STAATSAKT für Alt-Bundespräsident WALTER SCHEEL (1919-2016)

September 7, 2016
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Vom Mittwoch, 7. SEPTEMBER 2016

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Walter Scheel mit dem Bronze-Kopf des ersten deutschen Bundespräsident Theodor Heuss (FDP)

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Heute fand der Staatsakt mit allen staatlichen Ehrungsformen, Halbmast-Beflaggung und höchsten Rednern, Bundespräsident Dr. Gauck, Bundesaußenminister Steinmeier sowie FDP-Staatsmann Wolfgang Gerhardt und in Anwesenheit der höchsten politischen deutschen Repräsentanten, Bundeskanzlerin Dr. Merkel und die weiteren, zum Tod des deutschen Alt-Bundespräsident Walter Scheel im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie statt, sowie Live-Sendungen bei den TV-Staatsendern PHOENIX und ZDF.

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Es war glorioses Spätsommerwetter in Berlin.

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Walter Scheel war 97-jährig, am 24. August 2016, in seiner Alterspflegestätte in Bad Krozingen gestorben. Als Grabstätte wurde der Waldfriedhof Berlin-Zehlendorf Grunewald bestimmt. Scheel war auch Ehrenbürger der Stadt Berlin. (s. Auch Kurznachruf in LICHTGESCHWINDIGKEIT).

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Walter Scheel war zuletzt deutscher Bundespräsident von 1974 bis 1979.

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Scheel war von Hause aus evangelischer Konfession, betonte das später nicht mehr. Und er war als Wehrmachtssoldat der Hitlerzeit Mitglied der NSDAP, was Scheel lange Zeit zu vertuschen versuchte.

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Scheel war Berufspolitiker der FDP (Freie Demokratische Partei).

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Scheel war Staatsmann nach dem Tugendkataog des großen liberalen Sir Ralf Dahrendorf.

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Scheel wurde FDP-Führer der „Wende“ im Jahr 1969, aus der Bundesregierungs-Koalition mit der CDU/CSU hin zur SPD des damaligen Außenministers Willy Brandts, der dadurch zum ersten SPD-Bundeskanzler werden konnte. Hierdurch wurde die sogenannte „Ostpolitik“ („Wandel durch Annäherung“ an die SED in der sowjetisch besetzten Ostzone/DDR, an Moskau und den Warschauer Pakt unter Breschnew) inittiert und durchgesetzt.

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Die  gewaltfreie Revolution am Ende der „DDR“ – Ende 1989 – steht fraglos auch in der Folge des friedenspolitischen Impetus von Brandt-Scheels Ostpolitik.

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Damit war Scheel der FDP-Führer der den „kalten Krieg“ mit der akzentuierten deutschen OSTPOLITIK, gemeinsam mit der Brandt-SPD, hin zu den späteren Ostverträgen und später dem frei gewählten Beitritt der DDR-Wähler zur Ersten Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1991 und dem 4+2-Modus trug und als demokratisch gewählter deutscher Politiker mitverantwortete.

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Scheel war Machtpolitiker des Machbaren.

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Scheel war Bundespräsident zur Zeit des eskalierenden RAF-Terrorismus‘ in der Ersten Bundesrepublik Deutschland. Er war als oberster Staatsrepräsentant der Trauerredner des von der RAF umgebrachten Wirtschafts-Managers Hanns Martin Schleyer.

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Walter Scheel war ein guter Kommunikant und wurde als „Schlager- und Chorsänger“ zum Bestseller mit dem Volkslied „Hoch auf dem gelben Wagen“.

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Walter Scheel im Jahr 2014

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Beim heutigen Staatsakt spielten Mitglieder der Berliner Philharmoniker zum Abschied Walter Scheels Händels HWV Xerxes. Giordani, JS Bach BWV 1068 „Air“, BWV 147 „Herz und…“ u. a. eine bearbeitete Fassung für Militärorchester von „Hoch auf dem gelben Wagen“ – während der schwarze Überführungswagen abfährt :… aber der wagen der rollt“.

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Scheel hatte Humor und sagte in der Außenpolitik:

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Ich bin bereit „alte Zöpfe abzuschneiden“, aber ich vernachlässige dabei die Frisur nicht.“


Walter Scheel 1919-2016 – Kurznachruf

August 24, 2016
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Vom Mittwoch, 24. August 2016

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Walter Scheel wurde am 8. Juli 1919 in Solingen geboren und starb jetzt 97-jährig, am 24. August 2016 in Bad Krozingen bei Freiburg im Alterspflegeheim, nach langwieriger Demenz.

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Als Sohn eines Stellmachers geboren, absolvierte er nach dem Abitur In Solingen, von 1938 bis 1939 eine Banklehre bei der Volksbank Solingen. Ab 3. September 1939 leistete er Kriegsdienst im Nachtjagdgeschwader 1 (III. Gruppe) der Luftwaffe als Adjutant und war bei Kriegsende Oberleutnant. Er erhielt das Eiserne Kreuz I. und II. Klasse. Nach 1945 – 1946 wurde er FDP-Mitglied, war er bis 1953 als Geschäftsführer in der Industrie und in Verbänden tätig. Danach arbeitete er als selbständiger Wirtschaftsberater in Düsseldorf, 1958 wurde er Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Intermarket. Im gleichen Jahr gründete er zusammen mit Gerhard Kienbaum und Carl Zimmerer das Düsseldorfer M&A-Unternehmen InterFinanz.

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Walter Scheel ist zu der Legion von Alt-Nazis zu zählen, die sich mit einem selbsthergestellten „Persilschein“ von ihrer NSDAP-Mitgliedschaft betrügerisch befreiten. Dabei ist zu wissen, dass die NSDAP nicht alle Mitgliederbewerber aufnahm und besoners Wehrmachtsoldaten ablehnte. Am 13. November 1978 berichtete der Spiegel, Walter Scheel habe erklärt, er habe im Dezember 1942 an der Front die Mitteilung über seine Aufnahme in die NSDAP erhalten, obwohl er keinen Aufnahmeantrag gestellt habe. Laut einem Artikel in der Zeit vom 17. November 1978 ließ Scheel mitteilen, dass er nicht mehr wisse, ob er einen Antrag gestellt habe, seine Mitgliedschaft aber geruht habe. Eine NSDAP-Mitgliedschaft wurde von Scheel im Weiteren mit dem Argument, ein Soldat der Wehrmacht habe kein NSDAP-Mitglied sein dürfen, bestritten, zuletzt in einem Interview im Jahre 2010. Die Unabhängige Historikerkommission – Auswärtiges Amt – kritisiert in ihrem im Oktober 2010 publizierten Forschungsbericht, dass Scheel seine NSDAP-Mitgliedschaft erst Jahre nach seinem Amtsantritt als Außenminister eingeräumt habe. 1970 habe der damalige Außenminister eine umfassende Darstellung zur Geschichte des Auswärtigen Amtes angekündigt, die auch das Handeln des Amtes im Nationalsozialismus thematisieren sollte, diese aber sei nie geschrieben worden

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Nach dem Krieg war der gelernte Bankkaufmann und Wirtschaftsberater fast 25 Jahre lang Abgeordneter. Er amtierte als Bundesminister unter den CDU-Kanzlern Konrad Adenauer und Ludwig Erhard sowie später unter Brandt, er war unter Adenauer der erste Entwicklungshilfeminister der Republik.

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Scheel führte den Richtungswechsel der FDP – von rechts von der CDU in Richtung Sozialdemokratie – und übernahm die FDP-Führung von dem FDP-Rechten Erich Mende, aus den CDU/CSU-Regierungskoalitionen von Bonn in die WENDE zur Bundesregierungskoalition mit der SPD.

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An der Seite Brandts setzte Scheel die umstrittenen Ostverträge durch und vollzog eine Neuausrichtung der Ostpolitik. Annäherung war sein Ziel. Damals war diese neue Ostpolitik umstritten, heute wird sie als Grundstein angesehen für die Deutsche Einheit. „Willy Brandt konnte nur deshalb das Land verändern, weil er mit Walter Scheel einen kongenialen Partner hatte“, sagt der heutige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

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Bei der Wahl des deutschen Bundespräsidenten 1974 am 15. Mai 1974 wurde er mit 530 Stimmen von SPD und FDP in der Bundesversammlung gegen Richard von Weizsäcker (CDU, 498 Stimmen) zum vierten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt und trat am 1. Juli 1974 sein neues Amt an.

Als Bundespräsident verweigerte er 1976 einem Gesetz zur Abschaffung der Gewissensprüfung bei Kriegsdienstverweigerern seine Unterschrift, da er die Zustimmung des Bundesrates für notwendig erachtete.

Für die Wahl des deutschen Bundespräsidenten 1979 stellte er sich angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung nicht erneut zur Verfügung und schied am 30. Juni 1979 aus dem Amt.

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Nach 24-jähriger Ehe starb seine erste Frau Eva Charlotte geb. Kronenberg (1921–1966). Aus dieser Ehe ging Scheels Sohn Ulrich hervor. Von 1969 bis zu ihrem Tod 1985 war er mit Mildred Scheel verheiratet. Sie brachte ihre Tochter Cornelia Scheel mit in die Ehe. Aus dieser Ehe ging 1970 Andrea-Gwendoline hervor, der Sohn Simon Martin wurde 1971 aus Bolivien adoptiert. Seit 1988 war Walter Scheel mit Barbara geb. Wiese verheiratet. Das Ehepaar lebte von 2001 bis 2008 in Berlin und zog Anfang 2009 nach Bad Krozingen. Wegen einer Demenzerkrankung lebte er seit 2012 in einem Pflegeheim.

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Walter Scheel wurde mit über 60 internationalen Orden ausgezeichnet.

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Sehr bekannt wurde Walter Scheels musikalischer Auftritt mit dem Volkslied Hoch auf dem gelben Wagen, das er zusammen mit zwei Düsseldorfer Männergesangsvereinen aufnahm.

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Der jetzt verstorbene Altbundespräsident Walter Scheel steht für eine auf Kommunikation ausgerichtete Politik der erfolgreichen ersten Bundesrepublik Deutschland. Gleichzeitig steht Scheel für das verschwinden eines deutschen Liberalismus, vertreten durch eine liberale Partei, die FDP.

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Dass solche genialen deutschen Zeitgenossen und Soziologen, wie Ralf Dahrendorf, nach vielen Jahren der aktiven führenden Mitwirkung in der FDP, bis hin zur EU in Brüssel, die FDP verließ und stattdessen zum britischen SIR als Professor in Oxford ernannt wurde, ist mit der oft auf Sicht formulierten Positionswechsel der FDP unter Walter Scheel zu verstehen.

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