MORD von 1914 in Sarajewo – 100 Jahre Kriegsstimmung mit HURRA

Juni 28, 2014

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am 28. Juni 2014

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Dr. Dietmar MoewsDSCF0320

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Der große Führer, Vordenker und Verkörperer der modernistischen Ironie in EUROPA, Wiens Thronfolger-Ehepaar Franz-Ferdinand samt österreichisch-ungarischer Weltbeglückung fiel quasi im Kampfe: 28. Juni 1914 erschoß ein Waffenhalter in die Kutsche. Das war dann tötlich.

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Dietmar Moews meint: Es lohnt sich schon, einmal nachzuschlagen. Unsere Deutschen – wie der Maler Franz Marc und so weiter (langweilig, die ganzen Typen aufzuzählen) oder der gute Maler August Macke – waren sehr in der Erwartung, den Dünkel des Genieverdachts des deutschen Reichs mit dem Kaiser der Hohenzollern WILHELM ZWO, einer heranwachsenden Marine, einer Fast-Erste-Welt-Industrie, einer Revisionsbedürftigkeit aller Rückständigen in dieser Welt, zum Günstigeren hin zu korrigieren.

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Die Münchner Studenten warfen ihre Tornister weg und rannten zur Einberufungsstelle, wo sie Uniform und Marschgepäck bekamen und auf gings: mit HURRA.

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Worum gings eigentlich? Es ging wie immer um Irrläufe der Triebe – Triebverwirklichung, Triebverzicht, Triebhemmung.

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ZUGINSFELD 35 DMW 667.14.8190 cm / 190 cm Öl auf Leinwand

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Und wir Spätergeborenen wissen, mal wieder spielte Triebhemmung eine harte Rolle: Die bösen Feinde schossen die Triebverwirklicher ab, wie die Fliegen. Der Erste Weltkrieg – international nur „The War“, der große Krieg genannt – nahm Fahrt auf, mit Hurra. Und viele neumodische Fortschritte konnten ausprobiert werden. Tanks, Panzer, die erste dicke Berta, das Kampfgas nebst Gasmasken aus Ölpapier (Supersache, etwas besser als ohne), die Notchirurgie, Flugzeuge und Fesselballons, Panzerkreuzer und Periskope, Peristaltik und Blähungen, Schutzhelme gegen Regen, später aus Stahl gegen Steinschlag usw usfusw. Etc pp.

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RUTH KRANTZ

RUTH KRANTZ

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Heute gibt es in Deutschland endlich wieder den richtigen Berufssoldaten, der von oben mit Drohnen und in seinem Anzug durch Cyber War Kybernetik bzw. Telematik neusinnlich in die Infantrie-Nahkampfsituation gesteuert wird (wenn nicht der Aku leer ist) HURRA. Vor Hundert JAHR.

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Sailly Ardennen 1914-1918

Sailly Ardennen 1914-1918

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Nachdem dieser Krieg von 1914-1918 so grandios gewonnen wurde – eigentlich hatten alle gasiegt, gesiegt, sogar Karl Kraus und Simplizissimus – liefen die arbeitslosen Soldaten in der Weimarer Republik herum, bis wieder ordentliche Anknüpfung an die militärische Korrektur der Geschichte gefunden war. Hitler und seine Freunde waren besonders findig, aber auch die Volksfront vergab sich nichts. HURRA. Düsseldorfer Industrie-Club: HURRA.

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Sailly Ardennen Campagne 1918-1918

Sailly Ardennen Campagne 1918-1918

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Dreigestirm Köln 2014

Dreigestirm Köln 2014

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ZUGINSFELD-Deklamation von Thomas Wipf im Goethe-Institut Dresden

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ZUGINSFELD-Deklamation von Thomas Wipf im Goethe-Institut Dresden 2006

ZUGINSFELD-Deklamation von Thomas Wipf im Goethe-Institut Dresden 2006

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Max Weber (1864-1920) – ein impressionistischer Professor

April 21, 2014

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am 21. April 2014

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150ster Geburtstag eines preußischen Großbürgers, Zeuge des untergehenden Kaiserreichs im Staatsdienst – und mir scheint, die Laudatoren sind weitreichend derart fachlich unbedarft, dass ihnen wenig einfällt, was dem heutigen deutschen Konsumbürger zu Max Weber und von der Reichsgründung 1871 bis zum Großen Krieg 1914 mitzuteilen wäre. Es fehlen der Überblick und die Urteilskraft den Flickenteppich von Impressionismus zu unterscheiden. Halt, eine Ausnahme: Jürgen Kaube in Frankfurt am Main, genialer Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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Jürgen Kaube zu Max Weber

Die Biografie „MAX WEBER – Ein Leben zwischen den Epochen“, Rowohlt 2014, von Jürgen Kaube (geb. 1952, studierter Volkswirt). Kaube hat ein herausragendes Buch für unsere heutige postmoderne Situation in der IT-Revolution geschrieben (von IT-Revolution ist darin keine Rede). Kaubes WEBER ist quasi Kaubes eigene Lebensweisheit, auf der Höhe unserer Zeit dargestellt. Man könnte das Buch auf die Kaubesche Werturteile eingedampft als geistiges Vermächtnis bzw. auch als einen Nachruf auf den exquisitesten deutschen Publizisten dieser Zeit – Jürgen Kaube – gültig vortragen. Sein Buch ist aber eine sehr gründliche, gelungene Feldarbeit – das betrifft den Aufbau, die Stoffgewichtung und all die unerlässlichen An- und Abgrenzungen. Es enthält ein sorgfältiges Literaturverzeichnis und einen Fußnoten/Quellen/Zitaten-Teil, leider kein Stichwort-Register. Es ist angemessen werturteilend, ohne unangemessene Vorurteile oder Ideologielast.

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Wir erfahren, dass Max Weber, außer seiner Dissertation und seiner Habilitation, bis zu seinem Tod mit 56 Jahren, keine Buchveröffentlichung hatte. Hier machen die meisten heutigen Max-Weber-Anrufer schon ihre irrlaufenden (sie wissen es wohl nicht besser) Irreführenden (Weber hatte nämlich ganz wenig Resonanz in seiner Zeit) Heraushebungen, wo es heißt: Max Weber, der große deutsche Soziologe. Und wieso Soziologe?

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Émile Durkheim wird von Kaube erwähnt – Max Weber hat den anscheinend gar nicht gekannt. Aber Durkheim und Simmel sind die artistes étoile der Weberzeit – mit Seinsbindung und Gültigkeit bis heute.

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Wir erfahren bei Kaube, wie unsere eigene politische Vorgeschichte aus der Aufklärung hervorkommt. Durch den Frühkapitalismus, durch die Reichsgründung, durch den überragenden Kanzler Otto von Bismarck, durch ein schmalbrüstig adeliges Großbürgertum, Alles inmitten der industriellen Revolution der Dampfmaschinen und der Elektrifizierung – findet der studierte Jurist und Volkswirt Max Weber, mit kameralistischen Offizialaufgaben betriebswirtschaftlich erfahren, heraus, dass repräsentative Demokratie Demokraten benötigt. Weber meinte, es sei wünschenswert, dass Großbürgersleute in den Parlamenten und in den Parteien aktiv Verantwortung übernehmen müssten – woran es aus seiner Sicht erheblich gebrach. Nach Max Webers Einschätzung hatte das Deutsche Reich seiner Zeit nicht das fähige parlamentarische Personal (Kaube zitiert aus Briefen zwischen Max, dem älteren Bruder, mit Alfred Weber, dessen wissenschaftliche Arbeiten nicht der Zeiterfordernis aus Maxens Sicht genügten).

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Jürgen Kaube scheint nicht die heute verfügbaren Werke von Marx und Engels, auf die Bedeutung für Max Weber hin, abgecheckt zu haben. Angesichts der irrlaufenden heutigen biografistischen Weber-Rezeption wäre es aber wünschenswert, zu zeigen, dass Max Weber keineswegs ein bürgerliches „Anti-Kapital“ herauszubringen gesucht hatte. Sowas schreiben laufend solche Schreiberlinge, die Marx selbst nicht ausreichend kennen (z. B. am 19. April 2014 in der TAZ Detlef Clausen). Marx‘ Werke waren zu Max Webers Zeit nicht publiziert. Das Kapital von Karl Marx ist ein sekundärliterarisches Exzerpten-Geschreibsel, das den von Marx selbst proklamierten Ansprüchen nur in so weit genügte, dass ihm Friedrich Engels dafür die Subsidien monatlich (in durchgeschnittenen Pfundnoten per Briefen von Manchester Nach London, später dann die erschwindelte Rente zu Marx’Gunsten der Engelschen Textilunternehmung) schenkte.

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Das Marxbuch „Kapital“ ist nicht mal eine nachvollziehbare Textgliederung, geschweige denn eine wissenschaftliche Argumentation oder gar eine historisch-dialektische Seherleistung. Nun hat also Kaube seinen Weber nicht vertieft auf Marx abgeklopft – schon kommen Schlaumeier und bemängeln das – wie immer bei Marx: Ohne Argumente, ohne gültige Zitate – eben Sozialismus.

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Kaubes Satz trifft: „Kein Buch, keine Kinder, kein Krieg, kein Vermögen, kein Einfluss.“

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Dietmar Moews meint:

Webers Zeitgenosse, der Soziologe Georg Simmel hatte zu seiner Zeit und bis heute soziologische und anthropologische (Über die Liebe) Erkenntnisse erarbeitet und publiziert, an dessen Wirkungsgrad und Gültigkeit Max Weber überhaupt nicht heranreicht.

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Weber hatte geerbt, angeheiratet, war wegen Depressivität kaum in der Hochschullehre tätig – seine Publikationen hat seine Witwe Marianne Weber erst nach Webers Tod initiiert, begonnen mit lesenswerten „Schriftchen“ und einer Biografie „Lebensbild“.

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Es ist seit Langem eine Max-Weber-Gesamtausgabe in Arbeit. Mit der informativen 1000-seitigen Biografie von Dirk Kaesler „Max Weber“ Preuße, Denker, Muttersohn. Eine Biographie, bei C. H. Beck 2014, die auf einen „kleiner Weber“ von 2011 folgte, liegt noch von Joachim Ratkau „Die Leidenschaft des Denkens“ vor – also Sekundärweber im Barockmaß.

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Es ist aber dagegen zu setzen: Weber hat sehr viel detailliert zur betriebswirtschaftlichen politischen Lage seiner kapitalistischen Zeit überliefert. Das muss man sich lesend selbst erschließen, um erkennen zu können, wie viel Geltung daraus mit Weber für die heutige IT-Revolution brauchbar sein könnte. Ich sage es unverblümt: Es ist sehr wenig Brauchbares. Wer mitdenkt, kommt ständig an das anthropologische Grenzspiel: Die Menschen suchen Erleichterung – „vergesst Fairness und Gerechtigkeit.“ (wie Friedrich Wilhelm Grafs „Weber“ in DIE WELT am 19. April 2014 zynisierend überschrieben ist).

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Deshalb zusammenfassend: Wir werden numehr nur noch wenig Gewebere von den kümmerlichen Restmarxisten erdulden müssen. Biografismus ist lesernah, ja, aber Geltung ist bei der knappen Leserzeit doch tragfähiger:

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Warten wir also auf die große Kaube-Werksausgabe. Weber war kein Shakespeare, kein Martin Luther und kein Goethe – was? Weber war kein Konfuzius? War Weber ein Marx? Nun – Webers Geldquelle hieß nicht Engels, sie hieß Großbürgersfamilien. Max Weber war intelligent, dynamisch und sensibel. Triebverzicht und Triebhemmung sind kein Luxus. Tja, das tut weh.

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