Wolfgang Henrich in der Neuen Sinnlichkeit 71

Oktober 17, 2018

Lichtgeschwindigkeit 8591

am Donnerstag, 18. Oktober 2018

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Georg Stefan Troller, Zeichnung von Dietmar Moews

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Die Neue Sinnlichkeit 71, der Blätter für Kunst und Kultur, ist mit dem Untertitel „Blätter für Überleben ohne moralisches Versagen“ kürzlich erschienen.

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Die Bezieher im Modus eine Abonnements auf Lebenszeit kommen bei der Erscheinungsweise „in loser Folge“ immer wieder überraschend in den Genuß einer „Büchersendung“, die der Herausgeber in wochenlanger Handarbeit persönlich besorgt.

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Neue Sinnlichkeit 71 hat folgenden Inhalt:

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Inhalt

Umschlag: Ausstellungsplakat zum Straßenfest Köln 2018 1

Zum Geleit 2

INHALT 3

IMPRESSUM

ABONNEMENT NEUE SINNLICHKEIT AUF LEBENSZEIT FÜR 500 EURO

ERFOLGSKINDER 4

WOLFGANG HENRICH: GEORG STEFAN TROLLER „Selbstbeschreibung“ 17

GEORG STEFAN TROLLER: Portrait: Die Linie von Dietmar Moews 29

THOMAS KRAFT: Autor und Anliegen – Jakob Wassermann 30

DIETMAR MOEWS: Totalphänomen Nahrung zu Marcel Mauss 40

ADOLPH FREIHERR KNIGGE: ÜBER EIGENNUTZ UND UNDANK 1796 43

Knigge setzt Kants kategorischen Imperativ in

allgemeinverständliche Klarheit: Fortsetzungen XIX

HERBERT LÜTHY: Fahndung nach dem Dichter Brecht 45

EDMONT ET JULES GONCOURT: Das Schöne 58

DIETMAR MOEWS: Lexikon des Kunstwesens: Georg Stefan Troller 60

DIETMAR MOEWS: Die Kinderseiten der Epoche: Frisieren gehört zur Strafe 61

Auflösung Qualitätsrätsel 70: Robert Musil

QUALITÄTSRÄTSEL 71: Wer hats geschrieben? 63

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Impressum:

Neue Sinnlichkeit Blätter für Kunst und Kultur seit 1979 erscheinen in loser Folge im Pandora-Kunst-Verlag, Springe, Hannover, München, Leipzig, Magdeburg, Dresden, Berlin, Köln

E-Mail dietmarmoews@gmx.de Verlagsanschrift:

Dr. Dietmar Moews Mainzer Straße 28, D-50678 Köln ISSN 1432-5268

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Das in dieser Ausgabe ergriffene Nachwirken des eminenten Alphonse Silbermann findet neben dem enormen Jakob Wassermann (den Thomas Mann über seinem sich selbst durchaus nicht bescheidenen literarischen Rang bewertete – nämlich als Romanautor – auch einen Text von Wolfgang Henrich, der ein deutsches Kulturphänomen in Autor und Werk Georg Stefan Trollers beschrieb.

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Hier also von WOLFGANG HENRICH

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„Georg Stefan Troller – Selbstbeschreibung“ (2001):

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Wolfgang Henrich: Meinem Sohn Franz Jakob Hirner gewidmet

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Ich möchte Wolfgang Henrich ehren, dessen Schwerpunkt seiner verlegerischen und publizistischen Arbeit politische Bildung ist. Henrich ist herausragender Träger der Höhe der deutschen Sprache, im Strom der weltweiten Anglifizierung.

Wolfgang Henrich ist ein rheinländisch-preußisch-jüdischer Philosoph, Autor, und Verleger des URHEBER VERLAGs KOBLENZ, der unter anderem die Film-Dokumentation anlässlich des Geburtstagsempfangs zum 90sten Geburtstag des eminenten Alphons Silbermann,1999 im Kölner HOTEL ERNST EXCELSIOR leitete.

Georg Stefan Troller ist ein Autor und Fernseh-Ästhet eigener Kategorie in der deutschsprachigen Kulturindustrie.

Alle drei, Henrich, Silbermann und Troller, sind herausragende Beispiele für wesentliche Mitwirkung deutscher bzw. deutschsprachiger Juden am deutschen Leben, die als Verfolgte des Nazideutschland uns beispielhaft das bedeutende Gewicht vor Augen halten, das durch die vernichteten und vertriebenen Juden, durch den Massenmord der europäischen Massenmörder ewig lastet.

So stelle ich diesen Henrich-Aufsatz unter den Gedanken, um den sich auch Georg Stefan Troller verstehen lässt: „daß wir, die Enkel von Goebbels UFA, den Anfang machen .. schlicht und ergreifend mit „Wahrnehmung“.

Das war Georg Stefan Troller einmal: sehr verführerisch mit seinem unverwechselbaren rauchzarten Wiener Bariton, der unsere von Schelsky so benannte „skeptosche Generation“ seine unerbittliche Diktion überhören ließ: kaum angehobene Stimmhöhe, in der Gleichförmigkeit auf unendlich programmiert, jeden anderen Gedanken ausschaltend, um mit Senken der Stimme die Ewigkeitsstenogramme des von 1962 bis 1971 im „Ersten“ ausgestrahlte „Pariser Journal“ als das Nonplusultra zu verkaufen (was es auch war, gemessen an Adenauers Welt auf Süsterhenns „Sauberer Leinwand“.

Heute, mit den am 10. Dezember 2001 erreichten 80 Lebensjahren, ist die unwiderrufliche Bestimmtheit, der Markenartikel-Charakter seines Sprachgestus Vergangenheit. Jetzt spricht ganz gelöst ein weißhaarig gewordener Troller und nur sein Alter ego Alexander Pschill ist es, der, auf seine Weise vom Zeitgeist verführt, an die begangenen Jugendsünden erinnert. Oder ist es nicht Houellebecqsche Altklugheit, die aus diesem Schauspieler spricht, wenn er den vom Aussehen her noch immer gern in den Spiegel schauenden Weltbürger provoziert, um dann selbst ein rührender Narziß zu sein, dar sarkastisch gesagt, alle philosemitischen Vorurteile bestätigt? Aber dazu später noch andeutungsweise einige Worte, aber kein weiteres über den Adorno-Schüler und Musik-Kritiker der Süddeutschen Zeitung, Joachim Kaiser, dem erst jetzt die Juden fehlen, wie er sich in Augsteins Der SPIEGEL Nr. 14/2001, S. 218, ausdrückte, wo in keiner Ausgabe auf Adolfs Konterfei verzichtet wird (siehe zur Vorgeschichte auch Norbert Frei: Vergangenheit, C.H.Beck Verlag, München 1996).

Doch gestehen wir TWEN-Leser uns erst einmal ein, daß wir uns darin gefallen haben, wie Troller auf den Spuren Rimbauds zu wandeln und bis heute zu denken, Günter Grass sei es gewesen, der Troller den Schnauzbart abgeschaut hat und nicht umgekehrt. Zweifellos: der ganze Habitus, wie ihn der damals Vierzigjährige für das „Pariser Journal“ kreiert hatte, machte ihn zur gefälligeren Ausgabe des Autors der „Blechtrommel“. Und so wurde er das insgeheime wie offensichtliche Vorbild von uns, die wir die Hörsäle zu den Filmen der „nouvelle vague“ überschwemmten. Wie er trugen wir bei unseren Ausflügen vom Rhein an die Seine den Trenchcoat über dem Arm und wie er winkten wir nach den noch heute als Taxis in Saigon anzutreffenden „Crèmeschnittchen“. James Dean mit dem hochgeklappten Mantelkragen war out, seit es diesen dunkelhaarigen ARD-Kulturkorrespondenten gab, der uns vergessen ließ, daß Paris seinen Wohlstand soeben noch durch die Ausbeutung Indochinas oder Algeriens verdankte. Was uns wiederum vergessen ließ, daß das sogenannte Wirtschaftswunder ein Produkt des Korea-Krieges war, wir also die miesesten Kriegsgewinnler sind, die sich nun auch noch in ihrer notorischen Vergeßlichkeit den Luxus leisten, in der SS-Fahrbereitschaft des Berliner Führerbunkers gesamtdeutsch wie lauthals über „die doofen Amis und Iwans“ zu lachen.

Was uns noch leid tun wird, sollte es denn noch wirklich geben: der kurzsichtige Junge aus Kazans „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ schlich doch nur deshalb so traurig durch Manhattan, weil sich vor ihm längst das „Grand Zero“ aufgetan hatte. Buchheims „Boot“ war bekanntlich unerkannt in den Hudson eingelaufen und hinterließ so Hitlers Virus. Mahatma Ghandi ahnte das und verweigerte darum den Beitritt zur Anti-Hitler-Allianz mit der kannibalistischen Begründung, der Geist des Besiegten gehe in den Sieger ein (siehe Lothar von Balluseck: Auf Tod und Leben, Hohwacht Verlag, Bonn-Bad Godesberg 1977). Oder beweist dies nicht der leicht abgewandelte Nazi-Stahlhelm auf den Köpfen der GI’s, wie auch und gerade der dritte Einmarsch in Sarajewo den Nihilismus der Europäer bestätigt? Kurzum: der jüdische Kaufmannssohn, der wie Sigmund Freud 1938 aus Wien vertrieben wurde und über dessen Jugend er 1976 ein Portrait für das Fernsehen wagte, rettete sich, nach vergeblicher Asyl-Suche in Paris, noch gerade rechtzeitig vor der einmarschierenden Wehrmacht in die Vereinigten Staaten von Amerika.

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Die U. S. A., oder besser gesagt: Hollywood, wohin noch im 20. Jahrhundert die denkende Welt vor den völkerwandernden Raubmördern indogermanischer resp. semitischer Provenienz fliehen konnte, hier wurde er notgedrungen zum Soldaten und seitdem konnte er nicht aufhören, sich mit Hitlers Hinterlassenschaft auseinanderzusetzen. Ein höchst schmerzhafter Prozeß, gerade angesichts der holden Weiblichkeit im besetzten Nachkriegsmünchen, die wie der Muttersohn Martin Walser bis heute „von all‘ dem“ nichts hören will, wohl aber von den Aufmärschen durchs Brandenburger Tor wie soeben am 1. Advent 2001. Ganz folgerichtig – Gewalt erzeugt Gegengewalt auf hohem oder niedrigem Niveau – hat sich Georg Stefan Troller darum „Menschenfresser“ genannt, der, wie alle, die ihr Auge mit der Kamera bewehren, ob sie nun Pudowkin oder Riefenstahl heißen, mit einem „snapshot“ oder „take“ ihre Zeitgenossen auf die Platte bannen, die dann in uns zu „arbeiten“ anfangen, da es in der Regel „bad vibrations“ sind. Denn „love“, wie die Beatles sangen, ist zwar warm, aber dennoch dank des Patriarchats ein „gun“, weshalb wir uns als Kalte Krieger erkennen müssen, die noch immer das unverdiente Privileg haben, durch Troller als unserem Unterhalter mit all jenen zu verkehren, die wie er vom Engel geschlagen sind und so unentwegt seelische Gesundheit suchen müssen.

Ich kann sie nicht alle aufzählen, die Troller sich für uns einverleibt und anverwandelt hat. Ich verweise nur auf die, die er so augenfällig widerspiegelte: Ich sehe Georges Brassens, dann schon Jean-Louis Trintignant, der Jean Gabin den von Humphrey Bogart vererbten Trenchcoat zerknitterte, während Yves Montand besagten Regenmantel noch schnell zur netoyage à sec trug, um Romy zu gefallen, die wiederum als „Sissi“ dreimal in Goebbelsscher UFA-Manier unseren Vätern und Müttern gefallen mußte. Aber diesen Rückfall in deutsches Proppersein machte dank Jean Seberg der schüchterne Jean Paul Belmondo in „A bout de souffle“ ungeschehen, bis auch ihm irgendwann die Puste ausging und „Papa ma dit“, das Herr Söhnchen vom rechts-linkslastigen Georges Mitterand (von wg. „les extremes se touchent“), ihn den Landser spielen ließ, der in Ruanda dem Vetter am Rhein beweisen mußte, daß auch er sich auf Völkermord versteht. Bis dahin vergingen bekanntlich noch mehr als zwanzig Jahre, in denen Troller nicht zuletzt den roten Daniel für uns in die Bresche bzw. resp. auf die Barrikaden des Pariser Mai springen lassen konnte. Zunächst ging jedoch der Frankreich-Befreier Charles de Gaulle in Baden-Baden buchstäblich baden, das zu sagen wir aber noch nicht imstande waren. Statt dessen ließen wir uns von Troller die vermeintlich feine Lebensart der Franzosen vermittelt, um dann so wie Ulrich Wickert als Käsegott den leitmotivischen Mantel der Geschichte über dem Arm zu tragen, während DER SPIEGEL oder Le Monde in der linken Seitentasche unserer C&A-Jacketts steckte und die Gauloise außen rechts an der Lippe klebte.

Nüchtern betrachtet war dies alles natürlich nur durch den Marshall-Plan mit seinen ERP-Darlehen möglich geworden, den der ein Jahr ältere Toby E. Rodes zunächst von den Mehlemer Deichmannsaue und dann von Westberlin aus propagierte, der wie Troller vor den Nazis in die Staaten fliehen mußte und unter Bradley die Invasion in der Normandie erlebt hatte. Und so konnte, last but not least, mit Hilfe von Lasky’s DER MONAT Peter Handke als jungdeutscher Schriftstellerpoet Paris auf friedliche Weise kennenlernen. Daß wir heute glauben, er sei dabei fast der Flaneur auf der Suche nach Prousts verlorener Zeit gewesen, wo er doch, der „Boche“, in Wahrheit in Bergstiefeln ins Bett von Jeanne Moreau steigen wollte – das verdanken wir selbstverständlich wieder niemand anderem als Troller, der ja alles das in seiner Person vereinigen mußte. Und immer war er uns dabei notgedrungen einen Schritt voraus, so daß er davor bewahrt blieb, sich rückschrittlich wie Jean Paul Sartre in die Baaders und Meinhofs zu verlieben. Sartre, der nach seinem Verrat zweier jüdischer Schauspielerinnen an die GESTAPO seinen Kollegen Albert Camus anschwärzte, der sich durch diesen feigen Bourgeois aber nicht beirren ließ, die wahre Revolution zu beschreiben, und darum auch nicht aus schlechtem Gewissen davon faseln mußte, wir alle seien Juden. Weshalb es denn auch mein Desiderat ist, dass Troller uns im nächsten Jahr den „premier homme“ schenkt, nun wo es ihm nicht mehr die Sprache verschlägt. Während der sieben Tage seiner Flucht über die damalige Tschechoslowakei, dort wo heute die Atommeiler drauf warten, daß Karl-Heinz Thoms Gasphasenreaktor sie gefahrlos entsorgt, war er mit einem Schlag heimatlos geworden und entsprechend wurde jedes Wort nichtssagend. Nicht einmal „Die letzten Tage der Menschheit“, die er als wichtigstes Gepäck mit sich trug, schienen noch Sinn zu machen. Was natürlich Unsinn ist, beschrieb Karl Kraus doch gerade auf unbestechliche Weise das seither andauernde Grauen. Und doch ist es so, so lange jedenfalls, bis man sich als einer der drei Jünglinge im Feuerofen begreift, die brennen wie der Busch, der nicht vergeht. Wirklich und wahrhaftiger Unsinn aber ist es, was der kluge Kopf der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 29. November 2001 auf Seite 59 über Troller schrieb: „Also suchte er eine Ausdrucksform ohne Akzent und ohne Ideologie.“

Mein Gott, hier seicht einer ganz so, wie Kraus in „Heine und die Folgen“, Philipp Reclam Jun., Stuttgart 1986, S. 38f., die Feuilletonisten charakterisierte: „Man kann heute Feuilletons schreiben, ohne zu den Champs Elysées mit der eigenen Nase gerochen zu haben. Der große sprachwandlerische Trick, der sich in Deutschland viel besser lohnt als die größte sprachschöpferische Leistung, wirkt fort durch die Zeitungsgeschlechter und schafft aller Welt, welcher Lektüre ein Zeitvertreib ist, den angenehmsten Vorwand, der Literatur auszuweichen. Das Talent flattert schwerpunktlos in der Welt und gibt dem Haß der Philister gegen das Genie süße Nahrung.“ Womit ein weiteres Mal bewiesen wäre, daß das Bücherverbrennen die innere Logik der Nazis dieser Welt ist und der Film das Ersatzmedium, das sich in Babelsberg feierte, um gleichgültig das ungültig gewordene Leben der Volksgenossen zu verabsolutieren.

Was unter der Hand im Stil von Adorno der zitierte FAZ-Artikel nur einen Satz später preisgibt: „Der Dokumentarfilm wurde zu seiner Berufung, er wollte die Realität derart verformen, daß sie etwas Neues erzählte jenseits des Sichtbaren“. D. h.: hier wird nicht nur der geleugnete Ideologie-Charakter des filmischen Mediums offenbar, sondern unser Feuilletonist versucht auch noch, sozusagen drehbuchgerecht, den Juden Troller ein weiteres Mal mundtot zu machen, indem er ihn durch die Unterstellung der Verformung erneut mit dem total entleerten und darum Trollerschen Sprachduktus als die unverzichtbare Methode, um überhaupt eine Chance zu haben, überwinden! Womit alles Wesentliche gesagt wäre auch über die Psychoanalyse, die Sigmund Freud in seinen in den U.S:A: gehaltenen Vorträgen ja als „talking cure“ bezeichnete. Ohne indes Karl Kraus infragestellen zu können, der die Psychoanalyse für die Krankheit hielt, die sie vorgebe zu heilen. was sie paradoxerweise dann doch tut, sobald nämlich das Eingeständnis der Ohnmacht gelingt. (Witzig im Film die Spitze gegen die Zunft, wenn Trollers Alter ego die mütterliche Therapeutin verblüfft – Woody Allen dürfte seine Freude an der Vorführung dieser „Mame“ haben.)

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Damit komme ich zu dem Muß, sich immer wieder den gerade in Deutschland verbreiteten Antisemitismus einzugestehen: der vor bald zwei Jahren verstorbene Kölner Soziologe Alphons Silbermann ermittelte bei seinen vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung finanzierten Umfragen, daß 15 Prozent der Deutschen sich offen antisemitisch gerieren und weitere 30 Prozent es latent sind. Mit anderen Worten: fast jeder zweite Bürger der Bundesrepublik Deutschland projiziert bewußt oder unbewußt seine Wut und Angst wie gehabt auf die Juden als Sündenbock.

Wie Troller das an sich selbst erfährt, zeigte er in dem Dokumentarfilm „Unter Deutschen“, aus dem die „Selbstbeschreibung“ den Anschein bringt, wo er den Neonazi Bela Ewald Althans interviewt, der das KZ Auschwitz und die Judenvernichtung eine „riesengroße Verarschung“ nennt. Als ihm Troller die Frage stellt: „Hitler hat ja wie bekannt die Schwulen ins KZ gebracht. Wie man hört, sind sie selber homosexuell. Was halten sie davon?“, da bricht die von Althans in unzähligen Film- und Fernsehauftritten aufrechterhaltene Fassade vom „ehrlichen“ Demokraten schrecklich in sich zusammen. Wütend schreit er in die laufende Kamera: „Lesen Sie mal was Gescheites. Anstatt Talmud und Thora! was wollen Sie denn in Deutschland, wenn Sie sich so aufführen, frag‘ ich mich. Nur frech werden und das benutzen, daß sie gesetzlich geschützt sind und ich vor mein eigenes Volk, vor den Kadi zitiert werde, damit in ihrem Sinne Recht gesprochen wird. Nicht mehr lange, guter Mann! Nicht mehr lange!“

Diese Szene erinnert mich an eine Begegnung in Köln, als meine Lehrerin, die 1999 verstorbene Psychoanalytikerin Edeltrud Meistermann-Seeger, bei einem Herbst-Meeting

Ende der 70er Jahre einen Elektriker befragte, der in Auschwitz den um das KZ-Lager errichteten Zaun unter Starkstrom gesetzt hatte. Bis heute kommt bei mir die Scham hoch, daß die in Selbstkritik höchst versierte Versammlung sich hinreißen ließ, wie auf einem kommunistischen Scheinprozeß den untadeligen Richter zu spielen! Womit ich – auch und gerade angesichts des 11. September – bei der grundsätzlichen Kritik unseres Justizwesens als eigentlichem Repräsentanten unserer Führungsschicht angelangt wäre. Daß sie nämlich bei größeren Belastungen, wie es Verbrechen ja sind, die paranoid-schizoide Struktur des Menschen auch bei sich zum Vorsch(w)ein kommen läßt, indem sie dem der sich hat erwischen lassen, alle, aber auch alle Schuld in die Schuhe schieben. ich verweise auf das alarmierende Phänomen des Hamburger Innensenators Schill, dessen Spitzname „Richter Gnadenlos“ seine ganze Angst vor Verlassenwerden und Verrücktheit wie bei unserem Neonazi zum Ausdruck bringt, Und eben diese Angst war es, die auf Troller 1938 übersprang und ihn sagen ließ: „Das Furchtbare an der Emigration ist, daß Du nicht mehr fühlen kannst.“

Was ist am heutigen Mobbing anders: ist es nicht die „moderne“, „zeitgemäße“. eben „coole“ Form des Faschismus mit seiner Zerstörung weltweit? Wird nicht jeder in dieser heute nun fast ganz und gar künstlichen Welt vom „Ingeniör, dem nichts zu schwör“, entwurzelt und bis zur vollständigen Depersonalisierung entfremdet? – Also hören wir doch auf, den Brecht’schen V(erfremdungs)-Effekt geschmäcklerisch als „dernier cri“ auszugeben. Es nährt bloß den Irrtum, wir hätten alles im Griff, vor allem die Tragödie vom unschuldig schuldig werden, wie Schiller unser Geschick definiert hat. Indem 1495 in Deutschland die Eigenmacht des Einzelnen im sogenannten Machtmonopol des Staates aufging (siehe unbedingt Wolfgang Reinhard: Geschichte der Staatsgewalt, C.H.Beck Verlag, München 1999), verkümmerte jede den Menschen ausmachende Fähiglkeit zur Selbstbeherrschung. Entsprechend prekär ist die Lage, seit sich die G-8-Staaten erlauben, immer mehr Menschen „freizusetzen“. Mit dem massenhaften Wegfall an Arbeitsstellen und dem Verlust der daran gekoppelten sozialen Stellung fällt nun der allerletzte Halt weg, womit erneut eine Massenpsychose entfesselt ist. Sie hat seit 1991 in ganz Europa ganz logisch zum Krieg als der „ultima ratio“ geführt und fordert nun schon einmal Millionen Opfer vom Schlage der Schill und Althans (vom „verheizten“ Schlachtvieh ganz zu schweigen).

Weshalb ich darauf bestehe, daß wir Troller und all denen zuliebe, die wir in unserer Angst und Wut verfolgt haben, statt uns wie gehabt mit der besagten SS-Fahrbereitschaft zu identifizieren, in den Einrichtungen der NATO die Bereitschaft zur Selbsterfahrung unserer aggressiven Natur einrichten, was selbstverständlich Notwehr resp. Verteidigung nicht obsolet macht (ich verweise auf Christian Walther: Verantwortung zur Freiheit – Soldatische Existenz in der Demokratie, Hohwacht Verlag, Bonn 1985, dessen Schrift zu verlegen ich die Ehre hatte). Das aber verlangt, daß wir, die Enkel von Goebbels UFA, den Anfang machen, da wir uns den Bildern des Grauens nicht länger durch Ästhetisierung entziehen müssen, sondern die ursprüngliche Bedeutung im Griechischen beherzigen können, die schlicht und ergreifend mit „Wahrnehmung“ zu übersetzen ist.

Die in „Private Ryan“ gezeigten Originalaufnahmen vom D-Day sollten den Ausgangspunkt sein, womit ich noch einmal meine Reverenz Georg Stefan Troller erweise, indem ich an seine bei KICK Film erschienenen Dokumentationen erinnere, die wie auch das hier zum Ausgangspunkt gewählte Selbstportrait, unter der Ägide von Jörg Bundschuh entstanden entstanden. In diesem Zusammenhang aber mache ich ganz besonders auf Trollers Reportage über den querschnittsgelähmten, hochdekorierten Vietnam-Veteranen aufmerksam, dessen Anblick, wie wir nun schon ahnen, fast jeden seiner noch unversehrten Kameraden in der Abwehrstellung gehen lassen muß: schließlich droht ihnen der Verlust dessen, was man gemeinhin Optimismus nennt, den unsere Politiker tagtäglich herbeizureden versuchen, ohne zu erkennen, daß sie dadurch schlecht sehen, wie Paul Valéry wußte, Frankreichs größter Poet und Diplomat der letzten 100 Jahre.

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Dietmar Moews mit Alphons Silbermann

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Dietmar Moews meint: Ich freue mich jedesmal, wenn mein herausgeberischer Leichtsinn auf Wahlverwandtschaft stößt. Sodass, anstatt Abmahnung sozio-geistige Affinitäten aufkommen. Einen Vorwurf, keine ertragsschöpfenden Anstrengungen zu verfolgen, weise ich zurück – der eine hat eine reiche Oma oder Ackerland geerbt, der andere ist als rarer Könner geschäftlich gefragt, manche gewinnen im Glücksspiel oder Klauen, einer lebt vom Geerbten, materiell Schwachbrüstige schaffen es, wenn sie gesund sind, durch extremen Arbeits- und Kampfgeist.

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Ich selbst habe meine eigene Bank geschaffen – mit wunderbaren geldwerten Bildern einer Malerei der Neuen Sinnlichkeit. Mein Genie lässt sich leicht benennen: Ich habe einen einzigartigen Farbsinn, dazu einen extrem treffsicheren Geschmack, dazu einen aktiven dynamischen Geist und – welch ein Glück – ich kann zeichnen und malen, sodass mir als Meister eines Lebenswerkes alles gelingt, was ich anfange.

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Wer sich dazu äußern möchte, mag das tun. Ich toleriere jedes Andersdenken – am Besten, wenn ich daraus Substanz oder zumindest Anregung ziehen kann. Meine tägliche Vollkraft wird nicht berechnet – ich mache es, wie es die Fußballer gerne sagen – ich konzentriere mich auf meine Tätigkeit und sehe dabei dem Möglichen entspannt und durchaus konzentriert entgegen.

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Georg Stefan Troller in der Neuen Sinnlichkeit 71

Oktober 14, 2018

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WOLFGANG HENRICH: GEORG STEFAN TROLLER „Selbstbeschreibung“ 17

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Das für jede Ausgabe gezeichnete Portrait der herauszuhebenden Verdienstler ist in diesem Heft des Jahres 2018 der österreichisch-amerikanische Jude GEORG STEFAN TROLLER, der nach letzten Nachrichten in Paris lebt, wo er viele Jahre deutsches Fernsehen machte.

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Dietmar Moews‘

LEXIKON DES KUNSTWESENS

Georg Stefan Troller

Georg Stefan Troller, T. ist ein österreichisch-jüdischer Schriftsteller und Fernsehjournalist, Drehbuchautor, Regisseur und Dokumentarfilmer, mit US-amerikanischer Staatsangehörigkeit, der sich dem deutschen Sprachraum zugehörig fühlt, geb. am 10. Dezember 1921 in Wien. T. jüdische Pelzhändler-Familie stammte aus Brünn, T. lernte zunächst den Beruf des Buchbinders, 1938, nach Anschluss Österreichs, floh T. mit 16 Jahren vor den Nazis in die Tschechoslowakei, von dort nach Frankreich, wo er bei Kriegsausbruch interniert wurde, 1941 erhielt er in Marseille ein Visum für die USA, wo er 1943 zum Kriegsdienst eingezogen wurde und am 1. Mai 1945 an der Befreiung Münchens beteiligt war, dann aufgrund seiner Deutschkenntnisse von der US Army zur Vernehmung von Kriegsgefangenen eingesetzt. Von 1946 bis 1949 studierte T. an der University of California Anglistik, anschließend an der Columbia University in New York Theaterwissenschaft. Mit einem Fulbright-Stipendium kehrte T. nach Europa an die Sorbonne, Paris, zurück, begann aber als Hörfunkreporter für den RIAS (Rundfunk im Amerikanischen Sektor, Berlin). Ende der 1950er Jahre wurde T. Fernsehreporter für den Südwestfunk. 1962 begann T. für den WDR sein von der ARD gesendetes Pariser Journal, 1971 als Sonderkorrespondent des ZDF in Paris, mit siebzig Folgen der TV-Sendereihe Personenbeschreibung, die im Bereich des Interviews als stilbildend gilt und wirkt. Zu seinen Vorbildern zählt T. Karl Kraus. T. hat etwa 1500 Interviews mit seiner betont subjektiven, aber neutralen Befragungsweise aufgenommen, ist mehrfach Grimme-Preisträger und Mitglied der Akademie der Künste Berlin. T. hat in zwei Ehen zwei Töchter und lebt in Paris.

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Neue Sinnlichkeit 69 – neue Ausgabe in loser Folge erschienen

Dezember 3, 2016

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Vom Samstag, 3. Dezember 2016

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Sehr erfreut kann ich heute das neueste Blatt „Neue Sinnlichkeit 69“ hier vorstellen:

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Im November erschien die neueste Ausgabe der „Neuen Sinnlichkeit 69 Blätter für große Gelehrsamkeit, treffsicheres Urteil und erhebliche Arbeitskraft“.

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Neue Sinnlichkeit“ wird für einmalig 500 EURO auf Lebenszeit abonniert (Postversand eingeschlossen).

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GRATIS-Probeheft anfordern.

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Neue Sinnlichkeit erscheint seit 1979 in loser Folge, jetzt im 37sten Jahrgang, von dem ehrwürdigen Erscheinungsort Köln.

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Die Blätter (für Kunst und Kultur), mit wechselnden Untertiteln, umfassen 64 Seiten, S/W, sowie einen inhaltlichen Rahmen aus „Zum Geleit“, „Erfolgskinder“, „Lexikon des Kunstwesens“, „Knigges Über Undank und Eigensinn“, eine Portraitzeichnung“,„Kinderseite der Epoche“, „Auflösung des vorangegangenen Literaturrätsels“, „Literaturrätsel“, dazu variante Extrabeiträge, Kritiken, Berichte, Ankündigungen“.

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Neue Sinnlichkeit 69 INHALT

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Inhalt

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INHALT 2

IMPRESSUM

Zum Geleit 3

ERFOLGSKINDER 5

FRANZ OTTO KOPP: Franz der UHU – Vexierbild und Gedicht 19

LÜGENVEREIN zur Förderung der Wahrheit durch Lügen 20

KÖLN: Merkel in der Kohlkiste 2016 26

LADISLAV KUPKOVIC 1936-2016 KURZNACHRUF 32

DIETMAR MOEWS: Lexikon des Kunstwesens: POETOLOGIE 36

ABONNEMENT NEUE SINNLICHKEIT AUF LEBENSZEIT FÜR 450 EURO

FROHBURG“ – Kleine Poetologie zu Guntram Vespers Roman 37

ADOLPH FREIHERR KNIGGE: ÜBER EIGENNUTZ UND UNDANK 1796

Knigge setzt Kants kategorischen Imperativ in

allgemeinverständliche Klarheit: Fortsetzungen XVIII 56

KARL KRAUS: Portrait: Die Linie von Dietmar Moews 59

DIETMAR MOEWS: Lexikon des Kunstwesens: Karl Kraus 60

Die Kinderseiten der Epoche: Wolkenarchitektur 61

Auflösung Qualitätsrätsel 68: HASEK

QUALITÄTSRÄTSEL 69: Wer hats geschrieben? 63

Impressum:

Neue Sinnlichkeit Blätter für Kunst und Kultur seit 1979 erscheinen in loser Folge im Pandora-Kunst-Verlag, Springe, Hannover, München, Leipzig, Magdeburg, Dresden, Berlin, Köln

E-Mail dietmarmoews@gmx.de Verlagsanschrift:

Dr. Dietmar Moews Mainzer Straße 28, D-50678 Köln ISSN 1432-5268

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Neue Sinnlichkeit 69 ZUM GELEIT

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Zum Geleit

In diesem Heft geht es ums Leben und neue Sinnlichkeit. Wir Menschen leben biologisch, ums Leben, wir leben nicht ums Erkennen.

Der blinde Mann schießt auf die Welt. Aus einem Betonkasten schreit das Nashorn nach Schlamm und Matsch.

Das ist die Wahrheit. Die sinnliche Wahrheit ist auf Dinge und Handlungen bezogen. Jeder weiß, wenn er die Augen schließt, sind die Dinge weiterhin vorhanden. Jeder weiß, dass jeder die Dinge anders sieht, sodass die Dinge viele Wahrheiten erhalten. Jeder weiß, dass er selbst die Dinge immer wieder anders erlebt. Doch die augensinnliche Wahrheit, die tastsinnliche Wahrheit, sie bleiben wie sie sind. Unsere Handlungen mit den Dingen verändern nicht die Wahrheiten der Dinge, es sei denn wir greifen das Material an. Wir haben diese materiellen Wahrheiten und dazu – wenn man es will – wissenschaftlich-ideell ausgeweitete Wahrheitserkenntnisse der Dinge. Diese bestätigen sich in sinnlichen Wahrnehmungshandlungen, aber auch durch wahre alltägliche Handlungen, wenn wir ehrlich sind. Fairness heißt die soziale Kategorie.

Und während unsere Dingwahrheit materiell konstant, aber individuell wechselhaft scheint, lässt sich die praktische Wechselbalgigkeit als ideelle Erkenntnis zur Wissenschaftswahrheit ausarbeiten. Das darf ruhig rein und fein sein.

In der neuen Sinnlichkeit geht es um die Lebensdienlichkeit unseres biologischen Lebens. Wir selbst stellen technisches Design her. Weder unser Leben noch Kunst und

die zeitgenössischen Kunsterlebnisse sind auf Erkenntnis der Wahrheit gerichtet.

Meine lieben Abonnenten der Neuen Sinnlichkeit auf Lebenszeit wissen, was es heißt, „in loser Folge“. Das Erscheinen eines der Blätter für Kunst und Kultur im Briefkasten ist, wie wenn es um Orgasmen bei der Paarung geht, man zählt sie nicht.

Liebere Leserin und lieber Leser – die Ambition, jede neue Ausgabe als Blätter für große Gelehrsamkeit, treffsichere Urteilskraft und erhebliche Arbeitskraft so stark auszuformen, dass bereits beim Öffnen der „Büchersendung“ ein Orgasmus losbricht, zumindest diesbezüglich eine lose Folge zu bilden, ist mir noch stets ein Vergnügen.

Es ist aber eine Ambition, keine erkannte Wahrheit – ein wahrer Traum sozusagen.

Neue Sinnlichkeit 69 „praecox“ ist die losgelöste lose Folge geworden. Kurz vor der Drucklegung verabschiedete sich mein Komputer lenovo 300 samt Content samt Backup-Terabyte-Festplatte. Das hat man selten. Neue Sinnlichkeit 68 enthielt die Arbeit des vergangenen Jahres, in dem viel Einmaliges passiert ist. Noch sind nicht alle Versuche der Reanimation dieser Festplatte, all der verlorenen Archivdaten und unabgeschlossenen Arbeiten, quittiert. Mein Schock ist enorm – (das Wort enorm ist Nichts dagegen.)

Mit dem hier vorgezogenen Blatt Numero 69 (JIMI HENDRIX: If SIX WAS NINE … and all the hippies curve all their hair) kommen Altersfortschritte zur Anwendung: Größere Buchstaben, Alles einspaltig. Ich hoffe, es gefällt.

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Neue Sinnlichkeit 69 aus „ERFOLGSKINDER“

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„….Es entstanden damals drei Motive im gleichen Format 152 cm / 170 cm mit diesem Stoff: Die stoffüberhange-ner Figur, ein Lehnstuhl, Titel: „Kokolastros Zauberstuhl“, ein überhangener runder Tisch in Draufsicht, Titel „Wo sind nur all die Auswahlmöglichkeiten von Gestern geblie-ben?“ – Stuhl und Tisch wurden 1984 von der Niedersächsischen Kunstkommission und dem Direktor Dr. Joachim Büchner, persönlich, für das Sprengel-Museum Hannover in die Staatliche Sammlung gekauft. Das Bild mit der Figur hängt jetzt bei mir in Köln.

Seine Sachen meistern. Der mit jedem Bild interessante Maler Arnold Böcklin meinte,

Nichts können ist noch lange keine neue Richtung“. Nichts können ist weit verbreitet, so bekannt, dass man es lieber verschweigt und langweilig.

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Als ich die Neue Sinnlichkeit pointierte – etwa im Jahr 1975, angesichts des Aufblitzens des postmodernen Zeitenwende – waren da wirkliche oder dargestellte Dinge, die einen menschlichen Maßstab zeigten. Neue Sinnlichkeit, wie ich es verstehe, hat Menschen gesucht und gefunden und hat diese Dinge zu menschlichen Zwecken ausgelegt und hergestellt. Mir war klar, dass Absichten und Zwecke solcher Werke auf Meisterschaft angewiesen sind. Meisterlich gefunden, meisterlich gemacht und meisterlich gebraucht. Allein, wenn Benutzer eines Werkes keine versierten Konsumenten sind, hat man „Perlen vor Säue geworfen“ und es entsteht keine Wertschätzung und keine Benutzer-meisterschaft. Der Moderne-Abbruch war in den 1970er Jahren der westlichen Lebens-sphäre durch Konsumhochgeschwindigkeit und oberflächlicher Lebensweise herangeschlichen. Die Modernisierung im HÖHER, SCHNELLER, WEITER kostete die Gründ-lichkeit von Wissen, Kenntnissen, Bildung, Urteilskraft und Differenzierungsvermögen. Unsere Lebensweise mit und durch Dinge und Dinglichkeit, Texte und Textlichkeit, Bilder und Bildlichkeit – übrigens in allen Gewerken und Metiers – statt unter Maßgaben der menschengemäßen Qualität wurde den billigsten Motiven unterworfen: Massenab-satz, Profitabiliät und kulturindustrielle Standardisierbarkeit. An Stelle von Meisterlichkeit der Werke wurden verdummende Verkaufstexte entwickelt. Die Konsumenten setzten, anstatt den kognitiven Status der Qualität eines Werkes als besondere Ding-lichkeit zu befragen, nunmehr die Philologie als postfaktische Machenschaft ein. Texte und Textualität als die Mittel der Rhetorik zur Vortäuschung von Qualität wurden marktgängig. Wir entfernten unsere Moderne vom Modernitätslohn, verloren sogar „Text als Kultur“ an die sprachliche Prostitution der zu schmierenden Kulturindustrie. Wir gerieten in ein zersetzendes Feedback durch die Disfunktionalisierung der Sprache als Organisationsmittel. Es sollten Daseinvorsorge und Zukunftsgestaltung sprachlich zielgeführt werden – wir indes organisierten fröhlich konsumierend die Verwirrung und die Weltzerstörung durch Wachstum der modernen Fortschrittsmethode. Damit war Sprache als metaphysisches Werkzeug zur Organisation unserer Vorstellungsorien-tierung sowie als philologische Hermeneutik in der Sackgasse – weiterer Fortschritt war Rückschritt. Die Moderne konnte weder vollendet werden, noch ließen sich moderne Emanzipationswerte weiterhin „modern“ zielführend verwirklichen. Der postmoderne Zeitpunkt war erreicht. Die Postmoderne – egal wer in welchem Metier umzugehen hatte – musste sich an der massenmedial alles Überlagernden modernen Textualität vorbei neu den menschlichen Qualitäten, den Phänomenen als Quelle außersprach-licher Sachverhalte einer postmodernen NEUEN SINNLICHKEIT zuwenden. Wir erleben inzwischen als weiteren Riesenschritt in der Kulturgeschichte die IT-Revolution und die herrschaftspolitisch erzwungene Massenverblödung, nämlich beliebiges neues Konsumdesign und billige Verhaltenserleichterungen, jeweils in der großen Zahl (Kon-sumenten-Majorität) unbedenklich politisch anzunehmen. Außersprachliche Bedeutun-gen und Qualitätskausalitäten werden hastig und mangels Bildung, Kenntnissen und Urteilskraft sowie der Majorisierung durch Oberflächlichkeits-Kollektive durchgesetzt.

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Fassungslos erleben wir dennoch, wie die MODERNE DER BESCHLEUNIGUNG politisch fortgesetzt wird, alle Lebensbereiche durchzieht. Selbst bei minderwertiger Ernährung oder qualitätsloser Musikeinfalt verweigern sich die Konsumenten nicht. Man kauft freiwillig sogenannte Schokolade, die zu 70 Prozent aus Zucker, 25 Prozent aus Fett und einem zum Behufe der Schoko-Bräune, einen Restanteil genmanipulierten Kakaos enthält. Das Zeug ist total billig. Wertvolle Schokolade kennt man gar nicht.

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Wir könnten versuchen, uns als intelligente Sozialwesen in der arbeitsteiligen Lebens-weise den Fragen der Qualität alter Sinnlichkeit zu widmen. Angesichts der Abkopplung und Deprivierung, der Mediatisierung der Erwerbslebensweise der Absatzmaximierung, könnte sozialkritischer Wert auf die Textwissenschaft gelegt werden. Zur Signalisierung der Postmoderne habe ich am 17. 10. 1992 mit den intelligenten Freunden Kopp, Bartels, Gawriloff, Fischbeck, Wustrack, Krause, im „Büro“ Hannover, die Satzung für den „Verein zur Förderung der „Kunst des Lügens“ als Devianzkultur zwischen zweck-rationaler und irrationaler Kommunikation, kurz „LÜGENVEREIN“ gegründet (s. S. 20).

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Textmacht als Konstitutiv in allen Gegenstandsbereichen und die Sinnlichkeit von Din-gen, Material und Kunstwerken sollte in allen Lebensfeldern aufgespürt werden. Dazu zählten vormoderne Qualitäten als postmoderne Qualitätskriterien, der menschliche Körper, sein Tempo, seine Zeit-Raumbeziehungen. Es ging um sinnlichkeitspolitische Akzente und die Ächtung von Verantwortungsflucht durch Fernfuchtelei und „Schweigespirale“. Der LÜGENVEREIN ist ein lohnender An-knüpfungspunkt für eine postmoderne Wende in der Aufklärungsgeschichte.

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Ohne Zweifel ruft deshalb diese hier exponierte Meta-Textwissenschaft nach einer empirischen Soziologie in allen Feldern unseres heutigen Lebens. Wir müssen heraus-finden, wie sich der Gebrauch bzw. der Missbrauch der Textkunst in der Textkunst-wirtschaft und der Textkunstforschung auf die schiefe Ebene der Pervertierung unserer menschlichen Wertsetzungen hat führen lassen? Diese Soziologie wird von Mensch zu Mensch, den kommunizierenden Menschen und Menschenmengen, Menschen und Menschenmassen, massenmedial geführten und irritierten Kollektive nachzugehen haben. Gefragt ist eine positivistische methodisch-naturwissenschaftliche Soziologe, die postmoderne Hypothesen über Kants vierte Frage hinaus stellt: Wie hagiografiesüchtig, wie idolisierend, wie korrupt und scheinheilig, wie bräsig und unzuverlässig, kurz: Wie tragisch ist unsere soziale Ambition? –„Wie und was ist der Mensch?“ (Kants vierte Frage). Kant meinte, „Dichtkunst ist ein Spiel der Sinnlichkeit, durch den Verstand geordnet; Beredsamkeit ein Geschäft des Verstandes durch Sinnlichkeit belebt“. Kants ersten drei Fragen lauten: Was kann ich wissen? – Was soll ich tun? – Was darf ich hoffen?“ – Hier ist der Riss, wenn unserer Zeitgenossen glauben, es sei so üblich und akzeptiert, „Was wünsche ich mir?“, „Was geht mich das an?“ zu fragen und fordern.

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Ich muss nicht betonen, wie schwer für mich der Verlust wichtiger Freunde durch Tod und schwere Krankheiten ist, wenn ich die Text, Textualität und Textwissenschaft-Bedenken als Aufgabenstellung für die empirische Soziologie diskutieren möchte. Alphons Silbermann starb im Alter, vor 16 Jahren. Meine Freunde, Fokko von Velde, der Maler, hatte Schlaganfälle zum Alkohol, Franz Otto Kopp, Konstrukteur und Maler, sitzt beim Uhu infolge letaler Darmschmerzen, Job Crogier, der Filmer und Maler ging mit letaler Kehlkopf- und Lungenverderbnis über den Fluss – wir waren mal 7 OPQ, am Raschplatz „U“ benannt. Im Juni 2016 starb mein Freund Ladislav Kupkovic, der Komponist. Leibniz, dem die lustigen Hannoveraner nicht den Camouflage-Spree-Amorphling, genannt „Schloss“, widmen. Stattdessen macht man mit dem subalternen Alexander Humboldt herum. LEIBNIZ starb vor 300 Jahren, am 14. November.

Konstruieren? Ich lese Dekonstruieren. Wikipedia bringt „Konstruieren“ als mechanisch technisches Zielhandeln und dann „Konstruieren (Grammatik)“ – soll aber ebenfalls strukturales Sprachbauen bedeuten. …“

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Neue Sinnlichkeit 69 „KARL KRAUS PORTRAITZEICHNUNG)

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Neue Sinnlichkeit 69 „LITERATURRÄTSEL Wer hats geschrieben?“

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Qualitätsrätsel 69

Die Frau“ gehört zu den „Gegenständen“ respektive den „Themen“ oder „Aussagefeldern“, in Hinsicht auf welche eine gänzliche Meinungslosigkeit unmöglich wäre. Schon ein Säugling ist ein „Frauenkenner“, der sich vorerst nicht als solcher verrät. Man kann von „der Frau“ nicht nichts wissen, gleichgültig wie klischeedurchtränkt die vorgeblichen „Wissenselemente“ unter prüfendem Licht erscheinen. Eines Tages wird der Herzog „La donna è mobile“ singen, die Paare im Pakett schauen sich lächelnd an.

Aus beobachtungen dieser Art ergibt sich eine Definition: „Der Mensch, männlich, weiblich, intersexuell, ist das zum Frauenkennen verurteilte Tier. Er weiß von Frauen unvermeidlich zuwenig, aber auch verwirrend zuviel. Folglich sind Menschen in der Regel die von der Frau enttäuschten Wesen. Wie überall ist hier die Enttäuschung der gerechte Lohn des Vorurteils. Ein Gesprächsteilnehmer bemerkt hierzu: „Der Gynäkognosis hafte ein Zug zur Tragik an.

(Der Terminus, von Guido Möesenlechzner in die Debatte eingeführt, fand bei den Anwesenden nicht allgemein Beifall. Man wolle seine geistreiche Tendenz nicht in Abrede stellen, doch die Wortprägung bringe den Nachteil mit sich, das Thema viel zu hoch anzusetzen. Silbe zitiert Plessner: „Von Überwölbungen sei nichts zu erwarten, außer, dass sie einstürzen.)

Wer hat’s geschrieben?

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Relationship of DONALD J. TRUMP and PRESIDENT VLADIMIR V. PUTIN of Russia

Juni 9, 2016

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Vom Freitag, 10. Juni 2016

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PUTIN und TRUMP als TITEL-MONTAGE der New York Times am 5. Juni 2016

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Die LICHTGESCHWINDIGKEIT bringt in täglichem FORTLAUF die menschenwichtigen Neuigkeiten in der öffentlichen Kommunikationslage, dazu die aus Sicht von Dietmar Moews fehlenden Informationen und Bedenklichkeiten zur massenmedialen Themenführung, dazu Ausblicke, Kurznachrufe, Schoki-Tests, Fußballeinsichten, empirische Soziologie-Blicke, Malerei der Neuen Sinnlichkeit des „weißen Engelchenhemds“, ZUGINSFELD im gemalten Fortschritt zur Ächtung des Krieges, die IT-Revolution und BIBI4E als Herausforderung an die deutsche Missregulierungspolitik des rückständigen INTERNETZ-AUSBAUES …

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Dazu gehört der medial aufgeblasene Vorwahlkampf in den USA, für den erst im kommenden JULI 2016 die großen Parteien – the Republicains sowie the Democrats – ihre Kandidaten wählen. Das ist der heutige Stand, wiie sich in den annähernd zwei Jahren Vorwahlkampf alle möglichen selbstberufenen „Kandidaten-Kandidaten“ sich persönlich den Amerikanern in selbstorganisierten Werbeauftritten bekannt machen konnten.

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Der jetzt erreichte aktuelle Stand hat ergeben, dass der für die Republikaner antretende Bewerber Donald Trump inzwischen die entscheidende Anzahl der US-Staaten und damit deren Wahlleute gewonnen hat. Zugleichgaben inzwischen alle anderen Republikaner-Bewerber offiziell ihre beabsichtigte Kandidatur auf. Und die republikanische Partei und deren Führungspersonal versuchen armwedelnd sich den Präsidentschafts-Kandidaten DONALD TRUMP vorzustellen.

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Auch in den westlichen Partnerstaaten der USA wird der US-Vowahlkampf und die Kandidatenkür aufmerksam begleitet und die außermittigen, schrillen Wahlkampfauftritte TRUMPS versucht, in die seinsgebundene Weltpolitik-Agenda, zu integrieren.

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KÖLNER STADT-ANZEIGER, Donnerstag, 9. Juni 2016 in bekannter Leser-Arschkriecherei –  deutsche Medien haben TRUMP zum gefährlichen Idioten gestempelt – HILLARY dagegen strahlt – naja.

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In den vergangenen Tagen erreichte die demokratische Bewerberin HILLARY CLINTON angeblich ebenfalls die für ihre Partei mehrheitsrelevante Anzahl Wahlleute, besonders durch ihre Siege von NEW YORK und CALIFORNIA zuzüglich der bislang von Sonderdeligierten zugesagte Unterstützung für CLINTON bei der entscheidenden Demokraten-Kandidaten-Abstimmung im Juli.

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Aber CLINTONS verbliebener demokratischer Gegenkandiat SANDERS hält weiterhin seine Bewerbung und seine öffentlichen Wahlkampfauftritte ab. SANDERS hat noch zuletzt ebenfalls ein kleineren „Staat“ gegen CLINTON geholt. SANDERS konkurriert formal also weiterhin mit Blick auf den Juli.

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KURZ:

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Der Vorwahlkampf um Beachtung und Prominenz sowie um die Wahlleute ihrer Parteien – republikanische Wahlleute für TRUMP, demokratische Wahlleute für CLINTON oder SANDERS – ist so gut wie abgeschlossen.

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Erst die entscheidende Parteitags-Kür wird voraussichtlich im kommenden JULI 2016 den Kandidaten der Republikaner und der Demokraten wählen und proklamieren.

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Die Präsidentschaftswahl selbst findet am 8. November 2016 statt. Wählen dürfen dann lediglich diejenigen US-Amerikaner, weltweit, die sich in die Wählerlisten persönlich oder per Brief eingeschrieben haben – für Wahlberechtigte US-Amerikaner hat inzwischen bereits die Briefwahl begonnen (ohne, dass die Kandidaten überhaupt nominiert sind).

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Dietmar Moews meint: Meine LICHTGESCHWINDIGKEIT zur US-Wahl und zu den KANDIDATEN werde ich publizieren, wenn die Parteien definitiv im Juli die Kandidaten gewählt und nominiert haben und diese tatsächlich ihre Nominierung angenommen haben und zur Wahl als Nachfolger für den noch bis Januar 2017 amtierenden demokratischen Präsidenten BARACK OBAMA, antreten.

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Deshalb heute nur – als Quasi-Resonanz auf den angängigen Medienhype zu TRUMP und HILLARY – eine Bedenklichkeit:

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Egal, wer Papst ist oder US-Präsident – der oder die diese Rolle betreuende Eliteperson repräsentiert und arbeitet in einer vielfältig strukturellen SCHLÜSSELPOSITION. Doch der Präsident hat bei Weitem nicht die Entscheiderfunktion, die uns vorgegaukelt wird – Struktur, aber – Funktion.

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Unscharfer „Meilenstein“ am 9. Juni 2016 in der Süddeutschen Zeitung

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Dr. Dietmar Moews, der sozialdynamische deutsche Junge, „Dietmar ist hoch begabt, seine Leistungen sind insgesamt sehr gut“, der so gut wie niemals Urlaub gemacht hat, der Frauenverehrer in innigen Beziehungen, der Hafenbauingenieur von Hafen Insel Norderney (1974-1977), der Maler und Künstlergelehrte, der Jugend-Tischtennis-Vereinsmeister und leidenschaftliche Fußballer, der Beatband-Musiker MERCY LSD, THE BEADS, der dankbare Sohn seiner Eltern und des ungewöhnlich begabten, vorbildlichen Vaters, der Buchautor, der Theatermacher und Mitgründer in den 1970er Jahren der Gabl und der GRÜNEN, der staatlich durch KUNSTANKÄUFE, STIPENDIEN, PREISE und die Deutsche Künstlerhilfe „bezeugte deutsche Berufskünstler“, der Kirchenchor-Oratorien-Sänger. Der BBC-Aufnahme-Assistent für RACHMANINOFF in IWANOWKA, nach 2006 Mitgründer der Piratenpartei Berlin und der Piratenpartei Deutschland, der Autor seit 2009, der täglichen YOUTUBE-BLOG-Aktualitäten LICHTGESCHWINDIGKEIT (über 1 MILLION Nutzer), des WordPress-Text-Blogs täglich LICHTGESCHWINDIGKEIT, der Wasserbau-Ingenieur der Hochschule Bielefeld, der Z10-Verpflichtete der JOHANNITER UNFALL-HILFE, der Mathematik- und Kunstlehrer an der Grund- und Hauptschule Springe II, der Erziehungswissenschafts-Student der Leibniz-Universität Hannover, Rechtswissenschafts-Student der Georg-August Universität Göttingen, der Malerei-Meisterschüler bei Prof. Roland Dörfler HfBK Braunschweig, im Landesvorstand des BUNDES BILDENDER KÜNSTLER, des 7OPQ Spielplatz der Künste Hannover, des PANDORA KUNST PROJEKTS München, des Büros für Erdangelegenheiten Leipzig, Büro für Wasserangelegenheiten Magdeburg, Diesseits für Gut und Böse Dresden, Globus mit Vorgarten Berlin, freie-universitaet-dresden.de, Bundestagsberater für Post- und Telekommunikation der GRÜNEN in BONN, Berater des Netzwerks Leipzig-Stötteritz, Berater der BUXXBAUM-Bio-Handlung Dresden, der externe Doktorand von Prof. Dr. Rudolph Bauer der Universität Bremen mit dem Schlüsselgutachter Prof. Dr. Alphons Silbermann Köln (1909-2000), der Galerist- und Kunsthändler der Galerie M und der Ballhof-Galerie Hannover, der Gründer und Herausgeber der Blätter für Kunst und Kultur „Neue Sinnlichkeit“, seit 1979, der Maler von ZUGINSFELD, „Zur Ächtung des Krieges und der Gesellschaft, die den Krieg hervorbringt“, nach dem Malerdichter OTTO NEBEL (1918). Noch Fragen? Kopien und Studien nach Caravaggio, Georges de La Tours und Piero della Francesca, Musik-Studio-Produktionen mit und ohne Autorenrechten, CITOYEN in Springe, Hannover, Hamburg, München, Cagliari, Leipzig, Magdeburg, Leipzig, Dresden, Köln, Springe, Berlin, Köln – der Weltreisende EUROPAS und beider AMERICAS, mit frommem Blick in die Zukunft.

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Es wird sicher am kommenden 8. November der 66ste Geburtstag von Dietmar Moews wie auch die Wahl eines US-Präsidenten passieren.

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Und deshalb:

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Ein Präsident, der eigene Vorstellungen im Wahlkampf versprochen hat, die nicht der US-OLIGARCHIE gefallen, wird diese fallenzulassen gezwungen werden – es gibt dazu nur eine ALTERNATIVE:

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die von John F. und Robert Kennedy unfreiwillig enden, wie Dag Hammerskjöld, Maurice Lumumba, Malcolm X, Martin Luther King und Rudolf Bahro und Leo Trotzky, Anwar al Sadad, Yitzhak Rabin, Albino Luciani und Roberto Calvi da Capo al Fine uns vor Augen stehen.

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Frauen sind geschickter darin – wir dürfen auf HILLARY gespannt sein.

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Neue Sinnlichkeit 66 – Erfolgskinder

Juni 9, 2015

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vom Dienstag, 9. Juni 2015

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Kurzvorstellung des Blattes Neue Sinnlichkeit 66, das im April 2015 im 36. Jahrgang in Köln erschien und nach wie vor von Dietmar Moews verantwortlich herausgegeben wird.

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Zum Geleit

Anregen und Stillen – das gefällt mir als Leitmotto, liebste Leserin und lieberer Leser.

Ich sehe darin durchaus eine akzeptable Anknüpfung bei meinen Lesern und Abonnenten auf Lebenszeit – kann es guten Herzens für mein fortlaufendes Leben versprechen: Mein Arbeit war Leben.

Zwang antun möchte ich mir eigentlich nicht mehr, als es immer die Kunst selbst forderte:

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Blätter für das witzige Gefühl fälschlich zu fühlen. Da staunt selbst die Katze.

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Ich bin frei, beginne ganz frei ein Werk herzustellen, es übernimmt immer mehr die Gewalt über das auf eine Vollendung hinausgehende Schaffen und wird letztlich im Selbstzwang vollendet – „frei“ würde ich ein Werk fertigzustellen nicht nennen. Denn ganz konkret ist das ein mächtiges Gesetz der gesetzmäßigen Vollendung, wenn man ein Werk als Meisterwerk angelegt hat.

Nun habe ich als Herausgeber und Autor dieser Blätter in den Jahren eine Arbeitsweise eingespielt, die von außen betrachtet ziemlich wild erscheinen mag. Jedenfalls ist das nicht gleich der thematischen Engführung sonstiger Arbeit bzw. Insonderheit bei Dienstleistungen hat man Termine und Abstimmungen einzugehen, von denen ein freischaffender Maler, Wissenschaftler, Student und Schriftsteller frei ist (wenn er frei ist).

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Und diese Schaffensweise greift ständig Alles an, auch was neu und zusätzlich entgegenkommt. Vieles Halbfertige oder nur Skizzierte oder Riesenwerke, die unabgeschlossen da stapeln – kurz: Alles ist auch Last, Druck und ein Hypertrophie-Gleichnis, das manchmal zu überdrehen droht, bringt auf diese Weise eine schöne freie unendliche Geschichte hervor: Der Maler steht inmitten seiner vielen angefangenen, unfertigen Bilder und freut sich wie Oskar, wenn doch eines nach dem anderen wie ein „frisches Brötchen“ duftend und von innen leuchtend fertig wurde.

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Dietmar Moews Zusatz-Werklinien, seit dem Jahr 2009, Lichtgeschwindigkeit, als Videos bei Youtube und als Blogbeiträge bei Word-Press als PROJEKT Globus mit Vorgarten, haben diese Textwerke für die Blätter Neue Sinnlichkeit veränderte Redaktionskriterien gebracht – zahlreiche akute Themen und Meinungsbeiträge fließen mehr in die Blogs, weniger in diese ERFOLGSKINDER.

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Doch was soll man hadern? Wer sich nicht weiterverändert, wird durch die Tageserrungenschaften dazu gestoßen, sich überwältigenden Veränderungen zu unterwerfen.

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Dass nun Franz Kopp (1937-2015) starb, ist für mich ganz furchtbar schrecklich. Von Franz erhielt ich ganz lebendige Antworten und Kritiken und Inhalte, die ich aufnehmen konnte, wenn ein neues Blatt erschien: IN DER KUNST GIBT ES KEINE PAUSEN.

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Inhalt

Inhalt

Umschlag: aus einem Architektenfamilien-FILMPlakat                               1

Zum Geleit                                                                                                    2

Inhalt                                                                                                             3

IMPRESSUM 3

ERFOLGSKINDER 4

FRANZ OTTO KOPP: Portrait: Die Linie von Dietmar Moews 29

FRANZ OTTO KOPP und LAYOS DAYATOS VOLXWEYßHEIT L. D. 21

FRANZ OTTO KOPP DINTENUNIVERSUM L. D. Faksimile-Briefe + Karten 22

ABONNEMENT NEUE SINNLICHKEIT AUF LEBENSZEIT FÜR 500 EURO 23

FRANZ OTTO KOPP Die Theorie zum Schreitmobile für Hängebetrieb 34

FRANZ OTTO KOPP Leibniz funktioniert doch – mit zwei Korrekturen:

Zehnerüberträge der Leibniz-Maschine von Franz Otto Kopp 49

FRANZ OTTO KOPP Calculemus! Neue Hannoversche Funktionsmodelle zu Leibniz 53

ADOLPH FREIHERR KNIGGE: ÜBER EIGENNUTZ UND UNDANK 1796

Knigge setzt Kants kategorischen Imperativ in allgemeinverständliche Klarheit; Fortsetzungen XVI. Teil 57

DIETMAR MOEWS: Lexikon des Kunstwesens: Franz Otto Kopp 60

Die Kinderseiten der Epoche: Der schließliche Tod des Franz 61

Auflösung Qualitätsrätsel 65: ARTHUR SCHOPENHAUER

QUALITÄTSRÄTSEL 66: Wer hats geschrieben? 63

Impressum: Neue Sinnlichkeit Blätter für Kunst und Kultur seit 1979 erscheinen in loser Folge im Pandora-Kunst-Verlag, Springe, Hannover, München, Leipzig, Magdeburg, Dresden, Berlin, Köln http://www.neuesinnlichkeit.com; Verlagsanschrift:

Dr. Dietmar Moews Mainzer Straße 28, 50678 Köln ISSN 1432-5268

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Erfolgskinder

Willkommen, liebste Leserin und lieberer Leser, im neuen Blatt für Kunst und Kultur.

Es ist Numero 66.

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Ein Autor der Neuen Sinnlichkeit ist gestorben: Franz Otto Kopp 1937-2015.

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Hatte noch ich Neue Sinnlichkeit 65 als Blätter für die Knechtschaft der Freiheit getauft, begann es, um mit grauen Gedanken aufzuräumen, über „Lügen am offenen Grab …muss man im seltenen wichtigen Fall allerdings ganz nach vorne gehen, selbst am Grab das Wort anheben und der Differenz mit dem Toten das Wort leihen – wer’s kann.“

Dass es kommen kann, war klar – dass es jetzt schon am 21. Februar zur Aussegnung meines guten Freundes im Nikolaifriedhof am Nordstadtkrankenhaus in Hannover für mich selbst eintraf – was soll ich sagen?

Mir drängt sich auf, dass die Aussegnungsphilosophie aus Numero 65 Grund sein könnte, dass ich nun im Ungewissen bleiben werde, was zu seinem Tod am 9. Februar 2015 geführt hat. Hätte ich über Daisy, die Gänseblume oder die tropistischen Sonnenblumen geschrieben, hätte er in unserem sehr engen, langjährigen Freundschaftsverhältnis den Zaun der Zähne gebrochen – Franz der nie klagte (es sei denn, um nörgelig zu quängeln, wenn er in Laune war – er, der vom ersten Lochstreifen bis zum 3D-Print die IT-Revolution kannte), möglich mehr als die Andeutungen mitzuteilen, die ich zuletzt von ihm bekam. Während er meinen Brief nicht mehr aus seinem Briefkasten hat nehmen können – woher ich das unbekannte Sterbedatum anders schließe, als es in der Urkunde eingesetzt („12.2.15“) oder vom Nachlassgericht („zwischen 6. und 12. Februar 2015“) worden ist. Ich werde seine letzten unserer Dinten-Briefe weiter hinten faksimiliert drucken – sie waren privat. Doch es wirft auf den Absender, der jetzt überraschend weg ist, ein bemerkenswertes Sternenleuchten. Ich weiß nicht – aber es kommt mir vor, als hätte er extreme Schmerzen gehabt und möglich angesichts einer nicht mehr verhandelbaren Krankheit, nicht mehr wollen. Franz war klug und nüchtern – er schmiss schlechtem Geld kein weiteres gutes freiwillig nach.

Wir können hierbei Zeuge des neuen Menschen sein – weiter sozialpsychologisch unabhängig als bisher üblich. Franz war jeglichem Pathos-Heuchelei-Spagat abholt. Er lebte reine Menschlichkeit. Ich zeige das Neue hier allerdings nur als Impression von den Todesumständen her. Nichts ist peinlich. Alles ist offene Gestalt des Tief- und Hochgeistes – wer macht, bestimmt, ohne kategorische Imperative. Franz Kopp war ein praktischer Philosoph, kein Metaphysiker.

Deshalb trägt das Blatt den auf meinem nachzurufenden lieben gestorbenen Franz Otto Kopp – der etwa am 9. Februar 2015, in seiner Wohnung gestorben, am Abend des Donnerstag, 12. Februar 2015, etwa um 23 Uhr von der Feuerwehr gefunden, in Hannover nun doch tot war – den Untertitel: NEUE SINNLICHKEIT 66 Blätter für den stimmigen Winkel oder besser für das witzige Gefühl fälschlich zu fühlen – erstaunlich.

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Carpe Diem – nutze den Tag: Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass der heutige Mensch nicht die Krönung der Schöpfung ist, sondern der Neandertaler von morgen. Und wenn wir in einer Entwicklung schöpferischen Sinn sehen, ist die Frage: gibt es den Sinn? – grundsätzlich beantwortet – nämlich: Es ist ein Sinn, der auch dein Sinn ist – was ist mein Sinn? Zu helfen.

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Jedenfalls gibt es Weiterentwicklung in der Gerechtigkeit. Darin liegt sinnvolle Übung seiner Fähigkeiten, sich für andere einzusetzen: Nutze den Tag. Franz und ich genossen die Konsonanz unserer Gemüter, betreffs der Begeisterung für sinnvolle Arbeit. Das Wort „Workoholic“ oder „Managerkrankheit“ – für das eigene tätige Leben, stand uns niemals im Sinn. Wer kann Freizeit schöner finden als intensiven Gebrauch der eigenen Zeit für die ureigenen Aktivitäten als Künstler.

Franz war ein geniales Unicum, ein Künstlergelehrter, Konstrukteur und Maler. Mit einmaliger Lebensentscheidung war er zu Zeiten als Universitätsangestellter „beim Staat“ in Dienst getreten, wo er als Wissenschaftler und Hochschullehrer seinen Grunderwerb holen konnte. Seine hohe edle Brücke war der Getriebeprofessor Gerd Kiper, der in einer entscheidenden Phase das soziale Maß für alles Weitere darstellte. Darüber hinaus war Franz frei. Familie hatte er nicht, wollte er nicht. Soziales war ihm zwanglose Gelegenheit der Liebe. Darunter gab es nichts. Er figurierte mit anderen „Zombies“ als „Layos Dayatos“ bzw. „Lajos Dayatos“, dem immer wieder unsterbliche Worte nachgesagt werden, wie dieses, das Franz und Dietmar besonders verband: „Der Winkel muss stimmen“. Dabei mussten die Winkel von gelegentlichen Berührungsstimmigkeiten passen, Gesinnungsgemeinschaft war seitens Franz unerachtlich, eigentlich unerwünscht. Desungeachtet nutzten alte vertraute Freunde in der ungeduldigen Kommunikation den gemeinsamen genialen Kanon: knapp, kompetent, neugierig, fragend, witzig, dynamisch und – der Winkel, auch im Genuss, muss stimmen.

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Das ANDERSSEIN als MENSCHENRECHT galt. Der Erziehungsrüsselknoten prägte das „Vereinswappen“ unserer Gruppenstiftungen: Die Hunde, der Lügenverein als Bananenverein, Die 7 OPQ kapitalistischer Realismus usw. – stets galt der Mensch vor allen Machenschaften und Gestellen.

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Franz hatte tiefe Abneigung gegen Macht und Herrschaft, gegen Denunziation und Indiskretion, gegen Intoleranz und Normative. Solche des Geldes und der Jurisprudenz vermied er – keine Bindungen für einen freien Menschen!

Respekt im vollsten Sinn, Anknüpfung durch Inter esse, Zusammenwirken bei guter Laune. Diskurs auf geduldigem, aber kurzem Wege, immer Sinn im Zweifelsfall vor Form.

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Natürlich kann es aus Sicht eines Konstrukteurs nur und unweigerlich sein, dass jeweils der Winkel stimmen muss. Es ist aber auch für den Tortentester, der immer auch ein Tortenbohrer und ein Tortentester ist, die Prüfung von Höhe und Tiefe. Und wie immer eine Torte beschaffen ist, zuallererst und nicht zuletzt muss der Winkel stimmen, in dem jedes Stück auch auf den Bezahlpreis zugeschnitten wird.

Machen wir uns nichts vor: Auch das Torten Testen ist Arbeit. Es ist gut, wenn man arbeiten kann, wenn man fähig ist, zu arbeiten. Es ist schlecht, wenn man nicht arbeiten kann. Es ist schlecht, wenn man nur arbeitet, damit man aufhören kann mit arbeiten. Als strebe man mit der Arbeit nach Freizeit, danach, nicht zu arbeiten. So sehe ich das.

Menschen, die nicht arbeiten, sind öde – sie öden mich an. Ich gehe ihnen aus dem Weg.

Fraglos schreibe ich hier von meinem Trost bei diesem Abschied nur, was für den Leser neu und erhellend ist, wenn ein Leser sich auf Neues anschickt.

Meine Gedanken über den Tod eines ganz nahestehenden Menschen haben viele Denkrichtungen. Jeder erlebt es in seinem Leben. – Sehr oft ist es so schwer, dass das ganze bisherige Leben beschlossen ist und das neue doch nicht allein im Erinnern bestehen kann. Vieles davon ist „normal“, konventionell. Es besteht aus Zwang, Ruption und Verlust. Wie man damit umgeht – nennen wir zusammengefasst Trauer – ist ganz individuell, sozial eingerahmt und gestützt oder individuell vereinsamend äusserst traurig.

Hier ist aber was Neues zu berichten.

Der Tod von Franz Kopp besteht einerseits in dem besonderen Stern, der jetzt untergeht. Als Franz das erste Mal in seinem Leben ICH sagte, entfaltete sich eine neue Sozialität, eine besonders entkopppelte Persönlichkeit, die zur Ausprägung der großen Begabungen vergleichsweise viel Zeit für sich brauchte. Für das herkömmliche Gruppenleben hatte er keine Zeit – aber er brauchte keine aufwendigen Beschwörungen der sozialen Rituale. Er ging in leuchtender Weise alleine. Wer in seinem Leben mal in einer Spitzenrolle war, kennt die dünne Luft.

Sein Tod hat diese neusonderpostmoderne Pathosfreiheit als entsprechend besonderes Ausscheiden aus dem sozialen Geschehen repräsentiert. Als nahestehender Freund habe ich davon bemerkenswerte Einzelheiten miterlebt, teils ausgelöst und mitgestaltet, die ich hier bezeugen kann. Vermutlich hat niemand das vollständige Bild davon.

Andererseits besteht es in einer Entwicklungsqualität einer Vorstellung, die einen Bogen beschreibt:

Nehmen wir die pauschale Vorstellung des menschlichen Aufklärungsverlaufs im Sinne einer eigenen Geschichte, der man eine kollektive Geltung zuweist. Lassen sich diese Worte aufreihen: MODERNE, POST-MODERNE, heutige SONDERMODERNE.

Immanuel Kant verließ seine Geburts- und Heimatstadt nur ganz selten und nur einige Meilen – Franz Kopp, der mit der gesamten Wissenschaftswelt in Verbindung stand, wurde Nienburger-Str. / Ecke Herrenhäuser Kirchweg im Jahr 1937 geboren, wurde zwar durch den Krieg und die Nachriegszeit von Bayern nach Britannien geworfen, arbeitete aber sein Leben lang nur einige hundert Meter vom Geburtsort entfernt im TU-Hauptgebäude, der heutigen Leibniz Universität Hannover, und er wurde wiederum nur wenige hundert Meter entfernt, im Nikolaifriedhof, gegenüber dem alten Nordstadtkrankenhaus, nun am 21. Februar 2015, bestattet.

Den nicht etablierten Begriff Sondermoderne nehme ich im Sinne von „Eklektizismus“. Sondermoderne gehört zum Bild des Entwicklungsfortschrittes in der ablaufenden Zeit. Damit werden nicht Aufstieg, Abstieg, Bewahrung, Veränderungen ästhetisch oder moralisch bewertet.

Dennoch sind „Sonderimpressionismus“, „Sonder-Epochen“, kultursprachliche Begriffsausprägungen einer Art, wie es sie schon früher gab, zur späteren Zeit, ohne dass dabei im lebendigen Sinn Anknüpfung oder Fortsetzung des schon mal angesagten gemeint ist, sondern eben eine Sondersituation in der Art eines historischen „Déjà Vus“. Scheingleichheit einer anderen Zeit, taucht als Morphologie auf, ohne in der „genetischen Erbfolge“ zu stehen.

Der Tod, von dem hier als Ereignis des Jahres 2015 geredet wird, ist in folgendem Verständnis neu:

Franz Kopp wurde einige Tage, bereits übers Wochenende, von verschiedenen Bekannten vermisst. Dann klingelten sie an der Wohnung, dann riefen sie sich gegenseitig an, am Donnerstag abend dann holte die Polizei die Feuerwehr, weil beim Dr. Ing. die Wohnungstür verriegelt, die dann den Weg über eine Feuerwehrleiter in den vierten Stock durchs Fenster den im Bett Gestorbenen am 14. Februar, spät abends fand.

Polizei und Arzt protokollierten, ein normaler Tod wurde testiert, das Sterbedatum vom Arzt geschätzt.

Am Freitag abend hatte ich Franz meinen Antwortbrief in Köln in den Briefkasten gesteckt. Franz freute sich auf Post von mir. Dieser Brief ist höchstwahrscheinlich am Montag in Hannover in Franz‘ Briefkasten gelandet – er hat ihn nicht mehr empfangen können. Das wäre dann der 9. Februar – frühestens und spätestens – der Arzt fand den Toten nach Augenschein etwa zwei Tage vorher verstorben – dann aber hätte er meinen Brief noch bekommen und geöffnet. Bzw. wäre es ihm so schlecht gegangen, dass er nicht mehr an den Briefkasten gekonnt hätte, hätte er doch einen Freund um Hilfe angerufen.

Der aus meiner Einschätzung etwa am 9. Februar 2015 in Hannover gestorbene Franz Kopp war ein ganz ungewöhnlicher Mensch – ein devianter Mensch.

Stelle man sich einen Wolfsmenschen als einen besonders naturgebundenen unkultivierten Wilden vor – einen Archaiker -, so war Franz Kopp ein universell Hochgebildeter, dessen Wesen als Künstlergelehrter auch darin bestand, sein gesamtes Reproduktionsleben, so weit möglich, auf sich selbst und sein eigenes Alltagslebensdesign zu stellen, etwa der Art, wie Georg Christoph Lichtenberg von den Meublen im Haus sprach: Was er nicht selbst hineingetragen hatte, dafür solle man ihn nicht in Anspruch nehmen (er wirft es aus dem Fenster). Dieser so nicht ganz, lebte in der Südstadt einer deutschen Landeshauptstadt, aller Kommunikationstechniken fähig. Er nannte sich www.frokati@net.de und nutzte Mobile.

Dieses Selbstdesign bezog sich auf alle verfügbaren Dispositive physischen und metaphysischen Belangs. Und ich will hier nicht eine Gesamtbiografie ausarbeiten, sondern nur an das Neue im Tod des Franz Otto Kopp hinführen, weil es mich tröstet:

Unweigerlich stehen am Lebensende Formalien, wie Entsorgung des Kadavers, Abwicklung vorhandener Verpflichtungen und Ansprüche, Nachlass- und Erbregelungen, letzte Willesbekundungen allgemein und besonders die Bestimmung eines Organisationsbetreuers, zu – möglicherweise – einer sozialen öffentlichen Bekanntgabe des Ablebens an der amtlichen vorbei, Anberaumung einer privaten Trauerversammlung, Kosten, Kommunikation, Ort – wer kümmert sich um was, wenn sich der Tote nicht mehr wehren kann.

Es beginnt aber lange vorher, wenn der zuletzt Tote an und bei sich merkt, dass und wie er sich verabschieden muss, weil er nicht mehr der ist und nicht sein kann, als der er seine sozialen Bezüge gelebt hat – als Schöpfer von neuen Lebensformen, Genosse, Sozialpartner, Kooperateur, Ratgeber und Zeuge. Wenns nicht mehr geht, dann nicht mehr will.

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Wenn ein Zeuge vergesslich wird, verliert er seinen Zeugenrang. Wenn soziale Symmetrien verschoben werden, weil die Kräfte nicht mehr reichen, mitzuhalten, wenn etwa Schwächen hinzukommen, die man gerne verdeckt und deshalb passiver wird. Wenn die soziale Sonorität verhuscht und flauer wird. Wenn das bisherige Tempo Unlust und Beschwernis wird, Verlangsamung aber soziale Risse erzeugt. Wenn man nicht mehr reisen kann. Wenn man nicht umstandslos fremde Klos benutzen kann. Wenn die soziale Dynamik ersatzweise aufgefangen wird, aber nicht im angemessenen Maß erwidert wird. Wenn man nicht E-Mail und Internetz in Echtzeit nutzt und erwidert, sondern das gute alte Telefon bevorzugt, aber keiner mehr ohne Anrufbeantworter, Mailbox oder Abwimmeltechniken erreichbar ist, stattdessen andauernd unerwünschte Werbeanrufe einlaufen. Wenn man oberflächlicher oder gründlicher, lustiger oder ernster, leichtsinniger oder gleichgültiger wird. Wenn man seine Selbstveränderungen nicht gerne thematisiert, man sich dadurch aber unbeabsichtigt ausklinkt. Wenn man neue Dinge neu beurteilt und zu seiner bestehenden Wertegemeinschaft auf Distanz geht. Wenn Liebe zugunsten dringender Eigenliebe geschwächt wird. Wenn man auf die letzten Stunden, die man irgendwie ahnt, seien es die letzten Jahre, das letzte Jahr, der letzte Geburtstag, das letzte Gespräch, der letzte Brief – all diese eigenen Selbstwahrnehmungen durchaus auch esoterische Qualität haben, die in den exoterischen Symbolen keine Ausdrucksform, keine stummen Botschaften erkennen lassen. Wenn man sich also entfernt, ohne den nächsten Menschen diesen starken Distanzprozess ausdrücklich zu benennen.

Wenn es schließlich ans Letzte geht und der Sterbende bewusst seine sonderhochmoderne Lebenskomposition in Formen bringen muss, für die er nicht in die konservative Praktik – wie man stirbt, wie der Ivan Ilitsch starb – zu fallen bereit ist, sondern eine höhere Qualität ausprägt. Wie? So? sollten letzte Handlungen Pflicht sein? statt frei?

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Franz Kopp hatte alles Konventionelle mit Vertrauten besprochen. So weit war klar, dass auch er auf einen unbestimmten Tod rechnete, ohne groß zu rechnen oder doch:

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Hier beginnt das Neue – zu Tode zu kommen, wie man vom ersten Ich-Erwachen her gelebt hatte: deviant und eigenartig frei.

Franz stellte für sich ungewöhnlich hohe, man kann sagen in Alles und Jedes absolute Selbstbestimmungs-Lebenspraktiken. Diese an Solipsimus und Autismus grenzende Sturheit und Stärke war unbrechbar. Wer mit ihm im Vertrauen solche Risse ansprach, sah, wie sehr es ihn verletzte, überhaupt diese Eigenart anzusprechen oder Rechenschaft zu erfragen. Dann wurde er unwirsch, wechselte in die dritte Person oder sagte: Das hätte man anders … das kommt ja gar nicht in Frage … Ich ändere das nicht. Wer die Freundschaft belasten konnte und nachsetzte, erfuhr selbst in logischen oder überlegenen Einsichten zwar widerwillig Zustimmung aber ausdrücklich keine Verhaltensänderung: „Ich habe bisher so gelebt – jetzt ändere ich das nicht mehr“ erleichterte sich Franz, nachdem alle möglichen Krebsursachen erörtert waren und auch der Lebenswandel, die Lebensunterhaltung auf den Prüfstand kam: hatte man denn das gute Leben als gesundes Leben ausgefaltet oder waren da Nachlässigkeiten zu Gewohnheiten geworden, die kosten? (Jetzt habe ich schon so viel gekostet, den Rest kann ich mir auch noch leisten).

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Jetzt komme ich zu den letzten Lebenszeichen, die ich in Köln lebend, persönlich von Franz erhalten habe. Ich spüre die neue Neuheit dieses Todes „by Design“. Franz war „Designer“ als „Künstlergelehrter“.

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EINS Franz mochte nicht klagen und jammern, weil er auch zuerst mal keine Lust hatte, andere jammern zu hören. Er nahm nur ganz schwach, wenn überhaupt weithin unsichtbar, am Ungemach des Anderen teil. Ich erinnere mich an seine fürsorglichen Posten, als mir in einer Münchner Privtatklinik eine heftige Hämorrhoide beseitigt worden war. Für ihn selbst, wenn er sich einließ, kam ein gelebtes Beispiel, wie er so etwas selbst handhabte, nämlich möglichst übergehen, ignorieren: Mit Goldener Regel, Gegenseitigkeit, soziale Symmetrien, Mitgefühl – usw. – damit wollte Franz nichts zu tun haben, nicht selbst bemitleidet werden, selbst nicht wahrnehmen und einstellen auf was andere erlitten.

Dabei fälschte er unter Umständen die Tatsachen und Zusammenhänge – z. B. als seine hochgeschätzte hannoversche Leibniz-Universität den Promotionsskandal der Geschichtsfälschtung zu dem Hochstapler Göbel aus Springe und den Hochstaplern einer unakzeptablen „Doktorpromotion“ daselbst, auch Franz Kopps Ehrgefühl verletzten, wollte er es nicht wahrhaben – es hat viele Jahre gedauert, bis ihm selbst der hochstaplerische Professor Stein die Drahtmaschinen abräumte und die Leibniz-Vierschrittmaschine als eigene Leistung weltweit publizierte. Hier war nun auch das Wort „Honigsauger“ nicht mehr akzeptabel – es war ein Betrüger, BETRÜGER die eben sowas machten.

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Das Beispiel Göbel-Promotion, indem Franz mich gewissermaßen lieber allein lassen wollte und das Beispiel Stein-Drahtmaschinen-Leibniz-Kalkulator, wo ich Franz beistand, hat Franz stark erschüttert. Er, der dann ausholte und über Hobbes oder John Lockes Universalien und die politischen Extrapolationen des „Leviathan“ nur Missbilligung übrig hatte, diese Philosophen wollen einen regeln: Franz ist nicht regelbar außer Selbstregelung.

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Da wurde ihm sein „kleines Prinzdasein“ einen kurzen Moment peinlich. Und er setzte plötzlich alle Energie dafür ein, dass der böse Brief an den Rektor der Universität eine bekömmlichere Sprachform erhalten sollte, als ich ihn abgefasst hatte – Franz kämpfte.

Das war der Abend, an dem wir am Lindener Markt, wie so oft bis 2007, beim „Spanier“ aßen und Alles durchnahmen – er hatte seine schockierende Krebsdiagnose neu, teilte es mir nicht mit, doch ich sah es.

Als im Sommer 2007 meine alte Mutter vor Hitze, Trockenheit und Gartenarbeit plötzlich Tod war, telefonierten Franz und ich – „ja,“ sagte er, anbetracht meiner abrupten Lage, „mich hat es auch getroffen ..Krebsdiagnose.. Chemo .. und ein Segen, es kostet ein Vermögen, dass ich es mir leisten kann“. Franz sprach von 70.000 Euro eigene Zuzahlung – ist das möglich? Um Gottes Willen, wie geht das weiter? Franz wollte sich erholen, um dann den chirurgisch angeratenen Umbau seines gesamten Dickdarms anzuberaumen: Er machte keine Reklame davon und teilte nicht Genaueres mit. Als ich ihn aufsuchen wollte, traf ich ihn nicht telefonisch und fand ihn dann, Ende 2007, auf der Intensivstation im Henriettenstift auf der Marienstraße – rücklings gestreckt, Augen geschlossen, wie Tote liegen – er hörte Richard Wagner durch Kopfhörer, bot mir Zeit, seine Installation abzuschätzen, künstlicher Abfluss – jedenfalls gab mir der Bettnachbar Zeichen, dass mein Todesschreck verfrüht, und Franz bald meinen Besuch bemerkte. Es war ein guter Besuch – es ging auch Hoffnung von der Situation aus. Später schrieb er mal in einem Brief (faksimiliert hier im Heft), wohin sein Zug gegangen war.

Im Jahr 2014 konnte der seit 2007 schwer therapierte Franz sogar allein mit der Eisenbahn für einige Tage nach Köln kommen, wir haben endlich mal wieder „getagt“. Er könne Alles essen usw. sah nun invalide aus. Leiden der Auszehrung und der natürliche Altersfortschritt – es erübrigt sich. Auch da wurde übers Nachsorgen und Kümmern diskutiert: Franz war durchaus im Bilde, wenn er auch mit der eigenen Todessorge keine Nerven und Kapazitäten auszugeben geneigt war: wenn es kommt, ist es egal.

So ähnlich ist es jetzt gekommen.

Wer stirbt und bis dahin gerne gearbeitet hat, ist mit der Trauerbekundung von Hartmut Andryczuk, dem Buchbastler aus Barsinghausen am Deister (in Berlin-Friedenau „Hybrid-Verlag“) nicht unflott nachgerufen: „Das ist schade“, schrieb mir Hartmut, als ich ihm Franz‘ Tod mitteilte.

Arbeiten ist nicht Puppe sein. Ich bin nicht eine Puppe, in der etwas ganz anderes verpuppt ist. Ich hänge auch nicht von einem Puppenspieler ab. Ich bin keine Marionette. Ich hänge an keinen Strippen. Bei mir zieht niemand Strippen. Hier komme ich in eine begriffliche Grauzone.

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Jeder Mensch ist sozial und hat sozialen Umgang. Jeder hat lebendige Beziehungsinien zu anderen Menschen. Nennt man das „Strippen“, kommt man in ein systematisches Strippengeziehe – auch wenn niemand zieht, sind da eben nichtgezogene Strippen. Wer sich durchwegs sträubt, wenn seine Strippen gezogen werden, wird aus der Puppensammlung entfernt oder landet in der Ecke.

Ich bin niemandens Strippenpuppe. Aber ich arbeite. Manchmal treffe ich Menschen, deren Arbeit es ist, mich zu treffen und meine Arbeit auf eigenen Nutzen hin zu beschauen und zu prüfen. Manchmal fällt jemand auf, dass er meine Arbeit für sich nutzen kann.

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Formen lösen sich auf bei Monet – „Beginn der Moderne“ – behauptet ein Salonpersonnage-Mob im Deutschlandfunk. Wieder so ein Bolschewik, an dem man unter Umständen mal vorbeikommt – dabei ist Claude Monet ein großer Meister der Malerei-Meisterwerke und nicht „Auflöser der Kunst“. Monets neue Malereiart – was wir heute „Impressionismus“ und „Prima-Malerei“ und „Pleine air“ nennen, ist keineswegs Formauflösung, sondern extrem treffende Formgebung (wie augenlos sind nur diese Staatsschranzen im heutigen Staats-Salonbetrieb).

Ich war dumm, wie alle jungen Leute“, erklärte die alte Marlene Dietrich.

Ich habe gearbeitet, so gut ich konnte“.

Ist es nicht komisch? – spricht man Leute auf politische Probleme an, hört man häufig und heute häufiger: SS-Ideen und SA-Ideen – als rechtsstaatlich-liberale Orientierungs-Formulierung.

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Darauf habe ich ein Lied gedichtet.

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Es heißt „So einfach ist das nicht“:

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Ich denke nur ein bisschen nach

so einfach ist das nicht

so einfach ist das nicht

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In Unterhose jagt man nicht

so einfach ist das nicht

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Am Ende

ist die Zeit sehr kurz

so einfach ist das nicht

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Der Mensch er wird als Mensch geboren

so einfach ist das nicht

Die Frau wird auch als Mensch geboren

Man weiß wie schwer das ist

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Da fehlt manchmal

die Fröhlichkeit

das lachende Gesicht

Als Kind findest du das unnormal

so einfach ist das nicht

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Erst fühlt er was,

dann schmeckt er was

so einfach ist das nicht

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Dann hört er was

Dann sieht er was

so einfach ist das nicht

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Dann sucht er was

Dann träumt er was

und irgendwann

dann sagt er was

so einfach ist das nicht

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erst denkt er was

jetzt will er was

so einfach ist das nicht

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Dann liebt er was

dann liebt er was

dann treibt ihn was

mal schlendert er

und taumelt er

und stürzt er ab“

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Franz Otto Kopp mochte die Neue Sinnlichkeit, mochte Dietmar Moews und schrieb für die Neue Sinnlichkeit, die er auf Lebenszeit abonnierte.

Als der vierundzwanzigjährige Dietmar Moews im Jahr 1975 mit ersten Texten die Ansätze zu den Blättern für Kunst und Kultur und ein Manifest für seine eigene KUNST formulierte, war dabei in zahlreichen Galeriebesuchen der Schriftsteller und ARD-Rundfunk-, Fernseh-Redaktionsleiter August Friedrich Teschemacher sein Gesprächsfreund, der sich wünschte: es möge Dietmar Moews mit seiner Kunst und seinem Galerieprogramm seine Zeitschrift in der Art der FACKEL des Karl Kraus anlegen.

Der Vorschlag war auch Ausdruck von Hoffnung und Wertschätzung, wie sich Dietmar Moews in der Hannoverschen Wüste Wärme erzeugen möge. Und es war Ermutigung, sich ein großes Projekt zuzutrauen. Und es war Etwas in und an diesem Karl Kraus, das einige Wesenszüge trug – Selbstvertrauen, Witz, überdurchschnittliche Mehrfachbegabtheit, Devianz, Selberdenken, Mut und klare Schnelligkeit, Vitalität und natürliche soziale Dynamik – die Dietmar Moews hoch schätzte und zu seinen eigenen individuellen Merkmalen anzuerkennen hatte.

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August Friedrich Teschemacher -bei der Herausgabe der Neue Sinnlichkeit 5, 1980 in Hannover - schrieb als A.F.T.in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und ließ sich von Dietmar Moews ein IBIZARERA malen, nachdem das erste Bild verkauft worden war.

August Friedrich Teschemacher -bei der Herausgabe der Neue Sinnlichkeit 5, 1980 in Hannover – schrieb als A.F.T.in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und ließ sich von Dietmar Moews ein IBIZARERA malen, nachdem das erste Bild verkauft worden war.

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August Friedrich Teschemacher, 1981,

Hannover, Grünewaldstraße 6,

Neue Sinnlichkeit 5 HERAUSGABE

Doch fand Dietmar Moews die Anlagen von Karl Kraus doch altmodisch und auch die Damen im Schlafzimmer eines Germanisten störten Moews nicht – war er doch auch mehr Maler im Schlafzimmer als Germanist.

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Künstlergruppe 7 OPQ trifft sich am 5. Mai 2014 bei SMEND Gallery Cologne, hier Dietmar Moews und Franz Otto Kopp mit der Neuen Sinnlichkeit

Künstlergruppe 7 OPQ trifft sich am 5. Mai 2014 bei SMEND Gallery Cologne, hier Dietmar Moews und Franz Otto Kopp mit der Neuen Sinnlichkeit

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Karl Kraus hat zeitlebens polarisiert. Dem entsprach seine Erscheinung: sein Bewusstsein der eigenen Bedeutung war immens und dieser Polarisierung zweifellos förderlich. Dieses Selbstbild entbehrte nicht jeder Grundlage: die Hörer seiner Lesungen waren von der Persönlichkeit des Vortragenden fasziniert. Seine Anhänger sahen ihn als unfehlbare Autorität an, die allen, die er förderte, jede Unterstützung zukommen ließ, um sie ins rechte Licht zu rücken.

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Karl Kraus, Wien

Elias Canetti (der hier in der Neuen Sinnlichkeit verpönt wird) hörte von Kraus erstmals über Bekannte, die ihn wie folgt schilderten:

Das sei der strengste und größte Mann, der heute in Wien lebe. Vor seinen Augen finde niemand Gnade. In seinen Vorlesungen greife er alles an, was schlecht und verdorben sei. […] Jedes Wort, jede Silbe in der Fackel sei von ihm selbst. Darin gehe es zu wie vor Gericht. Er selber klage an und er selber richte. Verteidiger gäbe es keinen, das sei überflüssig, er sei so gerecht, dass niemand angeklagt werde, der es nicht verdiene. Er irre sich nie, könne sich gar nicht irren. […] Wenn er daraus [aus den Letzten Tagen der Menschheit] vorlese, sei man wie erschlagen. Da rühre sich nichts im Saal, man getraue sich kaum zu atmen. […] Wer ihn gehört habe, der wolle nie mehr ins Theater gehen, das Theater sei langweilig verglichen mit ihm, er allein sei ein ganzes Theater, aber besser, und dieses Weltwunder, dieses Ungeheuer, dieses Genie trug den höchst gewöhnlichen Namen Karl Kraus.“

Elias Canetti: Die Fackel im Ohr, Fischer Verlag, Frankfurt/Main 1982, S. 66 f.

Für seine zahlreichen Gegner, die er sich durch die Unbedingtheit und Leidenschaft seiner Parteinahme schuf, war er hingegen ein verbitterter Misanthrop und ein „armer Möchtegern“ (Alfred Kerr), der sich in hasserfüllten Verurteilungen und Erledigungen erging:

Hinter Karl Kraus steht keine Religion, kein System, keine Partei, hinter Karl Kraus steht immer wieder immer nur Karl Kraus. Er ist ein in sich geschlossenes System, er ist eine Ein-Mann-Kirche, ist selbst Gott und Papst und Evangelist und Gemeinde dieses Bekenntnisses. Er spricht in eigenem Namen, in eigenem Auftrag und ohne Rücksicht auf Resonanz. Er haßt das Publikum seiner Leseabende und haßt die Leser seiner Zeitschrift, er verbittet sich jede Zustimmung… und hier setzt schon der erste unauflösliche Widerspruch ein; denn zugleich hängt er am Beifall des Auditoriums, für den er danken kommt und den er voll Stolz registriert, zugleich druckt er ausführlich zustimmende Referate der Zeitungen ab… Will man nach seiner seelischen Disposition fragen, wird man mit den naheliegenden Oberflächenkategorien ‚Eitelkeit‘ oder ‚Größenwahn‘ nicht viel anfangen können… Ich glaube, daß zwei Erkenntnisse am ehesten den Weg zum Verständnis der Einzigartigkeit des Phänomens Karl Kraus eröffnen und daß sie, aufeinander bezogen, seine Entwicklung und seine Besonderheit erklären… Karl Kraus… hat als junger Mann von fünfundzwanzig Jahren verwirklicht, wovon jeder kluge, selbständige Unzufriedene jeder Zeit träumt: er hat sich ein Forum geschaffen, um ohne Rücksichten und Hemmungen, jenseits aller Cliquen und Bindungen in absoluter Freiheit seine Meinung zu äußern, zu kritisieren, anzuklagen, zu kämpfen… Er hat von seinem fünfundzwanzigsten Jahr bis zu seinem Tod nur getan, was er wollte. Und er hat, zweitens, ein einziges, das er wollte, und das, wie ich glaube, seine restlose und letzte Erfüllung gewesen wäre, nicht zu tun vermocht und war darum verurteilt, es sein Leben lang auf Umwegen zu umkreisen und nur indirekt, behelfsmäßig zu verwirklichen. Er war im Grund seines Herzens Schauspieler, besser Theatermensch; und er konnte nicht zum Theater. So… mußte ihm, was vielleicht nur Nebenbei gewesen wäre, zur Hauptsache, und, wo immer denkbar, dem Theater angenähert werden: ‚Wenn ich vortrage, so ist es nicht gespielte Literatur. Aber was ich schreibe, ist gedruckte Schauspielkunst.‘ Und: ‚Ich bin vielleicht der erste Fall eines Schreibers, der sein Schreiben zugleich schauspielerisch erlebt.‘“

Hans Weigel: Karl Kraus oder die Macht der Ohnmacht, S. 9

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Thomas Mann über Karl Kraus’ Vorleseabend am 29. März 1913 in München:

Seine geistliche Art, Jean Paul zu lesen, fesselte mich sogleich sehr innerlich. Und die geistreiche Leidenschaft, mit der er, in seinen eigenen so scharf und rein stilisierten Schriften, die großen Grundsachen des Lebens, Krieg, Geschlecht, Sprache, Kunst, gegen Schändung und Verschmockung, gegen die Welt der Zeitung, gegen die Zivilisation verteidigt,– auch sie hat etwas Geistliches, etwas Religiöses, und wer den Gegensatz von Geist und Kunst, von Zivilisation und Kultur irgendwann einmal begriffen hat, der wird sich von dem satirischen Pathos dieses Antijournalisten nicht selten sympathisch mitgerissen fühlen.“

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Ernst Krenek über Karl Kraus:

Er kam nie von der Meinung zum Wort, sondern unmittelbar vom Ursprung, vom Gedanken. Darum konnten seine Meinungen einander zu widersprechen scheinen. Und davon hatte er die Autorität, über jene zu richten, die die Sprache nur benützen, um die Meinungen zu äußern, die sie aus den widersprechenden Situationen dieser Welt beziehen.“

Paul Schick: Karl Kraus in Selbstzeugnissen und in Bilddokumenten,

Rowohlt Verlag, Hamburg 1982, S. 153

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Und so liegt auf der Hand, dass Dietmar Moews eine eigene Vorstellung von Liberalität und nicht, wie Karl Kraus, antiliberale Strenge lebte.

Damit wäre auch eine namentliche Bezugnahme auf Karl Kraus‘ Fackel eher irreführend, wenn doch solche Eigenarten wie Misanthropie als Leitbild galten – Dietmar Moews dagegen eher leben lassen möchte, allerdings dabei auf die Seite oder nach Vorne geht.

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Karl Kraus war finanziell unabhängig und musste keine Rücksichten nehmen. So war Die Fackel allein sein Werk; es wurde darin ausschließlich gedruckt, was er für richtig hielt. Die letzte Nummer, erschienen vier Monate vor seinem Tod, endet mit dem Wort Trottel.

Kraus’ Selbstbewusstsein war ungemein, seine Misanthropie legendär. Eine im Januar 1921 in der Fackel veröffentlichte Notiz kann beinahe als Manifest seines Wirkens bezeichnet werden:

Ich // lese keine Manuskripte und keine Drucksachen, // brauche keine Zeitungs-ausschnitte, // interessiere mich für keine Zeitschriften, // begehre keine Rezensionsexemplare und versende keine, // bespreche keine Bücher, sondern werfe sie weg, // prüfe keine Talente, // gebe keine Autogramme […] // besuche keine Vorlesungen außer den eigenen […] // erteile keinen Rat und weiß keinen, // mache keinen Besuch und empfange keinen, // schreibe keinen Brief und will keinen lesen und // verweise auf die völlige Aussichtslosigkeit jedes Versuchs, mich zu irgendeiner der hier angedeuteten oder wie immer beschaffenen, schon in ihrer Vorstellung meine Arbeit störenden, mein Missbehagen an der Außenwelt mehrenden Verbindungen mit eben dieser bestimmen zu wollen, und habe nur noch die Bitte, die auf alle derlei Unternehmungen vergeudeten Porto- und sonstigen Kosten von jetzt an der Gesellschaft der Freunde Wien I, Singerstraße 16, zuzuwenden.“

Karl Kraus: Die Fackel

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So erscheint jetzt eine Neue Sinnlichkeit als das Blatt Numero 66 Neue Sinnlichkeit Blätter für den stimmigen Winkel im 36sten Jahrgang aus Köln mit einigen Beiträgen von Franz Otto Kopp, die er selbst ausdrücklich dafür gedacht hat.

Dazu sitze ich hier unter meinem reichen Schatz, im Schatten all der Jahre und möchte den Lesern und den neuen Abonnenten, die den genialen Künstler, Erfinder, Konstrukteur und Oberingenieur noch nicht kennen – und habe dabei die Qual der Wahl aus wirklich reichen Gaben.

Der Todesnähe des Lebens halber Anschauungsmöglichkeit zu verleihen, stelle ich einige Handschriften als Faksimile herein, die mit etwas Geduld doch leicht zu entziffern sind.

Franz Kopp hatte nach unseren Gesprächen und Briefwechseln zuletzt geschrieben: Ich esse meine Pille nicht – lch lasse es auswachsen.“

So überschreibe ich das Bündel ausgewählter kleiner Liebestaten, die hier Zeugekraft hatten, mit unserem gemeinsamen Pseudonym Layos Dayatos:

DINTENUNIVERSUM L. D.

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Dintenuniversum war seine Antwort auf meinen schönen Montblanc-Füller, nachdem es ihm mehr Freude machte, von Schreibmaschine nicht zum Computer zu wechseln, sondern ebenfalls zum Tintenfüller. Franz Otto Kopp war hier mit den Schnittmengen unserer zentrischen Kreise bis zuletzt inspiriert und beherzt tätig.

Sehr gerührt mich, den anmaßenden Professor Stein zu stoppen, Franz Leistung zu Leibniz anzusaugen (s.hinten)

NUN: Schöne Frokati@-Bastelstunden: Im DINTEN – UNIVERSUM L. D

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UND EINE NAVIGATION ZUM DLA-Marbach

Die neue elektronische Navigation im Deutschen Literaturarchiv Marbach macht jetzt die Zeitschrift >Neue Sinnlichkeit – Blätter für Kunst und Kultur< über das Internetz zugänglich:

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http://www.dla-marbach.de/?id=12

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http://www.dla marbach.de/opac_kallias/bibliothek/index.html

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Dietmar Moews meint: Die besondere lose Erscheinungsfolge der Blätter Neue Sinnlichkeit für Kunst und Kultur und die von Ausgabe zu Ausgabe wechselnden Untertitel haben den Literaturpflegern des DLA Aufmerksamkeit abverlangt.

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Und jetzt findet jeder Interessent Nachweise und Bezeugung der seit 1979 erscheinenden Blätter und deren zahlreichen Künstlern und Autoren.

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Neben dem DLA-Marbach sammeln auch die Bayerische Staatsbibliothek in München, die Sächsische Staatsbibliothek in Dresden, die Deutsche Universalbibliothek Frankfurt am Main /Leipzig, die Niedersächsische Landesbibliothek, das Hannoversche Stadtarchiv, das Stadtarchiv Springe, die Nordrhein-Westfälische Landesbibliothek die Neue Sinnlichkeit Blätter für Kunst und Kultur, ISSN 1432-5268 seit 1979 aus Hannover, München, Leipzig, Magdeburg, Dresden, Berlin, Köln.

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Indem ich Ihnen ein langes Leben wünsche, sparen Sie auf diese Weise ganz erheblich.

Abonnement auf Lebenszeit für EURO 500,- (oder entsprechender Landeswährung)

Einzelpreis oder Abonnement inkl. Versand EURO 12.-, Schüler bei Selbstabholung EURO 4.-

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Abonnieren Sie mit Namen, Postanschrift, Ort, Datum, Unterschrift sowie EURO 500 zur Verrechnung bei:

PANDORA KUNST PROJEKT

zu Händen Dr. Dietmar Moews

Mainzer Straße 28

D-50678 Köln am Rhein


KÖLN SÜD offen! 2015: Der fliegende Holländer

April 24, 2015

Lichtgeschwindigkeit 5534

vom Freitag, 24. April 2015

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Bildschirmfoto vom 2014-07-15 16:12:59

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Dieses ist unsere Einladung zum Besuch anlässlich des diesjährigen KÖLN SÜD offen! 2015

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Am Samstag, den 25. April 2015 und am Sonntag jeweils ab 12 Uhr bis 19 Uhr gilt bei uns: MAINZER STRASSE 28 D-50678 KÖLN Südstadt.

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In der Kunst geht es immer weiter – in der Kunst gibt es keine Pausen

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Gezeigt wird der großformatige „Fliegende Holländer“ von Dietmar Moews und das Bananenobjekt „DU DEUTSCHE BANANA“ von Franz Otto Kopp, aus der Sammlung Dietmar Moews

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Dietmar Moews „Der fliegende Holländer“ DMW 680.2.13 ist 190cm / 190cm, Öl auf Leinwand, wurde im Jahr 2013 in Berlin gemalt; VK Euro 7.200.-

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Der fliegende Holländer ist ein Sage. Die Sage vom Fliegenden Holländer handelt von einem Kapitän, der durch einen Fluch dazu verdammt worden ist, bis zum jüngsten Tag mit seinem Gespensterschiff auf dem Meer umherzuirren, ohne in einen Hafen einlaufen oder Erlösung im Tod finden zu können.

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Die Ursprünge der Legende sind nicht bekannt. Die frühesten schriftlichen Versionen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert wurde der Sagenstoff von zahlreichen Autoren aufgegriffen. Eine der bekanntesten Gestaltungen ist Richard Wagners Oper Der Fliegende Holländer, die 1843 in Dresden uraufgeführt wurde.

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Dass die Legende in der mündlichen Überlieferung der Seefahrer wurzelt und somit eine Art Seemannsgarn darstellt, wird angenommen.

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Kern der Legende ist ein Kapitän, der durch eigene Schuld einen Fluch auf sich lädt. Dieser zwingt ihn dazu, bis zum Tag des Jüngsten Gericht weiter zu segeln, falls er nicht durch einen besonderen Umstand Erlösung findet. Zwischen der Figur des Kapitäns und dem Schiff wird häufig kaum unterschieden, es ist also unklar, ob der Kapitän „Fliegender Holländer“ genannt wird oder ob es der Name des Schiffes ist.

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In konkreten Gestaltungen ist es ein niederländischer Kapitän des 17. Jahrhunderts, der beim Versuch, das Kap der Guten Hoffnung zu umschiffen, schwört, bis zum Jüngsten Tag zu segeln, wenn es sein muss. Dies tritt darauf auch ein.

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Erweitert wird die Geschichte durch die Möglichkeit der Erlösung: Alle sieben, zehn oder hundert Jahre darf der verfluchte Kapitän an Land. Wenn er dort eine Frau findet, die ihn aufrichtig und treu liebt, so würde er Erlösung finden. Das hat zunächst den Charakter einer unmöglichen Bedingung, die den Kapitän zu ewiger Irrfahrt verdammen soll. Erst in späteren Gestaltungen wird das Motiv (vor allem bei Wagner) zentral und die Erlösung durch Liebe verwirklicht: der Fliegende Holländer findet eine treue Seele von Frau, die sich für ihn opfert, und darf mit ihr in den Himmel aufsteigen.

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Ein Sondermotiv stellen die Briefe dar: Manchmal lässt der Fliegende Holländer ein Beiboot zu Wasser und eine Geisterhand überstellt Briefe, die − wie sich später herausstellt − sich alle an längst Verstorbene richten. Die Briefe muss man besonders behandeln (an den Mast nageln, verbrennen etc.), weil sonst ein Unglück geschieht. Überhaupt gilt die Begegnung mit dem Fliegenden Holländer als äußerst düsteres Omen und kündet den Untergang des Schiffs oder wenigstens ein bevorstehendes großes Unglück für seine Mannschaft an.

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Das Schiff selbst soll unglaubliche Fähigkeiten besitzen. So soll es gegen den Sturm, bei absoluter Flaute oder auch rückwärts segeln können. Es erscheint in der Luft schwebend oder taucht plötzlich aus den Tiefen des Meeres auf. Die Segel sind blutig rot oder erscheinen rot wie von Glut angestrahlt, oder es tanzen Elmsfeuer geisterhaft um den Mast und der Rumpf ist schwarz wie die Hölle. Von der Besatzung ist niemand zu sehen oder man sieht ihre Leichen an Deck oder sie besteht aus lebenden Toten.

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Als Kapitän des Fliegenden Holländers wird konkret Bernhard Fokke genannt, ein niederländischer Ostindienfahrer des 17. Jahrhunderts. Er war damals bekannt für die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der er von den Niederlanden nach Java fuhr. Er legte die Strecke regelmäßig so schnell zurück, dass man ihm schon einen Bund mit dem Teufel nachsagte. Als er von seiner letzten Fahrt nicht zurückkehrte, ging man davon aus, dass er nun als Fliegender Holländer im Auftrag des Teufels die Meere kreuzen müsse.

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Auch die anderen aus der Überlieferung bekannten Namen des Fliegenden Holländers sind typisch holländisch: Vanderdecken, Tyn van Straten, van Diemen, van Evert, van Halen. In Zusammenhang mit der Lokalisierung am Kap ergibt das auch Sinn, da die Niederländer im 17. Jahrhundert die Seefahrt zu dominieren begannen und sich bedeutende Kapitel der niederländischen Geschichte am Kap abspielten. 1652 wurde dort die niederländische Kapkolonie gegründet, 1806 endete die niederländische Herrschaft, das Kap wurde britisch, und etwa zur gleichen Zeit tauchte auf See der gespenstische Holländer auf. Der Zusammenhang zwischen dem Niedergang holländischer Herrschaft und dem Erscheinen des Holländers wurde übrigens von Washington Irving explizit hergestellt und auf das Ende der Niew Nederland in Nordamerika analog übertragen.

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Im „Fliegenden Holländer“ von Dietmar Moews erscheint die Besegelung in weißer Farbe und der Mast

in brauner Farbe – dadurch wird der treuen Betrachterin ihre Hoffnungslosigkeit leichter erkennbar.

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Anders im Bananenobjekt von Franz Otto Kopp – hier sind die Bananen nicht rot, weil kein vernünftiger Mensch gern genmanipulierte Bananenfarbe sehen will.

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Bananenobjekt „DU DEUTSCHE BANANA“ von Franz Otto Kopp, aus der Sammlung Dietmar Moews

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FRANZ OTTO KOPP "du deutsche banana" bemaltes Textil/Draht-Objekt und Malerei 1985

FRANZ OTTO KOPP
„DU DEUTSCHE BANANA“
bemaltes Textil/Draht-Objekt und Malerei 1985

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Dietmar Moews und Franz Otto Kopp in der Galerie SMEND Köln Süd offen! 2014

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NEUERSCHEINT: Neue Sinnlichkeit 66 Blätter für Kunst und Kultur trägt den Untertitel Blätter für das witzige Gefühl, fälschlich zu fühlen. Die Zeitschrift erscheint im 36. Jahrgang in loser Folge, in Köln, und wird direkt vertrieben. Ein Einzelheft kostet zur Zeit 12.- Euro.

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Herausgabe am 25. April 2015 durch den Herausgeber persönlich

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Das Abonnement auf Lebenszeit kostet zur Zeit den einmaligen Betrag von EURO 500.-

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Der Künstlergelehrte Dietmar Moews zeigt neue Bilder und berät Interessentinnen und Interessenten, was ihnen den Weg zur Kunst und zum Kunsterwerb ermöglicht.

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Dietmar Moews ist als Künstlergelehrter INGENIEUR und KUNSTORGANISATIONS-Soziologe. Moews ist seit 1973 in Hannover, München, Leipzig, Magdeburg, Dresden, Berlin und seit 2012 in Köln, freiberuflich als Maler, Wissenschaftler und Publizist tätig und gibt gerne Auskunft zu den professionellen Aspekten der heutigen Kunst als ein menschliches und ästhetisches Phänomen und zu den hineinwirkenden Kräften staatlicher Kunstorganisation.

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Es sind Galerie M, Ballhof-Galerie Hannover, U – Hannover, Pandora Kunst Projekt München, Büro für Erdangelegenheiten Leipzig, Büro für Wasserangelegenheiten Magdeburg, Diesseits von Gut und Böse Dresden sowie Globus mit Vorgarten in Berlin und Köln.

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DIETMAR  MOEWS "Mexikano" DMW 567.7.0,140 cm / 140 cm, Öl auf Textil, in Dresden im Jahr 2000 gemalt

DIETMAR MOEWS
„Mexikano“ DMW 567.7.0,140 cm / 140 cm, Öl auf Textil, in Dresden im Jahr 2000 gemalt

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Inzwischen hat Dietmar Moews als Autor und Realisator mit 5.532 Video- und Text-Blogbeiträgen auf Youtube und bei WordPress als dietmarmoews LICHTGESCHWINDIGKEIT etwa 1.000.000 (eine Million) Clicks.

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Franz Otto Kopp 1937-2015 – Kurznachruf

Februar 19, 2015
Lichtgeschwindigkeit 5367

vom Donnerstag, 19. Februar 2015

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Der geniale hannoversche Franz Otto Kopp, Konstrukteur, Maler, Sammler und Homme de Lettres ist kürzlich gestorben.

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Geboren am 8. Januar 1937, gestorben am 9. Februar, tot aufgefunden am 12. Februar 2015 in Hannover war Kopp ein deutscher Ingenieur und ab 1976 Dozent am Fachbereich Design und Medien an der Fachhochschule Hannover. Als Oberingenieur an der früheren Technischen Hochschule, dann technische Universität, heute Leibniz Universität Hannover konstruierte er unter anderem den sogenannten Hannoverschen Nachbau der Vier-Spezies-Rechenmaschine von Gottfried Wilhelm Leibniz.

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Kopp studierte Maschinenbau an der Technischen Hochschule Hannover und dissertierte 1973 am Fachbereich Maschinenwesen zum „Dr. Ing.“ unter dem Titel „Ein Beitrag zur Struktursynthese von Mechanismen“. Schon zuvor war er seit 1966 am (heutigen) Institut für Getriebetechnik im Maschinenbau der heutigen Leibniz Universität unter der Leitung von Prof. Dr. Ing. Gerd Kiper tätig, zuletzt bis 2002 als Oberingenieur.

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Das Faszinierende an der (ersten) Rechenmaschine der Welt – konzipiert und realisiert von dem Hannoveraner Hofwissenschaftler Leibniz und der handwerklichen Ausführung durch zahlreiche aus Paris nach Braunschweig bzw. Wolfenbüttel auf Leibniz‘ persönliche Rechnung verpflichteten französischen Instrumentenbauern – war für Franz Otto Kopp die Frage, ob die Leibnizsche Konstruktion, die niemals gerechnet hatte, überhaupt in den beabsichtigten Rechenschritten laufen könne (ab Mitte der 1990er Jahre). Im Rahmen eines Forschungsauftrages der Deutschen Forschungsgemeinschaft konnte Kopp in zwei wesentlichen Schritten die Aufgabe eigenständig lösen:

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EINS Kopp rekonstruierte die vorhandene „Originalruine“ in ihren mechanischen Strukturen (Systemanalyse /Struktursynthese),

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ZWEI Er baute das konstruktive Konzept in einem präzisen Systemnachbau aus Metallen nach, ohne die ornamental verzierte Originalanmutung – Chassis, drehende Teile, Getriebe, Hebel, Schieber, Stellschrauben, Arretierungen.

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Dieser sogenannte Hannoversche Nachbau der Vier-Spezies-Rechenmaschine von Leibniz aus dem frühen 18. Jahrhundert in Hannover, von Franz Otto Kopp, lieferte den Beweis, dass Leibniz‘ Konstruktionskonzept wirklich funktionierte. Lediglich die Manufaktur des Leibniz-Originals war in vielerlei Hinsicht mangelhaft und unvollendet. Justierungen passten nicht usw. Die durch Kopps Forschungsgeist und sein enormes eigenes metallhandwerkliches Geschick schließlich funktionierende Rechenmaschine wurde erstmals 2006 in einer Leibniz-Ausstellung in der Orangerie von Hannover Herrenhausen (wo Kopp geboren ist) der Öffentlichkeit präsentiert.

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Kopps Leibniz-Maschine wurde anschließend in der historisierenden Orignialmimik von anderen Professoren geschickt und in Originalmetallen nachgebaut und publiziert.

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Kopp war einer der letzten handwerklichen Konstrukteure von Mechaniken und Getrieben. So trat er bis zuletzt als „artist ètoile“ auf den alljährlichen VDI-Tagungen auf. Er konnte aus zweidimensionalen Bewegungsmodellen dreidimensionale Getriebe konzeptionieren und begleitend in mathematischen Ansätzen „errechnen“. Kopp musste noch erleben, wie Studenten, ohne noch die Konstrukteurskünste erlernen zu wollen auf Konstruktions-Software und starke Computer umstiegen, sodass in den 1990er Jahren sehenden Auges eine hervorragende Kulturtechnik abstarb. Noch zuletzt diskutierten wir die 3-D-Laserdrucktechnik zur Werkzeugmacherei.

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Kopp hat zahlreiche technische Patente angemeldet und Gebrauchsmuster erarbeitet. Viele seiner Konstruktionen – vom „Autotür-Fensterheber zum Photoapparat-Verschluss“ liefen im Namen seines Universitäts-Instituts.

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Außer der Erwerbstätigkeit als Konstrukteur und Hochschullehrer war Kopp Künstler:

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Er bezeichnete sich selbst auch als Konstrukteur und Maler und hatte über sein gesamtes Leben hin Bilder gemacht. Dazu entwickelte er eigene, teils von mathematischen und konstruktiven Techniken hergeholten und ausvariierten Bild- bzw. Darstellungstechniken. Er skizzierte aber auch und zeichnete, collagierte und baute dreidimensionale Kunstobjekte, machte Siebdrucke, die teils gegenständlicher Natur waren, teils der reinen Formgebung des persönlichen ästhetischen Gefühls, oft auch dem bildnerischen Witz folgten, bis hin zu den sogenannten „Mail Art“ Kunstpostkarten.

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Diese eigenartige Postkartenkunst, die er mit anderen Künstlern in Brief(Postkarten)wechseln des Hin und Hers entfaltete, bestand aus „Einzelwerken“ oder aus korrespondierenden Sequenzen. Dabei waren es sowohl Bildergeschichten, auch Bildersequenzen durch Fotokopie und Bearbeitung der Vormail, teils politische Aktualitäten oder einfach die Ausreizung der Frage, welche künstlerisch gearbeitete Kunstpostkarte beförderte die damalige Post noch fürs einfache Porto? und wann kam eine Wellpappe oder ein ausgeschnittenes Vampirmaul als nicht normgerecht zurück? (auch, wenn oft der Absender gar nicht draufstand – teilweise waren auch „Privatbotschaften für die Postzusteller“ draufgeschrieben). Kopp baute für die Kunstpostkarten kleine A6-Rahmen aus Doppelglas zur Ausstellungsaufhängung mit eigens designten Drahtecken, die gleichzeitig als Halter und Aufhänger dienten, ohne die Betrachtung von Vorder- und Rückseiten der Postkarten zu stören.

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Franz Otto Kopp nahm seit den 1970er Jahren an öffentlichen Kunstausstellungen, Performances, Lesungen, Diskussionen und Aktionen teil, überwiegend in Hannover, auch in München, Magdeburg, Leipzig, Dresden, Springe, Laatzen, Berlin, Köln. In Hannover beteiligte er sich an den Kunstszenerien der Werkstatt Odem (Gesine Weise), Ballhof-Galerie Hannover und Spielplatz der Künste und Kunstmarkt Hannover (Dietmar Moews), dem VVK am Schwarzen Bär, in der Leibniz Universität Hannover sowie zuletzt noch im FAUST Hannover Linden.

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Franz Otto Kopp beteiligte sich außerdem an Gemeinschaftswerken aller möglichen Kunstformen. So war er im Jahre 1992 Mitgründer des „Verein zur Förderung der Wahrheit durch die Kunst des Lügens als Devianzkultur zwischen zweckrationaler, liebender und irrationaler Kommunikation“, kurz „Lügenverein“ (er war mehr für „Bananenverein“). Ebenso sang er viele Jahre in dem hannoverschen Männergesangsverein Lätitia Hannover. Typisch auch seine Signatur „FoKopp“ und seine E-Mail-Adresse „frokati@…de“.

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Franz Otto Kopp war auch Fotograf mit besonderem „Auge“. Hat eine heute noch nicht gesichtete Fülle von photographischen Aufnahmen angefertigt, wozu er eine erhebliche Sammlung verschiedener hochwertiger Photographierapparate gesammelt hatte. Nicht nur experimentelle Super-8-Schmalfilme – es gibt auch ein eigenes umfangreiches Genre von „Polas“, oft weiterbearbeiteter Polaroid-Aufnahmen.

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Als Schriftsteller beherrschte Kopp verschiedene Schreibtechniken, neben den bürokratisch-formalen Textarten, machte er Sprachspiele, schrieb Essays, schrieb Kurzgeschichten und viele davon waren zum Vortrag vor Publikum angefertigt und von ihm selbst mit großem Erfolg vorgetragen (zuletzt noch für die Schlaraffen in Hannover).

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Auch teilte er mit mehreren Schriftstellern das Pseudonym „Layos Dayatos“, der später zum „Professor für Ästhetik“ avancierte.

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Kopp las in vielen Sprachen. Noch in den letzten Jahren studierte er die russische Sprache an Hand von russischen Romanen. Ebenso las er Französisch, Englisch war seine Stiefvaterssprache usw. unfassbar, wenn er aus einem Gitarrenkasten ein 64-saitige Laute nahm und Bach-Klänge hervorzauberte (während das Ding wirklich stimmte).

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Er engagierte sich in der alternativen Kunstavantgarde, bei „Künstler für den Frieden“, unterstützte Anti-Atomkraft-Aktionen und die Alternativbewegung der 1970er und -80er Jahre.

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Franz Kopp war viele Jahre als Autor der „Neuen Sinnlichkeit, Blätter für Kunst und Kultur“ beteiligt, die er auf Lebenszeit abonniert hatte (was hiermit leider beendet wird, sofern er das Abonnement nicht testamentarisch vererbt hat), war Mitglied in der hannoverschen Künstlergruppe 7 OPQ – Kapitalistischer Realismus (Kopp, mit Moews, Crogier, von Velde).

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Seine dreidimensionalen Stift- und Draht-Handzeichnungen, die große Variationsreihe der sogenannten „Schreitmobile“ aus Draht – in Wirklichkeit lauter einzelne patentreife Entwicklungen einschließlich dazugehörigen Patentschriften -, konkret über eine Welle angetriebenen Kopplungs-Getriebe (mit Kardan, Kurbelwelle, verschiedenen Kopplungsgestängen, Handkurbel oder Elektromotor über Polaroidbatterie) oft auf selbsttragenden oder über bewegliche Rahmen oder Chassis laufend, wo er selbst die Ein- und Ausschalter als kleine abgefederte Kippschalter herstellte – Alles aus Drähten handgerödelt, keine Schrauben, keine Nieten, Löt- oder Schweißverbindungen.

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Ein patentiertes „Hängeschreitchen“ namens „Obac“ (jedes Drahtgetriebe trug ein blechernes Namensschild) wurde STAR der Uraufführung des Lustspiels von Dietmar Moews „Der zarte (harte) Nietzsche“ 1993 in der Seidl-Villa München.

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Auch im Raschplatz-Nachtensemble trat Kopp als Schausteller auf. So bei „Die Hunde“ von Dietmar Moews im Jahr 1985, in der Rolle des „Großinquisitors, Kardinals von Sevilla“.

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Als Sammler begeisterte sich Kopp für Musikinstrumente, Schallplatten, besondere Vorlieben für Anton Bruckner, J S Bach, Franz Schubert, Richard Wagner, Wilhelm Furtwängler, aber auch Beatles, Talking Heads und Tuxedo Moon, mit Malerei und Objektkunst, mit originellen Fahrrädern und noch manchem Alltagsdesign, hochwertigster Küchen- und Kocheinrichtungen, MacIntosh-Möbeln, dem legendären Büffelleder-Sofa, wie auch eine bedeutende ausgewählte Bibliothek. Ferner schneiderte und designte er sein Kleidung weitgehend eigenhändig, ob Unterwäsche oder Mützen, Leggins und Badeshorts. Er besuchte die edelsten Konzerte in Philharmonien und die Off-Kultur-Szene – er reiste mit Eisenbahn und Klappfahrrad zu einem Hauskonzert bei Thomas Schmidt-Kowalski in die Eichendorffstraße von Oldenburg in Oldenburg oder freute sich über Beatmusik im U-Spielplatz der Künste, der Künstlergruppe 7 OPQ am Raschplatz von Hannover. Man traf sich beinahe täglich im „Büro“ (dem Italiener „Piazza Navona“ oder an den Ricklinger Teichen, wo Kopp von April bis Oktober zum Schwimmen hinradelte).

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Franz Otto Kopp rauchte leidenschaftlich Tabakspfeife, trank bei Gelegenheit edlen Bordeaux, liebte den britischen Tee, Ritter Sport Vollmilch Nuss und estimierte hübsche sportliche Burschen und Gleichgeschlechtliche. Er engagierte sich in den 68er Jahren für Emanzipation im Allgemeinen und im Sinne des dann abgeschafften Paragraphen 175 speziell. Franz Kopp lebte allein und unverheiratet. Sein Lieblingssatz lautete:

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„Nach dem Ehe-Ja kommt das Ehe-Joch“.

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Doch war Kopp kein Frauenverächter und hatte des ungeachtet eine bedeutende Auswahl von persönlichen auch lebenslangen Freunden und Freundinnen, Künstlern, Ingenieuren, Schwimmern an den Ricklinger Teichen und verrückten Sammlern.

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Im Frühjahr des Jahres 2007 erhielt Franz Otto Kopp die Diagnose einer schweren Krebserkrankung, die seinen Darm befallen hatte. Es folgte dann eine Verschlechterung und schließlich eine äußerst kostspielige Chemo-Therapie und ein erheblicher chirurgischer Eingriff. Mit schweren Handicaps konnte der Rekonvaleszent sein selbstständiges tätiges Rentnerleben wieder aufnehmen. Im vergangenen Jahr 2014 erlebte er noch die prächtige Buchausgabe seiner Rechenmaschine – mit seinem 78sten Geburtstag ergriffen vielseitige Schmerz-Beschwerden seine Persönlichkeit, dass er schrieb:

 

“ … einen Chemiebomber .. sodass ich auf Heilung durch Auswachsen setze – Physiotherapie. Es gilt: „Ich esse diese Suppe nicht, nein diese Suppe ess‘ ich nicht!“

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In der vergangene Woche wurde er vermisst. Die Polizei öffnete seine Wohnung und fand da Kopp gestorben, bereits einige Tage tot – mehr ist momentan nicht bekannt.

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Franz Otto Kopp, der als Schüler in Illertissen/Ulm und Hannover, als Jugendlicher, nach dem Krieg, mit seinem britischen Stiefvater und seiner Mutter in England lebte, war sehr an seiner Heimatstadt Hannover und seiner Heimat-Universität gelegen. So hat er vielfältige Angebote, ordentlicher Professor in einer anderen Stadt werden zu sollen, immer wieder verschoben und letztlich abgelehnt. So hat er viele Jahre glücklich in Kirchrode ein Haus mit Garten, unglaublicher Werkstatt mit Filigran-Drehbank und Photolabor bewohnt, von wo er täglich bei Wind und Wetter mit Fahrrad 15 Kilometer durch den Stadtwald und wieder zurück in die Ostfeldstraße radelte, während sein knattergelber Mini-Cooper als Laubfänger vor der Tür parkte.

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Man kann gespannt sein, was noch in der Zukunft, jetzt, nach seinem Tod, an Franz Otto Kopp-Werken bekannt werden wird. Der Verlust lässt die Heide zittern.

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Die öffentlich freie Trauerfeier findet am 4. März 2015 um 13 Uhr im Versammlungsraum des Neuen Nikolai Friedhofs An der Strangriede 41 in Hannover statt.

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Es wurde eine anonyme Urnenbestattung veranlasst, d. h. die Urne wird nicht im Beisein der Trauergemeinde beigesetzt und es wird keine örtlich definierte persönliche Grabstelle mit Namenskennzeichnung geben.

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Heft 27 von 1993 war Franz Otto Kopp gewidmet.

Es wird in Kürze ein Franz Otto Kopp Heft 66 rauskommen.

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