„Schlag den Raab“ – Pro7-Zäsur im deutschsprachigen Bildungsfernsehen

Dezember 20, 2015

Lichtgeschwindigkeit 6118

Vom Sonntag, 20. Dezember 2015

.

Bildschirmfoto vom 2015-11-06 12:12:01

.

Gestern abend, Samstag, 19. Dezember 2015, wurde die letzte abendfüllende Live-Show beim Kommerz-TV-Sender PRO 7, mit dem Entertainer Stefan Raab, „Schlag den Raab“, dem freien Empfang bereitgestellt.

.

Der heute 49-jährige Stefan Raab, gelernter Metzger, Musikproduzent und studierter Jurist, hat vor gemessener Zeit öffentlich erklärt, dass seine bisherigen TV-Aktivitäten, die mal bei dem Musik-Werbesender VIVA begannen und im Jahre 1999 bei Pro Sieben mit mehreren, teils täglichen Formaten, bis heute erheblich ausgebaut wurden, jetzt enden.

.

Bildschirmfoto vom 2015-12-20 02:34:22

Screenshot GMX am 20. Dezember 2015

.

Raab erklärte, sich nunmehr einem anderen Leben widmen zu wollen. Man weiß, dass er verheiratet sein soll und zwei Kinder hat (ansonsten hat sich Raab privat nicht öffentlich aufgeführt).

.

Die jetzt geendete Show „Schlag den Raab“ lässt in mehreren Runden mitspiellustige Leute aus dem Publikum gegen Stefan Raab in Eins gegen Eins-Geschicklichkeits-Wettspielereien (oft im best of five-Modus) um jeweils 100.000 Euro und einer Endrunde um einen, durch die Spielergebnisse aufsummierten JackPot-Betrag spielen. Man nennt dieses in Köln produzierte Sendeformat auf Englisch „Assault on Precinct 13“.

.

Aus Sicht der Einschaltquote des Pro Sieben-Samstagabend-Publikums geht „Schlag den Raab“ angeblich um viel Geld.1,5 Million werden aufs Spiel gestellt.

.

Bei der letzen „Schlag den Raab“-Veranstaltung spielte Raab gegen 15 Kandidaten. Raab gewann neun Zweikämpfe und wurde von sechs Kandidaten besiegt. Es blieben folglich 900.000 Euro im Jackpot. Alle Kandidaten, die in die letzte Jackpot-Runde kamen, hatten damit zu den 100.000, die sie bereits gewonnen hatten, die Siegchance für die 900.000 im Jackpot und damit insgesamt als Millionär herauszukommen. Wer wird Millionär! – hübsche dramaturgische Schlusspointe und:

.

Da ist Dein Geld.“

.

Ob und wie die Publikums-Kandidaten vorher ausgewählt und zugerichtet wurden, ist hier nicht bekannt. Die teils auffälligen Live-Texte des Moderatoren lassen darauf schließen, dass nicht Alles so spontan abläuft, wie es zurschaugestellt wurde.

.

Allein die erheblichen Fernsehwerbe-Unterbrechungen werden ja während der Live-Show mit dem da rumsitzenden Publikum nicht einfach mit Pausenmusik überbrückt, sondern zu Verhaltensanweisungen und inszenierten Verabredungen des Publikums durch Publikumsführer und Produktionsleitung benutzt:

.

IMG_4930

.

Give me one moment in time“ – sang Stefan Raab abschließend auf den US-Markt schielend, um sein Publikum um 1 Uhr 50, nach etwa sechs Stunden Sendezeit, nicht noch mit Textverständnis zu belasten. Bitte haben Sie noch etwas Geduld … und dann rockte Stefan mit seiner Band Keith Richards Weihnachtsrocker „Run Rudolph Run“ in H-Dur the merry go round.

.

IMG_7469

.

Dietmar Moews meint: Ich möchte hier in meiner Stefan Raab-Kritik einen einzigen Wirkungszusammenhang aufreißen, der den Entertainer-Typen Stefan Raab als einen der wichtigsten TV-Entertainer dieser Zeit bewertet, weil er eine wichtige Vorbildfunktion ausübte:

.

Beachtlich ist, dass diese profitorientierte industrielle Medien-Unternehmung auf Umsatz, Vollbeschäftigung, Gewinnmaximierung und weitreichende Zustimmung der Öffentlichkeit gestellt und gebunden ist. Dabei besteht das Zielsystem hauptsächlich aus Publikumsattraktion, -bindung und -quote, Werbeeinnahmen, Merchandizing, Eintrittskartenabsatz sowie Innovationsökonomie und Kommunikationsvernetzung.

.

Stefan Raab bietet dem ungebildetsten und bildungs- und führungsbedürftigsten Publikum Zugang und Anschluss durch sein Benehmen im Erleichterungsfernsehen – sowie zuletzt auch über Internet-Ticker.

.

Für Menschen, die sich im alltäglichen individuellen Sozialchaos auf dem Niveau von Schadenfreude, Häme, Unzuverlässigkeit, Lüge, Untreue und Missgunst, Dreck und Erniedrigung ausleben, denen Geschmack und Moral lediglich als Herrschaftsformen der individuellen Unterdrückung missliebig sind, sind Raab-Auftritte – ähnlich wie wie Comic-Texte für Analphabeten oder wie BILD-Zeitung für Nichtleser – ästhetische Stilmittel der Zugänglichkeit und des Umganges.

.

Stefan Raab als Typ tritt mit dem für ihn bekannten individuellen Benehmen auf. Er wirkt gewissermaßen freimütig, hemmungslos, unzensiert, undiszipliniert, ja teils brutal, hölzern und grob – aber freundschaftlich, witzig, verlässlich und konstant.

.

Raab bietet damit Zugang und geringe Basisdistanz für das schlichteste und unkritischste, ungebildetste TV-Publikum, das sich gerne stundenlang bei ihm aufhält.

.

Während Raab über Quatsch, Krawallmoderationen und Opferbeleidigungen – sozusagen von „ganz unten“ – herausgekommen war, ist er inzwischen aufgrund äußerst markanter sozialer Verhaltensweisen in eine wichtige Vorbild- und Volkslehrerfunktion hineingewachsen:

.

Stefan Raab kommt nach 54 Sendungen „Schlag den Raab“ mit der Mimik des Schlachter-, Fleischer- oder Metzgertypens daher, krempelt die Ärmel hoch, macht teilweise unfeine auch linkische Bewegungen, Körperhaltungen, Aufschreie und distanzlose Umarmungen – ist dabei allerdings äußerst sensibel und ziemlich flink und beweglich auf die ganz verschiedenen Mitspieler eingestellt – ja, bescheiden und höflich, responsiv und interessiert. Raab verkörpert damit im Live-TV einen Hochbegabten, der mit erheblicher Professionalität eine ungewöhnlich hohe soziale Akzeptanz als Marke einzuspielen vermochte.

.

Raab macht Klamauk in guter Laune, ist dabei nie wirklich defätistisch oder frustierend. Keine übles Benehmen, Taktlosigkeit, Beleidigungen, Gürtellinie, Mob, Keines dieser allgemein bekannten Verhaltensweisen und Attitüden, in die dumme Menschen bei Stress quasi hineinfallen, zeigt Stefan Raab in seiner Sendung. Ungehobeltes bei Raab diente lediglich der Zuspitzung, Heuchelei, Angeberei und Verlogenheit aufzuspießen. Er sprach auch Fragezeichen und vermied Anmaßung. Raab zeigte, wie man gewitzt ist, wie man Schlauheit und Geschicklichkeit unverschämt auslebt, ohne dabei auf Erniedrigung oder Beleidigung zu zielen.

.

Als Boxer gegen eine Frau und als „Berti-Vogts-Rapper“, „Wattehattedudeda“ und anderen Plattheiten fand Stefan Raab stets das nach „unten offene“ Publikum – wo andere mit den Eurovisions-Musiken Nussecken ins peinliche Abseits transportierten.

.

Ich breche hier ab – denn meine Meinung ist ausreichend deutlich:

.

EINS Ich halte Stefan Raab dafür, in seiner Publikumsgruppe als authentisch angekommen zu sein.

.

ZWEI Raabs Haltung, einschließlich seiner Selbstetikettierungen und Kommentare, machten ihn für seine Zielgruppe sympathisch und ihn damit zu einer einflussreichen Prominenz. Dadurch rückte Stefan Raab in eine erhebliche Vorbildrolle mit Nachahmungs-Aufforderungs-Charakter und -Wertverkörperung.

.

Raabs dargestelltes soziales Verhalten war stets geduldig auf Gegenseitigkeit und Interdependenz eingestellt.

.

Ein Entertainer mit dieser Volkslehrer-Funktion geht jetzt.

.

Eine andere Kunstfigur dieses Gewichts als Stefan Raab ist derzeit nicht in Sicht. Dabei spielt die Durchlöcherung der Massenmedien-Publika und des Publikum-Verhaltens eine zusätzlich verunsichernde Wirkung, auf die ständig anzupassenden Sendeformen und damit auch auf mögliche Entertainer. Aus diesem öffentlichen Dauersprint ist Raab heute ausgestiegen.

.

Von all diesen Qualitäten sind Öffentlichkeit und Publikum insgesamt und stets die geringer begabten Leute abhängig. Alle, die aus schlechten sozialen Szenerien stammenden Menschen, die prinzipiell an ihrer persönlichen Misere von „starker Individualität“ und „geringer Persönlichkeit (Urteilskraft im Leben)“ leiden, brauchen Anschluss an massenmediale Führung und Fühlung, durch fähiges Führungspersonal.

.

Stefan Raab, jedenfalls hätte einen Friedensnobelpreis verdient – allein dass mal diese Anti-Mob-Vorbild-Rolle als Volksbildungsaufgabe anerkannt würde.

.

Alles was wir an „rechten“ Attitüden in der Gesellschaft antreffen, basiert stets auf diesem Missverhältnis zwischen Individualität und Persönlichkeit. Was irrümlich als persönliche Charakterstärke hingestellt wird, ist oft nichts als die geradezu archetypische rechte Haltung der Exklusivität, statt sie soziale Lebensaufgabe immer wieder und jeden Tag in der sozialen Inklusion zu erkennen und zu meistern.

.

Kein Kritiker, weder der Kaufmedien noch der Staatsmedien, waren fähig, die Bedeutung von Vorbildfunktion und Verlässlichkeit eines „Volkslehrers in der täglichen Fernsehunterhaltung“ zu erfassen. Während man sich übers „Kohle machen“, „Heulen und Zähneklappern“ oder „Beleidigungs-Quoten“ in Stefan Raab-Sendungen bei Pro Sieben-TV zwanzig Jahre lang ausgekotzt hat, ist hier die „Schuld“ von den führungsbedürftigen Erleichterungs-Menschen auf die arschkriecherische Abschaffung von Medienkritik und Kritik der Kritik im Stefan Raab-Erlebnis hinzuweisen.

.

IMG_7582

FAZ, Samstag, 19. Dezember 2015, Seite 10, von Alfons Kaiser: „Mit Zeitgefühl“

.

Weder Frankfurter Allgemeine noch Süddeutsche Zeitung, neues deutschland, taz, Neue Zürcher Zeitung, noch Deutschlandfunk und schon gar nicht der anmaßende Pseudo-Kulturkanal Deutschlandradio Kultur oder bei den ARD-Sendern war eine zielführendere Analyse und Kritik zu finden:

.

Wie hieß es doch so schön? RTL = Rammeln Töten Lallen.

.

Stefan Raab hat mit seiner Pro Sieben-Leistung eine gänzlich „unanalytische, sinnliche“ Führungsprominenz dargestellt, die den unersetzlichen Wert von Inklusions-Verhalten vormachte.

.

Schade, dass das nun abbricht – und dass hoffärtige Quatschköppe wie ZDF-Johannes Kerner, zur selben Sendezeit, als unglaubhafte Gutmenschen Arschkriecherei weitermachen dürfen, statt zumindest mal Alphons Silbermanns „Die Kunst der Arschkriecherei“ zu studieren,

.

und BESTELLEN

subscription to Dietmar Moews Abonnement von Dietmar Moews un abonnement à Dietmar Moews

Blätter für Kunst und Kultur erscheinen in loser Folge im Verlag Pandora-Kunst-Projekt Köln

Blätter Neue Sinnlichkeit

.

IMG_7517

.

 

Indem ich Ihnen ein langes Leben wünsche, sparen Sie auf diese Weise ganz erheblich.

Abonnement auf Lebenszeit für EURO 500,- (oder entsprechender Landeswährung)

Einzelpreis oder Abonnement inkl. Versand EURO 12.-, Schüler bei Selbstabholung EURO 4.-

Abonnieren Sie mit Namen, Postanschrift, Ort, Datum, Unterschrift sowie EURO 500 zur Verrechnung bei:

PANDORA KUNST PROJEKT

zu Händen Dr. Dietmar Moews

Mainzer Straße 28

D-50678 Köln am Rhein