Papst Franz prügelt die katholischen Karnickelkinder

Februar 7, 2015

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vom Samstag, 7. Februar 2015

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Was macht ein Medienpapst in der überhitzten Massenkommunikation?

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Muss der Papst schnell reden?

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Muss er laut und grimassisch tun – gestikulieren und brüllen?

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Muss er Blödsinn reden, um aufzufallen?

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Kirche lästern? Gotteslästerung? – die sprachliche Sau rauslassen?

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Muss er Faltblättchen mit der „Bergpredigt“ bedrucken und persönlich damit in die Fußgängerzone gehen (natürlich mit Twitter TV-live-Stream)?

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Papst Franz hat eine praktische Antwort: Er meldet sich originell und reizend, um zu sagen, was er sagen möchte, dass gehört werden soll.

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Kürzlich erzählte er zu den Widersprüchen heutiger Lebensweisen hinsichtlich der christlichen Glaubensdinge und wie verantwortungsvolle Eltern sich in der körperlichen Liebe verhalten können:

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Da wird also mit Präservativen, Anti-Baby-Pillen und folkloristischen Verhütungs- und Abtreibungspraktiken gelebt, die der Katholizismus verboten hat – die der Papst durchaus diskutieren kann. Und um von Jedermann verstanden werden zu können, nutzt er sein rhetorischen Vermögen dazu:

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Er sagt beispielsweise: Die Paare haben heute viele bewährte Formen der Verhütung, sodass nicht „verbotene Eingriffe ins Leben“ vorkommen sollen – nur damit sich die Menschen nicht vermehren wie die Karnickel.

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Alle Kinder sind Gotteskinder – bis auf die verhüteten und abgetriebenen, die Schuldlosen, die „Gott“ mit Kollektivschuld und Erbsünde bestraft.

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UND DIE HEUCHELEI war groß: Papst Franz nannte die angängige Zeugungsbegeisterung, lockere Fruchtbarkeit, aber dann Vernichtung der Leibesfrucht: „wie die Karnickel“.

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Das ist schon allseits verständlich, oder? Das ist nicht, weil Papst Franz aus Argentinien kommt, wo die Paisanos eben die „Witze“ etwas griffiger formulieren. Der Herr Bergoglio hat nicht zum Karnickelbild gegriffen, weil er ein Bauer ist oder weil er aus dem rüden Kampfgebiet der Portenos kommt.

 

Er hat den Reiz, die Aufmerksamkeit und seine Wertmitteilung angebracht und – es sitzt! (dumm, dass gleichzeitig der PEGIDA-Anmelder Andersdenkende als Viehzeug bezeichnet hatte).

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Deshalb gilt, was ich sage: Man soll verstehen, was einer meint, nicht, was er sagt. Was hat Papst Franz also thematisiert: Geschlechtsverkehr und Folgen, einerseits. Andererseits – welche offizielle Norm setzt dazu der Papst für alle Katholiken? Das weiß jeder Katholik: Man darf heimlich ALLES. Wer Lust hat, darf sich seiner Sünden bekennen und dann beichten. Das ist auch die REGEL.

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Okee Dokee, jetzt also zum KINDER-PRÜGELN. Die Massenmedien haben sofort – wie beim Karnickel-Ficken – angeschlagen: Der Parpst, dieser Arsch, verpappst, was kein Pappst tun darf – er sagt als Papst:

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Züchtigung – „Schläge im Namen des Vaters“, schreibt der KÖLNER STADT-ANZEIGER am 7. Februar 2015, Seite 2: „Äußerung des Papstes zur Züchtigung stößt auf Unverständnis – Vatikan wiegelt ab“.

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FAZ, 7. Februar 2015

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Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt am 7. Februar 2015, Seite 7: „Will der Papst, dass Eltern ihre Kinder schlagen?“ – „…es gäbe kein würdevolles Schlagen… Die Pressestelle des Vatikan erläutert .. Der Papst habe nicht darüber gesprochen, Gewalt gegen Kinder anzuwenden. Vielmehr gehe es darum, „jemandem beim Wachsen und Reifen zu helfen“ …“

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Im neuen deutschland steht am 7. Februar 2015, Seite 7: „Papst: Kinder ruhig „ein bisschen hauen““.

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Was hatte Papst Franz wirklich gesagt und gemeint?

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Es ging im Pressegespräch, einer Generalaudienz, um die Rolle des Vaters – auch am Beispiel eines Beispieles, indem ein Vater bei einem Treffen mit verheirateten Paaren vor dem Papst erzählt habe: „Ich muss meine Kinder manchmal ein bisschen hauen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu erniedrigen.“ Der Papst kommentierte: „Wie schön – er kennt den Sinn der Würde, er muss bestrafen, er macht es aber gerecht und geht dann weiter.“

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Klar? Wird klar? Hat der Papst nun eine neue Kinder-Züchtigungs-Kampagne eröffnet? Hat er Gewalt gegen Kinder indirekt befürwortet? …denn, laut FAZ: „wenn ein Freund seine Mutter beleidigt, erhalte er einen Faustschlag.“

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Dietmar Moews meint: Ich habe es selbst im Fernsehen gesehen: Papst Franz hat den Freund mit dem Faustschlag berichtet und dazu einwandfrei einen Schwinger vorgeführt – mit seiner Faust zum Kopf des imaginären Mutterbeleidigers.

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Was hat er also zum Schlagen der Karnickel-Ficker-Kinder sagen wollen?

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Papst Franz – der so wenig Franziskus heißt, wie Benedikt Benedictus hieß oder wie Franz von Assisi auf italienisch natürlich Francesco d’Assisi heißt oder auf Spanisch in Argentinien „Francisco“ – wollte sagen: Alle Kinder sind uns willkommen und unsere Schutzbefohlenen.

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Papst Franz wollte sagen: Eltern sind keine Karnickel – KEINE!

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Er meinte eine soziale Lebenssituation, die jeder Mensch aus eigenem Erleben kennt und die jeder Mensch oft durch eigene oder andere Kinder miterlebt hat, dass „man den Brunnen zudeckt, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist“.

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Er wollte sagen, dass es Situationen gibt, in denen die Beobachtung und die Urteilskraft des Kindes für eine konkrete eigene Aktivität nicht ausreichen mag, Schaden zu verhindern oder eine darin steckende Lehre zu verpassen:

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Auch: Leichte (würdevolle) Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen (alter Spruch). Nein, das meinte er nicht. Papst Franz meinte, dass es akute Situationen gibt, in denen Verantwortung, soziale Situationsbeurteilung, Führung und Führung eines führungsbedürftigen Kindes, eine passende Handgreiflichkeit erfordern kann.

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Dagegen kann der Kinderschutzbund noch lange zetern:

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Aus einer angemessenen Handgreiflichkeit (des geistig und körperlich Stärkeren, im Sinne zumindest symbolischer Vergewaltigung eines geistig und körperlich Schwächeren),

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als Ausdruck der verständlichen sozialen Sprache der Führung und des Führungsanspruches –

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zur Unterordnung des geistig zu schwachen,

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soll nicht „Gewalt gegen Kinder“ werden – reklamiert Frau Paula Honka-Schoberth vom Deutschen Kinderschutzbund (K ST-A). Davon hatte Papst F. gar nicht gesprochen.

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Und zum Verständnis gebe ich noch ein Beispiel:

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Ich wurde in der Nähe des Colosseums in Rom einmal und kurze Zeit später auf der Via Cavour und noch einmal in der Nähe des Bahnhofes Termine jeweils von einer als „folkloristische Zigeunerin“ verkleideten jüngeren Frau, nebst Kind, angegangen.

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Sie trat aus einem Winkel mir entgegen und zeigte mir ein Pappschild. Dann drückte sie mir das Pappschild ins Gesicht, Aufschrift: „Prego …“, während das Kind, etwa vier und fünf Jahre alt, packte mit beiden Armen meinen rechten Arm und riss daran. Ich machte eine Abschüttelbewegung mit dem Arm, auch etwas gehemmt, dem Kind Gewalt anzutun.

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Die „Zigeunerin“ hob schimpfendes Geschrei und Lärmen an, aber wich in wenigen Sekunden samt Kind hinweg. Ich schüttelte den Schreck ab und griff in meine rechte Hosentasche (LEE-Jeans, enge Taschen) – darin hatte ich zwei zusammengefaltete 200 DM-Geldscheine – nun waren die weg.

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Und ich hatte Sowas gemerkt, als die Frau, völlig ohne Distanzscheu mir von Vorne nahekam, das Kind zu schützen – schlangenartig war ihre Hand in meine Hose gefahren.

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Eine halbe Stunde später – beim zweiten Mal – habe ich ein anderes Überfallpaar „Zigeunerin mit Pappe und Kind“ ohne zu stoppen angebrüllt, bin weitergegangen und sie war überrascht und abgewehrt. Auf der anderen Straßenseite sah ich zwei „Zigeuner“ die da zusammenarbeiteten, Frau und Kind zu beschützen, falls sich ein Überfallsopfer wehren sollte und es für das Räuberpaar gefährlich würde.

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Beim dritten Versuch – wieder ein anderes Paar – das mit weinerlichem „Prego com si prega“ sich anscharwenzelte, habe ich sie streng und deutlich angeblickt und gesagt: „Lasciar mi“.

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Michel de Montaigne

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Jeder Mensch wird sich erinnern, wie er als Kind mal aus Übermut oder Überdrüssigkeit, aus Langeweile oder Aufmerksamkeitsbegehr einem Erwachsenen, meist in einem Kreis Erwachsener, wo der Kinderschutz des Kreises besteht, eine Aufdringlichkeit oder eine Mutwilligkeit zugemutet hat.

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Ich überlasse die praktische Form und Inhalt des Beispiels der Erinnerung eines Jeden, wo es zur „führenden Gewaltausübung“ (ich rede nicht von der vollkommen normalen Kindergewalt unter Gleichaltrigen) kam, eines Erwachsenen gegen ein Kind / für ein Kind. Ein Festhalten, ein Arschtritt, ein angedeuteter Faustschlag, ein heftiger Rempler – egal – und sofort war die Lage bereinigt.

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Das Kind hatte förmlich darum gebeten, gezeigt zu bekommen, wo die Grenze ist – und wo soziale Verpflichtung, z. B. auch Rücksichtnahme oder Selbstdisziplin verlangt sind und handgreiflich eingefordert werden, und wo das Kind versteht, dass es gestoppt wird.

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Ich habe selbst mal als Lehrer einer Schulklasse ein in Rage geratenes tobendes Kind einfach ausgehoben: Umarmt, Hochgehoben, Festgehalten und Strampeln lassen. Alle anderen Kinder haben zugeschaut und gesehen, was passierte. Es war gewaltsame Führung gegen den Willen des Kindes.

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Und – Warnung vor dem Hunde!! – mit Schülern ist das nochmal anders als in einer vielköpfigen Familie. Wer mit Vielen am Tisch sitzt, muss sich oftmals mehr gedulden als er lustig ist – und da kommen diese Grenzbereiche des Erlösungsbedarfes, den Papst Franz auch ansprach.

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Papst Franz stieß auf Unverständnis. Es ist das Unverständnis der Verständnisarmen.

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Herta Müller, unsere beste Literatin, die Verfasserein der goldenen Worte, die jedes deutsche Schulkind kennen muss, schrieb in „Mein Vaterland war ein Apfelkern“:

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„… Es gibt Gefühle, gerade bei Kindern, die sind so konkret wie der Körper selbst – nicht mehr und nicht weniger. Die sind einfach da und das reicht. Das ist mehr als genug.“

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Den Maßstab, dass ein reifer Erwachsener sich jahrelang zum Hampelmann eines desorientierten Abkömmlings macht, nur weil jemand unsicher ist, angemessene Formen von Führung und Fühlung, als Funktion von Führung, dem Kind zu liefern – oder weil junge Eltern ihres Einzelkindes glauben, die Nachkömmlinge seien ein Hauptberuf mit Vollbeschäftigung – darf sich im Rahmen des Gesetzes jeder selbst setzen.

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Wer diesen Maßstab dem kleinen suchenden Individuum samt vernachlässigtem Führungsbedarf überlässt, ist nicht reif dafür, ein Kind zur Lebenstüchtigkeit, zur Validität und Selbstständigkeit hin zu begleiten.

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Man kann bei beinahe allen gescheiterten Exzistenzen leicht nachvollziehen, welche Qualität die Eltern während der Aufzucht hatten. Dann ist es bald reif für den Tierschutz bzw. für den Deutschen Kinderschutzbund zu spät.

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Wenn der Papst spricht, läuft er immer Gefahr überhört oder falsch verstanden zu werden.

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Es ist aber gar nicht entscheidend, was Papst Franz wörtlich gesagt hat, sondern dass sich Erwachsene über ihre eigenen Eltern Gedanken machen – Vorbilder und nicht Vorbilder -, um dann nochmal mit den eigenen und anderen Kindern neu anzusetzen.

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Man kann nicht die Polizei anfordern, wenn das Kind gerade mal herausgefunden hat, wie man mit Feuerzeug Gardinen anzünden kann (interessant ist das durchaus).

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Papst Franz hat vermutlich nicht vom Auslassen angestauter Aggressionen gegen Schutzbefohlene gesprochen, durch alkoholkranke Mütter oder dauergeile Väter.

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SHAKESPEARE zum TAG des BIERS

April 23, 2014

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am 23. April 2014

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Erinnern und Vergessen – dafür pflegt unsere Kulturgesellschaft die Qualitäten, die es sich lohnt zu lieben und zu nutzen. Tradition besteht aus Organisation, aus Inhalt und aus dem lebendigen Gebrauch der Traditionsgüter.

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Tag des Bieres

In Deutschland ist heute Bier-Tag. Die Bierbrauer-Lobby beruft den TAG des BIERES, weil die in Deutschland gepflegte Brauereikunst seit beinahe 500 Jahren betrieben wird.

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Dazu ZWEIERLEI:

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Bier trinken viele Menschen gerne. Biergenuss dient als soziale Praxis für heterogenes Beisammensein, als gesellschaftlicher Kitt und Konvention. Selbst wenn der Biertrinker alleine trinkt, stellt er sich seine eigene Biertrinkgewohnheit in sozial geprägter Weise vorman. Damit ist Bier ein Gegenstand der Kultur in Deutschland.

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Bier und Brauereigeschäft ist auch ein deutsches Wirtschaftsgut. Bier wird sogar nach China verkauft. Der europäische Handel mit Biermarken entwickelt sich für den Laien unübersichtlich – woher kommt Fanziskaner? woher Paulaner? – Andechser kommt jedenfalls aus Kloster Andechs und schmeckt nach der Wanderung auf den Hügel immer wunderbar.

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In Deutschland sinken derzeit die Gesamtabsätze und getrunkenen Mengen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Brauereien durch kleine Neugründungen, die sich auch Neuigkeiten für die kultivierte Kundschaft ausdenken und damit gut ankommen.

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Tag des Shakespeares

Auch beinahe 500 Jahre bereits wiederholt sich der Geburtstag eines William Shakespeares (geboren 1564) aus Stratford an der Themse. Über diesen Shakespeare weiß man äußerst wenig, weil bereits zu dessen Lebzeiten einflussreiche Menschen in London dafür sorgten, dass Shakespeares Name als Pseudonym für revolutionäre Literatur der Zeit, eingesetzt worden war. Woran Herr Shakespeare persönlich keinen wesentlichen Anteil hatte.

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Wir haben es also mit dem Begriff Shakespeare hauptsächlich mit Theaterliteratur zu tun, aber auch mit Gedichten und Historien.

Shakespearetheater ist Sprechtheater. Das heißt: Schauspieler treten kostümiert vor und im Publikum einzeln oder in Gruppen auf und sprechen laut und deutlich, überwiegend zum Publikum, teils miteinander in Dialogen oder in Monologen und Proklamationen.

Dazu hat besonders das Globe-Theater in London mehrere Bühnenebenen, Balkone und Ausrufplätze, sodass eine Dramaturgie durch die Textschnitte der verschiedenen Sprecherpositionen sehr dynamisch und lebendig entwickelt werden können. Die Schauspieler reden den sehr dichten enorm klugen Text – quasi abwechselnd, so dass die Handlung durch Erzählen entsteht – spielen, agieren, grimassieren, was sich Schauspieler gemeinhin unter Schauspielerei vorstellen, gehört gar nicht so sehr zum Shakespeare-Sprechtheater. Es muss hauptsächlich laut und deutlich gesprochen werden.

Allein durch Mauerschau oder durch überraschendes Erscheinen von Sprechern im Publikum ist jede Tragödie tragisch und erregend, jeder Klamauk lustig, bei den Königsdramen jeder König ein kleiner Prinz wie jedermann – Gott kommt göttlicher Weise dabei ziemlich schlecht weg.

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Im politisch-realen Rollenspiel der Zeit kommen die Grenzsituationen, die abweichenden Spielräume, die Improvisationslösungen und das alltägliche Versagen als Kulturspiele von Shakespeare an die Leute. Wobei Realität und Theater nie verwechselt werden, sondern die Wirkung der Transzendenz aus der Spannung zwischen dem allseits bekannten Alltagsleben und der inhaltlichen Zuspitzung im Shakespeare-Drama als Kunstwerk dann in die Begeisterung und sozio-kulturelle Initiation eingeht. Die Londoner damals haben Shakespearestücke wie die neueste Tagesschau aufgenommen.

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Im Globe-Theater, ein weiß getünchter Fachwerkrundbau mit schwarzem Gebälk und Strohbedeckung, direkt an der Themse in London gegenüber den Bankgebäuden, waren Bühne und Bühnenemporen überdacht, der gesamte Innenraum in Holznaturton, rundherum die mehrstöckigen Ränge mit Holzbänken, die Vorbühne und der Mittelraum, daher das Tageslicht, liegen unter freiem Himmel.

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Und dort wurden als Stehpublikum, die sich auch auf dem Erdboden hinlagerten die umsonsten Zuschauer hineingelassen. Wer das Geld für den Eintritt nicht hatte, konnte damals Shakespeare trotzdem miterleben. Diese Menschen waren besonders begeistert und lebhaft, ließen sich zu lautstarker Teilnahme anregen – oft mehr als nur Ahs und Ohs, Warnrufe und Angstgeheul, auch Weinen wenns hart kam und natürlich Lachen wie aus Kohlenschüttern:

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Shakespeare – das hat äußerstes Qualitätsformat in jedem Belang. Wie viel besser könnten die deutschen Wähler wählen, wenn Sie die Shakespeare-Stücke kennen würden. Shakespeare ist Aufklärung und menschliche Praxis zugleich. Diese Kunstwerke könnten wir in unserer Kultur enorm nützen und gebrauchen – aber wir tun es nicht.

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In Deutschland wurde der Kunstbetrieb vollends in die Hände von Parteigängern der Salonpersonnage gegeben – die machen nunmehr neue Übersetzungen der Shakespeare-Texte – ja, warum nicht Hip Hop? – und alle gröhlen biertrinkend dahin.

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Theaterautoren der Salonpersonnage schneiden die Stücke, ändern die Übersetzungen und machen daraus expressionistisches Dadagestückel – weil die Kultur des Erinnerns und Vergessens, statt tradiert, vergessen wird. Ja, aus machtpolitischen Motiven wird diese Vergessen geradezu staatlich organisiert.

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So, nun zum Abschluss noch kurz zu Shakespeare:

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Shakespeare

Ist der Name einer 1564 geborenen Person aus Stratford on Avon River Thames, die analphabetisch lebte, keine weiterreichende Bildung erworben hatte und in weiten Teilen in der normalen geschichtlichen Versenkung lebte und blieb, bis heute.

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Die Shakespeare genannten Werke können von jenem Shakespeare nicht geschrieben worden sein!

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Egal – wir feiern den Geburtstag auch ohne die Texte zu lesen. Dietmar Moews hält sich neben den anspruchsvollen Origaltexten in Shakespeare-English an die bei Winkler erschienenden Schlegel-Tieck-Übersetzungen aus der Goethezeit.

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Wer sich dafür interessiert, greife zu Kurt Kreiler „Der Mann, der Shakespeare erfand. Edward de Vere Earl of Oxford“, Insel Verlag 2009.

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Kreiler konstruiert den Earl of Oxfort als Autor der berühmten, schon zu seiner Zeit sensationellen Shakespeare-Dramen, Sonette und sonstige Texte.

Da die Autorenschaft unter dem Namen Shakespeare noch lange über den Tod der damaligen Adepten verschleiert geblieben war, sind heutige, geradezu kriminalistische Rekonstruktionen natürlich mutmaßlich. Es kommen, weniger plausibel, noch zwei drei andere oder überhaupt mehrere Autoren für das Lable Shakespeare in Betracht, doch nur der Oxford scheint mir der Passende. Natürlich stimmt der Geburtstag dann nicht – der Edward de Vere lebte von 1550 bis 1604. Von ihm stammte auch das Pseudonym William, der Eroberer, und Shakespeare, der Speerschwinger.

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Mich überzeugen wesentlich der gesamte biografische Lebensaufbau des Oxford. Edward de Vere hat nachweislich und detailliert belegt nämlich das gesamte gebildete Europa seiner Zeit bereisen müssen/dürfen, also den Giordano Bruno, Dante, den Michel de Montaigne rauf und runter, von dem damaligen Kulturkanon, wie später Diderot oder Goldoni. Und Menschen seines Standes, am Londoner Hof, war literarisches Publizieren unmöglich, nämlich strengstens verboten.

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Die Shakespeare-Stücke sind voll des abendländischen Wissens, das ein bücherloser Willy in Stratford nicht kennen konnte.

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Wir vergessen nunmehr die Texte, aber erinnern den Geburtstag des Falschen am Tag des Bieres – PROST.


IT-Soziologie für Prosumenten in Lichtgeschwindigkeit 423

Juni 25, 2010

LICHTGESCHWINDIGKEIT 423

Der Vollweise der FAZ 5 und Kommentar aus Sicht der

IT-Soziologie zur Medienlage von dem Künstlergelehrten

Dr. Dietmar Moews – live und ungeschnitten – muss auch immer

die Werte der Primaten berücksichtigen: Offenheit, Transparenz,

Freiheit, Piraterie und Rechtsstaatlichkeit, aus Globus mit Vorgarten

Berlin Pankow, am Montag, 21. Juni 2010, mit Frankfurter

Allgemeine Zeitung vom 15. Mai 2010, und vom 16. Juni 2010,

dazu Hans Stilett: Wanderungen durch Montaignes Welten, Bild.de,

dradio.de, Piratenpartei Deutschland.de, RP.de, heise.de, ARD,

ZDF, DLF,

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Piratenthema hier: Rationale Konfliktkultur und die Kritik der

Urteilskraft in klaren Antinomien, nach Immanuel Kant, wie

Ralf Dahrendorf ausführte; der VOLLWEISE Peter KRUSE (Edo

Reents in FAZ 111) spielt den falschen Propheten für die

IT-Gemeinde und und bietet gewissen Anschluss an den Pyrrhon

nach Michel de Montaigne.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. Juni 2010, S. N3,

Manuela Lenzen: Was dürfen wir im Netz hoffen?:

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Informationsethik ist eine neue Teildisziplin, erfordert von

den neuen Möglichkeiten des Netzes. Tritt das „verschmierte

Selbst“ an die Stelle des alten? … aus Ansätzen der

Bibliotheksethik und Ethikkodizes mit den Informationstech-

nologien befasster Berufsgruppen entwickelt. Ihre Vertreter sind

sich einig, es mit einem ganz neuen Phänomen zu tun zu haben.

Hier geht es nicht einfach um eine Ausweitung der klassischen

Medienethik, denn das Internet ist längst nicht mehr in erster

Linie Informationsquelle. Web 2.0 oder Social Media stehen

vielmehr für einen Marktplatz der Kommunikation und Interaktion.

Konsument und Produzent sind Im Internet längst zum

Prosumenten verschmolzen, der ebenso einstellt wie herunterlädt. ..“

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Dietmar Moews meint: So ist es Müll, denn Konsumtion ohne

Produzenten ergibt nichts, außer Geräusche. Die Prosumtion ist

ein Irrglaube. Eine prosumtive Produktion kommt nicht zustande,

wenn kein Produzent Qualität hineingibt, wenn nur Konsumenten

daran nuckeln und Prosumtionsgeräusche machen. Hier sehen wir

Peter Kruses Verkehrung von Anbieter und Nachfrager, Kruses

Behauptung: Versuche es nicht mit Expertengremien, Aufschaukelung,

ohne individuelle Anstrengung. Man muss nur fröhlich mitmachen

und die Macht ergreifen. Der Nachfrager wird stark, der Anbieter

schwach. Dieses What Next von Kruse bei Re:Publica 2010 ist

Unfug, denn: Man kann sich an einen Tisch setzen und schmatzen.

Wenn keine Produzent gekocht hat, werden die Konsumenten

vertrocknen und verhungern. Dies ist der sozio-geistige Grund,

warum Liquid-Feedback-Tools nicht als Honigsaugmaschine

geistige Ergebnisse hervorbringen können.

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Pyrrhon bei Montaigne und Stilett: „Pyrrhon und andere Skeptiker …

inwieweit unser Vermögen ausreiche, die Schwierigkeit der Dinge

zu erkennen und zu beurteilen, verlange ein großes, ein

außerordentliches Wissen, und sie bezweifeln, dass der Mensch

es je erwerben könne./ Die Unwissenheit, die sich kennt, über

sich zu Gericht sitzt und sich verurteilt, ist in der Tat keine

völlige Unwissenheit; um es zu sein, dürfte sie nicht wissen,

dass sie nichts weiß. Deshalb lautet das Urteil der Pyrrhonisten:

keinen festen Standpunkt beziehen, zweifeln und nachforschen,

nichts als sicher betrachten und für nichts einstehen. … Jene

geistige Einstellung der Pyrrhonisten, gradlinig und unbeirrbar,

mit der sie alle Dinge zur Kenntnis nehmen, ohne ein Urteil

darüber abzugeben oder sie für wahr zu halten, ebnet ihnen den

Weg zur „Ataraxie“, einer friedsamen und gleichmütigen Lebensweise,

frei von den Erregungen, die unser Meinen und das Wissen, das wir

von den Dingen zu haben wähnen, in uns auslösen … was nun das

tätige Leben angeht, sind die Pyrrhonisten allen anderen gleich.

Sie folgen ihren natürlichen Neigungen sowie dem Drang und

Zwang der Leidenschaften und halten sich dabei an Gesetz und

Ordnung, an den Brauch und die kulturelle Tradition „Nicht dass

wir die Dinge ergründen wollte Gott, sondern dass wir sie nutzen.“

So lassen sie ihr übliches Tun durchaus von ihnen leiten, nur eben

ohne Meinung und Urteil.“

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Montaignes Frage, im Anschluss des Nichtwissens lautet:

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Was weiß ich?

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Und ich weise auf Immanuel Kants „Ding an sich“ hin. Uns

Menschen reicht, zu wissen, dass wir das Ding an sich nicht

wissen können, uns reicht unser menschliches Ding. Was

soll uns Menschen das „Ding an sich“? Es reicht das

menschliche (menschlich beschränkte Ding), die

sprachliche Orientierung dazu, die Kritik der Urteilskraft,

das Argumentieren in klaren Antinomien, statt in Hegels

schwimmender Dialektik.

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Hier ist die rationale Konfliktkultur, auch bei Ralf Dahrendorf,

wir können ohne letzte Wahrheit Plan B, unterschiedliche Ziele,

Wege und verschiedene Strategien rational aushandeln. Wir

können eine Aushandlung verifizieren und falsifizieren. Und

wer es nicht  kann, soll Kant und Hannah Arendt studieren.

Produktion, Idee, Autor, Direktion, Dr. Dietmar Moews;

Aufnahmetechnik und Admin, Piratencrew Berlin;