Licht und Insektenvernichtung

Mai 31, 2021

Lichtgeschwindigkeit 10214

am Sonntag, den 16. Mai 2021

Unter Kunst-Licht, das unsere Lebensgewohnheiten in Deutschland durch das 24-Stunden leben und arbeiten begleitet, verursacht künstliches Licht ein erhebliches Insektensterben. Das betrifft auch Innenräume, aber besonders die frei Natur unter nächtlichem Himmel. Durch diese Schäden wird sinngemäß von „Lichtverschmutzung“ gesprochen.

Die Lichtpolitik in Deutschland wird im föderalen Staat von allen drei politischen Entscheiderebenen entschieden und von deren Wählern verantwortet, Gemeinden, Länder, Bund:

Kommunale Ortsräte und Verwaltungen sind flächendeckend in ganz Deutschland die Insekten Vernichter durch nächtliche Dauerbrenner. Wie gut wäre doch ab Mitternacht ein stiller amtlicher Ratsnachtwächter Gerhard Mestwerdt mit Petroleumlampe.

Länderregierungen entscheiden nicht nur über ihre Landesverwaltungs-Lichtspiele, sondern über das Land verteilt, überall wo Medien, Landstraßen, Schulen und Internetzschaltungen elektrisches Licht verursachen.

Der Bund beleuchtet nicht nur das Kanzleramt und die Bundeswehr-Militäranlagen, sondern mit Nachtfluggenehmigungen für Flughafenbetreiber, aber auch mit Lichtorgien bei der Bundesbahn und den Bundesautobahnen für Insektentod.

Ein nachtaktiver Schmetterling, wie der „Braune Bär“ oder die meisten der Falter, aber auch die tagaktiven Bienen verschwinden immer mehr, weil der Gesamtrhythmus verloren geht.

Es leiden immer mehr Insekten – auch Bestäuber, die durch das künstliche Licht entweder ihre Orientierung verlieren oder qualvoll sterben müssen, weil sie sich als Nachtschwärmer an der Lichthelligkeit orientieren, ins Feuer fliegen und verbrennen oder durch Ermüdung verrecken. Bestäubung von Blüten, die in der Natur „arbeitsteilig“ von diesen „Nachtsexisten“ und „Nachtbestäubern“ geschehen soll, verkümmert durchwirkend und artenvernichtend.

Die Bedenkenträger gegen die Insektenvernichtung durch Nachtbeleuchtung sprechen auch von „Lichtverschmutzung“. Dabei können Lichtfachleute allerdings auf sehr unterschiedliche Qualitäten der künstlichen Lichtquellen hinweisen, bis hin, dass es auch praktische Varianten gibt, die erheblich weniger Schaden machen (Zeitschaltung und „Licht aus!“ sind aber immer bedenkenswert).

Siehe auch http://www.Bienenretter.de, NABU Gruppe Stuttgart e. V. auf nabu-stuttgart.de sowie besonders StaMoKap-politisch unabhängige Internetz-Angebote.

In einem Sachbeitrag im Artikel: Elisa Kautzky auf „Bienenretter.de“ steht:

Empfehlungen zur Außenbeleuchtung

Künstliches Licht nur

  • im Zeitraum, wenn es benötigt wird: Nachtabschaltung, Bewegungssensor,
  • wo es sicherheitstechnisch notwendig ist: gefährliche Stellen wie Treppenstufen, aber nicht auf Hauswand oder Mauer,
  • in der erforderlichen Intensität: niedrige Lumenzahl und Streuverluste vermeiden,
  • keine Anstrahlung von Lebenräumen wie Bäumen und Sträuchern,

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Obwohl Bienen nicht nachtaktiv sind, bewirkt die Lichtverschmutzung  eine Abnahme von 62% der Bestäubungsleistung. Dabei kann jeder von uns Zuhause mit kleinen Veränderungen Großes bewirken.

LED-Gartenleuchten werden häufig in Kombination mit Solartechnik angeboten, daher sollte man darauf achten, dass diese mit einem Bewegungssensor ausgestattet sind und nicht die ganze Nacht hindurch strahlen“. Damit die Insekten sich nicht an der Lampe verbrennen, sollte der Leuchtkörper abgeschirmt, kalt und geschlossen sein. Als Beispiel kann man Gehäuse mit Richtcharakteristik, sogenannte „Full-Cut-Off“-Lampen verwenden. Schlussendlich profitiert jeder von der Verringerung des Lichtes. Wenn wir es schaffen, die Lichtverschmutzung zu vermindern, macht schließlich auch das Sternegucken wieder Spaß, da die funkelnden Sterne dann nicht mehr von ihrer künstlichen Konkurrenz auf der Erde überdeckt werden.

Wenn die Dämmerung anbricht und die ersten Straßenlaternen angehen, beginnt die Arbeitsschicht der nachtaktiven Bestäuber. Schmetterlinge und Nachtfalter machen sich dann auf den Weg zu den Pflanzen, die entweder ausschließlich oder überwiegend von nachtaktiven Insekten bestäubt werden. Doch vor allem in großen Städten kommen die Bestäuber oft nicht weit, da sie an den Laternen oder anderem Kunstlicht hängen bleiben. „Bienen und Schmetterlinge orientieren sich am Licht der Himmelskörper“. Lichtquellen wie Garten- und Straßenbeleuchtung mit UV-Lichtanteil blenden daher die nachtaktiven Insekten und stören ihr Navigationssystem“, betont Bourgeois.

Die Insekten werden also entweder durch das Licht abgestoßen und wissen nicht mehr wohin es geht, oder sie werden davon angelockt und so zu einer leichten Beute für ihre Gegner – wenn sie vorher nicht schon verbrannt oder vor Erschöpfung gestorben sind. Fehlende Orientierung bedeutet also oft den Tod für Insekten„.

Bienenretter Christian Bourgois wie auch NABU beklagen, dass seit Jahrhunderten Licht dem Menschen vor allem Sicherheit bietet, mittlerweile jedoch wird es eher für Werbezwecke oder als Dekoration verwendet. Laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) liegt der jährliche Zuwachs an Lichtverschmutzung in Deutschland daher bei etwa sechs Prozent. Das bedeutet, dass das natürliche Licht des Mondes durch Straßenlaternen und andere künstliche Lichtquellen überlagert wird.

Um ein Zeichen für den Klimaschutz setzen, schalten am 24. März Menschen auf der ganzen Welt im Namen der „Earth Hour“ für eine Stunde lang ihre Lichter aus. Weniger Licht ist aber nicht nur die Umwelt gut, sondern eben auch für ihre nachtaktiven Bewohner. Zusätzlich zu der tödlichen Anziehungskraft des künstlichen Lichtes erschwert es auch noch die Vermehrung der Insekten, da die Tiere an den Laternen hängen bleiben und so gar nicht erst auf Partnersuche gehen können. Zu ihrer Arbeit als Bestäuber kommen die Insekten schon gar nicht mehr. Einige Blütenpflanzen wie seltene Orchideen, Lilien und Hyazinthen werden vor allem durch Nachtfalter bestäubt. Folglich führt das Verschwinden der Insekten dann auch zum Aussterben dieser Nektarpflanzen“.

Wissenschaftler der Universität Bern haben eine Studie durchgeführt, bei der sie vierzehn Landschaftsflächen nach ihrer Bestäubungsrate maßen. Während die eine Hälfte der Natur überlassen wurde, wurden die anderen Flächen von LED-Lampen beleuchtet. Das Fazit der Studie: Rund 300 Insektenarten bestäubten die Blüten auf den dunklen Flächen, während sich die Bestäubungsleistung auf den beleuchteten Flächen um 62 Prozent reduzierte. So gehen aber auch Pflanzen zurück, die sowohl von tagaktiven Bienen, als auch von nachtaktiven Insekten bestäubt werden, da die Bienen die fehlende Leistung ihrer nachtaktiven Kollegen nicht kompensieren können. Gibt es bald auch keine Bienen mehr, würden auch diese Pflanzen zurückgehen und vielleicht verschwinden.

Abgesehen von der fehlenden Bestäubungsleistung, schadet das Licht den Pflanzen auch so. „Versuche zeigen, dass das Fotosynthesevermögen mancher Arten im Dauerlicht erlahmt und in der Mitte der Dunkelphase sogar die Blütenbildung verhindern kann“, erklärt Bourgeois. Zusätzlich verändere sich die Zusammensetzung der Pflanzen um die Leuchtquellen, was Auswirkungen auf die Nektar- und Pollenversorgung von Wild- und Honigbienen haben kann. Doch nicht nur Insekten, auch Menschen spüren die negativen Folgen des Kunstlichts. Immerhin beeinflusst es das Hormon Melatonin, was zu Schlafproblemen oder sogar Depressionen führen kann. Noch gibt es keine gesetzlichen Bestimmungen für die Verwendung von Licht. Trotz energiesparender Leuchtmittel nimmt der Energieverbrauch im Haushalt kaum ab“.

Dabei kann jeder einen Beitrag dazu leisten, um die Lichtverschmutzung zu verringern und sowohl der Umwelt, als auch den zu Tieren helfen – und schlussendlich auch sich selbst. Zuerst einmal sollte man sich fragen, wie viel Licht überhaupt notwendig ist. Braucht man die Weg- und Gartenbeleuchtung wirklich, oder reicht eine kurzzeitige Beleuchtung mittels Zeitschaltung aus? Muss der Balkon während der Weihnachtszeit mit Lichterketten geschmückt werden, die die ganze Nacht leuchten? Für Wege und Eingangsbereiche eignen sich automatische Beleuchtungssysteme, die mit einem Bewegungsmelder ausgestattet sind. NoGo’s sind Bodeneinbaustrahler oder Kugelleuchten, die viel Licht mit einem großen Radius verstreuen und somit eine hohe Blendwirkung für Insekten haben.

Dagegen eignen sich Leuchtmittel mit einem geringen UV-Anteil für den Außenbereich. Versuchen Sie, die Lichtdauer und Intensität auf das Notwendigste zu reduzieren. Soweit es geht, sollte man auch auf die Beleuchtung von Wänden und Objekten sowie Bäumen und Hecken verzichten. Wenn Leuchtmittel verwendet werden müssen, sollte man sich für die warmweiße energiesparende LED Variante mit weniger als 3.000 Kelvin Farbtemperatur entscheiden. Dieses sogenannte „warm white“ Licht ist besonders tierfreundlich, da es kaum Insekten anlockt und zusätzlich noch Energie spart. Der Lichtkegel sollte dabei immer nach unten gerichtet sein. Um die Lichtpunkthöhe gering zu halten, sollte die Lampe möglichst niedrig angebracht werden. Somit wird eine unnötige Fernwirkung reduziert.

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Dietmar Moews meint: Ich schließe mich den Insektenfachleuten vollkommen an und hoffe, dass die Beleuchtungsindustrie hier brauchbare Anregungen beziehen kann, die Lichtverschmutzung besser zu berücksichtigen.

Wenn in Springe am Deister im Jahr 1954 eine OSRAM-BIRNE auf einen Obelisk montiert wurde, um der Erfindung des Glühlampenpioniers THOMAS ALVA EDISON ehrend zu gedenken, ist doch nicht allein die Klage von nachtbestrahlten Anwohnern beachtlich oder der Wunsch von nächtlichen Autofahrern, die die Lampe am Ebersberg als Gruß von Springe hübsch finden, sondern wirklich und ernsthaft an das Verantwortungs- und Vernunftgefühl der Springer appelliert – ich sage extra Gefühl – ob es nicht besser wäre, da oben über Nacht den Ratsnachtwächter Gerhard Mestwerdt mit seiner Petroleumlampe zum Einsatz zu bringen. Er könnte dann, wo bislang die grelle Nachtleuchte in die Zimmer strahlte, mit einem kleinen Opernglas in die Wohnungen schauen und Sicherheitsgefühle verbreiten.

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