Lars Gustafsson 1936 – 2016 – Kurznachruf

April 4, 2016
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Vom Montag, 4. April 2016

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Lars Gustafsson, geboren am 17 Mai 1936 in Västeras, Schweden, ist am 3. April 2016 daselbst 79-jährig gestorben. Gustafsson war Schriftsteller und Philosoph.

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Lars Gustafsson studierte Literatur, Philosophie und Soziologie an den Universitäten von Uppsala und Oxford. Seit den 1960er Jahren publizierte er Lyrik, Philosophie und Romane.

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Von 1962-1972 war er Chefredakteur der schwedischen Literaturzeitschrift „Bonniers Litterära Magasin“. Er hat lebendige Kontakte zur deutschen sozialdemokratischen Autoren-Pressure-Gruppe 47“.

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1961 wurde er im Fach Theoretische Philosophie promoviert. Nach Veröffentlichung seines akademischen Werkes „Sprache und Lüge“, einer Auseinandersetzung mit den Sprachphilosophen von Friedrich Nietzsche, Alexander Bryan Johnson und Fritz Mauthner, schloss seine Habilitation ab. 1981 konvertierte Gustafsson, der 1962 zur zweiten Ehe die Jüdin Alexandra Chasnoff heiratete, zum Judentum. Er war insgesamt dreimal verheirat und hatte insgesamt vier Kinder.

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1983 bis 2006 war er Professor für Germanistische Studien und Philosophie an der University of Texas in Austin / Texas.

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Im Jahre 2009 machte er anlässlich der Europawahl 2009 Schlagzeilen, als er mit einem Wahlaufruf offiziell die schwedische Piratenpartei unterstützte. Zur Begründung sagte der Autor:

Letztlich geht es um das Bürgerrecht auf Information. Das ist wichtiger als das Urheberrecht.“ Lars Gustafsson

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Am 25. August 2010 verließ Gustafsson die schwedische Piratenpartei aus Protest gegen die Zusammenarbeit mit dem Portal Wikileaks, welchem er vorwarf, Todeslisten für die Taliban zu liefern.

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Gustafsson erhielt zahlreiche Presie, zuletzt den Thomas-Mann-Preis 2015. Mit der Verleihung der Goethe-Medaille 2009 wurde Gustafsson für sein umfangreiches literarisches Werk und den darin enthaltenen starken Deutschlandbezug geehrt. Das Goethe-Institut hob in seiner Begründung hervor, der Autor habe „seit den 70er Jahren das deutsche Schwedenbild jenseits der großen Kinderbuchtradition und der populären schwedischen Kriminalliteratur geprägt.“ Besonders in seiner Pentalogie Risse in der Mauer schicke er den Leser auf eine Zeitreise durch die 1960er und 1970er Jahre Schwedens, die präzise und kritisch den Wandel im gesellschaftlichen Wertesystem verfolge.

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Gustafsson wurde vom Münchner Hanser-Verlag in Deutsch publiziert. Die frühen Werke wurden zum Teil durch Hans Magnus Enzensberger ins Deutsche übersetzt, ab Herr Gustafsson persönlich wurden die Bücher von Verena Reichel übertragen.

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