Marshall Mc Luhan-Bullshit oder Tatsachen-Wahrheit für Helmut Kohl

November 19, 2014

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am Mittwoch, 19. November 2014

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Kein Mensch würde glauben oder es so meinen, wollte man behaupten: Ein Mensch (Gott) habe irgendwas volldeterminiert geändert – durch mutwillige Eigenmacht einen RUCK ausgelöst: Wenn Alt-Kanzler Dr. Helmut Kohl darauf hinweist, wie die DDR-Auflösung an der historischen Weltsekunde im Herbst 1989 geschehen sei, gibt er seiner Zeugenschaft davon – damals in zentraler Rolle als deutscher Bundeskanzler – Ausdruck.

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Wollte man nun von historischer Wahrheit oder von Fakten, Tatsachen, Seinsprozessen, Kausalitäten reden, ist zumindest auf einen gravierenden Vorstellungsmodus zu achten:

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Wer glaubt, „Wahrheit gibt es nicht“ – “Wahrheit wird durch Sprachregelung als Geschichtsfälschung als Wahrheit machtpolitisch an die Stelle wirklicher Geschehnisse gesetzt: Die Partei hat immer Recht: die stalinistische „Wahrheitspolitik“ – die wirklichen Zeugen mussten schweigen oder wurden beseitigt.

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Wir kennen es heute, wie an die Mc Luhan-Floskel „The Medium is the Message“ die Vorstellung geknüpft wird, man könne Tatsachenwissen einfach durch Wunschbehauptungen austauschen und damit gelingendes Leben veranstalten: Paul Feyerabends Limitierung: …is real in its consequences“.

Man kann nicht: Lügen haben kurze Beine.

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Dietmar Moews meint: So kommen wir heute mit Kohls Darstellung vom DDR-Zusammenbruch 1989 wegen „Staatspleite“ und nicht wegen oppositionellen „Straßendemos“ an einen Punkt, wo zumindest die wirklichen Geschehnisse und machtpolitischen Artikulationen und politischen Entscheidungen, in der Zeit auf den 9. November 1989 hin, zu wissen und zu gewichten sind.

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Man kann nicht einfach irgendwas behaupten, und an Stelle der wirklichen Geschichte setzen. Wer es nicht weiß, ist kindisch und muss Bullshit glauben.

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Was ging dem Mauerfall voraus? Welche Verdienste gebühren wem? Welche Verzerrungen werden von wem heute verbreitet und sind heute beachtlich?

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Am 4. August 1989 fand ein Gespräch mit bekannten Journalisten beim BND in Pullach statt. Frage war: Wie geht es mit dem Ostblock weiter? Die BND-Antworten lauteten: Alles ruhig, von Ungarn bis Polen keine Anzeichen von Aufruhr, die Staatsmacht habe die Kontrolle. Das war nicht einmal 100 Tage vor dem Mauerfall. Der BND wusste nichts.

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Im Jahr 1989 forderte Joschka Fischer als Fraktionsführer der Grünen im hessischen Landtag: „Wir sollten das Wiedervereinigungsgebot des Grundgesetzes aus der Verfassung streichen.“ Fischer war nur Epigone dieser Geisteshaltung. Einen Höhepunkt an mentaler Verstörung hatte schon drei Jahre vorher “Zeit“-Chefredakteur Theo Sommer zu Papier gebracht. Er war durch Honeckers DDR gereist und hatte eine zufriedene, teilweise sogar glückliche Bevölkerung wahrgenommen, die das Regime weitgehend akzeptierte.

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Im Sommer 1989, als der Flüchtlings-Tsunami aus der DDR täglich anschwoll, schrieb der gleiche Sommer: „Wer heute das Gerippe der deutschen Einheit aus dem Schrank holt, kann alle anderen nur in Angst und Schrecken versetzen.“ So viel zum damaligen geistigen Zustand mancher deutscher Intellektueller.

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Rudolf Augstein gehörte nicht zu ihnen.. Er war außer sich über die politische Blindheit eines großen Teils seiner „Spiegel“-Redakteure, besonders des Chefredakteurs Erich Böhme. Als jener am 30. Oktober 1989 im „Spiegel“ schrieb, „ich möchte nicht wiedervereinigt werden“, platzte Augstein der Kragen, und er setzte seinen Chefredakteur vor die Tür. Augstein selber schrieb: „Warum eine Mauer mitten durch Deutschland, wo doch alle Mauern bis zum Ural fallen sollen? Warum ein geteiltes Berlin, wo doch für Jerusalem trotz aller ethnischen und Annexionsprobleme gelten soll und gelten wird: Zweigeteilt? Niemals.“

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In jenen Monaten fand etwas Einmaliges zusammen. Die „heilige Dreifaltigkeit“, wie es ein „FAZ“-Mann nannte. Das Massenblatt „Bild“ im Sinne des verstorbenen Verlegers Axel Springer, die „Frankfurter Allgemeine“ als Sprachrohr der gebildeten Stände und der „Spiegel“, das deutsche Nachrichtenmagazin unter der geistigen Führung Rudolf Augsteins, trieben die Politik an. Mit Ausnahme Helmut Kohls und Willy Brandts – die beiden mussten nicht getrieben werden.

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Im Oktober 1989 liess sich dagegen das sozialdemokratische Schwergewicht Peter Glotz an einem Bezirksparteitag seiner Partei zum Satz hinreissen: „Der derzeitige Gebrauch des Wortes „Wiedervereinigung“ ist opportunistisch und widerwärtig.“

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Und so ging es damals die Medien rauf und runter. Hans-Jochen Vogel, SPD-Chef, betonte noch Ende 1989, nicht mit anderen als der SED-Führung zu sprechen und die vom Parteivorstand und der Bundestagsfraktion der SPD bekräftigte die Position, nämlich die Ablehnung des leichtfertigen und illusionären Wiedervereinigungsgeredes“; und – nochmals -SPD-Vordenker Glotz am 2. August 1989: „Bitte, zumindest in diesem Jahrhundert, keine Pläne mehr zu einem 4. Reich.“

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Der ARD-Weltspiegel-Chef Winfried Scharlau meinte am 9. November 1989, als die Nachricht kam: „Trabis, Trabis, sie fahren durch die Mauer.“ Jemand sagte: „Das ist die Einheit.“ Scharlau sackte zusammen: „Das lässt der Russe nicht zu, das gibt Krieg.“ Elf Monate später war die Wiedervereinigung vollzogen. Doch Scharlau, der falsche Prophet, moderierte noch zehn weitere Jahre den „Weltspiegel“, als Experte der internationalen Politik.

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In der SPD wurde deutlich: Die Partei und ihr Ehrenvorsitzender, der grosse Willy Brandt (Hans-Hermann Tiedje), standen kurz vor dem Bruch. Brandt verbrachte mehr Zeit mit Helmut Kohl als mit Oskar Lafontaine. Die Brandtsche Ostpolitik wurde zum frühen Baustein der Einheit erklärt oder verklärt. Nur wenige hatten das sichere Gespür Brandts erkannt, Klaus von Dohnanyi gehörte dazu, Henning Voscherau, und auch Helmut Schmidt stand nicht abseits. Aber auf den zu hören, schämten sich zu jener Zeit leider viele Genossen.

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Zur Erinnerung Oskar Lafontaine über die Idee eines wiedervereinigten Deutschland in der Nato an einem Parteitag kurz vor Weihnachten 1989: „Welch ein historischer Schwachsinn!“

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Zu jener Zeit hatte Willy Brandt gegenüber dem Sender Freies Berlin (SFB) längst erklärt: „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört.“

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Brandt lieferte den Slogan zum Umbruch und Aufbruch, nicht etwa die Rock-“Scorpions“ mit ihrem „Wind of Change“. Dieser Song entstand erst ein Jahr später. Da war die DDR schon Geschichte.

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Der frühere BILD-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje erinnert sich an die Wendezeit: „Ich verbrachte viel Zeit mit Dieter Gütt, damals „Stern“-Chefredaktion, davor mächtiger ARD-Chefredakteur und „Tagesthemen“-Erfinder. Gütt hasste (wahrscheinlich zu Recht) seinen Vater, den Eugeniker Arthur Gütt, Begründer des Nazi-Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Dieter Gütt, der so stark wirkte, war voller Besorgnis angesichts der heraufziehenden Wiedervereinigung. Ein größeres Deutschland? Nein, das wollte er nicht miterleben. Am 24. Januar 1990 beging er Selbstmord. So erlebte er nicht mehr mit, wie aus zwei Staaten in Deutschland ein deutscher Staat wurde. So musste er sich auch nicht fragen, was für ein ideologischen Kokolores er verbreitet hatte. Von all denen, hat sich übrigens nur einer entschuldigt: Erich Böhme. Die anderen hoffen bis heute auf Vergessen.“ (nach „Neue Zürcher Zeitung Nr. 259, vom 7. November 2014, Seite 21, Hans-Hermann Tiedje)

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Dietmar Moews meint: Die Sekunde der Weltgeschichte, in der die Begabung von dem damaligen Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl (CDU), ermöglichte, den Zehnpunkte-Plan per Polenreise-Unterbrechung zur Rede in Dresden durchzubilden und dort in Echtzeit zu sagen, was ihm aus der stimulierten Dresdner Versammlung vor dem Georgentor an der Augustusbrücke an Sonorität zuraunte, das war ein großes Glück für die Deutschen. Und es erforderte die Urteilskraft und die Schaffenskraft von Kohl ganz persönlich, die wesentlich wurden.

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Wer jetzt anderes glaubt, mag das tun. Aber die Seinsbindung von Pharisäern der neuen SPD und den in Kohls Richtung weisenden Urteilen von Schalck-Golodowski bis Micha Wolf, von Gorbatschow bis Bush, spricht eine deutliche Sprache:

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https://www.youtube.com/watch?v=rCMw2YviXMA

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Ich erinnere nur an die Tondokumente auf CD vom Deutschlandfunk von Wort-, Reden- und Meinungsbeiträgen der wichtigsten offiziösen DDR-Nomenklatura und an den Mecklenburger Kommunisten Bernhard Quandt, der drohte ,anlässlich der Rückgabe der Dienstwaffe an den Vorsitzenden persönlich, die Exekution zu fordern:

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Todesstrafe für die Verräter der SED-Staatsführung, den lebenslangen aufrechten Kampf durch Lügen und Misswirtschaft verloren gegeben zu haben – dann brach der an die 90 Jahre alte Quandt in Tränen heulend zusammen.

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KOHL KOHL KOHL – historisch zivil hinfällig: Banalität des Bösen

Oktober 11, 2014

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am Samstag, 11. Oktober 2014

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Hier geht es um den Rechtsstaat und um Staatsräson. Mit der aktuellen Diskussion um den Altkanzler Helmut Kohl und seinen ehemaligen Vertrauten Heribert Schwan um Veröffentlichungsrechte liegt ein besonderer Fall von höherem Recht der politischen Selbstaufklärung der Deutschen in ihrer Geschichte vor.

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Daneben, und ebenfalls von erstem Rang, ist das menschlich-allzumenschliche Schauspiel von Kohl. Kohl ist eine Variante „der Banalität des Bösen“, diesseits von Gut und Böse, aber fast grenzenlos böse. Soziologen und Anthropologen sollten hierzu mit Historikern in eine neue Qualität der Kategorien zur Geschichtsschreibung eintreten.

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Mit dem letzten Lebenskapitel von Helmut Kohl kommt ein Variante der „Banalität des Bösen“ zur Austragung, die von hohem Erkenntniswert für die zukünftige Sozialgeschichte und die Anthropologie ist.

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Bundeskanzler sind Teil der Geschichte. Die Geschichte der Deutschen gehört natürlich den Deutschen und nicht einer zivilen Geschichtsperson selbst.

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Diese Tage versuche ich aus den Meinungen und Vorstellungen anderer, mit denen ich sprechen kann und zu den publizierten Aspirationen zum Kohl-Thema, einen Befund zur historische Wirklichkeit der akuten Werthaltungen, von Öffentlichkeit und Erfahrung, zu gewinnen.

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Mein Ertrag ist bedeutend. Es lässt sich kurz zusammenfassen in die Bestätigung der Verpitbullung und der Hitlerschlauheit als „Zeitgeist“, seitens der Mitbürger in der Öffentlichkeit.

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Es sieht so aus, als hielten fast alle, mit denen ich auf Kohl zu sprechen kam, es für legitim zu sagen, was „alle“ sagen. Und das bedeutet, eine seriöse politische Meinungsbildung kommt nicht zustande. Stattdessen hantiert man mit drei gängigen Meinungen, die einem wahlberechtigten Deutschen ein äußerst mickriges Zeugnis geben (ohne Rangfolge sind das folgende drei Positionen:

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EINS: Das interessiert mich nicht. Das ist heute unwichtig.

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ZWEI: Kohl ist / war ein so dummes Schwein, wie Kohl es selbst in den eigenen Werturteilen über andere protokollieren ließ (s. das neue Buch „VERMÄCHTNIS DIE KOHL-PROTOKOLLE“ von Heribert Schwan Tilman Jens).

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DREI Das sollen Gerichte entscheiden. Der Ghostwriter liegt im Streit mit der zweiten Ehefrau und übt jetzt Rache am Altkanzler.

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Dietmar Moews meint: Kohl ist eine lebende Variante der „Banalität des Bösen“. Wir sollten in einen imaginären Disput mit Hannah Arendt zum Fall Kohl eintreten.

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Ich meine, wir haben es mit drei ganz unterschiedlichen Kohl-Rollen, also auch mit drei völlig unterschiedlichen Beurteilungsansätzen zu tun:

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Kohl als CDU-Politiker und Bundeskanzler von 1982 bis 1998.

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Kohl als schwerst verletzter, entehrter ungesetzlicher Lügner, CDU-Altkanzler und Hinterbänkler sowie als privat fassungslos gewordener Privatier.

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Kohl, heute, als krankes quasi Mündel, unter unangemessener Kuratel einer jüngeren zweiten Ehefrau.

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Kohl mit seinem Vertrauten Heribert Schwan – der „Volksschriftsteller“ hatte über viele Jahre einen eigenen Hausschlüssel für die Marbacher Straße 11 in Ludwigshafen-Oggersheim und permantes Zugangsrecht gegenüber der Hausbewachung

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Das historische Bild der harten äußeren historischen Fakten wie auch der Autobiografie und der zu Protokoll gegebenen Selbstbilder Kohls sind allgemeinverständlich und klar zu erkennen:

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Der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl (geb. 1930) wurde fünf mal von der CDU und den deutschen Wählern gewählt. Er wurde im Jahr 1998 von seinem Nachfolger, Gerhard Schröder (SPD), im Amt abgelöst.

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Kohls wichtigste Aufgaben als Bundeskanzler bestanden in den Nachrüstungsentscheidungen des Nato-Doppelbeschlusses, in der deutschen Einheit nach Zusammenbruch der DDR und in der Einführung des EURO als EU-Gemeinschaftswährung an Stelle der Deutschen Mark (D-Mark).

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Dem gegenüber sind die heutigen Ambitionen der Deutschen zu diesem Friedenskanzler, der in sechzehn Jahren deutscher Geschichte (1982 – 1998) der Vertraute und Repräsentant der Deutschen war, eine ärmliche und hitlerschlaue Mobposition.

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Kanzler Kohl war nach dem Beitritt der DDR-Deutschen, im Jahr 1990, dann bei den Wahlen 1998 insbesondere von den ehemaligen DDR-Bürgern, abgewählt worden. Die neue gesamtdeutsche Mehrheit ersetzte Kohl durch Schröder (SPD), der den Beitritt zuvor, noch als niedersächsischer Ministerpräsident, abgelehnt hatte.

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Alle drei Positionen der heutigen deutschen Alltagsmenschen, im Jahr 2014, sind geeignet, das Thema Kohl abzublocken. Es gibt Vordringlicheres in Tagen von Krieg und Ebola und Schuldenkrise.

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Heute heißt es also in Varianz zur veröffentlichten Meinung, in der öffentlichen Meinung zum Thema Helmut Kohl:

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Interessiert mich nicht

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Gerichtsstreit –

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während eine historische Fassung, was Kohl für die Deutschen bedeutete und bedeutet, den Historikern überlassen bleibt.

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Es kommt mir abenteuerlich vor, wie unter dem Einfluss der viel jüngeren Frau, die immerhin studierte Wirtschaftswissenschaftlerin – vermutlich mit dem Makel „Adenauer-Stiftung-CDU-Schmiede – ist, der Historiker Kohl zu glauben scheint, seine eigene Geschichte definieren zu können.

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Kohl scheint heute unfähig zu sein, sich selbst als Altkanzler in der Geschichte, die von Historikern und nicht von ihm in sistierschwachen Zivilprozessen geschrieben wird, zu erkennen.

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Die Vermutung von Kohls Biograf Heribert Schwan, dass Kohls heutige Rolle von seiner heutigen Ehefrau bestimmt wird, muss Kohl zugute gehalten werden.

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Dr. Heribert Schwan ist immerhin ein hervorragender deutscher Journalist und Autor, der über ca. zehn Jahre eng und vertraut mit Kohl zusammengearbeitet hat. Während diese Ehefrau wie ein Werkzeug wirkt, dass sich der Politikkünstler Kohl im Wägelsche (so nennt Kohl Schäubles Rollstuhl) als letztes Teufelswerkzeug auszudenken scheint.

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Wie geringschätzig und fast angeekelt, aber auch streitlustig, verletzt der Allgemeinheit und allen Nichtkohlmenschen gegenüber, Kohl eingestellt ist, kommt hier an die Grenzen von kultiviertem Verhalten bzw. naturbedingter Banalität des Bösen.

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PRESS-Freiheit und Urheberrecht bei Kohl / Schwan

Oktober 7, 2014

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am Dienstag, 7. Oktober 2014

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Hier geht es um den Rechtsstaat und um Staatsräson.

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Mit dem Streit zwischen Altkanzler Kohl und dem Autoren Heribert Schwan um Veröffentlichungsrechte liegt ein besonderer Fall von höherem Recht der politischen Selbstaufklärung der Deutschen vor, die wissen müssen, was sie und ihre Repräsentanten tun und taten.

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Zunächst ist nicht klar, ob Kohl tatsächlich diesen Streit juristisch führt oder ob er lediglich eine juristische Streitperspektive nebst Mediengeräuschen prüfen lässt.

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Heute haben die Medien die Publikation von „Helmut-Kohl-Protokollen“ erneut thematisiert und insbesondere den Autor des Buches Heribert Schwan, der für Kohl bereits die ersten drei Bände der Helmut-Kohl-“Autobiografie“ verfasst hat und acht Jahre lange sehr intensiv, erfolgreich und eng mit dem Alt-Bundeskanzler zusammengearbeitet hat.

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Dietmar Moews meint: Heribert Schwan nutzt und verteidigt die Pressefreiheit.

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Sein Buch ist von höherem allgemeinen Interesse, dass quasi eine Frage der Würde der Deutschen ist, nämlich: Ein demokratisches Volk muss wissen und lernen können, was es selbst politisch bewirkt: Was wird durch gewählte Repräsentanten bewirkt, wie Bundeskanzler Kohl und jetzt der invalide Altkanzler Kohl es war und möglicherweise ist?

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Wir wissen, so wie es nicht möglich ist, dass ein Bundestagsabgeordneter stets im Parlament sitzt, wenn Lesungen sind. Wir wissen, dass es Kompetenzen und informelle Entscheidungsprozesse gibt, dass Einfluss und Lobby, dass Parteiorganisation und Staatsmedien usw. üblich sind. Wir müssen wissen, dass der Spitzenpolitiker mit staatsmännischen Anforderungen vor eine enorme Beanspruchung eines Menschen gestellt ist, wenn er solche Rollen verantwortlich übernimmt und den Aufgaben pflichtgemäß entsprechen möchte: das ist Menschen vernichtender Stress.

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Am Beispiel des Schwan / Jens-Protokolle-Buchs und der Kanzler-Kohl-Geschichte wird klar, wie viel vom Geschick des einzelnen abhängt und wie diesseits von Gut und Böse, die alltägliche Verpitbullung unserer Parlamentarier und Parteipolitiker Rechtschaffen erschwert bzw. unmöglich macht.

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In der Organisation von Politik ist der nichtdirigierbare Zeit- und Entscheidungsfaktor ausschlaggebend für das Gelingen der Wertverwirklichungen oder die Abwehr von Not.

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Kanzler Kohl hat in der schwerwiegenden Situation des Zusammenbruchs der DDR die notwendige individuelle Kapazität gehabt, Mut und Urteilskraft, das Richtige zu tun, und dabei in aller Kürze die wichtigsten Partner mitzunehmen bzw. vollkommen einsam zu entscheiden.

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Kohl war ein großer Staatsmann.

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Die Schwächungen seiner Arbeit, durch Allzumenschlichkeit, die sich andere zu Schulden kommen ließen und lassen, ist diesem schwer geschlagenen, sensiblen Kohl zuzubilligen, uns im Streit mit Schwan indirekt mitzuteilen. Schön ist nicht, was Schwan uns mitteilen musste. Aber es bringt mehr Wahrheit und Aufklärung – und es nützt Kohl: Es zeigt seinen nüchtern Weitblick und einsamen Mut.

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Helmut Kohl kämpft vor Gericht um die Wahrheit

Oktober 6, 2014

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am Montag, 6. Oktober 2014

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Hier geht es um die Menschheit und um Staatsräson, nicht um Privatvergnügen.

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Es geht also nicht um den heutigen Helmut Kohl und seine heutige Ehefrau und mögliche Stellvertreterin. Es geht um ein höheres Gut.

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Ex-Kanzler Kohl schießt meines Erachtens am Ziel vorbei. Er will eine Biografie von Heribert Schwan verhindern, kündigt einen Gerichtsprozess dagegen an, veranlasst aber keine Einstweilige Anordnung gegen die Auslieferung des Heyne-Buches.

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Alle deutschen Massenmedien berichten heute über Kohl und das neue Buch.

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Ich möchte eine staatspolitische Überlegung dazu entfalten, damit eine Einordnung von moralischen, juristischen und politischen Ansprüchen verständlich werden kann – wer es kapiert -, wo als oberster Anspruch das „Recht der Menschheit auf die Wahrheit“ Geltung hat:

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Es geht nicht um Staatsgeheimnisse, sondern um eine von Gesetzen gar nicht berührbare deviante Menschlichkeit – die einer oder eine bringt oder nicht.

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Das ist juristisch irgendwie notleidend: Kohl kann keine Biografie blockieren. Kohls Urheberdissens um Tonbandaufnahmen lässt sich nicht beweisbar auf Vorrechte um Inhalte des Heynebuches von Schwan / Jens übertragen usw.

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Wenn ein Buchautor, wie der anerkannte Politikjournalist in Staatsdiensten, Heribert Schwan (geb.1944), DLF+WDR+ARD+Redakteur bis zum Altersruhestand, sich einen jüngeren, prominenten Ko-Autor nimmt, Tilman Jens, dann trägt das machiavellistische Züge.

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Heute begann die umstrittene Auslieferung einer „Kohl-Biografie“, die der ehemalige Berater, Vertraute und Ghostwriter des EX-Kanzlers Helmut Kohl, mit dem Heyne-Verlag München publiziert.

Das umstrittene Buch Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle über Altkanzler Helmut Kohl auszuliefern, kommentiert Heyne München so: „Das Buch erscheint bei uns ganz normal und wird heute ausgeliefert – wir sehen da im Moment keinen Handlungsbedarf“, sagte eine Verlagssprecherin. Bislang liege keine Unterlassungsaufforderung vor.

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Der Focus hatte berichtet, Kohl wolle klagen. Er habe Anwälte beauftragt, die Veröffentlichung des Buches von Heribert Schwan und Tilman Jens zu stoppen.

Wie Der Spiegel schreibt, rechnete der langjährige CDU-Vorsitzende in den Gesprächen mit Schwan teils drastisch mit Parteifreunden ab, darunter Angela Merkel („kann nicht mit Messer und Gabel essen“), Christian Wulff („ein ganz großer Verräter“) und Friedrich Merz („politisches Kleinkind“), Wolfgang Thierse („Volkshochulintelligenz“), Norbert Blüm („Verräter?“).

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Grund des Streits sei der Verdacht, Schwan habe für die Publikation jene 200 Tonbänder (630 Stunden) aus Gesprächen mit Kohl verwertet, deren Nutzung ihm das Oberlandesgericht Köln im August untersagt hatte. 2001 und 2002 hatte Schwan den Altkanzler in seinem Haus in Oggersheim an mehr als 100 Tagen ausführlich befragt und das Gespräch auf 200 Tonbändern aufgezeichnet.

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Auf den Verdacht lässt sich kein Streit gewinnen. Kohl muss exakte Zitate beweisen.

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In der „ZEIT“ ging es in der Öffentlichkeit weniger um Kohls Rolle als Kanzler der Einheit, sondern seine Rolle in der Spendenaffäre der CDU. Kohl hatte Großspenden entgegengenommen und weigerte sich die Spender zu nennen. Hinzu kam die Selbsttötung von Kohls Frau Hannelore 2001.  

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Mit Schwan und dem Droemer Verlag, bei dem die Biografie ursprünglich erscheinen sollte, war vereinbart, dass Kohl jederzeit kontrollieren dürfe, was in seinen Memoiren stehen soll. Anfangs hielt sich Schwan daran. Zum Bruch kam es, als der Journalist zu einem WDR-Film über Kohl einen Begleitband herausbringen wollte. Die Änderungswünsche von Kohls neuer Frau Maike Kohl-Richter gingen laut Spiegel soweit, dass Schwan sich beim Altkanzler beschwerte. Der teilte ihm daraufhin mit, dass er auf seine Dienste künftig verzichte.

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Seine spätere Forderung nach Herausgabe der Tonbänder begründete Kohl damit, dass nur er über seine Lebenserinnerungen zu bestimmen habe.

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Nach dem Bruch mit Kohl behielt Schwan die Tonbänder zunächst. Er schlug vor, sie der Adenauer-Stiftung zu überlassen, was Kohl ablehnte. Nachdem das Gericht Schwan zur Herausgabe verurteilte, kam er dem nach. Doch er hatte Abschriften anfertigen lassen. Sollte er sie für sein umstrittenes Buch genutzt haben, das nun der Heyne-Verlag herausbringt, wäre das zumindest ein Vertrauensbruch.  

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Juristisch geht der Streit demnächst wohl in eine neue Runde. Der Bundesgerichtshof entscheidet, ob er sich der Sache annimmt. Die Bänder gelten auch deshalb als wertvoll, weil Kohl sich seit einem Unfall 2008 nicht mehr richtig artikulieren kann. Er war auf der Treppe seines Hauses gestürzt und hatte sich ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen. Die Aufzeichnungen könnten für Historiker eine einzigartige Quelle sein, wenn es darum geht, zu verstehen, wie Kohl dachte und regierte.  

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Bisher sind drei als Auto-Biografie bezeichnete Bände über Kohl erschienen, sie umfassen die Jahre 1930 bis 1994. Die letzten vier Jahre Kohls im Kanzleramt bis zu seiner Abwahl 1998 fehlen noch in der biografischen Buchreihe – damit unter anderem auch die CDU-Spendenaffäre.

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Es ist Kohl unbenommen, seinen eigenen Teil VIER zu bringen oder authorisiert bringen zu lassen.

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Dietmar Moews meint: Ein Geheimnis kennt niemand. Das ist eine der einfachsten Lebensweisheiten, die jeder kennen muss – so einer wie Helmut Kohl weiss das.

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Was Kohl auf Band gesprochen hatte, war jedenfalls von ihm selbst über den Zaun der Zähne hinaus zur Veröffentlichung gedacht (möglicherweise unüberlegt).

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Das ist wie mit dem Geldverleihen: Man verleiht nur, was man auch verlieren dürfte. Sowie das Leihgut lebenswichtig für den Verleiher selbst ist, darf bzw. kann er nicht verleihen. Ein Notfall unterliegt anderem Recht. So viel zu Kohls Lebensklugheit.

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Im Gerichtsstreit Kohl gegen Schwan ging es einerseits um Urheberrechte. Kohl wurde das Urheberrecht und die Folgerechte für die Tonbandtexte zugesprochen.

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Autor Schwan hätte sich eigene Rechte daran von Kohl vertraglich zusichern lassen müssen. So, wie die Zusammenarbeit gelaufen ist, ist zwar die Produzentenrolle und die Koproduzentenrolle unzweideutig auch Beleg für die Urheberschaft von Schwan. Anderenfalls hätte Kohl eine derart diskretionsbedürftige Ladung allein aufnehmen können.

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Aber er wollte Schwans sozio-geistige Mitwirkung einbeziehen. Schwan war rechtlich in ein ausbeuterisches Dienstleistungsverhältnis zu Kohl getreten bzw. kann keinen anderslautenden Vertrag vorlegen. (Oberflächlich kann der Vergleich einer Erfindung zu einem Patent von Bayer Leverkusen dienen, wo der Laborchemiker als Entwickler arbeitet, aber der Bayerkonzern die Urheberrechte eignet – außer dem Erfindernamen).

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Bei dem heutigen Streit Kohl gegen Schwan / Jens geht es nun aber urheberrechtlich um ein neues Autorenwerk. Schwan und Jens sind die Autoren der „Protokolle“ und haben das Recht und der Heyneverlag hat das Verlagsrecht.

Des weiteren geht es Kohl um die vermutete Verwendung von Schwans Insider-Wissen.

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Hierzu lassen sich aus dem Dienstleistungsverhältnis und aus der Verschwiegenheitspflicht Schwans Kohls Ansprüche darlegen. Umgekehrt – Schwan hat kein Recht dazu, aus Kohls Diskretionsbereich zu publizieren bzw. Rufmord auszulösen. Das dürfte auch unabhängig davon sein, ob Kohl Schwan bezahlt hatte, oder, ob Schwan auf eigene Rechnung mit Kohl die Tonbandgespräche führte. Es könnte allerdings auch die rechtliche Wirkung haben, dass Schwans heutiges eigenes Wissen, das ihm Kohl in den Tonbandgesprächen mitteilte, in seine eigene Arbeit einbeziehen darf.

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Es sind aber solche juristischen, urheberrechtlichen und vertragsrechtlichen Probleme und Ansprüche gerichtlich klärbar, bevor eine Publikation blockiert werden darf.

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Aus meiner Sicht muss der Blick eine andere Qualität fokussieren. Damit kommt eine rechtliche Perspektive zur Geltung, die über BGB und Grundgesetz hinauswirkt: Das Menschenrecht – die Werte hierzu sind  in der Präambel des Grundgesetzes zu finden:

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Wir haben folgende Situation: Ein valider Mensch und Staatsbürger tritt rechtmäßig in ein hohes Staatsamt ein: Kohl – als Parteimitglied der CDU, Abgeordneter, schließlich Bundeskanzler (er begibt sich selbstbestimmt unter besondere Rechtspflichten).

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Kohl macht seine gesatzte Arbeit als Bundeskanzler – und er macht pflichtgemäß und darauf vereidigt Politik nach der Natur von Politik. Das heißt:

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Ein Bundeskanzler folgt den Kunstregeln der Politik, die immer an politischen Zielen und Wertsetzungen orientiert grenzwertige Mittel in jedem Belang praktiziert bzw. solche Mittel auf sich selbst angewendet hinnehmen muss. Oder er oder sie können sich krank melden: Kanzler ist krank“

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Das sind teils die Regeln des Dschungels.

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Wer sich krank meldet, ist arbeitsrechtlich auf der sicheren Seite – ein ärztliches Attest kann auch in die Klapse führen.

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Genau hier tritt die Qualität ein, um die es eigentlich im Streit um Kohls Biografie geht:

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Ein Regierungschef von Deutschland hat als individueller Mensch seine ganz eigene esoterische Balance zu halten, was er sozial, was er psycho-sozial, was er psycho-somatisch, was er physiologisch spielt, was er sich zumutet und wo seine momentane Inkonstanz zu einer persönlichen Leistungsschwäche kommen darf – er muss es innerlich vertragen können. Übernimmt er sich, geht er unter. Übernimmt er sich, können unter Umständen unbeschreiblicher Schaden und staatsgeschichtliche Schäden entstehen.

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Politische Führer brauchen exzellente Stellvertreter und brillante Vertraute – wie Kohl mit Geissler und mit seiner Ehefrau mal gehabt hatte, aber mit Peter Hinze nicht haben konnte.

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Der Bundeskanzler Kohl hatte in der Zeit seiner Kanzlerschaft, die das neue Heynebuch berührt, hauptsächlich den Zeitraum seiner geplanten „Autobiografie“ TEIL VIER (deren ersten drei Teile Schwan als Ghostwriter geschrieben hatte), einen gewaltigen Komplex politischer Anliegen zu koordinieren – die Folgen der „Deutschen Einheit“, die Staatsschulden, Euro und Europäische Union, die Parteifinanzierungsanarchie, die Abhängigkeit von den USA.

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Dazu hatte sich eine soziale Szenerie der nachkommenden politischen Nomenklatura entwickelt, mit der Kohl nicht die seinen Ideen und Konzepten gemäße „Konsonanz der Gemüter“ aufbauen konnte – Ost-West-Aspekte, Nord-Süd-Aspekte, Alt-Jung-Aspekte, protestantische Wähler!

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Kohl kandidierte im Jahr 1998 zum fünften Mal zum Kanzler, gewann Wähleranteile, verlor aber  die Koalitionsmehrheit. Schröder konnte „Mitte-Links“ über 50 Prozent erreichen und wurde Kanzler.

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Der Wendepunkt war dann der Bremer CDU-Parteitag 1998:

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Auf dem CDU-Parteitag in Bremen war der Bundeskanzler Helmut Kohl, der äußerst schwer gesundheitlich geschlagen war, vor eine zerrüttete persönliche Szenerie gestellt. Helmut Kohl, mit gut 77 Prozent als CDU-Chef wiedergewählt, thronte allein in der ersten Reihe des Podiums zu Bremen, ein mokantes Lächeln im Gesicht, ein kurzer triumphierender Blick nach rechts unten zu Lothar Späth, Kohls Gegner war geschlagen. Heiner Geissler war als CDU-General geschasst. Kohls Bundesoppositions-Führungsgruppe bestand nun aus Wolfgang Schäuble und Angela Merkel.

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Das Führungsproblem innerhalb der CDU steigerte sich mit dem, im Jahr 1990, durch ein Attentat geschlagenen Innenminister Wolfgang Schäuble, der sich mit Spendenbetrug und Lüge vor dem Bundestag von Kohl verabschiedete. Im Dezember 1999 verabschiedete sich Angela Merkel, die einen situativ gerissenen FAZ-Kasten gegen Kohl schrieb.

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Und das war eigentlich das Ende von Kohls Mitteln: seine besten und loyalsten Kräfte zogen nicht mehr mit – im Gegenteil, Biedenkopf war plötzlich wieder da, Heiner Geissler dachte selbst, Norbert Blüm wackelte herum – die Gesamtstimmung legte auf Helmut Kohl nicht mehr den Wert und brachte nicht den Respekt und nicht die geistigen Synergien heran, ohne die eine Politik nicht verkörpert werden und gelingen kann.

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Der Politiker Helmut Kohl stand inmitten eines existenziellen Stoffwechsels, in dem er nicht mehr Handelnder sondern mehr Geworfener war. Die Ehefrau Helmut Kohls war inzwischen sehr krank. Seine Söhne waren mehr um die Mutter als um den Vater besorgt.

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In dieser ans Leben gehenden Lage, beendete Kohls schwerkranke Ehefrau (2001) ihr Leben.

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Als Kohl in den Jahren danach, 2001, 2002 (ungeachtet 9 / 11) mit Koautor Heribert Schwan diese letzte Phase der Kohlkanzlerschaft auf Tonbänder sprach, kam chronologisch gemäß der „Triumph“ bzw. die „Hölle von Bremen“ dran:

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Kohls harte Bemerkungen – wie sie heute im SPIEGEL kolportiert werden – über jüngere Kollegen sind erklärlich, weil hier ein Staatsmann an der Hölle gekostet hatte und dadurch (in Bremen) noch einen letzten Sieg erringen konnte. Gerade dieses Zeugnis ist aber auch notwendig, herauszubringen, was bis dahin niemand wissen konnte:

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Der Bundeskanzler Helmut Kohl hatte sich als privates Individuum erheblich von seinem eigenen Menschenrecht abgesetzt – er hätte im Krankenhaus liegen müssen -, ja, er nahm längst nicht mehr das Tierschutzgesetz für sich in Anspruch, sondern er kämpfte bis aufs Äußerste für seine politischen Überzeugungen. (Es ist nicht damit getan, dass das jeder von sich immer sagen kann).

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Helmut Kohl war körperlich gesundheitlich fertig und seine soziale Natur war zuende. Zwar liegt hier offen, dass der alte Kraftmeier Kohl auf solche Schwächen bei anderen auch nicht sonderlich reflektierte – aber was sollte Kohl tun? – außer sich selbst bis ans Äußerste zu belasten.

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Das ist hier der Wert und der Punkt: Der Staatsmann Kohl hatte Alles gegeben. Kohl hatte vor der Öffentlichkeit gelogen, Wahrheit verweigert, hatte üble Anschuldigungen auf sich genommen. Z. B. ist bis heute unklar, wofür die Parteispendengelder, deren Spender Kohl nicht nennt, denn ausgegeben worden sind. Wohin ging das Geld? Erhielt es etwa Gorbatschow? Wie hat man Gorbatschow, der erhebliche Nachteile in Moskau zu erwarten hatte, abgesichert? Das Geld war als Spenden plötzlich da und in den Büchern der Parteikasse, keiner weiß, woher. Aber, und, es ist wieder weg. Und keiner weiß wohin, an wen, wo für. Niemand sagt, Kohl hätte sich privat selbst bereichert.

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Jedenfalls hatte Helmut Kohl im Jahr 2002 in den Tonbandgesprächen von seiner Überanstrengung Zeugnis gegeben, indem er durch die sehr persönlichen wertenden Urteile über zahlreiche Politiker, die tiefen sozial-psychologischen Risse zwischen ihm und all denen, mit denen er zu arbeiten hatte, kennzeichnete. Das findet sich auch in seinen sonstigen herablassenden und niedermachenden Urteilen über andere Politikfiguren.

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Aus einem distanzierteren Blick, mit gewissem Abstand, kann es sein, dass Kohl sich in dieser „Kampfsprache“ nicht in einer Biografie bezeugt sehen möchte, nicht in einem unliebenswürdigen Buch, das auch noch aus Tonbandaufzeichnungen wörtlich zitiert. Kohl möchte den Staatsmann repräsentiert sehen und nicht die Kampfhenne.

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Die Welt, insbesondere im Falle Kohl die Deutschen, sollten wissen, aus welch hartem aber unter Umständen witzlosem Holz die deutschen Führer bestehen bzw. bestanden, welche unmenschlichen Zerreißkräfte dabei auszuhalten sind und mit welchen Spannungen zwischen Selbstbild und Fremdbildern dabei gekämpft werden muss.

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An dem Streit um dieses „Protokolle“-Schwan / Jens-Buch wird deutlich, welche politische Qualität der Zuverlässigkeit und Stärke Kanzler Kohl gebracht hat. Man begegnet einem ästhetischen Fall der Sinn- und Formproblematik, in dem Kohl – dem Historiker – besondere Durchsetzungsfähigkeiten mit strukturell-funktionalen Haltungs- und Formschwächen zu attestieren sind (ungeachtet wie und wer den Teil VIER der Kohl-Autobiografie noch schreiben wird).

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Es ist also sehr verständlich, dass sich der Staatskünstler Kohl im abschließenden Teil VIER seiner Autobiografie lieber selbst „designen“ würde, als mit kühler Bilanzsprache die persönlichen sozialen Scherben und die kleingeistigen Bescheißereien um „Ehrenwort“, „Barschel-in der Badewanne“, „Söhne-und-Ehefrau-Rolle und „Schwarzgeld-Blackout“ aufgerechnet zu bekommen.

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Kurz:

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Ich bin der Meinung, Schwans Mitteilungen zu Kohls Biografie sind von höchster Wichtigkeit und deshalb nicht Privatangelegenheit von Dr. Helmut Kohl heute.

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Ich bin auch der Meinung, Kohl sollte das Schwan-Buch zulassen, damit auch am Beispiel Kanzler Kohl  deutlich wird, wie brutal und zur Not ohne Pietät Politik geschieht, weil es Machtpolitik ist. Es ist Kohls persönliches Pech, dass er den Teil VIER seiner Autobiografie nicht mehr mit Schwan gemeinsam hat schreiben können. Dass Schwan nun lieber mit Tilmann Jens als mit Frau Kohl-Richter gerbeitet hat, ist Schwans Urheberrecht.

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