E. T. A. HOFFMANN von seinen Benutzern am Leben erhalten

Juni 26, 2022

Lichtgeschwindigkeit 10439

am Sonntag, den 26. Juni 2022

.

.

Welche geistreiche europäische Zeit, als man vom Geist des Rechts zur Menschlichkeit Gesellschaften als produzierende Gemeinschaften begriff und darin Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit auf die Fahnen schrieb, um zu merken, man braucht neben Produktion auch Distribution, man braucht Bildung und Information und neben gezügelten Herrschern auch Führung und Fühlung. Von ersten Aufklärern zur wirklichen „Spätaufklärung“ um das Jahr 1800 schenkten sich die Europäer außerdem unglaubliche Musiker, geniale Schriftsteller und eine Explosition der Denker, die seitdem gar nicht mehr alle gelesen werden können, denn man muss ja auch lernen, Rolltreppen zu fahren, Reisverschlüsse im Dunkeln zu öffnen und Senftuben zu öffnen, Schalter drehen, Knöpfe drücken, jetzt Berührungs-Steuerflächen gebrauchen, dazu mit unzähligen pharmazeutischen Selbstvergiftungen die individuellen Dosierungen treffen.

E. T. A. HOFFMANN, geboren als Ostpreuße in Königsberg, 1776, wurde eine intelligente und tüchtige Wunderperson, die uns heute ohne literarische Umstände das Geisterreich der Sinnlichkeit mit den Möglichkeiten der Vorstellungsentgrenzungen bietet, wie man es zu seiner Zeit als Romantik gar nicht verdauen konnte – damals galt gewissermaßen bereits Goethe als Phantast. Im 21. Jahrhundert nun können E.T.A. HOFFMANS Phantasien, Surrealismen, Psychopathien und Absurditäten geradezu über das oft unsinnliche IT-Design von heute hinweghelfen, nennt man es nun Utopismus oder Science Fiction, Leichte Muse oder nur Spielereien. Hoffmann entgrenzte die realen Lebensgrenzen in seinen Darstellungen, behielt aber möglichen Sinn, indem unwirkliche Vorgänge den Leser fesseln, anstatt nur leerer Unfug zu sein. Hoffmann konnte hervorragend malen und zeichnen und verwirklichte Bühnenbilder und Dekorationen fürs Theater.

E. T. A. HOFFMANN war in seinem kurzen Leben ausstudierter preußischer Staatsjurist einer Dienstklasse, er war mehrfach politisch arbeitslos, er konnte malen und zeichnen, er komponierte wie Beethoven, er schrieb alle möglichen Textsorten, wovon die kleinen Formen vorzüglich auch gedruckt wurden; die Uraufführung einer Symphonie in Bamberg war auch für den Künstler ein besonderes Ereignis. Hoffmann war ein herausragender KÜNSTLER-GELEHRTER.

.

.

Der deutsche Literat HUBERT SPIEGEL, geb. 1962 in Essen, studierte Soziologie, Politikwissenschaft, Germanistik und Geschichte, Redaktionsmitglied im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – und kenntnisreich.

.

Huber Spiegel verdanken wir eine Exposition zu E. T. A. HOFFMANN, am Samstag, 15. Juni 2022 (anlässlich dessen 200sten Todestages), die ich hier kurz kritisiert und unzensiert wiedergebe:

.

„Die Authentizität des Übersinnlichen. Geschenke für den Teufel: Frankreich liest Hoffmann

Sein zweiter Roman trug den Titel „Der Geheimisvolle“. Er wurde nie veröffentlicht, und nichts daraus ist überliefert als ein einziger Absatz, etwa eine Seite lang, den E.T.A. Hoffmann als Zwanzigjähriger am 13. März 1796 in einem Brief aus Königsberg an seinen Jugendfreund, den Pfarrerssohn Theodor Gottlieb von Hippel zitierte. Es geht darin um das „Männer-Monopol“: eine Haltung, die das Ideal der Männerfreundschaft weit über die Liebe zwischen den Geschlechtern stellte. Die Begründung: „Die Freundschaft tut gar nichts für die Sinnlichkeit, aber alles für den Geist.“ Der Erzähler fühlt sich befreit, denn vor dem Beginn der großen Freundschaft zwischen zwei verwandten männlichen Seelen war sein „Geist ein Gefangener, den man eingesperrt hatte und unaufhörlich bewachte“.

Einige Jahrzehnte später kehrt ein anderer Schriftsteller in einer anderen Stadt in sein Dachzimmer zurück. Es ist ein Uhr nachts. Er will nur noch allein sein. Zwei Mal schließt er die Tür hinter sich ab, atmet auf, nimmt ein „Bad aus Dunkel“ und läßt einen vergeudeten Tag an sich vorüberziehen: Ununterbrochen war er in Gesellschaft, ununterbrochen litt er unter der „Thyrannei des menschlichen Gesichts“. Er hat mit den falschen Menschen gesprochen, die falschen Hände geschüttelt, die falschen Dinge gesagt und getan. Jetzt ist er allein, unzufrieden mit sich und allem anderen und bittet Gott um die Ehre, einige schöne Verse erschaffen zu dürfen, „die mir selbst beweisen, dass ich nicht der letzte der Menschen bin, dass ich nicht niedriger bin als jene, die ich verachte“. Freundschaft? was soll das sein? selbstverordnete Einzelhaft wäre ihr vorzuziehen.

Dass ausgerechnet der nachtschwarze Einzelgänger Charles Baudelaire im Werk von E. T. A. Hoffmann die „absolute Komik“ entdeckte und sie bereits 1855 in seinem Essay „De essence de rire“ behandelt hat, mutet heute kaum weniger erstaunlich an als die Tatsache, dass Hoffmann wenige Jahre nach seinem Tod in Frankreich weitaus populärer war als in Deutschland. Adolphe-Francois Loève-Veimars hatte Werke von Hoffmann um 1830 übersetzt und das Genre der phantastischen Erzählung in Frankreich damit populär gemacht.

Eine der ersten Veröffentlichungen Théphile Gautiers trug den Titel „Onuphrius oder die Ärgernisse eines Bewunderers von Hoffmann“ und erzählte 1832 von einem jungen Mann, den seine Begeisterung für Hoffmanns Werk geradezu in den Wahnsinn trieb. Einige der Erzählungen in Balzacs „Comédie humaine“ sind erkennbar von Hoffmann beeinflusst, etwa die Künstlernovelle „Das unbekannte Meisterwerk“ über den Maler Frenhofer, der das Absolute der Kunst sucht und sich umbringt, als er die Aussichtslosigkeit seiner Suche erkennt.

Alexandre Dumas veröffentlichte 1850 den Roman „Die Dame mit dem Samthalsband“, in dem er einen jungen Studenten namens E. T. A. Hoffmann ins revolutionäre Paris versetzt, wo er seine deutsche Braut Antonie wegen einer Tänzerin namens Arséne verlassen will. Sie trägt das Samthalsband, von dem der Titel spricht. In ihrer letzten gemeinsam verbrachten Nacht verbirgt es den Schnitt, mit dem ihr die Guillotine am Tag zuvor den Kopf vom Rumpf getrennt hatte.

Für einige Jahrzehnte ist Hoffmann einer der meistgelesenen Autoren in Europa. In Russland kommt er gleich hinter Gogol, in Frankreich macht ihn Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ ungeheuer populär. Sie beginnt in der Berliner Weinstube Lutter&Wegner, in der Hoffmann, mit einer geradezu höllischen Trinkfestigkeit mehr gestraft als gesegnet, ständig verkehrte. In der französischen Rezeption wird Hoffmann nicht zu nur einem bewunderten und vielfach nachgeahmten Autor, sondern auch zu einer literarischen Figur.

„Der Grund für die Geschwindigkeit von Hoffmanns Erfolg“, glaubte Théophile Gautier, „liegt in dem heftigen und wahren Gefühl der Natur, das in einem so hohen Maße in seinen unerklärlichsten Schöpfungen hervorsticht.“ Mit anderen Worten: Was Frankreich an E.T.A. Hoffmann liebte, war die mit allen Sinnen fassbare Authentizität des Übersinnlichen in seinem Werk. Sie gehörte zu einer Ästhetik des Bösen, für die Baudelaire, der die Werke von Edgar Allan Poe ins Französische übersetzt hatte, besonders empfänglich gewesen sein dürfte. In L’essence de rire“ definierte er das Lachen als zwiegespalten: Es sei satanisch, aber auch zutiefst menschlich. Die absolute Komik, die er in Hoffmann entdeckt zu haben glaubte, musste sich demnach zumindest zur Hälfte aus einer obskuren Quelle speisen. Wer über die zerrissenen Figuren E. T. A. Hoffmanns lacht, macht dem Teufel ein Geschenk. HUBERT SPIEGEL“

.

Dietmar Moews meint: Mich freut es immer, wenn meinem Kunst- und Künstlerurteil Honig in den Arsch geblasen wird, wie vorstehend. Die Herausstellung E. T. A. Hoffmanns in der deutschen Tagespresse, wie in der aktuellen F.A.Z., von dem Fachmann und FAZ-Feuilleton-Redakteur Hubert Spiegel, muss hier in der Lichtgeschwindigkeit als eine Perle im ‚Vorgarten des Globus‘ gelobt werden. Hubert Spiegel hat Kenntnisse.

Dennoch ist seine persönliche Distanz zu Hoffmanns Nervensystem zu Jenachdemig. „Obskure Quelle“? – was soll das? absolute Komik .. zur Hälfte? welche ein ungeklärter Gedanken von Spiegel und welch schwiemelige Formulierung. Soll da „Romantik“ als Schwachsinn abgetan werden? Mir fehlt hier der klare Blick, dass Hoffmanns existenzielle Wahrheit und die Fähigkeit diese in seine Darstellungen zu fassen PHÄNOMENAL sind.

Meine eigen Hoffmann-Freundschaft basiert auf dieser Echtheit – nicht auf halben Narrativ-Phantastereien. Wer immer die Überschrift zu diesem Feuilleton-Artikel formuliert hat: „Die Authentizität des Übersinnlichen“ hat es doch in einem Satz vermocht mitzuteilen. Der Untersatz „Geschenke für den Teufel“ ist lächerlich, nämlich „Geschenk für die Katz“.

.

Also E. T. A. HOFFMANN anhören – er komponierte sehr sehr besonders schön – was immer die Musikpolitiker in Bamberg gegen Hoffmann geleitet haben mochte – vermutlich Neid und Missgunst gegen den Fremden. Man hätte E. T. A. Hoffmann ganz groß plazieren müssen – ebenso Dresden. Hoffmann hätte Bamberg zu einem erste Ort gemacht, wie in Weimar Herr von Goethen (nur besser malen und zeichnen, besser musizieren, besser schreiben vermochte Hoffmann, und als Jurist hätte sich Goethe ohnehin freiwillig auf Platz zwei beschieden. Alkohol plagte beide – nur dass der alte Goethe zu hause in Privatgesellschaft soff – Hoffmann hing in der Kneipe von Berlin.

.

Die FAZ hat im Wochenendfeuilleton noch weitere E.T.A. Hoffmann-Berichte:

JAN BRACHMANN: „In die Tiefe des Geisterreiches. Er nannte sich nicht umsonst Amadeus: als Musiker Mozart Hoffmanns Leitstern“.

STEFAN TRINKS: „Groß Zaches. Hoffmann war in allem, was er tat, ein echter Uomo universale. Inspiriert haben ihn große Schreckensmaler“

TILMAN SPECKELSEN: „Singend auf dem Totenbett. Wenn wir uns selbst begegnen, brauchen wir ein gutes Gesprächsthema, sonst wird es gruselig: Vor zweihundert Jahren starb der Musiker, Zeichner, Jurist und Autor E. T. A. Hoffmann.“

JÜRGEN KAUBE: „Wir haben Wir haben den Täter, das Verbrechen suchen wir noch. Ein guter Aktenmensch lässt nur Taten gelten: Hoffmann als Jurist.“

.

Der FAZ möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich Dank und Lob verzeichnen .

.

Damit nehme ich von der Lügenpresse-Waffenlieferungs-Ideologie der Ukrainezerstörung gegen die FAZ kein Wörtchen zurück. Dazu ist mir die FAZ dann zu wenig deutsch und zuviel USA:

.

FINE E COMPATTO

.

WARNUNG: recommended posts (Zusätze, die als Empfehlungen oder Beziehungen von WordPress hier eingestellt

auf dem Dietmar Moews‘ Blog eingeblendete „Recommended Posts“ oder sonstige „Pseudoempfehlungen“ werden von WordPress

.

gegen das Einverständnis des Eigentümers Dr. Dietmar Moews

.

hier gezeigt und sind keine Empfehlungen von Dr. Dietmar Moews. Nichts davon wird i.S.d.P. von Dr. Dietmar Moews verantwortet. Dietmar Moews klickt diese „recommendends“ nicht an und liest nichts davon.

.

Ab jetzt werden alle Dietmar Moews‘ Blog-Beiträge mit dem SLOGAN

FINE E COMPATTO deutlich beendet.

.

WARNUNG: recommended posts

.

und BESTELLEN

subscription to Dietmar Moews Abonnement von Dietmar Moews un abonnement à Dietmar Moews

Blätter für Kunst und Kultur erscheinen in loser Folge im Verlag Pandora-Kunst-Projekt Köln

Blätter Neue Sinnlichkeit

.

Indem ich Ihnen ein langes Leben wünsche, sparen Sie auf diese Weise ganz erheblich.

Abonnement auf Lebenszeit für EURO 500,- (oder entsprechender Landeswährung)

Einzelpreis oder Abonnement inkl. Versand EURO 12.-, Schüler bei Selbstabholung EURO 4.-

Abonnieren Sie mit Namen, Postanschrift, Ort, Datum, Unterschrift sowie EURO 500 zur Verrechnung bei:

PANDORA KUNST PROJEKT

zu Händen Dr. Dietmar Moews

Mainzer Straße 28

D-50678 Köln am Rhein


Mikwe und Dom in Speyer – das Schöne und das Gegenteil, baugeschichtlich

Juli 26, 2021

Lichtgeschwindigkeit 10247

am Montag, 27. Juli 2021

.

Treppenabstieg in die Mikwe von Speyer. Es geht elf Meter hinab. Es gibt unten ein Auskleid-Seitenstübchen. Am Wasser wartet eine Bade-Aufsichtsperson, die das vollständige nackte Untertauchen in das etwa 11 Grad kalte frische Wasser kontrolliert. Die Juden, besonders die Jüdinnen, müssen frisch gewaschen in das Bad kommen, damit keinerlei Unreinheit entstehen kann. Wöchnerinnen baden nicht. (Im Medienraum des Museums gibt es ein lehrreiches Video).

.

Ich will das Schöne neu durchsetzen. Das Schöne ist lebensdienlich, als Schönes und als geistig-sinnliche Provokation. Für all die schweinedummen modernen Jenachdemer, die glauben, das Schöne sei vormodern, die glauben, das Schöne sei schädlich bis gefährlich und es kulturpolitisch wegdrücken, soll dazu angeregt werden, dass jeder in seinem Leben das Schöne erleben kann und daher Lebenskraft ziehe kann.

Dafür ist Schauen geeignet, wenn man es leidenschaftslos und kalt macht. Das Schöne soll nicht gedacht werden, nicht durch Wollen, Fühlen, Denken operationalisiert werden – es ist mit Restinstinkt erlebbar.

Ich kann ein Beispiel nennen:

.

Dietmar Moews meint: Beim Besuch der alten deutschen Stadt Speyer, um den dortigen romanisch-barock-camouflierten Dom zu erleben sowie das Grab des Alt-Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl zu inspizieren, dessen Grabstelle angeblich am Dom angelegt worden sei, kam ein Erlebnis des Schönen zustande – allerdings durch einen zufälligen Spontanbesuch der Mikwe von Speyer (dem jüdischen Bad), und gleichzeitig des Beweises für jeden, der hier zweifelt, durch das Gegenteil des Nichtschönen.

Kurz zum Nichtschönen: Der Dom von Speyer ist groß und von altem Ursprung.

Der Dom zu Speyer ist heute Kirche und UNESCO-Welterbe und heißt Domkirche St. Maria und St. Stephan in Speyer, ist bischöfliche Kathedrale, Pfarrkirche und Wallfahrtsort.

Zwischen 1024 und 1030 wurde mit dem Dombau begonnen. 1061 war der größte Kirchenbau der damaligen Welt fertig und der Dom wurde geweiht. 1981 wurde der romanische Kirchenbau in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Seine Entstehung verdankt der Dom zu Speyer dem salischen Kaiser Konrad II. Dieser verfolgte nach seiner Wahl zum König das ehrgeizige Ziel, die größte Kirche seiner Epoche zu errichten. Die Weihe des Doms im Jahr 1061 erlebte Konrad nicht mehr. Sein Enkel Heinrich IV. ließ den Dom bereits ab 1080 von Grund auf umbauen und gab ihm seine heutige Gestalt. Heute ist der Speyerer Dom, nach der Zerstörung der Abteikirche von Cluny, die größte romanische Kirche überhaupt.

Vier Kaiser, drei Kaiserinnen und Könige aus den Häusern Habsburg, Staufen und Nassau sind hier begraben. Der Dom ist damit die bedeutendste Grablege des Mittelalters auf deutschem Boden. 

Musterbeispiel für die Romanik ist der heute unschöne Dombau nicht – es sei denn, man meint das stilistische Unglück.

Die Überwölbung des Mittelschiffs war die erste Wölbung dieser Größenordnung seit der Antike. Das Gewölbesystem, in dem einem Joch des Mittelschiffes je zwei Joche eines Seitenschiffs zugeordnet sind, ging als das „gebundene System“ in die Kunstgeschichte ein. Auch ist der Speyerer Dom die erste Kirche mit einer vollständig umlaufenden, begehbaren Zwerggalerie.

Auf Grund der Zerstörungen des pfälzischen Erbfolgekrieges und der Verwüstungen während der französischen Revolution erscheint der Dom heute im Innern relativ leer und schmucklos. Die rhythmische Gliederung des Baus und die romanische Formensprache kommen allerdings umso eindrücklicher zur Geltung. Sehr aufdringlich wirkt die Reihe der Paneele oberhalb der Rundbögen des Hauptschiffes, mit den pseudoromantischen Historien-Tafelbildern. Ebenso unpassend sind die symmetrisch über dem Eingang angeordneten, aber asymmetrisch gegliederten chromglänzenden Orgelpfeifen des neuen Orgelprospektes des Orgelbauers Romanus Seifert von 2011. Und was hat man sich mit dem Hochwertanspruch und dann diesen Militärmöbel-Sitzreihen gedacht?

.

Wer hat schon eine solche Legende wie den Speyerer Dom?

.

40 Bischöfe sind dort beerdigt. Bundeskanzler Helmut Kohl hatte in seiner 16-jährigen Kanzlerschaft zahlreiche wichtige Staatsführer nach Speyer gelockt – im Jahr 2017 wurde Kohl dort auf eigenen Wunsch bestattet.

Verdruss macht nun im Nervensystem des Künstlergelehrten, dass das gesamte heute dort stehende Bauwerk die Ausstrahlung von Camouflage hat: Teakholz-Velours wäre ein passender Wert. Man hat da derart viele Schäden.

.

Wikipedia, am 26. Juli 2021:

„1818 bis 1822 wurde er saniert und 1822 neu geweiht. Von 1846 bis 1853 schufen die Maler Johann von Schraudolph und Joseph Schwarzmann im Auftrag Ludwig I. von Bayern große Tafelbilder im Nazarener Stil. Neubau der Westfassade von 1857 ist selbstredend UNSCHÖN bzw. man schafft eine bauliche Melange der Mittelmäßigkeit, der jede Echtheit abgeht. Wer romanische Bildhauerkunst in Naumburg und Magdeburg gesehen hat, muss beim Anblick der figürlichen Steine im Eingangsbereich der Westfassade die Anmutung von neoromanischem Kitsch hinnehmen.

Im Auftrag des ehemaligen bayerischen Königs Ludwig I. und des österreichischen Kaisers Fanz Joseph I. und des Herzogs Adolph von Nassau kam es von 1854 bis 1858 zu einer Neuerrichtung des Westbaus im neoromanischen Stil. Heinrich Hübsch, einer der renommiertesten Architekten des frühen Historismus, orientierte sich frei am ursprünglichen Westbau, indem er Mittelturm und zwei kleinere Flankentürme aufgriff, wich jedoch von der Vorlage sowohl bei der Materialwahl wie bei den Proportionen erheblich ab. Die Erneuerung der Westfassade und die Ausmalung des Doms wurden im 19. Jahrhundert als „großes Werk“ angesehen. Ludwig I. war der Überzeugung, dass seit langer Zeit nichts Größeres geschaffen worden sei als die Fresken im Speyerer Dom.

.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert kam es zu einem Stimmungsumschwung: Georg Dehio beklagte 1916 sogar vorsichtig, unter den Unglücken, die den Dom getroffen hätten, seien die Veränderungen des 19. Jahrhunderts nicht die kleinsten gewesen. …

In den Jahren 1900 bis 1906 wurde im Dom eine Grabungskampagne durchgeführt. Die Königs- und Kaisergräber wurden geöffnet und in einer neuen und zugänglichen „Kaisergruft“ unterhalb des östlichen Langhausjochs untergebracht. 1925 wurde der Dom zur Päpstlichen Basilika erhoben.

Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Bau reromanisiert.

Die in gutem Zustand befindliche Ausmalung des 19. Jahrhunderts wurde bei der Renovierung 1957 bis 1961 mitsamt dem Putz abgenommen. Sie ist in Teilen museal erhalten. An der Wand verblieben die 19 Quadratmeter großen Fresken aus dem Marienzyklus unter den Nord- und Südfenstern des Mittelschiffs. Darüber hinaus wurden einige Fresken mit einer neuartigen Technik, bei der die Fresken auf ein speziell präpariertes Tuch aufgezogen wurden, abgenommen. Versuchsfläche für die von Otto Schulz entwickelte Abnahmetechnik waren die Ornamente, die sowieso abgeschlagen werden sollten. Ein missglückter Versuch in den Proben wäre also nicht so schlimm gewesen. Durch diese Technik gelang es, alle Fresken bis auf das über dem Altar befindliche Fresko aus dem Bernhardszyklus, für dessen Abnahme die Zeit fehlte, zu retten.

Bei dieser Renovierung wurden auch die brüchig gewordenen Sandsteinpfeiler durch Zementinjektionen verstärkt. (A.d.V. Es wirkt wie ein entstelltes Botoxgesicht.)

Die in der Barockzeit entfernten Querhausgiebel wurden nach Stichen und erhaltenen Beispielen verwandter Bauten wiederhergestellt. Im Bereich der Vierung machte man ebenfalls einige Veränderungen rückgängig, musste jedoch aus statischen Gründen auf eine Entfernung der barocken Verstärkungen verzichten.

In Teilen der heutigen Fachliteratur wird der Speyerer Dom als Musterbeispiel einer nach denkmalpflegerischen Kriterien abzulehnenden Rückrestaurierung dargestellt, wobei jedoch die Rekonstruktionsmaßnahmen in ihrer Form durch Befunde nahezu gesichert und daher nicht als Beispiel einer freien „Romanisierung“ zu verstehen sind.

Seit 1996 wird der Dom erneut grundlegend restauriert. Die Maßnahmen waren zum Ende des Jahres 2019 fast abgeschlossen, werden aber wegen unerwarteter Schäden an der Dachkonstruktion und des Vierungsturms noch bis voraussichtlich Mitte 2021 dauern. Bis Juni 2007 wurden 15,1 Millionen Euro für die Restaurierung aufgewendet. 1995 wurde zur finanziellen Unterstützung der „Dombauverein Speyer“ gegründet. Unter Leitung von Vitus Wurmdobler von wurden einige der abgenommenen Schraudolph-Fresken restauriert. Sie sind seit dem 28. Oktober 2012 im Kaisersaal des Doms zu sehen, der für diesen Zweck hergerichtet wurde…“.

.

Nur wem das Schöne unbeachtlich ist, kann an dieser Domschändung in Speyer unentwertet vorbeigehen. Auch Laien erleben in der Dombegehung, wie – im völligen Gegensatz schön, baulich und bildhauerisch enorm filigran und wertvoll die echt-alte Apsis ist. In dem Teil, der die Apsis trägt, befindet sich ein altes Taufbecken des Doms.

Mit der Grablege in der Krypta kann man heute die Gräber der Kaiser und alte Möbel sehen, die als alt wertvoll sind. Schönheit geht damit nicht immer einher. Was hat man da in Speyer mit dem romanischen Bauwerk verbrochen! Verantwortlich war und ist die römisch-katholische Kirche. Kein Wunder, dass Helmut Kohl die Sensibilität für das Schöne nicht eignete.

So kurz zum Kohlgrab in Speyer – nicht am Dom, sondern außerhalb der Kirchentoten – nahe St. Bernhard am Adenauerpark, eineinhalb Kilometer entfernt. Die Grabgestaltung ist derart banal, als habe IKEA eine Sonderschau. Am ehesten geht noch das flache schmucklose Holzkreuz mit dem Namenzug. Hier ist der deutsche Staat – ohne politikgeschichtlichen Bewertungen des Kohl – was schuldig: Ehrung durch Schönes.

Und nun zum schönen in Speyer (die Übernachtung im 4-Sterne Domhof-Hotel war empfehlenswert normal), wo zufällig der JUDENHOF mit MUSEUM SchPIRA und Mikwe als örtliche Bauantiquität höchster Originalqualität zu besichtigen ist.

.

MIKWE in SPEYER

AKTUELL:

Heute, 27. Juli 2021 wurde das Judenhof-Projekt von Speyer von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Mikwe ist hier das Reinheitsbad, das das jüdische Ritual einmal monatlich den Juden abverlangte, in der mittelalterlichen Synagoge mit Frauenschul und das hervorragend erhaltene Ritualbad (hebr. Mikwe), erbaut vor 1128, als ältestes dieser Art in Deutschland – heute Mittelpunkt des Judenhofes von Speyer.

Die Begleitschrift behauptet: Städtisches Judentum des Mittelalters am Beispiel der Gemeinde von Speyer: vor über 1000 Jahren haben sich die ersten Juden mit ihren Familien in den rheinischen Städten niedergelassen und wesentlich zu deren Entwicklung beigetragen .. In Speyer bestand die bedeutendste jüdische Gemeinde im Bereich der späteren Pfalz .. Speyer, Worms .. Mainz. Die Speyersche SchUM-Stätte besteht aus rötlichen Ziegelmauern, Treppenabgängen, Stürzen und Treppungen bis ins Wasserbecken im Grundwasserbereich.

.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23. Juli 2021 berichtet und bewertet, Seite 14, Stefan Trinks:

„in elf Metern Tiefe: Mikwe in Speyer, um 1120…. Am dichtesten erhalten sind mittelalterlich jüdische Zeugnisse. Staatliche Stellen haben seit 2004 an dem Antrag für die Aufnahme als Weltkulturerbe … ein erstaunliches Dokument hat sich vom Speyerer Bischof und Stadtherrn Huzmann aus dem Jahr 1084 erhalten: „Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit. Ich, Rüdiger, mit Beinamen Huzmann, Bischof von Speyer, glaubte in meinem Bestreben, aus dem Dorf Speyer eine Weltstadt zu machen, die Ehre unseres Ortes durch Ansiedlung von Juden noch mehr zu heben.“ Diese zugegeben selten weitreichende Integration hatte im mittelalterlichen Speyer konkrete Auswirkungen: Die Juden hatten Handelsfreiheit sowie das Recht, Grundbesitz zu erwerben und einen eigenen Friedhof anzulegen. Der planmäßig konzipierte Komplex um die Speyerer Synagoge wurde zusammen mit der Stadterweiterung um 1080/90 ausgeführt, und an der monumentalen, elf Meter tief in den Felsen geschachteten Mikwe waren wohl Mitglieder der Dombauhütte beteiligt. / Stilistisch gut vergleichbar zeigt dieses älteste Ritualbad von etwa 1110/20 fast dieselben romanischen Würfelkapitell-Formen wie der ab etwa 1080 errichtete salische Kaiserdom. Doch wollte man sich offenbar in der nach dem Dom errichteten Mikwe-Anlage unterscheiden: Einzigartig ist die gefundene Lösung unter einem der Würfelkapitelle der Mikwe: verdreifacht ist hier der sogenannte „Halsring“, auf dem das Haupt, eben Kapitell (vom Lateinischen „caput“), aufruht; die drei gestaffelten Schaftringe wirken wie die pulsende Stromringe bei der Roboterfrau im Film „Metropolis“. Kunsthistorisch interessant ist, dass alle in den ASchUM-Synagogenanlagen eingesetzten salischen und staufischen Stilformen später im Historismus des neunzehnten Jahrhunderts zum verbindlichen Baustil für alle weiteren Synagogen wurden./ Und die erhaltenen Mikwen in Speyer – die älteste mit schriftlich fixiertem Ritualablauf überhaupt – aber auch in Worms sind Meisterleistungen des Tiefbaus, weil sie als Voraussetzung für die erwünschte rituelle Reinheit Zugang zu fließendem Quellwasser haben müssen. Daher waren diese Wasserbecken tief in den Untergrund getrieben worden, mit piranensihaft verwinkelten Treppengängen und Säulenabstützungen nach unten, wie dies auch bei den Bädern in Jerusalem der Fall war … Die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz bilden ein unvergleichliches Spektrum jüdischer Gemeindezentren und Friedhöfe aus dem 10. bis 13. Jahrhundert, die die kulturellen Leistungen europäischer Jüdinnen und Juden in der Formationsphase des aschkenasischen Judentums bezeugen.“ In diesem jüdischen Museum wird eine LUCA-App (zur Corona-Jagd bzw. zur Datenüberwachung) verlangt bzw. genaue Personalien. Auf Nachfrage wurde mitgeteilt, dass LUCA-App von den Besuchern anstandslos akzeptiert würde. Es ist gegen jeden Datenschutz! (Peking übernehmen Sie die Telematik).

Der Antrag auf Widmung als UNESCO-Weltkulturerbe liegt an und wird demnächst (AKTUELL) entschieden. Die alten Mauern und Treppen der Speyerer Mikwe sind schön – jeder kanns erleben. Es ist zudem eine wunderschön sparsam eingerichtete Ruinen-Hofanlage mit geschickt ausgestalteten Sekundärelementen, wenigen gepflegten Bäumen und Büschen zu Grasrasen und kurzen gepflasterten Wegen, räumlich eingepfercht, teils Plexiglas-überdacht inmitten der Altstadt. Besser geht es nicht. Sowas muss geehrt und gezeigt werden: eine profane Erholung fürs ästhetische Herz in Speyer.

Den Speyerer Dom sollte man mit Raufasertapeten bekleben und in Ziegelrot anmalen. Heute würde er auch als postkubistische Plastik und als Postkarten-Motiv auf jeder DOCUMENTA Aufsehen erregen.

.

FINE E COMPATTO

.

WARNUNG: recommended posts (Zusätze, die als Empfehlungen oder Beziehungen von WordPress hier eingestellt werden)

auf dem Dietmar Moews‘ Blog eingeblendete „Recommended Posts“ oder sonstige „Pseudoempfehlungen“ werden von WordPress

.

gegen das Einverständnis des Eigentümers Dr. Dietmar Moews

.

hier gezeigt und sind keine Empfehlungen von Dr. Dietmar Moews. Nichts davon wird i.S.d.P. von Dr. Dietmar Moews verantwortet. Dietmar Moews klickt diese „recommendends“ nicht an und liest nichts davon.

.

Ab jetzt werden alle Dietmar Moews‘ Blog-Beiträge mit dem SLOGAN

FINE E COMPATTO deutlich beendet.

.

WARNUNG: recommended posts

.

und BESTELLEN

subscription to Dietmar Moews Abonnement von Dietmar Moews un abonnement à Dietmar Moews

Blätter für Kunst und Kultur erscheinen in loser Folge im Verlag Pandora-Kunst-Projekt Köln

Blätter Neue Sinnlichkeit

.

Indem ich Ihnen ein langes Leben wünsche, sparen Sie auf diese Weise ganz erheblich.

Abonnement auf Lebenszeit für EURO 500,- (oder entsprechender Landeswährung)

Einzelpreis oder Abonnement inkl. Versand EURO 12.-, Schüler bei Selbstabholung EURO 4.-

Abonnieren Sie mit Namen, Postanschrift, Ort, Datum, Unterschrift sowie EURO 500 zur Verrechnung bei:

PANDORA KUNST PROJEKT

zu Händen Dr. Dietmar Moews

Mainzer Straße 28

D-50678 Köln am Rhein