Franz Otto Kopp 1937-2015 – Kurznachruf

Februar 19, 2015
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vom Donnerstag, 19. Februar 2015

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Der geniale hannoversche Franz Otto Kopp, Konstrukteur, Maler, Sammler und Homme de Lettres ist kürzlich gestorben.

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Geboren am 8. Januar 1937, gestorben am 9. Februar, tot aufgefunden am 12. Februar 2015 in Hannover war Kopp ein deutscher Ingenieur und ab 1976 Dozent am Fachbereich Design und Medien an der Fachhochschule Hannover. Als Oberingenieur an der früheren Technischen Hochschule, dann technische Universität, heute Leibniz Universität Hannover konstruierte er unter anderem den sogenannten Hannoverschen Nachbau der Vier-Spezies-Rechenmaschine von Gottfried Wilhelm Leibniz.

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Kopp studierte Maschinenbau an der Technischen Hochschule Hannover und dissertierte 1973 am Fachbereich Maschinenwesen zum „Dr. Ing.“ unter dem Titel „Ein Beitrag zur Struktursynthese von Mechanismen“. Schon zuvor war er seit 1966 am (heutigen) Institut für Getriebetechnik im Maschinenbau der heutigen Leibniz Universität unter der Leitung von Prof. Dr. Ing. Gerd Kiper tätig, zuletzt bis 2002 als Oberingenieur.

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Das Faszinierende an der (ersten) Rechenmaschine der Welt – konzipiert und realisiert von dem Hannoveraner Hofwissenschaftler Leibniz und der handwerklichen Ausführung durch zahlreiche aus Paris nach Braunschweig bzw. Wolfenbüttel auf Leibniz‘ persönliche Rechnung verpflichteten französischen Instrumentenbauern – war für Franz Otto Kopp die Frage, ob die Leibnizsche Konstruktion, die niemals gerechnet hatte, überhaupt in den beabsichtigten Rechenschritten laufen könne (ab Mitte der 1990er Jahre). Im Rahmen eines Forschungsauftrages der Deutschen Forschungsgemeinschaft konnte Kopp in zwei wesentlichen Schritten die Aufgabe eigenständig lösen:

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EINS Kopp rekonstruierte die vorhandene „Originalruine“ in ihren mechanischen Strukturen (Systemanalyse /Struktursynthese),

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ZWEI Er baute das konstruktive Konzept in einem präzisen Systemnachbau aus Metallen nach, ohne die ornamental verzierte Originalanmutung – Chassis, drehende Teile, Getriebe, Hebel, Schieber, Stellschrauben, Arretierungen.

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Dieser sogenannte Hannoversche Nachbau der Vier-Spezies-Rechenmaschine von Leibniz aus dem frühen 18. Jahrhundert in Hannover, von Franz Otto Kopp, lieferte den Beweis, dass Leibniz‘ Konstruktionskonzept wirklich funktionierte. Lediglich die Manufaktur des Leibniz-Originals war in vielerlei Hinsicht mangelhaft und unvollendet. Justierungen passten nicht usw. Die durch Kopps Forschungsgeist und sein enormes eigenes metallhandwerkliches Geschick schließlich funktionierende Rechenmaschine wurde erstmals 2006 in einer Leibniz-Ausstellung in der Orangerie von Hannover Herrenhausen (wo Kopp geboren ist) der Öffentlichkeit präsentiert.

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Kopps Leibniz-Maschine wurde anschließend in der historisierenden Orignialmimik von anderen Professoren geschickt und in Originalmetallen nachgebaut und publiziert.

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Kopp war einer der letzten handwerklichen Konstrukteure von Mechaniken und Getrieben. So trat er bis zuletzt als „artist ètoile“ auf den alljährlichen VDI-Tagungen auf. Er konnte aus zweidimensionalen Bewegungsmodellen dreidimensionale Getriebe konzeptionieren und begleitend in mathematischen Ansätzen „errechnen“. Kopp musste noch erleben, wie Studenten, ohne noch die Konstrukteurskünste erlernen zu wollen auf Konstruktions-Software und starke Computer umstiegen, sodass in den 1990er Jahren sehenden Auges eine hervorragende Kulturtechnik abstarb. Noch zuletzt diskutierten wir die 3-D-Laserdrucktechnik zur Werkzeugmacherei.

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Kopp hat zahlreiche technische Patente angemeldet und Gebrauchsmuster erarbeitet. Viele seiner Konstruktionen – vom „Autotür-Fensterheber zum Photoapparat-Verschluss“ liefen im Namen seines Universitäts-Instituts.

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Außer der Erwerbstätigkeit als Konstrukteur und Hochschullehrer war Kopp Künstler:

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Er bezeichnete sich selbst auch als Konstrukteur und Maler und hatte über sein gesamtes Leben hin Bilder gemacht. Dazu entwickelte er eigene, teils von mathematischen und konstruktiven Techniken hergeholten und ausvariierten Bild- bzw. Darstellungstechniken. Er skizzierte aber auch und zeichnete, collagierte und baute dreidimensionale Kunstobjekte, machte Siebdrucke, die teils gegenständlicher Natur waren, teils der reinen Formgebung des persönlichen ästhetischen Gefühls, oft auch dem bildnerischen Witz folgten, bis hin zu den sogenannten „Mail Art“ Kunstpostkarten.

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Diese eigenartige Postkartenkunst, die er mit anderen Künstlern in Brief(Postkarten)wechseln des Hin und Hers entfaltete, bestand aus „Einzelwerken“ oder aus korrespondierenden Sequenzen. Dabei waren es sowohl Bildergeschichten, auch Bildersequenzen durch Fotokopie und Bearbeitung der Vormail, teils politische Aktualitäten oder einfach die Ausreizung der Frage, welche künstlerisch gearbeitete Kunstpostkarte beförderte die damalige Post noch fürs einfache Porto? und wann kam eine Wellpappe oder ein ausgeschnittenes Vampirmaul als nicht normgerecht zurück? (auch, wenn oft der Absender gar nicht draufstand – teilweise waren auch „Privatbotschaften für die Postzusteller“ draufgeschrieben). Kopp baute für die Kunstpostkarten kleine A6-Rahmen aus Doppelglas zur Ausstellungsaufhängung mit eigens designten Drahtecken, die gleichzeitig als Halter und Aufhänger dienten, ohne die Betrachtung von Vorder- und Rückseiten der Postkarten zu stören.

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Franz Otto Kopp nahm seit den 1970er Jahren an öffentlichen Kunstausstellungen, Performances, Lesungen, Diskussionen und Aktionen teil, überwiegend in Hannover, auch in München, Magdeburg, Leipzig, Dresden, Springe, Laatzen, Berlin, Köln. In Hannover beteiligte er sich an den Kunstszenerien der Werkstatt Odem (Gesine Weise), Ballhof-Galerie Hannover und Spielplatz der Künste und Kunstmarkt Hannover (Dietmar Moews), dem VVK am Schwarzen Bär, in der Leibniz Universität Hannover sowie zuletzt noch im FAUST Hannover Linden.

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Franz Otto Kopp beteiligte sich außerdem an Gemeinschaftswerken aller möglichen Kunstformen. So war er im Jahre 1992 Mitgründer des „Verein zur Förderung der Wahrheit durch die Kunst des Lügens als Devianzkultur zwischen zweckrationaler, liebender und irrationaler Kommunikation“, kurz „Lügenverein“ (er war mehr für „Bananenverein“). Ebenso sang er viele Jahre in dem hannoverschen Männergesangsverein Lätitia Hannover. Typisch auch seine Signatur „FoKopp“ und seine E-Mail-Adresse „frokati@…de“.

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Franz Otto Kopp war auch Fotograf mit besonderem „Auge“. Hat eine heute noch nicht gesichtete Fülle von photographischen Aufnahmen angefertigt, wozu er eine erhebliche Sammlung verschiedener hochwertiger Photographierapparate gesammelt hatte. Nicht nur experimentelle Super-8-Schmalfilme – es gibt auch ein eigenes umfangreiches Genre von „Polas“, oft weiterbearbeiteter Polaroid-Aufnahmen.

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Als Schriftsteller beherrschte Kopp verschiedene Schreibtechniken, neben den bürokratisch-formalen Textarten, machte er Sprachspiele, schrieb Essays, schrieb Kurzgeschichten und viele davon waren zum Vortrag vor Publikum angefertigt und von ihm selbst mit großem Erfolg vorgetragen (zuletzt noch für die Schlaraffen in Hannover).

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Auch teilte er mit mehreren Schriftstellern das Pseudonym „Layos Dayatos“, der später zum „Professor für Ästhetik“ avancierte.

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Kopp las in vielen Sprachen. Noch in den letzten Jahren studierte er die russische Sprache an Hand von russischen Romanen. Ebenso las er Französisch, Englisch war seine Stiefvaterssprache usw. unfassbar, wenn er aus einem Gitarrenkasten ein 64-saitige Laute nahm und Bach-Klänge hervorzauberte (während das Ding wirklich stimmte).

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Er engagierte sich in der alternativen Kunstavantgarde, bei „Künstler für den Frieden“, unterstützte Anti-Atomkraft-Aktionen und die Alternativbewegung der 1970er und -80er Jahre.

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Franz Kopp war viele Jahre als Autor der „Neuen Sinnlichkeit, Blätter für Kunst und Kultur“ beteiligt, die er auf Lebenszeit abonniert hatte (was hiermit leider beendet wird, sofern er das Abonnement nicht testamentarisch vererbt hat), war Mitglied in der hannoverschen Künstlergruppe 7 OPQ – Kapitalistischer Realismus (Kopp, mit Moews, Crogier, von Velde).

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Seine dreidimensionalen Stift- und Draht-Handzeichnungen, die große Variationsreihe der sogenannten „Schreitmobile“ aus Draht – in Wirklichkeit lauter einzelne patentreife Entwicklungen einschließlich dazugehörigen Patentschriften -, konkret über eine Welle angetriebenen Kopplungs-Getriebe (mit Kardan, Kurbelwelle, verschiedenen Kopplungsgestängen, Handkurbel oder Elektromotor über Polaroidbatterie) oft auf selbsttragenden oder über bewegliche Rahmen oder Chassis laufend, wo er selbst die Ein- und Ausschalter als kleine abgefederte Kippschalter herstellte – Alles aus Drähten handgerödelt, keine Schrauben, keine Nieten, Löt- oder Schweißverbindungen.

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Ein patentiertes „Hängeschreitchen“ namens „Obac“ (jedes Drahtgetriebe trug ein blechernes Namensschild) wurde STAR der Uraufführung des Lustspiels von Dietmar Moews „Der zarte (harte) Nietzsche“ 1993 in der Seidl-Villa München.

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Auch im Raschplatz-Nachtensemble trat Kopp als Schausteller auf. So bei „Die Hunde“ von Dietmar Moews im Jahr 1985, in der Rolle des „Großinquisitors, Kardinals von Sevilla“.

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Als Sammler begeisterte sich Kopp für Musikinstrumente, Schallplatten, besondere Vorlieben für Anton Bruckner, J S Bach, Franz Schubert, Richard Wagner, Wilhelm Furtwängler, aber auch Beatles, Talking Heads und Tuxedo Moon, mit Malerei und Objektkunst, mit originellen Fahrrädern und noch manchem Alltagsdesign, hochwertigster Küchen- und Kocheinrichtungen, MacIntosh-Möbeln, dem legendären Büffelleder-Sofa, wie auch eine bedeutende ausgewählte Bibliothek. Ferner schneiderte und designte er sein Kleidung weitgehend eigenhändig, ob Unterwäsche oder Mützen, Leggins und Badeshorts. Er besuchte die edelsten Konzerte in Philharmonien und die Off-Kultur-Szene – er reiste mit Eisenbahn und Klappfahrrad zu einem Hauskonzert bei Thomas Schmidt-Kowalski in die Eichendorffstraße von Oldenburg in Oldenburg oder freute sich über Beatmusik im U-Spielplatz der Künste, der Künstlergruppe 7 OPQ am Raschplatz von Hannover. Man traf sich beinahe täglich im „Büro“ (dem Italiener „Piazza Navona“ oder an den Ricklinger Teichen, wo Kopp von April bis Oktober zum Schwimmen hinradelte).

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Franz Otto Kopp rauchte leidenschaftlich Tabakspfeife, trank bei Gelegenheit edlen Bordeaux, liebte den britischen Tee, Ritter Sport Vollmilch Nuss und estimierte hübsche sportliche Burschen und Gleichgeschlechtliche. Er engagierte sich in den 68er Jahren für Emanzipation im Allgemeinen und im Sinne des dann abgeschafften Paragraphen 175 speziell. Franz Kopp lebte allein und unverheiratet. Sein Lieblingssatz lautete:

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„Nach dem Ehe-Ja kommt das Ehe-Joch“.

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Doch war Kopp kein Frauenverächter und hatte des ungeachtet eine bedeutende Auswahl von persönlichen auch lebenslangen Freunden und Freundinnen, Künstlern, Ingenieuren, Schwimmern an den Ricklinger Teichen und verrückten Sammlern.

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Im Frühjahr des Jahres 2007 erhielt Franz Otto Kopp die Diagnose einer schweren Krebserkrankung, die seinen Darm befallen hatte. Es folgte dann eine Verschlechterung und schließlich eine äußerst kostspielige Chemo-Therapie und ein erheblicher chirurgischer Eingriff. Mit schweren Handicaps konnte der Rekonvaleszent sein selbstständiges tätiges Rentnerleben wieder aufnehmen. Im vergangenen Jahr 2014 erlebte er noch die prächtige Buchausgabe seiner Rechenmaschine – mit seinem 78sten Geburtstag ergriffen vielseitige Schmerz-Beschwerden seine Persönlichkeit, dass er schrieb:

 

“ … einen Chemiebomber .. sodass ich auf Heilung durch Auswachsen setze – Physiotherapie. Es gilt: „Ich esse diese Suppe nicht, nein diese Suppe ess‘ ich nicht!“

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In der vergangene Woche wurde er vermisst. Die Polizei öffnete seine Wohnung und fand da Kopp gestorben, bereits einige Tage tot – mehr ist momentan nicht bekannt.

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Franz Otto Kopp, der als Schüler in Illertissen/Ulm und Hannover, als Jugendlicher, nach dem Krieg, mit seinem britischen Stiefvater und seiner Mutter in England lebte, war sehr an seiner Heimatstadt Hannover und seiner Heimat-Universität gelegen. So hat er vielfältige Angebote, ordentlicher Professor in einer anderen Stadt werden zu sollen, immer wieder verschoben und letztlich abgelehnt. So hat er viele Jahre glücklich in Kirchrode ein Haus mit Garten, unglaublicher Werkstatt mit Filigran-Drehbank und Photolabor bewohnt, von wo er täglich bei Wind und Wetter mit Fahrrad 15 Kilometer durch den Stadtwald und wieder zurück in die Ostfeldstraße radelte, während sein knattergelber Mini-Cooper als Laubfänger vor der Tür parkte.

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Man kann gespannt sein, was noch in der Zukunft, jetzt, nach seinem Tod, an Franz Otto Kopp-Werken bekannt werden wird. Der Verlust lässt die Heide zittern.

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Die öffentlich freie Trauerfeier findet am 4. März 2015 um 13 Uhr im Versammlungsraum des Neuen Nikolai Friedhofs An der Strangriede 41 in Hannover statt.

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Es wurde eine anonyme Urnenbestattung veranlasst, d. h. die Urne wird nicht im Beisein der Trauergemeinde beigesetzt und es wird keine örtlich definierte persönliche Grabstelle mit Namenskennzeichnung geben.

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Heft 27 von 1993 war Franz Otto Kopp gewidmet.

Es wird in Kürze ein Franz Otto Kopp Heft 66 rauskommen.

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Gideon Kremer und Andrej Makarewitsch als Künstler + Politik

September 27, 2014

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am Samstag, 27. September 2014

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ZUGINSFELD 41 DMW am 3. Juli 2014 in der Mainzer Straße Südstadt Köln, in Köln im Jahr2014 gemalt

ZUGINSFELD 41 DMW am 3. Juli 2014 in der Mainzer Straße Südstadt Köln, in Köln im Jahr2014 gemalt

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Zwei herausragende russische Musik-Künstler, der im Westen lebende lettische Star-Geiger Gidon Kremer sowie, davon unabhängig, der in Russland lebende Rockmusiker Andrej Makarewitsch, haben sich mit öffentlichen Erklärungen gegen die kriegerischen Aktivitäten Russlands und gegen andere Künstler, die den Krieg unterstützen, ausgesprochen.

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Makarewitsch wird zitiert: „Man kann mit Panzern keine slawische Welt aufbauen“.

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Kremer wird zitiert: „ Es hat den Anschein, als seien Manipulation, materielle und politische Interessen, Lügen und Machtspiele die „Orchestrierung“, mit der eine Partei der anderen antwortet. Und es ist bedauerlich, dass sich einige hochgeschätzte Künstler in dieses Spiel einbinden lassen. Ich kann einige meiner Kollegen nicht verstehen, die (um ihrer eigenen Bequemlichkeit willen?) diesen Stand der Dinge und die politischen Einschüchterungsversuche mittragen. Sie (wir wollen hier keine Namen nennen!) nennen das „Patriotismus“ …“

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Gidon Kremer ist mutiger als fast alle freien Musiker, die im Westen leben. Allerdings ist Kremer als Russe lettischer Herkunft, der seine Heimat im ehemaligen Sowjetsystem aufgegeben hatte, besonders aufmerksam.

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Aktuell wurde zum 18. September 2014, in Dresden, wo Kremer mit seinem Orchester „Kremerata Baltica“ gastiert bekannt gegeben worden:

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Im Hinblick auf das aktuelle Geschehen im Russland-Ukraine-Konflikt hat sich Gidon Kremer dazu entschieden, das Programm für seinen Aufritt mit der Kremerata Baltica zu ändern.. Deshalb hat der aktuelle Capell-Virtuose der Sächsischen Staatskapelle Dresden nun ein Programm zusammengestellt, das den Titel trägt: »Gidon Kremer – Mein Russland«. Dieses Programm erlebt in der Semperoper seine Premiere.“
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Gidon Kremer sagte: »Die aktuelle politische Situation in Russland und der Ukraine beunruhigt mich sehr. Deshalb war es mir ein besonderes Anliegen, dieses Programm zusammenzustellen, das meine große Verbundenheit mit der russischen Kultur und Musik zum Ausdruck bringt, deren Werte ich im heutigen Russland mehr als gefährdet sehe.« (Gidon Kremer)
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Angesichts der dramatischen Ereignisse, die sich derzeit in Russland und der Ukraine abspielen, kann ich nicht gleichgültig bleiben; sie erinnern sehr stark an die Situation in Europa kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Mit dieser Änderung will ich mich nicht als Politiker in Szene setzen; ich folge vielmehr meinem Auftrag als Künstler und als Musiker, meinen Gefühlen und meiner persönlichen Einstellung mit musikalischen Mitteln Ausdruck zu geben. Ich weiß nicht, was von beidem schlimmer ist – der Machthunger der Politiker oder die Tatsache, dass die Mehrheit der Angehörigen einer Nation (wie es heute in Russland der Fall ist) von den staatlich gelenkten Medien ihres Landes manipuliert und einer regelrechten Gehirnwäsche unterzogen werden?(…)
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Für das neue Programm habe ich Werke aus der Feder führender russischer Komponistinnen und Komponisten unserer Tage ausgewählt, Sofia Gubaidulina, Leonid Desyatnikow und Alexander Raskato (…) All diese Werke gehören zu dem, was ich als „mein“ Russland bezeichne, dessen kulturelle Traditionen auf dem Gebiet der Literatur, der darstellenden Kunst, des Theaters und des Kinos mir seit der Zeit, als ich bei dem großen David Oistrach an der Moskauer Musikhochschule studierte, besonders am Herzen liegen (…).

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In diesen Tagen erleben wir die lauten Parolen und das Getöse der Politik, die mich abstoßen. Es hat den Anschein, als seien Manipulation, materielle und politische Interessen, Lügen und Machtspiele die „Orchestrierung“, mit der eine Partei der anderen antwortet. Und es ist bedauerlich, dass sich einige hochgeschätzte Künstler in dieses Spiel einbinden lassen. Ich kann einige meiner Kollegen nicht verstehen, die (um ihrer eigenen Bequemlichkeit willen?) diesen Stand der Dinge und die politischen Einschüchterungsversuche mittragen. Sie (wir wollen hier keine Namen nennen!) nennen das „Patriotismus“. Sie haben natürlich das Recht, ihre eigene persönliche Wahl zu treffen – doch sollte es für sie als Künstler nicht Pflicht sein, für die Wahrheit einzustehen und positive Energien zu vermitteln und zu stärken?

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Mit dem russischen „Popstar“ Andrej Makarewitsch, der laut Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. September 2014, einer der beliebtesten russischen Rockmusiker ist, ist der Protest gefährlich und erheblich schwieriger zu kommunizieren.

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Makarewitsch Band, seit 45 Jahren „Zeitmaschine“, wurde gestoppt. Die aktuellen Konzerte wurden einfach abgesagt, während die Eintrittskarten angeblich „nicht nachgefragt worden seien“. Organisatorische Probleme überall, in Petersburg, Krasnojarsk, Kasan, Samara, Tomsk, Nowosibirsk und Saratow: „Mit der politischen Haltung des Sängers habe die Entscheidung, seine Konzerte ausfallen zu lassen, überhaupt nichts zu tun.

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Allerdings, erklärte der Konzertveranstalter laut FAZ: „Wir liegen nicht auf einer Wellenlänge“, und sagte den Auftritt in Kirow ab. „Er habe einfach eine andere Position als der Sänger.“

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Makarewitsch hatte an Vladimir Putin geschrieben. Er bat Putin, die Hetzjagd zu beenden, „man nennt mich einen Freund der Junta, Handlanger der Faschisten, Verräter, dabei sei doch sein einziges Verbrechen gewesen, in Swjatogorsk vor den Kindern von Flüchtlingen aus Donezk und Luhansk drei Lieder gesungen zu haben. Die Gruppe „Zeitmaschine“ habe in all den Jahren Millionen Anhänger in Russland und im Ausland gefunden .. wenn man uns eines nicht vorwerfen kann – dann, dass wir Russland nicht lieben.“

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Putins Sprecher kommentierte den Brief abschätzig. Man könne das, “was als Hetzjagd bezeichnet wird, auch als Reaktion der öffentlichen Meinung bezeichnen“, der Präsident habe damit übrigens nichts zu tun.“

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Auf einer neuen Platte von Zeitmaschine singt Makarewitsch: „Mein Land hat den Verstand verloren …mein Land ist in den Krieg gezogen, und ich habe es nicht aufhalten können“. Es sei nun an der Zeit, sich zu entscheiden. Wer sich entscheide, „ keine Scheiße zu sein“.

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Dietmar Moews meint: Ob Gidon Kremer Andrej Makarewitsch kennt und ob beide miteinander einverstanden sind, ist unwichtig. Es hindert nicht, zum Kriegsgeschehen Stellung zu beziehen. Es hindert nicht nur nicht, es verpflichtet jeden prominenten Künstler zur Stellungnahme.

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Gidon Kremer hat seine Prominenz im freien Westen und darf seine Werthaltung publizieren – wenngleich die Medien den Appell „Mein Russland“, von Dresden beinahe totschweigen. Denn Kremer kritisiert nicht nur die Putin-Opponisten in Moskau, sondern durchaus den aufkommenden Militarismus insgesamt.

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Makarewitsch muss weitere persönliche Schwierigkeiten und Sanktionen erwarten:

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Abgeordnete wünschen Makarewitsch öffentlich die Pest an den Hals und wollen ihm die Auszeichnungen (höchste Künstlerorden des Landes) am liebsten aberkennen. Das Staatsfernsehen macht ihn zur Hauptperson einer Sendung über Landesverräter. Auf einer langen schwarzen Liste von Künstlern, Oppositionellen und Journalisten, die im Konflikt mit der Ukraine die Interessen Russlands verraten haben sollen, steht Makarewitsch auf dem ersten Platz – noch vor Aleksej Nawalny, dem bekanntesten Oppositionellen des Landes. Auf Platz acht findet sich der Name von Jurij Schewtschuk, dem anderen russischen Kultrocker.

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Ich sehe nicht, dass wir in Köln „Künstler für den Frieden“ oder „Künstler gegen Krieggeschäfte“ zur öffentlichen Artikulation wahrnehmen könnten.

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Meine Ausstellung „ZUGINSFELD“ – zur Ächtung des Krieges und der Gesellschaft, die den Krieg hervorbringt – war auf sehr viel Sympathie und Zustimmung gestoßen, d. h. ohne jegliche praktische Resonanz.

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Sotschi Winter-Olympia 2014 Lichtgeschwindigkeit 4111, Dietmar Moews, am 7. Februar 2014

Februar 7, 2014
Dietmar Moews, Köln, 7. Februar 2014

Dietmar Moews, Köln, 7. Februar 2014

Heute werden die Winterspiele im russischen Badeort am Schwarzen Meer, Sotschi 2014 (vom 7. – 23. Februar) eröffnet.

Sicherheit in Sotschi 2014

Sicherheit in Sotschi 2014

Die russische Meistersängerin Anna Netrebko singt elektrisch vor der Weltöffentlichkeit zur Eröffnungsfeier für Sotschi 2014

Der Kreml-Chef Wladimir Putin versucht eine zivilisierte Lebenswirklichkeit zu inszenieren. Putins Staatsführung in Russland und für die GUS belastet allerdings Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit unter Misshandlungen, Bedrohungen und Ermordungen, von Journalisten, Künstlern und Kritikern. Putins Gesellschaft wird nicht durch rechtsstaatliche Praktiken gesteuert, sondern mit Willkür, Angst und Schrecken.
“Aus Liebe zu Russland” nannte Gidon Kremer ein Gedenk- und Solidaritätskonzert in Berlin: Zum siebenten Todestag der Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja (1958-2006).

Gidon Kremer, Daniel Barenboim, Martha Argerich, Sergei Nakariakov, Elsbeth Moser, the orchestra „Kremerata Baltica“und andere im Solidaritätskonzert in Berlin Philharmonic, Chamber Music Hall, ferner NICOLAS ALTSTAEDT, KHATIA BUNIATISHVILI, GIYA KANCHELI, SERGEI NAKARYAKOV, EMANUEL PAHUD and SHCHEDRYK CHILDREN’S CHOIR

The program

Poem reading
Herta Müller, laureate of the Nobel Prize for Literature

Mieczyslaw Weinberg
Sinfonietta number 2, Op. 74 , Part 3: Adagio
Orchestra „Kremerata Baltica“

Johann Sebastian Bach
Suite for cello solo number 2 in D Minor BWV 1008 Part 2: Allemande
Nicholas Altshtedt

Sofia Gubaidulina
„Seven Last Words of Christ, not the Cross“ for cello, accordion and strings, Part 3: „… Verily I say unto thee, To day shalt thou be with Me in Paradise“
Nicholas Altshtedt , Elsbeth Moser , the orchestra “ Kremerata Baltica“

Arvo Pärt
„Estonian Lullaby“ for choir and string orchestra
Children’s Choir „Shchedrik“ orchestra „Kremerata Baltica“ , Nikoloz Rachveli (conductor)

Mikhail Khodorkovsky
Excerpts from the closing speech at Moscow’s Khamovnichesky District Court (November 2, 2010)
Sebastian Koch, actor

Giya Kancheli
„Angels of sorrow“ — dedicated to the 50th anniversary of Mikhail Khodorkovsky
Gidon Kremer, Giedre Dirvanauskayte, a children’s choir „Shchedrik“ orchestra „Kremerata Baltica“, Nikoloz Rachveli (conductor)

Sergei Rachmaninoff , Fritz Kreisler
«Prayer» for violin and piano

Anna Politkovskaya
So what have I done that makes me so vile?
Martina Gedeck, actress

Sergei Prokofiev
Piano Sonata № 7, Op. 83, Part 3: Precipitato
Khatia Buniatishvili

Pyotr Tchaikovsky
Lensky’s aria from the opera „Eugene Onegin“ (a variation of Guy Braunstein for Flute and Piano)
Emmanuel Pahud, Khatia Buniatishvili

Dmitri Shostakovich
Concerto for Piano and String Orchestra number 1, op.35 (the soloist trumpet), Part 4: Allegro con brio
Martha Argerich, Sergei Nakariakov, the orchestra „Kremerata Baltica“

Leonid Desjatnikov
Music from the film „Target“, Part 1: Vivaldi, January, Part 3: Changes, Part 5: Foxtrot

Doping

Sport ist Mord