Dario Fo 1926 – 2016 – Kurznachruf

Oktober 13, 2016
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Vom Freitag, 14. Oktober 2016

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Dario Fo, geboren am 24. März 1926 in Sangiano, war ein italienischer Maler, Theaterautor, Regisseur, Bühnenbildner, Komponist, Erzähler, Satiriker und Schauspieler, der jetzt 90-jährig, am 13. Oktober 2016, im Krankenhaus in Milano gestorben ist.

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Er revitalisierte Methoden der Commedia dell‘arte. 1997 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

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Worauf es ankommt, ist der Skandal! […] Damit endlich auch das italienische Volk sozialdemokratisch wird, wie die Völker Englands, Nordamerikas, Deutschlands usw. …moderne Völker! Damit unsere Mitbürger endlich stolz sagen können: »Ja, wir waten bis zum Hals in der Scheiße, aber genau deshalb tragen wir den Kopf hoch erhoben!«Dario Fo anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur 1997 in Stockholm:
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Die Macht, und zwar jede Macht, fürchtet nichts mehr als das Lachen, das Lächeln und den Spott. Sie sind Anzeichen für kritischen Sinn, Phantasie, Intelligenz und das Gegenteil von Fanatismus. Ich bin nicht mit der Idee zum Theater gegangen, Hamlet zu spielen, sondern mit der Ansicht, ein Clown zu sein, ein Hanswurst.“(Quelle Wikipedia)

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Dario Fo studierte an der BRERA in Milano Malerei, musste in den Krieg, nach Kriegsende setzte Fo sein Studium der Kunst und Architektur an der Universität Mailand fort. Er begann sich in der Bewegung der „piccoli teatri“ zu engagieren und präsentierte dem Publikum improvisierte Einpersonenstücke.

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Sein Werk umfasst hunderte große Werke. Bis zuletzt schrieb, kommentierte und malte Dario Fo. Davon zeugen seine Ausstellungen:

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Dario Fo dipinge Maria Callas, Milano, Skira, 2015.

Dario Fo. Mistero buffo a colori. Opere da Nuovo manuale minimo dell’attore, Milano, Skira, 2015.

Dario Fo. Omaggio a Marc Chagall, Firenze-Milano, GAMM Giunti, 2015. Razza di zingaro, Milano, Chiarelettere, 2016.

Dario e Dio, con Giuseppina Manin, Parma, Guanda, 2016

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Sein erstes Theaterstück von 1953 heißt: Il dito bell‘occhio.

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Dario Fo war ein prominenter Kritiker der Medienpolitik und Medienentwicklung in Italien. Er beurteilte sie als „Beseitigung jeder kritischen Kultur“ und warf Silvio Berlusconi vor, eine Kontrolle über alle Kommunikationswege anzustreben.

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Fo kandidierte 2006 innerhalb eines Mitte-links-Bündnisses bei der Bürgermeisterwahl in Mailand. Er verlor bei den Vorwahlen, erhielt jedoch 23,4 % der Stimmen. Er war ein prominentes und einflussreiches Mitglied von Beppe Grillo MoVimento 5 Stelle.

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Fos Bühnenstück Picasso desnudo wurde 2012 uraufgeführt. Die hierfür entstandenen Bilder empfand er selbst als „Falso Picasso“, da ihm die Bildrechte für Pablo Picasso Gemälde zu teuer erschienen. Sie wurden im November 2014 in einer Stuttgarter Galerie gezeigt

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Dario Fo heiratete 1954 die Schauspielerin und spätere politische Aktivistin Franca Rame (1929–2013), mit der er auch künstlerisch eng zusammenarbeitete.

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Dario Fo hatte die Sensibilität für die Sinnlichkeit des Sprechtheaters, wie sie in der Tradition der Commedia dell‘arte als Reichtum der Kunstgeschichte für die Sozio-Kultur des 21. Jahrhunderts verfügbar ist.

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Franz Beckenbauer und Thomas Bach – deutsche SPORT-Weltspitzen-Funktionäre auf der Flucht vor dem Rechtsstaat

September 8, 2016
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Vom Freitag, 9. September 2016

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Franz Beckenbauer wie auch Dr. Thomas Bach, die beiden deutschen Weltspitzen-Sportmanager, sind auf der Flucht vor der rechtsstaatlichen Gerichtsbarkeit.

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Beckenbauer fehlte schon bei der WM in Brasilien 2015, hat sich jetzt vor der österreichischen und schweizer Justiz nach Bayern (Deutschland) abgesetzt.

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Bach ist den Feierlichkeiten der Olympischen Spiele von RIO 2016 sowie jetzt den PARALYMPICS von RIO 2016 ferngeblieben, weil die brasilianischen Justiz Bach im IOC-Präsidentenamt an „Ticket-Betrügereien“ beteiligt sieht und untersucht.

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Beckenbauer, der Fußballweltmeister und Ex-FIFA-Beisitzer vom FC Bayern München, Dr. Thomas Bach immerhin vielfacher Fechtmeister und Olympiasieger im Florettfechten, derzeit Präsident des Internationalen Olympischen Commitee (IOC) sind deutsche Spitzenfunktionäre, die persönlich unbegrenzte Vorteile aus ihren Funktionärstätigkeiten ziehen bzw. gezogen haben. Sie treten im deutschen Namen auf sind deshalb Deutschland und den Deutschen zu redlichem und vorbildlichem, zumindest rechtstaatlich ordentlichem Verhalten verpflichtet.

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Es ist vollkommen unanständig, für eine solche herausragende Prominenz, im Falle von gerichtsrelevanten Beschuldigungen und Untersuchungen, sich solchen Verfahren durch FLUCHT zu entziehen, anstatt der unabhängigen Gerichtsbarkeit persönlich Rede und Antwort zu geben.

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Während Bach erklären ließ, er sei zur Eröffnungsfeier der Paralympics nicht nach Rio gekommen, weil er dem Staatsakt des gestorbenen Alt-Bundespräsidenten Walter Scheel in Berlin beiwohnte (indes ist dies für einen IOC-Präsident unadäquat, die alle vier Jahre stattfindenden PARALYMPICS zu meiden).

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Bei Franz Beckenbauer liegt die Lage nun leider geradezu im Schmuddeligen.

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FAZ berichtete am 3, September in einer kurzen Notiz mit BILD.de als Quelle:

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Als vergangene Tage die Hausdurchsuchungen bei Beckenbauer privat sowie in seiner Umgebung, bekannt wurden, veröffentlichte die Schweizer Staatsanwaltschaft ganz konkrete strafrechtliche Inkriminierungen gegen ihn. Sie lauten:

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Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Franz Beckenbauer und drei weitere hohe Funktionäre des Deutschen Fussballbundes (DFB). Sie werden des Betrugs, der Geldwäscherei, der ungetreuen Geschäftsbesorgung und der Veruntreuung beschuldigt …“

Neue Zürcher Zeitung, vom Samstag, 3. September 2016, Seite 33, von Stefan Osterhaus und Marcel Gyr:

 

Beckenbauer hatte die hauptverantwortliche führende Rolle im WM-Organisationsgremium des DFB für die Bewerbung zur Ausrichtung der Fußball-WM 2006 ausgeübt und ist nachweislich an unkorrekten Geldtransfers und Transfer-Verschleierungen beteiligt.

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Das wirklich Verrückte ist heute, dass – anstatt seine bisher dazu dilatorisch aufgestellte Ahnungslosigkeit gegenüber seiner „Schuld“ zu halten, der beschuldigte Beckenbauer jetzt in rechtswidrige Deckung vor der Justiz geht – mit ärztlichem Attest hat er sich heimlich nach Bayern verzogen.

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Während Beckenbauer als fiskalischer Österreicher unter der Österreichischem Auslieferungsverpflichtung gegenüber der Schweizer Justiz lebt, passierte in den vergangenen Tagen also Folgendes:

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Franz Beckenbauer hatte für vergangenen Samstag in Zürich in einem kostspieligen Hotel eine erste große WEINPROBE angekündigt und gegen hohe Teilnahmegelder und Voranmeldung („wollen Sie einen Weltstar persönlich kennenlernen?“) angebahnt. Franz Beckenbauer ist angeblich an WEIN-Marketing von in SÜDAFRIKA angebautem Wein geschäftlich beteiligt:

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DIE WeLT, am Samstag, 3. September 2016, Seite 23:

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WM-Affäre: Beckenbauer sagt ausgebuchtes Kaiser-Dinner ab. Hauptverdächtigter schweigt zu Anschuldigungen“

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Nachdem die Schweizer Staatsanwaltschaft die seit Längerem laufende Untersuchung öffentlich bekanntgegeben hatte, weil die Razzia bevorstand und Beckenbauer persönlich einvernommen werden muss, kam nun BILD.de – quasi als Beckenbauers Pressestelle – mit der exklusiven Notiz:

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BILD.de +: „Franz Beckenbauer habe sich einem chirurgischen Eingriff am offen Herzen unterzogen und sei jetzt in Rekonvaleszenz“

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Dietmar Moews meint: Die beiden gestützten Sportengel, Beckenbauer und Bach, sollten sofort ins Privatleben verschwinden. Es ist peinlich, dass hier im deutschen Namen wirklich das BÖSE frech auftritt. Zwar sind die verfahren nicht abgeschlossen, aber die strafbaren Machenschaften sind offenkundig.

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Bach ist unfähig als IOC-Präsident seinen Repräsentationspflichten nachzukommen, weil er befürchtet in Brasilien festgenommen zu werden. Beurlaubung wegen gerichtlicher Verfolgung? – hat man keine sauberen Funktionäre beim IOC?

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Beckenbauer indes hat laut DIE WeLT tatsächlich die Flucht nach Bayern angetreten, um einer etwaigen Auslieferung in die Schweiz zuvorzukommen.

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Es klingt lächerlich und unglaubhaft, dass einerseits ein KAISER-DINNER lange vorpromotet wird und zum selben Termin, angeblich ebenfalls längst festgelegt, eine lebenswichitige Herzoperation in Bayern stattfindet (in der Welt heißt es „in Süddeutschland“).

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Während also der EX-FIFA-Präsident Sepp Blatter in Zürich als geachteter Schweizer Großbürger herumstolziert und seine Beweismittel lanciert, glauben die Berater Beckenbauers, dann kann Kaiser Franz auch in Bayern herumstolzieren und mit dem Schwerkriminellen den Bayerischen Stallgeruch genießen, nachdem ihm doch das ordentliche Steuernzahlen in Deutschland nicht seinem Bürgerstatus angemessen schien.

 

 

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Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi malt Daniel Kehlmann bei 3Sat

Dezember 14, 2014

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am Samstag, 13. Dezember 2014

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Der als Kunst- und Urkundenfälscher verurteilte und eine Gefängnisstrafe absitzende Maler Wolfgang Beltracchi (61) wurde erneut gezeigt, wie er für eine TV-Kleinserie Modelle in Essig und Öl und Ei auf Leinwand portraitiert: Den Trivial-Literaten Daniel Kehlmann Richtung Giorgio de Chirico, seine erwachsene Tochter Richtung Sandro Botticelli – na, ja.

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Wolfgang Beltracchi hat die Möglichkeit als Portraitmaler für Endemol und 3Sat als Hauptdarsteller mitzuwirken angenommen und so ist es geworden:

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Der Maler Beltracchi kommt mit seinem Mobil-Studio, Klapp-Staffelei und Wandergepäck nebst eines leinwandbezogenen Keilrahmens in die imposante neue Gebrüder-Grimm-Bibliothek der heutigen Ostberliner Humboldt-Universität. Das Portrait-Modell, der Österreicher Kehlmann, kommt die Treppe hoch – sagt “mal nicht mit wehendem Mantel aus dem U-Bahn-Schacht, wie bei Literatursendungen vom Fernsehen“ – Publikumsbeschimpfung bei Peter Handke war origineller und prägnanter.

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Beltracchi nimmt diesmal das Format (etwa 80 cm mal 100 cm) quer auf die Staffelei. Grundiert ist schon, wie alle Meister der Jahrhunderte, aber wie nun? Das Modell sitzt wieder links neben dem Bild, der Maler portraitiert über seinen linken Arm, malt als Rechtshänder.

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Daniel Kehlmann von Beltracchi im Stile des italienischen Malers Giorgio de Chirico („pittura metaphysica“, Neue Sachlichkeit, Surrealismus, Symbolismus, figürliche Malerei). Kurz gesagt, de Chirico erkennt der Laie an dem abgebildeten „faschistischen“ Architekturquader, mit Horizont und harter Perspektive mit Schatten).

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Der interessierte 3Sat-Zuschauer, erhielt in der ersten Folge dieser Beltracchi-Show Arbeitsschritte vorgetäuscht, wie der Maler angeblich arbeitet – nur gezeigt wird es nicht: Wie ein Wunder sehen wir plötzlich eine feine Portraitvorzeichnung, aber nicht, wie die entstand.

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Nun pinselte Beltracchi also auch bei diesem „de Chirico“ kurz die bereits vorhandenen Linien nach. Nun, mit Modell Kehlmann, aber anders als bei Harald Schmidt und Gloria:

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Der erste Blick auf das Bildformat zeigt nämlich bereits eine fertige Vorzeichnung des Gesichts von Modell Kehlmann. Wie die Zeichnung dahin kam, sahen wir nicht, obwohl wir angeblich die erste Sitzung sehen. Man spart uns damit die Fotoapparat-Nummer des „Beltracchi-Fotorealismus“.

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Der Maler beginnt die „erste“ Sitzung mit dem Nachpinseln der Konturen der bereits vorhandenen Zeichnung.

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Warum er das überhaupt macht, wird nicht gesagt, wird aber auch nicht verständlich. Denn das Ganze wird ja dann übermalt.

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Er hätte ebenso gut die Vorzeichnung ausmalen können, statt die Zeichnung nochmal mit dünner Farbe nachzufummeln. Soll wohl für den Fernsehzuschauer der Eindruck entstehen, es entstünde wie von Zauberhand das Zauberportrait.

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Das Modell Daniel Kehlmann, der über Shakespeare und Tolstoi sagt: Diese Meister konnten bis zu 40 Charaktere in einem Buch über 30 Jahre entwickeln – das sei eine wirklich enorm große Form, das könne er nicht.

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Beltracchi sagt für sich als Fälscher: „Das kann ich leider nicht von mir sagen. Ich kann Alles – bedauere, mir ist Nichts zu schwer.“

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Der sympathische Beltracchi ist wirklich frech und dickfellig.

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Und auch Kehlmann, der sich im Genieverdacht gegen sich selbst und als Denker unwiderstehlich findet, ist sich offenbar nicht schuldig, zumindest mal ironisch auf den Angeber Beltracchi zu reagieren. Und Beltracchi seinerseits hatte Kehlmann ja auch nicht gesagt, Kehlmann könne nicht nur „nicht 40 Charaktere“ wie Anna Karenina entwickeln – er könne gar keine Person entwickeln.

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Wer dessen Alexander-von-Humboldt-Comic gelesen hat, weiß, was Scherenschnitte sind (de Chirico) und, dass Kehlmann keine Romanpersonen zu entfalten vermag, sondern Holzschnitte rausbringt.

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Ein Gespräch zwischen Goethe und Tischbein kann nicht annähernd tumb verlaufen sein, wie die beiden Trivialisten Kehlmann und Beltracchi vormachen. Dabei ist Kehlmann schuld. Denn Beltracchi ist als Dienstleister nur der respondierende Chor des Kunden (durchaus möglich, dass Beltracchi keine Romanfigur von Kehlmann diskutieren könnte).

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Doch die heutige KULTURINDUSTRIE verändert nicht nur die oberflächliche Wegwerfkunst von heute, sondern auch die kulturindustrielle Darbietung einer Kunstfälscher-Verhackstückung, wie hier mit Beltracchi und Modell-Komplizen Kehlmann, Harald Schmidt und Co für 3Sat.

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Immerhin sagt der Off-Sprecher erklärend: „Ein Meisterfälscher ist kein Kopist“.

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Kopieren ist viel schwieriger, als im Stile von dem und jenem ein neues Bild zu machen. Man müsse da nur die Signatur und das Drum und Dran „historisch“ täuschend hinkriegen. Eine Kopie dagegen muss vollkommen wie echt sein.

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Beltracchi behauptet auf diesem Weg also: Ich kann jeden Maler nachmachen – und meint, er könne jeden großen Meister der Kunstgeschichte fürs Laienauge verwechselbar variieren.

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Und der OFF-Sprecher betont: Immerhin ist Beltracchi eine Jahrhunderterscheinung, denn er kann als einziger Fälscher Malerstile über den geschichtlichen Zeitraum von 400 Jahren vortäuschen.

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Die 3Sat-Reihe „Der Meisterfälscher“ hat nun aber nicht gezeigt, dass Beltracchi, außer den Kindermalern des zwanzigsten Jahrhunderts, andere Stile zu mehr als Laientäuschung auszuführen vermag. Und damit kommen wir zu Botticelli, dem Florentiner Renaissancemaler:

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Während also bei Kehlmann, der „sein Bild“ „ganz toll“ fand, das 3Sat-Fernsehen nicht zeigt, wie Beltracchi es malt – allein erneut eine Esstisch-Sitzung mit Frau Beltracchi vor Kunst- und Abbildungsbüchern. Sie diskutieren, welcher de Chirico sich als Vorwurf für einen Kehlmann eignen würde – hier jetzt also der Clou:

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Zur Vorbereitung des Portraits, das Beltracchi von seiner Tochter Franziska malen möchte, sehen wir, wie Frau und Tochter Beltracchi die Uffizien in Florenz besuchen und Botticellis berühmte Großformate ansehen: „Die Geburt der Venus“ und vier Jahreszeiten „Frühling“.

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So, gut vorbereitet, sieht sich Wolfgang Beltracchi zu hause wieder die schönen Kunstbücher an und nimmt gleich das bekannteste Portrait – denn man soll den Botticelli ja wiedererkennen.

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Frau Beltracchi sagt: Die Tochter ist ein Renaissance-Typ (wieder suggeriert man dem Publikum, was es zu sehen glauben soll). Man hat die wellige Langhaar-Frisur und das Make-up zu Botticelli passend eingestellt –

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Wolfgang Vater Beltracchi meint zur Modell-Tochter: … schön wär’s, nicht?

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Schließlich werden zahlreiche Portraitstudien, verschiedene Blickwinkel, Vorzeichnungen, bald vom „Meister“ „Kartons“ genannt – als angebliche Vorabeiten gezeigt. Wir sehen nicht wie er sie macht (vielleicht sind die ja von der Tochter oder der Ehefrau). Und verwendet werden die auch nicht – sollen also ein bisschen blenden – vielleicht sind es auch Fotokopien, trotzdem hübsch.

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Dann wird aber nur eine der Portraitstudien davon auf die Portraitleinwand durchgepaust und nun die Ei-Mixion als Tempera-Farbe mit Pigment angemixt: Eigelb, destilliertes Wasser, etwas Ochsengalle – das wird mit Wasser verdünnt – trocknet und härtet schnell unauflösbar (also übermalbar und lasierbar ohne anzulösen (wie es Öltempera mit Terpentin an sich hat).

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Wir hören „Verdaggio“, die grüne Erde“-Untermalung eines Renaissance-Portraits. Dann die Strichelei, die der Räumlichkeit eines flachen Gesichts abhilft. Dann die Hautfarben-Lasur – dazu behauptet die Off-Erklärung: Über zwanzig Lasuren legt Beltracchi über einander, alle scheinen durch und durch. Gut gebrüllt Löwe: SEHEN kann man wieder nicht, was behauptet wird.

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Was er mit den nicht besonders hochwertigen Tuben-Studienfarben „Norma“ macht, statt mit „Mussini“, wird nicht gesagt. Einen Malerlappen hat er hier wieder nirgends.

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Abschließend kommen das mit Goldtröpfchen aufgenuttete Botticelli-Haar der geduldigen Tochter Franziska noch zur Höhung und der Familiengeist, die Bildnerei und die Freude an der Kunst, die leicht fällt – das überzeugt menschlich sehr. Guter Grund, für die Tochter auch Kunst zu studieren.

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Witzig, wie der Maler den Hintergrund lasierend blau anstreicht, keinen homogenen Anstrich hinkriegt, Wolken nicht zu vermeiden vermag und deshalb sofort einige Wölkchen hineinmalt – Ja! So geht’s!

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Dr. DIETMAR MOEWS von FOKKO VON VELDE fotografiert

Dr. DIETMAR MOEWS
von FOKKO VON VELDE
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Dietmar Moews meint: Erstaunlich, wie wenig man den Zuschauern an Kunst und Malereinteresse und -verständnis zutraut.

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Erstaunlich, wie wenig hier die Möglichkeit benutzt worden ist, regelrecht vorzuführen, wie Beltracchi sein Publikum vorführt:

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Also abschließend ganz kurz: Wer heute als Restaurator ausgebildet wird, muss zur staatlichen Prüfung eine Meisterwerk-Kopie vor dem Originalgemälde selbstständig ausführen. Die muss vom Ausdruck und von der Technologie Gültigkeit beanspruchen können.

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Das kann Beltracchi nicht. Das versucht er auch gar nicht. Er kann also nicht Zaubern, sondern er hat sich in Primitiv-Stilen der Moderne eingeübt, Trickzauber vorzumachen.

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Das heißt, nicht seine Malerei ist meisterlich oder täuschend verwechselbar gut. Sondern Beltracchi macht das, was dazu führt, dass seine Verkaufspromotoren den Käufern ein solches Beltracchi-Werk als ein „Botticelli“ abnehmen. Einfach so, wie ein Zaubertrick-Künstler sein Publikum gut unterhält und allerdings was vortäuscht, was nicht ist.

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Mit den „Meistern des Zwanzigsten Jahrhundert“ funktioniert die Vormacherei, weil es sich weitreichend einfach nicht um „Meister“ und nicht um echte Künstler handelt – Beltracchi erzählt: Es gibt viel zu wenige Portraits von dem Kunsthändler Flechtheim, der so viel für die Maler gemacht hatte – deshalb habe ich mehrere Fälschungen von Flechtheim gemalt, in schwulen Farben – der Flechtheim war ja so.

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Lieber Freund Beltracchi, die vier Jahreszeiten? Frühlingsfarben? weibliche Farben? schwule Farben? – das hätte mich schon weiter interessiert.

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In dieser Fernseh-Reihe „Der Meisterfälscher“ werden Bilder so vorgemacht, dass es ein Laienpublikum, das die Originalmeister nicht kennt, sondern ebenfalls die Kunst-Bildbände und Postkarten zuhause anschaut, sofort sagt: ja, Botticelli, ja Cranach, ja de Chirico, ja Beltracchi, zauberhaft.

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Auch sehr sympathisch ist dann der Beltracchi, der ständig über die Arbeit stöhnt, die elende Strichelei, die Altersweitsichtigkeit, die langweilige Trocknung mit dem Elektroföhn – 

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Zukünftig macht er angeblich auch noch während und nach seiner Gefängniszeit als Bandenbetrüger weiterhin Max-Ernst-Gemälde auf Bestellung der nachfragenden Max-Ernst-Interessenten.

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Nicht gesagt wird, dass Beltracchi natürlich jede Woche fünf Max Ernste machen kann.

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Nunmehr lässt er einfach die Fälschung einer Max Ernst-Signatur weg, und übergibt die Replik oder Variante dem Auftraggeber „Liebhaber“, der eine unsignierte Kopie des Max Ernst von Beltracchi bezahlt (da wird zukünftig auch noch Brot und Kuchen für die malende Tochter abfallen).

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(Wohl möglich wird Beltracchi zukünftig für die Röntgenkriminalisten eine Beltracchi-Original-Signatur in die Untermalung (als Alibi) hineinpinseln / Eitemera unter Öl-Tempera unsichtbar eingefügt), dann könnte Folgendes passieren: Beltracchis Max Ernst-Gemälde ist sichtbar nicht signiert, also es steht keine Handsignatur drauf.

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Der Max-Ernst-Besteller, Max Ernst-Liebhaber, hat gerade ein Geldproblem, macht mal eben eine Max Ernst-Signatur auf den unsignierten Beltracchi und gibt das Gemälde dann als die Max Ernst-Wandaktie an einen begehrlichen Schwarzgeld-Käufer ab.

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Dies ist nunmehr die neue Variante der Kunstfälschung (die übrigens historisch belegt ist: man signiert einfach nachträglich – man erlässt Beltracchi die Falschsignatur (er muss den „Max Matisse“ nur malen) – für die Provenienz, die Zertifikate und die Signatur sorgen später Mittelsleute.

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Während ein solcher Käufer auch gar nicht die Echtheit anzweifeln möchte, sondern einen äußerst preisgünstigen Matisse erwirbt – sind damit alle zufrieden. Jedenfalls kann dem Meister keiner mehr was Unrechtes anlasten: Denn malen ist erlaubt! „Mach’s wer’s kann“, sagt der Kollege zum grünen Heinrich Lee – Geldwäsche auch so.

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Daniel Kehlmann, das mit Malereiwissen unbelastete de Chirico-Portrait-Modell, fand zwar die Idee eines „gefälschten Fälschers“ bemerkenswert. Doch leider führte er den Gedanken nicht aus – Beltracchi natürlich auch nicht. Der Off-Sprecher von 3 Sat auch nicht. Okeee. Dieser Riese wird nicht rieseln und Beltracchi nicht verhungern.

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Denn: Arbeit schändet nicht.

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Republik Italien – Rechtsstaat mit Berlusconi

April 16, 2014

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Dietmar Moews meint: Sozialdienst ist sinnvoll – Gefängnis ist sozial unverträglich und kostspieliger.

Mit der Gerichtsverurteilung Berlusconis zu Sozialdienst entsteht mit dem Eindruck der Ungleichbehandlung im Sinne der Rechtsstaatsbeugung in Mailand eine Distanzvergrößung der Italiener gegenüber ihrem repräsentativen Politiksystem und dem hoheitlichen Organisationsapparat.

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Es ist aber zu bedenken, dass es in diesem Prozess nicht um eine moralische Bestrafung des Kriminellen Silvio Berlusconi in all seinen vielfarbigen Ausfaltungen ging, sondern um Steuerbetrug. Immerhin Steuerbetrug in Höhe von 20 Millionen Euro.

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Hier drängt sich ein Vergleich zu dem prominenten bayerischen Schwerkriminellen Uli Hoeneß auf, der kürzlich für umfangreichere Straftaten zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden war.

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Darum geht es konkret: Der italienische Ex-Ministerpräsident Berlusconi muss nicht in Hausarrest – seine Strafe wegen Steuerbetrugs wird er mit Sozialdienst ableisten. Er solle einmal pro Woche für lediglich vier Stunden in einem Altenheim erscheinen, entschied ein Gericht.

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Der Ex-Premier muss mindestens einmal pro Woche vier Stunden lang in einem Seniorenheim erscheinen.

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Berlusconi wurden von den Richtern außerdem Reisebeschränkungen auferlegt: Er darf seine Heimatregion, die Lombardei, in dieser Zeit prinzipiell nicht verlassen, kann allerdings noch beantragen, mehrere Tage pro Woche in Rom sein zu dürfen.

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Der Sozialdienst für Berlusconi gilt zunächst auf Probe – die Richter könnten ihr Urteil wieder revidieren und Berlusconi doch noch zum Hausarrest verurteilen, wenn er beispielsweise Regeln nicht einhält.

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Berlusconi war im August vergangenen Jahres wegen Steuerbetrugs zu vier Jahren Haft verurteilt worden, von denen drei jedoch wegen einer Amnestieregelung ausgesetzt worden waren. Ins Gefängnis muss der 77-Jährigen wegen seines hohen Alters nicht mehr.

Wo Berlusconi seinen Sozialdienst ableisten muss und wann er damit beginnt, wurde zunächst nicht bekannt.

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Berlusconi und seine Anwälte hatten nach Berichten italienischer Medien eine Behinderteneinrichtung in der Nähe seiner Villa Arcore bei Mailand vorgeschlagen. Die Richter könnten ihm aber auch eine andere Stelle zuweisen, etwa in einem Altenheim.

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Inwiefern Berlusconi sich mit diesem Urteil noch politisch für seine Partei Forza Italia betätigen darf, ist noch unklar. Gegen den mehrfachen früheren Regierungschef sind noch weitere Verfahren anhängig.

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