Mollaths Etikettierung und die politische Majorität als Mob

August 31, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4837

am Sonntag, 31. August 2014

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Die Gedanken sind frei. Ja, aber nicht frei auszusprechen. Mir kommt täglich zugute, dass ich als studierter Jurist ziemlich gut die sprachlichen Spielräume in Grenzbereiche hin nutzen kann, um zuspitzen zu können. Ich verstehe die praktische Schweigespirale. Denn die meisten Mitbürger halten lieber ihre Schnauze, bevor sie auflaufen.

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Wenn jemand einen Brief an eine Zeitung schreibt (es sei denn einen „Offenen Brief“ – die werden nicht gedruckt), der muss keine Angst haben, dass ihn die Brief-Redaktion mit gerichtsträchtigen Formulierungen drucken und auflaufen lässt (es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass strafbewährte Inhalte vom Briefschreiber intern weiter benutzt werden).

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Jedenfalls haben wir mit dem System der Legitimation durch Mehrheitswahlen eine gewisse Polsterung, wenn Unheil geschieht, dafür persönlich nicht in Haftung genommen zu werden. Wir verschwinden in einer Mehrheit oder werden als Minderheit überstimmt.

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Nun bestehen aber – außer bei Halbe Halbe – immer Majorität gegen Minorität und sei es nur knapp. Machen wir also große Koalition.

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Ein Problem ist aber immer und verlässlich mit dem Mehrheitssystem verbunden:

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Alle politischen Entscheidungen – alle wichtigen Entscheidungen überhaupt – erfordern Kenntnisse und Urteilskraft. Wer bescheuert ist kann nicht mal ein passendes Auto kaufen.

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Wir haben also stets Kenntnisse, besser noch Spezialwissen, Expertenurteil, Profitum in allem und jedem nötig. Und – egal in welchem Arbeitsfeld – sind diejenigen, die Ahnung haben in der Minderheit. Bei jeder Mehrheitsabstimmung dominiert die große Majorität der Kenntnisschwachen, Emotionsorientierten und Desinteressierten, eine wirklich leidende Minorität von Menschen mit Einblicken, die das Unheil immer schon kommen sehen.

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BUCHTITEL Die Affäre Mollath der Mann der zu viel wusste

BUCHTITEL
Die Affäre Mollath
der Mann der zu viel wusste

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Wer erkundigt sich also für einen „Mollath“, um eine eigene Meinung entfalten zu können? –

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Antwort: Niemals die Majorität.

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Wenn es einem „Mollath“ irgendwie gelingt, eine sprachfähige Minorität zu mobilisieren, dann ist er dennoch auf sehr viele Randbedingungen angewiesen, die er selbst nicht steuern kann.

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Vor einigen Tagen schrieben also Leser der Süddeutschen Zeitung bzw. von all denen, die da in den letzten Wochen geschrieben hatten, wurden zwei Auszüge nebeneinander gestellt, in denen sehr erhellend das MOB-Motiv deutlich wird: Majorität sticht Minorität.

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Wer mal, wenn er alt geworden ist, in eine Heimeinweisungsmangel kommt, dem ist nicht mehr zu helfen. Jedenfalls nicht, so lange der Horst Seehofer von Bayern Horst Seehofer heißt – der, wenn überhaupt, nur auf Druck reagiert.

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Süddeutsche Zeitung vom 28. August 2014: „FORUM & LESERBRIEFE. Gustl Mollath. Fehlerhaftes System „Glanz und Elend eines Freispruchs“ vom 18. August:

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ÜBERSCHRIFT: „Lektion in Anpassung. Dieses kleinmütige Urteil war das Äußerste, was zu erwarten war. Wäre die Beweisaufnahme noch viel positiver ausgefallen und wären alle Beweisanträge Mollaths berücksichtigt worden, so hätte trotzdem kein bayerisches und wohl auch kein deutsches Gericht eine volle Rehabilitierung ausgesprochen. Zu groß waren in den Vorinstanzen das Versagen und die Intriganz auf richterlicher Ebene, sodass man sich fragen muss, ob an dem System etwas nicht stimmt. Und zu einer Systemschelte, und nichts anderes wäre eine volle Rehabilitierung Mollaths gewesen, ist kein Gericht bereit. Man braucht gar keine Verschwörung zu konstruieren, um zu verstehen, dass ein Gericht, dessen Mitglieder eine jahrzehntelange Sozialisation durchgemacht haben, der Auseinandersetzung mit den Vorinstanzen ausweicht und die Gelegenheit benutzt, dem knorrigen Sonderling Mollath eine Lektion in Anpassung zu erteilen. Dr. Andreas Triebel, Bochum“

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Briefschreiber Dr. Triebel betont, was hier in der Lichtgeschwindigkeit vor Monaten bereits ausgeführt worden ist: Zum Gelingen der Ex-Frau-Mollath-Attacke war keine Verschwörung notwendig. Sondern, alle nachweislich tätigen Mitwirkenden haben den zureichenden Erfolg aus eigenen Motiven „selbsteuernd“ synergetisch erzeugen können.

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Die FORUM-Redaktion der Süddeutschen vom 28. August 2014, S. 13, schließt an obigen Text direkt an:

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ÜBERSCHRIFT: „Gegen den eigenen Willen. Der Kommentar streift ein Thema, das zum Teil noch mehr Unrecht birgt als die Etikettierung gesunder Menschen als Psychopathen: die Einweisung vieler alter Menschen in Pflegeheime gegen ihren Willen. Tausende kommen etwa nach einem Sturz ins Krankenhaus und werden unter rechtliche Betreuung gestellt, die das Ziel hat, die Heimeinweisung in die Wege zu leiten. Sie werden genauso wenig ernst genommen wie viele angeblich psychisch kranke Menschen. Ein großer Teil der behandelnden Ärzte diagnostiziert schnell Demenz – und die Unfähigkeit, im eigenen Zuhause leben zu können. Leider sind die hochbetagten Menschen zu schwach, um sich zu wehren und haben weniger Unterstützer als Herr Mollath. Margot Klein, Mannheim“

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Dietmar Moews meint: Herzlichen Dank, Frau Klein und Herr Dr. Triebel, dass sie mit einem Leserbrief hervortraten. Ich wünsche der Angelegenheit eine ausufernde Diskussion – auch zum Problem der schweigenden Mehrheit.

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Nur die Majorität, die still ist, wird in jeder wichtigen menschlichen Frage zum Mob, weil Minderheiten und Einzelne kein politisches Gehör erhalten.

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Zur demokratischen Staatsbürgerlichkeit gehört ein erheblicher Schuss „Citoyen“. Wem es gut geht und wer zufrieden ist, darf davon ausgehen, dass er einer Majorität angehört, an der immer eine Minorität in Permanenz leidet.

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Jede Majorität ist eine Angstkraft. Tja.

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Lichtgeschwindigkeit 131

Januar 1, 2010

Lichtgeschwindigkeit 131 WIE GEIL IST DAS DENN

Türkenintegration + Sündenböcke

täglicher Kommentar der Medienlage von dem Künstlergelehrten

Dr. Dietmar Moews Dipl. Ing., Piratenpartei Deutschland,

aus Sicht der Piratenbewegung, am Mittwoch, 30. Dezember 2009,

im Alphons-Silbermann-Zentrum, Berlin-Pankow Niederschönhausen,

mit BILD Berlin/Brandenburg, Märlische Oderzeitung, Süddeutsche Zeitung

und Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. Dezember 2009,

ferner DLF, dradio.de, bild.de, heise.de, piratenpartei.de,

Piratenthema hier: Wie GEIL IST DAS DENN Sündenböcke

für Integrationsdefizite aus Piratensicht. Wie geil ist das denn –

erreichte mich heute ein Neujahrsgruß als Youtube-Link einer

RTL-Kabarett hochaufwendigen TV-Studio-Produktion.

LICHTGESCHWINDIGKEIT ist eine ganz andere Leistung,

die täglich unter vielfältiger Aufmerksamkeit und Hochspannung,

vollkommen ohne Probenzeit, aufgenommen und gepostet wird,

so: Gutes Neues Jahr 2010.

Die Medienlage ist längst über das Jahr hinaus mit Abgesängen

der Terrorangst und der

Feindbildschmiedereien beschäftigt, vermutlich sind die

Redaktionen von der Ersatzreserve Zwei besetzt.

BILD bringt zumindest ein kollektivierendes Thema, das

ohne nachzudenken anschlußfähig ist und die öffentliche

Sonorität stimuliert: Der Skifahrer Althaus, jetzt als nordischer

Jäger. Dazu BILD mit GEWINNER: Ein ganz Großer hört

nach 20 Jahren auf: ERTUGRUD ÖZKÖK (62) legt zum

Jahreswechsel sein Amt als Chefredakteur der wichtigsten

türkischen Zeitung „Hürriyet“ nieder. Mit seinen Artikeln

(auch in BID) baute er Brücken zwischen Orient und Abendland,

Islam und Christentum. Er leistete mehr für die deutsch-türkische

Freundschaft als alle Sonntagsredner. BILD meint:

TESEKKÜRLER (Dankeschön)!

Die Märkische Oderzeitung, Bernau/Barnim titelt:

Knaller aus Polen beschlagnahmt. Silvesterfeuerwerk der

militärischen Gewalt kommt aus Polen ohne TÜV-Genehmigung –

das Hauptzollamt zieht immer wieder illegale Produkte aus dem

Verkehr. MOZ ferner: Ein Foto von einer Blaumeise am

Winterlichen Knabberspaß … MOZ Seite 2: Fremde Heimat der

Türken: Anklage der Türken und der türkischen Regierung

durch den Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) als

Sündenböcke für angebliche Integrationsdefizite.

Dietmarmoews meint. Aus Piratensicht, geht es zunächst um

das Was und das OB, nicht: wer ist schuld? – Für die Integration

ist die Majorität entscheidend – das sind Deutsche und Berliner.

Die Türken sind eine Minderheit, die – einfach gesagt –

nichts weiter taten, als den Schafherdeneffekt darzustellen:

sie rücken zusammen. Wenn die Berliner sich der Türken

annähmen, sähe man den Ist-Zustand als normal an. Wenn

Frau Merkel in New York Deutsche besuchen würde, käme

kein Amerikaner auf die Idee, hieraus die schlechte Integration

der Deutschen in USA herzuleiten. Wieso beschuldigt Herr

Körting den türkischen Ministerpräsident, der die türkischen

Opferfamilien von Ludwigshafen besuchte?

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG titelt: Innenminister will

Körperscanner einsetzen. Oben: Töten mit Joystick:

Wie Drohnen den Krieg verändern. Sowie: Entsetzen über

Todesspritze für Briten. Dietmarmoews meint: Die deutschen

Holzmedien machen auf Krieg und Angst, Terror und

Fremdenhaß – die SZ hier so massiv, wie lange nicht. Seite 4:

Nabelschau-Nato: In EU und Nato wachsen die Zweifel an

Deutschlands Bündnisfähigkeit: …Es geht dabei einerseits um

Ahoi liebe Piraten: Wie geil ist das denn.

Produktion, Performance, Autor, Direktion, Dr. Dietmar Moews,

Aufnahmetechnik und Admin, Piratencrew Berlin; Musik:

The Rolling Sones-Werbung für Everybody needs somebody/Pain in my heart


Lichtgeschwindigkeit 131

Januar 1, 2010