Rosamunde Pilcher 1924 – 2019 Kurznachruf

Februar 7, 2019

Lichtgeschwindigkeit 8923

am Freitag, den 8. Februar 2019

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Rosamunde Pilcher, OBE (geborene Scott) wurde am 22. September 1924 in Lelant, Cornwall, England, geboren und ist jetzt 94-jährig, am 6. Februar 2019, in Longforgan bei Dundee, Schottland an einem Schlaganfall gestorben. Sie war eine britische Schriftstellerin. Ihre Werke erschienen bis 1965 zum Teil unter dem Pseudonym Jane Fraser. Angaben zufolge veröffentlichte sie 145 Trivialromane der „heilen Welt“; es wurden unglaubliche Stückzahlen in vielen Weltsprachen abgesetzt.

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Sie war seit 1946 mit dem Textilunternehmer Graham Pilcher verheiratet, mit dem sie in Longforgan bei Dundee, Schottland wohnte.

Sie schrieb seit ihrem 15. Lebensjahr. Nach dem Schulabschluss trat sie 1942 während des Zweiten Weltkriegs dem freiwilligen Dienst des Women’s Royal Naval Service bei. Daneben arbeitete sie auch als Sekretärin im Außenministerium. 1943 wurde sie nach Indien berufen, wo sie sich bis Kriegsende aufhielt.

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Im Jahr 1946 heiratete die Autorin den Textilunternehmer Graham Pilcher (1915–2009) und zog mit ihm in den Ort Longforgan bei Dundee in Schottland, wo sie seither wohnte. Neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau und Mutter von vier Kindern (unter anderem Robin Pilcher) begann sie Ende der 1940er Jahre unter dem Pseudonym Jane Fraser Kurzgeschichten und Liebesgeschichten für Frauenmagazine zu schreiben – nach eigener Angabe dabei am Küchentisch sitzend, weil es im Haus keinen Platz für einen eigenen Schreibtisch gab. Die Kinder sahen sie niemals schreiben.

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Erst 1987 kam ihr Durchbruch als kommerziell erfolgreiche Romanautorin mit der Familiensaga The Shell Seekers (ab 1990 als Die Muschelsucher in Deutschland über 1,7 Millionen Mal verkauft). Ihre bislang über 60 Millionen weltweit verkauften Bücher haben sie seither zu einer der erfolgreichsten Autorinnen der Gegenwart gemacht. Mit dem 2000 erschienenen Roman Wintersonne beendete sie ihre schriftstellerische Laufbahn.

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Allein das ZDF hat mehr als hundert ihrer Romane und Erzählungen verfilmt; zum großen Teil mit Abweichungen von der literarischen Vorlage. Diese Filme zählen zu den beliebtesten ZDF-Sendungen mit durchschnittlich sieben Millionen Zuschauern.

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Weit über 60 Millionen weltweit verkaufte Bücher haben sie seither zu einer der erfolgreichsten Autorinnen der Gegenwart gemacht. Mit dem 2000 erschienenen Roman Wintersonne beendete sie ihre schriftstellerische Laufbahn.

 

Im Jahr 2002 wurde Pilcher der Titel eines Officer of the Order of the British Empire verliehen.

 

Am 7. Juni 2012 gab Pilcher mit 87 Jahren bekannt, dass sie mit dem Schreiben aufhöre, weil sie sich zu alt fühle, um weiter zu arbeiten.

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Am 6. Februar 2019 starb Rosamunde Pilcher im Alter von 94 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls.

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Kitsch

März 3, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4177

aus „Das Lexikon des Kunstwesens“

von Dietmar Moews

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In der deutschen Sprache ist das Wort Kitsch ein Schimpfwort. Es dient der heiklen Bezeichnung von einfachen und billigen Gegenständen. Kitsch wird von den Kitschbenutzern ungeachtet seines materiellen Wertes geliebt und als Souvernirs, Nippes, Dekoration, Bric á Brac, Tand, Flitter und Erinnerungssymbole benutzt. Im symbolträchtigen Sprachalltag zielt der abwertende Gebrauch des Wortes Kitsch nicht auf die Beschaffenheit von Kitschgegenständen sondern als Aggression gegen die Kitschbenutzer.

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Macht- und prestigebegehrliche Kitschablehner erkennen den ästhetischen Widerspruch, der zwischen der materiellen Geringwertigkeit von Kitschgegenständen und der hochrangigen Benutzung durch Kitschbenutzer besteht.

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Vergissmeinnicht - Dietmar Moews fotografierte den Blumenfreund

Vergissmeinnicht – Dietmar Moews fotografierte den Blumenfreund

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Kitsch bildet den klassischen sozialen Prestigekonflikt intrigant ab, der zwischen der sozio-politischen Rechten und der Linken, mit dem Kitsch als Dreieckspunkt, mitleidlos zum Ausdruck kommt.

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Malerei von Dietmar Moews als Nachbildung des „Putto musicante“ von Fiorentino Rosso

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Kitschgegenstände werden abwertend angesprochen. Doch handelt es sich um die sprachliche Behauptung einer elitären rechten Grundhaltung der Ausgrenzung gegen eine eher linke Ambition von „Wiederspiegelung“ ästhetischer Diversität und Zulassung. Kitsch ist hierdurch Gegenstand einer sprachlichen Besonderheit.

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Malerei von Dietmar Moews als Nachbildung von „Canestra di Frutta“ von Michelangelo Caravaggio

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Der sachliche Zusammenhang von Kunstqualität einer Kitsch-Ästhetik gegenüber Profankunst oder Hochkunst wird weder im alltäglichen Sprachgebrauch noch in der Kunstwissenschaft unter der Kategorie Moderne und Postmoderne besonders vertiefend ausgewiesen.

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In Deutschland bedienen sich Kunstpublizistitk, Kunstwissenschaft und Künstler weitgehend einem kleinkarierten Bla-Bla der deutschen Höchstkultur.

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Malerei von Dietmar Moews als Nachbildung von „Der heilige Joseph als Zimmermann“ von Georges de La Tour

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Eine Kitsch-Ästhetik-Kritik und eine soziologische Kitschdiskussion unterbleiben weitgehend, während die abwertenden Gebrauchszusammenhänge wie Naturgesetz den gesellschaftlichen Abgrenzungsbedürfnissen dienen und ein Eigenleben der Benutzung zeitigen.

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Altmeisterliche Malerei von Dietmar Moews „Theatralische Sendung“ nach Georges de La Tour

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Das Wort Kitsch und der Bedeutungshof im alltäglichen Sprachgebrauch haben einen Entlastungscharakter für die Benutzer. Unter dem sozialen Druck der unvermeidlichen oder gewünschten sozialen Interaktionen bieten oberflächliche Verhaltensweisen, wie es Bedeutungsfelder von Mob, Sozialekel, Spießbürgerei, Sündenbock, Hexenjagd und Bullshit ausdrücken, die wahrnehmungsökonomische Ausprägung des allgemeinen und besonderen Lebensstils.

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http://www.youtube.com/watch?v=lwdfQPDStIY

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… Ihm waren diese Schnulzen“ (so sagt man doch wohl im Neuhochdeutsch) Transporte hin zur Anteilnahme an einer Freude. Nach solchen Erschütterungen entdeckte er, dass Kitsch zwar ästhetisch definiert werden kann, auch als Angeberei mit gefühlen, die nicht existieren, dass damit aber nichts über den Zündstoff, der ihn brennen ließ, gesagt ist. Die unausdenkbare Kluft zwischen den Höhen einer Kultur und ihrer geringen Wirksamkeit wäre am Kitsch zu demonstrieren, der (einer Naturgewalt vergleichbar) die Enge zu sprengen vermag, wo dies sublimeren Gebilden versagt ist. Die Macht der Trivial-Literatur ist beklagt, verurteilt, verhönht worden – aber nicht erkannt.“

(Ludwig Marcuse „Nachruf auf Ludwig Marcuse“, München 1969)

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aus dem Lexikon des Kunstwesens von Dietmar Moews zum Schlagwort „Kitsch“

Kitsch, deutsch/jiddisch, seit ca. 1870 in Deutschland, zunächst im Münchner Kunsthandel gebräuchlicher Begriff für Kunst minderer Qualität, der etymologisch von itsch, kitsch, verkittschen (jiddisch: etwas andrehen) oder auf das Englische sketch (flüchtige Machart einer Handzeichnung) bezogen wird.

Als soziologischer Wertbegriff in der Sprache ist K. überwiegend als eine Kennzeichnung von Minderbewertung von Werken bzw./und ihrer Wirkung als Ausdruck bzw./und Eindruck als menschliches Verhalten, aus der Perspektive einer auf Exklusivität und Maßgeblichkeit wertenden Sprachherrschaftsgruppe gemeint, kurz: Aburteilung der Dummen Kitschbenutzer.

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Dabei ist eine solche exklusive Anspruchshaltung ausdrücklich eine rechte Position, während die linke Position tolerant auf den offenen Werteprozess im Sinne einer Widerspiegelung der im gesellschaftlichen Sein angebundenen Wertvorstellungen abstellt und allerdings über minderwertige Kitsch-Ästhetik und sachliche Qualität sowie über mögliche menschenfeindliche Wirkungen aufklärt.

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Eine lediglich exklusive Deutungshoheit von Menschen, bei angemaßter eigener Hochwertigkeit, über Menschen, die als K. bezeichnete Werke oder Gefühle gebrauchen und estimieren ist illegitim, aber illegal.

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Ausgehend von den Freiheitspostulaten im Deutschen Grundgesetz (GG § 1 u. 5) ist soziales Exklusivitätsbegehren offenen Wertprozessen der Sozio-Kultur und des Sittenwandels zu belassen.

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Insofern ist eine als K. minderwertig angesehen materielle, sinnliche Anmutung von ästhetischen (Kunst)werken als Ausdrucksqualität bzw. als gemeinsprachlich emotional minderwertige, triviale, oberflächige Eindrucksqualität, der individuellen Selbstbestimmung des Konsumenten von K. selbst zu überlassen.

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Folglich ist K. zu qualifizieren und zu kritisieren, indes Produzenten sowie der Konsument von K. und die Konsumentengruppe insgesamt in ihren ästhetischen Wertorientierungen frei und selbstbestimmt zu tolerieren und zu respektieren. K. kommt dem empirischen Erleichterungs- und Vereinfachungsbedarf in der Kultur entgegen und erfüllt im Leben Geringerbegabter unersetzliche Integrationsfunktionen.

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Der alltagssprachliche Gebrauch von K. unterscheidet die Vorurteile über K. nicht in materielle Werkqualität und Rezipientenverhalten. Sondern die linke und die rechte Sprachgruppe ver- oder beurteilt die eigene Exklusivität bzw. Inklusivität und die Angehörigen der jeweils anderen Wertgruppe, indem der notwendige Umgang mit K. wertend gefasst wird.

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Als ästhetische Materialqualität werden als K. Oberflächigkeit, Talmy, Goldfarbe statt Gold, industrielle Massenhaftigkeit,

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K. ist als Kunstware im Bereich des gesellschaftlichen Steuerungs- und Kontrollrahmens, dem Kaufvertrag und dem Rechtsstaat anvertraut (z. B. auch kulturindustriell bei den Verwertungsgesellschaften Gema, für Musik, VG-Bild für Bildwerke, VG-Wort für Texte, GVL für Theaterstücke ressortiert).

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Als Selbstwert der Kunst gilt die Freiheit der Kunst, indem das Postulat des Pluralismus maßgebliche Norm sein soll, wonach K. wie Hochkunst, Breitenkunst, Populärkunst u. a. jeweils eine Wertentscheidung der Produzenten und der Konsumenten im Kunstprozess sein sollen, insbesondere sich der Staat offizial von Kunstbewertungen frei zu halten hat (BvfG-Urteile).

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Damit können K. sowohl Werke der Bildenden Kunst (z. B. Gartenzwerge; Barbie-Puppen; Picassos Votzenbilder; das Kindchenschema der Dicken von Botero) sein, sowie der Literatur (z. B. Groschenromane vom Krieg, Liebe, Tod, Verbrechen, Abenteuer. Hedwig Courths-Mahlers verwendet Gefühlsklischees, wie sozial Benachteiligte zu Reichtum, Glück und Ansehen kommen), der Musik (z. B. traditionell-folkloristische Werke als Schlagermusik; Schnulzen) oder Werke in Fernsehen, Theater, Kino (mundartliche Kommödien; Seifenopern, Heimatfilme, simplifizierende Verfilmungen von Weltliteratur, z. B. Vom Winde verweht; Karl-May-Romane), in der Architektur (z. B. Camouflage von nachgebauten historischen Fassaden vor Stahlbeton-Zweckformen; Disneyland; Casinobauten in Las Vegas), Philosophie (z. B. Weltuntergangsansagen wie das Ende (Armaggeddon) der Welt, die Apokalypse in der Bibel; Adornos Zerstörungshypothesen in der Dialektik der Aufklärung: der Fortschritt zerstöre den Fortschritt, verteufelt K. als Erscheinungen des Kulturverfalls und denunziert die Massenkultur, statt die emanzipative Lieferung der weitreichenden Versorgung als Segen und Seinsentsprechung zu verstehen), wie Kindchenschema, Stereotype, Nippes, Klischees statt echter Gefühle.