Schoki-Test mit Neuhaus MILK CHOCOLATE FROM WEST AFRICA 32 % COCOA

September 10, 2017
Lichtgeschwindigkeit 7572

Vom Montag, 11. September 2017

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Dietmar Moews meint:

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Mag der Grieche seinen Ton

Zu Gestalten drücken,

An der eignen Hände Sohn

Steigern sein Entzücken;

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Aber uns ist wonnereich,

In den Euphrat greifen,

Und im Flüss’gen Element

Hin und wieder schweifen.

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Löscht‘ ich so der Seele Brand

Lied, es wird erschallen;

Schöpft des Dichters reine Hand,

Wasser wird sich ballen.“

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(Johann Wolfgang Goethe 1749-1832; aus „Westöstlicher Diwan“ Buch des Sängers, „Lied und Gebilde“, nach 1805)

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Ich probierte eine belgische Schokolade, Neuhaus MILK CHOCOLATE FROM WEST AFRICA 32 % COCOA – um mal wieder dem weit verbreiteten Vorurteil auf den Zahn zu fühlen, dass belgische Chocolatiers die Qualitätsspitze bilden würden. Diese Milchschokolade ..from West Africa .. wird für Neuhaus sa, Postweg 2, 1602 Viezenbeek, BELGIUM, produziert. Doch wo und von wem diese Neuhaus produziert wird, wird nicht mitgeteilt.

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Kurz vorab: Diese Vollmilch-Schokolade kann als durchschnittliche Industrie-Massenware angesprochen werden, also keineswegs BEAN to BAR. Hauptbestandteil ist ZUCKER. Reißt man die Packung auf, kommt ein angenehmer dezenter Schokolade-Geruch entgegen. Die klassische 100 Gramm-Tafel kauft man in einem NEUHAUS-LADEN in Köln. Das ist ja exklusiv, aber diese peinliche Qualität für 5 Euro 50 ist unverschämt zu teuer.

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Bereits im Jahr 1870 eröffnet Charles Neuhaus eine Schokoladenfabrik. Er lässt Namen Cote d’Or im Jahr 1883 als Marke eingetragen. Der Name ist eine Hommage an die Goldküste Westafrikas, dem heutigen Ghana, woher, der von Cote d’Or verarbeitete angeblich Kakao stammt.

Während des zweiten Weltkrieges war der Bezug des Kakaos der goldenen Küste nicht möglich. Neuhaus hat daher Kakao aus dem Kongo bezogen und diese Produkte dann in „Congobar“ umbenannt.. Einige Jahre lang produzierte das Unternehmen keine Schokolade von der Bohne weg und bezog die fertige Schokoladenmasse von Zulieferern. Mittlerweile wurde die Produktion von der Bohne weg wieder aufgenommen.“

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Das schreibt Georg Bernardini „SCHOKOLADE – DAS STANDARDWERK“, der Schokoladentester 2015“ Seite 305/306.

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Für mich als Schokoladen-Liebhaber ist eine Schokolade, die nicht zu hell, aber nicht ganz dunkel ist und Milch-Schokolade heißt, das Schönste von der Welt. Diese überteuerte NEUHAUS stimmt nicht, sie ist zu fett und talgig, sie enthält Sojalecithin, da liegt die Gentechnologie drin und ist dem Tester äußerst unangenehm. Die uneindeutigen Angaben auf der Verpackung legen den Schluss nahe, dass wir es mit Blend, also Kakaomischung, zu tun haben. Von Cote D’or ist hier nicht die Rede. Der Inhalt der 100 g Packung wirkt nicht wirklich frisch und ist wie eine Vollkonserve datiert (mindestens bis 28. 02. 2018 haltbar). Diese Datierung ist nicht besonders fair. Der Kunde kann nicht sehen, wann diese Neuhaus gemacht wurde. Das gefällt nicht.

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Die sinnliche Qualität und Wahrnehmung ist hochwertiig. Kakao, Schokolade, man schmeckt die VOLLMILCH und den KAKAO, doch der nicht besonders feine Auftritt ist hauptsächlich süß und fettig.

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Die 100 gr. Tafelpackung enthält die mittelbraune Süßstofftafel mit einem Bruchkanten-Relief oben, mit je vier quadratischen Teilen rechts und links und in der Mitte einen über die gesamte Breite laufenden Streifen mit dem vertieften Schriftzug NEUHAUS. Die Unterseite ist ganz glatt. Die Konsistenz und der Schmelz sind eher unfein. Man beißt ab. Das Knacken ist nicht bedeutend. So ein Abbiss löst sich zwar leicht auf, die Kaumasse ist ein klebendes Gemisch, wie es billige Produkte auf dem Kunstmarkt an sich haben. Insgesamt dominiert die Billigqualität, man schmeckt Aroma, natürliches Vanille. Cacaobutter und Milchpulver. Die Bezeichnung natürliches Aroma bezeichnet auch nicht die gentechnikfreie Einschränkung, die hier im Test angelegt wird. Diesem belgischen Chocolatier nehme ich die Bezeichnung „Bean to Bar“ nicht ab – weiß man doch nicht einmal, wer diese Neuhaus wo herstellt.

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Die sehr chice Packung ist aus Pappe und weiß und hat eine dekorative hellblaue Einrahmung. Das Neuhaus-Lable ist schön ROT und hat eine feine goldene Umrisslinie. Dazu werden geraspelte Schoki-Späne und ein Abbruchstück, etwas über lebensgroß, als Photo-Repro abgebildet. Da drunter in feinen Versalien der Helvetica in English: MILK CHOCOLATE FROM WEST AFRICA 32 % COCOA:

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Auf der Rückseite wird Französisch, Niederländisch, English, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch informiert (Kleinstschrift nur mit Lupe lesbar).

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Ferner: Nährwertangaben pro 100 g (durchschnittlich)

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Brennwert 2.261 kj / 540 kcal

Fett 32,6 g

davon gesättigte Fettsäuren 19,6 g

Kohlenhydrate 51,6 g

davon Zucker 50,4 g

Eiweiß 8,2 g

Salz 0,23 g

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Die Aufmachung kommt bei dieser Sorte einer 100 Gramm Tafelschokolade von Neuhaus mit mehreren Werbesymbolen: Sowas wie Fairer Handel, ökologischer Anbau – aber lediglich angetäuscht. Die Süßtafel selbst ist innen in eine luftdichte feine Silberpapier-Folie eingeschlossen, die angenehm wirkt und durchaus wiederverschließbar ist.

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Die Werbetexte in diversen Sprachen, erscheinen in viel zu kleinen Schrifttypen und Schriftgrößen, Schwarz auf Weiß, auf dem Außenkarton, und sind mit einer Lupe lesbar, die Bestandtteile und Nährwerte-Tabelle.

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Nicht immer liege ich in meinem Testurteil so nahe zu Georg Bernardini, wie hier:

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EMPFEHLUNG: Der Tester empfiehlt diese Schokolade probeweise, nicht gerne – sie ist ihm zu süß, qualitativ unfein und zu fett. Ich würde ebenfalls nur eine von sechs Kakaobohnen geben – Bernardini gab eine von sechs Kakaobohnen. Er stellt aber Neuhaus Cote d’Or Produkte vor, nicht die hier von Dr. Dietmar Moews getestete. Und für dieses 100 Gramm-Angebot sind 5 Euro 50 erheblich zu kostspielig.

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Eine Kennzeichnung BIO trägt diese Neuhaus nicht. Unter Umständen haben wir hier auch die anteilige Verwendung mit genmanipulierten und mit agrachemikalisch optimierten Rohstoffen, also Kakaobohnen, Zucker, Milcheiweiß, zu tun zu.

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Mit der Kennzeichnung FAIR TRADE haben wir es hier auch nicht und nicht mit einem sozialverträglichen Handelsprodukt zu tun. Zur Herstellung wird NICHTS mitgeteilt: Leider NEIN. Der Firmensitz von Neuhaus ist nicht der Herstellungsort.

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Aus BERNARDINIS Fazit (Seite 306):

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…Mit wenigen Veränderungen könnten die Produkte von einer zufriedenstellenden industriellen Massenwaren-Qualität sein. … Verzicht auf künstliche Aromen …das ist ein Traumgedanke, denn das wird in greifbarer Zukunft nicht passieren. Dabei bleibt es bei einer schlechten Gesamtqualität der Produkte.“

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Schoki-Test mit Al nassma Kamelmilchschokolade

August 29, 2017
Lichtgeschwindigkeit 7546

Vom Mittwoch, 29. August 2017

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Dietmar Moews meint:

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„Wer das Dichten will verstehen,

Muß ins Land der Dichtung gehen;

Wer den Dichter will verstehen,

Muß in Dichters Lande gehen.“

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(Johann Wolfgang Goethe 1749-1832; aus „Westöstlicher Diwan“)

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Ich probierte eine als „KAMELMILCH-SCHOKOLADE“ bezeichnete Süßtafel, die in Dubai, Emirat Dubai, Vereinigte Arabische Emirate (UAE), im Auftrag der Firma Al Nassma Chocolate UC verlegt wird. Es ist ein industrielles Produkt, dessen Herstellungsland und -ort nicht erkennbar sind. Als Referenz wird der österreichische Traditions-Chocolatier Julius Meinl in Wien angegeben.

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http://www.al-nassma.com

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Kurz vorab: Diese Sorte, genannt „Kamelmilchschokolade mit Datteln“ enthält lediglich eine ganz geringe Menge Kakao-Gemisch (Blend). Die Angabe 36 Prozent Kakaobestandteile betrifft nicht den reinen Kakao, sondern Kakaomasse zuzüglich Kakaobutter, die da mit 32 Prozent aufs Ganze angegeben ist. Herkunft oder Anbau des Kakaos wird nicht genannt. Für eine 70 Gramm-Süßtafel 6 Euro 90 zu zahlen, ist kostspielig. Aber dafür erhält man eine Kostprobe einer von Dubai als „arabisch“ reklamierten Süßigkeit, die sich überhaupt nicht an die Hochqualitätsrezepturen der Spitzen-Chocolatiers halten, sondern der industriellen amerikanischen Lebensmittel-Großkonzerne. Diese „Al NASSMA“ genannte schmeckt – kurz gesagt – ähnlich wie „MILKYWAY“, hochsüß, enorm fett und gesalzen, dazu Soja-Lecithin und synthetische Aromen sowie Dattel-Pürree.

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Die Markenwerbung akklamiert im Namen von Al NASSMA, verschweigt den Herstellungsort, weist aber dann die Herkunft auf Meinl Wien – on behalf of:

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Al Nassma – Schokolade mit Datteln. Feinste Kamelmilchschokolade. Al Nassma ist die erste und exklusivste Kamelmilchschokolade. Die außergewöhnliche Marke repräsentiert den ausgewählten Geschmack der arabischen Welt auf sehr hohem Niveau. Für Weitgereiste ist es eine genussvolle Erinnerung an Arabien, für alle Anderen ist Al Nassma mit seinen ausgesuchten Zutaten und arabischen Variationen ein Botschafter exquisiten Geschmacks und das ideale Geschenk als Ausdruck besonderer Wertschätzung. AUCH FÜR MILCHEIWEISSALLERGIKER GEEIGNET! Produktbezeichnung: Kamelmilchschokolade mit Datteln. Herkunft: Dubai, Vereinigte Arabische Emirate Nettofüllmenge: 70 Gramm Aufbewahrung: kühl und trocken lagern, vor Licht schützen. Kontakt: Julius Meinl am Graben GmbH, Graben 19, 1010 Wien, Österreich.

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GEORG BERNARDINI erwähnt in DIE SCHOKOLADE – DAS STANDARDWERK diese „AL NASSMA Kamelmilchschokolade mit Datteln“ nicht.

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Verbraucher, die auf Bio- und Fair-Trade Wert legen, und die handgeschöpfte kostbare und kostspielige Schokoladen in Betracht ziehen, werden hiermit nicht befriedigt. Wer Bean to Bar und den persönlichen Chocolatier bevorzugt, findet hier Kakaosorte und Herkunft auf der Kaufpackung nicht; – geröstet? conchiert? gerührt, gemahlen – welche Dauer solcher Arbeitsschritte? – das müsste man beim Hersteller erfragen. Aber dazu müsste man zunächst den Hersteller wissen.

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Für mich als Schokoladen-Liebhaber ist eine Schokolade, die nicht so dunkel ist, das Schönste. Diese Kamelmilchschokolade ist ja zunächst mal interessant. Sie kommt in der Darbietung auch ersteinmal in der üblichen Schokoladenindustrie-Aufmachung daher. Aber einem Tester wird sofort klar, um welchen Verschnitt es sich hier handelt. Es beginnt mit der Aufzählung der Mischungsanteile, die immer mit dem größten Anteil beginnt, hier – mal wieder nicht Kakao, sondern Zucker. Sie hat mit 55 Prozent Zucker und Honig eine bombige Süßung, mit 32 Prozent Fett (überwiegend Kakaobutter) sowie dem Emulgator Sojalecithin die volle Schmierung, ein ungesundes Gleitmittel, dazu ein ungewöhnlich hoher Salzanteil von 0,3 Gramm, dazu die Dattelspuren von 15 Prozent und Kamelmilchpulver von 18 Prozent, Bourbon-Vanille. Das Ganze ergibt eine bereits an den Fingern klebende, kaum knackende Tafel, die in querlaufendes Abruchrelief aufgeteilt ist und „butterweich“ wegbricht. Im Biss, Kauen und Schmelzen ergibt sich ein ziemlich klebriger Brei im Mund, dessen Datteln-Bestandteile leicht gummiartig zu schlucken sind, denn die schmilzen eben nicht. „Kamel“ kann man nicht schmecken oder riechen.

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Kurz gesagt – der erfolgreiche und ordinäre Geschmack von „MILKYWAY“ bietet sich als allgemein bekannter Vergleich an: Süß, klebt, Fett. Aber beim Öffnen der Packung kommt ein wirklich feiner angenehmer Geruch entgegen – zwar nicht Kakao oder Schokolade – aber aromatisiertes Süßes spürt man. Der braungeflammte Umschlag der klassischen 70 Gramm-Tafelform, auf dem die Silhouette eines Dromedars vor einer untergehenden Sonne auf einer Wüstendüne steht, mit einem fotoreproduzierten kleinen rot-bräunlichen Kamelschokoriegel, enthält innen die luftdicht, in sehr feines, bestechendes goldbeschichtetes Papier, eingeschlagene Tafel. Die Packung ist nicht wiederverschließbar. Der Titel in Gold >Al nassma< und ein arabisches Schriftzeichen kommen auf dem braunen Grund sehr schön dekorativ.

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Man findet auf der Hinterseite auf braunfarbenem Grund mit kaum lesbarer bräunlicher winziger Schrift, in Arabisch und English, einige Selbstanpreisungen sowie die üblichen Nährwertangaben über Inhalte und Kalorien von einem Aufkleber in deutscher Sprache, kurz:

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Zutaten: Zucker; Kakaobutter, Kamelmilchpulver 18 %, Datteln 15 %, Kakaomasse, Honig, Bourbon-Vanille, Kakaobestandteile mindestens 36 %.

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Die Angaben der Nährwerttabelle per 100 Gramm können als Durchschnittswerte angenommen werden:

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Energie 524 kcal / 2187 kj

Fett 32 g

davon gesättigte Fettsäuren 22 g

Ballaststoffe 6 g

Kohlenhydrate 55 g

davon Zucker 37 g

Eiweiß 5,1 g

Salz (Natrium) 0,3 g

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Aufdruck: Bestens haltbar bis 30. 06. 2018

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Ich möchte noch anmerken, wenn die Fragen nach ÖKO-SIEGEL, FAIR-TRADE und so weiter gestellt werden, diese Al Nassma solche Fragen nicht auf der Industrie-Handels-Qualitätsebene stellt, sondern vorhält; dabei ist der industrielle Hersteller mit seinen jährlichen Produktionsmengen nicht bekannt. Es ist keine manufakturelle Handarbeit Bean to Bar.

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EMPFEHLUNG: Der Tester empfiehlt diese angeblich „arabische“ Note zum Ausprobieren – wenngleich sie kostspielig ist – mit folgender Bewertung:

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FAZIT Dr. Dietmar Moews: Ich gebe dieser industriellen Dubai UAE-Machenschaft aus arabisch-österreichischem Geist mit Milcheiweiß-Allergie-Ambition ZWEI von SECHS BOHNEN unter Qualitäten. Dabei ist das Wort Schokolade vielleicht etwas strapaziert – denn nicht Kakao, sondern fette Süßigkeit ist hier der Kick.

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FINE E COMPATTO

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WARNUNG: recommended posts (Zusätze, die als Empfehlungen oder Beziehungen von WordPress hier eingestellt werden)

 

auf dem Dietmar Moews‘ Blog eingeblendete „Recommended Posts“ oder sonstige „Pseudoempfehlungen“ werden von WordPress

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gegen das Einverständnis des Eigentümers Dr. Dietmar Moews

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hier gezeigt und sind keine Empfehlungen von Dr. Dietmar Moews. Nichts davon wird i.S.d.P. von Dr. Dietmar Moews verantwortet. Dietmar Moews klickt diese „recommendends“ nicht an und liest nichts davon.

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Ab jetzt werden alle Dietmar Moews‘ Blog-Beiträge mit dem SLOGAN

FINE E COMPATTO deutlich beendet.

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WARNUNG: recommended posts

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Claude Adrien Helvétius – Neue Sinnlichkeit 300ster Geburtstag

Februar 26, 2015
Lichtgeschwindigkeit 5386

vom Donnerstag, 26. Februar 2015

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Der zu seiner Zeit sehr beachtete französische Denker und philosophische Autor Claude Adrien Helvétius (bekannt „De l’esprit“), geboren 1715, gelebt in Paris, daselbst gestorben im Jahr 1771.

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Wir sehen einen damals bekannten Europäer, dessen Wirken als erhebliches Emanzipationsdenken der „Französischen Revolution“ auch heute größte Beachtung verdient:

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Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit“ – das sind die Kernbegriffe, die einer demokratischen Lebensweise das Drama der fortwährenden sozio-politischen Überforderung in der europäischen Moderne beschert:

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Die Knechtschaft der Freiheit“ – so lautet der Untertitel der Zeitschrift „Neue Sinnlichkeit 65“, hrs. Dr. Dietmar Moews, 2014 in Köln, und damit steht eine Grunderkenntnis von Helvétius im Zentrum heutigen Hochleistungs-Hybrid-Denkens in der Vorstellungsorientierung des Jahres 2015.

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Helvétius entwickelte in seinem Hauptwerk, das von ihm selbst zusammengestellt und herausgegeben worden war, „De l’esprit“ / „Vom gewitzten Geist“:

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Man sieht nur, was man weiß“. Helvétius ging davon aus, dass unsere menschliche Orientierung ursprünglich vom dinglichen Geschehen, von der sinnlichen Seinsbindung ausgeht.

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Aber bereits im Kern dieser eher banalen Wahrnehmungstatsache der menschlichen Sinnlichkeit sieht Helvétius das Wissen – und das ist im weiten Sinn, von Erfahrung, Tatsachenkenntnissen, aber eben auch Metaphysik, geisteswissenschaftliche Erkenntnisse und kritische Urteile – dieses alles sind Kategorien, die einen gesellschaftlich normativen Rang zugewiesen bekamen.

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Während individuelle Vorstellungen, konkrete sinnliche Ereignisse und der prozessurale Möglichkeitssinn, einschließlich psycho-sozialer Bedingungen bereits bei Helvétius zu Aspekten des emanzipierten Daseins unter den Forderungen von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ wurden.

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Dankenswerter Weise: Heute, anlässlich der Wiederkehr des 300sten Geburtstags von Claude Adrien Helvétius, brachte der Deutschlandfunk (DLF) einen Radio-Kalenderbeitrag“ von Maike Albath, über diesen bedeutenden Mitgestalter unseres heutigen Lebens, Helvétius, geboren am 20. Februar 1715.

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Die neue Sinnlichkeit verdankt solchen Denkern, herkommend von Aristoteles, nicht so sehr von Platon, über Spinoza und solchen, wie Helvétius, Diderot, Leibniz, Lichtenberg, Goethe, Schopenhauer, Nietzsche – die eine Sinnlichkeitslinie bilden (s. Friedrich Albert Lange „Geschichte des Materialismus“ und bei Nietzsche – Helvétius war kein Dialektiker in hegelianischen Sinn und er war kein Nachfolger von Marx (sondern Marx war ein Rosinenpicker und Honigsauger bei Helvétius).

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Auszugsweise der DLF-Text von Maike Albath:

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„… Der Philosoph Claude Adrien Helvétius inspirierte Marx und auch in der DDR berief man sich auf ihn. Denn er gilt als Vertreter eines kritischen Materialismus. Heute vor 300 Jahren wurde der Frühaufklärer in Paris geboren.

„Nur im Widerstreit gegensätzlicher Meinungen wird die Wahrheit entdeckt und an den Tag gebracht.“

Knapp, pointiert, eindeutig, so ergriff Claude Adrien Helvétius Mitte des 18. Jahrhunderts das Wort. Als Kammerherr der Königin war er am Hof wohl gelitten, und nun machte er sich auch als Gelehrter einen Namen. Mit der Kirche ging er streng ins Gericht.

„Die Religion hat viel Schlechtes und nur wenig Gutes hervorgebracht.“

Seine Offenheit sollte ihm noch Ärger einbringen. Am 26. Februar 1715 als einziger Sohn einer einflussreichen Familie in Paris geboren, wurde er früh gefördert. Fontenelle und Voltaire wetteiferten darum, den begabten und ausgesprochen hübschen Jungen unterrichten zu dürfen. Dann entdeckte dieser den Tanz und das Vergnügen. Denis Diderot bemerkte spitz:

„Die Hauptleidenschaft von Herrn Helvétius galt den Frauen: Als junger Mann widmete er sich ihnen bis zum Übermaß. Ich habe sagen hören, das sei lange Jahre hindurch regelmäßig seine erste und letzte Tagesbeschäftigung gewesen, unbeschadet der Gelegenheiten, die sich dazwischen boten.“

Helvétius glaubte nicht an die Sittlichkeit der Frauen und hielt die sinnliche Erfüllung für das Ziel allen Tuns.

„Man wird stumpf, sobald man aufhört, leidenschaftlich zu sein.“

Freunde lobten seine noble Gesinnung

Dass Sinnesempfindungen auch der Ursprung jeder geistigen Tätigkeit sind, wurde später zum Kern seiner philosophischen Überlegungen. Doch zunächst verschaffte ihm sein Vater 1738 eine Stelle als Generalsteuerpächter. Helvétius wurde binnen dreizehn Jahren sehr wohlhabend und konnte sein Amt niederlegen. Seine Freunde Diderot, Holbach und d’Alembert lobten seine noble Gesinnung und große Freigebigkeit: Er bot mehreren Künstlern ein Auskommen, darunter Marivaux. Im Salon der Marquise du Deffand lernte er deren Nichte Anne-Catherine de Ligniville kennen. Helvétius heiratete die kluge und anziehende Frau, widmete sich von nun an seiner Familie und der Wissenschaft. 1758 brachte er sein Werk „De l’esprit, Vom Geist“ heraus – anonym.

„Wir betrügen uns, wenn wir uns zu Richtern aufwerfen wollen und unser Gedächtnis doch nicht von all denen Sachen angefüllet ist, von deren Vergleich die Richtigkeit unserer Aussprüche abhängt. Nicht, dass jeder keinen richtigen Verstand hätte; denn ein jeder sieht wohl das, was er sieht. Sondern es setzet niemand genug Misstrauen in die eigene Unwissenheit und glaubet daher, dass das, was man von einem Gegenstande sieht, auch das sey, was man daran sehen könne.“

Empörte Kirchenvertreter

Ungeheuerlich! Vor allem die Kirchenvertreter empörten sich über derartig vermessene Äußerungen und erzwangen einen Widerruf. Die gesamte Auflage wurde beschlagnahmt, öffentlich verbrannt und vom Papst verdammt. Helvétius‘ Bedeutung tat dies keinen Abbruch. Denn der Gelehrte vertrat revolutionäre Positionen: Alle Menschen seien gleich, sämtliche Privilegien gehörten abgeschafft, was in der gegenwärtigen Staatsform kaum möglich sei. Deutlicher konnte man das Ancien Régime nicht infrage stellen. Nach einem Jahr glätteten sich die Wogen, und man schickte den Gelehrten 1764 nach dem Siebenjährigen Krieg nach Preußen, um die Beziehungen zu dem verfeindeten Land wieder aufzunehmen. Helvétius stand kurz vor der Veröffentlichung eines neuen Werkes, das Vom Menschen, seinen geistigen Fähigkeiten und seiner Erziehung heißen sollte, als er am zweiten Weihnachtsfeiertag 1771 starb. Im Vorwort hatte er resigniert resümiert:

„Ich hätte gern den Durchschnittsmenschen aufgeklärt – aber in fast allen Nationen ist dieser Durchschnitt der Sammlung unfähig: Was seine Aufmerksamkeit fordert, das widert ihn an. Was aber die Leute von Welt betrifft, so haben sie immer weniger Sinn für ein ernsthaftes Werk. Nichts kann sie verlocken außer einer Beschreibung von lächerlichen Zügen, die ihre Bosheit befriedigt, ohne sie in ihrer Bequemlichkeit zu stören.“

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Künstlergruppe 7 OPQ trifft sich am 5. Mai 2014 bei SMEND Gallery Cologne, hier Dietmar Moews und Franz Otto Kopp mit der Neuen Sinnlichkeit

Künstlergruppe 7 OPQ trifft sich am 5. Mai 2014 bei SMEND Gallery Cologne, hier Dietmar Moews und Franz Otto Kopp mit der Neuen Sinnlichkeit

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Dietmar Moews meint: Mit Claude Adrien Helvéticus haben wir einen weiteren Adepten des Bildes:

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Wir stehen auf den Schultern von Riesen“ (s. auch den Überflug von Robert K. Merton „On the shoulders of Giants“ 1965).

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Ist es eigentlich erschütternd, wie das heutige europäische Denken von der Vorstellungsorientiierung der Neuen Sinnlichkeit sich mittels staatlicher Bildung und Kommunikations-Propaganda Lügenpresse) wegbewegt?

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Oder ist es der momentane postmoderne Tribut an die große Heerde, die zu ihren Gefühlen („emotionale Intelligenz“) die Verpitbullung und die Hitlerschlauheit als kulturgeschichtlichen Absturz – aber demokratisch mehrheitlich stimuliert und dahin geführt – organisiert?

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Franz Otto Kopp und Dietmar Moews, 4. 5. 2014 vor der Galerie Smend Köln, Mainzer Straße 31

Franz Otto Kopp und Dietmar Moews, 4. 5. 2014 vor der Galerie Smend Köln, Mainzer Straße 31

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Es käme so, ein zielführender Umweg zum altestamentarischen Armaggeddon, eine Endlösung heraus, die allerdings gar nicht den mehrheitlichen Idioten sondern den irreführenden Führern und Entscheidern entspringt, die auf dem Sofa sitzend sich an einer Brezel verschlucken.

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