Volksrepublik China hat Kommunikationsstress mit Hongkong

August 13, 2019

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am Mittwoch, 14. August 2019

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Xi Jinping

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DLF.de am 14. August 2019, von Steffen Wurzel:

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„Hongkong-Proteste: Langfristig wird China die Kontrolle übernehmen

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Die Proteste in Hongkong gegen den chinesischen Einfluss zeigten, dass das demokratische System in der Sonderwirtschaftsregion und das diktatorische Prinzip Chinas nicht zusammenpassten. Langfristig werde China Hongkong unter seine Kontrolle bringen.

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In Hongkong erleben wir seit mehr als zwei Monaten den Clash zweier politischer Kulturen: Auf der einen Seite die freiheitlich-liberale Gesellschaft Hongkongs, in der es neben Meinungs- und Versammlungsfreiheit auch eine lebhafte und engagierte Zivilgesellschaft gibt – und sogar einige demokratische Strukturen. Auf der anderen Seite steht die Staats- und Parteiführung in Peking. Die Führung der mächtigsten und kraftvollsten Diktatur der Welt also.

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Diese beiden Systeme passen zwar nach allen Gesetzen der politischen Logik hinten und vorne nicht zusammen. Trotzdem aber gehört die frühere britische Kolonie Hongkong seit Mitte 1997 zur Volksrepublik China. Bisher haben weitreichende Autonomierechte und das völkerrechtlich einzigartige Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ wie eine Art Schmiermittel dafür gesorgt, dass Hongkongs Gesellschaft in einer Art Parallel-Universum bequem neben dem diktatorisch regierten Festlandchina vor sich hin lebte. Doch inzwischen brodelt es in der chinesischen Sonderverwaltungsregion.

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Dass die Massenproteste nicht abklingen, sondern in ihrer Intensität immer weiter zunehmen, liegt an der Politik der durch Chinas Staatsführung eingesetzten Regierungschefin Carrie Lam. Sie lehnt jegliche Zugeständnisse bisher ab. Das wird auch so bleiben, denn sie ist politisch ganz offensichtlich an die Vorgaben aus Peking gebunden.

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Und genau hier liegt das Problem: Eine durch Peking eingesetzte Regierungschefin verfolgt nicht die Interessen der siebeneinhalb Millionen Einwohner Hongkongs, sondern die Interessen der chinesischen Staats- und Parteiführung. Das kann nicht gut gehen.

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In einem demokratischen System müsste Carrie Lam reagieren. Sie müsste mit ihren Kritikern sprechen, zurücktreten oder sie würde einfach abgewählt vom Volk. Im politischen System Hongkongs geht das alles nicht.

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Auswege aus dieser Situation gibt es genau zwei: Entweder Chinas Führung macht echte Zugeständnisse, führt in Hongkong zum Beispiel echte Demokratie ein. Das wäre dann das Ende der Regierung Carrie Lam und würde die Kritiker sofort besänftigen. Oder aber: Chinas Führung bringt die aufmüpfige Stadt vollständig politisch unter ihre Kontrolle.

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Kurzfristig sind beide Optionen sehr unwahrscheinlich. Langfristig aber wird letzteres passieren. Denn erstens verliert Hongkong in 28 Jahren ohnehin seinen Autonomiestatus. Und zweitens – viel wichtiger: Es entspricht ganz einfach der politischen Logik der Kommunistischen Partei Chinas, auf Widerspruch ausschließlich mit Härte zu reagieren.

Seit 70 Jahren, seit Gründung der Volksrepublik, läuft das so in China. Gesellschaftliche Öffnung, politische Teilhabe und eine freiheitlich-demokratische Zivilgesellschaft kommen in der Logik der kommunistischen Partei nicht vor: Die Partei verliert nicht.

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Das werden auch wir in Europa in den nächsten Jahren immer stärker zu spüren bekommen. Denn das Machtstreben der Pekinger Staats- und Parteiführung beschränkt sich längst nicht mehr nur auf China. Bei den Protesten in der relativ kleinen Stadt Hongkong geht es also um etwas sehr Großes. Deswegen sollten wir in Europa ganz genau hinschauen, was in der früheren britischen Kolonie gerade passiert.“

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Dietmar Moews meint: An sich wollte ich anlässlich des aktuellen Hin und Hers am internationalen Flughafen von Hongkong, der ganz simpel von angeblich etwa 6000 freien Bürgern Hongkongs „besucht“ worden war – die Menschenmasse machte die Anlagen des Flugverkehrs unbrauchbar. Folglich wurde der Flughafen gesperrt. Gestern wurde er wieder geöffnet. Heute kam es zur erneuten Schließung. Zweifellos ist es den Bürgern Hongkongs so ernst, dass man ahnt, es ginge um eine Endzeit.

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Die Staatsgewalt ist aber im äußersten Einsatz – Polizeieinsatz: Ohne Flüge keine Geschäftsleute, ohne Geschäftsleute, keine Geschäfte.

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Ich finde die Wertung des DLF-Autors:

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„Die Partei verliert nicht.“

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Nicht anders blöde, wie das angeblich Marxistische: Die Partei hat immer Recht.

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Wer will heute wissen, was die halbseidene Seidenstraße für Gegeneffekte für das Gemeinwesen der Volksrepublik China noch entfalten wird – die Leute dort haben auch Internetz – zwar eingeschränkt, aber…

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HONKONG CHINA TAIWAN TIBET – Kulturrevolution

September 29, 2014

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am Montag, 29. September 2014

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In der kapitalistischen chinesischen Weltstadt Hongkong sind momentan 100 000e freie Bürger auf den Hauptstraßen. Es finden seit einiger Zeit erhebliche Massendemonstrationen gegen die zentralstaatliche Ordnungspolitik der Volksrepublik statt.

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Die Demonstrationen werden von der Polizei eingedämmt und eskalieren gewaltsam, während die Forderungen der Bürger nach Selbstbestimmung gegenüber der Obrigkeit unversöhnlich scheinen. Es wird eine schleichende Kulturrevolution der Chinesen sichtbar.

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Nicht nicht nur die insgesamt obrigkeitlich dirigierte Entfaltung des mit Menschen dicht besiedelten großen Chinas, nach kapitalistischen Selbsteuerungsgrundsätzen und Einparteien-Ordnungspolitik greift um sich.

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Eine durchaus nicht dirigierbare Entwicklung sind gesellschaftliche Folgen, die aus dem Sozialen folgen. In dem Maße, wie ökonomische Entfesselung und individuelle Aktivitäten gefördert werden, greifen solche sozialen Verhaltensspiele auf alle das Leben umfassenden Ambitionen über: Was lebt, bewegt sich – auch wenn die Polizei kommt.

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Es ist evident, dass zentralstaatliche Vorschriften einerseits mit der freieren Lebensweise zur Assoziation, ja Assimilation und gegenseitige Einfärbung der verschiedenen politischen Spähren im großen China einen eigenen Lauf nehmen.

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Kurz:

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Die im Jahr 1997 von Großbritannien freigegebene Kronkolonie Hongkong, als solitäre kapitalistische Weltstadt, gehört völkerrechtlich seitdem mit Sonderstatus zur Volksrepublik China.

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Das kapitalistische Nationalchina,Taiwan, auf der Insel Formosa, hat fortwährend ein chinesisches Nationalbewusstsein, eine geschichtliche Zugehörigkeit – als us-kapitalistischer Staat – zur ehedem maoistisch-kommunistischen Volksrepublik. Auch Taiwan spielt in die Einfärbung Pekings und Honkongs mit.

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Anders, aber prinzipiell auf Pekings schräge Hegemonialvorstellung bezogen, sind die Entwicklungen in Tibet. Auch wenn sich Tibet nicht als China ansieht, und auch wenn wesentliche religiöse Unterschiede zur Volksrepublik die sehr verschiedenen Farben bestimmen, haben in Tibet inzwischen durchaus neue, moderne Lebensvorstellungen die konservative Dalai-Lama-Linie praktisch weitgehend aufgegeben. Tibet blickt jetzt und zukünftig auf die „neue“ kapitalistische Volksrepublik. Und auch hier findet eine soziale Assimilationstendenz Ausdruck, es werden neue Eigenarten eingepflegt, Traditionen werden musealisiert, statt zentralstaatlich stillgestellt.

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Kurz: China ist sehr stark und enorm beschleunigt in sozialer Bewegung.

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Vergangene Woche drang durch, dass maßgebliche Militärs der Volksrepublik China einen gesteigerten Alarmstatus fordern. Man sieht die Kriegsentwicklungen in der Welt, insbesondere die Aktivitäten der mächtigsten Waffenarsenale der Welt. Speziell für China seien auch aggressive Positionierungen der japanischen Regierung Abe beachtlich, frühere Kriegsgeschehnisse (Kriegsverbrechen der Japaner) als Heldenverehrung Japans aktuell ausdrücklich und herausgehoben fortzusetzen.

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Dazu ist beachtlich, das us-amerikanische Flugzeugträger in beliebiger Kriegsspielerei vor der chinesischen Küste erscheinen.

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Besonders konkret sind aber Auseinandersetzungen Chinas mit Japan um bestimmte Inseln, vor dem Hintergrund, dass Japan zwar noch gute Erinnerungen an den Ausgang des Zweiten Weltkriegs und den USA als Feind Japans haben.

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Desungeachtet aber Abe und Japan heute der US-Diktion vertrauen: „Japan ist für die USA ein unsinkbarer Flugzeugträger“.

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Dietmar Moews meint: In unserem deutschen Bildungswesen sollte Chinesisch Lernen zum Pflichtfach gemacht werden. Jedes deutsche Schulkind sollte die chinesische Sprache beherrschen und eine staatlich organisierte Reisepflicht nach China erhalten.

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Dabei könnte am Rande herauskommen, dass China etwas über den Konfuzius und die eigene Geschichte des Konfuzianismus lernen könnte, was im heute kuranten Neokonfuzianismus völlig verschüttet ist.

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Praktisch hieße das: Die Chinesen erhielten durch den deutschen Konfuzius-Epigonen, Immanuel Kant, einen weisen Konfuzius zurück. Und vielleicht würden auch die Deutschen etwas mehr über Kant erfahren.

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zUginsfeld am 18. Juli 2014 Mainzer Straße,nördlich Eierplätzchen,Köln Südstadt

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Dietmar Moews: Schaulager in BASEL, konsequent, unbeirrbar und tiefgründig

September 27, 2014

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am Samstag, 27. September 2014

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Konsequent, unbeirrbar und tiefgründig“ Das Schaulager in Basel preist Wolfgang Niedecken als neues Universalgenie unserer Zeit.

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Ganz in der Tradition der individuellen Mythologien darf Wolfgang Niedecken im Basler Schaulager sein Universum ausbreiten – eine Werkschau wie eine Suchmaschinen-Ergebnisliste zum Thema „Gesellschaft“ verkörpert er den Typus des Homo universalis des dritten Jahrtausends?

Christian Saehrendt

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Macht man einmal das Experiment, ganz ohne Vorkenntnisse in die gegenwärtige Ausstellung des Schaulagers zu gehen, und erliegt nicht der Versuchung, sofort ins Ausstellungsbegleitheft oder auf die Werktitel zu schauen, dann findet man vorbemalte Buchdeckel in Petersburger Hängung, mit Beton ausgefüllte und mit Kabeln verbundene alte Schuhe, Einkaufswagen mit Plastiktüten, alte Pappkartons, Kohlezeichnungen von Greifvögeln, Lumpen hinter Glas, sinnlos in die Wand hineinführende Elektrokabel, Projektoren, die nichts projizieren. Projektoren in vollem Betrieb. All dies – und noch viel mehr – gehört zum Inventar der Wolfgang-Niedecken-Retrospektive. Aber wo ist der Zusammenhang?

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Bildschirmfoto vom 2014-09-27 20:41:32

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Nun schauen wir doch ins Begleitheft und erfahren über Niedecken: „Sein scheinbar sprunghaftes, ausuferndes und unübersichtliches Schaffen entpuppt sich dem interessierten Betrachter bei näherem Hinsehen als konsequent, unbeirrbar und tiefgründig.“ Aha! Und weiter: „Seine Interessen reichen von aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen bis zu zeitlosen, großen Themen der Geschichte, Literatur und Philosophie.“ Oh! Damit aber nicht genug: „Als Video- und Installationskünstler, Zeichner und Maler ist er dabei ebenso versiert wie als Autor und Dozent.“ Wir sind beeindruckt und fast schon ein wenig eingeschüchtert, als wir lesen, dass im September auch noch ein Wolfgang-Niedecken-Symposium geplant ist mit der Wolfgang-Niedecken-Expertin Kathy Halbreich, die dafür eigens aus New York nach Basel anreisen wird. Wer ist denn dieser Homo universalis, wie konnte es sein, dass wir bisher noch nichts von ihm gehört haben?

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Geboren 1951 in Köln, lebt er heute in New York. Vertreten war er u. a. schon bei der Documenta, der Biennale von Venedig und bei der Whitney Biennale. Höchste Zeit also für eine Retrospektive dieses Künstlers, der bereits mit mehreren Werken in der Sammlung der Emanuel-Hoffmann-Stiftung vertreten ist! Für die Ausstellung wurde eine komplette Etage des Schaulagers zu einer musealen White-Cube-Raumabfolge umgebaut, um die Videoprojektionen und Installationen angemessen präsentieren zu können. Es gibt einen bekannten Künstlertrick des Bluffs, den auch Niedecken offenbar gerne anwendet: Die Aufwertung einer Arbeit durch verrätselte, etwa hochtrabende Titel, wenn möglich noch mit Namen von Philosophen garniert. So nennt er beispielsweise einen grossen Tintenstrahldruck, der einen Baum mit einer Krone aus Papierblättern und Wurzelwerk aus alten Schuhen zeigt, „World Wide Trash – thanks for nothing Hegel!“ und stürzt den Betrachter damit tief ins Grübeln. – Zwei digitale 2-Kanal-Videoprojektionen auf Leinwand in monumentalen Querformat bilden die Kernstücke der Schau. Sie nehmen jeweils einen Saal von der Grösse eines Kinos in Anspruch, zahlreiche Nebenprodukte wie Skizzen oder Storyboards füllen die angrenzenden Räume. Während der Film „Happiness (finally) after 35 000 years of Civilisation“ die Bildwelt Henry Dargers aktualisiert und einen immerwährenden blutigen Kampf zwischen unschuldig-friedlichen Jugendlichen und militärischen Gewalttätern zeigt, erinnert „Mr. Birds … trash … the future“ entfernt an die Kriegsdarstellungen Goyas: im Mittelpunkt steht hier ein abgestorbener Baumstrunk, der mal von Greifvögeln besetzt, mal mit Leichen behängt ist. Beide Filme breiten in bunter Zeichentrickfilm-Ästhetik höllenartige Szenarien aus. Der ebenso raumgreifende Werkzyklus „The 7 lights“ macht Böden und Wände zu Projektionsflächen bewegter Bilder. Die bisweilen scherenschnittartig scharfen Schatten und die unterschiedlichen Tempi der beweglichen Bildelemente erzeugen eindrucksvolle, fast schon meditative Stimmungen, besonders in jenem Raum, der mit dunklem Holzboden und einem entfernt an Abendmahlszenen erinnernden überlangen Tisch ausgestattet wurden.

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Einzelne, an die Art povera erinnernde Arbeiten haben durchaus ihren poetischen und humorvollen Charme, so faszinieren die verschiedenfarbigen, puzzleartig verzahnten Kunststeinplatten mit kryptischen Gravuren und lebenden Moos („Tablet“). Ein Kabel versenkt beide Enden in Wandsteckdosen und trägt den Namen „Argument“ – ein bisschen platt, doch im Blick auf manche Kunstdiskurse, die sich heftig im Kreise drehen, doch auch witzig. Oder bei den schwarzen und weissen Computertastaturen (“Oh, why so serious?“), deren Tasten durch Miniaturgrabsteine ersetzt wurden – da muss man als Kunstkritiker, den „tödlichen“ Verriss im Anschlag, schon lachen – über die Kunst, aber auch über sich selbst.

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Wolfgang Niedecken. Selected Works. Schaulager Basel. Bis 19.Oktober 2014.Katalog Fr. 27-. weitere Publikationen anlässlich der Ausstellung. Symposium am 12./ 13. September u. a. mit Kathy Halbreich (MoMA). Zitiert nach Neue Zürcher Zeitung vom 10. September 2014, Nr, 209, Feuilleton Seite 27“

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Dietmar Moews meint: Als ich meine Kunsterlebnisse noch aus der Radio- und Fernseh-Illustrierten „Hör zu“, der wöchentlich heiß ersehnten „Original und Fälschung“-Suchspiel-Seite, bezog, waren da Meisterwerke abgebildet, in denen Fehler zu verstecken schwierig war – Original und Fälschung waren eindeutig zu unterscheiden.

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Das ist durch die heutige organisierte Staatskunst und die Salonpersonnage, die den Kunst- und Kulturbereich besetzt haben, wie die Söldner die Bundeswehr, nun so überholt, dass Original nicht mehr original und fälschbar ist. Das nennt man Aufklärung und Emanzipation / Befreiung: Befreiung von Sinn als staatliches Organisationsziel erlaubt nunmehr auch sinnlose Kriege zu betreiben.

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Deshalb folgt hier unten eine Kostprobe der organisierten Salonpersonnage, von der ein solcher Soldatenkünstler, Baselitz, inzwischen meinte: „PARALYMPICS“. (Keine Diskussion, bitte)

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Konsequent, unbeirrbar und tiefgründig“ Das Schaulager in Basel preist Paul Chan als neues Universalgenie unserer Zeit.

Ganz in der Tradition der individuellen Mythologien darf Paul Chan im Basler Schaulager sein Universum ausbreiten – eine Werkschau wie eine Suchmaschinen-Ergebnisliste zum Thema „Gesellschaft“ verkörpert er den Typus des Homo universalis des dritten Jahrtausends?

Christian Saehrendt

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Macht man einmal das Experiment, ganz ohne Vorkenntnisse in die gegenwärtige Ausstellung des Schaulagers zu gehen, und erliegt nicht der Versuchung, sofort ins Ausstellungsbegleitheft oder auf die Werktitel zu schauen, dann findet man vorbemalte Buchdeckel in Petersburger Hängung, mit Beton ausgefüllte und mit Kabeln verbundene alte Schuhe, Einkaufswagen mit Plastiktüten, alte Pappkartons, Kohlezeichnungen von Greifvögeln, Lumpen hinter Glas, sinnlos in die Wand hineinführende Elektrokabel, Projektoren, die nichts projizieren. Projektoren in vollem Betrieb. All dies – und noch viel mehr – gehört zum Inventar der Paul-Chan-Retrospektive. Aber wo ist der Zusammenhang?

Dem Kritiker fällt niemals auf, das die Salonpersonnage, wie hier Paul Chan, nie politisch-sachliche Bezüge zu dem Staat ausstellen, der sie in Dienst nimmt.

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Nun schauen wir doch ins Begleitheft und erfahren über Chan: „Sein scheinbar sprunghaftes, ausuferndes und unübersichtliches Schaffen entpuppt sich dem interessierten Betrachter bei näherem Hinsehen als konsequent, unbeirrbar und tiefgründig.“ Aha! Und weiter: „Seine Interessen reichen von aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen bis zu zeitlosen, großen Themen der Geschichte, Literatur und Philosophie.“ Oh! Damit aber nicht genug: „Als Video- und Installationskünstler, Zeichner und Maler ist er dabei ebenso versiert wie als Autor und Dozent.“ Wir sind beeindruckt und fast schon ein wenig eingeschüchtert, als wir lesen, dass im September auch noch ein Paul-Chan-Symposium geplant ist mit der Paul-Chan-Expertin Kathy Halbreich, die dafür eigens aus New York nach Basel anreisen wird. Wer ist denn dieser Homo universalis, wie konnte es sein, dass wir bisher noch nichts von ihm gehört haben?

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Geboren 1973 in Hongkong, lebt er heute in New York. Vertreten war er u. a. schon bei der Documenta, der Biennale von Venedig und bei der Whitney Biennale. Höchste Zeit also für eine Retrospektive dieses Künstlers, der bereits mit mehreren Werken in der Sammlung der Emanuel-Hoffmann-Stiftung vertreten ist! Für die Ausstellung wurde eine komplette Etage des Schaulagers zu einer musealen White-Cube-Raumabfolge umgebaut, um die Videoprojektionen und Installationen angemessen präsentieren zu können. Es gibt einen bekannten Künstlertrick des Bluffs, den auch Chan offenbar gerne anwendet: Die Aufwertung einer Arbeit durch verrätselte, etwa hochtrabende Titel, wenn möglich noch mit Namen von Philosophen garniert. So nennt er beispielsweise einen grossen Tintenstrahldruck, der einen Baum mit einer Krone aus Papierblättern und Wurzelwerk aus alten Schuhen zeigt, „World Wide Trash – thanks for nothing Hegel!“ und stürzt den Betrachter damit tief ins Grübeln. – Zwei digitale 2-Kanal-Videoprojektionen auf Leinwand in monumentalen Querformat bilden die Kernstücke der Schau. Sie nehmen jeweils einen Saal von der Grösse eines Kinos in Anspruch, zahlreiche Nebenprodukte wie Skizzen oder Storyboards füllen die angrenzenden Räume. Während der Film „Happiness (finally) after 35 000 years of Civilisation“ die Bildwelt Henry Dargers aktualisiert und einen immer währenden blutigen Kampf zwischen unschuldig-friedlichen Jugendlichen und militärischen Gewalttätern zeigt, erinnert „Mr. Birds … trash … the future“ entfernt an die Kriegsdarstellungen Goyas: im Mittelpunkt steht hier ein abgestorbener Baumstrunk, der mal von Greifvögeln besetzt, mal mit Leichen behängt ist. Beide Filme breiten in bunter Zeichentrickfilm-Ästhetik höllenartige Szenarien aus. Der ebenso raumgreifende Werkzyklus „The 7 lights“ macht Böden und Wände zu Projektionsflächen bewegter Bilder. Die bisweilen scherenschnittartig scharfen Schatten und die unterschiedlichen Tempi der beweglichen Bildelemente erzeugen eindrucksvolle, fast schon meditative Stimmungen, besonders in jenem Raum, der mit dunklem Holzboden und einem entfernt an Abendmahlszenen erinnernden überlangen Tisch ausgestattet wurden.

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Einzelne, an die Art povera erinnernde Arbeiten haben durchaus ihren poetischen und humorvollen Charme, so faszinieren die verschiedenfarbigen, puzzleartig verzahnten Kunststeinplatten mit kryptischen Gravuren und lebenden Moos („Tablet“). Ein Kabel versenkt beide Enden in Wandsteckdosen und trägt den Namen „Argument“ – ein bisschen platt, doch im Blick auf manche Kunstdiskurse, die sich heftig im Kreise drehen, doch auch witzig. Oder bei den schwarzen und weissen Computertastaturen (“Oh, why so serious?“), deren Tasten durch Miniaturgrabsteine ersetzt wurden – da muss man als Kunstkritiker, den „tödlichen“ Verriss im Anschlag, schon lachen – über die Kunst, aber auch über sich selbst.

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Paul Chan. Selected Works. Schaulager Basel. Bis 19. Oktober 2014. Katalog Fr. 27-. weitere Publikationen anlässlich der Ausstellung. Symposium am 12./ 13. September u. a. mit Kathy Halbreich (MoMA). Zitiert nach Neue Zürcher Zeitung vom 10. September 2014, Nr, 209, Feuilleton Seite 27“

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