Martin Böttcher 1927 – 2019 Kurznachruf

April 22, 2019

Lichtgeschwindigkeit 9147

am Dienstag, den 23. April 2019

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Martin Hermann Böttcher wurde am 17. Juni 1927 in Berlin geboren und ist jetzt 91-jährig, am 20. April 2019, nahe Rendsburg in Schleswig-Holstein gestorben. Böttcher war Musiker als Gitarrist, Film- später auch Fernsehspiele-Komponist, Dirigent und Arrangeur, besonders bekannt durch seine Musik für Arthur Brauners Karl-May-Verfilmungen, insbesondere die „Winnetou-Melodie“.

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Martin Böttcher hinterließ Frau Anneliese (86). Die Böttchers waren 64 Jahre verheiratet, hatten zwei Töchter. Betsy (61) und Schwester Rebecca starb 1991 mit 26 an Leukämie.

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Pseudonyme: Michael Thomas, Renardo, Böttcher verfasste in einem Zeitraum von über 60 Jahren die Musik zu mehr als 50 Kinofilmen und 300 Fernsehproduktionen (Anm. DM verschiedene Quellen). Große Bekanntheit und Charterfolge erlangte Böttcher in den 1960er-Jahren durch seine Musik zu den Karl-May-Verfilmungen.

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Martin Böttcher war Urenkel eines Weimarer Hofkapellmeister und erwarb schon früh durch Klavierunterricht musikalische Kenntnisse. Zunächst wollte er indes Pilot werden. Knapp 17 Jahre alt, wurde er im Krieg bei der Luftwaffe ausgebildet. Zu einem Einsatz kam es aber aus Mangel an Treibstoff nicht mehr. Während der Kriegsgefangenschaft gelang es Böttcher, eine Gitarre zu organisieren und autodidaktisch das Gitarrenspiel zu erlernen. Wegen eines Unfalls mit Schädelbasisbruch und Gehörnerv-Quetschung war Martin Böttcher auf dem linken Ohr taub.

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Bis in die renommiertesten deutschen Bigbands spielte Martin Böttcher Gitarre – unter Alfred Hause und Franz Thon im von Willi Steiner neu formierten Tanz- und Unterhaltungsorchester des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks, das selbst im Big-Band-verwöhnten England mit Hochachtung erwähnt wurde. Nebenbei eignete sich Böttcher sein musikalisches Rüstzeug bei Generalmusikdirektor Richard Richter und auf dem Gebiet der U-Musik bei Kurt Wege an. Auch spielte er in den kleinen Besetzungen von Kurt Wege und Günter Fuhlisch, bei Benny de Weile und Helmut Zacharias.

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Dank Produzent Artur Brauner debütierte Böttcher 1955 mit der Musik zur Militärsatire Der Hauptmann und sein Held. Seine zweite Filmmusik schrieb er zu einem Meilenstein des deutschen Films der Nachkriegszeit: Die Halbstarken (1956) von Georg Tressler, in der Hauptrolle Horst Buchholz. Es spielte seine eigens hierfür gegründete Formation Mister Martin’s Band, in der Musiker wie der Klarinettist Fatty George, der Vibraphonist Bill Grah, der Posaunist Ernst Mosch und, noch als „Hans Last“, der Bassist James Last mitwirkten.

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Für Hans Albers schrieb Martin Böttcher drei Lieder in 13 kleine Esel und der Sonnenhof (1958), ebenso die Musik für Heinz Rühmanns Pater Brown -Filme Das schwarze Schaf und Er kann’s nicht lassen. In Max, der Taschendieb fand die zuvor unter dem Pseudonym „Michael Thomas“ geschriebene und nach kurzer Zeit weltberühmt gewordene Melodie Hawaii Tattoo Verwendung, die später auch in die amerikanischen Billboard-Charts aufstieg.

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Daneben schrieb Böttcher Chansons für Francoise Hardy, Romy Schneider, Peggy March, Elisabeth Flickenschildt und andere.

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Unter namhaften Projekten komponierte Böttcher zu 13 Teilen der Serie Es muss nicht immer Kaviar sein mit Siegfried Rauch, 1994 zu 26 Teilen der Serie Air Albatross oder für diverse Episoden von Der Alte und Derrick, z. B. die Salzburg-Melodie aus der Derrick-Episode Ein Koffer aus Salzburg von 1975. Böttcher komponierte seither regelmäßig für Fernsehserien, zuletzt für Pfarrer Braun mit Ottfried Fischer. Insgesamt schrieb Böttcher die Musik zu 56 Spielfilmen und rund 400 Fernsehspielen und -serien.

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Die Original Soundtracks wurden in den 1960er-Jahren bei Polydor herausgegeben und kosteten jeweils ein Heidentaschengeld. Jetzt gibt es die originalen fünf Polydor-LPs zu einem Bruchteil des Betrages, ohne Knistern und digital remastered auf drei CDs bei Universal.

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Die große „Karl May Soundtrack-Box“ mit dem Orchester Martin Böttcher enthält die Titel:

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Winnetou 1. Teil / Der Schatz im Silbersee (1963) im originalen MONO-Sound (da gibt’s leider nix anderes, seufz)
Unter Geiern / Winnetou 2. Teil (1964) Stereo
Der Ölprinz / Winnetou 3. Teil (1965) Stereo
Winnetou und das Halbblut Apanatschi / Old Surehand (1966) Stereo       und
Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten (1969) Stereo

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Martin Böttcher erhielt eine enorme Anerkennung durch Ehrungen und Orden.

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Jacques Loussier 1934 – 2019 Kurznachruf

März 8, 2019

Lichtgeschwindigkeit 8997

Vom Freitag, 8. März 2018

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Jacques Loussier wurde am 26. Oktober 1934 in Angers geboren und ist jetzt 84-jährig, am 5. März 2019, daselbst gestorben. Loussier war ein französischer Pianist und Arrangeur. Loussier war der Erfinder von Play Bach, um Bachtonsätze herum Jazz improvisativ live zu spielen.

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Ab dem Alter von zehn Jahren nahm Loussier Klavierunterricht. Stundenlang spielte er ein Präludium aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach – „und dann ist es passiert; ich habe kleine Änderungen ausprobiert, das Thema umspielt“. Diese Eigenart sowie die große Liebe zu Bach behielt Jacques Loussier auch bei, als er seine Geburtsstadt Angers verließ, um am Pariser Konservatorium bei Yves Nat zu studieren.

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Bekannt wurde er mit seinen verjazzten Interpretationen von Werken Johann Sebastian Bachs. Auf diese ungewöhnliche Kombination war Loussier 1959 während seines Studiums gestoßen und gründete dazu mit dem Bassisten Pierre Michelot und dem Schlagzeuger Christian Garros das Play Bach Trio. Schnell entstanden fünf Schallplattenalben, die sich allein bis 1999 sechs Millionen Mal verkauften.

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In den mehr als 50 Jahren seiner Karriere hat sich Jacques Loussier auch noch vielen anderen Komponisten unterschiedlicher Epochen im swingenden Stil gewidmet. Vivaldi, Händel, Beethoven, Chopin und Schumann, Debussy, Ravel und auch Eric Satie hat er interpretiert.

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Loussier komponierte auch für über 67 Filme und Serien den Soundtrack, unter anderem die Titelmusik für die populäre französische Serie Thierry la Fronde und die Musik für den britischen Kriegsfilm Katanga(1968).

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Am 5. März 2019 ist Jacques Loussier mit 84 Jahren gestorben.

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Ernst-Wolfgang Böckenförde 1930 – 2019 Kurznachruf

Februar 26, 2019

Lichtgeschwindigkeit 8970

am Mittwoch, den 27. Februar 2019

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Ernst-Wolfgang Böckenförde wurde am 19. September 1930 in Kassel geboren und ist jetzt 88-jährig, nach längerer Gebrechlichkeit, am 24. Februar 2019 in Kassel gestorben. Er war ein deutscher Staats- und Verwaltungsrechtler sowie Rechtsphilosoph, hauptsächlich als Professor im Staatsdienst. Ab 1976 war er Mitglied der SPD, von 1983 bis 1996 war er Richter des Bundesverfassungsgerichts. Böckenförde zählte – im Sinne des Hegelianismus von Ritter – zur Ritterschule.

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Böckenförde lebte in Au bei Freiburg im Breisgau. Er war seit 1964 verheiratet und Vater dreier Kinder.

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Böckenförde hat zahlreiche Schüler im deutschen Staatsrecht ausgebildet, lehnte es aber ab eine „Schule“ zu akzentuieren, weil er bestimmte Bewertungen des juristischem Kanons und der wichtigsen juristischen Vorbilder, jedem Studenten selbst überlassen wollte – er prägte folgenden Satz:

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1964 habilitierte sich Böckenförde in Münster mit der Arbeit Die Organisationsgewalt im Bereich der Regierung. Eine Untersuchung zum Staatsrecht der Bundesrepublik Deutschland. Es folgten Professuren für Öffentliches Recht, Verfassungs- und Rechtsgeschichte sowie Rechtsphilosophie an den Universitäten Heidelberg (1964–1969), Bielefeld (1969–1977) und Freiburg im Breisgau (1977–1995, Emeritierung).

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„Der freiheitliche, säkularisierte Rechtsstaat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“

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Böckenförde war bis zu seinem Tod, als Fachmann, politisch aktiv: Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundesverfassungsgericht 1996 blieb Böckenförde in öffentlichen Debatten präsent: Unter dem Titel Juristenausbildung – auf dem Weg ins Abseits? hielt er 1996 einen Vortrag, der den Impuls zum sogenannten Ladenburger Manifest zur Reform der Jurostenausbildung setzte. Nachdem die katholische Kirche 1998/99 entschieden hatte, aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung (Schein) auszusteigen, gründeten Laien den bürgerlichen Verein Donum vitae; Böckenförde gehörte zu den Gründungsmitgliedern und war bis zu seinem Tod 2019 Mitglied im Kuratorium der Donum-vitae-Stiftung. In der Bioethik-Debatte der frühen 2000er Jahre wandte sich Böckenförde gegen Tendenzen, die Menschenwürde-Garantie des Grundgesetzes zu relativieren, besonders dezidiert in Auseinandersetzung mit Matthias Herdegens 2003 vorgelegter Neukommentierung von Art. 1 Abs. 1 GG im Maunz-Dürig. Anknüpfend an seine lebenslange Beschäftigung mit dem Themenfeld säkularisierter Staat und Religionsfreiheit sprach er sich entschieden gegen ein generelles Kopftuchverbot in der Schule aus. In seiner Rede Europa und die Türkei. Die europäische Union am Scheideweg? anlässlich der Verleihung des Hannah-Arendt-Preises (2004) wandte er sich gegen einen EU-Beitritt der Türkei. Im Jahr 2009 publizierte Böckenförde vor dem Hintergrund der globalen Wirtschaftskrise seit 2007 den kapitalismuskritischen Text Woran der Kapitalismus krankt, in dem er den modernen Kapitalismus im Anschluss an Hans FreyersTheorie des gegenwärtigen Zeitalters als sekundäres System beschreibt, vom „inhumanen Charakter“ des Kapitalismus spricht und dafür plädiert, die Katholische Soziallehre „aus ihrem Dornröschenschlaf auf(zu)wecken“.

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Papst Johannes Paul II. ernannte Böckenförde am 26. August 1999 zum Komptur des Päpstlichens Ritterordens des heiligen Gregors des Großen. Ehrendoktorwürden verliehen ihm die katholisch-theologischen Fakultäten der Universitäten Bochum (1999) und Tübingen (2005), sowie die rechtswissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten Basel (1987), Bielefeld (1999) und Münster (2001). Im Jahr 1978 wurde Böckenförde der Reuchlin-Preis der Stadt Pforzheim verliehen, 2004 der Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken und der Romano-Guardini-Preis der Katholischen Akademie in Bayern. Im Jahr 2012 erhielt er den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa durch die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Am 10. Mai 2003 wurde Böckenförde die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg überreicht. Am 29. April 2016 verlieh ihm Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue das Große Verdientskreuz mit Stern und Schulterband.

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Gus Backus 1937 – 2019 Kurznachruf

Februar 22, 2019

Lichtgeschwindigkeit 8961

am Sonnabend, den 23. Februar 2019

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Gus Backus, Taufname Donald Edgar Backus, wurde am 12. September 1937 in Southampton auf Long Island im Staat New York geboren und ist jetzt 81-jährig, am 21. Februar 2019, in Germering, in der Nähe von München, gestorben. Backus war ein US-amerikanischer Musiker und Industrie-Schlagersänger mit großen Erfolgen und Popularität im Deutschland der 1960er-Jahre. Er starb nach langer schwerer Krankheit zu hause, wie die Familie mitteilte (dpa).

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Backus war zweimal mit seiner Frau Heidelore verheiratet und Vater von vier Kindern und mehrfacher Großvater, sie lebten in Germering.

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Der Hobbymusiker Backus wurde Mitte der 1950er Jahre von der United States Army in Pittsburgh, Pennsylvania eingezogen. Dort schloss er sich der Doo-Wop-Gruppe The Del-Vikings an, die 1957 mit den Titeln Come Go With Me und Whispering Bells zwei Top-Ten-Notierungen in den US-Charts erreichten. Noch im selben Jahr, am 28. Juli 1957, wurde der GI Backus nach Wiesbaden in Deutschland verlegt. Dort gründete er die Vokalgruppe „Vidells“ und nahm ein Jahr später während eines Heimaturlaubs zwei eigene Lieder in Chicago auf. Im Jahr 1959 erhielt Backus einen Vertrag mit Plattenfirma Polydor. Es folgten einige Singles, die vorwiegend deutschsprachige Coverversionen amerikanischer und britischer Erfolgstitel, unter anderem von Elvis Presley, Paul Anka und Conway Twitty enthielten.

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Der Durchbruch gelang Backus 1960 mit den Titeln Brauner Bär und weiße Taube und mit Titeln wie Der Mann im Mond, Da sprach der alte Häuptling der Indianer und Sauerkraut-Polka verzeichnete er im Deutschland der 1960er-Jahre große Erfolge. In der ersten Hälfte der 1960er Jahre folgten weitere erfolgreiche Singles sowie unzählige Auftritte in Musiksendungen und -filmen, mit denen Backus zu einem beliebten Unterhaltungskünstler im deutschsprachigen Raum avancierte, bis die britische Beatles-Mania, 1962 beginnend, auch die deutsche Schlagerindustrie erdrückte.

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Ettore Scola 1931-2016 – Kurznachruf

Januar 25, 2016
Lichtgeschwindigkeit 6206

Vom Montag 25. Januar 2016

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Der Filmautor und Regisseur, geboren am 10. Mai 1931 in Trevico Kampanien und jetzt 84-jährig am 10. Januar 2016 in Rom gestorben, wird in Fachkreisen als der politischste Regisseur Italiens seiner Zeit bewertet.

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Ettore Scolas Filme sind Lebensspiele der Sinnlichkeit i. e.: „Brutti, sporchi e cattivi“.

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Meisterhafte Bilder und maßvolle Auslegung und Dramaturgie kennzeichnen Scolas werke. Die Anerkennung der Cineasten und Kunstliebhaber wie auch die attraktiven Projekte von über 80 Drehbüchern und 41 Realisationen als Regisseur sind bezaubernde europäische Filmkunst und ragen heraus.

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Der Film „Ein besonderer Tag“ (1977; S/W 105 Min. Original Italienisch mit Sophia Loren und Marcello Mastroianni) erhielt den 1978 Golden Globe Awards als männlicher Darsteller, weiblicher Darsteller, Regisseur und als Ausländischer Film und eine Oscar-Nominierung spielt in der italienischen Hauptstadt Rom. Es ist der 8. Mai 1938, der Tag, an dem während des Staatsbesuches Hitlers in Rom vom 3. bis 9. Mai 1938 eine große Parade zu Ehren von Adolf Hitler und dem italienischen Premierminister Benito Mussolini stattfindet. In einem Appartementkomplex lebt das Ehepaar Emanuele und Antonietta mit seinen sechs Kindern. Emanuele, der wie seine Frau ein Anhänger der Faschisten ist, geht mit den Kindern in die Stadt, um der Parade beizuwohnen. Antonietta bleibt zu Hause, um den Haushalt zu machen; ihr entfliegt der von der Familie geliebte Beo (Vogel). Antonietta bemerkt, dass in der Wohnung gegenüber, vor der sich der Vogel niedergelassen hat, ein Mann sitzt und klingelt dort. Gabriele – der kurz davor war, sich eine Kugel in den Kopf zu schießen – hilft Antonietta, den Beo wieder einzufangen.

Einsam wie sie ist, beginnt Antonietta mit Gabriele zu flirten. Gabriele ist Rundfunksprecher, wurde aber entlassen. Antonietta erfährt von der Hausmeisterin, dass Gabriele vom Rundfunk vor die Tür gesetzt wurde, weil er kein überzeugter Faschist sei. Die naive und oberflächliche Frau ist schockiert, als Gabriele ihr gesteht, dass er homosexuell ist, schämt sich dann aber der Ohrfeige, die sie ihm gegeben hat. Sie geht zu ihm, um sich zu entschuldigen und sie lieben sich. „Man kann als Homosexueller auch mal eine Frau lieben,“ sagt Gabriele; „aber das ändert nichts.“ Seine sexuelle Ausrichtung ist der Grund für seine Entlassung. Sein bester Freund wurde bereits nach Sardinien deportiert. Antonietta möchte Gabriele wiedersehen, doch er wird von der Polizei abgeholt, nachdem Emanuele mit den Kindern zurückgekehrt ist.

Durch die martialischen Radiokommentare, das immer wieder gespielte Horst-Wessel-Lied, „Giovinezza“ und die Nationalhymnen, alles aus dem Off, bekommt der Film einen raffinierten doppelten Boden; wie beiläufig entlarvt er die Hohlheit und Verlogenheit des faschistischen Systems. /(Dank Wikipedia)

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Scola verwendete Original-Wochenschau-Filmaufnahmen eines Hitler-Rom-Besuchs, mit Mussolini und dem italienischen König.

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Laut dpa sagte am Mittwoch Sophie Loren im Fernsehsender RAI1:

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„Ettore Scola war raffiniert und intelligent, er verfügte über eine schöne Ironie, und war ein Gentleman. Ich hatte ihn sehr gern.“ Auch der Regisseur Paolo Taviani sowie Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino („Die große Schönheit“) sowie zahlreiche Vertreter aus Kunst und Politik erwiesen dem Maestro die letzte Ehre.

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Hans Stilett – 1922- 2015 – Kurznachruf

Januar 26, 2015

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vom Montag, 26. Januar 2015

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Der Autor Hans Stilett (Pseudonym für Hans Adolf Stiehl), geboren am 20. April 1922 in Witzenhausen (Thüringen) und jetzt am 18. Januar 2015, 92-jährig, ist altersbedingt und infolge gesundheitlicher Schläge über Jahre hin, nun gestorben. Er hat es geistreich gelebt.

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Stilett war Redakteur beim Bundespresseamt in Bonn, wo er lebte und arbeitete, verfasste einige Gedichtbände, noch als Pensionär intensives Studium der Philologie an der Universität in Bonn, im Jahr 1989 Promotion zum Dr. phil. mit „Reisetagebüchern Montaignes“, mehrfach ausgezeichneter Preisträger als Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke, dann Schriftsteller der äusserst anerkannten eigenen Übersetzung der „Essays von Michel de Montaígne“, dem großen französischen Renaissancemeister, Orientierungsgröße für Giordano Bruno und für Shakespeare – erschienen als Sonderband bei Eichborn in der „Besonderen Bibliothek“ (hrsg. Hans Magnus Enzensberger) sowie im Anschluss noch ein Stilett-eigenes Raisonnement als Kommentarband der besonderen Art „VON DER LUST, auf dieser Erde ZU LEBEN – Wanderungen durch Montaignes Welten“, 2008 ebenfalls bei Eichborn und zuletzt, als 91-jähriger: „Eulenrod“ – seine biografische Kindheitserinnerung, 2013 bei Antje Kunstmann Verlag, München.

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Während es Hans Stilett mit „Montaigne“ ehrenhalber gelungen ist, eine weltgeschichtliche Qualität zu berühren und damit zeigen konnte, dass er selbst zum kleinen Kreis der geistigen Elite unserer Welt zählte, statt nur am großen Namen zu surfen, sind seine eigenen Reflexionen „VON DER LUST …“ durchaus als sinnliche Eröffnung Montaignes für das 21ste Jahrhundert zu nutzen.

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Ich möchte Hans Stilett nachrufen: Dass Sprachformung wie hochfeinstes Konfekt einen geistigen Fluss auslöst, wie nur bei den leuchtendsten Sternen, wo Prosa Lyrik wird: Hölderlin, Heinrich Heine, Friedrich Nietzsche, Hamed Charhadi, Antoine de Saint Exupéry …

Ein Leser ist darauf angewiesen, dass der Autor Schauen und Schaffen konnte, dass bei ihm sein Schreiben aus dem Sprechen des Denkens vom Handeln entsprang – im Gefühl des justierenden Verdichtens kultiviert gefesselt ist.

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Man muss ihm dankbar sein.

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Hans Stilett war ein Vorbild in unserer deutschen Sprache. Wie bescheuert, dass seine Kunst derart unbeachtet ist, dass nicht einmal Schulkinder davon erfahren.

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Das muss sich ändern – wie Walter Bauer schrieb: „Allein isst man nur, was man eingekauft hat“.

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Buddy DeFranco 1923 – 2014 – Kurznachruf

Dezember 26, 2014

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am Freitag, 26. Dezember 2014

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Boniface Ferdinand Leonard genannt „Buddy“ DeFranco geboren am 17. Februar 1923 in New Jersey, ist am 24. Dezember in Panama / Florida US gestorben. DeFranco war einer der besten Klarinettisten des 20sten Jahrhundert des Jazz und des Modern Jazz.

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Buddy DeFranco spielte mit den Koryphäen des Jazz in zahlreichen Jazzformationen und als gefragter  Studio-Musiker. Daneben hatte er eigene Bands. DeFranco gewann im Alter von vierzehn Jahren den Tommy Dorsey Swing contest. Seit 1939 trat er mit Johnnie Scat Davis auf. In den 1940er Jahren gehörte er den Bands von Gene Krupa, Ted Fiorito und Charlie Barnet, Tommy Dorsey und Boyd Raeburn an. 1949 nahm er für Capitol Records auf; diese Einspielungen mit Sextett und Bigband wurden auf dem Avantgarde-Album Crosscurrents ebenso wie Aufnahmen von Lennie Tristano veröffentlicht. 1950 wurde er Mitglied des Count Basie Orchestras.

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The Buddy De Franco Quartet
spielte in der Besetzung Buddy De Franco(cl), Kenny Drew(p), Milt Hinton(b), Art Blakey(ds) 1953 oder Buddy DeFranco spielte als Sideman bei seinen Kollegen, z.B. dem außergewöhnlichen Schlagzeuger Art Blakey.

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https://www.youtube.com/watch?v=SEV6oT7MvJA

Auf der Seven…Youtube spielen: clarinet:Buddy DeFranco; vibraphone:Terry Gibbs; guitar:Herb Ellis; piano:Larry Novak, bass:Milton Hinton; drums:Butch Miles im Jahr 1991.

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Von 1960 bis 1963 leitete Buddy DeFranco ein Quartett, mit dem der Akkordeonist Tommy Gumina auftrat und nahm mit Art Blakeys Jazz Messengers ein Album auf. Von 1966 bis 1974 leitete er das Glenn Miller Orchestra (Ghost Band). In der Folgezeit trat er bei zahlreichen Festivals auf, unterrichtete und nahm mehr als einhundertfünfzig Alben auf. Für You Must Believe in Swing erhielt er eine Grammy-Nominierung als bester Jazz-Instrumentalsolist. Er veröffentlichte das Lehrbuch Hand in Hand with Hanon.

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2006 erhielt er die NEA Jazz Masters Fellowship.

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Dietmar Moews meint: Mit Buddy DeFranco ist ein artiste d’etoile altersbedingt gegangen, vor dessen geistigem Ohr noch heute alle jüngeren Clarinettisten spielen.

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Auch in diesem Moment gibt es geniale Musiker, treten gerade auf oder üben wie verrückt – Sorge macht das ungeniale Massenpublikum. Jazzbühnen werden knapper.

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Noch vor zwanzig Jahren gab es in München vier, fünf richtige Jazz-Clubs, wo man den Wahnsinn sinnlich miterleben konnte – ich erinnere mich an Jenny Evers Club in der Barer Straße, mit dem Schlagzeuger Freddy Brocksieper, noch aus der Original Teddy Staufer-Band, das Blue Note, Ruffini. Heute geht man in Abendgarderobe und entsprechendem Kurs in den Bayerischen Hof.

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