Wolf Biermann im Bundestag – Mauerrede gegen die heutige Linkspartei

November 15, 2014

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am Samstag, 15. November 2014

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Der Deutsche Bundestag hat zum 9. November 2014 eine Feier zur Erinnerung an die Öffnung der Berliner Mauer, vor 25 Jahren, im Jahr 1989, abgehalten. Dazu wurde geredet. Als besondere Attraktion hatte man den DDR-Liedermacher Wolf Biermann gebeten. Die Folge war Stimmung und Verstimmung.

Biermann, inzwischen 76 Jahre alt, kam also mit seinem von innen angerauhten Arbeiterhemd und seiner Klampfe, und bedankte sich für die Gelegenheit. Dafür war er extra aus Hamburg, wo er lebt, nach Berlin gereist.

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Biermann brachte, was so erwartet wurde, einen gewissen DDR-Stallgeruch und eine Rückversetzung in die Vergangenheit der Konfliktlage zwischen dem USA-beherrschten Westen und dem stalinistischen Osten.

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Biermann nahm sich die Freiheit, seinen angekündigten Musikvortrag noch mit einer persönlichen Rede einzustimmen. Damit verhinderte er, dass falschverstandene Nostalgie bestimmte Zuhörer ergreifen konnte. Denn mit denen hat Biermann eine Lebenskrankheit – und die mit allen Menschen, die von der DDR geschunden worden sind:

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Wolf Biermann nannte sie im Bundestag: Drachenbrut.

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Sara Wagenknecht, die es vorgezogen hatte, nicht im Plenum zuzuhören, bestätigte Biermann später: Biermann habe einen Eimer Gülle ausgeschüttet.

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Im Raum des Biermannauftrittes schwamm natürlich die „Unrechtsstaat-Diskussion“, in der es um Unrecht und Staat DDR ging, eigentlich Unrechtstaat hätte genannt werden müssen. Das gäbe der Angelegenheit Sinn.

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Dietmar Moews meint: Ich nehme oft Anstoß, wenn Stellvertreter als Stellvertreter handeln oder reden, aber die Untergrenze der zu verlangenden Qualität unterschreiten. Das betrifft beispielsweise sehr häufig schlecht ausgewählte Bundespräsidenten, so zuletzt den Pastor Dr. hc. Joachim Gauck.

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Ich meine, stets soll jeder seine Meinungen äußern dürfen und so weit es geht, sollte man sie auch anhören. Wenn es eben ein Bundespräsident ist, sind öffentliche Diskussionen erforderlich, dessen Thema und Wertung auszuloten, zu erörtern und auszubalancieren. Es ist auch nötig, zu wissen und zu verstehen, wenn man einen blöden Bundespräsidenten hat, wie das geht und gehen kann.

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So ist es auch mit einem Sänger und auch mit dem DDR-Sänger Biermann. Biermann soll frei seine Meinung mitteilen. Was sein Publikum daraufhin denkt und von Biermann denkt, kann er nicht bestimmen. Meinungsfroh sollte er munter seine Impulse aussenden, frei und ehrlich.

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Biermann stellte in seiner Beschimpfung der Linkspartei fest, dass die Linkspartei organisationell eine Fortsetzung der SED und der PDS ist. Dass sie personell und programmatisch eine Fortsetzung der SED und der DDR ist. Und, dass die Rückständigkeit der neuen Linkspartei-Genossen nicht die wesentlichen im heutigen vereinten Deutschland geltenden Werte verfolgen würden.

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Ich meine, es lohnt sich hier zu diskutieren:

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Einerseits leben und arbeiten die Linken gemäß und in der heute geltenden Gesellschaftsordnung. Zu unterstellen, die Linkspartei wolle diese Gesellschaftsordnung abschaffen oder etwa durch einen neuen Verfassungsentwurf „abschaffen“, halte ich für eine neurotische Angstneurose.

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Andererseits haben die Linkspartei und die Genossen eine unersetzliche Qualität zur Integration und Reproduktion des heutigen Deutschlands, auch wegen der DDR-Bewusstseins-Reste: Sie kennen viele Schwächen vom heutigen westlichen Deutschland und – das ist mir das Wichtigste:

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Die heutige Linkspartei ist das einzige kleine Oppositionslicht im Bundestag und im deutschen Föderalismus, das das StaMoKap-Blockparteien-Unwesen der Großen Koalitionen kritisch parlamentarisch begleiten kann.

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Was wäre eine Demokratie ganz ohne Opposition.

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Nun kommt der Beweggrund, weshalb ich auf den alten Biermann am 9. November 2014 eingehe, und warum ich den beschränkten alten Lutheraner Gauck stets referiere:

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Die übele stalinistische Menschenzerschmetterung erfordert, für ewig aufbewahrt zu werden. Wir sind es den Opfern schuldig, ansonsten sind wir viehisch.

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Wir dürfen nicht die deutschen Vernichtungslager, die bis 1945 einen unglaublichen Untermenschenfilm über das alte Testament aufgezogen hatten, vergessen.

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Wir dürfen nicht die Massaker gegen die Tausende Kinder von Gaza, erst vor Kurzem, ignorieren.

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Sind Hiroschima und Nagasaki vergessbar?

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Ist menschliche Dummheit zwar unabänderlich, aber deshalb stets eine soziale und kulturelle Aufgabe, die alle verpflichtet.

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Und nun also der konkrete Fall, wie es in der DDR ging und wie es deshalb ausgeschlossen ist, damals und heute zu sagen: Mir ging es doch gut – ich hatte keine Einwände gegen die DDR und den DDR-SED-Sozialismus.

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Ausnahme, wie gesagt, ist durch Dummheit gegeben: Wer nicht wusste, was geschah, war dumm. Aber er muss heute wissen:

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Im DDR-Sport wurden Spitzenleistungen organisiert und zu politischen Zwecken genutzt. Olympiamedaillen und Weltrekorde wurden bestmöglichst herausgestellt.

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Es gab damals einen überragenden WELTREKORD der 4X100 Frauen-Sprint-Staffel. Es lief INES GEIPEL – zusammen mit drei anderen Läuferinnen diese Weltrekord-Staffel.

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Wegen politischer Missliebigkeit hat die DDR die Doping-Sportlerin Geipel  aus dem Sport beseitigt, ihr anlässlich einer Blinddarmoperation den Unterleib zerschnitten und ihr Leben als junge Frau vernichtet. Das volle DDR-Doping-Programm für Ines Geipel kam auf diese Weise an ein natürliches Ende.

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Es ist nicht erlaubt, zu sagen: Mir ging es damals in der DDR gut, wenn man in Unkenntnis war und, genau so wenig, nicht, wenn man davon Kenntnis hatte. Wer nicht wusste, welche Praktiken in der DDR-Sozialpsychiatrie mit Patienten regelmäßig und „normal“ exekutiert wurden, ist nur so weit ein unschuldiges Kind, wie er kindisch und unzurechnungsfähig ist.

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Hier ist auch heutigen Linkspartei-Genossen Zurechnungsfähigkeit abverlangt. Dies hat Biermann auch erinnert. Er sang heute nicht: „Hängt sie an die Laternen“ – wie er es nach 1989 tat.

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Wolfgang Leonhard 1921- 2014 – Kurznachruf

August 17, 2014

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am Sonntag, 17. August 2014

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Heute ist Wolfgang Leonhard im Alter von 93 Jahren in der Eifel gestorben. Leonhard war der letzte noch lebende Zeitzeuge aus dem innersten Führungskreis der deutschen Kommunisten, der nach 1945 die Gründung der DDR vorbereitete. Seine Wandlung vom begeisterten Kommunisten zum Sowjetkritiker beschrieb er 1955 in dem Bestseller „Die Revolution entlässt ihre Kinder“ und „Euro Kommunismus“.

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Leonhard war 1945 als Mitglied der „Gruppe Ulbricht“ – so benannt nach dem späteren DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht – aus Moskau nach Deutschland zurückgekehrt. Er war 1935 mit seiner vom Kommunismus begeisterten Mutter in die UdSSR geflohen und später zum Führungskader ausgebildet worden. In der sowjetischen Besatzungszone in Ost-Berlin, nach 1945, wuchs seine Gegnerschaft zum Stalinismus. 1949 floh er nach Jugoslawien und wenig später in die Bundesrepublik.

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Wolfgang Leonhard ist ein einzigartiger Zeuge der deutschen Geschichte des „Hitler-Stalin-Paktes“ und die Folgen.

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Die Deutschen aus der Ostzone durften bis 1989 nichts von Leonhard wissen. Für den Rest bildeten Leonards Berichte die Eselsbrücke zum Gulag, zu Solschenizyn und Kopelev, zu Jorge Semprùn und Arthur Koestler, zu Willi Münzenberg, von Tito zu Herbert Wehner und Egon Bahr. –

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Leonhard, als Wladimir getauft, wuchs als Jugendlicher im stalinistischen Moskau des HOTEL LUX, elternlos in Heimen auf, wo die zukünftigen Nachwuchskommissare der westlichen Länder ausgebildet worden sind.

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Sie sollten nach dem Welt-Krieg, 1945, in ihre Herkunftsländer gesendet werden, den Kommunismus durchzusetzen und aufzubauen – (so: Gruppe Ulbricht, zehn Leute, die nördlich Berlins im Sommer 1945 mit einem kleinen Flugzeug abgesetzt wurden). Die zogen unter Ulbrichts und Wilhelm Piecks Führung unverzüglich in die Berliner Rathäuser. Setzten die den Krieg in Berlin überlebenden Nazigegner ab, die in den Bezirken des zusammengebrochenen Berlins den politischen Anfang versuchten. Sie wurden weggemobbt. Aus KPD und SPD schmiedete Kommissar Ulbricht die SED. Der West-SPDist Otto Grotewohl ließ sich freiwillig zum Ost-Hampelmann von Staatspräsident Wilhelm Pieck in der SED wählen. (Bald wurde in West-Berlin eine neue SPD gegründet – bei den Wahlen bekam die SPD dann etwa 23 Prozent Stimmenanteile, die SED wenig über zehn Prozent; Ulbrichts SED wurde in den russischen Sektor Ost-Berlin zurückgedrängt).

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Leonhard hatte an einen jungen deutschen Kommunismus des „Komintern“ geglaubt (jeder kommunistische Staat sollte seinen eigenen Kommunismus entfalten dürfen). Aber 1947 orderte Stalin Ulbricht und alle Kommissare nach Moskau und bestimmte den „Kominform“: Die internationalen kommunistischen Sateliten erhielten aus der Stalinzentrale in Moskau „Information“ wie und was nach Stalins Vorgaben als „Kominform“, statt „Komintern“, durchzuführen sei.

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Ulbricht lenkte sofort – von jetzt auf gleich – ein, „informierte“ seine Gruppe-Ulbricht in Berlin, während alle Dissidenten beseitigt wurden. Wolfgang Leonhard, dessen kommissarische Zuständigkeit war, Schulungsskripte für die kommunistische Partei-Volkserziehung zu schreiben, wähnte sich betrogen. Leonhards enge Zusammenarbeit mit stalin-dissidenten jugoslawischen Komintern-Kommunisten zwang ihn, heimlich abzuhauen, während er noch kurz zuvor mit Ulbricht über die „Befreiung“ seiner Mutter, der „deutschen Kommunistin“, verhandeln musste.

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Leonhard organisierte und ergriff heimlich seine Flucht (über Jugoslawien nach Westen), was in allerletzter Sekunde glückte, wobei er sein persönliches Stalindrama durchlebte: Leonhard war als Kind seiner idealistischen kommunistischen Berliner Mutter, vor Hitler „in Sicherheit“, über Skandinavien nach Russland gebracht worden. In Moskau verschwand die Mutter, von der Partei politisch ins Abseits, während das Kind Wladimir (Wolfgang) – nicht erfuhr, wo sie war und ob sie überhaupt noch lebte – als Heimkind zum Komintern-Kader gedrillt wurde. Als Leonhard im Jahr 1947 – auch nach zynischen Erlebnissen mit „Markus“ Wolf – Ulbricht heimlich verlassen und fliehen wollte, gelang es ihm zunächst nicht, seine Mutter (die nicht einsichtig war) aus den Fängen Stalins zu befreien. Dramatische Not und Misstrauen bis aufs Blut brannten sich – jetzt Wolfgang – Leonhard ein: Die Revolution erstickte an ihrer Nachgeburt.

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Entsprechend vom Kominform entsetzt landete das kommunistische Jugoslawien unter Tito, das den eigenen Komintern fortsetzte, in Feindschaft zum Stalin-Sowjet-Imperium. (Das jugoslawisch-serbische Militär richtete seine alljährlichen Manöver in russischer Himmelsrichtung aus).

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Jetzt musste Wolfgang Leonhard im hohen Alter, zuletzt im Krankenhaus, an einer schweren Krankheit sterben. Er lebte in der Eifel.

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Ein Termin für die Gedenkfeier werde später festgelegt, um Kollegen und einstigen Studenten die Teilnahme zu ermöglichen. Leonhard hatte 21 Jahre lang bis 1987 als Professor an der US-Eliteuniversität Yale über die Sowjetunion und den Kommunismus gelehrt.

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Dietmar Moews meint: Wolfgang Leonhard hat sowohl mit seinem Bericht über die Gruppe Ulbricht im nach-1945er Berlin wie in der Auseinandersetzung mit den sogenannten 68ern, die einem seltsamen West-Marxismus anhingen, indem Hegel, Marx und Freud eine bekloppte stalinistische Ideologie ergaben, die sie „Kritische Theorie“ nannten (Adorno / Habermas) und mit seinsgebundener empirischer Urteilskraft eines Wolfgang Leonhard nicht klar kamen.

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Leonhard wurde also in die USA durchgereicht, weil die Bundesrepublik den „Moral-Pakt“ zwischen Hitler und Stalin lieber verdrängten. Desto wichtiger, die Zeugnisse Wolfgang Leonhards ins Curriculum deutscher Demokratiekunde aufzunehmen.

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