Franz Otto Kopp und die Neue Sinnlichkeit

März 2, 2015
Lichtgeschwindigkeit 5398

vom Montag, 2. März 2015

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Franz Otto Kopp und Dietmar Moews im Pandora Kunst Projekt München, 1994

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Der hannoversche Künstlergelehrte, Konstrukteur, Maler und Schriftsteller, Dr.-Ing. Franz Otto Kopp, ist tot.

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Sein Verschwinden ist für mich ein gravierender Schock.

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Auch wenn seine Gesundheit im Laufe der letzten Zeit allzu sehr das interessante, dynamische, geniale und schöne Leben abschnitt, hatte er noch ausdrücklich Sinn und Spaß an der Neuen Sinnlichkeit – wie wir…

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aus Neue Sinnlichkeit 66

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„..schrieb Franz . „„im „Dintenuniversum“ freien Lauf des Gedruckten und Äußerungen ohne Aufsicht bzw. Ausspähung, soweit Briefe, wie in der DDR oder dem schwarzen Kabinett der Habsburger in Berlin, nicht aufgedampft werden, bevor sie den Empfänger erreichen, aber das kann ja noch kommen. Die sogenannte Freiheit im Internet ist nur eine Fiktion für Doofe, die ihre kleinbürgerlichen Erlebnisse dort zum Besten geben. Mich freut daher, daß wir, Du und jetzt ich mit Dinte im genannten Dintenuniversum korrespondieren, indem daß ich mich sehr über Deinen Brief gefreut habe.

Gleich verlangt mir danach, Dich ebenfalls zu erfreuen. Auch für dieses Jahr, in dem selbst Putin in Russland in seinem Sekretariat auf Schreibmaschine umgestellt hat, habe ich mich entschlossen, wie auch der Schriftsteller Paul Auster, bei der Schreibmaschine zu bleiben, auf der ich tadellos schreibe und auf der hin und wieder die eine oder andere Ritter-Sport-Geschicht zurechtgehackt wird, nicht ohne vorher mit Bleistift u Papier einen Entwurf auf ebendasselbe zu bringen. So auch jetzt eine mittellange Story, genannt „Die Bruchkante“. Wie immer gilt es, etwa ab Mitte oder ab 2/3 des Verlaufes in die Kurve zur Schokolade im weiteren und bei Ritter-Sport-Schokolade im engeren Sinne einzulaufen. Ein Exemplar einer Kopie lege ich Dir bei. Vielleicht kannst Du sie ja für die Neue Sinnlichkeit, Dein erwachsen gewordenes Kind, verwenden. Du erinnerst mich immer wieder an Karl Kraus, dessen Verlagskonzept in etwa das Gleiche war, wie Deines. …“

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Kopp war seit anfang der 1980er Jahre als Künstler an den Ausstellungen der Neuen Sinnlichkeit in aller Welt beteiligt. Wir hatten vom Tag der ersten Begegnung eine intensive und begeisternde Freundschaft, die von unseren ingeniösen und künstlerischen, aber auch von unseren musikalischen und sozialdynamischen und sozio-politischen Leidenschaften so vielfältig lebte, dass zu einem Ende hin gar keine Zeit war. Ein Riss durch den Tod ist nicht harmonisch.

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Franz Otto Kopp gehörte zum engsten Künstlerkreis der Ballhof-Galerie Hannover, Ballhofstraße 8, gegenüber dem Staatsschauspiel am Ballhof,  die ich zwischen 1975 und 1984 führte, war dann auch seit 1983 bereits Stammkünstler auch im U, dem Spielplatz der Künste, unter dem damaligen ZOB am Raschplatz 7 OPQ und bald, gründeten wir zusammen mit dem Maler und Kunsterzieher Fokko von Velde, dem Filmer und GB 45-Musikproduzent Job Crogier, und mir, die Künstlergruppe 7 OPQ, die wir uns einen eigenen Kapitalistischem Realismus der Neuen Sinnlichkeit vorstellten.

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Daneben stellte sich ein neuer Begriff ein, der uns zu dem gewandelten Kunst- und Künstlerbegriff auf eine distanzierte Anspruchshaltung brachte:

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Wir waren Künstlergelehrte – im vorzeitlichen Sinn, wo zur Kunst in jedem Metier wir uns an den höchsten werkspezifischen Ansprüchen maßen.

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Ich weise nur auf die Drahtzeichnungen von Franz Otto Kopp hin. Kopp hatte ausgesprochen geschickte Hände und Kenntnisse, für jeglichen Werkstoff und für die dazu zu benutzenden Bearbeitungswerkzeuge. Es gibt keine zu seinen Lebzeiten bekannte Werktechnik oder Kunstart, die er nicht in eigenen Werken angewandt hätte.

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Seine dreidimensionalen Schreitmaschinen, Kopplungsgetriebe, die er seit den 1970er Jahren entwickelte und rechnete, und zu Prototypen und Originalpatentschriften vollendet hat, bilden ein geniales einzigartiges Genre.

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Diese Kopp-lungsgetriebe sind eine eigene Kunstart, kinetische Objekte aus Draht, die zeigen, wie Metaphysik als dreidimensionale Drahtzeichnung in die Physik hinein gebracht werden kann. Mit diesen vielfältigen kinetischen Objekten übertrumpft Franz Otto Kopp jeden Künstler der Welt – ohne Zweifel hätte sich Leonardo da Vinci fragend-begeistert dem Oberingenieur Meister Kopp und seinen wirklich faszinierenden „Drahtzeichnungen“ angenähert.

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Kopps „Lehrling“, der Nederländer Theo Jansen oder Jean Tinguely, der Schweizer „Zwitschermaschinenbauer“ sind weltweit bekannte Künstler, deren genialer Vorfahre Kopp unzweifelhaft von der Geschichte den ersten Platz zugewiesen bekommen wird. QUALITÄT setzt sich auf DAUER durch.

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Die deutsche Salonpersonnage der staatlichen und quanco-staatlichen Pseudokunstsoldaten müssen nun dafür sorgen, dass KOPP im Deutschen Pavillon der alljährlichen Biennale Venedig mit den Drahtzeichnungen höchstgestellt wird: Darauf warten MOMA und Documenta, nicht auf Hausfrauen.

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Über die gesamte Zeit unserer Freundschaft bastelten, schrieben und sendeten wir uns die Kunst-Postkarten (manchmal auch Postkunst-Karten). Und Franz der auch mit uns gemeinsam das Pseudonym Layos Dayatos (L.D.) benutzte (L. D. sagt: „In der Kunst geht es immer weiter – in der Kunst gibt es keine Pausen“) – schrieb dann:

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Vielen Dank für die Exemplare Deiner Nr. 27 der Neuen Sinnlichkeit. Vielleicht hast Du noch eine Nr. 26 bei Dir liegen, welche ich noch nicht gelesen habe. Erst mal sollst Du diese schöne Postkarte als Antwort haben. Auch möchte ich Dir sagen, daß ich auch zu Deinen Abonnenten und zu denen gehören möchte, die dazu beitragen, daß diese Deine Zeitung weiter erscheint. Es ist ja längst schon ein Geheimtip …“

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„Noch lauern Blindgänger“ FoKopp (Kunst-Postkarte)

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Das Witzige an diesen auch als „Mail-Art“ bezeichneten Geisterposten („Noch lauern Blindgänger“ / „Noch immer lauern Blindgänger“) ist, dass nunmehr alle diese Hunderte Franzkarten meine sind und alle, die ich gemacht und an ihn sandte, nun im Abseits der Nachlassverwaltung des frisch gestorbenen Dr.-Ing. Franz Otto Kopp landen.

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Unsere Künstlergruppe 7 OPQ ist nach dem Tod von Job Crogier im Jahr 2006 und den Schlaganfällen von Fokko von Velde zur Jahrtausendwende nunmehr in eine neue Phase getreten – denn die Werke der Freunde sind längst nicht so bekannt, wie sie werden müssen. Und heutige Kunstmanager, Salonpersonnage und Artmen müssen zeigen, was sie kapieren und können, im Kapitalistischen Realismus der Kunstfreiheit und der „verirrten Kunstorganisation“ (D. M. Diss. 2000).

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Vor der Ballhof-Galerie Hannover 1982

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Dietmar Moews meint: Ich werde die kommende Neue Sinnlichkeit, die als laufende Nummer 66 im 36. Jahrgang demnächst in Köln erscheint, und die wie alle bisher 65 Blätter, inklusive Franz Otto Kopp, inzwischen im Deutschen Literaturarchiv in Marbach wie auch in den wichtigsten Deutschen Staats- und Landesbibliotheken gesammelt werden, dem genialen hannoverschen Künstlergelehrten Franz Otto Kopp widmen.

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Ich werde ein Portrait zeichnen und eine Portrait malen, ich werde faksimilierte Handschriften und Handzeichnungen von Kopp bringen – dazu den nüchternen „Ritter-Sport-Stil“ und einige auf seine eigene Kunst bezogene Texte, die bislang niemand kennt. Dazu einige letzte Fotos, die wir gemeinsam hier in Köln in der Galerie Smend gemacht hatten.

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In den nächsten Tagen ist die Trauerfeier in Hannover. Schwer und mutig muss man da durchgehen – ich freue mich darauf, das neue Heft der Neuen Sinnlichkeit für Franz Otto Kopp zu machen.

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Man wird sich noch wundern, was Franz Otto Kopp als Künstler geschaffen hat.

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Künstlergruppe 7 OPQ trifft sich am 5. Mai 2014 bei SMEND Gallery Cologne, hier Dietmar Moews und Franz Otto Kopp mit der Neuen Sinnlichkeit

Künstlergruppe 7 OPQ trifft sich am 5. Mai 2014 bei SMEND Gallery Cologne, hier Dietmar Moews und Franz Otto Kopp mit der Neuen Sinnlichkeit

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zu Händen Dr. Dietmar Moews

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D-50678 Köln am Rhein


Lichtgeschwindigkeit 130

Januar 1, 2010

Lichtgeschwindigkeit 130

PIRATEN KINDERPORNO THEATER „SEX SELLS“

Spiele zum BERLINER MANIFEST Teil 4, von und mit

Dr. Dietmar Moews, Piratenpartei Deutschland,

am Dienstag, 29. Dezember 2009, im Globus mit Vorgarten,

Berlin-Pankow Niederschönhausen:

Es spielen:

Schneewittschen die Schneeflocke (the mytic creature with wings),

Simon Medienpirat, Dietmar Ur-Pirat, Robbi Telemat. Pirat Frosch

und Pirat Bulle

CREATURE: SEX SELLS – Doch ich bin hier der Käptn –

da kommen noch welche zur Stammtischsitzung zum

Thema Das BERLINER MANIFEST.

Die Piraten stellen sich vor, damit in der Gruppe die

verschiedenen Piratentypen deutlich werden können.

Alles mit Nicknames und Datenschutz unter uns gesagt:

Schneewittschen ist CREATURE und der Käptn der Crew

Sex Sells, CREATURE ist 25 Jahre alt, bekommt das Geld

von zu hause und findet die Piraten deshalb so geil, weil da

viele Männer sind und so wenige Frauen. Sie sagt auch

manchmal: Ich bin Piratesse.

CREATURE: Ja, herzlich willkommen beim Piraten Kinderporno

Theater. Da kannst du gleich mal sehn. Die Medienpiraten

sagen nämlich gerne SEX SELLS.

Pirat BULLE ist auch 25 Jahre alt, studiert Informatik, was

Spezielles, und ist noch neu bei den Piraten. BULLE will

erstmal sehn, ob es ihm gefällt

Pirat FROSCH: Ich bin hier schon ein alter Pirat, seit zwei

Jahren dabei. Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder und komme

gerne einmal in der Woche zum Stammtisch.

CREATURE: Was machst du denn beruflich?

Pirat FROSCH: Ach so, ja, ich arbeite als Hausmeister.

Ich war schon mal in der SPD. Aber da kann man ja nichts

mitbestimmen. Die SPD hat die Arbeiterklasse im Stich

gelassen. Und die Piraten sind ja eine sozialistische

Arbeiterpartei.

CREATURE: Nein, eine sozialistische Partei sind wir nicht.

Die Piratenpartei Deutschland zählt zu den weltweiten

Piraten. Piraten sind für Bürgerrechte, direkte Demokratie

und liberal.

TELEMAT: Das ist doch sozialistisch. Ich meine so

ursozialistisch solidarisch, eben demokratisch.

DIETMAR und SIMON kommen. Ich bin Pirat DIETMAR,

bin Ur-Pirat und IT-Soziologe und war mal bei den GRÜNEN.

Ich möchte mit den Piraten die Politik für die digitale Revolution

der Gegenwart und der Zukunft erkämpfen. Meinen Erwerb

erreiche ich als Künstlergelehrter in allen Metiers, Malerei,

Musik, Autor, Wissenschaft. Das Manifest ist unser

gemeinsames Grundsatzprogramm. Wir haben unsere

rechtliche Satzung, für die Wähler unser Wahlprogramm

und für uns brauchen wir die Diskussion über unser Manifest.

Und ich bin SIMON, der Hamburger Jung, bin Medienpirat

und auch Ur-Pirat, habe was geerbt und habe zwei große

Hände.

CREATURE: Das Berliner Manifest hier im Spiel, ist der

Sehnsucht, der Selbstbestimmung und der Dynamik gewidmet.

Wir wollen nicht delegieren sondern so direkt wie möglich

mitbestimmen.

DIETMAR: Wir akzeptieren als Piraten das Gesetz, das

Grundgesetz, sind rechtsstaatlich, respektieren die

UN-Menschenrechts-Charta. Aber wir kritisieren die

anderen Parteien, weil die das auch sagen, aber wirklich

gar nicht machen. Die arrivierten Parteien sind

verklickt, verklüngelt und undurchschaubar lobbyiert.

CREATURE: Wir Piraten sollen jedenfalls zusammen

und gemeinsam nach Außen treten.

Wir müssen klar sehen. Die Piraten bilden zwei Gruppen.

Die einen sind so froh und wollen nichts weiter, als Piraten

sein. Die anderen wollen mit der Piratenpartei in der Politik

für Offenheit, Transparent und Liberalismus kämpfen, ohne

so autoritär wie die FDP zu sein – einen richtigen LIBRLISMUS,

frei von der hohen Staatsquote und Dienstklasse, wie es

der liberale Denker Ralf Dahrendorf, Alphons Silbermann,

Arthur Koestler, Isaiah Berlin, Günter Anders oder sogar

Friedrich Nietzsche gezeigt haben.

Und abschließend der Tanz der Pfefferschoten und

Simons Striptease.

Produktion, Performance, Autor, Direktion, Dr. Dietmar Moews,

Aufnahme und Admin, Piratencrew Berlin;

Werbemusik: Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium

sowie The Rolling Stones: Everybody needs somebody und

Hot Butter: Popcorn.


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Januar 1, 2010