Armen wedeln oder aufbrüllen oder Eiswasser über sich ausgießen – Schramm hatte einige Figuren, den prominentesten Lothar Dombrowski mit dem ledernen Veteranenarm, die alle ohne Regieanweisung verständlich waren.

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Schramms Texte waren präzise, sein Räsonnement war stets von stärkster Seinsbindung. Heißt – es hätte kein Politiker abwiegeln können, indem Schramm entweder Gutmenschlichkeit, Weltfremdheit oder Außenblick – kurz, keine oder zu wenig Ahnung hätte ablehnend vorgeworfen werden können, folglich S. Reicht.

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Und da liegt jetzt Schramms Begründung für seinen aktuellen Rückzug von der Solobühne: Er hat die Themen durch – er hat die Grenzen, wie weit noch fürs Alltagspublikum Politik durchgenommen werden kann, ohne entweder oberflächlich und dann falsch zu verstehen oder zu tief und systematisch zu argumentieren und damit fürs große Publikum nicht verständlich zu sein – und so hat er dann, so gesehen, Alles gesagt.

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Es ist ausdrücklich herauszuheben: GEORG SCHRAMM hat als Autor und Performer drei Jahre ununterbrochen alle spezifischen Bühnen im deutschsprachigen Raum bespielt und war stets vor Kassenöffnung völlig ausverkauft.

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Mir passierte das vergangenes Jahr hier in Köln: R. Steht. Monatelang war auf die Eröffnung des Karten-Vorverkaufs zu warten – als es dann so weit war, hatten sich Hunderte bereits in eine Warteschlange gestellt – alle Plätze waren weg.

 

Schramms Konditionsleistung – für einen über sechzigjährigen Schauspieler – können ohnehin nur Kollegen nachvollziehen – eigentlich ist das gigantisch, was Georg Schramm konnte.

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Bildschirmfoto vom 2014-09-07 22:19:36

 

Wenn nicht als Meister Yoda, dann werden wir Georg Schramm als virtuelles Ubiquitärgespenst wiedersehen – als ein Mephisto, der per IT-Echtzeitpropaganda die Kampfparolen und falschen Prophetien in fiktiven Kampfdialogen von z. B. Putin gegen Obama und umgekehrt aufführt – natürlich als Melodram (selbst vertont und gemageschützt – das bringt später Musikkohle).

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Thomas Becker schreibt in der Süddeutschen, Georg Schramm wolle zukünftig in Büchern stöbern und im Reichtum der Weltliteratur explorieren.

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Das muss ihm gegönnt sein.

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Denn die abgelieferten Auftritte der vergangenen Schaffensjahre ließen das nicht zu. Und Georg Schramm zog seine einmalige Kritikschow nicht aus Mutterwitz (wie Dieter Hildebrandt), sondern aus Kritikhöhe.

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Schramm hat soziologische Kenntnisse, die sonst keiner der Kabarettisten verfügt (da gebrach es Bruno Jonas), da haben die Sozi-Schlappis, wie Konstantin Wecker längst Schimmel angesetzt, weil das einäugig Gute und das Böse nicht mal mehr für Büttenreden ausreicht.

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Dietmar Moews meint: Seit Georg Schramm auf meinem Schirm erschien, habe ich mich darüber gefreut, dass da einer systematische Hintergründe einbezog, die bei der banalen Personal bezogenen Mobberei medial sonst nie zum Zuge kommt. Und oft hatte ich den Wunsch mit ihm weiterführende soziologische Implikationen zu besprechen – die seine Munition noch hätte schärfen können – egal.

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Schramm wird sich jetzt laut SZ mit Shakespeare, vermutlich überhaupt mit der gesamten Großliteratur, von Laurence Sterne bis Diderot, von Moliere bis Voltaire, umtun, wo ihm dann noch eine Ehrenrunde Anthropologie zu Kants vier Fragen blüht. Und im Anschluss an die verschärfte Anthropologie wird erneut Soziologie in der IT-Revolution hochkommen.

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Ich empfehle auch was – zur Erholung – aufgepasst: Franz OVERBECK (Nietzsches Basler Freund). Overbeck ist noch nicht durchgesetzt – aber ein ganz großer Denker und luzider Schreiber für unser postmodernes Deutschland.

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Ein Autor wie Georg Schramm hat sich einen Rang verdient, der ihm jederzeit relevante Auftritte ermöglicht. Wenn er es mal möchte, wird man ihn freudig grüßen.

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Rechtsstaat: Landgericht spricht Gustl Mollath und die bayerische Justiz frei

August 14, 2014

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am Montag, 14. August 2014

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Die Farce der Affäre Mollath hat immerhin der bayerischen Justizministerin Dr. Beate Merck (CSU) das Regierungsamt gekostet (und ein anderes Regierungsamt eingebracht – unglaublich, ein Skandal):

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Dietmar Moews empfiehlt Gustl Mollath: Das große Wissen und die komplette Materialkenntnis im Felde dieser Staatskrise ruft nach eine organisationssoziologischen Studie: Mit einer kompetenten Betreuung ruft die Wissenschaft nach einer Dissertation zum Thema „Staatskrise“.

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Man möchte wissen, wie es hierher gekommen ist:

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a) Der Ehekonflikt: Wer hat zu wem Was gesagt? Was wurde erwidert? Was folgte daraus? Welche sozialen Formen traten dann nach außen? Welche Szenerien wurden bespielt? Welche Akteure wurden hinzugezogen? Welche formalen Schritte brachten den Konflikt herauf? Es entstanden Szenerien der privaten Verwandschaftsbeziehungen, der Bekanntschaften, der Freundschaften, der beruflichen und geschäftlichen Aktivitäten, gemeinsamen Ziele und Zielkonflikte? Entwicklung der Liebesehe? Rechtlich relevante Veränderungen? Repressionsformen und Aussprachen? Einbeziehung Dritter in den „Rosenkrieg“? Einschneidende Geschehnisse? Veränderung der häuslichen Gewohnheiten? Konkrete ökonomische Konflikte? Schritte der Kommunikationszersetzung?

b) Eskalation juristischer Verfahren und soziale Besonderheiten

c) Gustl Mollaths Öffentlichkeitsarbeit und Strafanzeigen bzw. Anklage

d) Das Strafverfahren und Besonderheiten hin zur Forensik

e) Mollaths Untergang im Verfahren und die Rollenspiele

f) Probleme der Auflösung, der Wiederaufnahme und des Urteils

Die soziologische Untersuchung geht von einer objektiven Darstellung der Ausgangslage im Jahr 2001 und von den Untersuchungsergebnissen im Wiederaufnahmeverfahren samt Urteil, 2014, aus.

Im abschließenden Fazit können Hypothesen theoretisch geprüft und der empirische Fallverlauf interpretiert werden.

Abschließend ließen sich unter strukturell-funktionalen Aspekten Hypothesen zu rechtsstaatlichen Normverbesserungen diskutieren.

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Zuvor kommt eine gründliche und meditative Lektüre der momentan verfügbaren drei Schriften des Machiavelli in Frage: Il Principe, Die Geschichte Florenz und Discorsi. Dazu Voltaire Voltaire Voltaire und Isaiah Berlins „Diesseits von Gut und Böse“, abschließend Alphons Silbermann „Verwandlungen“: Der wache Mensch hat Möglichkeiten.

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Wer eine Affäre Mollath seinsgebunden einschätzen möchte, muss das politische Spiel und das rechtsgebundene Spiel abschätzen können. Dafür bietet Machiavelli einen eingängigen Text.

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Zum heutigen Urteil: Als Grund lieferte heute das Landgericht Regensburg den Abschluss des Wiederaufnahmeverfahrens – der Urteilsspruch wurde verkündet:

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Der Angeklagte Gustl Mollath ist freigesprochen. Das Gericht zuerkennt Gustl Mollath für den siebeneinhalb Jahre dauernden ungerechtfertigten Freiheitsentzug in der bayerischen Forensik eine gesetzliche Entschädigungszahlung.

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Der Freispruch folgt dem Verschlechterungsverbot, während das Gericht sich hinsichtlich der angeklagten angeblichen Körperverletzung und der Freiheitsberaubung (der damaligen Ehefrau, Petra Mollath), dem Oberstaatsanwalt anschloss, ausgenommen der Sachbeschädigung mit Gefährdung durch Reifenstechereien.

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Dietmar Moews meint: Der Nürnberger Maschinenbauingenieur Gustl Mollath hat sein Schicksal wenden können.

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Er befand sich auf einer äusserst hoffnungslosen Szenerie, eingesperrt, entmündigt, enteignet, auf dem schmalen Grad, im Maßregelvollzug vom Amtsarzt unter Drogen gesetzt zu werden.

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Der deutsche Rechtsstaat und die heute mögliche freie politische Kommunikation haben das Nadelöhr zur Rettung eines Justizopfers erwischt.

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Den Ausschlag gaben keine kausal durchgreifenden, wirksamen rechtsstaatlichen Mittel – sondern die dem bayerischen Wegsperr-Apparat überlegene Intelligenz und gesundheitliche Kraft des Opfers Gustl Mollath.

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Es war in den vergangenen Tagen schon zu beobachten, dass Massenmedien, die die Affäre Mollath thematisch eingeführt und vorne gehalten hatten, nun, zum Urteil hin einknickten.

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Während also Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung das, was jetzt mit der Urteilsverkündigung Stand der rechtsstaatlichen Dinge geworden ist, vorher schon mal als JUSTIZ-FARCE titulierte, schrieb die Süddeutsche Zeitung nun in den vergangenen Tagen, dass das Wiederaufnahmeverfahren einen normgerechten Weg gegangen sei:

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Viel Geduld bei den Untersuchungen durch die Vorsitzende, ein sehr präziser Oberstaatsanwalt, ein Angeklagter mit Macken und Sachverständige und Gutachter von Format. Und auch ein einverstandener Strafverteidiger.

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Ja, so war es nicht, so ist es nicht. Es kommt ja so daher, als dürfe jetzt Frau Dr. Beate Merck noch Genugtuung fordern. Und dass der Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags keinen Abschluss findet, darf die CSU weiterhin so bestimmen – also weiterhin verhindern.

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Damit hängt die Staatskrise und der neue Justizminister Bausback genau wie der Ministerpräservativ Seehofer – wie mit unehelichen Kindern – im rechtsstaatlichen Soll.

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Das Wiederaufnahmeverfahren hat in 15 Tagen Untersuchung keinerlei Beweis für die Anschuldigungen des Oberstaatsanwaltes gegen Mollath gebracht.

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Die Untersuchungen haben in allen Belangen und Themen Unregelmäßigkeiten der angeblich geschädigten Frau EX-Mollath, Petra Maske, ergeben.

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Immerhin hatte Petra Mollath jahrelang Bargeld in die Schweiz geschleppt – wurde von der Hypo-Bank infolge des „Insiderwissens des Ehemannes“ entlassen. USW. Ich spare die Wiederholungen vom angeblichen Waffenschein der Schwiegermutter.

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Der freigesprochene Gustl Mollath hat sich in seinem Begehren, vom Gericht ausdrücklich von den schuldhaften Tatvorwürfen der Anklage freigesprochen zu werden, eine Schwäche erlaubt.

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Mollath hat, wie seine Ex-Frau, die nicht mehr vors Gericht treten wollte, nicht mehr befragt werden und aussagen wollte, ebenfalls nicht Fragen zu den Tatvorwürfen beantworten mögen.

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Der arme Mollath. Der arme Mollath, dem alle Akten weggenommen worden waren, erhielt diese Akten erst vor wenigen Monaten ausgehändigt. Er musste seine siebeneinhalb Jahre währende Leidenszeit in all diesen Akten-Schriftsätzen neu studieren und nachlesen. Denn er hatte in allen möglichen Zusammenhängen selbst schriftliche Eingaben geschrieben, auf die hin er im Prozess hätte befragt werden können. Er musste also alles noch mal studieren – die arme Seele.

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Nun, zum Schluss, eine einfache Nummer zu machen, nämlich, sich vom Verteidiger eine klare einfache Darstellungsweise über die Ehestreitsgeschehnisse vorformulieren zu lassen, die so wasserdicht ist, dass der Oberstaatsanwalt und der Nebenkläger und die Richterin Mollath nicht wie einen dummen Jungen aussehen lassen konnten – das hat Mollath abgelehnt.

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Wie farbig hätte Mollath denn die eskalierenden Streitereien im eigenen Haus, hinter verschlossenen Türen, schildern sollen? Welche unverschämten Fragen hätte man gestellt?

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„Herr Mollath, waren Sie stark erregt?“

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„Hatten Sie dabei eine Erektion?“

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„Nein?“

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„Aha!“

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Einfach wären ein, zwei zusätzliche Zeugen gewesen, die die Bedrohungen gegen Mollath miterlebt haben. Mollath hat diese Zeugen nicht gebracht. Wer hätte schon die Erektionen bezeugen können?

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Nach dem einfachen Prinzip: Im Ehekrach haben beide Schuld – Aussage gegen Aussage – hatte die Frau laufende Meter Amtsurkunden geschaffen, während Mollath ohne Gegenzeugen das lächerlich fand – er habe sich ja nur gewehrt.

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Der Gutachter fragt jetzt den Oberstaatsanwalt wegen Befangenheit:

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„Nehmen Sie Medikamente?“

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„Was sagt Ihre Frau dazu?“

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Der Justizskandal und die Staatskrise gehen also weiter.

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Wer in die Forensik will, hat jetzt den zitierfähigen Musterfall Mollath und kann also mal eine erste Strafanzeige wegen Langwaffe ohne Waffenschein und Hausdurchsuchung anzetteln.

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Gustl Mollath kann, wenn es ihn ausreichend motiviert, den dokumentierten Prozess abklopfen nach Angriffspunkten für seine weitere Entschädigung und seine weiterreichende Rehabilitation. Vielleicht wendet er sich dazu an ein US-Gericht.

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Ich sehe den Schwarzen Peter allein beim deutschen Bundesland Bayern, beim Landgericht Nürnberg/Fürth, beim Landgericht Regensburg, bei den Gutachtern, bei der bayerischen Forensik, insbesondere Bayreuth Dr. Leipziger, beim Justizminister, beim Ministerpräsident, bei der Landtags-CSU und – was macht der Bundesgerichtshof? Eine zivile Auseinandersetzung mit der lobbyierten Frau Maske wird ohne Geldpolster nicht zu raten sein.

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Wer den Uli-Hoeness-CSU-Vorteil nicht hat, muss mit dem GRÜNEN-Bettel vorlieb nehmen. Dafür ist die tägliche Nachrichtenlage zu heftig, als dass eine Staatskrise Seehofer über Frau Haderthauer hinaus von den Medien noch Fragen gestellt bekäme: But – in the internet.

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