S. Reicht zu Besuch bei Georg Schramm alias Lothar Dombrowski

September 7, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4866

am Sonntag, 7. September 2014

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Layos Dayatos sagt: „In der Kunst gibt es keine Pause“.

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Laut Süddeutsche Zeitung vom 6. September 2014 sagte Georg Schramm, der leuchtendste Stern am deutschsprachigen Kritik-Showhimmel: „Es reicht!“

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Es ist nicht sicher, ob die Süddeutsche das Ausrufungszeichen eigenmächtig gesetzt hat. Denn Georg Schramms Kunst bestand ja darin, dass seine Semantik ohne Satzzeichen und ohne Spielanweisungen wirkungsstark ist. Er muss nicht mit den Armen wedeln oder aufbrüllen oder Eiswasser über sich ausgießen – Schramm hatte einige Figuren, den prominentesten Lothar Dombrowski mit dem ledernen Veteranenarm, die alle ohne Regieanweisung verständlich waren.

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Schramms Texte waren präzise, sein Räsonnement war stets von stärkster Seinsbindung. Heißt – es hätte kein Politiker abwiegeln können, indem Schramm entweder Gutmenschlichkeit, Weltfremdheit oder Außenblick – kurz, keine oder zu wenig Ahnung hätte ablehnend vorgeworfen werden können, folglich S. Reicht.

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Und da liegt jetzt Schramms Begründung für seinen aktuellen Rückzug von der Solobühne: Er hat die Themen durch – er hat die Grenzen, wie weit noch fürs Alltagspublikum Politik durchgenommen werden kann, ohne entweder oberflächlich und dann falsch zu verstehen oder zu tief und systematisch zu argumentieren und damit fürs große Publikum nicht verständlich zu sein – und so hat er dann, so gesehen, Alles gesagt.

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Es ist ausdrücklich herauszuheben: GEORG SCHRAMM hat als Autor und Performer drei Jahre ununterbrochen alle spezifischen Bühnen im deutschsprachigen Raum bespielt und war stets vor Kassenöffnung völlig ausverkauft.

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Mir passierte das vergangenes Jahr hier in Köln: R. Steht. Monatelang war auf die Eröffnung des Karten-Vorverkaufs zu warten – als es dann so weit war, hatten sich Hunderte bereits in eine Warteschlange gestellt – alle Plätze waren weg.

 

Schramms Konditionsleistung – für einen über sechzigjährigen Schauspieler – können ohnehin nur Kollegen nachvollziehen – eigentlich ist das gigantisch, was Georg Schramm konnte.

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Wenn nicht als Meister Yoda, dann werden wir Georg Schramm als virtuelles Ubiquitärgespenst wiedersehen – als ein Mephisto, der per IT-Echtzeitpropaganda die Kampfparolen und falschen Prophetien in fiktiven Kampfdialogen von z. B. Putin gegen Obama und umgekehrt aufführt – natürlich als Melodram (selbst vertont und gemageschützt – das bringt später Musikkohle).

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Thomas Becker schreibt in der Süddeutschen, Georg Schramm wolle zukünftig in Büchern stöbern und im Reichtum der Weltliteratur explorieren.

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Das muss ihm gegönnt sein.

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Denn die abgelieferten Auftritte der vergangenen Schaffensjahre ließen das nicht zu. Und Georg Schramm zog seine einmalige Kritikschow nicht aus Mutterwitz (wie Dieter Hildebrandt), sondern aus Kritikhöhe.

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Schramm hat soziologische Kenntnisse, die sonst keiner der Kabarettisten verfügt (da gebrach es Bruno Jonas), da haben die Sozi-Schlappis, wie Konstantin Wecker längst Schimmel angesetzt, weil das einäugig Gute und das Böse nicht mal mehr für Büttenreden ausreicht.

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Dietmar Moews meint: Seit Georg Schramm auf meinem Schirm erschien, habe ich mich darüber gefreut, dass da einer systematische Hintergründe einbezog, die bei der banalen Personal bezogenen Mobberei medial sonst nie zum Zuge kommt. Und oft hatte ich den Wunsch mit ihm weiterführende soziologische Implikationen zu besprechen – die seine Munition noch hätte schärfen können – egal.

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Schramm wird sich jetzt laut SZ mit Shakespeare, vermutlich überhaupt mit der gesamten Großliteratur, von Laurence Sterne bis Diderot, von Moliere bis Voltaire, umtun, wo ihm dann noch eine Ehrenrunde Anthropologie zu Kants vier Fragen blüht. Und im Anschluss an die verschärfte Anthropologie wird erneut Soziologie in der IT-Revolution hochkommen.

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Ich empfehle auch was – zur Erholung – aufgepasst: Franz OVERBECK (Nietzsches Basler Freund). Overbeck ist noch nicht durchgesetzt – aber ein ganz großer Denker und luzider Schreiber für unser postmodernes Deutschland.

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Ein Autor wie Georg Schramm hat sich einen Rang verdient, der ihm jederzeit relevante Auftritte ermöglicht. Wenn er es mal möchte, wird man ihn freudig grüßen.

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