Martin Böttcher 1927 – 2019 Kurznachruf

April 22, 2019

Lichtgeschwindigkeit 9147

am Dienstag, den 23. April 2019

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Martin Hermann Böttcher wurde am 17. Juni 1927 in Berlin geboren und ist jetzt 91-jährig, am 20. April 2019, nahe Rendsburg in Schleswig-Holstein gestorben. Böttcher war Musiker als Gitarrist, Film- später auch Fernsehspiele-Komponist, Dirigent und Arrangeur, besonders bekannt durch seine Musik für Arthur Brauners Karl-May-Verfilmungen, insbesondere die „Winnetou-Melodie“.

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Martin Böttcher hinterließ Frau Anneliese (86). Die Böttchers waren 64 Jahre verheiratet, hatten zwei Töchter. Betsy (61) und Schwester Rebecca starb 1991 mit 26 an Leukämie.

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Pseudonyme: Michael Thomas, Renardo, Böttcher verfasste in einem Zeitraum von über 60 Jahren die Musik zu mehr als 50 Kinofilmen und 300 Fernsehproduktionen (Anm. DM verschiedene Quellen). Große Bekanntheit und Charterfolge erlangte Böttcher in den 1960er-Jahren durch seine Musik zu den Karl-May-Verfilmungen.

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Martin Böttcher war Urenkel eines Weimarer Hofkapellmeister und erwarb schon früh durch Klavierunterricht musikalische Kenntnisse. Zunächst wollte er indes Pilot werden. Knapp 17 Jahre alt, wurde er im Krieg bei der Luftwaffe ausgebildet. Zu einem Einsatz kam es aber aus Mangel an Treibstoff nicht mehr. Während der Kriegsgefangenschaft gelang es Böttcher, eine Gitarre zu organisieren und autodidaktisch das Gitarrenspiel zu erlernen. Wegen eines Unfalls mit Schädelbasisbruch und Gehörnerv-Quetschung war Martin Böttcher auf dem linken Ohr taub.

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Bis in die renommiertesten deutschen Bigbands spielte Martin Böttcher Gitarre – unter Alfred Hause und Franz Thon im von Willi Steiner neu formierten Tanz- und Unterhaltungsorchester des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks, das selbst im Big-Band-verwöhnten England mit Hochachtung erwähnt wurde. Nebenbei eignete sich Böttcher sein musikalisches Rüstzeug bei Generalmusikdirektor Richard Richter und auf dem Gebiet der U-Musik bei Kurt Wege an. Auch spielte er in den kleinen Besetzungen von Kurt Wege und Günter Fuhlisch, bei Benny de Weile und Helmut Zacharias.

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Dank Produzent Artur Brauner debütierte Böttcher 1955 mit der Musik zur Militärsatire Der Hauptmann und sein Held. Seine zweite Filmmusik schrieb er zu einem Meilenstein des deutschen Films der Nachkriegszeit: Die Halbstarken (1956) von Georg Tressler, in der Hauptrolle Horst Buchholz. Es spielte seine eigens hierfür gegründete Formation Mister Martin’s Band, in der Musiker wie der Klarinettist Fatty George, der Vibraphonist Bill Grah, der Posaunist Ernst Mosch und, noch als „Hans Last“, der Bassist James Last mitwirkten.

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Für Hans Albers schrieb Martin Böttcher drei Lieder in 13 kleine Esel und der Sonnenhof (1958), ebenso die Musik für Heinz Rühmanns Pater Brown -Filme Das schwarze Schaf und Er kann’s nicht lassen. In Max, der Taschendieb fand die zuvor unter dem Pseudonym „Michael Thomas“ geschriebene und nach kurzer Zeit weltberühmt gewordene Melodie Hawaii Tattoo Verwendung, die später auch in die amerikanischen Billboard-Charts aufstieg.

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Daneben schrieb Böttcher Chansons für Francoise Hardy, Romy Schneider, Peggy March, Elisabeth Flickenschildt und andere.

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Unter namhaften Projekten komponierte Böttcher zu 13 Teilen der Serie Es muss nicht immer Kaviar sein mit Siegfried Rauch, 1994 zu 26 Teilen der Serie Air Albatross oder für diverse Episoden von Der Alte und Derrick, z. B. die Salzburg-Melodie aus der Derrick-Episode Ein Koffer aus Salzburg von 1975. Böttcher komponierte seither regelmäßig für Fernsehserien, zuletzt für Pfarrer Braun mit Ottfried Fischer. Insgesamt schrieb Böttcher die Musik zu 56 Spielfilmen und rund 400 Fernsehspielen und -serien.

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Die Original Soundtracks wurden in den 1960er-Jahren bei Polydor herausgegeben und kosteten jeweils ein Heidentaschengeld. Jetzt gibt es die originalen fünf Polydor-LPs zu einem Bruchteil des Betrages, ohne Knistern und digital remastered auf drei CDs bei Universal.

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Die große „Karl May Soundtrack-Box“ mit dem Orchester Martin Böttcher enthält die Titel:

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Winnetou 1. Teil / Der Schatz im Silbersee (1963) im originalen MONO-Sound (da gibt’s leider nix anderes, seufz)
Unter Geiern / Winnetou 2. Teil (1964) Stereo
Der Ölprinz / Winnetou 3. Teil (1965) Stereo
Winnetou und das Halbblut Apanatschi / Old Surehand (1966) Stereo       und
Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten (1969) Stereo

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Martin Böttcher erhielt eine enorme Anerkennung durch Ehrungen und Orden.

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