IS erklärt der Türkei den Krieg

August 21, 2015

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Freitag, 21. August 2015

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Die veränderte Sprachregelung der Türkei gegenüber dem Bürgerkrieg in Syrien, zwischen der Staatsregierung von Assad und den diversen Kriegsakteuren – syrische Opposition, christliche Yesiden, kurdische Peschmerga, ISIS-Milizen, US-Amerikanischen, israelische und russische Einflussnahmen, Deutschen, Saudi-Arabischen und Iranischen Kräften – hat inzwischen direkte Luftangriffe der Türkei auf Ziele in Syrien gebracht.

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Erdogan hat auch der kurdischen PKK und der kurdischen Peschmerga den militärischen Kampf angesagt, heute meldet der KÖLNER STADT-ANZEIGER auf Seite 06 von Gerd Höhler:

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IS erklärt der Türkei den Krieg. Milizen rufen zur Eroberung von Istanbul auf – Erdogan im Visier“

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…Bisher nutzte die Terrormiliz des „Islamischen Staates“ (IS) die Türkei als Rückzugsraum.

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Jetzt erklärt sie dem Land den Krieg.

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In einem seit dieser Woche im Internet kursierendem Video ruft ein IS-Kämpfer zur Eroberung Istanbuls und zum Sturz des “Verräters“ Recep Tayyip Erdogan. …

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Zuvor hatte die türkische Regierung gegenüber der Terrormiliz große Nachsicht gezeigt. Verwundete IS-Kämpfer wurden in türkischen Kliniken auf Staatskosten verarztet. Die Organisation nutzte die Türkei für Rekrutierungen und als Brücke, um angeworbene Kämpfer aus dem Westen nach Syrien zu schleusen …

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nun nimmt der IS die türkische Regierung ins Visier. In dem Video ruft ein IS-Kämpfer die Türken auf, gegen den Staat zu revoltieren … spricht fließend Türkisch und gibt eine Art Schnellkurs in türkischer Geschichte: Der Republikgründer Atatürk habe die Türken gezwungen, ihre Religion zu verleugnen. „Dann kam der Verräter Erdogan“ .. Er habe sich mit „Amerikanern, Juden, Kreuzrittern und der atheistischen PKK“ angefreundet .. deshalb müsse sich das türkische Volk erheben, bevor es zu spät ist.

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Nach Erkenntnissen von Geheimdiensten ist die Terrormiliz in vielen Städten der Türkei, auch in der Metropole Istanbul, präsent. Die Zahl der Anhänger der Dschihadisten in der Türkei dürfte in die Tausende gehen. Schon daraus ergibt sich ein gefährliches Anschlagspotenzial…“

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Dietmar Moews meint: Wer kann von hier aus Einzelheiten bewerten und treffend einorden? Ich halte es für sehr schwierig, wenn gleich es eine Großlage gibt, von der her bestimmte Erwägungen näher liegen als andere.

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Für mich liegen starke Umstände in der schwebenden Spannung zwischen Erdogan und Israel.

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Momentan verstehe ich noch alle Katastrophenmeldungen aus diesem angeblichen TERROR-KRIEG nur eine Sprachregelung der misslungenen US-Kriegspolitik und der unglaublich aufgeladenen und hochbewaffneten Machtambitionen zwischen den sunnitischen Saudi-Arabern und den schiitischen Iranern.

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Erdogan hat längst überreizt. Erdogans türkische „Friedensordnung“ hat nicht den Spagat zwischen rückständigen Anatoliern und westlichen Trakern, den Kurden und der ersten westlichen Welt, gefunden.

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Die Chancen, die sich ISIS ausrechnet, liegen in der stimmigen ideologischen Grundüberzeugung von IS gegenüber Erdogans schwimmendem Türkeibild.

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Erdogan Revolution bei Türkei-WAHL

Juni 3, 2015
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vom Mittwoch, 3. Juni 2015

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Am kommenden Wochende, am 7. Juni 2015 wählt die Türkei ihr Parlament. Wieder wird die AKP die stärkste Partei werden. Doch das reicht Erdogan nicht. Er schlägt um sich, um sein Machtziel zu erlangen: ein Präsidialsystem.

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Die meisten in Deutschland lebenden Türken sind wahlberechtigt. Es sind Fernwahlmöglichkeiten geschaffen worden, von denen viele Gebrauch machen und ihre Stimme abgeben. So ist es demokratisches Prinzip – und die im Ausland lebenden Türken sehen besonders durch Erdogan eine praktische politische Aufwertung für sich selbst in der weiten Öffentlichkeit.

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Neue Zürcher Zeitung am 26.Mai 2015

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Die Welt.-Online berichtet unter dem reißerischen Titel „MEINUNG“ von

List und Beschimpfung sollen Erdogans Sieg sichern“

… Die bevorstehenden Wahlen in der Türkei sind von großer Bedeutung und wohl auch schicksalhaft. Dieses Mal geht es nicht nur darum, wer als Sieger hervorgehen und die meisten Sitze gewinnen wird, um damit die Regierung bilden zu können. In dieser Hinsicht sind die Ergebnisse im Großen und Ganzen vorhersehbar. Die herrschende AKP (Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung), die die Türkei seit November 2002 regiert, wird die meisten Sitze erringen – Umfragen zufolge mit 42 bis 44 Prozent der Stimmen. Die führende Partei festzustellen ist daher nicht schwierig…“

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Dietmar Moews meint: Erdogan benötigt für seine Revolution, über die demokratische Wählerzustimmung die türkische Verfassung und die Gesellschaftsordnung zu einer Präsidialherrschaft zu ändern, die große Parlamentsmehrheit.

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Es hängt von der Anzahl der Stimmen für die HDP ab, ob der listige und erfolgreiche Erdogan seinen Traum von der Umwandlung des politischen Systems der Türkei in ein präsidiales System wahr machen kann.

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Der wirtschaftliche Schwung der vergangenen Jahre wird von den meisten Türken nicht klar gesehen:

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Wem die Rechtssicherheit egal ist, muss doch die ökonomischen Hypotheken sehen. Der konfrontative Präsident, gegen den Westen, die Zensurierung des Internets, die Politisierung der Justiz, die Inhaftierung regierungskritischer Journalisten – die Verhängung milliardenschwerer Bußen gegen Medienhäuser, welche Denkfaulheit nicht als Tugend verstehen, sind ungeeignet, Vertrauen in den Rechtsstaat zu schöpfen – während Erdogan von Scharia spricht.

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Chronische Leistungsbilanzdefizite sind hausgemacht, und Erdogan, der wenig von Ökonomie versteht, stützt sich auf den Zustrom ausländischen Kapitals für seine gigantomanischen Bauprojekte, die dem Land Schulden bringen.

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Die Zähmung Erdogans wäre für die Türkei besser als eine Revolution eines außer Kontrolle geratendes Präsidialsystems bei den Parlamentswahlen.

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Was immer sich die deutschen Türken denken mögen, sollten sie selbst überlegen, welche Tendenz, eine asiatische oder eine europäische, für die große Türkei wünschenswert ist?

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Die große historische Weltstadt Istanbul war mal als Byzanz und als Konstantinopel die Hauptstadt Europas als Weltereignis. Die heutige Erdogan-Türkei dagegen liegt hauptsächlich in Klein-Asien (Anatolien), hat geopolitisch eine asiatische Ausrichtung, nach Persien, Georgien, nach Arabien und Israel, nach Russland.

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Erdogan selbst ist ein in Batumi (Georgien) gebürtiger Türke.

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Im April 1998 wurde Erdoğan vom Staatssicherheitsgericht Diyarbakir wegen Missbrauchs der Grundrechte und -freiheiten gemäß Artikel 14 der türkischen Verfassung nach Artikel 312/2 des damaligen türkischen Strafgesetzbuches (Aufstachelung zur Feindschaft auf Grund von Klasse, Rasse, Religion, Sekte oder regionalen Unterschieden) zu zehn Monaten Gefängnis und lebenslangem Politikverbot verurteilt. Anlass war eine Rede bei einer Konferenz in der ostanatolischen Stadt Siirt, in der er aus einem religiösen Gedicht, das Ziya Gökalb zugeschrieben wurde, zitiert hatte:

Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ – Recep Tayyip Erdoğan

Am 24. Juli 1999 wurde Erdoğan aus der Haft entlassen.

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Die Orientierung der Türkei unter Erdogan wurde ausdrücklich von Europa und von der E U weg gerichtet. Stattdessen wird eine moslemisch-fundamentalistische Lebensweise, mit Ankara in Anatolien, etabliert.

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Die heutige Türkei macht den Spagat der staatlich-gesellschaftlichen Entwicklung zwischen der rückständigen anatolischen Turkbevölkerung, der kurdischen Separatisten, zahlreichen gesellschaftlichen Zugehörigkeiten und den istanbuler Bildungs-Europäern.

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ZUGINSFELD am 19. Juli 2014 in der Mainzer Straße nördlich Eierplätzchen: DIETMAR liest OTTO während FRANK fotografiert, STREET ART KÖLN 2014

ZUGINSFELD am 19. Juli 2014 in der Mainzer Straße nördlich Eierplätzchen: STREET ART KÖLN 2014

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Erdogan bildet dabei die persönliche Führungsklammer über einen religiös-säkularen und militärischen Machtstil, der mit Pascha und Sultan karikiert wurde – der aber insgesamt ein Erfolgsmodus unter der bisherigen Staatsform werden konnte.

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Das prakisch nicht unabhängige Gesetz bzw. die Militärherrschaft und die sozial-politische Willkür gegen diverse türkische Kurden zeigen die harten Grenzen gegenüber der europäischen Rechtsstaats-Konzeption. Jetzt wird erstmalig erwartet, dass viele Kurden, die Erdogan als Waffenlieferand für ISIS gegen die Peschmerga sehen, nicht mehr AKP wählen werden.

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Wenn Erdogan die kommenen Wahlen gewinnt und die Verfassung ändern kann, würden damit wichtige Grundlagen des bisherigen Erfolges der Türkei verändert – Frage ist also:

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Ist ein ERDOGAN-Staat besser als die bisherige türkische Demokratie?

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