Léon Poliakov und das schmiedeeiserne Tor in Springe

Oktober 4, 2021

Lichtgeschwindigkeit 10310

am Dienstag, 5. Oktober 2021

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Judenfriedhof Springe – Das Friedhofs-Gittertor ist weg – stattdessen Müllberg bei Knochengustav, wo das Gittertor sein müsste

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Zu meiner Überraschung habe ich in dem kürzlich in der Springer-Tageszeitung DIE WELT publizierten Essay von Hannah Arendt den Hinweis auf LÉON POLIAKOV erhalten:

Aktuell brachte die EDITION TIAMAT die deutsche Erstveröffentlichung der französischen Originalausgabe: >Bréviaire de la haine. Le IIIe Reich et les juifs<; 1951. – also: 599 S., Verlag Klaus Bittermann; Berlin 2021

>LÉON POLIAKOV: Vom Hass zum Genozid – Das Dritte Reich und die Juden<, übersetzt, herausgegeben und mit einem Nachwort von Ahlrich Meyer.

Léon Poliakov (1910-1997) war französischer Historiker und Forschungsleiter am Centre national de la recherche scientifique in Paris. Schwerpunkte seiner Arbeit waren Rassismus, Antisemitismus, jüdische Geschichte und der Holocaust. Zahlreiche Veröffentlichungen, u.a. das achtbändige Standardwerk „Geschichte des Antisemitismus“.

Klappentext: „Dieses Buch ist ein historisches Meisterwerk. Es erscheint mit siebzig Jahren Verspätung in Deutschland. Die Gründe für die Verspätung sind heute nicht leicht verständlich zu machen. Handelt es sich bei der 1951 veröffentlichten Ausgabe des Bréviaire de la haine doch um die erste systematische Gesamtdarstellung des Mordes an den europäischen Juden auf der Grundlage von deutschen Dokumenten. (…) Poliakov war von 1946 bis 1948 als Sachverständiger der französischen Delegation beim Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg tätig. Er hatte Gelegenheit, umfängliches Dokumentenmaterial aus dem Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher und den sogenannten Nürnberger Nachfolgeprozessen einzusehen. (…) Gestützt auf die Nürnberger Prozeßunterlagen, wurde Poliakov zum ersten Historiker, der nur wenige Jahre nach den Ereignissen ein umfassendes, dokumentatorisch abgesichertes Bild des Holocaust zeichnete. Was seine Darstellung heute, nach Jahrzehnten der konkurrierenden Interpretationen und Deutungen des Geschehens, lesenswert macht, ist der unverstellte Blick des Autors, die unmittelbare Konfrontation mit dem Quellenmaterial. Bewußt legte er die Dokumente und Aussagen der deutschen Täter zugrunde, um zu rekonstruieren, was geschehen war und wie es geschehen war. Letztlich ging es ihm dabei nach eigenem Bekunden um die Frage, warum die Nazis die Juden vernichten wollten.<

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In diesem Schlüsselwerk fand ich nunmehr, was für die Stadt Springe am Deister nur als beckmesserische unter der Hand kursierende Gerüchte bekannt ist, nämlich so unbekannt, dass der anmaßende Geschichtslehrer Christian Rohde mit dem Springer Museumsverein ein Springer Judenbuch abfasste und herausgeben ließ, ohne wesentliche Verbrechen an den Juden festzuhalten und ohne diese Opfer zu nennen. Besonders der erste Stadtchronist, der jüdische Lehrer in Springe, Dr. Heinz Brasch, wird noch in den 1990er Jahren von Autor Rohde vertuscht. Warum? Böse? Dumm? Man kann es nur bedauern. Denn wenn sogar die Jüdische Verbandsführung in Hannover, die für die Jüdischen Friedhöfe im Hannöverschen zuständig ist, davon nichts weiß, aber auch nichts wissen will, ist von Verabredung auszugehen. Und es steht wohl fest:

Die beiden schmiedeeisernen Eingangstorflügel des früheren Jüdischen Friedhofes, neben der ehemaligen Superintendentur, Völksener Straße, gegenüber des Alten Friedhofs, die der Schüler Dietmar Moews noch auf seinem Volksschulweg – von der Roten Schule zur Sudetenstraße – täglich dort sah, genau, wie er die Bauarbeiter auf dem Alten Judenfriedhof erstaunt sah, wie ende der 1950er Jahre auf dem Friedhof gebuddelt wurde, Grabstellen ausgehoben wurden, eine Baugrube entstand und ein Wohnhaus mit Garage gebaut worden ist – Bauherr der damalige Stadtdirektor Dr. jur. Gustav Degenhardt, im Voksmund auch „Knochengustav“ genannt (wegen angeblicher Knochenfunde in den Gräbern), entnazifiierter NSDAP-Jurist aus Thüringen, bis Kriegsende in Goslar, 1948 in Springe mit Persilschein als Fremder aufgetaucht entnazifiziert, der dem Judenverband mit windigen Erpressungen den Friedhof zum Bauplatz abgehandelt hatte.

Das Friedhofseingangstor zum Judenfriedhof verschwand. Stattdessen erschien ein querverbretterter Zaun, kein Tor mehr, während der Judenfriedhof selbst in Rest-L-Form, am Haus entlang und hinter dem Haus verschwand. Die Bewohner hatten dort Rasen angebaut und spielten dort Federball (das wird vermutlich, ohne Garteneingrenzung, noch heute von den Bewohnern so genutzt). Friedhof war nur noch auf dem Lageplan, aus den Augen aber verschwunden. Wo früher das Tor zur Völksener Straße den Friedhofszugang bildete, lagerten die Nachbarn später ihre Müllsäcke ab. Springer Kultur im Alltag war nicht von besonderem Feingefühl geprägt. Der Judenpräsident in Hannover verweigerte sich, mir gegenüber schriftlich, sich da einzumischen, sich also nicht einmischen zu wollen.

Léon Poliakov schreibt auf Seite 140 rep. auf 139 in Vom HASS ZUM GENOZID:

„… S. 140 … In vielen deutschen Städten verkauften die Gemeindebehörden die Gitter und Grabstätten auf jüdischen Friedhöfen, während im Generalgouvernement die Grabsteine benutzt wurden, um die Straßen zu pflastern (Quelle: XVII, S. 391-420; Schreiben des Büroleiters Neuwied an das Zentralamt des ERR Berlin, 26.1.1943).

S. 139: „…Hinzu kommt die Masse der „privaten“ Diebstähle und Beschlagnahmungen während der „Aktion Reinhardt“, deren Umfang sich kaum je ermitteln lassen.// Die Ernennung von Pohl, dem Chef des WVHA, zum Verwalter sämtlicher beweglicher Vermögen und Immobilien von Juden im Generalgouvernement im September 1942* bildete den Schlußstein dieses Plünderungssystems. Weiter östlich folgten Mitarbeiter des WVHA den mobilen Kommandos, die mit der Vernichtung der Juden in der Sowjetunion beauftragt waren.* Die Letzte Habe der aus West- und Südosteuropa deportierten Juden wurde ihnen zumeist in Auschwitz geraubt. Kleidung und Koffer, die sie mitgebracht hatten, füllten die 35 „Kanada“-Lager. („Kanada“ war die Bezeichnung der Häftlinge für diesen Lagerabschnitt, die auch von den SS-Leuten selbst benutzt wurde.) Zu bestimmten Zeiten waren 2.000 bis 3.000 Funktionshäftlinge damit beschäftigt, die Berge von Wäsche, Kleidungsstücken, Schuhen und eine unendliche Menge verschiedener Gegenstände zu sortieren,* darunter Brillen, Prothesen und Frauenhaar. Wir befinden uns im allerletzten Stadium der Todesindustrie, dort, wo die Knochen zu Phosphat und das menschliche Fett zu Seife* verarbeitet wurden … Mehr als der bloße Schrecken selbst übersteigt die bürokratische Organisation des Schreckens unsere Vorstellungskraft. Sogar die Juden früherer Generationen trugen, obzwar in bescheidenem Maße, zum Wohlstand des Dritten Reichs und seiner Bewohner bei. In vielen deutschen Städten verkauften die Gemeindebehörden die Gitter der Grabstätten auf jüdischen Friedhöfen, während im Generalgouvernement die Grabsteine benutzt wurden, um die Straßen zu pflastern*….“

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Dietmar Moews an der Springer Göbel-Bastei im Jahr 2004

Dietmar Moews meint: In Springe wird obige Bestätigung des stadtbekannten Wissens über die Judenmisshandlung kaum jemand interessieren. Wer kennt dort in der Deisterfauna schon Léon Poliakov oder Hannah Arendt?

In Springe war der Knochengustav viele Jahrzehnte Stadtdirektor, derjenige für die Entnazifizierungslügen zum Heinrich Göbel den verwaltungsrechtlichen Start für 1954 gab:

Die NSDAP-Altgruppe: Degenhardt, Städtler-NDZ, Jürges-Altbürgermeister und Dr. Achim Gercke NS-Rassismusforscher – die haben das Ding gedreht, das heute noch die Stadt Springe der Welt gegenüber diese Nazilüge behauptet:

Göbel 25 Jahre vor Edison, nicht eine Glühlampe erfand, auch nicht eine Glühbirne, sondern als Lügner vor Gerichten im Jahr 1893 in USA letztlich aufs Peinlichste konkret widerlegt und abgeschmettert wurde.

Heinrich Göbel (1818-1893), Henry Goebel, wie er dort figurierte um Amerikaner zu werden, wurde nicht nur wegen Blödheit und weil er dann im Jahr 1893 gestorben ist, nicht für seine falscheidlichen Erklärungen gegenüber Gerichten weiter belangt. Das war aber den Springer Entnazifizierten nach 1945 scheißegal.

Und so behauptet der Bürgermeister FDP-Springfeld es 2021 immer weiter auf ehernen Beschilderungen öffentlich bis ins Internetz http://www.springe.de, gefälschtes Geburtshaus, Glühlampen-Denkmal und an einem Kitsch-Pferdehalfter am Amtsgericht: Der Springer Erfinder der Glühbirne, 25 Jahre vor dem entscheidenden Patent von dem Erfinder EDISON, Göbel – entgegen besserem wissenschaftlichen Gutachterwissen der Originalquellen zu Göbel: Das Licht der Welt aus Springe.

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Denn da proklamiert man offiziös nach wie vor seit 1954 gelogen: Springe brachte der Welt das Licht.

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Und hier können wir jetzt sehen, wie die Springer Fauna, die teilweise lesen und schreiben kann, damit umgeht, dass das Gittertor des Judenfriedhofes wie auch die vielen Originalgrabsteine abhanden kommen konnten. Natürlich, überall fehlten Steine zum Bauen und für Fundamente. Warum also nicht, wenn es doch noch zehn Jahre vorher im Hitlerismus des Dritten Deutschen Reichs ebenso gemacht worden war.

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Ich wollte es nur noch mal dokumentieren – in wirklicher Erschütterung, auch wenn mir sämtliche Details seit sehr Langem geläufig und vielfältig bekannt sind::

DIE WELT, Samstag, 4. September 2021: Seite 25, von Hannah Arendt, DIE GESCHICHTE DES GROSSEN VERBRECHENS, March 1952, Originaltext in „Commentary“ Volume 13, Bumber 3) – aus dem englischen von Barbara Abarbanell.

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