KARL KRAUS‘ FACKEL vor 100 Jahren Nr. 521 Januar 1920, zwei

Januar 14, 2020

Lichtgeschwindigkeit 9918

am Mittwoch, 15. Januar 2020

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Etwas, wie DIE FACKEL von Karl Kraus, für Hannover zu machen, wie es 1979 AF Teschemacher riet, wurde zu einem der ersten Abonnements auf LEBENSZEIT in LOSER FOLGE.

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40 Jahre Lebenszeit seither – so steuert die LICHTGESCHWINDIGKEIT nunmehr seit über zehn Jahren und an die 10 000 Ausgaben in täglicher Abfolge ebenfalls an den selbstgestellten Anspruch heran, eine überparteiliche unpropagandistische CHRONIK über die Kraftspiele am Beginn des neuen Jahrhunderts zu zeugen- ab 2009, bis 2020, womit Karl Kraus auch da mitschwingt.

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So will ich hier zum Schluß dieser intensiven Tauch- und Oberflächen-Schwimmerei der gutmütig-blöden Menschheit noch einige Zitate aus der FACKEL bringen, die jetzt 100 Jahre alt sind

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KARL KRAUS DIE FACKEL – im Jahr 1920:

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Überwiegend zweiwöchentlich – von 1899 bis zu seinem Tod im Jahr 1936, wurde die Entwicklung der Zeitschrift Die Fackel eine Biographie ihres Herausgebers. Von Anfang an war Karl Kraus nicht nur der Herausgeber, sondern auch der Autor der meisten Beiträge (ab 1912 alleiniger Autor). Während die Fackel zu Beginn durchaus mit anderen Zeitschriften (wie etwa der Weltbühne) vergleichbar war … Die letzte Nummer, erschienen vier Monate vor seinem Tod, endet mit dem Wort Trottel.

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Karl Kraus wurde 1884 in Böhmen, Österreich-Ungarn, geboren, studierte die deutschsprachigen Literatur- und Theaterkünste sowie die einschlägige Publizistik. Er war einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhundert.

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DIE FACKEL Nr. 521 – 530 JANUAR 1920 XXI. JAHR, Seite 3. Das sind drei Texte mit kurzer Vorrede, die nebeneinander zu lesen sind, während ich sie hier hintereinander stelle;

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„Moriz und Max

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Das von der Republik geduldete, von der Wohnungskommission unangelastete geräumigste Schandhaus der ehemaligen Monarchie, die Neue Frei Presse, hat am 28. Dezember 1919 auf der ersten und der zehnten Seite ihres der offenen Prostitution gewidmeten Textteils – während die heimliche auf die billigere Vermittlung des Annonceenteils angeweisen bleibt – der europäischen Öffentlichkeit, die an dem Todesgrauen dieser Stadt fast wieder zu einem moralischen Bewußtsein gefunden hat, das folgende Schauspiel dargeboten:

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(linke Hälfte von Seite 3, 4 und 5)

Lord Curzon hat im Oberhause über die Notwendigkeit der hilfe für Wien gesprochen. Unglaublicher Luxus in den Oberklassen, Armut in der Mittelschichte, Hunger im Proletariat, so schildert er die Verhältnisse, die über örtliche Bedeutung hinaus die ganze menschheit beschäftigten. Der Gedanke läßt sie nicht ruhen, daß hier ein Volk in Elend verkümmert und vergeht. … Dieser uralte Mittelpunkt der politik und Kultur ist ein Problem geworden, an dem die Völker nicht werden vorübergehen können. Ein Schiff strandet oder ein Zug bleibt stecken und sofort entsteht die gefahr, daß selbst das verkürzte Stück Brot nicht verteilt werden kann. Wo der Kauf von ein Paar Schuhen unerschwinglich wird, für billigere Anzüge von Männern und Frauen so unzureichend gesorgt ist, Wäsche und Hausrat schon seit Jahren nicht ergänzt werden, der Winter in kalten Wohnungen zugebracht werden muß, auch die Küche oft nicht geheizt werden kann und die Wälder ausgerodet werden, damit die Armen wenigstens das nasse und so unausgiebige Holz in den Ofen steckten, wo solche Zustände sind, steht die Welt vor einer allgemeinen Pflicht. neben dem Mitleid muß die Politik eingreifen, weil keine Staatenordnung richtig sein kann, durch die Millionen ohne grundlegenden Beistand rettungslos werden müßten.

Die Mitglieder des Subkomitees der Reparationskommission in Wien haben das Verdienst, zu einem selbstsändigen Urteil über die verhältnisse in Österreich gekommen zu sein, keineswegs nach bloßem Augenschein, sondern durch viele Arbeit, durch sorgfältige Erhebungen und durch Heranziehung aller Persönlichkeiten, von denen sie hoffen durften, wertvolle Aufschlüsse zu erhalten. Sie wurden von ihren Regierungen nach Wien geschickt, um zu berichten. Aber von dem, was sie hier gesehen haben, bewegt, ist die Arbeit dieser ernsten Männer über den Bericht hinausgewachsen. … Lord Curzon sagte, das Grundübel wäre die außerordentliche Entwertung der österreichischen Krone; es sei kaum zu erwarten, daß Kohle aus der Czecho-Slowakai und Lebensmittel aus Jugoslawien reichlich nach Wien kommen, solange das Pfund Sterling mehr als fünfhundert Kronen gelte. …

… Wir dürfen hoffen, drei Monate ohne scharfe Nahrungskrise verbringen und das Leben des Hungers, gemildert durch fünfviertel Laib Brot und durch eine Spur von Fett, bis zur Schneeschmelze fortschleppen zu können.

… Lord Curzon hat erzählt, daß die Anträge des Subkommitees nicht bloß Kredite, sondern auch den Wiederaufbau wollen. Wir können die Verzehrung des Besitzstandes, die Verschwendung des Volksvermögens für den täglichen Betrieb und die unaufhörliche Zerrüttung des Geldes nicht mehr fortsetzen .. Wir sind nicht im Wiederaufbau, sondern im Niederreßen. –

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(rechte Hälfte von Seite 3, 4 und 5)

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„Wien wird jetzt ach den großen Umwälzungen mehr denn je darauf bedacht sein müssen, aus dem Fremdenverkehr Kapital zu schlagen. Führungen durch die kunst- und kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten, Ausflüge in die Umgebung bilden ein reiches Programm des Tages. Der Abned des Fremden gehört aber, meistens wenigstens, den Vergnügungslokalen, Die stereotype Frage: „Was machen wir heute abend?“ will täglich anders beantwortet werden. je besser sich der Fremde unterhält, je wohler er sich bei uns fühlt, desto leichter unser Erwerb zur Bestreitung der dringendsten Lebensnotwendigkeiten. Wir haben jetzt viele Fremde bei uns zu Gast, darunter viele, die zu uns gekommen sind, um unsere Not zu lindern. Am Tage wollen sie unserem traurigen Dasein zu Hilfe kommen, am Abend suchen sie ihren Zeitvertreib. Je mehr wir ihnen bieten können, desto größer die Propaganda, die sie nach ihrer Heimkehr für das Wien der künftigen, sorgloseren Tage machen werden.

Wir haben in diesem Jahre manch neues Vergnügungslokal erhalten. Zum schönsten zählt wohl unstreitig eines, das am 30. Dezember seine Tore öffnen wird. Es ist dies das Etablissement „Parisien“, das im Ronacher-Gebäude in der Schellinggasse völlig neu eingerichtet wurde und das Vornehmste bedeutet, das bisher in Wien auf diesem Gebiete geschaffen wurde. Geschickte, auf wohltuenden Geschmack und reizvolles Raffinement in gleicher Weise bedachte Raumkünstler .. haben hier viele glückliche Einfälle in Raumverteilung und Raumausstattung verwertet, um für Bar und Tanzsaal eine zweckdienliche und zugleich wirksame Lösung zu finden. Ein großes Vestibül, das in Grün und Gold diskret getont ist, führt den Gast in das Etablissement ein. Zur Ebenerde ist die Bar eingerichtet, ein überaus freundlich in Gold gehaltener Raum, der Gemütlichkeit aufkommen läßt und in zart lilafarbenen Nebenräumen die Möglichkeit für die Absonderung geschlossener Gesellschaften bietet. Aus dem Vestibül führt ein breiter Stiegenaufgang in Weiß und Rot zum Clou des ganzen, zum Tanzsaal. Die Steigerung des Farbenwirkung ist gut durchdacht. …

Vom dunkler gehaltenen Vestibül über den heller getönten Stiegenaufgabg kommt man in den in den hellsten Farben, Weiß, Orange und Rot, getauchten Tanzsaal. Bauherr des Etablissements ist Ronacher Ges. m. b. H., die in „Max“ eínen trefflichen Direktor und Leiter gefunden hat. Welchen Ehrgeiz dieser bei der Führung des Etablissments aufwendet, beweist wohl am besten die Tatsache, daß er es verstanden .. Ein schönes Heim – –

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(der dritte Text, Seite 5 + 6)

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„Max“ – der mit schelmischen Gänsefüßchen Begrüßte – ist kein Erzherzog, wohl aber einer der bedeutendsten Nachtkaffeekellner der franzjosefinischen Epochem die noch die Genugtuung erleben konnten ihn als Geschäftsführer walten zu sehen. Es ist gewiß erfreulich, daß er, ohne doch einer Restauration in irgendeiner Form abgeneigt zu sein, seine Dienste der Republik zur Verfügung gestellt hat. Wer Moriz ist, weiß man. Für welche Dienste er sein Lebtag Trinkgelder gekriegt hat, weiß man auch. Ob die Entente, die am Abend das „Parisien“ besuchen will, am Tage unserem wirklich traurigen Dasein zu Hilfe kommt, wenn sie sich dazu des Moriz bedient, weiß man allerdings nicht. Ob sie gut tut, statt seine Auslieferung zu verlangen, sich von ihm informieren zu lassen und dafür wieder ihn zu informieren, weiß man allerdings nicht. Man weiß nur, daß er unter jenen Persönlichkeiten, von welchen die Mitglieder des Subkomitees hoffen durften, wertvolle Aufschlüsse zu erhalten, hauptsächlich sich meint und daß die Fremden anstatt mit ihm deutsch zu sprechen, mit ihm englisch gesprochen haben. den wertvollsten Aufschluß haben sie erst jetzt erhalten. Mögen sie darnach noch weiter drauf erpicht sein, einen Menschen über die Schwelle ihrer Autorität zu lassen, der abgesehen davon, daß er den Fischen und Seetieren der Adria einen fröhlichen Leichenschmaus gewünscht hat, von einem Nachtlokal Trinkgeld nimmt, der der Zutreiber des Blutbordells war und nun die vollendete Schamlosigkeit hat, unsere Not als die Prostituierte des Luxus zu verhöhnen, aus dem Jammer einer Stadt die Gelegenheit für den Amüsierbedarf von Fremden zu machen und den Wiederaufbau eines schönen Schieberheims in welthistorischer Perspektive zum erhöhten Zeilentarif zu verherrlichen. Mag die Welt wie sie will mit einem öffentlichen Manne verfahren, der an einem Tag zugleich an die beiden Gefühle, die unsere Tragödie erweckt, so lebhaft appelliert hat: an das Mitleid und an die Verachtung; wenn sie die leidenden Personen der Handlung, die verblutenden, nur nicht am Mitleid verkürzt, anstatt den tätigen, den Leichenräubern und ihrer Publizistik, nunmehr Gelegenheit, zu einem selbständigen Urteil über die Verhältnisse in Österreich zu gelangen, wo Raubmenschen sich für 6000 Kronen in der Silvesterlage eines „Parisien“ ausstellen lassen anstatt das ganze Jahr am Schandpfahl zu stehen, und wo die Unterernährtheit den übrigen Teil der Bevölkerung hindert, bei solchem Fest alles kurz und klein zu schlagen; wo Hyänen als Volkswirte die Verschwendung des Volksvermögens für den täglichen Betrieb beklagen und als Inseratenagenten für den nächtlichen fördern; wo Schubiaks der Todesnot spotten dürfen, für die sich in einer Bar die zweckdienliche und zugleich wirksame Lösung finden läßt, wo die Menschheit je nach ihren Verhältnissen in Friedhöfe oder die Wurzlokale animiert wird, und nichts im Preis gesunken ist als die Ehre! Mag nun die Welt wie sie will berichten und urteilen; sich zu dem Problem dieses uralten Mittelpunkts der Kultur so oder so stellen. Ich erkläre jeden, Inländer und Ausländer, der durch zwanzig Jahre noch nicht genügende Aufklärung empfangen, wohl aber das hier gelesen hat und nach Eröffnung des „Parisien“ noch Stammgast der Neuen Freien Presse bleibt, also alle jene, die nicht durch die grausame Notwendigkeit einer redaktionellen Anstellung, sondern aus Mutwillen ihr ihren Namen zur Verfügung stellen, Staatsmänner, Professoren, Schriftsteller, für ehrlos und zwar in solchem Maß, daß selbst die Neue Freie Presse – von dem andern Nachtlokal gar nicht zu reden – Anstand nehmen müßte, ihren Besuch zu empfangen!“

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Dietmar Moews meint: Wie relativ bedenklich das Leben ist und wie besorgt man gegenüber den 20er Jahren von damals sein sollte?

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Was soll man raten oder wünschen – während die Leute machen, wie sie eben machen?

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Man kann DIE FACKEL als Reprint erwerben und darin studieren, welch tiefes Engagement im sozialen Geist möglich ist, ohne noch vor die Haustür gehen zu müssen. Wer einen guten Internetzanschluss hat, kann die Welt erobern. VIEL SPASS.

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KARL KRAUS‘ FACKEL vor 100 Jahren Nr. 521 Januar 1920

Januar 10, 2020

Lichtgeschwindigkeit 9904

am Sonnabend, 11. Januar 2020

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Als der Maler und Galerist Dietmar Moews im Jahr 1979, in Hannover, seine eigene Zeitschrift >Neue Sinnlichkeit< (in loser Folge) mit der NUMERO 0 begann, riet ihm sein älterer Freund, der Schriftsteller, Studioleiter und Film- und Fernsehaugur August-Friedrich Teschemacher (1908-1985), der längst im Himmel ist, doch so etwas wie DIE FACKEL( von Karl Kraus) für Hannover zu machen. AF Teschemacher wurde mein Abonnent auf LEBENSZEIT in LOSER FOLGE.

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Die geistig-ästhetische Reibung mit Hannover war mir für eine Neue Sinnlichkeit zu arm – so nahm ich es mit der großen „WESTLICHEN KUNSTPAUSE des 20sten JAHRHUNDERTS“ auf. Das war nunmehr vor über 40 Jahren – Neue Sinnlichkeit erschien kürzlich mit Blatt Numero 73 in Köln.

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Doch als ich im Jahr 2009 mit dem Aufbau der Piratenpartei in Berlin den Youtube-VIDEO-BLOG LICHTGESCHWINDIGKEIT in täglicher Folge begann, erinnerte ich mich wieder an A.F. Teschemacher und Karl Kraus DIE FACKEL, die eine unabhängige Chronik des deutschsprachigen Betriebs, ohne Unterbrechung bis 1936, bildet, die ein schaffender kritischer Geist schuf.

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So steuert die LICHTGESCHWINDIGKEIT, seit 2009 nunmehr nach über zehn Jahren und an die 10 000 Ausgaben in täglicher Abfolge ebenfalls an den selbstgestellten Anspruch heran eine überparteiliche unpropagandistische CHRONIK über die Kraftspiele am Beginn des neuen Jahrhunderts – ab 2009, bis 2020 – zu sein.

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So will ich hier zum Schluß dieser intensiven Tauch- und Oberflächen-Schwimmerei der gutmütig-blöden Menschheit noch einige Zitate aus der FACKEL bringen, die jetzt 100 Jahre alt sind – und heute einigermaßen betulich scheinen (auch weil uns die bitteren Machtkämpfe der JOURNAILLE nicht so nahe sind, wie sie damals dem Karl Kraus brodelten).

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Fackel-Reprint von 2001

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SO KARL KRAUS im Jahr 1920:

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Eine Zeitschrift herausgeben ist eine elitäre Leistung. Karl Kraus gab die einzigartige Zeitschrift DIE FACKEL auf eigene Rechnung allein heraus und schrieb und redigierte sie, überwiegend zweiwöchentlich – von 1899 bis zu seinem Tod im Jahr 1936.

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Die Entwicklung der Zeitschrift Die Fackel ist eine Biographie ihres Herausgebers. Von Anfang an war Karl Kraus nicht nur der Herausgeber, sondern auch der Autor der meisten Beiträge (ab 1912 alleiniger Autor). Während die Fackel zu Beginn durchaus mit anderen Zeitschriften (wie etwa der Weltbühne) vergleichbar war, wurde sie später mehr und mehr die privilegierte Form seines eigenen schriftstellerischen Ausdrucks. Karl Kraus war finanziell unabhängig und musste keine Rücksichten nehmen. Seine FACKEL wurde an Zeitungstrafiken verkauft und enthielt Annoncen. Aber so war Die Fackel allein sein Werk; es wurde darin ausschließlich gedruckt, was er für richtig hielt. Die letzte Nummer, erschienen vier Monate vor seinem Tod, endet mit dem Wort Trottel.

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Karl Kraus wurde 1884 in Böhmen, Österreich-Ungarn, geboren, studierte die deutschsprachigen Literatur- und Theaterkünste sowie die einschlägige Publizistik. Er war einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhundert. Wer die Synchronität und den Ort Wien mit dem jüngeren Adolf Hitler betrachtet, wird Lockerungsübungen nötig haben. Kraus war allgegenwärtig, reiste im Deutschsprachigen, machte Lesungen und Auftritte, besuchte Premieren von WIEN bis BERLIN, war Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker, Dramatiker, Förderer junger Autoren, Sprach- und Kulturkritiker sowie vor allem ein scharfer Kritiker der vorherrschenden Presse und des Hetzjournalismus seiner Zeit bzw. – wie er selbst es ausdrückte – der Jounaille.

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DIE FACKEL Nr. 521 – 530 JANUAR 1920 XXI. JAHR, Seite 1

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„Randbemerkung

Gesprochen am 14. Dezember

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Nun folgt die Szene „Wilhelm und die Generäle“.

Leser und Hörer waren vielfach der Meinung, diese Zeichnung des gekrönten Scheusals beruhe auf Erfindung. Wer aber, frage ich, könnte derlei erfinden? Und wie müßig wäre solche Anstrengung der Phantasie vor der Leistung der Natur! Nun, da die „Randbemerkungen“, die er uns an den Abgrund schrieb, erschienen sind, wird man der Natur dieses Meisterstück glauben. Mir waren sie keine Enthüllung. Aber auch das, was in der folgenden Szene enthalten ist, war mir, als ich’s erfuhr, keine Enthüllung. Denn ich wußte längst, wie dieser Mensch sprach, ich hörte sein Wolfslachen, ich konnte bellen wie er, ohne dass ich ihn bellen gehört hatte. Ich wusste, er bellte. Einmal tönte mir einer, der ihn gehört hat, seine Stimme vor, und es war ein Erlebnis, dass es eben dieselbe Stimme war, die ich mir vorgestellt hatte. So musste ich recht gehört haben, was ich nicht hörte; so war jener ein guter Darsteller; und diese Wilhelms Stimme. Ich hatte ihr stets den Weltkrieg zugetraut, ja selbst dass sie zu Hans Müllern in der Hofburg sprechen könnte! Meine Szene aber, die nur in der Komposition erfunden ist, beruht teils auf den gedruckten Aussagen des Kontreadmirals Persius, teils auf Berichten über Gastspiele in Donau-Eschingen und Schönbrunn, die ich selbst von schaudernden Ohren- und Augenzeugen erhalten habe.

Denn es ist so, dass auch jene, die es sahen und hörten, es nicht glaubten und noch heute nicht glauben können, wie all das Unglaubliche, das wir erfahren haben und dass ein Volk von solchem Monstrum die Fasson für Leben und Sterben empfing und ihm zuliebe Hass und Hunger von der Welt übernahm. Nur ich habe es geglaubt; und eben darum will man mir’s nicht glauben. Ich habe eigentlich nichts verändert als, zum Teil, die Namen des von der majestätischen Gunst betroffenen, der Gnade wehrlos preisgegebenen Hof- und Militärgesindes. Jede Gebärde, jedes Wort ist von jener grauenhaften Echtheit, ohne die ja auch dieser Weltkrieg nicht glaublich wäre. Es ist, nehmt alles nur in allem, die Gestalt, die die Menschheit regiert und geschlagen hat und um deren Konterfei, Andenken und womöglich Wiederkehr die Jugend dieses hoffnungslosen Deutschland Schule und Staat stürzen will“.

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DIETMAR MOEWS 1978
Ballhof-Galerie Hannover mit Ausblick auf das Hitlergebäude

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Dietmar Moews meint: Man kann DIE FACKEL als Reprint erwerben und darin studieren, welch tiefes Engament im sozialen Geist möglich ist, ohne noch vor die Haustür gehen zu müssen. Wer einen guten Internetzanschluss hat, kann die Welt erobern. VIEL SPASS.

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etwa 1938, Karl Kraus war gerade tot – Hitlerjugend marschiert am Ballhof, entlang der späteren Ballhof-Galerie

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FINE E COMPATTO

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1981 – Posieren mit dem Lieblingsauto auf dem Ballhofplatz in Hannover-Altstadt

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Volvo 1800 ES in HJ-Perspektive auf dem Ballhof in Hannover

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Sabine + Dietmar mit Volvo am Ballhof