Hellmuth Karasek 1934-2015 – Kurznachruf

September 29, 2015
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Vom Dienstag, 29. September 2015

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Am 29. September 2015 ist der deutsche Literaturkritiker und Schriftsteller Hellmuth Karasek, geboren am Januar 1934 in Brünn, Mähren, Tschechoslowakei, 81-jährig in Hamburg gestorben.

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Hellmuth Karaseks Familie floh vor dem Stalinismus nach Bernburg/Saale bei Magdeburg, damals sowjetisch besetzte Zone, wo er von 1948 bis 1952 die Schule besuchte, das Abitur machte und anschließend in die Bundesrepublik wanderte. Sein Studium der Germanistik, Geschichte und Anglistik an der Eberhard Karls Universität Tübingen schloss er mit einer Promotion zum Dr. phil. ab.

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Fortan arbeitete Hellmuth Karasek als Journalist bei der Stuttgarter Zeitung, war kurze Zeit Dramaturg am Württembergischen Staatstheater Stuttgart, dann Theaterkritiker für die Wochenzeitung DIE ZEIT, anschließend viele Jahre Kulturchef bei der Wochenzeitung DER SPIEGEL, bald auch Mitherausgeber der Berliner Tageszeitung DER TAGESSPIEGEL, später noch Autor bei diversen Blättern des Axel-Springer-Verlages, wie BILD und WELT.

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Prominent wurde Hellmuth Karasek durch seine jahrelange Mitwirkung bei der Literatur-Talkshow im ZDF-Fernsehen „LITERARISCHES QUARTETT“, wo Hellmuth Karasek unter der Leitung von Marcel Reich-Ranicki seine Interessen und Kompetenz im deutschen Literatur-, Theater- und Filmbetrieb bewiesen hat.

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Hellmuth Karasek ist, neben den bereits verstorbenen deutschen Literatur-Funktionären Theodor W. Adorno, Marcel Reich-Ranicki, Fritz J. Raddatz, Günter Grass und Bernt Engelmann, zu den Insidern des deutschen Literaturbetriebs und der Organisation der Umerziehung der Deutschen nach 1945 zu zählen.

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Laut BILD / Korzdörfer, vom 30. September 2015, starb Hellmuth Karasek am Abend des Dienstag (Notruf etwa 22 Uhr) an Ermüdung durch Krebsauszehrung.

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Dietmar Moews meint: Ich habe den jetzt verstorbenen Hellmuth Karasek als grundfreundlichen und witzigen Menschen vor Jahren in Berlin persönlich kennengelernt, der Argumente erkennen und gelten lassen konnte.

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Jürgen Kaube hält seine Börne-Preis-Dankesrede über „Zeitschriftsteller“

Juli 14, 2015
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vom Dienstag, 14. Juli 2015

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Heute berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung über den Börne-Preis-Träger 2015, Mitherausgeber und Redakteur der FAZ, Jürgen Kaube.

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Jürgen Kaube hielt seine Preisträger- Dankesrede, die ich hier kritisiere. Vorher zur Situation:

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In Brüssel wird über den Schwarzen Peter und das verhuschte Milliardenspiel disputiert. Die Verkaufszahlen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind rückläufig. Der geistige „Mentor“ der FAZ – die USA – schwächeln weiter mit Misserfolgen und Legitimationshängern durch Bürgerkrieg auf den Straßen in den Vereinigten Staaten und durch IT-Herrschaft in allen Farben der Unfreundlichkeiten auf dem Globus.

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Da hat nun Jürgen Kaube seinen Börne-Preis erhalten und vor vollbesetztem Saal seine Dankesrede vorgetragen. Hier liegt der am 13. Juli 2015 im Feuilleton der FAZ, Seite 11, abgedruckte Redetext vor, der

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Wie man die Gegenwart erfasst. Börne, Hegel und die Neuigkeiten: eine Dankesrede anlässlich der Verleihung des Ludwig-Börne-Preises / Von Jürgen Kaube“ überschrieben ist.

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Ein solcher Preis muss möglichst gut geführt werden, Beachtung erheischen, brillante Juroren und bedeutende Preisträger küren, epochale Dankreden hervorbringen lassen, eine aufblitzende Stunde der Geschichte erzeugen.

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Im DLF hieß es dann zu Börne / Diner / Kaube:

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Der Historiker Dan Diner, von der Ludwig-Börne-Stiftung in diesem Jahr als alleiniger Juror bestellt, lobte Kaube vor allem für seine Max-Weber-Biografie. So dass es ein Vormittag der Leseempfehlungen, der Empfehlung zum Lesen war. Auch wenn die Wissenschaft selbst Erfinderin schönster Schlagworte ist, ist das vernünftig und sinnvoll.“

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Mit Dan Diner hatte man einen Israelpropagandisten, der sich auf nicht mehr herbeilässt, als das „Recht auf Leben“ anzuerkennen (wie ich kürzlich bei der Fritz-Thyssen-Stiftung in Köln von ihm hörte), damit aber persönlich keine politische oder moralische Position übernehmen oder verantworten möchte.

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Es ist Diner also ein „Windhund“, der Kaube zum Preisträger kürte.

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Der alleinige Preisrichter und Laudator, der Historiker (Professor für Hebräisches in Leipzig und Israel), auch in der Frankfurter Rundschau heute von Judith von Sternburg berücksichtigt:

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Dan Diner würdigte Kaubes herausragendes schriftstellerisches Vermögen, „die wissenschaftliche Kultur von Geist und Sache in luzider Klarheit und begriffsnaher Zuspitzung in den öffentlichen Raum zu tragen“. Kaube sei ironisch urteilend der Tradition der Aufklärung verpflichtet.“

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Ein Beispiel für die warmen Attributierungen brachte Dan Diner nicht – und brachte auch Frau von Sternburg nicht. So darf sich jeder Zuhörer denken, was ihm einfällt: Toll.

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Vorherige Preisträger sind Peter Sloterdijk, Joachim Gauck und Marcel Reich-Ranicki.

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Der Journalist und Buchautor Jürgen Kaube bekommt in der Frankfurter Paulskirche den Ludwig-Börne-Preis und plädiert für einen belesenen, reflektierten Journalismus.

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FR, am 13. Juli 2015, gibt Judith von Sternburg eine solide Inhaltsangabe des Redauftrittes Jürgen Kaubes in der Frankfurter Paulskirche:

Journalismus sei Zuschauen als Beruf, sagte Jürgen Kaube, ein von ihm am Rande ausgesprochener Satz, eine Binsenweisheit aber bloß auf den ersten Blick. Namentlich Journalisten selbst muss er brennend interessieren in seinem deutlich aus der Mode geratenen (und auch nie wirklich in Mode gewesenen) Purismus und in seiner Bescheidenheit.

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Kaube, 1962 in Worms geboren, ist seit Anfang des Jahres der für das Feuilleton zuständige FAZ-Herausgeber, als Nachfolger des 2014 verstorbenen Frank Schirrmacher, an den am Sonntagvormittag in der Frankfurter Paulskirche auch mehrfach erinnert wurde. Schirrmacher war sowohl Juror als auch Preisträger des Ludwig-Börne-Preises, dessen gelegentlich inzestuöser Reiz sich ja doch eher im Kontrast zum „Zuschauen als Beruf“ aus einer regen Mitgestaltung durch Journalisten ergibt.

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Kaube, der 21. Träger des mit 20 000 Euro dotierten Preises, interessierte sich in seiner Dankesrede für die Frage, wo all die Neuigkeiten herkommen, von denen der Tagesjournalismus lebt und die zur Überraschung Karl Valentins immer genau auf eine Zeitungsseite passen. Kaube konnte zu Recht fragen, ob wirklich inzwischen noch viel mehr los sei, wie es das Internet durch stündliche, minütliche neue Nachrichten nahelege. Dies ist natürlich nicht (selten) der Fall, stattdessen ergebe sich diese etwas aufgeregte Gemengelage aus einer (schon von Thomas Hobbes diagnostizierten) allgemein menschlichen Fixierung auf das, was sich verändert.

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Der Begriff „Zeitgeist“, daran erinnerte Kaube, war bei Herder noch die „langanhaltende Kraft der Tradition“.

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Was macht damit der Journalist, den wir uns weiterhin als Zuschauer vorstellen möchten, auch wenn sämtliche genannte Beispiele ihn mittenmang im Getümmel der immer wieder neuen Etiketten zeigen? Kaube erinnerte daran, dass just im Jahr 1818, als der auch nicht nur zum Zuschauen neigende Journalist Börne seine Zeitschrift „Die Waage“ gründete, der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel seine Antrittsvorlesung in Berlin hielt: zwei ambitionierte Unterfangen, die Gesellschaft zu begreifen. So habe man hier den, der „die Aussagen der Zeit zu erlauschen“ und zu erzählen versuchte (Börne) und dort den, der die Zeit „erkennen“ wollte (Hegel).

Die Gegenwart, so Kaube, könne nur verstehen, wer weder vor ihr fliehe, noch ihr ausgeliefert sei. Um ihr nicht ausgeliefert zu sein, brauche der Mensch Begriffe statt Schlagworte. Diese Begriffe könnte sich der an dieser Stelle nicht mehr nur zuschauende, sondern auch lesende Journalist aus eben jener Wissenschaft holen, der schon wegen immanenter Unverständlichkeit die Durchschlagskraft fehle. Es sei die Wissenschaft, die dem Journalisten, Zuschauer, Leser helfen könne, „zu unterscheiden, was wirklich neu und was überhaupt der Fall ist“. Kein Börne ohne Hegel, kein Hegel ohne Börne, sagte Kaube.“

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Dietmar Moews und Alphons Silbermann beim Empfang im Hotel Ernst, Köln

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Dietmar Moews meint: Ich finde, Kaube ist ein gut gefundener Preisträger, weil er ein vorrangiger deutscher Publizist geworden ist – Redakteur und Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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Und Kaube ist ein hervorragender Beobachter sozialer Geschehnisse, für die er ein empirisches Urteilsvermögen entwickelt hat – vorausgesetzt, er hat in seinem Erwerbsberuf als Autor die notwendige Zeit, handwerkliche Spitzenleistung zu bringen.

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Leider hat er die Zeit zur Lektüre, durch seine Führungsaufgabe bei der FAZ, nicht mehr. Entsprechend fallen seine Texte jetzt dürftig aus (zuletzt der Habermas-Maggi-Text) – so auch diese gedruckte Dankesrede:

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Lieber Herr Kaube, Literaturanregung? Lesen Sie das Berliner Manifest von Dietmar Moews – wie konnte es geschehen, dass Sie zur Zeitschriftstellerei schreiben, dass Sie titeln: „Wie man die Gegenwart erfasst“ und keine Spur der IT-Revolution ansprechen? Keine Beschleunigung des weltweiten Neuigkeitsmarktes weisen Sie aus, die Neue Sinnlichkeit der Fernfuchtelei und des Druckes auf Redakteure ignorieren Sie. Was muss ein Redakteur auswählen und an welche thematische massenmediale Welle muss man sich anhängen?

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Ich schwäche ab – ich habe die Rede nicht live gehört – und habe Kaube andernorts bereits schon nicht so beeindruckend öffentlich sprechen erlebt – aber das Ding ist ja geschrieben, durchgetextet und gedruckt – also:

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Kaube muss nicht die Börne-Stiftung in seiner Dankesrede thematisieren. Er muss keine vorherigen oder zukünftigen Preisträger ansprechen. Er muss nicht seinen Juror, Professor Dan Diner, auseinandernehmen.

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Doch egal, wie er es anfasst: Was gesagt wird, muss stehen. Egal ob kompiliert oder angebuntet: Wort für Wort und Sätze der Bedeutung und Geltung sollten Konfekt sein und nicht nur Papphülsen oder Silberpapier.

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Die erste Hälfte seines Redetextes war beliebiges Anbunten, von Karl Valentin bis Thomas Hobbes und Stuart Mill – wo sind wir denn nun heute, Herr Kaube?

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Es gibt doch einige Sammelbegriffe, über die wir auf kurzem Weg zur Sache kommen können, wenn wir was zu sagen haben:

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EINS Vorstellungsorientierung

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ZWEI Handlungsmotivationaler Mensch,

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DREI Werte, Medien, Themen

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VIER Tradion, Abhängigkeit, Veränderlichkeit

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FÜNF und schon sind wir beim heutigen Preisträger Kaube, Autor mit Börne- und Hegelreflex im Jahr 2015.

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Kaubes Börne-Charakterisierung, „Tagebuch der Zeit – Zeitschriftsteller“ reicht zu.

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Kaubes anthropologisches Stichwort „Unruhe“, das wohl wertfrei dahergebracht worden sein sollte, ist unverbindlicher Mist: „Vorstellungsorientierung“ ist der etablierte und treffende Begriff dafür.

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Kaubes Hegel-Charakterisierung eines „Metaphysikers der Not der Zeit (1818), die er dann auch noch pejoriziert: „…Kraftanstrengung war der Erkenntnis nicht förderlich …“ – Herr Kaube das geht so nicht:

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Entweder Sie lassen Hegel wo er längst ist, in der Vergessenheit eines „absurden Idealismus“. Oder Sie nehmen Hegel in den Griff! (das geht nicht in einer Börne-Preis-Dank-Rede, wenn der Autor nicht über ausreichende Vorbereitungs-Zeit für sein komplexes umfangreiches Thema verfügen kann).

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Damit ist aber die abschließende Zusammenfassung: „Kein Börne ohne Hegel“ unhaltbarer Schwachsinn, denn der empirische Börne war eben eine Perlenkette von Zeitberichterstattung (für die Immanuel Kant nützlicher ist und gewesen wäre als Hegel, der Zeitgenosse am Katheder).

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Aber andererseits ist „Kein Hegel ohne Börne“ weder mit Max Weber noch mit Alkohol zutreffend. Denn, wer Hegel gründlich studiert, und nicht völlig verwirrt ist, wird dabei zu unterscheiden lernen, was METAPHYSIK ist, nämlich immaterielles Wertmaterial der Physik. Und wird bei intensivem Studium erkennen, was zwar bei Hegel Metaphysik genannt wird, aber unentgeltliches Herumgemache ohne sinnlichen Bezug und Geltung ist.

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Kaube ist auf das Hegel-Gerücht hereingefallen: dass bei Hegel Begriffsklärung zu holen sei – Dem ist nicht so.

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Es hilft einfach nicht, an das Namedropping der vergangenen 68er Autoren anschließen zu wollen, die unter Hektik in der Dialektik eine Kurve ihres persönlichen Traumdeutens über Ideal- und Utopiedenken, über Hegel zu Marx, gekommen sein wollten, während sie unfähig waren, Hegel als Blender und Marx als Blender zu identifizieren.

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Kein Hegel ohne Hölderlin und Schelling! – das wäre interessant, aber der Nichtsnutzigkeit Hegels wegen doch nicht relevant.

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Aber, wenn ein heutig getriebener Spitzenpublizist Kaube sich zurücklehnt und möchte nun partout was zu Börne-Hegel sagen, weil sie beide doch so schön im revolutionierten Paris und im konterrevolutionierten Berlin sich an ihrem Zipfelchen ziepelten – was läge da näher, herauszustellen, dass Börne etwas ästhetisch Bedeutendes seiner Zeit journalistisch zu fassen versuchte. Während Hegel seine Buchhaltung systematisch abarbeitete, allerdings für ein Erkennen des Anthropologischen, des Psychologischen, des Sozialen, des Soziologischen, kurz, des Politischen, überhaupt keine Sinnlichkeit fühlte, die ihm Seinsbindung hätte anraunen können.

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Was war dann der Ausruf: „kein Hegel ohne Börne?“ sollte es eine Andeutung auf hegelsches Potenzial zum Heben börnescher Orientierungsschätze sein? Oder zum Heben kaubescher Begriffs-Vorstellungen bei Hegel?

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Richtig verstanden ging es doch nicht um einen Hegel-Preis – oder wurde hier was verwechselt?

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Wie man die Gegenwart erfasst“, lieber Herr Kaube, haben Sie nicht zu sagen vermocht. Es wäre so gesehen sinnvoll, der FAZ-Überschrift ein Fragezeichen zu verpassen: „Wie man die Gegenwart erfasst?“ – und dann, meinetwegen mit Börne + Heine munter los! Das gäbe zumindest Spaß.

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Ihren Hegel kriegen Sie so nicht integriert. Und ich wüsste nicht, wie Sie, sollten wir hier gegensätzlicher, zumindest abweichender Meinung sein, mit Ihrem Vortrag einen „Meinungskampf“ kämpfen wollten, wenn ich Ihnen dabei ihre eigene publizistische Arbeit (bis Herbst 2014) entgegenhielte, einschließlich der wirklich fleißigen aber zusammenfassend nicht hinreichenden Max-Weber-Biografie. Aber dafür haben Sie Leute wie Dan Diner – und brauchen mich nicht. Ich habe Alphons Silbermann und brauche sie beide nicht:

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Wenn du das Feste löst und das Flüchtige festigst und das Geflügelte festmachst, wirst du sicher leben“, Brescia 1572.

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Bildschirmfoto vom 2015-06-13 18:44:00

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Fritz J. Raddatz 1931 – 2015 – Kurznachruf

Februar 27, 2015
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vom Freitag, 27. Februar 2015

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Der deutsche Journalist und Literaturindustrielle Fritz Joachim Raddatz ist gestorben.

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Raddatz wurde am 3. September 1931 in Berlin geboren und starb jetzt angeblich am 26. Februar 2015 in Zürich.

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Raddatz lebte ein selbstsigniertes homoerotisches Publicity-Leben, liebte, sich passend, dekorativ und hochwertig zu kleiden

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Raddatz war als Literat ein Maulwurf – d. h. er wühlte Massen von Texten ab, nach Reizwerten – der sowohl im DDR-Literaturwesen der 1950er Jahre und im dortigen Gebrauchs-“Marxismus“ gefragt war – wie auch durch den hannoverschen Marxisten Hans Mayer, die westmarxistische Propagandavariante: „MARX für die Hausfrau“.

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Als Herausgeber und Lektor bei Rowohlt brachte Raddatz einflussreiche Kompilationen der sogenannten Marx-Sekundär-Literaten.

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Durch seine rege Art schaffte es Raddatz dann, auch nicht ohne Marcel Reich Ranickis Mitwirkung, eine wichtige Stelle bei der Wochenzeitung DIE ZEIT in Hamburg zu erlangen. Seine Zeugen, Dönhoff, Kipphoff, Platschek usw. der ZEIT, sind als geistige Schlüssellöcher zum Glück längst weg –.

 

Als Raddatz Stunde bei Bucerius kam, war es tatsächlich die dümmste Intrige, die er von Karl Marx bis zum Kotzen, hoch und runter, längst kannte:

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Fritz J. Raddatz hatte in der ZEIT „vom Schrebergarten hinter dem Hirschgraben von Frankfurt am Main“ geschrieben, wo das kleine Wolfgangchen Goethen, als Nachkomme der Bürgersfamilie Textor, zum Spielen hinlief. Ja, klar, nein, natürlich gab es vor der Stadtmauer auch diese Gärten. Nur den Herrn Schreber, nachdem man die Gärten später benannte, war ein Nachkomme Goethens, kurz, Raddatz hatte den Schrebergarten Schrebergarten genannt als der noch nicht Schrebergarten heißen konnte. SO EIN FEHLER, für den man Raddatz schasste und zum Reisereporter beförderte (Herr Schütt fürs „neue deutschland“ hat der FJR-Demission mangels Wissen eine Eisenbahn für Goethe untergeschoben – tja -damit setzt man natürlich die DDR-Geschichtsschreibung fort).

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Ferner war Raddatz als Hiwi-Literatur-Doktor in den 1970ern an der technischen Universität Hannover stundenweise tätig – meist kam er einfach nicht – und daher hatten wir persönlichen Kontakt. Als die SCHREBERGARTEN-Katastrophe einschlug, schrieb ich einen öffentlichen Brief, der die Lächerlichkeit der Lächerlichkeit anprangerte! Und dass Raddatz, falls er es sich finanziell leisten könnte, überhaupt froh sein könne, den Saftladen, DIE ZEIT, nicht mehr nötig zu haben (ich selbst war etwa zehn Jahre lang Abonnent der ZEIT).

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Und da schrieb Raddatz mir mit kurzem Zettel eingelegt seine HEINE-Ein deutsches Märchen.

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Dietmar Moews meint: Schade, dass er nicht mehr da ist. Manchen Tagesskandal habe ich durch die eitle Raddatzbrille zur Probe angeschaut, um dann immer zu etwas anderen Wertungen zu kommen.

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Ich schließe mich den unbegründeten Elogen auf den Schriftleiter Raddatz überhaupt nicht an.

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Er war ein lustiger Kerl – ja, seine Heine-Kenntnisse waren profund und seine BIOGRAFIE KARL MARX empfehle ich jedem ehemaligen DDR-Marxisten zum Studium:

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Wie Helene Demuth den Karl-Marx-Sohn gebiert, den man Charles-Frederic (nach Karl und Friedrich) taufte, von Friedrich Engels der Fernadoption unterzogen, sofort einer Londoner Familie als Pflegekind überliess. Marx Ehegespons sollte das gar nicht erfahren. Nur war die, in der gemeinsamen Wohnung, zeitlich etwas vor ihrem Dienstmädchen Helene, niedergekommen. So Ehefrau Jenny Marx mit dem Tod des eigenen Neugeborenen klarzukommen hatte. Während als Marx und Engels die Theorie über die Verfügungsgewalt und Eigentum des Herstellers an seinem Werk, auch als Leibeigenschaft an den eigenen Töchtern des Vaters, entwickelten (Engels hatte ja eine Miltariasammlung, aber keine Töchter).

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Der Demuth/Marx-Sohn erfuhr angeblich erst im zwanzigsten Jahrhundert, dass Marx sein Vater war, dass Engels als Adoptivvater seinen Unterhalt gezahlt hatte (Raddatz publizierte auch die Zeugnisse der Marx-Töchter zu diesem Humanismus-Thema).

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Ich hatte Raddatz zuletzt noch gebeten, seiner Bemerkung auf einer Buchmesse, eine wissenschaftlich belastbare Quellenangabe anzufügen, zu Theodor W. Adorno, der laut Raddatz Aufnahmeantrag in die Reichskulturkammer der Nazi gestellt haben soll. Und dieser Adorno bekanntlich nach dem 2. Welt-Krieg – wieder in Deutschland – als Agent von Ost und West, Geld dafür annahm, die Umerziehung der Deutschen zu führen (Alex Demirovic). Raddatz blieb mir eine Quellenangabe schuldig.

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So bleibt es nun – wenn nicht, in einer seiner gedruckten Selbstbespiegelungen, doch noch der Adorno vorgeführt werden wird.

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Ein Denker oder ein genialer Denker war Fritz J. Raddatz nicht – er war ein sehr belesener Sekundärliterat – „au net schlecht“, würde Hermann Lenz sagen – denn zu Marx oder zum Marxismus hat Raddatz nichts zur Seinsbindung geholfen, was nicht bereits andere Marxisten alles in die Mottenkiste abgeräumt hatten:

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Mit Marx konnten nur Propagandisten was anfangen, denen an der Mobilisierung der massenhaften Idiotie und an Trost und billigen Hilfsthesen gelegen war:

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Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich bei Marx das Wetter oder es bleibt so, wie es ist: Es kommt darauf an, die Welt zu verändern (darauf hat B. Brecht gleich mal seine Biografie rückwärts ausgebaut, der Spitzkopf)

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LITERATURZORN und VERIRRTE LITERATURORGANISATION

Februar 12, 2014

Günter Grass und die Salonpersonnage der Gruppe 47

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Dietmar Moews, am 12. Februar 2014

c. Dietmar Moews 2014

Zum Erstaunen des geschundenen Kritikers zur Lage des täglichen Themenschwalls in den deutschsprachigen Massenmedien erschien am Dienstag, 11. Februar 2014 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Bereich „Briefe an die Herausgeber“, auf Seite 36, folgende Leserzuschrift,

mit dem Namen „Dr. JOCHEN BIERBACH, HOFEN“ unterzeichnet und von der Redaktionsleitung mit „Dann packt mich der Zorn“ überschrieben. Dr. Bierbachs Zorn gilt den verirrten Salonliteraten der SPD um Günter Grass und der Gruppe 47 – „Opferliteratur“ „in unsere Köpfe und Bücherregale hineingedrückter Schmäh“. Wer fragt nach Walter Bauer? Wer fragt nach Jakob Wassermann? Wer fragt nach Jochen Klepper? Wer fragt nach Otto Nebel?

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Dann packt mich der Zorn

Am 29. Januar 2014 habe ich im Feuilleton der F.A.Z. Den Beitrag „Kränkungen in einem Kaff“ von Hannes Hintermeier gelesen, einen informativen, guten Artikel, in dem es um den Briefwechsel zwischen Max Frisch und Alfred Andersch ging, die so ihre Differenzen hatten. Vor fünfzig Jahren hätte mich das brennend interessiert, aber jetzt, mit bald 77, interessiert mich die deutsche Nachkriegsliteratur, um es drastisch zu sagen, einen Dreck. Ich weiß, dass der brave Max Frisch gar nicht dazugehörte und Andersch bald schon in Vergessenheit geriet; ich bin auch kein Germanist und kein Lehrer, auch sonst kein Literaturprofi, ich habe nur viel gelesen, und wenn ich an die deutsche Nachkriegsliteratur denke, packt mich der Zorn.

Wer hat uns, die wir einmal naive, gutwillige, aufnahmebereite junge Leser waren, das angetan, wer diesen Schmäh in unsere Köpfe und Bücherregale hineingedrückt. „Opferliteratur“ hat Marcel Reich-Ranicki das einmal treffend genannt. Die Opfer waren allerdings die deutschen, von Tätern war nicht die rede. Zwei deutsche Nachkriegsdichter bekamen dann den Nobelpreis, und auf Jahrzehnte hinaus gaben sie vor, was in diesem Lande anständig ist und was nicht. Sie waren die eigentlichen Erfinder der Political Correctness in diesem Lande. Zu unserem Glück hat dann Herta Müller neue literarische Landmarken gesetzt. Ihr Nobelpreis ist aus meiner Sicht eine Wiedergutmachung. Dr.JOCHEN BIERBACH, HOFEN“


Neue Sinnlichkeit, dreimal Sport die Woche, aber keine Zeit zum Lesen

April 8, 2013

Die Abwesenheit von Zwang ist die geltende Qualität von Freiheit für jeden Menschen. Selbst verfügen und nicht verfügt werden erfüllen lediglich allgemeine Interessen des Menschen, aber zeugen indes von sozialer Schwäche. Wer also nicht teilnimmt am zuhandenen Geist, fällt sozial ab –
er schwimmt im Wahn der Selbstverfügung, in seiner Freiheit von dem sozialen Zwang, geistig mitzugehen. Frei und allein bei Sport und Wellness.
Und wie viele Konserven und Abgepacktes essen Sie täglich? Okee Dokee – dann also hier was Sozio-Geistiges, das Zeit kostet aber einbindet:

Die Dichterin Elisabeth Kulmann schrieb laut Frankfurter Allgemeine Zeitung
das bedenkenswerte Gedicht mit dem Titel

Gekämpft hat meine Barke

Gekämpft hat meine Barke
Mit der erzürnten Fluth.
Ich seh‘ des Himmels Marke,
Es sinkt des Meeres Wuth.

Ich kann dich nicht vermeiden,
O Tod nicht meiner Wahl!
Das Ende meiner Leiden
Beginnt der Mutter Qual.

O Mutterherz, dich drücke
Dein Schmerz nicht allzusehr!
Nur wenig Augenblicke
Trennt uns des Todes Meer.

Dort angelangt, entweiche
Ich nimmermehr dem Strand:
Seh‘ stets nach dir, und reiche
Der Landenden die Hand.

(1824 gedichtet; 1851 von Robert Schumann als letztes Lied vertont)