Russen-Knigge über den Umgang Gamal Abdel Nassers mit Sowjetrussen

April 29, 2019

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am Dienstag, den 30. April 2019

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„Schenke ihnen niemals Juwelen!“

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Vor mehr als einem halben Jahrhundert lief es schon einmal gut für Moskau. Ägyptens damaliger Staatschef Gamal Abdel Nasser hatte sich mit dem Westen überworfen, und die Sowjetunion sprang ein.

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Neue Zürcher Zeitung schreibt Seite 2, am 26. April 2019, mit Daniel Steinvorth:

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„… Der ägyptische Präsident wusste jedoch, dass es nicht einfach sein würde mit den Herren im Kreml. Nachdem er im Mai 1964 Zeuge eines heftigen Streits zwischen Nikita Chruschtschow, dem Führer der KPDSU, und Abdelsalam Arif, dem Präsidenten des Iraks, geworden war, kam ihm eine Idee. Er wolle, um künftige Verhandlungspannen zu verhindern, eine „Anleitung für den Umgang mit den Russen“ schreiben, sagte Nasser einem befreundeten Journalisten.

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Der Journalist machte sich Notizen. „Stelle sicher, dass du mit ihnen in einer Sprache verhandelst, die beide Seite verstehen“, diktierte Nasser, „eine schlechte Übersetzung wird für endlosen Ärger sorgen.“ Nützlich im Gespräch seien „Amekdoten, Scherze, Sprichwörter und Bauernregeln“, ebenso ein guter Wissensstand über die Geschichte des Zweiten Weltkrieges: „Ertrage es geduldig, wenn dein Gegenüber immer wieder vom Grossen Patriotischen Krieg spricht.“ Man müsse wissen, dass die sowjetische Führung „aus slawischen Bauern zusammengesetzt“ sei, die „leicht zu Gelächter und Tränen gerührt sind“. Wer nicht trinkfest sei, solle rechtzeitig auf seine Gesundheit oder seine Religion hinweisen. Unbedingt zu beherzigen sei: die Russen nicht auf eine Stufe mit den Amerikanern zu stellen! Und: keine Juwelen als Gastgeschenke …“

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Risse in Staufen

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Dietmar Moews meint: Ich erinnere mich an den Nazi-Außenminister und Sekthändler Ribbentropp, der mit den Sowjetführern die entscheidenden Verhandlungen für Hitler in Moskau führte, einen „Hitler-Stalin-Pakt“ fassen zu können, womit die Nazi zunächst dann die Sowjets, schließlich sich selbst reingelegt hatten: Sekthändler – russische Verhandler: Mit einem veganen HITLER hätte man nur schwierig eine Konsonanz der Gemüter herstellen können.

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Daniel Steinvorth in der NZZ, weiter:

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„…Nicht alle Regeln lassen sich auf die Gegenwart übertragen, in der arabische Führer wieder mit dem Kreml flirten. Nassers Russen-Knigge ist aus der Zeit gefallen. Die Einsicht aber, dass zwischen Autokraten die Chemie stimmen muss, ist zeitlos.“

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Es ist bekannt, dass der Sowjetführer Leonid Breschnjew, mit dem Willy Brandt und Egon Bahr und Herbert Wehner, die Ostpolitik auf einen Weg brachten, der tatsächlich mit der Glasnost der UDSSR und die mit Jeltzin und Kohl im Jahr 1989 mit Gorbatschow und der Maueröffnung die ganze Welt veränderte folgende Anekdote beinhaltete:

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BRESCHNJEW wurde als großer westdeutscher Staatsgast im Hotel PETERSBERG am Rhein geradezu höfisch einquartiert. Als „Morgengabe“ hatten Brandt und Konsorten, dem als Autoverrückten bekannte Breschnjew ein MERCEDES 230 SL-Coupé geschenkt. Sofort startete Breschnjew bei erster Gelegenheit eine erste Probefahrt, den Berg hinab, und zerschredderte den blitzneuen Edelwagen zu Schrott (Breschnjew selbst war glücklicher Weise nichts passiert). Das wurde Brandt unverzüglich bekannt, der schnellstens einen zweiten neuen MERCEDES-SPORTWAGEN hinstellen ließ, als sei gar nichts geschehen. BRESCHNJEW war angeblich äußerst gerührt. BRESCHNJEWS Deutschlandbesuch und die Gespräche verliefen in freundlichster Atmosphäre.

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Günther Jauch-ARD-Talkshow zu KOHL-“Vermächtnis“

Oktober 13, 2014

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am Montag, 13. Oktober 2014

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Angelegentlich öffentlich ungefragt fotografiert zu werden, bemerkte Professor Doktor jur. Alphons Silbermann: „We live in a free country“.

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Silbermann wollte damit nur sagen: Was nicht verboten ist, ist allgemein hin erlaubt!

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Er wollte nicht sagen, dass er das Fotografiertwerden wünschte, oder wie „beautiful America“ sei oder wie sehr er (mit UK-Pass) die britische Lebensweise schätze (er meckerte ziemlich über Australien und das Benehmen in London gegenüber Australiern – Australier wurden geringgeschätzt; Silbermann als Kölner Jude aus Sidney war in London auf Behörden wie ein australischer Bauer zurückgesetzt worden):

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We live in a free country“ –  ja, es sei hier einmal ausdrücklich vorbemerkt: Wo man hinkommt, auch in höheren oder obersten Entscheidungs- und Verantwortungsrängen unserer freien Gesellschaft, wagen es Menschen nicht, ihre eigene Meinung zu sagen, wenn diese von der herrschenden Meinung abweicht.

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Viele sparen sich, überhaupt eine Meinung zu bilden. Wozu die Mühe, wenn sie generell meinungsscheu sind?

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So lange es grobe „Für oder Wider“ gibt, besteht die Möglichkeit, die eine oder die entgegengesetzte Meinung zu verkünden, ohne Gefahr zu laufen, dass nachgefragt wird. Aber auch in solchen Fällen, wo eine Meinungsäußerung nicht einfach stehen gelassen wird, nachgefragt oder widersprochen wird, macht der Meinungsscheue meist einen Schritt zurück:

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Das geht mich nichts an. Das muss mich nicht interessieren. – Die Hitlerschlauheit.

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Autor dieses Blogbeitrages hier, Lichtgeschwindigkeit 4987, Dr. Dietmar Moews, veröffentlicht prinzipiell seine eigenen Meinungen. Die Meinungen werden argumentiert sowie außerdem auf bekannte Sachverhalte und die dazu ansonsten  verbreiteten bekannten Meinungen kritisch bezogen.

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Nun also Günther Jauch, gestern Abend, 12. Oktober 2014, in der Sonntags-ARD-Talk Show.

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Die Runde war zum Thema Jauch und Gäste zusammengebeten: Man beschäftigte sich mit „Helmut Kohl – wem gehört seine Geschichte?“.

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Jauch hatte als Gäste Helmut Kohls Freund und Rechtsanwalt Stephan Holthoff-Pförtner, Helmut Kohls Biographen und Ghostwriter Heribert Schwan, den bayerische Altministerpräsident CSU-Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber, den „Spiegel“-Mann Nikolaus Blome, die Witwe von SPD-Legende Willy Brandt, Brigitte Seebacher zusammengesetzt.

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Der Sendungsmoderator Günther Jauch teilte, wie meist, keine eigene Meinung zum Thema mit, zumal keine differenzierte Problem-Darstellung: Das Buch ist im Verkauf. Kohl hat vor Gericht die Bänder eingeklagt. Kohl wollte ein Zitate-Buch von Schwan verhindern. Darf Schwan das Buch publizieren? Hat Kohl recht?

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Im Übrigen hielt Jauch sich, wie meist, daran, dass seine Köppe schon den Wert seiner Talk Show an sich ausmachen.

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Der Fernsehzuschauer erfuhr also nicht, ob die im Zentrum dieses Publizistik-Streits um “Vermächtnis Die Kohl-Protokolle“ stehenden Werte auf das neue Schwan-Jens-Buch bezogen sind: Verwirklicht Schwan solche Werte? verletzt er Werte?

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Handelt es sich um das Recht der deutschen Gesellschaft, wichtige Einblicke in das personelle Machtgeschehen seiner gewählten Repräsentanten zu erhalten?

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Müssen die Deutschen wissen, wie verletzend und schmerzbefreit die Abrichtungsmacht der deutschen Parteien gegenüber den Parteimitgliedern und wie rechtswidrig Leitungskader funktionieren?

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Ist allgemein und konkret bekannt, welche tägliche Hassquelle das Parteienregiment nach Innen bedeutet? – Käseglocke und Abrichtung sind beschönigende Stichworte.

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Hat Kohl seinen Tonbandprotokollen etwa nicht aus seiner Sicht wichtige Zeugnisse der Staatskunst in seiner Zeit geben wollen? So steht es ja nicht bei Machiavelli.

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Jauch arbeitete auch nicht heraus und fragte nicht danach, welche Geschehnisse als substantanzielles Vermächtnis Kohls anzusprechen seien und ob Heribert Schwan das herausgebracht habe.

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Das neue Schwan-Buch ist immerhin eine Auswahl von Zitat- und Bezugsstellen aus den in den Jahren 2001 und 2002 aufgenommenen Tonbandprotokollen, das gesamte Leben Kohls umfassend. Insofern handelt es sich materiell – als mündlich zu Protokoll gegebene Zeugnisse – um einen wichtigen Teil des Kohl-Nachlasse – also Teil des Vermächtnisses.

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Kohls Vermächtnis zu fokussieren, ist Angelegenheit der Geschichtswissenschaftler und des weiteren Zeitgeschehens. Hier wird erhoben, analysiert und interpretiert, was aus Kohls Leben und Arbeit im Sinne von „Vermächtnis“ herausgehoben stehen kann.

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Bei Jauch erfuhren wir das alles nicht.

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Aber immerhin konnte Frau Seebacher-Brandt sagen, dass Willy Brandt seinen „schriftlichen Nachlass“ nicht der SPD übergeben wollte. Dass im Falle des SPD-Granden Herbert Wehner die Dresdner Erbin Greta Wehner, das gesamte Wehner-Konvolut der Öffentlichkeit entzogen hat.

Heute ist noch neu hinzugekommen: Jetzt soll der Kohl-Nachlass samt Tonbändern einer der Nachlasspflege und -auswertung gewidmeten Stiftung übergeben werden. – Auch habe die zweite Frau, Kohl-Richter, erklärt, sie selbst babsichtige weder die Auswertung der Tonband-Vermächtnisse noch die Publikation der Autobiografie Kohl Teil IV zu verfassen. Sie wolle und könne das auch nicht.

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Edmund Stoiber hatte bei Jauch, wie meist, nur Konventionelles beizutragen, Strauss und der Wind der Geschichte.

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Nikolaus Blome, Ex-BILD nun SPIEGEL, beschränkte sich auf einen Satz: Den Umsatz. Der Spiegel publiziere, was die Leute lesen wollen (und was Heribert Schwan publizierte, weil es die Öffentlichkeit angeht).

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Das fand auch bei Günther Jauch mit fröhlicher Zitaten-Verwendung, durch Jauch selbst aus dem Schwan-Buch, statt.

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Die Autoren, Heribert Schwan und Tilman Jens, konnten in der Jauch-Sendung nicht mal auf die Eingangsvorwürfe der „unfassbaren Vertrauensbrüche“ reagieren. Schon gar nicht um die Substanz, um die es aber geht bzw. noch gehen müsste:

 

der deviante Sozial-Typus Helmut Kohl.

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Bislang unbekannte Sachverhalte und Dokumente zu Helmut Kohls Werk und Denken basieren auf der Lebensleistung des verdienten und erfolgreichen „Volksschriftstellers“ Heribert Schwan – der keineswegs die Deutungshoheit zu Kohl beansprucht.

 

Schwan ist nach Lage der Dinge vermutlich der gewichtigste Kohl-Experte überhaupt, hat sämtliche Aussagen Kohls in den offizialen Akten verifiziert bzw. richtiggestellt, hat sämtliche von Kohl gesperrten Stasi-Protokolle gelesen – kennt also auch die Grenzen der Diskretion und der Staatsgeheimnisse.

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Wer die Magnet-Tonbänder inzwischen gelöscht hat?

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Die Tatsache, dass die von Kohl gerichtlich zur Herausgabe eingeklagten Bänder von über 600 Stunden Dauer, laut Aussage des Kohlfreundes und -anwaltes Holthoff-Pförtner, heute über die Hälfte der Aufnahmedauer gelöscht sind, macht nunmehr Heribert Schwan und seine Typoskripte zum Kronzeugen. Wer, wie gelöscht hat, ist nicht bekannt und nicht zurechenbar.

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Eine hübsche Parabel ist die gerichtliche Feststellung auf Kohls Eigentumsrecht an den Tonbändern. Danach oblag und obliegt es Kohl eigenverantwortlich, auf die Bänder und die Magnetaufzeichnungen „aufzupassen“.

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Anders, wären es Schwans Bänder, hätte der löschen dürfen.

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Interessant wäre, wenn die Bänder beiden, Kohl und Schwan als GbR, zu Eigentum gehören würden – das wäre auch lustig: Helmut Kohl und Treue und Untreue: Wie es euch gefällt.

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Wieso waren die Bänder, seit 2001 / 2002, überhaupt in Heribert Schwans Besitz?

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Heribert Schwan ist ein versierter deutscher Journalist – er ist kein Heini.

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Dietmar Moews meint: Die Diskussion um Kohls Vermächtnis, so fern es in unsere aufgeklärte Zeit und in die sozio-politische Zukunft hinaussteht, wird noch intensive Diskussionen nötig haben. Es ist schockierend, wie und wie vorrangig „sozial schmerzbefreite Typen“, wie Kohl (z. B. gegenüber seiner Frau, wie sie Schwan als Hannelore Eins und Hannelore Zwei hervorragend herausgezogen hat) Politikeffizienz betreiben.

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Helmut Kohl, ein sozialer Berserker und Kraftmeier, der auf eigene Art die „Banalität des Bösen“ verkörperte, nicht kontrollschwach, nicht reflexionsschwach, nicht kritikschwach, nicht einfach ein „böser Bube“, sondern in seiner sozialkriegerischen Grundorientierung banal.

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Kohl hatte im Bundestagswahlkampf, wie Konkurrent Helmut Schmidt ebenso, Immanuel Kant als seinen Lieblingsphilosophen genannt: Kant der moralisches Verhalten als Naturerkenntnis extrapoliert hatte.

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Wir sollten an Kohls Vermächtnis nicht groß den seichten Günther Jauch verfluchen, sondern Hannah Arendts „Eichmann in Jerusalem“ und das endlos Böse eines Effizienzhandelns betrachten, dass der Täter als „Naturgesetz“ vorstellt.

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Man kann der neuen Frankfurter Schule nicht aberkennen, „Birne“ erkannt gehabt zu haben. Immerhin war Kohl zu dem epochalen Alleingang des „Zehn-Punkte.Programm“ fähig. – Birne war bei Hans Traxler zum Inhalt gemachte Form geworden.

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Wolfgang Leonhard 1921- 2014 – Kurznachruf

August 17, 2014

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am Sonntag, 17. August 2014

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Heute ist Wolfgang Leonhard im Alter von 93 Jahren in der Eifel gestorben. Leonhard war der letzte noch lebende Zeitzeuge aus dem innersten Führungskreis der deutschen Kommunisten, der nach 1945 die Gründung der DDR vorbereitete. Seine Wandlung vom begeisterten Kommunisten zum Sowjetkritiker beschrieb er 1955 in dem Bestseller „Die Revolution entlässt ihre Kinder“ und „Euro Kommunismus“.

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Leonhard war 1945 als Mitglied der „Gruppe Ulbricht“ – so benannt nach dem späteren DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht – aus Moskau nach Deutschland zurückgekehrt. Er war 1935 mit seiner vom Kommunismus begeisterten Mutter in die UdSSR geflohen und später zum Führungskader ausgebildet worden. In der sowjetischen Besatzungszone in Ost-Berlin, nach 1945, wuchs seine Gegnerschaft zum Stalinismus. 1949 floh er nach Jugoslawien und wenig später in die Bundesrepublik.

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Wolfgang Leonhard ist ein einzigartiger Zeuge der deutschen Geschichte des „Hitler-Stalin-Paktes“ und die Folgen.

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Die Deutschen aus der Ostzone durften bis 1989 nichts von Leonhard wissen. Für den Rest bildeten Leonards Berichte die Eselsbrücke zum Gulag, zu Solschenizyn und Kopelev, zu Jorge Semprùn und Arthur Koestler, zu Willi Münzenberg, von Tito zu Herbert Wehner und Egon Bahr. –

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Leonhard, als Wladimir getauft, wuchs als Jugendlicher im stalinistischen Moskau des HOTEL LUX, elternlos in Heimen auf, wo die zukünftigen Nachwuchskommissare der westlichen Länder ausgebildet worden sind.

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Sie sollten nach dem Welt-Krieg, 1945, in ihre Herkunftsländer gesendet werden, den Kommunismus durchzusetzen und aufzubauen – (so: Gruppe Ulbricht, zehn Leute, die nördlich Berlins im Sommer 1945 mit einem kleinen Flugzeug abgesetzt wurden). Die zogen unter Ulbrichts und Wilhelm Piecks Führung unverzüglich in die Berliner Rathäuser. Setzten die den Krieg in Berlin überlebenden Nazigegner ab, die in den Bezirken des zusammengebrochenen Berlins den politischen Anfang versuchten. Sie wurden weggemobbt. Aus KPD und SPD schmiedete Kommissar Ulbricht die SED. Der West-SPDist Otto Grotewohl ließ sich freiwillig zum Ost-Hampelmann von Staatspräsident Wilhelm Pieck in der SED wählen. (Bald wurde in West-Berlin eine neue SPD gegründet – bei den Wahlen bekam die SPD dann etwa 23 Prozent Stimmenanteile, die SED wenig über zehn Prozent; Ulbrichts SED wurde in den russischen Sektor Ost-Berlin zurückgedrängt).

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Leonhard hatte an einen jungen deutschen Kommunismus des „Komintern“ geglaubt (jeder kommunistische Staat sollte seinen eigenen Kommunismus entfalten dürfen). Aber 1947 orderte Stalin Ulbricht und alle Kommissare nach Moskau und bestimmte den „Kominform“: Die internationalen kommunistischen Sateliten erhielten aus der Stalinzentrale in Moskau „Information“ wie und was nach Stalins Vorgaben als „Kominform“, statt „Komintern“, durchzuführen sei.

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Ulbricht lenkte sofort – von jetzt auf gleich – ein, „informierte“ seine Gruppe-Ulbricht in Berlin, während alle Dissidenten beseitigt wurden. Wolfgang Leonhard, dessen kommissarische Zuständigkeit war, Schulungsskripte für die kommunistische Partei-Volkserziehung zu schreiben, wähnte sich betrogen. Leonhards enge Zusammenarbeit mit stalin-dissidenten jugoslawischen Komintern-Kommunisten zwang ihn, heimlich abzuhauen, während er noch kurz zuvor mit Ulbricht über die „Befreiung“ seiner Mutter, der „deutschen Kommunistin“, verhandeln musste.

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Leonhard organisierte und ergriff heimlich seine Flucht (über Jugoslawien nach Westen), was in allerletzter Sekunde glückte, wobei er sein persönliches Stalindrama durchlebte: Leonhard war als Kind seiner idealistischen kommunistischen Berliner Mutter, vor Hitler „in Sicherheit“, über Skandinavien nach Russland gebracht worden. In Moskau verschwand die Mutter, von der Partei politisch ins Abseits, während das Kind Wladimir (Wolfgang) – nicht erfuhr, wo sie war und ob sie überhaupt noch lebte – als Heimkind zum Komintern-Kader gedrillt wurde. Als Leonhard im Jahr 1947 – auch nach zynischen Erlebnissen mit „Markus“ Wolf – Ulbricht heimlich verlassen und fliehen wollte, gelang es ihm zunächst nicht, seine Mutter (die nicht einsichtig war) aus den Fängen Stalins zu befreien. Dramatische Not und Misstrauen bis aufs Blut brannten sich – jetzt Wolfgang – Leonhard ein: Die Revolution erstickte an ihrer Nachgeburt.

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Entsprechend vom Kominform entsetzt landete das kommunistische Jugoslawien unter Tito, das den eigenen Komintern fortsetzte, in Feindschaft zum Stalin-Sowjet-Imperium. (Das jugoslawisch-serbische Militär richtete seine alljährlichen Manöver in russischer Himmelsrichtung aus).

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Jetzt musste Wolfgang Leonhard im hohen Alter, zuletzt im Krankenhaus, an einer schweren Krankheit sterben. Er lebte in der Eifel.

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Ein Termin für die Gedenkfeier werde später festgelegt, um Kollegen und einstigen Studenten die Teilnahme zu ermöglichen. Leonhard hatte 21 Jahre lang bis 1987 als Professor an der US-Eliteuniversität Yale über die Sowjetunion und den Kommunismus gelehrt.

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Dietmar Moews meint: Wolfgang Leonhard hat sowohl mit seinem Bericht über die Gruppe Ulbricht im nach-1945er Berlin wie in der Auseinandersetzung mit den sogenannten 68ern, die einem seltsamen West-Marxismus anhingen, indem Hegel, Marx und Freud eine bekloppte stalinistische Ideologie ergaben, die sie „Kritische Theorie“ nannten (Adorno / Habermas) und mit seinsgebundener empirischer Urteilskraft eines Wolfgang Leonhard nicht klar kamen.

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Leonhard wurde also in die USA durchgereicht, weil die Bundesrepublik den „Moral-Pakt“ zwischen Hitler und Stalin lieber verdrängten. Desto wichtiger, die Zeugnisse Wolfgang Leonhards ins Curriculum deutscher Demokratiekunde aufzunehmen.

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