Schoko-Test zu den Chocolate Sculpture, With a Bitter Taste of Colonialism

Februar 6, 2017
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Vom Dienstag, 7. Februar 2017

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KAKAO-Plastiken aus Dem. Republik Kongo in New York

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Auf Long Island, quasi New York, gibt es ein Skulpturen Zentrum in dem momentan eine Ausstellung mit Plastiken, also aufgebauten Figuren, aus der Demokratischen Republik Kongo gezeigt werden. Kongo ist traditionell ein Kakao-Anbau- und Exportland. Witz – nebenbei – soll sein, das einige der Künstler noch nie Schokolade gegessen haben sollen.

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Einzigartig ist, dass die „Bildhauer“ ihre oft lebensgroßen Figuren aus Kakaomasse plastisch aufgebaut haben.

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Der Ausstellungsbesucher Randy Kennedy hat für die New York Times folgenden Bericht publizieren lassen:

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Bis zu dieser Woche hatte der analphabetische Palmennuss-Pflücker und Schnitzer und Skulpteur, Mathieu Kasiama, der aus einer unmündigen Region der demokratischen Republik Kongo, einer der kommunistischen Kongo-Varianten, seine Heimat niemals vorher verlassen. Allein in einem Flugzeug und bis dahin noch nie Schokolade probiert, war das Material Kakaobohnen, aus dem seine Figurenkunst entsteht, das wichtigste Exportgut aus Kongo, dass die Kolonialherren aus Belgien unter brutalen Bedingungen für westliche Handelsgesellschaften ausgebeuten.

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In den Tagen im Skulpturen-Zentrum von Lang Island City, das zu Queens/New York gehört, konnte Kasiama ein für ihn ungewöhnliches Ausstellungserlebnis kennenlernen, nämlich Kunstwerke von Künstlern seiner Heimatsstadt Lusanga, die aus so viel Schokolade gemacht waren, dass man es riechen konnte. Dunkelbraune massive Schokoladenfiguren, etliche lebensgroß, wie sein “Man Is What the Head Is” — und weitere die die Arbeiten der Congolese Plantation Workers Art League, einer neuen Künstlergruppe, die ihre Werke erstmals in die USA bringen (The SculptureCenter show continues through March 27.)

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Kakao-Plastiken aus Afrika

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Für Kasiama und die zehn anderen Gruppen-Mitglieder, ist die auslösende Erfahrung in Europa gewesen, dass die westliche Kunstwelt kommerziell gemacht wird. Und dass tatsächlich angefangen von Erlösen für kleine Schokoladenfiguren größere Galerien fast 100,000 Dollars für die Gruppe gebracht hatte – was für seinen Heimatort ein sensationeller Geldbetrag ist, wo viele Leute nur 20 Dollar im Monat verdienen. Kasianga sagt:

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Das hilft stückchenweise“ über einen Übersetzer, der das ursprüngliche Kikongo mit Französisch entmischen muss.

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KAKAO-Plastik aus Afrika in New York

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Doch Geld zu verdienen ist nur ein Zweck dieser besonderen Künstlergruppe, die damit ebenfalls in das hochsensible Gebiet der nachkolonialen Politik und dem fortschreitenden Kunstwelt-Reichtum beikommt. Der niederländische Künstler Renzo Martens und eine Gruppe europäischer Kollegen haben zur Unterstützung der Kongo-Künstler aufgerufen, zumindest die Wahrnehmung des neuen Spannungsfeldes zwischen Afrika und dem Westen. Denn indem sie ein Luxusgut wie Schokolade als Kunstmaterial verwenden, liegt darin etwas Grenzgängerisches der afrikanischen Arbeits und des Landes und weist damit eine typische Beziehungslinie zur institutionalisierten westlichen Kunstwelt. Kunstförderung kommt für Museen manchmal von multinationalen Konzernen wie Unilever, die von der kolonialen Ausbeutung profitiert haben – Unilever unterstützte jahrelang die Tate Moderns Turbin Hall Commissions in London.

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Der Provokateur Martens, der im Jahr 2008 eine Quasi-Dokumentation „Erfreuliche Armut“ portraitierte, mit dem Versuch kommerzielle kongolesische Photografen zu ermuntern iihre Kameras von Hochzeiten und Geburtstagsfeiern auch mal der Armut und der Gewalt, die sie umgeben, aufzunehmen, um dadurch erstmalig Erste-Welt-Geld zu verdienen, was Angelegenheit der neuen Medien des Westens bereits sei.

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Cedrick Tamasala’s hat dazu einen Film, “How My Grandfather Survived” (2015), gemacht, der die Arbeit der Congolese Plantation Workers Art League collective, als Ergänzung der Ausstellung im SculptureCenter mit Credit Joshua Bright for The New York Times, zeigen kann.

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Der Film erregt viel Aufmerksamkeit, teils beißende und beleidigende Herabwürdigungen. Der Kunstkritiker Dan Fox schrieb im Frieze Magazin, man hätte es mit den banalen stereotypen Vorurteilen zu tun, die Martens als Kritik vorbringt, eigentlich aber nur die Kunstbesucher auszubeuten, die gerne demonstrieren, für „authentische Kunst“, sich politisch zu engagieren.

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Aber Martens Engagement endet hiermit nicht. Er ist mit seiner Familie nach Kongo gegangen und hat dort eine Organsiation gegründet, das „Institut für menschliche Aktivitäten“, das bereits in Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo, begonnen hat, mit Künstlern dafür zu arbeiten, ehemalige Plantagenarbeiter zu ermutigen, sich selbst zu formieren und zusammenzuschließen und über das Kunstmachen zu lernen, wie man zusammenarbeitet.

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Martens berichtet: „Leute werfen mir vor, ich sei neokolonialistisch. Aber die Welt ist neokolonial. Und um da herauszukommen, brauchen wir eigene Strukturen. Ich fühle, dass es so viel Ungleichgewichtigkeit in der Welt gibt, dass man dagegen nicht mit kritischer politischer Kunst arbeiten kann, wenn sowas in den Machtzentren gezeigt würde. Gerade weil ich ein weißer Mittelklasse-Künstler bin, muss etwas machen, wie dieses.

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Seit dem Start in Lusanga hat der Plan bereits Wurzeln gebildet und weitere Akteure gefunden. Eleonore Hellio, eine französische Künstlerin und Lehrerin, die in Kinshasa lebt, ist eingestiegen: „wir haben einen offenen Aufruf zur Beteiligung an einem Skulpturen Workshop gemacht und es sind viele Teilnehmer gekommen. Dann haben wir versucht, Leute auszusuchen, die eigene Vorstellungen von ihren Lebensbedingungen haben und was zu sagen haben – ähnlich wie eine Eignungsprüfung für das Kunststudium, auch um eine Gruppendynamik auszulösen. Dabei waren einige schon Holzschnitzer, die für Touristen Souvenirs oder Fetisch-Objekte machten. Und Europäer und Künstler aus Kinshasa, die dabei halfen, Teilnehmer einzuwerben, sagten ausdrücklich, dass sie kein Künstler-Coaching nach eigenen Anforderungen machen und nicht Themen, Titel und kreative Entscheidungen führen.

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Die Teilnehmer waren zwichen 20 und 85 Jahre alt. Die aktuelle Gruppe umfasst neun Männer und zwei Frauen. Nach eingehenden Debattenm entschlossen sie sich Kakao als das Material für ihre Figuren zu wählen, weil einige von ihnen Einwohner der Kakaowirtschaftsregion sind, Kakao angebaut haben und an Gesellschaften lieferten, aber hauptsächlich weil Schokolade eine tiefsitzende Verbundenheit zwischen Afrika und dem Westen kennzeichnet.

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Keiner dieser Gruppe C.A.T.P.C. – keines der Mitglieder hat jemals im Leben Schokolade von Chocolatiers probiert. Frau Hellio meint, wenn man die französischen Abkürzungsbuchstaben benutzt, verwandelt sich die Schokolade in eine überraschende Beschaffenheit als Kunstwerkstoff – so lange sie nicht zu warm wird. Dazu gibt es bereits eine Vorgeschichte in der zeitgenössischen Kunst von Dieter Roth, Paul McCarthy, Janine Antonu und Hannah Wilke.

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KAKAO-Plastik mit Kakao-Plastiker aus Kongo

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Künstler in der kollektiven Arbeitsweise haben inzwischen außerhalb der Stadt einen erstaunlichen Platz gegründet, wo man in Familienproduktion, die zu Fabrikanten gehört, aus Flussschlamm Originalfiguren macht, die ebenfalss als Kongo-Kunst gilt. Solche Werke werden inzwischen in 3-D- geskannt und in Amsterdam akquiriert, wo dann Figuren aus ungesüßter Schokolade hingesendet werden und auch von französisch-belgischen Firmen aus afrikanischen Kakaobohnen hergestellt werden.

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Die Sammlerobjekte wurden auch bereits in Deutschland gezeigt, in England und in den Niederlanden. Erlöse gingen an die Künstler und zum Neuanbau von Früchten, Palmen und Kakaogärten in Lusange – wo das Projekt jetzt „POSTPLANTATIONS“ heißt.

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KAKAO-Plastik aus Kongo in einer Ausstellung in New York 2017

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Im kommenden Frühjahr wird das Institute for Human Activities zusätzlich ein kleines Kunst-Zentrum eröffnen, mit einer Bücherei, einer Konferenzhalle und einer Galerie, die von OMA gestaltet wird, der Architekturfirma die Rem KOOLHAAS gegründet und teils durch Spenden aus der Kunstwelt finanziert wird.

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Dietmar Moews meint: Ich finde die Schokolade als Figuren etwa so bedeutend, wie die roten LINDT-Weihnachtsmänner und die grünen AFTEREIGHT Weihnachtsmänner. Udo Lindenberg malt mit buntem Likör und Ho Shi Minh mit Blut.

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Die interessantere Architektur des REM KOOLHAAS, wenn er seine Gebäude aus Schokolade gemacht würden, zeigen etwa in die Richtung, der ich nicht folgen möchte. Wieso sollen verschrumpelte umbaute Räume von KOOLHAAS besser werden, wenn sie aus Schokolade gemacht wären?

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Schlechte Architektur von einem schlechten Architekten, der ein guter Kaufmann ist, wird nicht dadurch interessant, wenn der Dichter arm ist, blind ist oder unter Droge steht. Für die Kongoarbeitslosen werden mit dem Blödsinn Schlingensiefsche Verantwortungslosigkeiten aufgezogen, an denen sich die Macher der SALONPERSONNAGE wärmen.

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Immerhin – The New York Times und The Guardian haben für den Schoko-Stich erwärmen können.

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ARCHITEKTURBIENNALE Rotterdam 2014 – ein Schuss in den Ofen

Juni 21, 2014

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am 21. Juni 2014

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Wie ein Künstler seine Kleidung so wählt, dass die Ärmel unter den Armen kneifen oder das Haus die Erweiterung seiner Kleidung, Stadtteil und Quartier, Stadt und Urbanität im Land gestaltet wird und werden sollen, ist natürlich auch die Frage an jeden Architekten: Was kann man denn?

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Wer nicht selbst als Kapitalist Bauherr sein kann, muss sich (oft auch im Rahmen der geltenden Vorschriften) an die Maßgaben der Investoren halten: das sind überwiegend Profitorientierungen unter Vernachlässigung aller Ideen der Architekturbiennale Rotterdam (IABR).

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Was hat also Rotterdam im Jahr 2014 zu bieten?

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Ein wunderschönes Bild vom Maler Dietmar Moews – leider schon verkauft.

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Dietmar Moews (geb. 1950) mit dem Maler Peter Janssen (1906-1978), in Hannover 1976

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Dietmar Moews meint: Rotterdam ist ein Schuß in den Ofen. Die proklamierten Leitsätze sind Nullnummern bzw. Antinomien.

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Das Motto „Balance“ sagt aufs Ganze bezogen gar nichts. Balance zwischen Natur und Urbanität, was soll der postmoderne Pfefferminzprinz denn bedeuten? „Urban by Nature“?, „Von Natur aus urban“?, „Urban durch Natur“? Und wer kümmert sich schon um die dualistische Idee der verdichteten Stadt einerseits und der zu schützenden oder wiederherzustellenden Naturlandschaft andererseits.

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Kölner initiieren ihren Grüngürtel und haben schon mal Aussichtstreppchen ins Feld gestellt. Da kann man mal sehen. Aber wird dadurch irgendetwas abgerissen, neugeordnet oder nur neugedacht? Es wird einfach weitergestrickt, wo sich Geldgeber finden.

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Dietmar Moews meint: Wo Not und Bedarf als politische Aufgabe begriffen werden und der demokratische Bürger nicht nur als Wirtschaftskonsument in Fett und Zucker verreckt, kann Architektur- und Landschaftsplanungs-Diskussion weiterführen:

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Ob Verdichtung, Kommunikationsneuigkeiten, neue Wasserversorgung, lokale Energieerzeugung und so weiter, viele Aspekte des Siedlungswesens der Menschen seit der Steinzeit, müssen wir doch die Lage erfassen und ans Machbare denken.

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Das Zauberwort der diesjährigen IABR lautet: „kreativ optimieren“.

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Nehme ich das zweite Zauberwort hinzu „Balance“ – ja, was zeigt sich dem müden Auge? War es jemals anders, als optimieren, meliorisieren, konsonieren, harmonisieren, balancieren von Hard- und Software. Was haben denn all die Architekten und Bauherren bis heute gemacht?

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Liebe Rotterdamer: Das war jetzt gar nichts 2014.

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Es ist dringend notwendig, das neue Leben und die neue Kommunikation bzw. Mobilität in der IT-Revolution zu akzentuieren und in Form architektonischer Herangehensweisen zu entwerfen.

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Zugegeben: Noch werden Kinder von der Hand gezeugt, noch sitzt Uli Hoeneß in Landsberg – aber es wird virtueller und sinnliche Verhaltensänderungen kommen, denen neue Wohnungen, neue Arbeitsplätze und neue Fluchtwege und Wege hinbalanciert werden müssen.

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DIETMAR MOEWS "IRAK als Sportflagge: Misfits", Seidenapplikation, 2004 in Dresden

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