FAZ Nebel über Wowereits Likör

August 27, 2014

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am Mittwoch, 27. August 2014

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Wowereit ist als einer der führenden deutschen Politiker der vergangenen zwanzig Jahre natürlich beachtlich. Seine Rücktrittsankündiging von gestern hat auch als Aktualitäts-Gegenstand die notwendige Aufladung dafür, die weiteren und engeren politischen Fragen anzusprechen.

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Wichtige Personen und besondere Ereignisse sind immer gleichzeitig dazu geeignet, über Politik zu informieren und die immer vom allgemeinen Trallala übertönten situativen, sozio-szenarischen Bedingungen zu erklären.

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Es gibt eben nichts in der Welt, was ohne Kenntnisse und ohne kritische Urteilskraft verständlich ist. Immer haben wir Tradition, immer haben wir bekannte und unbekannte Abhängigkeiten und Veränderungspotenziale.

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Dabei ist Politik keine Liebhaberei oder Geschmackssache, sondern Politik und die sozio-politischen Kräfte und deren Kommunikationsqualitäten sind immer ganz konkret auf die Verhältnisse bezogen, denen ein Mensch und seine Menschen ausgesetzt sind. Es geht immer darum, den Lebensverhältnissen, denen man ausgesetzt ist, die eigenen Wünsche und Vorstellungen entgegen zu bringen. Das geht nicht, ohne Kenntnisse und ohne sprachliche Kompetenz für die Politik.

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Okee Dokee.

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Unsere heutigen Tageszeitungen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung, als Verkaufszeitungen am Massenmedienmarkt dafür sorgen müssen, gefragt und gekauft zu werden – darüber wird dann Werbung und Quote eingeholt.

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Kurz – die Titelseite muss täglich den positiven Teaser machen. Dazu muss das Wichtigste professionell geboten werden.

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Das Wichtigste für eine führende Tageszeitung ist Verlässlichkeit: Verlässlichkeit auf die Auswahl der Themen, die Einordnung, die Meinungsgeltung usw.

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So ist logisch, dass heute auf der Titelseite der FAZ „Wowereit“ angesagt war. Es schrieb der hier als „Wadelbeißer“ eingeordnete Jasper von Altenbockum mit der Überschrift: „Wowereits Likör“.

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Der FAZ-Autor Jasper von Altenbockum hat einfach eine Stunde gegoogelt. Er hat alle Klöpse von Wowereit, von der SPD, von Berlin, von der Freizeitbelustigung zusammengepastet – haben wir gelacht:

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Einige Beispiele: „…Wowereit trat so zurück, wie ..er regierte: kaltschnäuzig, aber mit einer Miene, als bestehe politische Macht aus einem ganz speziellen Likör … Wowereits Likör benebelte schon lange nicht mehr so richtig … Eröffnung des Willy-Brandt-Flughafens … als peinliche Panne heruntergespielt als Kaskade von Skandalen und Skandälchen… Amt empfand er als lästige Pflicht … zum Typus des Politikers, der weder für Verantwortungs- noch für Gesinnungsethik steht, sondern für …Spaßkultur …  Hiobsbotschaft zu Hiobsbotschaft …ironisches Überspielen … ungezwungenen Umgang der SPD mit der Linkspartei vorwegnahm … Unter Wowereit wurde zwar gespart, „dass es quietscht“, aber das führte nirgendwo dazu, dass es brummt. … „Wowi“…der irgendwie „sexy“ sein will… Wowereit blieb dafür die Personifizierung, die auch dazu führte, dass die Landespartei das Schicksal der Bundespartei vorwegnahm: das einer Dreißig-Prozent-Partei“.

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Dietmar Moews meint: Der FAZ-Autor verhuscht, was in dem politischen Werk von Klaus Wowereit zum Ausdruck kommt, wenn man hinschaut und, wenn man es verstehen will, ob, wie und was denn geschehen ist: Wie Politik in Berlin in der Welt disponiert war.

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Der FAZ-Autor zählt Stichworte zum Namen Wowereit auf, versäumt aber zu zeigen, welche Szenerie seiner Berliner Welt die Wahl Wowereits von der Berliner SPD bestimmte, und die Bereitschaft, der Berliner sich in eine neue historische Situation – Zusammenbruch des Ostblocks und der SED in Ostberlin, Öffnung der Mauer, Freude und Angst, weltweite Beachtung, völlige Misswirtschaft aufgrund einer seit 1945 weitgehenden wirtschaftlichen Kastration und Subventionslage, einzufinden. All diese harten Bedingungen für die Berliner sahen aus den entgegengesetzten Blickrichtungen der Ostberliner und der Westberliner und der in Berlin bestimmenden kolonialen Alliierten-Statthalter, vollkommen verschieden aus. Die deutsche Sprache funktionierte überhaupt nicht mehr – weder in Ost noch in West.

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Ich spare mir weitere Beispiele der Szenerie von Berlin in der einer Bürgermeister werden sollte, um im Abgeordnetenhaus westlichen Parlamentarismus als Statthalter der Amerikaner betreiben zu können – was nach den nach wie vor geltenden Besatzerstatuten völkerrechtlich von ihm verlangt ist. Und was die Ostleute nicht zu wissen scheinen.

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Es liegt auf der Hand, dass so ein junger, unbedarft lustig auftretender Wowereit eine gelungene Lösung war, überhaupt eine Führungskonstellation zu integrieren – weder streng wie die Stalinisten, preußisch wie die SED oder die Nazis, fähig mit Allen halbernst zu reden, nicht vor der rheinischen oder Frankfurt a. M.- deutschbankigen Macht-Personnage als Bettelvogt in die Knie zu gehen usw.

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Die Berliner Lage in der Wowereit-Zeit war derart leistungsschwach und verlorene Zeit, die zweite Bundesrepublik zu konstituieren. Es war aus meiner Sicht Berlin die falsche Entscheidung von Kanzler Kohl – es hätte Bonn bleiben müssen. Nun war es Berlin. Nun musste man so ein weltstaatsmännisches Denkgenie wie Klaus Wowereit finden:

 

DEUTSCHES VOLK, DASS DU MICH GEFUNDEN HAST – hat Jasper von Altenbockum (FAZ v. 27. August 2014 Titelkommentar) gar nicht verstanden. Er hat nicht verstanden, dass und wie politische Fehlentscheidungen historische Dimensionen haben, wie hier in der neuen zweiten Bundesrepublik, Berlin zur neuen Hauptstadt zu bestimmen.

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Damit dieser Spuk verstanden werden könnte und aufhören könnte, hätte Wowereits Abgang allerdings in der Situation seines Abganges zu diesen spezifischen sozialen Berliner Fragen exponiert werden müssen:

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An was glauben die?

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Was halten die für wahr?

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Wie wollen sie miteinander repräsentiert und geführt werden?

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Das hat die FAZ hier mit „Wowereits Likör“ leider vernebelt (versemmelt).

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Die sozio-kulturelle und die sozio-politische Situation in Berlin sind nach wie vor voller genie-selbstverdächtiger Flachmaten, die die soziale Szenerie prägen. Wer hier Regierender werden will, muss sich über die mediokre Ansprechhöhe dieser Mittelkundschaft und deren arschkriecherischen Bezirksparteipolitiker durchsetzen. Durchsetzen durch vagen Opportunismus – das war auch die Taktik von Wowereit.

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Für eine Strategie der Beantwortung großer Fragen und Lösung komplexerer nicht nur  tagesaktueller Probleme, fehlt die Ansprechbarkeit der arbeitslosen Partykundschaft und das geistige Format der Parteien in Berlin.

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Der nächste „Wowereit“ wird zwangsläufig erneut eine Antwort auf diese Mediokrität sein müssen: Berlin Berlin – Lasciate ogni speranza.

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Wowereit am Ende – BERLIN Narrenschiff auf Tauchfahrt

August 26, 2014

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am Dienstag, 26. August 2014

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Klaus Wowereit (60) Regierender Bürgermeister des Stadtstaates Berlin (SPD) hat heute seinen Rücktritt vom Amt zum 11. Dezember angekündigt.

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Für eine sozio-politische Luftnummer, wie die derzeitige deutsche Hauptstadt Berlin, ist Austausch oder Ausfall eines Statthalters nicht bedeutend.Man braucht ihn gar nicht.

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Berlin verkörpert die Summe der glorreichen preußischen Sackgasse im 20-sten Jahrhundert (einfach für die zugewanderten Berufskommunikanten – sie müssen sich nicht um ihre „Ständige Vertretung“ sozio-politisch kümmern: Man sieht sie im Fernsehen oder hinter Absperrungen).

 

Infolge des historischen Irrtums des CDU-Politikers und Bundeskanzlers Helmut Kohl und seiner Glaubensgemeinde, Berlin als sinnerfüllende Wahl als Ort zur Weiterführung deutscher Politikgeschichte einzuschätzen, geht hier nun auf der schiefen Ebene nieder, was sonst bestenfalls als Gegenbild zu Pol Pot auch gut so war: Wenig Voltaire, aber sehr viel Ribbentropp.

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Die Bundesrepublik ist als rheinische eine akzeptierte und akzeptable gewesen. Preußen dagegen hat schon mit Werner von Siemens und Max Weber gezeigt, wie eisenholzig der feuchtkalte Ehrgeiz ist.

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Seit dem Jahr 2001 regiert Klaus Wowereit (SPD) als „Regierender Bürgermeister – derzeit mit einer Mehrheit von SPD und CDU im Berliner Abgeordnetenhaus – der jetzt seine Demission ankündigt.

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Berlin hat weder Berliner Politiker, die etwas können, noch sind die Berliner Wähler fähig, die Notwendigkeiten einer politischen Führung für ein extremes soziales Stressgebilde, wie das neue Gesamtberlin ist, überhaupt zu erkennen und in freien Wahlen zu wählen.

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Klaus Wowereit ist das Kind für die Kinder gewesen. Während der Ernst aus dem sowjetischen Ostberlin mit der Einigung, 1990, keine gemeinsamen Ideen, ja nicht mal eine gemeinsame Sprache entfalten konnten. Man höre nur neudeutsche Anglizmen in Ostmündern – “workcamp“. Dafür haben sie jetzt gemeinsam „meetings“.

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Deshalb kann Berlin auch nicht in das Land Brandenburg aufgenommen werden oder sich mit Brandenburg zusammenschließen. Es gäbe mit der Potsdamer Regierung ein sozio-kulturelles Babel (workcamp meeting).

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Wowereits Rücktritt ist ein Zeichen dafür, wir gleichgültig ein Statthalter der USA in Berlin für Berlin schließlich ist – er könnte auch bleiben und sich weiter mit dem neuen Flughafen rumärgern.

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Bildschirmfoto vom 2014-08-26 12:57:25

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Dietmar Moews meint: Deutschland braucht das Selbstbewusstsein einer rheinischen Republik.

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Die heute angekündigte Rücktrittsidee von Wowereit ist nicht dramatisch. Es ist ihm eine angenehme Zukunft zu wünschen, nachdem er seit dem Jahr 2001 nach dem Terminkalender eines „Ministerpräsidenten“ tanzen musste.

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Berlin ist ein Kommissariat – hat kein eigenes fähiges Politikerpersonal.

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Berlin wäre auch mit einem weiteren Importführer nicht ein auch nur halbwegs hineinwachsender Ort der erfolgreichen Fortsetzung der rheinischen Republik Deutschland. Man könnte auch ehemalige Botschafter von Israel oder von den USA einsetzen.

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Dass sich der internationale Mob in Berlin vergnügt, ist nicht Verdienst der Berliner, sondern Selbstausdruck der unentgeltlichen kunstfeindlichen Reiseplebs.

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Notverwaltung kann jeder Rechtsanwalt.

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