CCC Film von Sandra Trostel ALL CREATURES WELCOME

Februar 1, 2019

Lichtgeschwindigkeit 8899

am Freitag, den 1. Februar 2019

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Derzeit bringt eine junge Filmerin, SANDRA TROSTEL aus Hamburg, geboren etwa 1975, ihren Dokumentationsfilm „ALL CREATURES WELCOME“ über ein Sommercamp des CCC im Jahr 2015 und einen Jahreskongress des CCC, der im Jahr 2016 stattfand, inzwischen im 35sten Jahr mit wachsender Ausstrahlung und auch zukünftig stattfinden soll – ins Kino.

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Dr. Dietmar Moews, mit Piraten- und CCC-Blut in seinen deutschen Blut&Boden-Adern und paganer Bastarden-Abstammung, hat die CCC-Filmveranstaltung in dem öffentlichen Kino von Köln besucht und die anschließende Diskussion mit der Filmerin TROSTEL erlebt.

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Vorab, zur Einführung in die gesamte Problemstellung möchte ich nur so viel erklären:

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Wenn wir die hiesige Menschheit des Jahres 2019 wiegen möchten, können wir dafür viele Kategorien aufmachen, wie sich Gruppen typologisch erfassen und gruppieren lassen. Wir können Brillenträger oder Nichtbrillenträger, Blonde und Dunkelhaarige, Geburtsjahrgänge, Religionen, Muttersprache, Staatsangehörigkeit, Männlein/Weiblein und viele weitere Qualitäten zu typologisierten Untersuchungskohorten zuspitzen.

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Für den hier vorzustellenden Film zur Computerwelt, zur Netzwelt, zur Chaoswelt, zur Hackerwelt usw. mit dem Filmtitel „ALL CREATURES WELCOME“ von Sandra TROSTEL, schlage ich drei empirische Kohorten-Typen vor, die hier als Verständnishilfe taugen sollen:

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– „CCC-Welt“ – weitgefasst, die CCC-Gemeinde

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– „GOOGLE-Welt“ umfasst die angepasste IT-Wirtschaftswelt der politisch proaktiven Konsumenten von GOOGLE, FACEBOOK, AMAZON, APPLE, MICROSOFT und CIA u. a.

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– „KONSUM-Welt“ – der Rest der Alltagsmenschen, die mitmachen, was der Markt im Wandel der Zeit bezahlbar anbietet, nebenbei genannt „DIGITAL NATIVES“ und „DIGITAL IMMIGRANTS“.

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Damit komme ich hier zu dem Film „ALL CREATURES WELCOME“ – dreifaltig gegliederter Bericht mit Kommentar

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EINS DAS FILMERLEBNIS aus Konsumentensicht der Kinobesucher

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ZWEI Sicht der Autorin zur Vorführung als PRODUZENTENSICHT

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DREI WERKKRITIK

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EINS DAS FILMERLEBNIS

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Ein Filmerlebnis ist ein Vorgang indem sich Filmkonsumenten und Filmproduzenten begegnen, wenn ein Film – das Werk des Produzenten – erlebt wird (meist anschauen und zuhören). Wer an der Kasse des CineNova in Köln-Ehrenfeld einfand, musste in ein unübersichtliches Gedränge – keineswegs weil hier alles ausverkauft wäre, sondern weil die Kartenverkaufskassen gleichzeitig Lebensmittel, Limonaden, Puffmais, Speiseeis und sonstige Salzstangen umschlagen.

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Man zahlte dann 8 EURO 50 Eintrittsgeld für ALL CREATURES WELCOME.

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Die Vorführung begann zum angesagten Zeitpunkt, ohne Werbung, in übergroßer Lautstärke, als sei man im Berghain oder im P 1. Dazu hatten die Besucher kistenweise ihre nervöse Dauerknabberei in Tüten und Verpackungen, die unablässig hantierten oder auch ganze Gebinde Popkorn davon in den Gang verschütteten – es war für Gemütlichkeit gesorgt.

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Mit dem einleitenden Filmgeschehen, das eine klare Gliederung in digitaler animierter Grafik anzeigte, hieß es anfangs: LEVEL 1. Man sah bunte Digitalgrafik mit playmobilartigen Bewegungen, dazu Off-Sprechtext sowie Wort-Einblendungen, die sich sinnvoll ergänzten – ein Lehrfilm quasi. LEVEL 1 erklärte, wer hier als CREATURE WELCOME sein möchte, muss sich identifizieren und zertifizieren lassen sowie die Belehrung akzeptieren, die sagte

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„MIND SETTING:

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ENGELHAFTIGKEIT“

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Zu Deutsch: Wer in diesen CCC-Spielen bewillkommt werden möchte, muss sich selbst „engelhaft“ anpassen. Okay – mal sehen.

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Kurz wurden in Wort und Texteinblendungen Daten und Informationen zur Gründungsgeschichte des CCC genannt und die engelhafte Moral in einigen Kernsätzen – die bis heute gelten sollen – dazu sah man Landschaftsfilm des Antransportes eines CCC-Raumfahrzeuges der Hacker sowie Bilder von den beiden analogen Szenerien, des CCH der Stadt Hamburg 2016 und des Campig-Platzes Miltenberg vom CCC-Communication-Lager 2015:

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Die Grundregeln sind Engels-Gebote des CCC lauten:

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be excellent to each other!

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„Before taking photos or filming ask everybody in the picture if they agree!

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Dann steht die Filmmacherin kurz im Bild – das ist hübsch. Und dann beginnt das hurtige Wechselumschnittspiel mit analogen Film-Kurzschnitten und Digital-Video-Schnipseln, immer von einem überlauten synthetischen Soundtrack und Off-Sprechfragmenten gefüllt. Als running-Gag werden mehrere Symbole eingeführt, einerseits eine Art „Rohrpost“ aus gelbfarbenem Kunststoffschlauch mit Staubsaugerantrieb, dazu variante Telefone, die Off-Ansagen für den CCC-Campteilnehmer ertönen lassen bzw. für die Filmkonsumenten verlauten.

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Es kommen sinnlos hintereinander Akteure ins Bild, die oberflächlich herummachen, die auch mal was sagen, die „ein Problem lösen“, man sieht aber nicht, welches Problem wie gelöst wird, sondern es ist schnellgeschnittenes Rumfummeln. Einer fährt mit der Camp-Eisenbahn und gibt „dem Internet ständig eine neue Bedeutung“. Ein Quietscheentchen, ein Supermario, ein Sonnenbrillenträger, ein Hutträger, „wir brauchen etwa 60 Engel“, tönt es.

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„Trust us. we are engineers“, steht auf einer handbeschriebenen Pappe.

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Es werden auch seit 20 Jahren bekannte CCC-Aktivisten, in Einzel-Kurzmonologen, hineingeschnitten, die sich Hacker oder Nerds nennen, „die als Kollektiv irgendwie zusammenarbeiten, bis sich neue Dinge ergeben. Das ist das Schöne“.

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„Gratuliere, du hast Himmel auf Erden gefunden“ – dazu werden dann spielende Kinder exponiert.

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Constanze Kurz, Frank Rieger, Tim Pritlove, Markus Beckedahl (O-Töne vermutlich 2016 in Hamburg) – dann kommt das World Wide Web – jedes Kind wünschte sich einen Computer unterm Weihnachtsbaum. Wir brauchen eine Antwort – „einfach, einfach brauchen wir es, meint Tim Pritlove, der aus seinem CHAOS-Radio einen Podcast-Erwerbsberuf machen konnte. Bon.

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Wer nun glaubt, ein solches Camp setze sich aus lauter kleinen Daniel Düsentriebs zusammen – der irrt sehr. Da hat die Regisseurin das Filmprotokoll als Dokument der Zeitgeschichte gefälscht. Denn die überwiegende Zahl der CCC-Camper machten Camping, gingen zu den Promis, kifften – während kaum Curry-Wurst, Döner und Dreiliter Flaschen Cola, Mate und Bier oder die beliebten Großboxen Popcorn im Bild erschienen. Viele kleine Attraktionen dagegen blieben weitgehend unbeachtet – manch Nerd, der monatelang getüftelt hatte und das Communication Camp zur Kommunikation nutzen wollte, blieb damit allein. Was da brummte, war der Kinderkram und das Bällebad.

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Die analoge Szenerie des Films bevorzugt elektrische Beleuchtungen, dazu verkabelte Montageräumlichkeiten, die sich mit „Nerds“ und deren Sympathisanten „pudelwohl fühlen“. Die Arte Povera (ärmliche Kunst) hat hier bei SANDRA TROSTEL gesiegt.

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Insgesamt wird eine Gefühlsszenerie der CCC-Menschen von der Filmmacherin äußerlich treffend zusammengestellt. „Digital Copyright“ – der Begriff wird genannt – die juristischen Implikationen werden nicht angesprochen bzw. überhaupt nicht analysiert oder gar politisch aufgespießt.

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Constanze Kurz möchte Wissen in die Welt tragen – aber es fehlen immer die Engel und der Spirit sei wichtig. Kurz – für das Gute, gegen das Böse. Toll.

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Wir haben inzwischen auch LEVEL 2, LEVEL 3 usw. eingeschnitten bekommen. Es gibt auch Santitätsdienst. Es gibt auch Toiletten. Es gibt auch ein schweres Gewitter mit Stromausfall und Elektriker, die das schnell erfassen und Strom einschalten können. LEVEL 4 und bis LEVEL 7. Immer mal auf dieser Hacker-Raumstation >SEIFENBLASEN vor BLAUER HIMMEL an TOFU<, so könnte es auf dem Speiseplan stehen..

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„Die freiwillige Aktivitäten sind unbezahlbar. Sonst könnte ein CCC-Camp gar nicht verwirklicht werden.“

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(Man führt also Personalorganisationsverzeichnisse). Man sieht auch Schnittplätze und Mischpulte – was da gemacht wird, weiß kein Filmbetrachter.

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Ich möchte hier anschließen, was in diesem Film als Kampfmoral ausgesprochen worden ist:

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THE MEDIUM IS THE MESSAGE.

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Von dem, was ist – dem Sein bzw. von Martin Heidegger hat man hier nicht gehört, geschweige denn gelesen. So ist das Medium möglicherweise ein SEIN, aber das ist nicht die Message, die das Medium bringen bzw. anbieten soll. Das Auto ist zwar ein Medium – aber das Rumfahren ist die Message. Das Salz der Erde ist zwar das Medium – aber das maßvolle Salzen ist die Message (NT Matthäus 12, „Bergpredigt“).

 

So sehr diese Ansage von McLuhan Unfug ist, so unverstanden bildet aber der Film überwiegend nur die Äußerlichkeiten ab. Wobei „the medium“ an sich die Filmkunst und die Filmkunst sein müssten. Dass der Film nicht profitorientiert ist, mag als MESSAGE hingestellt werden, wäre allerdings keine Qualität, die mehr als Belustigung in ärmlicher Atmosphäre bietet. Die IT-Entwicklung wird dabei gar nicht berührt, weil im Film nur blanker Konsum der Medien abgeht. Auch die Filmmacherin TROSTEL konsumiert lediglich die Apparate ihres LOW-BUDGET-Projektes sowie die Bereitschaft der selbstausbeuterischen anderen Gewerke, Aufnahmetechnik, Nachproduktion, Marketing, Popcornbäcker.

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„Was geteilt wird, wird nicht weniger, sondern mehr“, meint einer (das Prinzip Fotokopie – toll, aber ACHTUNG Popcorn wird weniger).

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Das Internet erfüllt ja selbst keinen Zweck – meint einer; und aber das Medium is the Message.

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„Und wir waren nur zu doof, weil wir zu beschäftigt sind mit uns selbst „- sagt einer. (The system is not stable).

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Aber: Wenn die große Katastrophe einträte, wäre ich lieber mit diesen neophilen CCC-Campern zusammen, diesen Zweiflern, lieber, als mit anderen „Lemmingen“. (Latent muss man immer die GOOGLE-Welt und die KONSUM-Welt mitdenken, wenn man die CCC-Welt, hier von TROSTEL, gezeigt bekommt).

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Der Filmbetrachter sieht überwiegend CCC-Konsumenten, die alles mögliche bespielen – aber die CCC-Produzenten arbeiten unsichtbar im Hintergrund des Filmes, beim Organisieren, Transportieren, Rumschleppen, Saubermachen, Hacken, nebeneinander, spricht aber nicht miteinander, sondern spricht zum Konsumenten im Zelt oder in der Halle oder im Kino.

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In der heutigen CCC-Szenerie wird Partizipation tatsächlich möglich und ermöglicht und begrüßt. Und damit begrüße ich diese zusammenfassende Abbildung der Autorin SANDRA TROSTEL mit viel Unsinn und viel Selbstsignatur, die hinten und vorne nicht stimmt. Wenn es laut SANDRA TROSTEL beim CCC „Mind Setting“ heißt und Chorgeist einverlangt wird.

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Und – sehr bedauerlich ist – dass nichts weiter überlegt und nicht in Frage gestellt wird, geradezu als MOTTO oder VORWORT für die CCC-Bewegung, das seit Jahrzehnten irrlaufenden Diktum des Medien-Schriftstellers Marshall Mc Luhan: „The medium is the message“ (Mc Luhan war kein Soziologe! – er war Publizist!)

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Denn nehmen wir hier das Filmwerk in seiner Machart und seinen Images zur Prüfung für den Begriff „Message“, so wird vorgetäuscht, als sei der Kollektivgeist „Jeder-Kann-Mitmachen“ für die CCC-Performance ausschlaggebend für solche „CCC-Communications“ und „CCC-Kongresse“.

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Es muss doch der im Film zusammengekastelte Happening-Charakter sozialer Leichtigkeit Eindruck als Oberfläche und die nichtgezeigte logistische Leistung der Ehrenamtlichen, die mit enormen Softskills und harter Hardware mehr schaffen, als es bezahlte Arbeitskräfte überhaupt könnten, was hier als 24-Stunden-Selbstverwirklichung hervorgebracht wird.

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Dagegen sind die meisten „Teilnehmer“ gutmenschliche Konsumenten der professionellen CCC-Organisatoren. Kiffer und sonstige Speed-Kunden werden nicht gezeigt – doch hängen die meisten rum, ohne sich für aktive „NICHTPROMIS“ und deren Expositionen zu interessieren.

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Aus Sicht der überwiegenden Zahl der Kinobesucher wurde der Film mit freundlichem Beifall und voller Anerkennung bedankt. Der Eindruck entstand, dass der Filmerin eine Kinofilm-Manifestation gelungen ist, in der sich weite Teile der CCC-Aktivisten wiedererkannten und insgesamt auch als Vorzeige-Film gegenüber der Nicht-CCC-Welt gut geeignet wäre. Ob hier GOOGLE herausgefordert wurde? – da fehlt mir die Substanz dieses dilettantischen Filmwerks, die mehr als WELCOME sein müsste.

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ZWEI Sicht der Autorin zur Vorführung als PRODUZENTENSICHT

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Kurz, anstatt mit der GOOGLE-Welt haben wir es mit der CCC-Welt zu tun. Und als Konsumenten des Films von SANDRA TROSTEL wird sowohl die eigene Gruppenstärkung CCC-Welt, aber auch die GOOGLE-Welt und die gesamte Vielfalt der NICHT-IT-Konsumenten-Restwelt angesprochen, besonders die jüngeren Menschen, deren Zukunft hier – beim CCC – auch in Arbeit ist.

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SANDRA POSTEL war mit Kamera auf dem CHAOS COMMUNICATION CAMP 2015 im Ziegeleipark Miltenberg sowie beim 33C3 2016, CCC-Kongress 2016 im CCH Hamburg.

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Hier ist jetzt die Rede von der Filmvorführung /ALL CREATURES WELCOME/ +am Samstag, den 26. Januar, im CineNova Ehrenfeld – in Anwesenheit der Regisseurin, da hieß es:

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Der Film / ALL CREATURES WELCOME / skizziert ein utopisches Bild der Gesellschaft im digitalen Zeitalter. Begleitet von dem Aufruf „use hacking as a mind set“ taucht der Zuschauer zusammen mit der Filmemacherin in ein dokumentarisches Adventure Game ein und erforscht auf den Veranstaltungen des Chaos Computer Clubs, einer real gewordenen Reflexion des virtuellen Spektrums, die Welt der digitalen Communities.
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Der Chaos Computer Club Cologne lädt am 26.1.2019 ein, gemeinsam mit der Regisseurin Sandra Trostel den Film / ALL CREATURES WELCOME / im CineNova in Köln Ehrenfeld anzuschauen. Im Anschluss an den Film und einer Fragerunde mit der Regisseurin wollen wir alle in den nahegelegenen Clubraum weiterziehen und feiern. Ihr seid herzlich eingeladen mit uns den Film anzuschauen und uns danach ins Chaos zu begleiten! Die Filmvorführung findet am 26.1.2019 um 16 Uhr im CineNova [2] in Köln Ehrenfeld statt.

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Tickets für 8 Euro 50. Man duzt sich; SIE-Sagen, wird ausdrücklich abgelehnt.
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link
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http://www.allcreatureswelcome.net/

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Selbstsignatur der SANDRA TROSTEL in obiger Website in English (übersetzt D. M.):

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Zusammen mit dem Filmemacher und dem Slogan „Use Hacking as a Mindset“ tauchen wir in ein dokumentarisches Abenteuerspiel ein und erkunden die Welt der Komputerfrieks, wie sie sich 1981 auf der Gründungsversammlung des Chaos Computer Clubs (kurz CCC) nannten. Wir stoßen auf eine offene, freiheitliche Gesellschaft. Die Ereignisse des CCC sind eine Art utopische reale Reflexion des virtuellen Spektrums. Wir begegnen Engeln, Aktivisten, Robotern, Programmierern und Machern. Wir lernen, was ein Hack ist, warum Lockpicking wichtig sein kann, wie ein Mobilfunksystem funktioniert. Wir tauchen in das Spiel ein und werden Teil der Community, die ebenso inklusive wie anspruchsvoll ist. Noch außerhalb dieses Kollektivs sind die Herausforderungen in einer Zeit, in der politische Gewissheiten und Institutionen zunehmend erodieren, enorm. Modelle von Governance, Wirtschaft, Sozialordnung, Technologie und Wissenschaft werden rund um die Uhr in Frage gestellt. Mit den Verhaltensregeln des Internets werden nationale Gesetze aufgehoben und in globale Strukturen umgewandelt. Während das weltweite Netz strukturell tatsächlich eine radikale Erneuerung der Demokratie ermöglichen würde, indem es sie von der Repräsentation zur Partizipation verändert, driften immer mehr Staaten in der politischen Realität zu autoritären Gesellschaften hin. Im Laufe dieses Prozesses wurde en passant die größte Überwachungsmaschinerie der Menschheitsgeschichte geschaffen.

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Wir sehen, wie die Hackerkultur diesen Herausforderungen begegnet und welche inneren Widersprüche ihr begegnen. Wir lernen, dass unser Leben nicht von allgemeinen, gegebenen Wahrheiten bestimmt wird, sondern tatsächlich durch die Art und Weise, wie wir arbeiten, uns entwickeln, leiden oder träumen. Die Ereignisse des CCC werden zu einer möglichen Blaupause des sozialen Umbruchs. Selbstorganisation, Meinungsfreiheit und kritische Diskussion verschmelzen in einem bunten, polyphonen Chor abseits von sozialen Normen und kapitalistischen Zwängen: „Seid ausgezeichnet zueinander!“

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Der CCC hat eigentlich bereits von der kleinen Gründergruppe her und im Laufe der wachsenden CCC-Welt mehrere soziale Normen angesagt. Auch seitens der Filmerin SANDRA TROSTEL gilt:

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be excellent to each other

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SANDRA TROSTEL bedankte sich nach der Filmvorstellung beim Publikum, gab geduldig Antworten auf die Wortmeldungen, sagte so gut wie gar nichts zu all den Bedingungen, die unmittelbar mit dem Schaffen von Filmkunst jeder Filmerin entgegenstehen. Sie sprach nicht über die Produktionskosten. Sie sagte auch nichts zu ihrem bisherigen filmischen Werk – dass es vermutlich ihr erstes abgeschlossenes Filmwerk ist, das ein selbstständiges Programm sein soll. Sie erklärte auch nicht den Geräuschpegel bzw. den gesamten Soundtrack bzw. die ästhetischen Auswahlkriterien dieser Beschallung. „Was ein Hack ist“ lernten wir nicht, wie ein Mobilfunksystem funktioniert, auch nicht.

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DREI WERKKRITIK

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Was war hier – aus Sicht der Autoren – „utopisch“?

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Schließlich äußerte sich SANDRA POSTEL aber zu nicht so gelungenen Werkaspekten:

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Die Bildtechnik, die Kameras, die verschiedenen optischen Qualitäten von Farben und Bildschärfen springen auffällig. Bild-Anschlüsse von Handlungen im eigentlichen filmästhetischen Sinn gibt es ohnehin nicht.

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Von der teils dramatischen Schnittgeschwindigkeit, 2 bis 4 Sekunden Schnipsel. Zehn Sekunden-Sequenzen sind bereits ruhigere Szenen, geht naturgemäß „Chaos“ der Nerds aus.

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Eine Dramatisierung des aufgebotenen Materials – von der Exposition, die LEVEL-Gliederung, den Action-Kurzschnitten, des Soundtrack-Verlaufs – findet bei ALL CREATURES WELCOME nicht statt; während die Exposition passt und mit den Landschaftsschnitten hinführt, ist alles Weitere dramaturgisch schlecht strukturiert und als ein Kinofilm misslungen. Dramatisierung ist gar nicht vorhanden: Frau Trostel machte „Mashed Potatoes“.

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Dialog-Ton und nachsynchronisierte Freiluft-Gesprächsfragmente sind tonlich sehr gut und „sendefähig“. Das Genuschel von Interview-Äußerungen war oft schwerlich auszugleichen.

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Aufgrund von sogenannten BILD-TON-Scheren musste man das Ganze mehr als ein impressionistisches Werk, abseits von klassischen Qualitätsfragen einschätzen. Der Film kam oft wie eine Art bewegliches Fotoalbum daher, als Genre-Protokoll der Camping-Nerds der Jahre 2015 und 2016 – (diverse Peinlichkeiten weggelassen).

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Mit Statements, die vermutlich mit den CCC-Nerds irgendwie koordiniert sein mögen, die aber als klare Aussagen der Autorin anzusehen sind, kam doch Einiges sehr dünn:

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Das Bild vom Schwarm – (wie es auch gerne als Schwarmintelligenz und Kollektivgeist verstanden wird) ist eigentlich nicht zu retten; selbst wenn es dann mal pejorizierend heißt, „widersprüchlicher Schwarm“.

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Dietmar Moews meint: Vor einiger Zeit habe ich hier in LICHTGESCHWINDIGKEIT den Film „THE CIRCLE“ vorgestellt und diskutiert. THE CIRCLE entspringt einer Romanidee des us-amerikanischen Autors Dave Eggers, von dem Regisseur James Ponsoldt im Jahr 2017.

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THE CIRCLE ist eine spielfilmische Aufmachung der „GOOGLE-Welt“ und den futuristischen Bedingungen von anthropologischen Entwurzelungen bzw. sozialen Entmündigungen, die aus der BIG-DATA-Revolution erwartet oder befürchtet werden kann. Dabei wird auch bereits das Problem der KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ eingespielt, wie es anstelle von individuell-menschlicher Selbstbestimmung organisierend und ökonomisierend eingesetzt wird: TELEMATIK und die Abrichtung der Menschen, ROBOTER bedienen zu müssen.

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Hierzu hat Martin Heidegger sehr treffend schon in den 1930 Jahren und später geschrieben:

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Menschen denken nicht wirklich.

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Unser Denken richtet sich auf äußere und äußerliche Vorstellungen, wie sie auch in der positivistischen Naturwissenschaft verarbeitet werden. Während beispielsweise für Turing die Reduktion der Welt auf klare und distinkte Symbole und die Trennung von der Welt (das Nachdenken über sie) Voraussetzung des Denkens war, sah Heidegger in genau dieser Trennung den Grund für das „Bedenklichste“: In der sich immer mehr technisierenden Nachkrigeszeit beobachtete er, „dass wir noch nicht denken“. Das ist eine überzogen wirkende Behauptung. Aber gerade die Frage, ob Computer denken können, gibt ihr ungeahntes Gewicht. Die Logik dieser Maschinen nennt Heidegger „Logistik“, ein Bereitstellen von Daten und Fakten nach fixen Prinzipien. Er kritisiert diese Form der Wissenserstellung, indem er die noch merkwürdigere – oder eben bedenklichere – Folgebehauptung aufstellt, dass auch die Wissenschaft nicht denke. Warum nicht? Weil sie methodisch sauber arbeitet – weil sie einen „festgelegten Gang“ hat. Ihr gelingt es damit nicht, die Welt, in der die Menschen wohnen, zur Erscheinung zu bringen; sie kann sie nur objektivieren und bestenfalls beschreiben, kann nur über sie nachdenken, nicht in ihr. In genau diesem „über“ statt „in“ liegt die Crux: denn dies ist auch die Voraussetzung, die der Turing-Test macht. Die Trennung von Denkendem und Weltlichem erlaubt es überhaupt erst, Denken über Input und Output zu definieren.

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Soviel – OkeeDokee – zur Unterbelichtung von „THE CIRCLE“ in der Blasenwelt von GOOGLE und Co. Engelhafte Mitmacher stellt sich auch der KORAN vor – aber, wir wissen, es gibt auch die Instant-Erlösung durch DSCHIHAD und Opfertod.

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Heideggers Vermutung, dass diese Trennung Denken eher verhindert als definiert, bestätigt sich heute, wenn man betrachtet, was Computer nicht oder schlecht können – denn fast immer geht es dabei um die Teilhabe an der Welt. Es geht um alle denkbaren Formen der Befangenheit – von Stimmungen und Launen über eigenes Inter-esse (also „Dazwischensein“) bis zum Erleben. All dieses erfordert Partizipation.

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Damit wollte ich nur meine Ansprüche entfalten, die ich vom CCC und seinen kollektivbildenden Werbefilmen erwarte, dass da Fragen aufgeworfen werden, die über Partyspaß hinausstehen.

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Wenn ich auf der Homepage von SANDRA TROSTEL lese

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VITA

1995                                  Abitur
1997                                  internship at Hamburg regional TV
1997-1998           junior editor / assistent at Studio Mandelsloh (industry film)
1998-2000    post production supervisor / editor (assistent) at Cobblestone Pictures (commercials)

since 2000   film editor/ freelancer for documentary, feature film, commercials, music videos
2001 – 2002   postgraduate training for dramatic editing and documentary at IFS in Köln
since 2005  director / film editor

2016 – 2017  NEXT MEDIA masters program at HAW department informatics.

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dann bin ich sehr enttäuscht von dem erreichten Gesamtergebnis – ALL CREATURES WELCOME – und die Selbstsignatur since 2005  director / film editor wird trotz Begehrlichkeit nicht weiterführen können.

TEACHING / LECTURES / TALKS

2015    film lecture at IN.D Hamburg (substitution for Marc Bromund)

2015     documentary film lecture at BTK Hamburg

2016    workshop for experimental editing at HAW department Media Technik

2018    Screening of “ALL CREATURES WELCOME” + Artist Talk at Ars Electronica, Linz

2018   Impuls Talk “Der Dokumentarfilm als frei verfügbares Kulturgut – eine Case Study zu All Creatures Welcome” at DFI Symposium @KHM Köln

 

THINK TANKS

2018 Future Innovation Summit at Ars Electronica (Group “Future of sharing”)..

 

Mir scheint, hier stimmt ausnahmsweise, was für den Rest des Sozialwesens Unfug ist – das Diktum des Marshall Mc Luhan, „The Medium is the Message“.

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FINE E COMPATTO,

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