Nicanor Parra 1914 – 2018 Kurznachruf

Januar 27, 2018
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Vom Samstag, 27. Januar 2018

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Nicanor Parra Sandoval wurde am 5. September 1914 in San Fabián de Alico bei Chillán in Chile geboren und ist jetzt 103-jährig, am 23. Januar 2018, in Las Cruces, Provinz San Antonio, gestorben.

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Parra war ein chilenischer Dichter. Er bezeichnete sich selbst als „Antipoeten“ und gilt als Begründer der „Antipoesie“.

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Nicanor Parra Sandoval war der älteste Sohn in der kinderreichen Ehe von Nicanor Parra Parra und Clara Sandoval Navarrete. Obwohl er in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, wurde ihm aufgrund der musischen Affinität seiner Eltern eine Erziehung mit ausgeprägt künstlerischer Entfaltung zuteil. Sein Vater war Musiklehrer an einer Grundschule, seine Mutter Schneiderin mit Neigung zu Gesang der chilenischen Folklore. Insbesondere die pointenreichen Anekdoten des Vaters und dessen Witze sollen eine frühe Inspirationsquelle für Parras spätere Antipoesie sein. Nicanor Parra war der ältere Bruder der Musikerin Violeta Parra.

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Die knappen Mittel der Familie führten zu einem von häufigen Umzügen geprägten Vagabundendasein der Familie. Dank eines Stipendiums gelangte Parra 1932 nach Santiago de Chile, in die Hauptstadt des Landes. Er lernte

Luis Oyarzún, Jorge Millas und Carlos Pedraza kennen, die ebenso wie er das Internat Nacional Barros Arana besuchten. Ein Jahr darauf schrieb er sich am pädagogischen Institut der Universidad de Chile für die Studiengänge Mathematik und Physik ein. 1935 publizierte er in der gemeinsam mit Millas und Pedraza herausgegebenen Revista Nueva die Erzählung Gato en el camino.

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1937 veröffentlichte Parra seine erste, 29 Gedichte enthaltende Sammlung Cancionero sin nombre, deren Diktion, Humor, Personencharakterisierung und narrative Struktur noch stark an Federico Garcia Lorca orientiert ist. Dennoch gewann er mit seiner Erstveröffentlichung den Premio Municipal de Santiago und wurde von der späteren Literaturnobelpreisträgerin Gabriela Mistral als „el futuro poeta de Chile“ ein weiteres Stipendium ermöglichte ihm von 1943 bis 1946 den Aufenthalt an der renommierten, zur Ivy-League gehörenden Brown University. Neben seinem Studium als Postgraduierter der Physik vertiefte er dort seine Rezeption US-amerikanischer und britischer Dichter wie Walt Whitman, T. S. Eliot oder Ezra Pound. Zudem erleichterte ihm der Kontakt zur US-amerikanischen Kultur und Sprache den späteren Kontakt zu Dichtern der Beat-Generation, denn Allen Ginsberg und Lawrence Ferlinghetti besorgten die Übersetzungen Parras aus dem Spanischen ins Englische, als dieser sich einen größeren Publikumskreis erschlossen hatte. Nach diesem Auslandsaufenthalt begab sich Parra wiederholt in die Hauptstadt seines Landes, um an der Universidad de Chile zunächst als Professor für Mechanik und anschließend im Amt des stellvertretenden Direktors der Fakultät für Mathematik und Physik tätig zu sein. Von 1949 bis 1951 erhielt er ein Stipendium des British Council, um in England an der Universität Oxford Studien der Kosmologie aufzunehmen.

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Seine Gedichte wiesen mehr und mehr eine oppositionelle Haltung zu kanonisierter Lyrik chilenischer Herkunft auf, vor allem in Bezug auf Pablo Neruda. Nach seiner Rückkehr publizierte er gemeinsam mit Alejandro Jodorowsky und Enrique Lihn die Quebrantahuesos, aus Zeitungstexten bestehende Collagen. Der große Durchbruch gelang ihm mit seinen 1954 vorgelegten Poemas y antipoemas, die erst 17 Jahre nach seiner ersten Buchveröffentlichung erschienen. Nicht nur reüssierte er in der literarischen Szene damit, auch ist mit dieser Gedichtsammlung eine Zäsur in der chilenischen und gesamten lateinamerikanischen Literaturgeschichte verbunden. Abgesehen von der Cueca larga (1958), die folkloristische Elemente der Cueca aufnimmt und teilweise von der Schwester Violeta oder anderen berühmten Cueca-Sängern vertont wurde, versuchte Parra in späteren Publikationen den Stil der Antipoesie zu radikalisieren. Als Explosion der Antipoesie werden die Artefactos (1973) angesehen. Dabei handelt es sich um Postkarten, auf denen unter einer einfachen Illustration von Juán Guillermo Tejeda ein kurzer, pointierter, teilweise gereimter Sinnspruch von Parra steht.

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Kurz nach dem Militärputsch durch Augusto Pinochet am 11. September 1973 wurden die Artefactos Parras eingestampft und bis 2006 nicht wieder neu aufgelegt.

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Während bereits einige der Artefactos in bitterem Zynismus politische und gesellschaftliche Missverhältnisse geißelten, wendete sich der Dichter mit seinen Ecopoemas (1982) einer engagierten Tendenzliteratur zu, ohne jedoch eine definitive Zuordnung zum linkspolitischen Lager zu erlauben.

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Großen Zuspruch der Literaturkritik erfuhr Parras Übersetzung von William Shakespeares Tragödie King Lear (2004). 2006 wurden auf der chilenischen Buchmesse in Santiago die gesammelten Werke in Anwesenheit des Autors von Ricardo Lagos, dem ehemaligen Präsidenten des Landes, vorgestellt.

2011 erhielt Parra den Cervantespreis, den bedeutendsten Literaturpreis der spanischsprachigen Welt.

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Parra weicht mit seiner Struktur der Antipoesie von bisherigen Mustern der Moderne ab und schafft etwas Neues. Allerdings kann keine literarische Form immerwährend Innovation hervorbringen und fällt einem Neuheitsschwund anheim. Um dies zu verhindern, radikalisierte Parra die Antipoesie immer wieder, was ihm von der Literaturkritik als Manierismus vorgeworfen wurde. Jedoch beweist der Autor, dass er nicht allein Redewendungen und Phraseologismen systematisch verwendete und auch zu einem informellen Sprachgebrauch tendiert. (Quellen: Neue Zürcher Zeitung, teilweise von Wikipedia zitiert)

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