Rosenmontag-Züge bei Sonne und Wind im Staatsfernsehen

Februar 8, 2016
Lichtgeschwindigkeit 6242

Vom Montag, 8. Februar 2016

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Commedia del ARTE

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Karneval in Deutschland ist eine Wintersportart. Witterungs-Unbillen sind am Niederrhein lebendige Humorquellen.

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Seit den 1960er Jahren gehören die Fernseh-Livereportagen, bereits zu Schwarz-Weiß-Zeiten zu den allrosenmontäglichen Vormittagsfreuden der deutschen Hausfrau. Meist konnten die Straßenkarneval-Umzüge aus Köln, Düsseldorf und Mainz in Konferenz übertragen werden.

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Dieses Jahr, 2016, mussten die Verantwortlichen viele Rosenmontagsumzüge im letzten Moment stoppen und absagen:

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Orkan, Sturm und Schrecken waren vorhergesagt. Von Recklinghausen bis Essen konnte im Saale und am Fernsehgerät gefeiert werden, die Umzüge fielen aus.

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Für die karnevalsfernere TV-Kundschaft war das auch eine große Enttäuschung. Bereits am Samstag war der Orkan angekündigt und die Sicherheitsbedenken laut ausgesprochen. Nur Köln widersprach und sagte „Sicherheit auf Sicht“ an.

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Der einzige große Rosenmontagszug der diesjährigen Session fand nun heute in Köln tatsächlich statt. Man hatte alle fliegenden Teile, Fahnen und Aufbauten, Großfiguren und – leider – die gesamten Pferdeherde, die aus aller Herren Länder angekarrt wird, aus Österreich und Sonstwo, musste wegen der Wetteraussichten gestrichen werden.

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Dann kam „de Zooch“ – ab 10 Uhr mit Täterä durch den Severins-Torbogen am Chlodwig-Platz in der Kölner Südtstadt. Die emsige Vorfreude der Karnevalisten ist überhaupt nicht zu beschreiben, weil es eine wochenlange soziale Intensivkur ist, die sich durch feiern und Musik äußert, die in Wirklichkeit eine Hochzeit ist.

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Der WDR hatte in Köln eine eigene Fernseh- und Rundfunk-Technik an mehreren Positionen installiert, auf dem Severins-Torbogen, wieder am Severins-Kirch-Platz völlig fatal platziert, sowie am Dom, und das entsprechende Reportage-Personal losgeschickt. Alle anderen Umzugsorte waren gestoppt.

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Schade um die interessanten und intelligenteren Motivwagen die traditinell in Düsseldorf gebaut werden – auch Mainz hat immer „Määnzer-Fassenacht-Umzugsattraktionen mit Geist – nur in Köln, wo sich die Karnevalisten lieber selbst zeigen, als die Diskussionen um künstlerische und politische Werte zu führen, blieben mit ihren „Persiflage-Wagen“ übrig:

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Der 1. FC Köln, der inzwischen auch als Kölner Karnevalsverein figuriert, fährt im Umzug mit, mit einem roten Mannschaftswagen – na toll.

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Der Sturm tobte nicht, a sunny day, Hochdruck, kein Gewitter – Köln hatte einen windvorbeugenden „Zooch 2016“, die Reitergarden gingen zu Fuß oder mit Steckenpferden – es war eine gelungene ROSENMONTAG-Feier, mit blendender Sonne und nur drei Tropfen Regen. Zumindest zeigten die Düsseldorfer die schönen Wagen in der Altstadt aufgestellt, trotz Wind, Regen und auch Sonne, wo gefeiert wurde.

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Dietmar Moews meint: Der schöne Pferdegeruch, der alljährlich in der Mainzer Strasse von den hunderten Gästepferden, die hier, gegenüber, in der Fachhochschule über Nacht eingestellt werden, fehlte – genau wie die ganzen Pferdeäpfel.

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Doch hier immer nach dem „marxistischen Grundsatz“: „WER MACHT, BESTIMMT“ – „wer die Arbeit macht, dem gehören die Produktionsmittel“ (das ist ähnlich wie, „wer zahlt, bestimmt die Musik“), freue ich mich, den frohen Kölnern und ihren Gästen zuzuschauen.

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Was hier heute das WDR-Fernsehen am Rosenmontag, 8. Februar 2016, geboten hat, war technisch skandalös (fast würde ich sagen, „typisch Frau am Steuer“):

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Am Severinskirche-Platz, wo die Sprecherkabinen und Zuschauertribünen aufgebaut waren, hatte man dieses Jahr experimentiert. Es wurde zwar nicht erklärt, warum. Aber die idiotischen Kamerapositionen 2016 schauten in die Sonne – grelles Gegenlicht – und hätten mindestens fünf Meter mehr Abstand zum Zooch gebraucht. Unmöglich, unmittelbar vom Straßenrand einen passierenden Motivwagen mal als Ganzes ins Bild zu kriegen. Nicht einmal seitlich aufgemalte Persiflage-Texte waren zu überblicken oder sogar mit der Wagenkunst zusammenzuerkenne – das war größter Mist und würde für den Filmstudenten nicht fürs nächste Semester reichen.

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Es befanden sich die Kameras unmittelbar an den engsten Stellen am Umzug, keine Übersicht oder Weitsicht  – kurz, man konnte aus all den  Kamera-Nah-Blicken überhaupt nie mehr als die dichtest vorbei latschenden Karnevalisten anschauen. Ein Close-Up jagte das nächste. Dazu subjektive tragbare Kameras und Reporter. Dazu Bildschnitte, die sich nicht ums Kommentatorengerede kümmerten – nennen wir es dümmliche Verlebendisierung eines Schnittsalates.

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Zu allem Überdruss, der vorwitzige aber leider nicht witzige Guido Cantz aus Porz. Der spulte als WDR-Kommentator in der Kabine seine öden Arschkriechereien herunter. Jeder Promi, der gar nicht Bild war, wurde von Guido promoted, Alfred Biolek, Bittencourt, Thomas Gottschalk, dazu die reizenden Kollegen beim WDR und er selbst, Guido – nur merkte der anscheinend wenig davon, dass seine TON-BILD-SCHERE eine Qual für den Zuschauer wurde, während er aus seinem Leitzordner vorlas..

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Wie schön machte das doch der Kölsche WDR-Karnevalist Gisbert Baltes. Den ich seit der Braushausnacht vermisse – vom Düsseldorfer Fußball-Karnevalkommentator Manni Breuckmann ganz zu schweigen. – Denn – was dieser Guido von Oben sah, den ankommenden Zug von Chlodwig-Platz her, hatten die WDR-Kameras mangels Weitblick nie im Bild.

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Da wäre dem Anfänger schon mal vom Regisseur nachzusteuern gewesen, der Hinweis, gefälligst die Monitore zu beachten, weil was nicht im Bild ist  sonst keiner verstehen kann. So laberten und sangen sich die beiden Kabinen-Spaßvögel durch die Übertragungs-Stunden, aber kein einziger Motivwagen war auch nur einmal im Gesamtbild gesehen worden: EINE QUAL in DAUER-CLOSE-UP mit Scheren-Gerede. Bitte, nie wieder.

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Eine unglaublich eindrucksvoll hochglänzende schwarze Riesen-GONDEL der venezianischen ART, auf dem Wagen, die Damenwelt leicht Strüßje zwinkernd.

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Dann der nächste – die zwei hellblaue Figuren von HINTEN mit VW Emblem verziert – Guido erklärte für Kölsche: V iele W eiber – dann kam ein Kasten mit Verkleideten drauf, die Kamelle und Strüüßje warfen, da stand dran: FORD-BILDUNG.

War das nun FORD-Reklame? FORD-BILDUNG mit VW-Schülern.

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Bei SEPP BLATTER kam es dann noch „kritischer“ – (wer es verstand, war selig) und mit der OB IN-Beschriftung, eines grünen Wagens, sollte die neue (parteilose) Oberbürgermeisterin Henriette Reker akzentuiert werden – an ALLES würde jetzt das IN angehängt.

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Und Guido trat dem EX-OB Roters nach: „Der Roters habe sich ja verdrückt“. Nicht viel später kam dann eine Rote-Prinzengarde-Kutsche, obendrauf JÜRGEN ROTERS persönlich – und GUIDO: AH, DA ist ja auch der EX-Bürgermeister, Jürgen Roters, und alle winken sich zu“:

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ET JITT KEI WOOD – wenn ich an mein Kölle denk‘.

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