Goya und Goethe die beiden Repräsentanten

März 30, 2021

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am Dienstag, den 30. März 2021

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Der Todestag des spanischen Hofmalers Francisco de Goya jährt sich. Genau wie sein Geburtstag – jedes Jahr. Goya wurde am 30. März 1746 in Aragon in Spanien geboren. Goya wurde in höchster Anerkennung seiner Zeit als Maler in Spanien beachtet. Als Hofmaler malte er die Königinnen und Könige der Bourbonen vergleichsweise ungeschönt (man mutmaßt, diese Leute seien noch weit häßlicher gewesen als Goyas Abbildungen). Goya starb 1828 in Bordeaux.

Ich möchte hier einen ebenfalls weltberühmten Mann anfügen, dessen Genie europaweit höchste Anerkennung seiner Zeit als Dichter und Denker zugewiesen erhalten hatte. Goethe war höchster politischer Beamter des, verglichen mit Spanien, marginalen deutschen Herzogtums Sachsen-Weimar.

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Dietmar Moews meint: Goethe diente einem ungleich aufgeklärteren Adelshaus als es Goya in Madrid durfte. Goethe musste keine Reimgedichte auf die Damen des Hofes machen, sondern durfte sich seiner eigenen künstlerischen Expansion hingeben, Theater, Theaterstücke, Sinngedichte, Romane und vieles noch, auch Zeichnungen, Reisebeschreibungen. Goyas nackte Maja hätte dem Goethe auch angezogen gefallen. Und besonders die Verbindung der beiden Bildtafel mit Scharnieren zum Klappbild hätte Goethe sicher auch zu einem Klapproman angeregt. Goethes „Bergschluchten“ in Faust hätte den spät fastbürgerlichen Goya als Emigrant in Frankreich auch sehr angesprochen – gerade wo Goethe Erotik in Pornografie kippen lässt.

Goya hatte sich über den ästhetischen Hofstiel von höfischem Bildnisgebrauch zu stellen. Erst im Alter nahm sich Goya die Freiheit Menschlichkeit und die Bitternis über Menschenschinderei zu malen. Es entstanden schnell gemalte Groß-Pinselskizzen mit schwarzer Farbe, entsprechend lange Reihen von Zeichnungen bzw. und Radierungen – immer wieder „Die Schrecken des Krieges“. Mit diesen hingehuschten Gefühlsbildern wurde Goya – rückblickend – zu einem Vorläufer der Romantik, aber auch der Moderne, besonders auch für den Andalusier Pablo PICASSO, der für Goethe nichts übrig hatte.

Goethe, geboren 1849 in Frankfurt am Main, starb 1832 in Weimar, war als Zeitgenosse Goyas doch in einen ganz anderen sozio-politischen und sozio-kulturellen Rahmen geworfen. Aber Goethes Emporkömmlingstum schlägt insgesamt durch, wenn man Goethes Abseiten gegenüber Schiller zu verstehen versucht, und dann zugespitzt auf den Mephisto im Faust – der Geist, der das Böse tut und dabei auch Gutes mitbewirkt – näher betrachtet. Es fehlt dieser Goethesicht – ohne Erbsenzählerei – zur dialektischen Teufelei doch auch die dialektische Gegenseite: Gott, der Geist, der das Gute tut und dabei auch Böses mitbewirkt (wenn er nicht mit Thomas von Kempen das Böse ohnehin veranstaltet).

Insgesamt lässt sich unser Goethe ziemlich läuterungsbedürftig dastehen, während man Goya wohl zumindest eine philosophische Ernüchterung anerkennen muss. Über Goyas Neigung zum Rotweintrinken ist nicht so viel bekannt, wie bei Goethe, der sich die ältenden Damen schön trank.

Goya und Goethe – zwei Zeitgenossen – die wenig für einander übrig hatten, und dennoch heute in der angemaßt aufgeklärten Dekonstruktions-Narrationswelt überhaupt nichts neben sich gestellt sehen.

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Ja, und was hat Goya mit dem Goya-Institut zu tun?

Und was hat Goethe mit dem Goethe-Institut zu tun?

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Der Weisheit letzter Schluss

April 19, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4314

am 19. April 2014

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:

Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,

Der täglich sie verdienen muss.

…“

aus J. W, Goethe, Faust Zweiter Teil, Fünfter Akt, Großer Vorhof des Palasts

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Das Zitat – es spricht Faust mit Mephisto – steht in Zeile 11575 und geht weiter bis Zeile 11588:

Und so verbringt, umrungen von Gefahr,

Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr.

Solch ein Gewimmel möcht‘ ich sehn,

Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.

Zum Augenblicke dürft‘ ich sagen:

Verweile doch, du bist so schön!

Es kann die Spur von meinen Erdentagen

Nicht in Äonen untergehn. –

Im Vorgefühl von solchem hohen Glück

Genieß‘ ich jetzt den Augenblick.

(Faust sinkt zurück, die Lemuren fassen ihn auf und legen ihn auf den Boden)

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Mephistopheles (erwidert)

Ihn sättigt keine Lust, ihm g’nügt kein Glück,

So buhlt er fort nach wechselnden Gestalten;

den letzten, schlechten, leeren Augenblick,

Der Arme wünscht ihn festzuhalten.

…“

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Bild

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Dietmar Moews meint:

Beim vielfachsten Lesen des Faust, über Ostern, nachdem der Handlungsfaden bzw. die metaphysischen Dimensionen angeklungen und abgeklärt sind, erstaunt mich noch immer und erneut, das Goethes Faust nebenbei – oder in der Wirkung im Sprechen der Deutschen (die meist Faust gar nicht kennen) – eine reiche Sammlung von geflügelten Worten ist.

Und losgelöst von Goethes Bedeutungsspielen werden diese Kernsätze wie, Verweile doch, du bist so schön“, als Sprichworte und Volksweisheiten bzw. Losungen, Beschwörungen und Stoßgebete dahergesprochen, ohne dabei den Bedeutungszusammenhang, den Goethe im Faust vorgab, zu berücksichtigen.

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So ist „Verweile doch, du bist so schön“ ein Satz, der gelegentlich als Floskel in der deutschen Sprachgewohnheit dahergesagt wird, wenn der Sprecher ausdrücken will, es sei ihm das Lebensgefühl gerade schön. Während in Goethes Faust-Dialog von „Grab graben“ und im Sinne von „Weisheit letzter Schluss“ die Aussage weniger auf „Weisheit“ des Faust liegt als auf „letzter Schluss“, der Erwiderung des Mephistopheles.

Wenn Goethe den Doktor Faust hier ausrufen lässt: Freiheit erobern! – dann ist das angesichts der das Grab grabenden Lemuren ein Ausruf: „Verweile doch, du bist so schön“, der ziemlich genau ungeeignet sein müsste, in besonders schönen Momenten davon Goethes Worte zu machen.

Wir sehen: Das kümmert niemand groß. Ob Goethe oder Flöte – wer vor Vergnügen quietscht, benutzt dazu Worte, wie er will.