Lichtgeschwindigkeit 443

Juli 4, 2010

LICHTGESCHWINDIGKEIT 443

DER VOLLWEISE Teil 7 und Kommentar aus Sicht der IT-Soziologie

zur Medienlage von dem Künstlergelehrten Dr. Dietmar Moews –

ive und ungeschnitten – muss auch immer die Werte der Primaten

berücksichtigen: Offenheit, Transparenz, Freiheit, Piraterie und

Rechtsstaatlichkeit, im Globus mit Vorgarten in Berlin, am

Donnerstag, 1. Juli 2010, mit Frankfurter Allgemeine Zeitung

vom 15. Mai 2010 sowie vom 1. Juli, Neues Deutschland,

taz vom 1. Juli 2010,

Piratenthema hier: In dieser Folge 7 DER VOLLWEISE von

EDO REENTS in FAZ 111 geht es um den angeblich „starken

Nachfrager“ bei PETER KLUGE ohne Expertenwissen und mit

dem diffusem Mitmachoptimismus, was die Piraten verwirrt?

Was ist piratig? Und als Argument für die „rationale Konfliktkultur“

bei Ralf Dahrendorf und die „Kritik der Urteilskraft“ bei Immanuel

Kant, zitiere ich La Citadelle von Antoine de Saint-Exupéry,

S. 221 f: „Da kamen sie mit ihren Gründen und Motiven und

schönen Beweisführungen, durch die sie nur noch dümmer wurden.

Aber ich lachte über sie, da ich weiß, dass die Sprache bezeichnet,

aber nicht erfasst, und dass die Reden zwar den Gedankengang

aufzeigen, ihn jedoch weder widerlegen noch fördern./ – Jener

General hat nicht auf meine Rat gehört -, erklärte einer. Und ich

hatte es freilich gewollt, dass ihm der Wind der Worte ein anderes

Mal gegenteilige Bilder zutrug, denen die Zukunft zu gleichen

beliebte; ebenso wird ihm gewiss der Wind der Worte ein andres

Mal gegenteilige Bilder zutragen, denn ein jeder hat schon einmal

alles gesagt. Es bleibt aber bestehen: wenn ein General seine Heere

aufgestellt hat, nachdem er seine Aussichten abschätzte, den Wind

prüfte, den schlafenden Feind belauschte und die Bedeutung in

Betracht zog, die dem Erwachen der Menschen beizumessen ist —

sodann aber plötzlich seine Pläne ändert, seine Hauptleute wechselt,

die Marschroute seiner Heere umstößt und seine Schlachten aus

dem Stehgreif schlägt, nur weil ein müßiger Passant fünf Minuten

lang einen lächerlichen Wind der Worte erzeugt und dabei

Vernunftschlüsse aneinandergereiht hat, so setze ich diesen General

ab, sperre ihn in ein Verlies und mache mir nicht mehr die unnütze

Mühe, ihn zu ernähren. Denn ich liebe den Mann, der mit Gebärden,

als wollte er Brot kneten, zu mir kommt und sagt: – Ich spüre, dass

sie dort drüben geneigt sind nachzugeben, wenn du es verlangst.

Sie sind freilich ebenso bereit, ihren Mut zu beweisen, wenn du

die Fanfare jener Worte erschallen lässt, denn sie haben empfindliche

Ohren. Ich belauschte ihren Schlaf und er missfiel mir. Ich sah,

wie sie erwachten, wie sie sich nährten… Ich liebe die Tanzende,

die ihren Tanz beherrscht. Denn darin allein liegt die Wahrheit.

Und um zu verführen, musst du dich vermählen. Du musst dich

mit deinem Opfer vermählen, wenn dir der Mord gelingen soll.

Du stützt deinen Degen des Gegners, und die Klinge tanzt gegen die

Klinge./ Aber hast du jemals gesehen, wie der Kämpfende überlegt?

Wo bleibt die Zeit für die Überlegung? Und der Bildhauer? Sieh

ihn, wie seine Finger im Lehm tanzen, denn mit einem Daumendruck

hat er die Spur ausgeglichen, die sein Zeigefinger zurückließ: dem

Anschein nach, um zu widersprechen, aber nur dem Anschein nach.

Denn allein das Wort bezeichnet etwas; außerhalb der Worte gibt

es keinen Widerspruch. Das Leben ist weder einfach noch verzwickt,

weder klar noch dunkel, weder widerspruchsvoll noch

zusammenhängend. Das Leben ist. Die Sprache allein ordnet oder

verwirrt es, erhellt oder verdunkelt es, zerstreut oder vereinigt es.

Und wenn du einmal nach rechts und einmal nach links gedrückt

hast, darfst du daraus nicht zwei einander widersprechende

Wahrheiten ableiten; es folgt daraus nur die eine Wahrheit der

Begegnung. Und der Tanz allein vermählt sich dem Leben.

Will man in den bescheidenen Schritten des Immanuel Kant zur

Urteilskraft gelangen, muss man den Fragen folgen: was kann

ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Wie ist der

Mensch?

Dann kommen wir an eine Bedingung für jede kollektive

Intelligenzbestrebung: Will man basisdemokratischen Zugang

und Offenheit der Entscheidungen gewähren, müssen die

Teilnehmer Sprachkompetenz und Diskursfähigkeit mitbringen

oder dahingehend geschult werden.

Die Piraten des Jahres 2010 entsprechen mehr den leeren Ansagen

von Peter Kruse als solchen einer rationalen Konfliktkultur, einer

Kritik der Urteilskraft mit Kant, also nicht der bewussten

Entfaltung einer liberalen Rechtsstaatspartei.

Produktion, Idee, Autor, Direktion, Dr. Dietmar Moews;

Aufnahmetechnik und Admin, Piratencrew Berlin;