Ladislav Kupkovič wird 80 – Neue und Neueste Musik

März 15, 2016
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Vom Dienstag, 15. März 2016

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„Portrait Ladislav Kupkovic“, DMW 213.13.79 von Dietmar Moews, Öl auf Leinwand, 130cm/110cm im Jahr1979 in Hannover gemalt.

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Der slowakische Geiger, Freiheitskämpfer, Komponist, Dirigent und Musikprofessor, Ladislav Karol Kupkovič, geboren am 17. März 1936 in Bratislava (Preßburg) der Tschechoslowakei, wird hier zu seinem 80sten Geburtstag gehuldigt. Am 16. Juni 2016 ist Ladislav Kupkovic, zu Hause in Haste, gestorben.

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Es ist die PFLICHT laut Staatsvertrag, dass die deutschen Staatssender – Radio, Fernsehen, und deren Klangkörper, Budgets und Programme. Kupkovic einüben und öffentlich bereitstellen. Nicht nur Rachmaninow oder Beethoven haben teuflische Stellen, nicht allein Paganini war eine Augenweide!

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SYMPHONIE B-DUR. Es spielt Slovak Sinfonietta Zilina, Dirigent Leos Svarovsky. Es sind 4 Sätze, Orchesterbesetzung 2-2-2-2 2-2 Timp. und Streicher. Die Uraufführung fand statt am 31. 5. 2015 in Zilina (deutsch: Sillein), ein Tag später in Nitra (deutsch: Neutra) und zwei Tage später in Cifer (Musikfrühling Cifer)

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Ladislav Kupkovič studierte Geige und war bis 1961 fünf Jahre Mitglied und Konzertmeister der Slowakischen Philharmonie mit internationalen Gastspielen.

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Was dann geschah, lag auch an seiner herausragenden Musikalität, Kraft, Dynamik, Geschmack und Sensibilität, die unweigerlich den gegebenen sozialen Rahmen durchbrechen musste. Er fand Anschluss im Westen, in Italien und im freien Deutschland.

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Ende der 1960er Jahre hatte Ladislav Kupkovič Kontakt zum nichtstalinistischen Westen und konnte als 68er in der NEUEN MUSIK als „Avantgardist“ seine Chance vorhersehen. Kupkovič holte Luigi Nono nach Bratislava, organisierte experimentelle „Neue Musik“-Veranstaltungen. Damit geriet er unter den Druck der offiziellen bolschewistischen Musikdirektion der damaligen Tschechoslowakei – Partei-Linie im Musikerverband. Wir denken an Schostakowitsch und VOLKOWS Biografie, wir denken an Kopelew und Solschenyzin, die Kritik, den Gulag, die Selbstkritik und Säuberungen ab 1936 – ein sauberes Geburtsjahr.

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Der Zwang in der Musik seiner Heimat machte aus dem Musikliebenden einen Musikpolitik-Widerständler. Sein Revolutions- und Freiheitsgeist suchte schließlich den Notausgang im Emigrantenschicksal.

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Kupkovič und seine Ehefrau fanden nach der Flucht in eine westliche Freiheit auch als „Neue Musiker“ und Musiklehrer Anschluss und Lebenserwerb.

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Ladislav Kupkovič kam über Berlin nach Köln, wurde von den Lokalmatadoren Karlheinz Stockhausen, Wolfgang Rihm, Mauricio Kagel, freundlich empfangen und in die Programme der staatlichen Neue-Musik-Tage, in Donaueschingen, Darmstadt, Berlin im In- und Ausland aufgenommen. In jenen Jahren ging so langsam Alles schneller, aus Dodekaphonie und Atonalität wurde sehr bald Aleatorik und sonstige „Moderne Kunst“-Stilismen – Minimal, Arte Povera, Serielles, Mixed Media.

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Man malte Partituren, gab getextete Spielanweisungen, warf die Musikausführenden in freigestaltete, manchmal zwei Meter breite grafische Partiturbögen. Vorgegeben waren unsinnige Geräuscherzeugungen und Verfremdungen der Instrumente, preparierte Klaviere oder Orchester-Cluster auf Lichtsignale durch den Kompositeur in der Ferne.

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So Ladislav Kupkovič – er produzierte mit Mehrkanal-Tonband-Collagen aus Musikgeschichtszitaten (bspw. J S Bach) und Alltagsgeräuschen oder Tierstimmen, sogenannte Wandelkonzerte in unterschiedlichen Maßstäben der Spielorte und der Spieldauer:

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Die jeweilige Besetzung – mehrere Instrumentenspieler spielten an getrennten Orten, verschiedene Töne und Klangfiguren, teils als korrespondierendes Spiel, teils als eigenkreative Dialogentwicklungen – meist langweiliges Gedudel, weil den Spielern kaum was Gutes einfiel: Jemand spielt ein Glissando auf der Posaune, der nächste antwortet ebenfalls glissandierend mit seiner Blockflöte, Sänger machten Stimmintervalle, Geiger spielten das Echo nach.

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So etwas – wie beim Kettenroman – dass die nacheinander oder miteinander aufeinander musikalisch reagierenden Instrumentalisten eine Entwicklung, Motiv, Harmonie, eine gute Melodie oder strukturiertes Zusammenspiel zum Klingen brachten, war selten der Fall. Meist erreichten diese respondierenden Klangwerke mehr ein Jux für das Publikum, das zwischen den Spielern herumgehen sollte, zuhören, so lange es interessant klang – „Wandelkonzerte“, bei denen man mehrere Spielquellen mithören konnte.

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Aber Kupkovič trieb es auf die Spitze:

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Mit einem 24-stündigen Wandelkonzert in der schönen Stadt Bonn am Rhein, ziemlich wenig im Geiste Beethovens, in verschiedenen Gebäuden und verteilten Spielorten, konnte zwar das Publikum die Wege von Klangquelle zu Klangquelle abgehen. Ein Musikgenuss, ein Musikerlebnis entstanden nicht – vielmehr ein Selbsterlebnis des Publikums.

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Und der Komponist als Kondukteur, Dirigent, Betriebsnudel, Organisationsleiter, Motivator und Kunsterzieher der überwiegend Musikhappenings für Unmusikalische, überzeugte die Mitwirkenden durch sein freundliches bzw. verschlagen-freundliches Sozialwesen – die Musiker sind extrem ehrgeizig und eitel und „Kupko“ hatte ein ganz großes Herz. Das war SUPER-HEAVY – aber wenig Musik.

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Ladislav Kupkovič hatte damit eigentlich den vorletzten theoretischen Schritt vor der GENERALPAUSE der zeitgenössische und seiner eigenen MUSIK, in einer Praxis als Komponist bzw. Autor, erreicht.

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Ein Musikerlebnis zwischen Produzent und Konsument um ein musikalisches Werk herum wurde nicht mehr geschaffen und entstand so nicht. Die Sache gefiel besonders all den gelangweilten Musikerziehern, Flötenlehrern und Musikkritikern, die ohne viel musikologisches Wissen von einem AHA-Erlebnis in die nächste INNOVATION stürzten und Alles bejubelten, was frech oder seltsam war. Nach dem Konzert gingen sie in die Kneipe, um dem tonalen „Affen den Zucker“ mit John Lennon zu geben. Lazo beobachtete das Publikum – während ihn selbst viel mehr Gesualdo und Puccini, Mozart, Bach und Beethoven begeisterten – und er empfand die wachsende Basisdistanz im zeitgenössischen Musikkonsum zu den staatlichen musikakademischen Anstrengungen. Entweder stiegen die Spezialmusikprofessoren exklusivem Historismus nach oder bugsierten als Salonpersonnage exklusive, blind-taube „NEUE MUSIK“ ins musikalische Abseits ohne Publikum.

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So lange die Dienstklassen-Redakteure bei Funk und Fernsehen, Preisvergaben und Stipendien, als exklusive Zielgruppe den Schein von zeitgenössischem Musik-Geschehen weiter vortäuschten, war das den „verkannten Aleatorikern“ egal, denn es ernährte sie alle.

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Ladislav Kupkovič sagte dann, „wie kann ich meinen schönen jungen Studenten erklären, wie das Schöne schön ist, wenn ich es gar nicht schön finde?“ – Er begann mit tonalen Sonatinen, drei -und viersätzigen Kompositionsformen, verrückten Teufelsgeiger-Petitessen (Souvenier; Marsch). Seine eigene virtuose Geiger und -Bratschenspielkunst, seine Instrumenten- und Orchestrierungskenntnisse, sein persönlicher Musikgeschmack, schlugen jetzt zu Buche.

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Ladislav Kupkovič Familie war inzwischen um zwei reizende Töchter, Ida mit der Baßgeige, Danica mit der Violine, angewachsen. So brachte er seit Anfang der 1970er Jahren und seiner Berufung als Professor für Tonsatz mit Stufen- und Funktionssystem, an der Musikhochschule Hannover, seinen Broterwerb in „trockene Tücher“. Seinem künstlerischen Freiheitsdrang folgend, ließ er auf den alljährlichen „Tagen der NEUEN MUSIK“ in der Hannoverschen Musikhochschule seine ersten tonalen Virtuosstücke aufführen. Da geigten die ersten Geiger der Stadt für die Studenten am Emmichplatz, Professor Attila Aydintan, Ronald Hoogeveen, NDR-Konzertmeister aus Hilversum, Professor Elsbeth Moser, den neuesten tonalen „Kupko“ und es war der SKANDAL für diese tonale NEUESTE MUSIK:

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Zunächst dachten die Leute wohl an Gerard Hoffnung und MUSIK-Scherze, trampelten vor Begeisterung über ein C-DUR. Als die NEUE-MUSIK-Priester doch sehr bald merkten, dass hier längst nichts Aleatorisches mehr abging, sondern tonale Formspiele und Musikliebe, traf den Verräter-Komponisten Ladislav Kupkovič Ablehnung, Verachtung und Nestbeschmutzer-Ächtung.

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Ladislav Karol Kupkovič hatte inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen, mit seiner zweiten Frau auf dem Land ein eigenes Haus gebaut und schrieb in der Neuen Sinnlichkeit: „Klatscht bei keiner Musik, die Euch nicht gefällt“.

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„Ladislav Kupkovic“ DMW240.40.79 von Dietmar Moews, Öl auf Leinwand, 130cm/110cm,imJahr1979 in Hannover gemalt

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Musik von Ladislav Kupkovič, Uraufführungen neuester Werke, Konzerte, Kammermusik, Vokalmusik, sogar Oper, Filmmusik und Sinfonien, sind seit den 1970er Jahren bis heute ständig präsent. Mit seinem Alter kann der Komponist nach wie vor Junge und Jüngere begeistern, die sowohl in Deutschland, auch im Raum Hannover, wie auch in Bratislava und anderen Städten der Slowakei die neueste Musik aufführen.

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Wer es nicht glaubt, kann das jedem Musiker bekannte „Souvenir“ anhören, wie es neben Gidon Kremer noch weitere Geigenvirtuosen spielen.

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Ladislav Kupkovič ist ein kraftvoller, dynamischer und äußerst zugreifend sozialer Typ, der Menschen bewegt und der seine ungewöhnliche Musikalität lebt und auslebt und damit auch ein bedeutender Lehrer, Anreger und Freudenspender ist.

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Der Deutschlandfunk brachte jetzt am Samstagabend, 12. März 2016, zur HULDIGUNG des Ladislav Kupkovič eine Radiosendung von Robert Nemecek:

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Bildschirmfoto vom 2016-03-12 03:58:49

Ladislav, Aufnahme von Irmhild Kupkovič

und Symphonie

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Zum 80. Geburstag des Komponisten Ladislav Kupkovič, am 17. März 2016, dem in Bratislava geborenen, mit dem Titel

>Cluster, Menuett und Klanginvasion<

Klassik-Hörer werden den Namen Ladislav Kupkovič mit dem ebenso amüsanten wie kurzweiligen Geigenstück „Souvenir“ in Verbindung bringen; denn der 1936 in Bratislava geborene Komponist imitiert darin souverän den Stil der virtuosen Geigen-Pièce à la Paganini.

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Die Anverwandlung an einen musikalischen Stil der Vergangenheit wurde indes zum Markenzeichen des Komponisten, der seit geraumer Zeit im tonalen Idiom komponiert. Dadurch ist fast in Vergessenheit geraten, dass Kupkovič in den 60er- und 70er-Jahren zu den führenden Vertretern der osteuropäischen Avantgarde zählte und eine Experimentierlust an den Tag legte, die der seiner Kollegen im Westen in nichts nachstand.

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Aus Anlass des 80. Geburtstages des Komponisten erinnert Autor Robert Nemecek vor allem an den Avantgarde-Künstler Kupkovič und sucht nach Antworten für dessen radikale Abkehr von der Neuen Musik.“

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DIETMAR MOEWS DMW 241.41.79, 215 cm / 365 cm, KUBUS Hannover 1980 Künstlergruppe Neue Sinnlichkeit

DIETMAR MOEWS DMW 241.41.79, 215 cm / 365 cm,
KUBUS Hannover 1980
Künstlergruppe
Neue Sinnlichkeit – LINKS HINTEN Ladislav, RECHTS VORNE Dietmar

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Dietmar Moews meint: Ich grüße meinen lieben Lazo und wünsche ihm und seiner Familie Glück und Gesundheit.

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Wir haben uns 1976 in einer Bilderausstellung kennengelernt. Manchen Geburtstag feierten wir gemeinsam. Unvergessen sind seine Chinesischen Kochkünste-Gastmahle mit vielen Musikern. Mit seiner Beratung schaffte ich einen kleine Flügel für meine Ballhof-Galerie an, dazu eine Bestuhlung. In meinen neugegründeten Kunstblättern NEUE SINNLICHKEIT schrieb Ladislav Kupkovič kämpferische Musik-Aufsätze, es wurden neue Faksimile-Noten gedruckt, es wurden Uraufführungen live gespielt. Lazo spielte sogar die Klavierbegleitung neuer Sonatinen zu Kazuo, dem NDR-Geiger. Es entstand eine mehrjährige intensive Konzertreihe mit fantastischen Musikern in der Ballhof-Galerie Hannover und in der NEUEN SINNLICHKEIT, und Ladislav Kupkovič hatte daran wesentlich Anteil. Oft stand das Publikum bis vor die Tür auf dem Ballhof-Platz.

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Bei dem Malerunterfangen zweier Portraits, die ich 1977 und 1979 von Ladislav Kupkovič in der Rühmkorffstraße 17, Hannover-List, während langen Gesprächen und Unterhaltungen über Musik, Kunst und neue Sinnlichkeit und die vielen reizenden Weiber, malte, verankerte sich unsere Künstlerfreundschaft. Bei der „COMPOSER’S PORTRAIT“- Schallplatte der ELECTROLA MRC-Lable erschien – aus dem ersten meiner beiden Portraits-Malereien – ein Ausschnitt zum Cover-Bild.

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Gideon Kremer und Andrej Makarewitsch als Künstler + Politik

September 27, 2014

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am Samstag, 27. September 2014

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ZUGINSFELD 41 DMW am 3. Juli 2014 in der Mainzer Straße Südstadt Köln, in Köln im Jahr2014 gemalt

ZUGINSFELD 41 DMW am 3. Juli 2014 in der Mainzer Straße Südstadt Köln, in Köln im Jahr2014 gemalt

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Zwei herausragende russische Musik-Künstler, der im Westen lebende lettische Star-Geiger Gidon Kremer sowie, davon unabhängig, der in Russland lebende Rockmusiker Andrej Makarewitsch, haben sich mit öffentlichen Erklärungen gegen die kriegerischen Aktivitäten Russlands und gegen andere Künstler, die den Krieg unterstützen, ausgesprochen.

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Makarewitsch wird zitiert: „Man kann mit Panzern keine slawische Welt aufbauen“.

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Kremer wird zitiert: „ Es hat den Anschein, als seien Manipulation, materielle und politische Interessen, Lügen und Machtspiele die „Orchestrierung“, mit der eine Partei der anderen antwortet. Und es ist bedauerlich, dass sich einige hochgeschätzte Künstler in dieses Spiel einbinden lassen. Ich kann einige meiner Kollegen nicht verstehen, die (um ihrer eigenen Bequemlichkeit willen?) diesen Stand der Dinge und die politischen Einschüchterungsversuche mittragen. Sie (wir wollen hier keine Namen nennen!) nennen das „Patriotismus“ …“

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Gidon Kremer ist mutiger als fast alle freien Musiker, die im Westen leben. Allerdings ist Kremer als Russe lettischer Herkunft, der seine Heimat im ehemaligen Sowjetsystem aufgegeben hatte, besonders aufmerksam.

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Aktuell wurde zum 18. September 2014, in Dresden, wo Kremer mit seinem Orchester „Kremerata Baltica“ gastiert bekannt gegeben worden:

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Im Hinblick auf das aktuelle Geschehen im Russland-Ukraine-Konflikt hat sich Gidon Kremer dazu entschieden, das Programm für seinen Aufritt mit der Kremerata Baltica zu ändern.. Deshalb hat der aktuelle Capell-Virtuose der Sächsischen Staatskapelle Dresden nun ein Programm zusammengestellt, das den Titel trägt: »Gidon Kremer – Mein Russland«. Dieses Programm erlebt in der Semperoper seine Premiere.“
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Gidon Kremer sagte: »Die aktuelle politische Situation in Russland und der Ukraine beunruhigt mich sehr. Deshalb war es mir ein besonderes Anliegen, dieses Programm zusammenzustellen, das meine große Verbundenheit mit der russischen Kultur und Musik zum Ausdruck bringt, deren Werte ich im heutigen Russland mehr als gefährdet sehe.« (Gidon Kremer)
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Angesichts der dramatischen Ereignisse, die sich derzeit in Russland und der Ukraine abspielen, kann ich nicht gleichgültig bleiben; sie erinnern sehr stark an die Situation in Europa kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Mit dieser Änderung will ich mich nicht als Politiker in Szene setzen; ich folge vielmehr meinem Auftrag als Künstler und als Musiker, meinen Gefühlen und meiner persönlichen Einstellung mit musikalischen Mitteln Ausdruck zu geben. Ich weiß nicht, was von beidem schlimmer ist – der Machthunger der Politiker oder die Tatsache, dass die Mehrheit der Angehörigen einer Nation (wie es heute in Russland der Fall ist) von den staatlich gelenkten Medien ihres Landes manipuliert und einer regelrechten Gehirnwäsche unterzogen werden?(…)
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Für das neue Programm habe ich Werke aus der Feder führender russischer Komponistinnen und Komponisten unserer Tage ausgewählt, Sofia Gubaidulina, Leonid Desyatnikow und Alexander Raskato (…) All diese Werke gehören zu dem, was ich als „mein“ Russland bezeichne, dessen kulturelle Traditionen auf dem Gebiet der Literatur, der darstellenden Kunst, des Theaters und des Kinos mir seit der Zeit, als ich bei dem großen David Oistrach an der Moskauer Musikhochschule studierte, besonders am Herzen liegen (…).

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In diesen Tagen erleben wir die lauten Parolen und das Getöse der Politik, die mich abstoßen. Es hat den Anschein, als seien Manipulation, materielle und politische Interessen, Lügen und Machtspiele die „Orchestrierung“, mit der eine Partei der anderen antwortet. Und es ist bedauerlich, dass sich einige hochgeschätzte Künstler in dieses Spiel einbinden lassen. Ich kann einige meiner Kollegen nicht verstehen, die (um ihrer eigenen Bequemlichkeit willen?) diesen Stand der Dinge und die politischen Einschüchterungsversuche mittragen. Sie (wir wollen hier keine Namen nennen!) nennen das „Patriotismus“. Sie haben natürlich das Recht, ihre eigene persönliche Wahl zu treffen – doch sollte es für sie als Künstler nicht Pflicht sein, für die Wahrheit einzustehen und positive Energien zu vermitteln und zu stärken?

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Mit dem russischen „Popstar“ Andrej Makarewitsch, der laut Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. September 2014, einer der beliebtesten russischen Rockmusiker ist, ist der Protest gefährlich und erheblich schwieriger zu kommunizieren.

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Makarewitsch Band, seit 45 Jahren „Zeitmaschine“, wurde gestoppt. Die aktuellen Konzerte wurden einfach abgesagt, während die Eintrittskarten angeblich „nicht nachgefragt worden seien“. Organisatorische Probleme überall, in Petersburg, Krasnojarsk, Kasan, Samara, Tomsk, Nowosibirsk und Saratow: „Mit der politischen Haltung des Sängers habe die Entscheidung, seine Konzerte ausfallen zu lassen, überhaupt nichts zu tun.

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Allerdings, erklärte der Konzertveranstalter laut FAZ: „Wir liegen nicht auf einer Wellenlänge“, und sagte den Auftritt in Kirow ab. „Er habe einfach eine andere Position als der Sänger.“

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Makarewitsch hatte an Vladimir Putin geschrieben. Er bat Putin, die Hetzjagd zu beenden, „man nennt mich einen Freund der Junta, Handlanger der Faschisten, Verräter, dabei sei doch sein einziges Verbrechen gewesen, in Swjatogorsk vor den Kindern von Flüchtlingen aus Donezk und Luhansk drei Lieder gesungen zu haben. Die Gruppe „Zeitmaschine“ habe in all den Jahren Millionen Anhänger in Russland und im Ausland gefunden .. wenn man uns eines nicht vorwerfen kann – dann, dass wir Russland nicht lieben.“

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Putins Sprecher kommentierte den Brief abschätzig. Man könne das, “was als Hetzjagd bezeichnet wird, auch als Reaktion der öffentlichen Meinung bezeichnen“, der Präsident habe damit übrigens nichts zu tun.“

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Auf einer neuen Platte von Zeitmaschine singt Makarewitsch: „Mein Land hat den Verstand verloren …mein Land ist in den Krieg gezogen, und ich habe es nicht aufhalten können“. Es sei nun an der Zeit, sich zu entscheiden. Wer sich entscheide, „ keine Scheiße zu sein“.

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Dietmar Moews meint: Ob Gidon Kremer Andrej Makarewitsch kennt und ob beide miteinander einverstanden sind, ist unwichtig. Es hindert nicht, zum Kriegsgeschehen Stellung zu beziehen. Es hindert nicht nur nicht, es verpflichtet jeden prominenten Künstler zur Stellungnahme.

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Gidon Kremer hat seine Prominenz im freien Westen und darf seine Werthaltung publizieren – wenngleich die Medien den Appell „Mein Russland“, von Dresden beinahe totschweigen. Denn Kremer kritisiert nicht nur die Putin-Opponisten in Moskau, sondern durchaus den aufkommenden Militarismus insgesamt.

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Makarewitsch muss weitere persönliche Schwierigkeiten und Sanktionen erwarten:

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Abgeordnete wünschen Makarewitsch öffentlich die Pest an den Hals und wollen ihm die Auszeichnungen (höchste Künstlerorden des Landes) am liebsten aberkennen. Das Staatsfernsehen macht ihn zur Hauptperson einer Sendung über Landesverräter. Auf einer langen schwarzen Liste von Künstlern, Oppositionellen und Journalisten, die im Konflikt mit der Ukraine die Interessen Russlands verraten haben sollen, steht Makarewitsch auf dem ersten Platz – noch vor Aleksej Nawalny, dem bekanntesten Oppositionellen des Landes. Auf Platz acht findet sich der Name von Jurij Schewtschuk, dem anderen russischen Kultrocker.

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Ich sehe nicht, dass wir in Köln „Künstler für den Frieden“ oder „Künstler gegen Krieggeschäfte“ zur öffentlichen Artikulation wahrnehmen könnten.

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Meine Ausstellung „ZUGINSFELD“ – zur Ächtung des Krieges und der Gesellschaft, die den Krieg hervorbringt – war auf sehr viel Sympathie und Zustimmung gestoßen, d. h. ohne jegliche praktische Resonanz.

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Sotschi Winter-Olympia 2014 Lichtgeschwindigkeit 4111, Dietmar Moews, am 7. Februar 2014

Februar 7, 2014
Dietmar Moews, Köln, 7. Februar 2014

Dietmar Moews, Köln, 7. Februar 2014

Heute werden die Winterspiele im russischen Badeort am Schwarzen Meer, Sotschi 2014 (vom 7. – 23. Februar) eröffnet.

Sicherheit in Sotschi 2014

Sicherheit in Sotschi 2014

Die russische Meistersängerin Anna Netrebko singt elektrisch vor der Weltöffentlichkeit zur Eröffnungsfeier für Sotschi 2014

Der Kreml-Chef Wladimir Putin versucht eine zivilisierte Lebenswirklichkeit zu inszenieren. Putins Staatsführung in Russland und für die GUS belastet allerdings Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit unter Misshandlungen, Bedrohungen und Ermordungen, von Journalisten, Künstlern und Kritikern. Putins Gesellschaft wird nicht durch rechtsstaatliche Praktiken gesteuert, sondern mit Willkür, Angst und Schrecken.
“Aus Liebe zu Russland” nannte Gidon Kremer ein Gedenk- und Solidaritätskonzert in Berlin: Zum siebenten Todestag der Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja (1958-2006).

Gidon Kremer, Daniel Barenboim, Martha Argerich, Sergei Nakariakov, Elsbeth Moser, the orchestra „Kremerata Baltica“und andere im Solidaritätskonzert in Berlin Philharmonic, Chamber Music Hall, ferner NICOLAS ALTSTAEDT, KHATIA BUNIATISHVILI, GIYA KANCHELI, SERGEI NAKARYAKOV, EMANUEL PAHUD and SHCHEDRYK CHILDREN’S CHOIR

The program

Poem reading
Herta Müller, laureate of the Nobel Prize for Literature

Mieczyslaw Weinberg
Sinfonietta number 2, Op. 74 , Part 3: Adagio
Orchestra „Kremerata Baltica“

Johann Sebastian Bach
Suite for cello solo number 2 in D Minor BWV 1008 Part 2: Allemande
Nicholas Altshtedt

Sofia Gubaidulina
„Seven Last Words of Christ, not the Cross“ for cello, accordion and strings, Part 3: „… Verily I say unto thee, To day shalt thou be with Me in Paradise“
Nicholas Altshtedt , Elsbeth Moser , the orchestra “ Kremerata Baltica“

Arvo Pärt
„Estonian Lullaby“ for choir and string orchestra
Children’s Choir „Shchedrik“ orchestra „Kremerata Baltica“ , Nikoloz Rachveli (conductor)

Mikhail Khodorkovsky
Excerpts from the closing speech at Moscow’s Khamovnichesky District Court (November 2, 2010)
Sebastian Koch, actor

Giya Kancheli
„Angels of sorrow“ — dedicated to the 50th anniversary of Mikhail Khodorkovsky
Gidon Kremer, Giedre Dirvanauskayte, a children’s choir „Shchedrik“ orchestra „Kremerata Baltica“, Nikoloz Rachveli (conductor)

Sergei Rachmaninoff , Fritz Kreisler
«Prayer» for violin and piano

Anna Politkovskaya
So what have I done that makes me so vile?
Martina Gedeck, actress

Sergei Prokofiev
Piano Sonata № 7, Op. 83, Part 3: Precipitato
Khatia Buniatishvili

Pyotr Tchaikovsky
Lensky’s aria from the opera „Eugene Onegin“ (a variation of Guy Braunstein for Flute and Piano)
Emmanuel Pahud, Khatia Buniatishvili

Dmitri Shostakovich
Concerto for Piano and String Orchestra number 1, op.35 (the soloist trumpet), Part 4: Allegro con brio
Martha Argerich, Sergei Nakariakov, the orchestra „Kremerata Baltica“

Leonid Desjatnikov
Music from the film „Target“, Part 1: Vivaldi, January, Part 3: Changes, Part 5: Foxtrot

Doping

Sport ist Mord