Franz Otto Kopp und die Neue Sinnlichkeit

März 2, 2015
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vom Montag, 2. März 2015

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Franz Otto Kopp und Dietmar Moews im Pandora Kunst Projekt München, 1994

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Der hannoversche Künstlergelehrte, Konstrukteur, Maler und Schriftsteller, Dr.-Ing. Franz Otto Kopp, ist tot.

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Sein Verschwinden ist für mich ein gravierender Schock.

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Auch wenn seine Gesundheit im Laufe der letzten Zeit allzu sehr das interessante, dynamische, geniale und schöne Leben abschnitt, hatte er noch ausdrücklich Sinn und Spaß an der Neuen Sinnlichkeit – wie wir…

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aus Neue Sinnlichkeit 66

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„..schrieb Franz . „„im „Dintenuniversum“ freien Lauf des Gedruckten und Äußerungen ohne Aufsicht bzw. Ausspähung, soweit Briefe, wie in der DDR oder dem schwarzen Kabinett der Habsburger in Berlin, nicht aufgedampft werden, bevor sie den Empfänger erreichen, aber das kann ja noch kommen. Die sogenannte Freiheit im Internet ist nur eine Fiktion für Doofe, die ihre kleinbürgerlichen Erlebnisse dort zum Besten geben. Mich freut daher, daß wir, Du und jetzt ich mit Dinte im genannten Dintenuniversum korrespondieren, indem daß ich mich sehr über Deinen Brief gefreut habe.

Gleich verlangt mir danach, Dich ebenfalls zu erfreuen. Auch für dieses Jahr, in dem selbst Putin in Russland in seinem Sekretariat auf Schreibmaschine umgestellt hat, habe ich mich entschlossen, wie auch der Schriftsteller Paul Auster, bei der Schreibmaschine zu bleiben, auf der ich tadellos schreibe und auf der hin und wieder die eine oder andere Ritter-Sport-Geschicht zurechtgehackt wird, nicht ohne vorher mit Bleistift u Papier einen Entwurf auf ebendasselbe zu bringen. So auch jetzt eine mittellange Story, genannt „Die Bruchkante“. Wie immer gilt es, etwa ab Mitte oder ab 2/3 des Verlaufes in die Kurve zur Schokolade im weiteren und bei Ritter-Sport-Schokolade im engeren Sinne einzulaufen. Ein Exemplar einer Kopie lege ich Dir bei. Vielleicht kannst Du sie ja für die Neue Sinnlichkeit, Dein erwachsen gewordenes Kind, verwenden. Du erinnerst mich immer wieder an Karl Kraus, dessen Verlagskonzept in etwa das Gleiche war, wie Deines. …“

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Kopp war seit anfang der 1980er Jahre als Künstler an den Ausstellungen der Neuen Sinnlichkeit in aller Welt beteiligt. Wir hatten vom Tag der ersten Begegnung eine intensive und begeisternde Freundschaft, die von unseren ingeniösen und künstlerischen, aber auch von unseren musikalischen und sozialdynamischen und sozio-politischen Leidenschaften so vielfältig lebte, dass zu einem Ende hin gar keine Zeit war. Ein Riss durch den Tod ist nicht harmonisch.

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Franz Otto Kopp gehörte zum engsten Künstlerkreis der Ballhof-Galerie Hannover, Ballhofstraße 8, gegenüber dem Staatsschauspiel am Ballhof,  die ich zwischen 1975 und 1984 führte, war dann auch seit 1983 bereits Stammkünstler auch im U, dem Spielplatz der Künste, unter dem damaligen ZOB am Raschplatz 7 OPQ und bald, gründeten wir zusammen mit dem Maler und Kunsterzieher Fokko von Velde, dem Filmer und GB 45-Musikproduzent Job Crogier, und mir, die Künstlergruppe 7 OPQ, die wir uns einen eigenen Kapitalistischem Realismus der Neuen Sinnlichkeit vorstellten.

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Daneben stellte sich ein neuer Begriff ein, der uns zu dem gewandelten Kunst- und Künstlerbegriff auf eine distanzierte Anspruchshaltung brachte:

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Wir waren Künstlergelehrte – im vorzeitlichen Sinn, wo zur Kunst in jedem Metier wir uns an den höchsten werkspezifischen Ansprüchen maßen.

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Ich weise nur auf die Drahtzeichnungen von Franz Otto Kopp hin. Kopp hatte ausgesprochen geschickte Hände und Kenntnisse, für jeglichen Werkstoff und für die dazu zu benutzenden Bearbeitungswerkzeuge. Es gibt keine zu seinen Lebzeiten bekannte Werktechnik oder Kunstart, die er nicht in eigenen Werken angewandt hätte.

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Seine dreidimensionalen Schreitmaschinen, Kopplungsgetriebe, die er seit den 1970er Jahren entwickelte und rechnete, und zu Prototypen und Originalpatentschriften vollendet hat, bilden ein geniales einzigartiges Genre.

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Diese Kopp-lungsgetriebe sind eine eigene Kunstart, kinetische Objekte aus Draht, die zeigen, wie Metaphysik als dreidimensionale Drahtzeichnung in die Physik hinein gebracht werden kann. Mit diesen vielfältigen kinetischen Objekten übertrumpft Franz Otto Kopp jeden Künstler der Welt – ohne Zweifel hätte sich Leonardo da Vinci fragend-begeistert dem Oberingenieur Meister Kopp und seinen wirklich faszinierenden „Drahtzeichnungen“ angenähert.

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Kopps „Lehrling“, der Nederländer Theo Jansen oder Jean Tinguely, der Schweizer „Zwitschermaschinenbauer“ sind weltweit bekannte Künstler, deren genialer Vorfahre Kopp unzweifelhaft von der Geschichte den ersten Platz zugewiesen bekommen wird. QUALITÄT setzt sich auf DAUER durch.

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Die deutsche Salonpersonnage der staatlichen und quanco-staatlichen Pseudokunstsoldaten müssen nun dafür sorgen, dass KOPP im Deutschen Pavillon der alljährlichen Biennale Venedig mit den Drahtzeichnungen höchstgestellt wird: Darauf warten MOMA und Documenta, nicht auf Hausfrauen.

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Über die gesamte Zeit unserer Freundschaft bastelten, schrieben und sendeten wir uns die Kunst-Postkarten (manchmal auch Postkunst-Karten). Und Franz der auch mit uns gemeinsam das Pseudonym Layos Dayatos (L.D.) benutzte (L. D. sagt: „In der Kunst geht es immer weiter – in der Kunst gibt es keine Pausen“) – schrieb dann:

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Vielen Dank für die Exemplare Deiner Nr. 27 der Neuen Sinnlichkeit. Vielleicht hast Du noch eine Nr. 26 bei Dir liegen, welche ich noch nicht gelesen habe. Erst mal sollst Du diese schöne Postkarte als Antwort haben. Auch möchte ich Dir sagen, daß ich auch zu Deinen Abonnenten und zu denen gehören möchte, die dazu beitragen, daß diese Deine Zeitung weiter erscheint. Es ist ja längst schon ein Geheimtip …“

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„Noch lauern Blindgänger“ FoKopp (Kunst-Postkarte)

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Das Witzige an diesen auch als „Mail-Art“ bezeichneten Geisterposten („Noch lauern Blindgänger“ / „Noch immer lauern Blindgänger“) ist, dass nunmehr alle diese Hunderte Franzkarten meine sind und alle, die ich gemacht und an ihn sandte, nun im Abseits der Nachlassverwaltung des frisch gestorbenen Dr.-Ing. Franz Otto Kopp landen.

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Unsere Künstlergruppe 7 OPQ ist nach dem Tod von Job Crogier im Jahr 2006 und den Schlaganfällen von Fokko von Velde zur Jahrtausendwende nunmehr in eine neue Phase getreten – denn die Werke der Freunde sind längst nicht so bekannt, wie sie werden müssen. Und heutige Kunstmanager, Salonpersonnage und Artmen müssen zeigen, was sie kapieren und können, im Kapitalistischen Realismus der Kunstfreiheit und der „verirrten Kunstorganisation“ (D. M. Diss. 2000).

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Vor der Ballhof-Galerie Hannover 1982

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Dietmar Moews meint: Ich werde die kommende Neue Sinnlichkeit, die als laufende Nummer 66 im 36. Jahrgang demnächst in Köln erscheint, und die wie alle bisher 65 Blätter, inklusive Franz Otto Kopp, inzwischen im Deutschen Literaturarchiv in Marbach wie auch in den wichtigsten Deutschen Staats- und Landesbibliotheken gesammelt werden, dem genialen hannoverschen Künstlergelehrten Franz Otto Kopp widmen.

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Ich werde ein Portrait zeichnen und eine Portrait malen, ich werde faksimilierte Handschriften und Handzeichnungen von Kopp bringen – dazu den nüchternen „Ritter-Sport-Stil“ und einige auf seine eigene Kunst bezogene Texte, die bislang niemand kennt. Dazu einige letzte Fotos, die wir gemeinsam hier in Köln in der Galerie Smend gemacht hatten.

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In den nächsten Tagen ist die Trauerfeier in Hannover. Schwer und mutig muss man da durchgehen – ich freue mich darauf, das neue Heft der Neuen Sinnlichkeit für Franz Otto Kopp zu machen.

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Man wird sich noch wundern, was Franz Otto Kopp als Künstler geschaffen hat.

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Künstlergruppe 7 OPQ trifft sich am 5. Mai 2014 bei SMEND Gallery Cologne, hier Dietmar Moews und Franz Otto Kopp mit der Neuen Sinnlichkeit

Künstlergruppe 7 OPQ trifft sich am 5. Mai 2014 bei SMEND Gallery Cologne, hier Dietmar Moews und Franz Otto Kopp mit der Neuen Sinnlichkeit

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zu Händen Dr. Dietmar Moews

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Franz Otto Kopp 1937-2015 – Kurznachruf

Februar 19, 2015
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vom Donnerstag, 19. Februar 2015

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Der geniale hannoversche Franz Otto Kopp, Konstrukteur, Maler, Sammler und Homme de Lettres ist kürzlich gestorben.

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Geboren am 8. Januar 1937, gestorben am 9. Februar, tot aufgefunden am 12. Februar 2015 in Hannover war Kopp ein deutscher Ingenieur und ab 1976 Dozent am Fachbereich Design und Medien an der Fachhochschule Hannover. Als Oberingenieur an der früheren Technischen Hochschule, dann technische Universität, heute Leibniz Universität Hannover konstruierte er unter anderem den sogenannten Hannoverschen Nachbau der Vier-Spezies-Rechenmaschine von Gottfried Wilhelm Leibniz.

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Kopp studierte Maschinenbau an der Technischen Hochschule Hannover und dissertierte 1973 am Fachbereich Maschinenwesen zum „Dr. Ing.“ unter dem Titel „Ein Beitrag zur Struktursynthese von Mechanismen“. Schon zuvor war er seit 1966 am (heutigen) Institut für Getriebetechnik im Maschinenbau der heutigen Leibniz Universität unter der Leitung von Prof. Dr. Ing. Gerd Kiper tätig, zuletzt bis 2002 als Oberingenieur.

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Das Faszinierende an der (ersten) Rechenmaschine der Welt – konzipiert und realisiert von dem Hannoveraner Hofwissenschaftler Leibniz und der handwerklichen Ausführung durch zahlreiche aus Paris nach Braunschweig bzw. Wolfenbüttel auf Leibniz‘ persönliche Rechnung verpflichteten französischen Instrumentenbauern – war für Franz Otto Kopp die Frage, ob die Leibnizsche Konstruktion, die niemals gerechnet hatte, überhaupt in den beabsichtigten Rechenschritten laufen könne (ab Mitte der 1990er Jahre). Im Rahmen eines Forschungsauftrages der Deutschen Forschungsgemeinschaft konnte Kopp in zwei wesentlichen Schritten die Aufgabe eigenständig lösen:

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EINS Kopp rekonstruierte die vorhandene „Originalruine“ in ihren mechanischen Strukturen (Systemanalyse /Struktursynthese),

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ZWEI Er baute das konstruktive Konzept in einem präzisen Systemnachbau aus Metallen nach, ohne die ornamental verzierte Originalanmutung – Chassis, drehende Teile, Getriebe, Hebel, Schieber, Stellschrauben, Arretierungen.

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Dieser sogenannte Hannoversche Nachbau der Vier-Spezies-Rechenmaschine von Leibniz aus dem frühen 18. Jahrhundert in Hannover, von Franz Otto Kopp, lieferte den Beweis, dass Leibniz‘ Konstruktionskonzept wirklich funktionierte. Lediglich die Manufaktur des Leibniz-Originals war in vielerlei Hinsicht mangelhaft und unvollendet. Justierungen passten nicht usw. Die durch Kopps Forschungsgeist und sein enormes eigenes metallhandwerkliches Geschick schließlich funktionierende Rechenmaschine wurde erstmals 2006 in einer Leibniz-Ausstellung in der Orangerie von Hannover Herrenhausen (wo Kopp geboren ist) der Öffentlichkeit präsentiert.

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Kopps Leibniz-Maschine wurde anschließend in der historisierenden Orignialmimik von anderen Professoren geschickt und in Originalmetallen nachgebaut und publiziert.

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Kopp war einer der letzten handwerklichen Konstrukteure von Mechaniken und Getrieben. So trat er bis zuletzt als „artist ètoile“ auf den alljährlichen VDI-Tagungen auf. Er konnte aus zweidimensionalen Bewegungsmodellen dreidimensionale Getriebe konzeptionieren und begleitend in mathematischen Ansätzen „errechnen“. Kopp musste noch erleben, wie Studenten, ohne noch die Konstrukteurskünste erlernen zu wollen auf Konstruktions-Software und starke Computer umstiegen, sodass in den 1990er Jahren sehenden Auges eine hervorragende Kulturtechnik abstarb. Noch zuletzt diskutierten wir die 3-D-Laserdrucktechnik zur Werkzeugmacherei.

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Kopp hat zahlreiche technische Patente angemeldet und Gebrauchsmuster erarbeitet. Viele seiner Konstruktionen – vom „Autotür-Fensterheber zum Photoapparat-Verschluss“ liefen im Namen seines Universitäts-Instituts.

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Außer der Erwerbstätigkeit als Konstrukteur und Hochschullehrer war Kopp Künstler:

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Er bezeichnete sich selbst auch als Konstrukteur und Maler und hatte über sein gesamtes Leben hin Bilder gemacht. Dazu entwickelte er eigene, teils von mathematischen und konstruktiven Techniken hergeholten und ausvariierten Bild- bzw. Darstellungstechniken. Er skizzierte aber auch und zeichnete, collagierte und baute dreidimensionale Kunstobjekte, machte Siebdrucke, die teils gegenständlicher Natur waren, teils der reinen Formgebung des persönlichen ästhetischen Gefühls, oft auch dem bildnerischen Witz folgten, bis hin zu den sogenannten „Mail Art“ Kunstpostkarten.

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Diese eigenartige Postkartenkunst, die er mit anderen Künstlern in Brief(Postkarten)wechseln des Hin und Hers entfaltete, bestand aus „Einzelwerken“ oder aus korrespondierenden Sequenzen. Dabei waren es sowohl Bildergeschichten, auch Bildersequenzen durch Fotokopie und Bearbeitung der Vormail, teils politische Aktualitäten oder einfach die Ausreizung der Frage, welche künstlerisch gearbeitete Kunstpostkarte beförderte die damalige Post noch fürs einfache Porto? und wann kam eine Wellpappe oder ein ausgeschnittenes Vampirmaul als nicht normgerecht zurück? (auch, wenn oft der Absender gar nicht draufstand – teilweise waren auch „Privatbotschaften für die Postzusteller“ draufgeschrieben). Kopp baute für die Kunstpostkarten kleine A6-Rahmen aus Doppelglas zur Ausstellungsaufhängung mit eigens designten Drahtecken, die gleichzeitig als Halter und Aufhänger dienten, ohne die Betrachtung von Vorder- und Rückseiten der Postkarten zu stören.

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Franz Otto Kopp nahm seit den 1970er Jahren an öffentlichen Kunstausstellungen, Performances, Lesungen, Diskussionen und Aktionen teil, überwiegend in Hannover, auch in München, Magdeburg, Leipzig, Dresden, Springe, Laatzen, Berlin, Köln. In Hannover beteiligte er sich an den Kunstszenerien der Werkstatt Odem (Gesine Weise), Ballhof-Galerie Hannover und Spielplatz der Künste und Kunstmarkt Hannover (Dietmar Moews), dem VVK am Schwarzen Bär, in der Leibniz Universität Hannover sowie zuletzt noch im FAUST Hannover Linden.

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Franz Otto Kopp beteiligte sich außerdem an Gemeinschaftswerken aller möglichen Kunstformen. So war er im Jahre 1992 Mitgründer des „Verein zur Förderung der Wahrheit durch die Kunst des Lügens als Devianzkultur zwischen zweckrationaler, liebender und irrationaler Kommunikation“, kurz „Lügenverein“ (er war mehr für „Bananenverein“). Ebenso sang er viele Jahre in dem hannoverschen Männergesangsverein Lätitia Hannover. Typisch auch seine Signatur „FoKopp“ und seine E-Mail-Adresse „frokati@…de“.

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Franz Otto Kopp war auch Fotograf mit besonderem „Auge“. Hat eine heute noch nicht gesichtete Fülle von photographischen Aufnahmen angefertigt, wozu er eine erhebliche Sammlung verschiedener hochwertiger Photographierapparate gesammelt hatte. Nicht nur experimentelle Super-8-Schmalfilme – es gibt auch ein eigenes umfangreiches Genre von „Polas“, oft weiterbearbeiteter Polaroid-Aufnahmen.

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Als Schriftsteller beherrschte Kopp verschiedene Schreibtechniken, neben den bürokratisch-formalen Textarten, machte er Sprachspiele, schrieb Essays, schrieb Kurzgeschichten und viele davon waren zum Vortrag vor Publikum angefertigt und von ihm selbst mit großem Erfolg vorgetragen (zuletzt noch für die Schlaraffen in Hannover).

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Auch teilte er mit mehreren Schriftstellern das Pseudonym „Layos Dayatos“, der später zum „Professor für Ästhetik“ avancierte.

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Kopp las in vielen Sprachen. Noch in den letzten Jahren studierte er die russische Sprache an Hand von russischen Romanen. Ebenso las er Französisch, Englisch war seine Stiefvaterssprache usw. unfassbar, wenn er aus einem Gitarrenkasten ein 64-saitige Laute nahm und Bach-Klänge hervorzauberte (während das Ding wirklich stimmte).

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Er engagierte sich in der alternativen Kunstavantgarde, bei „Künstler für den Frieden“, unterstützte Anti-Atomkraft-Aktionen und die Alternativbewegung der 1970er und -80er Jahre.

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Franz Kopp war viele Jahre als Autor der „Neuen Sinnlichkeit, Blätter für Kunst und Kultur“ beteiligt, die er auf Lebenszeit abonniert hatte (was hiermit leider beendet wird, sofern er das Abonnement nicht testamentarisch vererbt hat), war Mitglied in der hannoverschen Künstlergruppe 7 OPQ – Kapitalistischer Realismus (Kopp, mit Moews, Crogier, von Velde).

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Seine dreidimensionalen Stift- und Draht-Handzeichnungen, die große Variationsreihe der sogenannten „Schreitmobile“ aus Draht – in Wirklichkeit lauter einzelne patentreife Entwicklungen einschließlich dazugehörigen Patentschriften -, konkret über eine Welle angetriebenen Kopplungs-Getriebe (mit Kardan, Kurbelwelle, verschiedenen Kopplungsgestängen, Handkurbel oder Elektromotor über Polaroidbatterie) oft auf selbsttragenden oder über bewegliche Rahmen oder Chassis laufend, wo er selbst die Ein- und Ausschalter als kleine abgefederte Kippschalter herstellte – Alles aus Drähten handgerödelt, keine Schrauben, keine Nieten, Löt- oder Schweißverbindungen.

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Ein patentiertes „Hängeschreitchen“ namens „Obac“ (jedes Drahtgetriebe trug ein blechernes Namensschild) wurde STAR der Uraufführung des Lustspiels von Dietmar Moews „Der zarte (harte) Nietzsche“ 1993 in der Seidl-Villa München.

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Auch im Raschplatz-Nachtensemble trat Kopp als Schausteller auf. So bei „Die Hunde“ von Dietmar Moews im Jahr 1985, in der Rolle des „Großinquisitors, Kardinals von Sevilla“.

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Als Sammler begeisterte sich Kopp für Musikinstrumente, Schallplatten, besondere Vorlieben für Anton Bruckner, J S Bach, Franz Schubert, Richard Wagner, Wilhelm Furtwängler, aber auch Beatles, Talking Heads und Tuxedo Moon, mit Malerei und Objektkunst, mit originellen Fahrrädern und noch manchem Alltagsdesign, hochwertigster Küchen- und Kocheinrichtungen, MacIntosh-Möbeln, dem legendären Büffelleder-Sofa, wie auch eine bedeutende ausgewählte Bibliothek. Ferner schneiderte und designte er sein Kleidung weitgehend eigenhändig, ob Unterwäsche oder Mützen, Leggins und Badeshorts. Er besuchte die edelsten Konzerte in Philharmonien und die Off-Kultur-Szene – er reiste mit Eisenbahn und Klappfahrrad zu einem Hauskonzert bei Thomas Schmidt-Kowalski in die Eichendorffstraße von Oldenburg in Oldenburg oder freute sich über Beatmusik im U-Spielplatz der Künste, der Künstlergruppe 7 OPQ am Raschplatz von Hannover. Man traf sich beinahe täglich im „Büro“ (dem Italiener „Piazza Navona“ oder an den Ricklinger Teichen, wo Kopp von April bis Oktober zum Schwimmen hinradelte).

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Franz Otto Kopp rauchte leidenschaftlich Tabakspfeife, trank bei Gelegenheit edlen Bordeaux, liebte den britischen Tee, Ritter Sport Vollmilch Nuss und estimierte hübsche sportliche Burschen und Gleichgeschlechtliche. Er engagierte sich in den 68er Jahren für Emanzipation im Allgemeinen und im Sinne des dann abgeschafften Paragraphen 175 speziell. Franz Kopp lebte allein und unverheiratet. Sein Lieblingssatz lautete:

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„Nach dem Ehe-Ja kommt das Ehe-Joch“.

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Doch war Kopp kein Frauenverächter und hatte des ungeachtet eine bedeutende Auswahl von persönlichen auch lebenslangen Freunden und Freundinnen, Künstlern, Ingenieuren, Schwimmern an den Ricklinger Teichen und verrückten Sammlern.

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Im Frühjahr des Jahres 2007 erhielt Franz Otto Kopp die Diagnose einer schweren Krebserkrankung, die seinen Darm befallen hatte. Es folgte dann eine Verschlechterung und schließlich eine äußerst kostspielige Chemo-Therapie und ein erheblicher chirurgischer Eingriff. Mit schweren Handicaps konnte der Rekonvaleszent sein selbstständiges tätiges Rentnerleben wieder aufnehmen. Im vergangenen Jahr 2014 erlebte er noch die prächtige Buchausgabe seiner Rechenmaschine – mit seinem 78sten Geburtstag ergriffen vielseitige Schmerz-Beschwerden seine Persönlichkeit, dass er schrieb:

 

“ … einen Chemiebomber .. sodass ich auf Heilung durch Auswachsen setze – Physiotherapie. Es gilt: „Ich esse diese Suppe nicht, nein diese Suppe ess‘ ich nicht!“

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In der vergangene Woche wurde er vermisst. Die Polizei öffnete seine Wohnung und fand da Kopp gestorben, bereits einige Tage tot – mehr ist momentan nicht bekannt.

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Franz Otto Kopp, der als Schüler in Illertissen/Ulm und Hannover, als Jugendlicher, nach dem Krieg, mit seinem britischen Stiefvater und seiner Mutter in England lebte, war sehr an seiner Heimatstadt Hannover und seiner Heimat-Universität gelegen. So hat er vielfältige Angebote, ordentlicher Professor in einer anderen Stadt werden zu sollen, immer wieder verschoben und letztlich abgelehnt. So hat er viele Jahre glücklich in Kirchrode ein Haus mit Garten, unglaublicher Werkstatt mit Filigran-Drehbank und Photolabor bewohnt, von wo er täglich bei Wind und Wetter mit Fahrrad 15 Kilometer durch den Stadtwald und wieder zurück in die Ostfeldstraße radelte, während sein knattergelber Mini-Cooper als Laubfänger vor der Tür parkte.

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Man kann gespannt sein, was noch in der Zukunft, jetzt, nach seinem Tod, an Franz Otto Kopp-Werken bekannt werden wird. Der Verlust lässt die Heide zittern.

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Die öffentlich freie Trauerfeier findet am 4. März 2015 um 13 Uhr im Versammlungsraum des Neuen Nikolai Friedhofs An der Strangriede 41 in Hannover statt.

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Es wurde eine anonyme Urnenbestattung veranlasst, d. h. die Urne wird nicht im Beisein der Trauergemeinde beigesetzt und es wird keine örtlich definierte persönliche Grabstelle mit Namenskennzeichnung geben.

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Heft 27 von 1993 war Franz Otto Kopp gewidmet.

Es wird in Kürze ein Franz Otto Kopp Heft 66 rauskommen.

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Von der Unermeßlichkeit des Schönen

April 26, 2014

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am 26. April 2014

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VII,5

Der Kenner im Schönen ist der Erfüller, dem es gelingt, das Inhaltswahre bestimmter zeugerischer Ursprungsgeheimnisse in entsprechendes Formgutes von Sinngefüge-Einheiten zu verwandeln.

Mit solchem Beseelen in solchem Vollbringen beweist sich der Zuchtwert des Kenners durch Adel des Könnens.

Doch Kenntnisse allein vollbringen nichts Schönes.

…“

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979