Neue Sinnlichkeit in DLA-Marbach: http://www.dla-marbach.de/opac_kallias/bibliothek/index.html

Juni 8, 2015

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vom Montag, 8. Juni 2015

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Die neue elektronische Navigation im Deutschen Literaturarchiv Marbach macht jetzt die Zeitschrift >Neue Sinnlichkeit – Blätter für Kunst und Kultur< über das Internetz zugänglich:

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http://www.dla-marbach.de/?id=12

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http://www.dla marbach.de/opac_kallias/bibliothek/index.html

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Dietmar Moews meint: Die besondere lose Erscheinungsfolge der Blätter Neue Sinnlichkeit für Kunst und Kultur und die von Ausgabe zu Ausgabe wechselnden Untertitel haben den Literaturpflegern des DLA Aufmerksamkeit abverlangt.

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Und jetzt findet jeder Interessent Nachweise und Bezeugung der seit 1979 erscheinenden Blätter und deren zahlreichen Künstlern und Autoren.

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Neben dem DLA-Marbach sammeln auch die Bayerische Staatsbibliothek in München, die Sächsische Staatsbibliothek in Dresden, die Deutsche Universalbibliothek Frankfurt am Main /Leipzig, die Niedersächsische Landesbibliothek, das Hannoversche Stadtarchiv, das Stadtarchiv Springe, die Nordrhein-Westfälische Landesbibliothek die Neue Sinnlichkeit Blätter für Kunst und Kultur, ISSN 1432-5268 seit 1979 aus Hannover, München, Leipzig, Magdeburg, Dresden, Berlin, Köln.

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Indem ich Ihnen ein langes Leben wünsche, sparen Sie auf diese Weise ganz erheblich.

Abonnement auf Lebenszeit für EURO 500,- (oder entsprechender Landeswährung)

Einzelpreis oder Abonnement inkl. Versand EURO 12.-, Schüler bei Selbstabholung EURO 4.-

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Abonnieren Sie mit Namen, Postanschrift, Ort, Datum, Unterschrift sowie EURO 500 zur Verrechnung bei:

PANDORA KUNST PROJEKT

zu Händen Dr. Dietmar Moews

Mainzer Straße 28

D-50678 Köln am Rhein


NEU ERSCHIENEN: Neue Sinnlichkeit 64 – Blätter für meisterliche Stoffveränderung: KÖLN, Dez. 2013 INHALT + Erfolgskinder

Dezember 16, 2013

Inhalt (ohne die Bebilderung im Heft)

Seite 3 eine Seite Text ohne Bilder in Neue Sinnlichkeit 64 c. Dietmar Moews 2013

Verirrte Kunstorganisation: Komponist Thomas Schmidt-Kowalski tot Seite 1

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Umschlag: aus einem Plakat von Kunstroute KÖLN OFFEN! Seite 1

Zum Geleit Seite 2

Inhalt Seite 3

IMPRESSUM Seite 3

ABONNEMENT NEUE SINNLICHKEIT AUF LEBENSZEIT FÜR 450 EURO Seite 3

ERFOLGSKINDER Seite 4

Neue Sinnlichkeit und Dietmar Moews jetzt im dla Deutsches Literaturarchiv Marbach Seite 14

DIETMAR MOEWS:

Verirrte Kunstorganisation: Komponist Thomas Schmidt Kowalski tot Seite 16

THOMAS SCHMIDT-KOWALSKI Werksverzeichnis des Komponisten Seite 56

THOMAS SCHMIDT-KOWALSKI: Portrait: Die Linie von Dietmar Moews Seite 60

DIETMAR MOEWS: Lexikon des Kunstwesens: Thomas Schmidt-Kowalski Seite 61

Die Kinderseiten der Epoche: Der Grenzgeiger rechts am Wald Seite 62

Auflösung Qualitätsrätsel 63: Rolf Boysen

QUALITÄTSRÄTSEL 64: Wer hats geschrieben? Seite 64

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Dietmar Moews in der Sonne / Fextal / Oberengardin

Erfolgskinder

Seite 4-14 zehn Seiten Text, teils bebildert in Neue Sinnlichkeit 64 c. Dietmar Moews 2013

Willkommen im neuen Blatt für Kunst und Kultur, liebste Leserin und lieberer Leser. Anraunungen aus Köln tragen den Untertitel: Blätter für meisterliche Stoffveränderung. Muss denn dieses lupenreine Blatt wirklich alarmistisch aufgereizt werden, damit die Leser in begeisterte Diskussionen gehen?

Literaten und Qualitätsliteraten

NEU: Die Blätter für Kunst und Kultur, Neue Sinnlichkeit, sind im Deutschen Literatur Archiv Marbach archiviert. Ebenso ist Dietmar Moews als Autor im DLA, im Nachlass von Armin Mohler. Das ist brisant, weil Armin Mohler, als einer der zu Lebzeiten höchstgestellten Literaten gezählt worden war. Ungeachtet der Etikettierung oder wirklichen Bedeutung dieses Auguren, sind Bewertungen des Dietmar Moews und seinen Freunden, als politisch rechts absurd. Zersetzung ist die Kampftechnik der Salonpersonnage: der Kampf gegen Elite. Mohlers lobende WELT-Publikation im Jahr 1980 steht namhaft am Anfang der Vernichtung des Komponisten Thomas Schmidt-Kowalski. Dieser Skandal in der deutschen Denk- und Dichtgeschichte kann nun immer wieder auch durch den Griff zu einem älteren Heft Neue Sinnlichkeit, das im d l a Marbach, lustig, witzig und anregend, leichtig zuhanden bereitliegt, selbst erkostet werden.

Danilo Kis + Michael Krüger

Es geht um Qualität? Kurze Rede? – ein abschreckendes Beispiel, wie jemand nichts zu sagen hat, aber mit Umschreibungen vortäuscht, seinen Selbsterhöhungsanspruch als literarischen Raum ausbauen zu können, so: „… Meine ganze Kindheit ist eine Illusion, eine Illusion, von der sich meine Vorstellungskraft nährt. Und nachdem ich über das Thema der frühen Leiden“ zwei, drei Bücher geschrieben habe, scheint mir heute, jedes Zurückführen der Imagination auf sogenannte biographische Fakten sei reduktionistisch. Das Leben, das weiß ich, läßt sich nicht auf Bücher zurückführen: aber auch die Bücher lassen sich nicht auf das Leben zurückführen. Da ich meine Kindheit in einer lyrischen, einmaligen und definitiven Form wiedergegeben habe, ist diese Form zum integrierenden Bestandteil meiner Kindheit geworden, zu meiner einzigen Kindheit. Und ich bin jetzt selber kaum noch in der Lage, zwischen diesen beiden Illusionen zu unterscheiden: zwischen der Wirklichkeit des Lebens und derjenigen der Literatur; sie durchdringen sich so sehr, daß es nahezu unmöglich ist, eine klare Trennlinie zwischen ihnen zu ziehen. Deshalb erscheint mir jede andersgeartete Interpretation dieser Bücher, vor allem von seiten des Autors, als Verarmung: als Nacherzählung eines Gedichts, wobei Schwung, Rhythmus und Begeisterung fehlen und die poetische Metapher auf einen langage commun reduziert, herabgemindert wird, wie in dem bei Gérard Genette angeführten Beispiel, wo La Fontaines Vers Sur les ailes du temps las tristesse s’envole von Rhetorikern als Le chagrin ne dure pas

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toujours „übersetzt“ wird… Jede Biographie, vor allem aber die Biographie des Schriftstellers, ist, sofern sie nicht die Gnade der Gestaltung erfahren hat, zwangsläufig reduktionistisch: als einmalige und unwiederholbare Lebensgeschichte eines einmaligen und unwiederholbaren Menschen in einer einmaligen und unwiederholbaren Zeit, mithin als das, was sie von andern unterscheidet; ideal und interessant wäre dagegen eine Lebensgeschichte, die die Biographie aller Menschen zu allen Zeiten enthielte. Eine solche Illusion kann man, besonders wenn es um die Kindheit geht, nur durch die „poetische“, literarische Form erzeugen….“ (Übersetzung von Ilma Rakusa aus dem Serbokroatischen (1986)).

 Eitles Geschwafel von Kis? Selbst, sollte es sich um eine schlechte Übersetzung dieser Bekenntnisse ins Deutsche handeln, wüßte ich gerne, was nun in Biographien der Menschen an sich und schließlich zu der von Danilo Kis, der sich hier selbst hervorhebt, denn so unterschiedlich sein soll? Warum sagt er es nicht – behauptet es bloß und schließt mit einer idiotischen Unterfütterung: „… vor allem aber die Biographie des Schriftstellers, ist, sofern sie nicht die Gnade der Gestaltung erfahren hat, zwangsläufig reduktionistisch: als einmalige und unwiederholbare Lebensgeschichte eines einmaligen und unwiederholbaren Menschen in einer einmaligen und unwiederholbaren Zeit, mithin als das, was sie von andern, unterscheidet; … Danilo Kis (1932-1988)

Uns „Hochkaräter“ reindrücken und wir unterwerfen uns nicht einfach und fragen – wer hats geschrieben? Der Tiefkaräter heißt Michael Krüger vom Hanser-Verlag.

SPD-Schranzen der Folgeförderung

Es stellt sich die Frage, die Edvard Munch so eindrücklich gemalt hatte, heraus: Was, denn, soll Ludwig Zerull, der SPDist aus Hannover? Was sollte das? Wer wollte dessen intrigante Begehrlichkeiten? Was soll Ursula Bode, die Salonschranze der Kunsterzieher vergangener Zeit? Ursula Bode pöbelte 1980 in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung gegen den Maler Dietmar Moews, der die Ballhof-Galerie führte, hervorragende junge Künstler entdeckte und förderte und diese Blätter herausgab: Etwas für Elitemenschen? schrieb Ursula Bode.

Ja, mit etwas mehr Wachheit und etwas weniger Östrogen hätte diese Ursula, damals Hannover, heute Essen, die Frage verstehen und beantwortet finden können: Elite als Verpflichtung in der losen Folge dieser Blätter. Was könnte man von Armin Mohler lernen oder von Isiah Berlin, wenn man wirklich so wach und hochkompetent wäre, wie es der klingelnde Frank Schirrmacher an sein FAZ-Glöckchen in Marbach am Schiller-Geburtstag hängte? Antwort: Dichten, Denken, Nachdenken und Fühlen. Aber was soll das Gedenke, wenn dem

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FAZ-Herausgeber Grunderfahrungen fehlen? Dann pickt er den Methusalem und pickt er den Datenfresser und pickt, wenns nicht zu hoch kommt, steht der Schwanz nicht alleine da. Mein Mitgefühl hat er – unrecht geht es unter jenen zu: Exklusiv, das „Modell Folgeförderung“: Wir finden uns, fassen uns an den Händen und lassen nie wieder los.“

Dingwelt und Seinsbindung

Die Neue Sinnlichkeit – so heißt der Arbeitstitel eines kultivierten Bewusstseins für Sinnlichkeit in der heutigen Gestaltungswelt. Das ist eine Sinn- und Formgebung, die der Mensch ohne Weiteres verstehen können soll. Es geht um die Dinge, Ordnungen, also Physik zunächst, dazu wir Menschen mit unseren Vorstellungen und Antrieben und unseren sozialen Sprachpraktiken, Metaphysik immer auf Physik bezogen. Gebrauch und Funktionen, Zweckwidmung, Material, Belastbarkeit, Nachhaltigkeit, menschlichen Bezugnahmen angemessen, tasten, temperieren, anfühlen, sehen, hören, klingen, schallen, dämpfen, riechen, einschmeicheln, schmecken, vertraut und zugleich neu sowie für jede Nachbarschaft, Gefährlichkeit, Nützlichkeit, Zweckentfremdbarkeit, Vieldeutigkeit und immer das zu tolerierende Individuelle, allerdings auf individuelle Kosten. Hilfreicher ist eine Persönlichkeit, deren kritische Urteilskraft soziale Potentiale zureichend vorstellen kann, dass das jeweilige Orientierungshandeln, wissen können, tun sollen, hoffen dürfen, gelingen kann. Dann wäre die Werthaltigkeit anschaulich und der Mensch kann sich leicht zurechtfinden.

Architekt Toyo Ito wundert

Der bekannte japanische Architekt und Pritzker-Preisträger Toyo Ito (geb.1942), dessen Werk imho nicht immer stimmt, hat allerdings hier, wie auf Bestellung, sehr erhellend bemerkt: „… computergestützte Optimierung durch Formanalyse … die Begeisterung für Vergänglichkeit und Vieldeutigkeit“ ließ mit den Jahren nach. Heute spreche ich von der „Macht der Substanz“ in der Baukunst. Internet und Mobiltelefonie haben uns radikal verändert. Besonders junge Leute haben ihre Sinne für „rohe“ Dinge eingebüßt. Ich hatte gehofft, dass in der virtuellen Welt neue Sensibilitäten entstehen, tatsächlich fühle ich mich aber betrogen. Je größer die Virtualisierung, desto mehr Bedarf besteht an einfacher Körperlichkeit“ (NZZ S. 23 v. 28.Okt. 2013).

 Der Architekt Ito scheint nun begriffen zu haben, dass unsere Seinsbindung virtuell wie greifbar von der robotischen Entfremdung so verformt wird, dass uns unsere Natur verwirrt, statt immer neu Orientierungshalt zu bieten: Blätter für für-wahr-halte-Herrschaft, Blätter für …Wo bleibt eigentlich der Friedensnobelpreis? – bereits im Jahr 1979 entstand das Manifest der Neuen Sinnlichkeit. Moews, den daraufhin

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Armin Mohler von der Siemens Stiftung zum Sprengstoff unter dem Schweif des dösenden Kulturlöwen erklärt hatte (DIE WELT ’80)

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Nun – mit der „Verirrten Kunstorganisation“ (2000) hat Moews dem Kern des verirrten Organisationswesens und der darin sich suhlenden adornitischen Büchner-Preis-Idiotie bestimmt (der zwanzigjährige Student Büchner hatte Losungen der französischen Revolution aufgepickt, was den Häppchen-Gebildeten gut eingeht) wohin sie ihre Nobelpreise sich stecken können: in den habesatten Zirkus, den Niccoló Machiavelli vor über 500 Jahren bereits verstanden und hatte: NSA? Ja, was denn sonst?

Bolschewiken Bolschewismus?

Wie der Mensch darin umkommen kann, wissen wir von dem Gulag-Autoren Warlam Schalamow. Wir wissen es von Herta Müller. Und wir erfahren es hier von Dietmar Moews zum Tod eines deutschen Komponisten im Januar diesen Jahres, den die deutsche strukturierte Kunstorganisation mittels ihrer funktionalen Salonpersonnage umgebracht hat. Und zur Vertuschung dieser Künstlerermordung versucht man das Lebenswerk weiterhin zu unterdrücken. Und das ist nun der Künstlerfreundschaft und der Kunstliebe versprochen: Die Neue Sinnlichkeit des Dietmar Moews weiterhin mit Hochglanz und Esprit diese strukturell-funktionale Meuchel-Heuchelei bekämpfen. Kampf! Bei Kampf ist  Aufklärung des deutschen Publikos begleitender Nebeneffekt. Bolschewismus heißt hier: personalpolitisches Durchziehen unter Vernichtungsandrohung. Eine Kunst-Verteidigungspolitik kann über Aufklärung und Mehrheitsabstimmungen nicht derart verkappt bolschewistische Machtstrukuren reformistisch angehen. Dagegen spricht stets die Majorität des Desinteresses. Dagegen stehen die Vorurteile über „Freiheit der Kunst“ und „Demokratie in der Kunst“. Während eine verschwindend kleine Minorität der betroffenen echten Künstler und deren schamhafte Angehörige einer verpitbullten Salonpersonnage der in das Kunstorganisationssystem eingeschlichenen unechten Künstler sich gegenüber sehen.

Über die heute angängige rechts-staatlich verfasste und strukturell-funktional organisierte Vernichtung des kreativen Kerns der Gesellschaft – Segregierung der echten Künstler – wird man zu späterer Zeit Machiavelli zitieren und auf das konzeptionelle Gelingen der kollektiven Dummheit in gemäßigten Zeiten verweisen, wie es bereits im Buche steht: Was wollen Sie? Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann! Ihre Werke sind genial um den Preis des Elends und des Todes. Lassen sich heutige Mozartfreunde herbei, zu fragen: Wie machen wir das denn heute? Wir zahlen doch Steuern. Kunstfreiheit und Kunstförderpolitik haben doch gewissermaßen Verfassungsrang? Wo sind also all die Erfolgskinder der Musik

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unserer Tage? Schauen wir nach Donau-Eschingen? Erkennen wir, wie was in die staatlichen Programme der Musikentscheidungen kommt? Und welche Personen sich da zusammenfinden? Antonin Dvorak musste seine Heimat Böhmen verlassen, Jacques Offenbach, der Kölner Jude, Komponist wundervoller Arien, musste unter Namenswechsel nach Paris, Richard Wagner hat sich mit aller Welt stalinistisch (das heißt: Ohne Rücksichtnahme auf Menschen und soziale Pflicht und Treue) durchgekämpft. Wir reden nicht von Dvorák und all den anderen Toten – wir reden von der heute in Deutschland vorgehaltenen Vernichtungsorganisation echter Kunst durch das diskrete Sytem der selbstgesteuerten Salonpersonnagen, von unechten Künstlern die hineinorganisiert werden und von den echten Künstlern, die vernichtet werden. Und wie geht das? Werke werden abgeblockt, dadurch Künstler sozial zersetzt und vergiftet

Lichtgeschwindigkeit Channel

Schnitt – pumperl: Das Hochglanzpapier für den Umschlag dieses neuen Blattes wurde der Kölner Kunstszene entnommen. Heutige Kölner halten praktisch aufs Kölsch sehr begrenzt noch miteinander Beziehung. Das ist die neue Zeit! Die heutigen Jungen sind dick. Wir waren 1965 dünn. Die Siebzigjährigen sind noch da – aber ermüdet hängen viele am Kölsch. Diskurs der neuen Sinnlichkeit? Wollen doch mal sehen, wer in Lichtgeschwindigkeit, wie Dietmar Moews in Köln, entkommt?

 Hochglanzblatt FOCUS eröffnete kürzlich mit Konfuzius: „Wer einen Fehler gemacht hat und nicht korrigiert, begeht einen zweiten. In der Neuen Sinnlichkeit indes gelten gut, schlecht (mittel) und meisterlich.

 Weil viele im Feld von Kunst und Kultur schlicht nicht erkennen, was denn wahr oder falsch, gut oder schlecht ist, dann können sie dazu auch nichts weiter sagen. So machen sie weder Fehler, noch korrigieren, lernen und entwickeln sie sich. Eingestanden, das ist die Freiheit in der freien Gesellschaft, so durch die Welt zu flippern. Jeder darf sich selbst und seine Menschen, besonders die eigenen Nachkommen, mit der Vorstellung behandeln, es gäbe in den weichen Bereichen – also Geist, Metaphysik, Kunst, Kultur, Poesie, Intuition, Instinkt, Stimmungen, Wahnsinn – kein Gut und Schlecht. Alles andere weist er in die positivistischen Bereiche der Physik. Und empfindet diese genau an der Abgrenzung gegen die unmeisterliche Metaphysik banal. MINT-Fächer Nein Danke! Wenn, Wahrheit – dann banal. Es ist auch die Freiheit mit diesen Überzeugungen nicht immer demokratisch abzustimmen. Kluge Sachen sind für intelligente Leser gemacht. Wer nicht über die Erleichterungsschwimmereien hinaus Urteile entfalten kann, muss sich von seiner tränigen Mutter vertrösten lassen. Denn auch  Fragen will gelernt sein. Und wozu

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hätte Gott die Ungleichheit davorgesetzt, wenn der blöde Mensch mit seiner Quotenintelligenz diese öden Eisenkugel-mit-Ketten an Fußgelenken der Panzerknacker mehrheitlich zur Norm erhebt, weil ihr Bullshit leichter fällt als Kants Kritik der Urteilskraft? Klar, Karl Kraus, gehört da das Rufzeichen statt des Fragezeichens hinter! Klar, Karl.

So lange die Ingenieure die Freiräume unseres Reichtums schaffen, geht die Hängemattenkultur auch noch eine Weile gut. Aber man darf die Inklusionsgenies nicht überfordern, sonst schlägt die rechte Exklusionsnatur übel zurück. So wird auch Politik entschieden.

Freiheit als Peitsche

Aber – so organisert man in Deutschland Kunstpolitik – es kommt vom Besatzungsstatus der 1945er Kapitulation her und den verlängerten Versailler / Nürnberger Bedingungen – Adorno hieß das organisierte Blockwart-Schwein: Freiheit der Kunst heißt es seitdem dann in der Staatspraxis: Willkür für die unechten Künstler der Salonpersonnage ist die Freiheit des Staates, Pseudokunst und Pseudokünstler zu küren und in die gesellschaftliche Öffentlichkeit hinzupäppeln. Und – das gefällt der dösigen Mehrheit: Diese Mehrheit ist Wahrheit – diese Wahrheitsmacht übt man gerne aus: Da simmer dabei, dat is prima: Die Partei die Partei die hat immer Recht.

 Die Gagreiter der Tagesaktualitätsneurose meinten kürzlich: Die Zahl hat das Wort abgelöst. Es ist, wie so oft: – ein Gag geht auf, weil die Kundschaft belustigt werden will und für Erleichterung jede interessantere Sekunde hingibt. Man stellt es sich einfach so vor: Denn, was ist eine Ziffer anderes als ein Buchstabe? Und wieso sind Sinn und Bedeutung eines Wortes etwas anderes als eine Zahl? Wo soll denn die Buchstabenkombination weniger auf Gebrauch im Bedeutungsspiel und -zuweisung angewiesen sein als eine Ziffernkombination? Ganz Schlaue wenden dann eine: Ja, und heute wird ja Alles auf nur noch zwei Zeichen reduziert: L und 0 – das bedeutet Ja und Nein.

 Mit L und 0 werden alle semantischen Mittel bereitgestellt und gebraucht – unabhängig von dem Zeichenhaften der Zeichen, allein mittels der semantischen Anwender- Intelligenz und unserer hohen Kultur von Bedeutungsproduktion und -konsumtion und deren prozessuraler Geltungskraft.

Schauen und Schaffen

In den Diskussionen zur Neuen Sinnlichkeit sieht sich Dietmar Moews fortgesetzt drei verschiedenen Haltungen ausgesetzt.

– Manche wissen einfach nicht, warum Sinnlichkeit neu und revolutionär zu nehmen sein soll. – Andere meinen feststellen zu dürfen: Dietmar Moews falle seit dem Erscheinen im Jahr 1979 zur Neuen Sinnlichkeit längst nicht mehr viel ein. – Viele

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sehen ihr Wohlbefinden in der heutigen Ausstattungswelt spielerisch, als Geschenk und Reichtum, zudem als Stärkung und Rüstung der eigenen Mangelhaftigkeit, die Wendung zum modernen Rollenschein geben zu können. Man designed sich eine ärmliche Bedeutung und macht sich den Bedeutungshof: Ein bisschen Smartphone, etwas Rolltreppe, Doping, Strahlen und Nervengas aller Art, Haarausfall tarnen, mittels Geld zum Design.

 Wie lächerlich Menschen wirken, die altersungemäße Kleidung, Dekoration und Körperbewegungen aufführen, sieht Jeder ohne große Missgunst: Es ist der Dreißigjährige ungeduscht mit altem Schweißgeruch nicht der übernächtigte wohlriechende Siebzehnjährige vom Dancefloor. Was soll uns denn die Faltencreme der Dame mit vierzig anderes sagen als: Meine Zeit ist seit 20 Jahren vorbei. Doch, wieso gibt es so wenig Selbstgerechtigkeit zur eigenen Altersschönheit? Altersschönheit mit Lametta und Weihnachtskugeln, das Modejournal im Hochglanz-BMW und dann geht’s rund: Ein in Arsch und Mund. Am Ende sind Elendsgefühle und Mickrigkeit der Lohn dieser Angst, dass die Altersjahre sichtbar sind. Sie sind es. Indes jede Lebenssekunde ist eine mögliche Wertverwirklichung. Man wäre töricht, unter dem kommenden eigenen Tod sein Leben in Trauer zu verbringen, statt Meisterliches zu schaffen. Ein Lebenswerk aufbauen: Je todesnäher, desto größer. Man muss sein Ding nur erkennen. Und dann munter beginnen: Schauen und Schaffen, statt die fliehenden Momente zu jagen.

 Wer sich, so gesehen, einer legitimen großen Mehrheit der Eitelkeit und Dösigkeit gegenüber sieht, muss das rekapitulieren. Aber wie?

 Auf zum Tanz

Wir müssen jeder unserer Lebenssekunden im Sozialen wach begegnen und den Tanz annehmen – Tanz, nicht Kampf und nicht nur im Beisammensein. Allerdings, ist man allein, gilt es dennoch wesentlich ähnlich vor dem sozialen Hintergrund der Abwesenden und vor den möglichen sozialen Szenerien, die jeder stets in seinen Vorstellungen dabei hat. Auch wer allein ist, hat die möglichen Anderen im Sinn, ja sogar in der

Sinnlichkeit. Virtuelle An- und Abwesenheit haben analoges Verhalten zur Folge. Unser Körper lernt auch durch Geist (Mein Gott! Wie blöde muss man denn argumentieren?): FEHLER erkennen! FEHLER korrigieren. Nur die Selbstkontrolle wird irritiert, wenn der Lehrer virtuell herandrängt: Nanü nana, Einer drin und Keiner da, sagte die Bananentänzerin: Und in der Hüfte Bananen.

 Klar ist dabei: Das Sein bestimmt das Bewusstsein lediglich sehr beschränkt mit. Denn, was ist mein Sein? Wenn Zeitgeist oder Mehrheitsdruck anders ticken? Elastizität heißt die Erlösungsformel. Aufgeben allerdings gilt nicht. In konkreten sozialen Aushandlungen sollte man stark sein und argumentieren. Da gegen sind Bullshit-Philosophen viel zu sehr am debilen Denken vergiftet, als Urteile erörtern zu vermögen. Jeder Einsichtige kann sich in Gesprächen und kritischen Aushandlungen klar positionieren, wenn er kann. Wo sich Dösige frech hervortun, hält man Argumente entgegen – und anschließend ist, natürlich, keine Einsicht zu erwarten – dann stehen Anspielung, Ironie und Spott in Maßen, zugespitzt sogar

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unausgesprochen im Kontrollraum der Meinungs- und Verhaltensherrschaft. Folge: Wer damit unvorsichtig umgeht, wird gemieden. Gefürchtet wird in geistigen Angelegenheiten kaum jemand. Allein den Dösigen fehlt ja die Höhe in eigene Inferiorität hinzustarren, den Abgründen der Bescheuertheit ins Gesicht schauen zu müssen. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Dass es dabei um praktische Bevormundung und Herrschaft geht, ist hier das Maß: Ich betrete einen Raum und es schlägt eine Für-wahr-halte-Herrschaft entgegen.

 IT-Revolution

Was ist daran so schwer? Spätestens nach all den Entfremdungstheorien des zwanzigsten Jahrhunderts sind wir seit Mitte der 1980er Jahre in die IT-Revolution eingetreten und die Entsinnlichung ist konstitutiv. Jeder Augenblick, jeder Handgriff enthält nun neue Signale der Fernfuchtelei und der Algorithmen – über alle Dinge, ob nah ob fern. Und die Sinnlichkeit bleibt doch der einzige menschliche Orientierungsstoff im Leben und Überleben. Seine Meisterschaften werden nun neu ausgespielt. Meister der Neuen Sinnlichkeit. Man kann den Menschen alphabetisieren. Soll man? Ich denke, ja. Man kann den Menschen ikonisieren. Man kann den Menschen sozialisieren usw.

 Wie und ob, wohin ein Mensch zur Entfaltung kommt, liegt entscheidend in seiner Begabung zur sozialen Dynamik. Ohne Mut und Tapferkeit die täglichen Enttäuschungen mit den anderen Menschen freudig zu umarmen und einzuschwingen, mitzutanzen und vielleicht auch zu führen. Diese Dynamik bestimmt.

 Nachrangig sind etwaige Mittel, Geld, Amoralität. Soziale Dynamik bildet den Bogen und die qualitative Klammer eines Individuums. Mittel können einzelne Events und Blockaden schaffen.

 Deshalb ist es stets die Absicht, hier verständlich und einfach das wirkliche und das mögliche Sein, die Qualitäten der Dinge zu bieten. Gute Bilder malen, aufhängen, anschauen, damit leben. Dabei stört stets die Notwendigkeit zur Anknüpfung. Wenn der Arzt doch stets an den Krankheiten ansetzen muss, wie kann er seinen Patienten eine balancierte Gesundheit zeigen? Das ist sehr schwer. Ich muss da anknüpfen, wo noch Bedeutungen und Dinge wiedererkennbar sind. Aber an Allem und Jedem hängen die falschen Etiketten des Bullshits, der es so leicht macht, statt Verständigung und Urteilskraft, ein betäubendes Dauergeräusch zu verbreiten. So leise kann man gar nicht schweigen, dass es zum gespitzten Ohrenspitzen der auserwählten Begabten kommt. Aber ausnahmsweise schon – und um UNS geht es. Und die allfälligen Selbstverständlichkeiten und allgemeinen Enttäuschungsformeln à la Bischof Butler sollen nur beiläufig mitschwingen. Denn auch da liegt zu viel

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Schusselei drin, wenn Butler schrieb: Dinge und Taten sind, was sie sind, und ihre Folgen werden sein, was sie sein werden: warum wollen wir uns dann täuschen lassen. dietmarmoews bei Youtube

Seit Sommer 2009 macht Dietmar Moews im eigenen Namen den Youtube-Kanal dietmarmoews, genannt Lichtgeschwindigkeit. Moews ist Maler und Gründer dieser Zeitschrift Neue Sinnlichkeit, damit im tätigen lebendigsten Leben – momentan in Köln. Kritiker der Kultur voll Vernunft und Leidenschaft. Er ist präsent. Der Schriftsteller und Verleger Michael Krüger wünscht ihm eine triumphale Zukunft. Dahinein gehen seine täglichen Gedanken und Miniaturen, die früher in Erfolgskinder verwandelt worden waren. Jetzt erhalten die Blätter Neue Sinnlichkeit davon nur die Raritäten der Spitze des Vulkans (Eisberges) – weniger LICHTGESCHWINDIGKEIT, mehr SLOW FOOD.

 Ein Abonnementsblatt auf Lebenszeit ist stets neu. Das verwandelt sich beim Produzenten und beim Konsumenten. Es bewegt sich auch zwischen Produzent und Konsumenten – besonders solchen, die lesen und kommunizieren, was hier drinsteht.

Abonnement auf Lebenszeit für einmalig 500 Euro vorab. Und ab dann heißt es noch immer: In der Kunst gibt es keine Pause.

Urteilskraft und Geltung

Der Herausgeber dieser Blätter Neue Sinnlichkeit 64, für Kritikfreudigkeit, ist von seiner Kritikhöhe sein Leben lang im Sinne des Wortes begeistert. Kritisieren entsteht als Zinsgewinn aus Kunstschaffen. Die Bedeutung des Wortes Kritik als Urteilskraft verstanden, die an ein meisterliches Können knüpft. Das verlaufende Geschehen zum Zeitpunkt überblicken, die Fraglichkeiten erkennen, die Spielräume anbetracht des Personals in der Szenerie als situatives Einschwingen unter Verwirklichung der Werte und Ziele: Urteilskraft.

Diese Urteilskraft liegt an der unbändigen Neugierde und den stets von selbst heraufkommenden Fragen. Fragen – nicht Ratlosigkeit. Und diese Kritikfreude ist gut geeignet, dagegen abzugrenzen, wo sehr leicht

Stolz gemutmaßt wird – Jemand sei stolz über seine Urteilskraft! Doch Stolz und Alleinstellung, Exklusivität und Vorteilslage sind nicht der Punkt. Es ist vielleicht die Disposition für einen glücklichen Typus. Hier hat jemand Urteilskraft und Kritiklust, der noch in unbesonnenen Momenten froh und glücklich gestimmt ist, statt unentschieden oder verzagt. Missmut ist dem Glücklichen ganz fern. Der Glückliche kennt das Leben der Ablehnung durch all die anderen, die unentschieden oder verzweifelt sind. Wohlan: Kritik ist ein forderndes Metier, Antrieb, Motiv und ständiges Entschädigungs- und Selbsbelohnungsmodell im großen Weltall, mitten

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der unaufhaltsamen Verwandlungen.

Beschwören von Missliebigkeiten kann niemals der Inspiration und Entfaltung gereichen, die der tägliche Mut zur Gestaltung braucht. Wenn stets die kulturgeschichtlich gestärkte Ideologie des Höher, Schneller, Weiter, der ausgerasteten Moderne, ihrer kollabierenden Geschwindigkeit, ihrer entstofflichten Materialität und Isomorphie, ihrer entkoppelnden Mittlermächte, ihrer kleinen Meierlein-Buchhaltungstricks, ihrer virtuellen Alarmismen im Skelett, alles überdonnernden Bassostinaten, blendende Lichtwellen, vergiftende Vitamine als Endzeitverkürzung der Stoffwechseldefizite: Wie soll der Goldfisch bestimmen, wenn das Wasser im Aquarium zu aufgeheizt ist, Paarungs- und Eierdruck aufgedreht, Lebenszeit und Lebensqualität allerdings auf Einzelschicksale keine Rücksicht nehmen. Da reißen sich die Zukurzzukommengläubigen gegenseitig die zeitaufwendigen Geduldspartnerschaften auf dem Billigmarkt der Belustigungen von der Zunge. Wer zahlt, der bestimmt die neue Sinnlichkeit, heißt: Unsere Natur in der heutigen Naturzurichtung wird weltweit nach Wertsetzungen entschieden, die nicht dieser Naturzurichtung abgeschaut, abgelauscht, abgespürt werden. Sondern es bestimmen fernfuchtelnde Bestimmer, deren Selbsteuerung und Selbstkontrolle über ihre Fernfuchteleien und Dösbatteleien an dem daraufgebauten Machterhalt als Wertverwirklichung sich zeigt.

 Ja, und dann die große gegenseitige Gewogenheit, die große gewogene Gegenseitigkeit – der Selbstbedienungsladen der Salonpersonnage unter dem missbrauchten Signet: FREIHEIT DER KUNST.

Dass Wertverwirklichung sich zeigt. Architekten entwickeln und bauen Gebäude, die der Macht von Naturzurichtung dienen. Bessere Architektur erhält keinen Zuschlag (wann werden Preisträger gebaut?)

 Wo diskutieren die Menschen ihre Architektur? Wo diskutieren sie die neue Sinnlichkeit? Wo wird ihnen klar, dass inzwischen Machtbauwerke von Facebook und Apple unter der Erde versteckt werden. Die Wolfsschanze war eine Kinderei dagegen. Leichtfüße meinen dazu: Pluralismus der Stile in der Postmoderne, was ist denn gegen die Dschungelszenerie von Facebook einzuwenden? Das bezeichnet unser Elend in der Demokratie, wo die Mehrheit durchsetzen darf, was ihr einfällt: Machtarchitektur. Und die verborgene Übermacht muss weder erkannt noch in Frage gestellt werden. Wann wären je Menschen in ihrem Vorgarten gefragt worden, mit welchen Sprengsätzen der Globus neugeformt werden soll? Für die neue Sinnlichkeit gibt es wohl die unmenschlichen Maßstäbe, aber nicht den Selbstanspruch der Weltbürger, informiert, gefragt und beteiligt zu sein. Zwar

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beginnt meine Welt an meiner individuellen Sinnlichkeit, meine Vorstellungen rühren verlässlich nur im sinnlichen Geschehen zwischen der Dingwelt, meinen Wahrnehmungen und meinen dabei aufkommenden Vorstellungen. Wie ich dann zu dir komme, sagt weder meine Sinnlichkeit, noch deine. Aber wir könnten unsere Sinnlichkeit als unser Orientierungsmittel zu den Bewegungen in der heutigen Naturzurichtung klären und einschwingen. Daraus wird dann auch eine baupolitische Gegenwelt zu den Herrschaftsdösigkeiten.

Jung und intelligent?

Faltig, einfältig, entfalten, Friedrichshain, Stadtteil der Altenlosen und Abrundung des Eckigen: Ich war nie jung und doof – erwarte so gesehen nie alt und doof zu sein. Jedenfalls erkläre ich mir damit meine teils anstrengende Geduldlosigkeit mit den Faltenlosen. Diese Jungen haben gerade in der doofen Ausprägung die ziemlich aufs Äußerliche gezielte Unbedachtheit, lange vor der Zeit Faltencremes zu konsumieren. Wobei es sich meist um so genannte Anti-Falten-Cremes handelt. Den Absatzzielen gedankt verkneift man sich, diese Schmiermittel als Jung-und-Doof-Cremes zu titulieren. Und Tests auf Hautverträglichkeit ergeben immer verlässlich von Neuem: Jung-und-Doof-Cremes bewirken wenig Hautschäden – leere Portemonnaies verursachen keine Hautschäden direkt – Neurotiker sind ohnehin stets für Alles und Jedes nicht verantwortlich. „Die heutige Kunst – ihr Wesensdruck ist Chaos bei äußerem Können.“ Mit diesen Worten hat der große deutsche Philosoph und Denker Karl Jaspers seine Meinung über die Kunst seiner Zeit – etwa 1957 – ausgedrückt. Für die Zeitgenossen des Jahres 2013 hätten wir neben dem vielfältig ins Private zurückgedrängte Kunsthandwerk, die verirrte staatliche Kunstorganisation nüchtern festzustellen: Die heutigen Künstler – ihr Wesensdruck ist Chaos bei äußerem Nichtkönnen.

 Die Pflichtlosigkeit der heutigen Künstlergenerationen, dem Metier die Krone der Wunderkammern nicht aufsetzen zu wollen, wird von einer modernen Segnung unterfangen: Wunden und Wunder aller Vorzeiten sind in unserer Welt lebendiger Bestandteil der Gegenwart, benutzbar und weithin zugänglich. Lasse sich niemand täuschen: Das weltweite Internet ist blanke unterernährte Sinnlichkeit und dazu höchst manipulativ. Zerstörtes, Altersschwaches, Kinderblödes, Vergängliches, Misslingen ist für unser kultiviertes Fehlerlernen höchstbeachtlich. Kritische Aufnahme der Dinge, ihrer Wandlungsprozesse und die Beobachtung der Seinsprozesse unserer Wissenschaftler – all das ehrt uns. Was soll also Arte povera?

Seite 14 SCHLUSS der Erfolgskinder 64/Dezember 2013


NEU ERSCHIENEN: Neue Sinnlichkeit 64 – Blätter für meisterliche Stoffveränderung: KÖLN, Dez. 2013

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Zum Geleit

Liebere Leserin und lieber Leser – wir steigen durchs Komplizierte in die Weltanschauung einer neuen Sinnlichkeit. Da kommt eins zum andern, Jean Paul-Jahr zu Diderot-Jahr, Laurence Sterne-Jahr, Schmidt-Kowalski-Jahr. Ich erklär’s:

Will ich zu einem Leser hinschreiben, gelingt das am lebendigsten, wenn ich kurz und klar schreibe, was ich sagen will: Die Musikorganisation ist verirrt – der Komponist Schmidt-Kowalski ist tot. Anspielungen auf Mitlesbarkeit stören, als wollte man den Wegweiser zum geheimen Schatz in der Landkarte mit Komplimenten auf die Frisur der Ehefrau des Schatzsuchers aufnutten. Damit jener dankbar seine teuere Zeit nähme, weil eine so Gepriesene ihn anfeuert.

Mir egal. Es ist doch klar wie Kloßbrühe: Sein Gewicht hat Jean Paul, schon, weil die Besten aller Zeiten ihn schätzen: Karl Philipp Moritz, Robert Walser, Jürgen Kaube. Und ich zitiere hier für den lieben Leser, als Geleit zu diesem Heft, den etwas schwiemelnden Hans Ulrich Gumbrecht, der keine konkrete Fragestellung ansetzt und dann auch nicht auf den Punkt sondern auf Geschwiemel kommt –. Gumbrecht schrieb im Jahr 2013 über Diderot (1713-1784) – für diese Neue Sinnlichkeit zitierenswert – dieses: „Die emotionale Emphase der „Kritik des Herzens“, mit der Diderot in seinen „Salons“ und einer Reihe von Traktaten eine neue Form und Tonlage des Schreibens über Malerei und Literatur begründet hat, ermöglicht die Praxis jenes Urteilens. Es nimmt singuläre Phänomene unter den Bedingungen von Kontingenz in den Blick. Und seine Leidenschaft für konkrete Materialität und Verkörperung steigert Diderot schließlich in der lauten, wechselhaften, zynischen Diogenes-Figur von „Rameaus Neffe“ zu kaum überbietbarer Intensität.“

Gumbrecht streift hier versehentlich die Neue Sinnlichkeit, deren Bedeutung ihm verschlossen, sich so erschließt:„…Denis Diderots: „Ich nehme die Gegenstände aus der Natur, nicht aus meinem Kopf; ich sehe, wie sie in ihrer Verschiedenheit, ihren Eigenschaften und ihrer Dynamik existieren … im Universum wie im Labor bewegen ..“. Diderots Argumenten für seine „monistische“ Überzeugung müssten Bewegungsimpulse der Materie inhärent sein, sie müssten ihnen innewohnen. Mehr als der – wie immer – leidenschaftliche – Wille zu dieser These lässt sich dem kurzen Dokument aus heutiger philosophischer Sicht allerdings kaum gewinnen … beschreibt Diderot in polemischer Wendung gegen alle „Metaphysik“ seine eigene, nichtplatonische und im konkreten Sinn explosive Konzeption des Wahren. Verdachtintellektuelle der Gegenwart wie Gumbrecht beschleicht der Verdacht des „linguistic turns“, der ihm verbietet, an die Möglichkeit eines direkten Zugangs zu den Dingen zu glauben – weil der nicht konkret und singulär wäre? – Das verirrte deutsche Salonkunst-Personalsystem funktioniert: VERFASSUNGSWIDRIG.

Impressum: Neue Sinnlichkeit Blätter für Kunst und Kultur seit 1979 erscheinen inloser Folge im Pandora-Kunst-Verlag, Springe, Hannover, München, Leipzig, Magdeburg, Dresden, Berlin, Köln http://www.neuesinnlichkeit.com; Verlagsanschrift:

Dr. Dietmar Moews Mainzer Straße 28, 50678 Köln ISSN 1432-5268

 

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