Michael Wolfssohn Integration in der freien Sozialdemokratie

September 15, 2018

Lichtgeschwindigkeit 8505

am Sonntag, 16. September 2018

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Ein Bekannter, hier in Köln, meinte zu mir (er meinte mich), ein Deutscher solle einfach zum Thema Israel, Juden, Zionismus und diesen Gedanken- und Wertkreisen schweigen.

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Als Soziologe, dem Soziologen Alphons Silbermann wichtige Impulse verdankend, Silbermann, der als Naziverfolgter, deutsch-preußisch, kölnischer Jude, die Teufeleien des Holocaust erleben musste und durch unglaubliche jahrelange Fluchtzwänge über Niederlande, Paris, Barcelona, schließlich in Sídney, Australien, nach abenteuerlichen Schiffsreisen „illegalen“ Einreisestatus erlangte, begann dort mit Fritteuse und Bouletten. Irgendwann war er als Nachfolger von Vilfredo Pareto Soziologieprofessor in Lausanne, Schweiz, dann Soziologieprofessor in seiner Heimatstadt Köln und nebenbei Nachfolger von Emile Durkheim in Bordeaux – noch Fragen?

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Okee Dokee: Silbermann schrieb (als der einschlägige deutsche Antisemitismus-Empiriker und Holocaust-Sozialforscher) – was den Nazis nicht volkommen gelungen war, die Ausrottung der deutschen Juden, das vollendet die Politik des Zentralrates der Juden in Deutschland, noch mit Bemittelung von Bundesrepublik Deutschland.

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So soll ich hierzu schweigen? – weil jemand, der die Antisemitismusforschung des Naziverfolgten Silbermann, dessen gesamte Familie – außer seine Eltern, die er ebenfalls nach dem rettenden Australien lancieren konnte – ignoriert und noch meint, er müsse die wissenschaftlichen Publikationen des empirischen Judentums-Soziologen nicht kennen … so möchte ich doch herausfordernd einwenden:

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Über was streiten wir denn eigentlich? – geht es nicht um die Ächtung des Unmenschlichen? – hat nicht Alphons Silbermann als verfolgter Kölner Jude das Recht, für sein verlorenes deutsches Judentum zu streiten?

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Nun hat – SCHNITT und PERSPEKTIVWECHSEL – der deutsche jüdische Historiker Michael Wolffsohn über Integration im Deutschlandfunk publiziert:

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Wolffsohn fragte:

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„Was hält eine Gesellschaft zusammen?

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Und auch BILD.de brachte kürzlich MICHAEL WOLFFSOHN zum Integrationsthema:

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„…Ob Köthen, Chemnitz, Freiburg, Kandel oder Fußball-WM – das Eis ist dünn. Das Eis erfolgreicher Integration. Wir sollten innehalten und grundsätzlich nachdenken. Vor dem, im wörtlichen Sinne, Fall Özils und der Fußball-WM galt „Die Mannschaft“ als das Beispiel schlechthin für gelungene Integration.

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Vor zwei Jahren hatte Alexander Gauland die schwarze Haut unseres damaligen deutschen Star-Verteidigers Jerome Boateng in ein rassenpolitisches Skandalon verwandelt. Zurecht wehte ihm ein Tornado der Entrüstung entgegen. Nein, hieß es, gerade „Die Mannschaft“, der Fußball und der Sport an sich würden beweisen, dass und wie gut Integration gelingen könne. Vorhang zu.

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Der Vorhang öffnete sich nun wieder. Die Akteure waren, und jeder weiß es, der Ausdruck sei erlaubt, zwei „weiße“ Deutschtürken und ein „weißer“ türkischer Politiker, an dessen Namen sich der eine oder andere, wenngleich etwas widerwillig, erinnert. Diesmal war „Rassismus“ ein „innerweißes“ Problem. Rassismus ohne Rassen, sprich: absurdes Theater. So „präzise“ verlaufen öffentliche Debatten. Mehr Bauch als Hirn.

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Daraus lernen wir leicht, dass Integration nicht nur ein Schwarz-weiß- oder Christen-Muslime-Juden Problem ist.

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Vielmehr ist das die Kernfrage: Wer gehört zum WIR? Die Antwort hängt sowohl vom beantwortenden Subjekt als auch vom beobachteten Objekt ab.

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Wir lernen noch etwas: Integration kann auf der Kleingruppen- bzw. Mikroebene durchaus erfolgreich, weniger jedoch auf der nationalen oder internationalen Makroebene gesteuert werden. Wer kann vorhersagen, dass, wann oder wie es etwa in der Islamischen Welt, mit der Westeuropa bevölkerungspolitisch (demografisch) zunehmend verflochten ist, „knallt“ und die „Knalleffekte“ auch uns erreichen? Selbst nationale Kontroversen, die Teilgruppen zurecht oder nicht provozieren, sind eher selten kalkulierbar.

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Konkret auf Deutschland und das deutsche Wir bezogen lautet Frage 1:

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Zählt sich Herr oder Frau X – weiß oder schwarz, Muslim oder nicht oder Herr Özil – zum deutschen Wir?

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Und Frage 2:

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Zählt Herr oder Frau Müller Herrn Özil oder XYZ zum deutschen Wir?

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Die einfache oder doppelte Staatsbürgerschaft, also objektive Kriterien, sind dabei offenkundig weniger entscheidend als subjektive.

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Was also macht aus den vielen Ichs einer Gesellschaft ein Wir?

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Gemeinsame Werte, antworten die meisten, und sie reden es uns tagaus, tagein, tags und nachts ein – meistens ohne die Werte zu konkretisieren. Ein Ex-Bundesminister hat es mit einer Definition unserer „Leitkultur“ versucht – und war damit kläglich gescheitert, ja, er machte sich geradezu lächerlich.

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Meine These: Nichts hält eine vielschichtige Gesellschaft zusammen. Je vielfältiger, desto schwächer der Zusammenhalt. Wo und weil nichts eine vielschichtige – sprich: aus zahllosen Teilgesellschaften bestehende – Gesamtgesellschaft zusammenhält, kann nichts durch das Nichts (ohne steuernde Ein- und Zugriffe von außen) zusammenwachsen. Man muss die verschiedenen Teile der Gesellschaft zusammenschweißen. Das ist möglich, funktioniert besser als Phrasendrescherei über Werte, die eben (leider oder gottlob) von A anders als von B bis XYZ gesehen und angenommen werden.

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Nicht Werte (ver)binden eine Gesellschaft, sondern die Einheit dieser Dreiheit:

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Motivation durch Aktivierung des jeweiligen Eigen- oder Gruppeninteresses

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Funktion und

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Regeln bzw. Regelwerke.

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Die Anwendung dieser Mittel („Instrumente“) verwandelt nationale Gesellschaften, die Staatenwelt oder auch nur (Sport-)Mannschaften nicht in Friedensparadiese, aber sie ermöglichen ein friedliches Neben- und vor allem funktionierendes Miteinander.

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Die einführenden Gedanken seien erläutert:

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Jede Gesellschaft, nicht nur unsere, ist atomisiert und vielfach in und zwischen den Einzelteilen zerstritten: ethnisch, sprachlich, religiös, ideologisch, politisch, kulturell, ökonomisch, ökologisch, genderpolitisch usw.

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Was verbindet die Teilgesellschaften? Nichts oder fast nichts. Jeder Zusammenhalt ist daher künstlich bzw. manipulativ. Er funktioniert individuell ebenso wie kollektiv empirisch nur im Sinne der Abgrenzung zu anderen und zum anderen.

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Klassisch ist das Experiment „Eisenbahnabteil“ von Elisabeth Noelle-Neumann: Jeder Neuankömmling, der das nur zum Teil besetzte Abteil betritt, wird zunächst als fremd empfunden – bis der nächste Fremde eintritt; egal, ob weiß, schwarz, gelb, Christ, Moslem Jude oder, oder, oder. Nicht jede Abgrenzung ist also „Rassismus“.

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Klarer und zugleich brutal verdeutlicht uns das Regelwerk der Abgrenzung die „Territorialität“ in der Tierwelt: Hirsche und andere Säugetiere pflegen ihr Territorium, ihren Platz (meist durch Exkremente oder Urin) anderen Art- bzw. Rassengenossen gegenüber zu markieren. Betritt ein fremder Artgenosse das Territorium des Platzhirschen und meldet seinen Anspruch hierauf an, kommt es zum Kampf. Einer muss das Feld räumen. (Ein Glück, dass sich andere Säuger als die Menschen nicht als „Rassisten“ beschimpfen können.)

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Wir springen vom Platzhirschen zu einem anderen Säuge„tier“, zum Menschen. Um das zwischenmenschliche Gewaltpotential von vornherein zu verringern oder, besser, am Ausbrechen zu verhindern, hat der Homo (nicht immer) Sapiens im Laufe der Zeit sehr mühsam, langsam und alles andere als vollkommen wirksam ein Regelwerk entwickelt: die „Zivilisation“.

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Zivilisation“ sei verstanden als Schutz des Menschen vor dem Menschen. Sie ermöglicht, trotz der individuell und kollektiv ebenso erwünschten wie notwendigen Abgrenzung, das Neben- und teils Miteinander der Menschen. Damit sich die Menschen nicht ineinander verbeißen, werden sie miteinander verzahnt. Wie Zahnräder. Dann nämlich „funktioniert“ das Räderwerk von Maschinen ebenso wie von Gesellschaften; in und zwischen Gesellschaften sowie in und zwischen Teilgesellschaften, auch zwischen Staaten.

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Das Modell „Räderwerk“ war nach dem Zweiten Weltkrieg auch der Grundgedanke der Europäischen Integration: Damit sich vor allem die „Erzfeinde“ Deutschland und Frankreich nicht erneut ineinander verbeißen und den Kontinent wieder in den Abgrund treiben, verzahnten die Gründer der Europäischen INTEGRATION ab 1950 mit der „Europäischen Gemeinschaft für Kohle, Eisen und Stahl“ (Montanunion, dann EWG, EG, EU) die beiden sowie andere europäische Volkswirtschaften miteinander.

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Durch das Verzahnen jener drei Basisstoffe für Kriege wurden die potentiellen Konfliktakteure strukturell unfähig gegeneinander Krieg zu führen. Wenn denn ein Krieg „notwendig“ werden sollte, ginge es nur miteinander und nicht mehr gegeneinander.

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Das war menschheitsgeschichtlich eine, vielleicht sogar „die“ unblutige Revolution schlechthin im mitmenschlichen Neben- und Miteinander. Deutschland und Frankreich sowie anderen Europäern wurden keine Werte gepredigt. Es obsiegte die Funktion. Sie „funktioniert“ (trotz bekannter Defizite) so gut, dass kein ernst zu nehmender Deutscher, Franzose oder anderer EU-Europäer (auch kein Brexit-Brite) heute die Motivation für einen Krieg zwischen EU-Staaten verspürt.

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Zivilisation – Funktion – Interesse – Motivation – Integration. Warum ist dieses funktionale Regelwerk integrativ so wirksam? Weil es sich sowohl am individuellen als auch kollektiven Überlebensinteresse orientiert.

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Das Regelwerk der Zivilisation erfüllt demnach eine zentrale Funktion für jegliche Integration.

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Jeder funktionale Teilbereich menschlicher Gruppierungen – Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – gibt sich im Rahmen des großen Ganzen seine eigenen Regeln. National ebenso wie international. Ganz grundsätzlich in jeder Gruppe von Menschen, großen wie kleinen.

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Ohne das ständige Eintrichtern von wie auch immer verstandenen Werten funktioniert auch das Regelwerk des Straßenverkehrs aus individuellem und kollektivem Überlebensinteresse. Die Motivation, unversehrt wieder heimzufahren, ermöglicht (meistens) das Einhalten der Regeln.

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Die erfreulichsten Regelanwendungen erleben wir in jedem Mannschaftssport. Dass dabei König Fußball die Welt regiert, ist bekannt. Fußball, weltweit und milliardenfach Mannschaftssport Nummer eins, erfüllt daher als lustvoll angewandtes Regelwerk eine bedeutsame Funktion als Motor der Integration. Wer dem organisierten deutschen Fußball, gar der Deutschen Fußball Liga (DFL) oder deren Stiftung „Rassismus“ vorwirft, kennt weder deren Personal noch Umfang oder Intensität ihrer höchst erfolgreichen und engagierten Arbeit.

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Nur als Mannschaft kann ein Team gewinnen. Nur, wenn die einzelnen Räder der „Maschine“ ineinandergreifen. So gesehen kann das beste ebenso wie das schlechteste, aber für die Maschine zu große oder kleine, jedenfalls unpassende Einzelrad das ganze Räderwerk zum Stillstand bringen.

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Gut gemeint, doch ganz und gar kontraproduktiv für die Motivation (Interesse) zur Integration durch Funktion sind Gruppierungen oder (Ghetto-)Vereine, wo nur Türken, Serben, Kroaten, Griechen, Muslime, Juden oder andere untereinander bleiben. Trennung bzw. Segregation ist der Feind jeder Integration. Wer diese will, muss jene verhindern. Das gilt ganz allgemein, z.B. auch für jegliche Stadtraum- und Wohnungs- und Vermietungspolitik.

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Aus eigener Erfahrung verweise ich auf die Berliner Wohnanlage Gartenstadt Atlantic, die durch gezielte Mischung der ethnischen, kulturellen und religiösen Teilgesellschaften in den einzelnen Häusern entghettoisiert wurde.

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Die Motivation des Einzelnen, sich als Teil des Ganzen zu verstehen, kann (muss?) man durch Symbole verstärken. Die Nationalhymne erfüllt dabei eine alles andere als unwichtige Funktion. Selbst der blutrünstige Text der französischen Hymne. Hoch lebe unsere friedliche.

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Wie gelingt die Motivation zur Integration durch Funktion?

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Nicht durch Moralpredigten, sondern durch Appelle ans Eigen- oder Gruppen- oder Mannschaftsinteresse, denn: das Denken, Wollen und Handeln des Menschen ist interessenorientiert.

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Moral ist „moralisch“, sympathisch und erstrebenswert, aber leider unwirksam. Ist die Verwirklichung des individuellen und kollektiven Überlebensinteresses unmoralisch?

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Dietmar Moews meint: Ich kann an den Darlegungen des Professor Wolffsohn sehen, dass er systematisch arbeitet – in so fern wissenschaftliche Ansprüche erfüllt – . Dass Wolffsohn nach eigener Definition deutscher Jude oder jüdischer Deutscher ist, ist seiner wissenschaftlichen Handlungsweise nicht anzumerken – es sei denn, dass Wolffsohn über das traumatisierende Forschungsfeld der Judenverfolgungsgeschichte sowie den Holocaust und die Auschwitz-politischen Welterfahrungen kennt. Was seine Kompetenz hierzu zu forschen entgegenkommt und prägt.

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Ich würde niemals Elisabeth Noelle-Neumann zitieren, wie es Wolffsohn oben machte – nun ja – die Altnazi Noelle, die nach wie vor bei BILD und besonders bei der FAZ prolongiert wird.

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Aber, dass Wolffsohn zwischen Auschwitz, Antisemitismus, Zionismus, Israel und Netanjahu-Politik unterscheidet, ist zunächst nur die Bemühung, den Problemkomplex „Judentum, Volkstum, Rasse, Staatspolitik“ einzuordnen und dann differenziert zu erfassen und zu analysieren.

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Und auch bei dem Autor Wolffsohn finde ich – ebensowenig wie bei dem Autor Silbermann –  es nicht akzeptabel, dessen Schriften zum Thema zu ignorieren, aber zu verlangen, man solle als deutscher Nichtjude, doch über Judentum schweigen.

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Dr. Dietmar Moews ist zudem der Meinung, dass die Verpflichtung der Deutschen, der eigenen kollektiven Schuld entsprechen zu wollen, durchaus dazu zwingt, zwischen einem Volk Israel in Palästina und dem Massaker-Israel der Israelischen Orthodoxie zu unterscheiden. Wer die deutsche Schuld anerkennen möchte, schuldet den Juden in Israel Solidarität. Nicht indes denjenigen, die durch Zäune auf unbewaffnete Kinder schießen.

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*Der Historiker und Publizist Professor Dr. Michael Wolffsohn ist Hochschullehrer des Jahres 2017. Die hier veröffentlichten Gedanken trug er kürzlich dem Kuratorium der DFL (Deutsche Fußball Liga) – Stiftung vor.

Die aktuelle Buchempfehlung unseres Autors zum Thema: Ahmad Mansour, Klartext zur Integration, Gegen falsche Toleranz und Panikmache, Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2018

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Horst Ehmke 1927 – 2017 Kurznachruf

März 13, 2017

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von Montag, 13. März 2017

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Der deutsche SPD-Politiker Horst Paul August Ehmke, geboren am 4. Februar 1927 in Danzig, ist 90-jährig, am 12. März 2017 in Bonn gestorben. Sein Tod folgte – so weit bekannt – nach altersbedingter Hinfälligkeit zuletzt in einem Bonner Krankenhaus.

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Ehmke war noch 1944 Mitglied der NSDAP und wurde seit 1947 – bereits als 20-jähriger Schüler und alsbald als Student – als SPD-Mitglied registriert. Seine gesamte berufliche Linie war auf SPD-Beziehungen ausgerichtet, ohne einen Weg durch die SPD-Ochsentour von unteren Lokalpolitik-Gliederungen über Landes- und Bundespolitik und Gewerkschaftsbund und Evangelische Kirche. Ehmke begann bereits als Jura-Student seine Partei-Hochschulkarriere, einschließlich Promotion und schließlich Professur als Staatsrechtslehrer.

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Horst Ehmke gehörte zum (nordostdeutschen) SPD-Genossenkreis, der mit Willy Brandt, Günter Grass und anderen, die SPD in die Bundesregierung und, im Jahr 1969 Willy Brandt, zur Kanzlerschaft brachte.

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Ehmke war 1969 Bundesminister der Justiz, von 1969 bis 1972 Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes (Kanzleramtsminister) sowie von 1972 bis 1974 Bundesminister für Forschung und Technologie und Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen.

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Horst Ehmke gehört zu den deutschen Geburtsjahrgängen, deren gesamtes Leben von Nazipolitik und Krieg geprägt worden ist. Ehmke wurde als 16-Jähriger, im Kriegsjahr 1943, Luftwaffenhelfer, kam nach dem Notabitur 1944 zu einer Fallschirmjägereinheit der Wehrmacht. Als 18-Jähriger wurde er verwundet und geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft.

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Noch 1945 entlassen, legte Ehmke 1946 das Abitur in Flensburg ab. Er studierte Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Göttingen sowie von 1949 bis 1950 Politikwissenschaft und Geschichte in Princeton (USA). Sein Studium beendete Ehmke 1951 mit dem ersten und das Referendariat 1956 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen. 1952 ermöglichte mannach knapp drei Jahren Studium, schon nach dem ersten Staatsexamen, seine Promotion zum Dr. jur.

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Von 1952 bis 1956 war er wissenschaftlicher Assistent des Bundestagsabgeordneten Adolf Arnd (SPD). Danach war er bis 1960 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Ford Foundation in Köln und Berkeley (USA). Nach seiner Habilitation 1960 wurde er 1961 zum außerordentlichen Professor an der Universität Freiburg im Breisgau ernannt. Ab 1963 war er ordentlicher Professor und Inhaber des Lehrstuhls für öffentliches Recht an dieser Universität. Seit 1974 war er als Rechtsanwalt zugelassen.

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Ehmke widmete sich nach seinem Ausstieg aus der aktiven Politik dem Schreiben von Kriminalromanen, die im politischen Umfeld spielen (Politikthriller).

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Ehmke schied nach der Guillaume-Spionage-Affäre, im Jahr 1974, aus Regierungsämtern aus. Mit dem 12. Deutschen Bundestag, bis 1994, war Horst Ehmke SPD-Bundestagsabgeordneter (MdB).

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Horst Ehmke zählt neben Willy Brandt, Egon Bahr, Günter Gaus und Günter Grass – der Generation der „Vor-1968er“ – zum engsten Akteurskreis der sogenannten neuen deutschen Ostpolitik an.

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Unvergesslich bleibt Horst Ehmke als freundlich-witziger, der Ironie fähiger Parteipolitiker, fallweise eiskalter Frechheit, womit er in der deutschen Nachkriegsszenerie ohne Vorbild und ohne Nachkommen war. Die meist als Berufs-Geheimwissen nicht bekannten Grauzonen im weltpolitischen Geschäft band Horst Ehmke als späterer Krimi-Autor an „fiktive“ Handlungen seiner Unterhaltungsschriftsstellerei an – was ebenfalls für seine herausragende Lebhaftigkeit und Intelligenz und auch so von seiner lebenslangen Gemeinwesenorientierung zeugt. Gewissermaßen ein Nachfolger des, von Thomas Mann bewunderten und beneideten Jakob Wassermann (Ehmke bei EICHBORN-Verlag!).

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Schoki-Test mit GMEINER Confiserie „König“ VOLLMILCHSCHOKOLADE NACH HAUSREZEPTEN ORANGE mit 37 % KAKAO

Juli 12, 2015
Lichtgeschwindigkeit 5734

vom Sonntag, 12. Juli 2015

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Dietmar Moews meint:     

„Ah, but I was so much older then

                                               I’m younger than that now“

                                                                               („My Back Pages“, Bob Dylan)

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Ich probierte eine badische Milchschokolade, mit leichtem Orangenschale-Geschmack, hergestellt von dem Hersteller GMEINER Confiserie D-77767 Appenweiler als Marke von CAFÉ KÖNIG Baden-Baden.

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Kurz vorab: Diese Schokolade wirkt kultiviert, nicht hochstaplerisch, auch bei Hochsommertemperatur frisch (haltbar bis 11.10. 2015). Milchschokolade + Orange ist meine Leidenschaft – aber diese nicht.

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Diese Sorte von GMEINER ist angeblich handgemacht. Der Hersteller wird bei Georg Bernardini in seinem Schokoladen-Almanach „Der Schokoladentester“ nicht vorgestellt. Auf Anfrage erklärte das Verkaufspersonal in Baden-Baden die KÖNIG ORANGE sei bei Gmeiner „Bean to Bar“ hergestellt. Das ist aus Sicht des Testers nicht an der Qualität erkennbar.

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Für mich als Schokoladen-Liebhaber ist eine Schokolade, die nicht dunkel ist und nicht Zartbitter heißt, wie diese 37% Kakao-Milchschokale, eigentlich das Schönste. Die 100 g Tafel ist massiv und eher fein.

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Das Ganze schmeckt eher zu süß, nach Vanille und Glukosesirup, der Schmelz ist zwar nicht billig – passend süß, ein wenig fett, an den Fingern und im Mund nicht klebend. Die angeblichen Orangenschalen machen die schöne Aromaidee – eigentlich wäre weniger Vanille zumindest dem Textaufdruck entsprechender.

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Das Abbrechen der vorgestanzten 10 mal 3 Stückchen Abbruchstreifen und das Knacken klingt solide. Auch bei Hochsommerhitze weicht die Schoko-Leckerei nicht aus der Form. Zwischen warmen Fingern klebt sie leicht.

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Insgesamt ist diese KÖNIG ORANGE zwar in der Schokoladentafel eine kompakte homogene Masse, wirkt jedoch anders als Schokolade erwartet wird, leicht und substanzlos, als sei die Schokoladenmasse in der Herstellungsmethode „gestreckt“ worden.

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Das Beißen, Kauen, Lutschen der Schokolade im Mund ist überwiegend süß, aber fein. Man möchte mengenmäßig nicht viel mehr davon als der Probier-Test verlangt. Auch wenn hier die individuelle Meinung des Testers den Ausschlag gibt, dürfte die Bezeichnung „substanzarm“ nachvollziehbar sein.

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Besuch der LichtentalerAllee, des BURDA-Museums und Café König in Baden-Baden

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Für diese Milch-Schokolade sind der Kaufpreis von 4.50 Euro für 100 Gramm, zu hoch, Aufmachung und Verpackung als „Café König“ sind passend und angenehm gepflegt. Es kommt als Qualitäts-Chocolat daher – die Schokolade ist innen in Zellophan eingeschweißt, dazu eine weiße, dunkelbraun beschriftete Rückenpappe. Eine äußere Zellophan-Umhüllung ist schön und sorgfältig verarbeitet. Dazu wird das Ganze mit einer quadratisch erscheinenden weißßgrundigen „Papier-Bauchbinde“ aufgemacht, in leicht rosa-bräunlicher und lindgrünen Aufdruck-Farbtönen, mit kleinen Rocaillen umrandet und mit gut lesbaren Bezeichnungen „König“ in Schreibschrift und „ORANGE“ als Versalien versehen.

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König“ hat mit der Aufmachung der VOLLMILCHSCHOKOLADE ORANGE einen Wert signalisiert, dem der LUXUS-ORT Baden-Baden ansteht. Der schokoladige Inhalt wird aufgrund der qualitativen Belanglosigkeit kaum über die Laufkundschaft hinausexpandieren.

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GMEINER / KÖNIG teilt folgende Zutaten auf der Rückseite der äußeren Pappe in deutscher Sprache mit:

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Orange – Vollmilchschokolade mit hauskandierten Orangen (5%) und Kakao: 37 % mindestens.

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ZUTATEN: Zucker, Kakaobutter, Vollmilchpulver, Kakaobohnen, hauskandierte Orangen (Zucker, Glukosesirup, Orangenschalen), Emulgator: Sojalecithine, natürliches Orangenaroma, natürlicher Vanillienextrakt.

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Eine heute oft mitgelieferte Nährwert-Tabelle wird nicht aufgeboten. Aber die Angaben in winziger Schriftgröße, die keine Mensch ohnen Sehhilfe ablesen kann, sind ohnehin nicht für das Test- und Genuss-Erlebnis entscheidend.

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http://www.chokolatier.de

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GMEINER firmiert mit Appenweiler, Offenburg, Oberkirch, Freiburg, Stuttgart, Tokio, Frankfurt als BLEIBENDE WERTE und VERARBEITUNG REGIONALER ROHSTOFFE BESTER QUALITÄT … (soll man sich hier Kakaobohnen und Orangen aus dem Schwarzwald vorstellen?!!)

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PURER UNVERFÄLSCHTER EIGENGESCHMACK, HANDGEGOSSENE FRISCHE SCHOKOLADEN OHNE KÜNSTLICHE AROMEN, TRADITIONELLE REZEPTUREN, KLASSISCHE HANDARBEIT SEIT ÜBER 100 JAHREN… Gambero Rosso betitelte uns als eines der besten Schokoladenfachgeschäfte Europas. Wir wurden vom Auswärtigen Amt in die Liste der schönsten Manufakturen des Landes aufgenommen.“

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EMPFEHLUNG: Von hier aus ist „Leider keine Empfehlung möglich“. Insgesamt: Das korrekte Produkt ist Geschmackssache – aber ziemlich teuer.

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