Hände der Neuen Sinnlichkeit von Jochen Hörisch bei Hanser im DLF

Januar 31, 2021

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am Sonntag, 31. Januar 2021

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Im Deutschlandfunk wird heute ein Beitrag bereitgestellt, in dem die Hände, als Leibperspektive vom Greifen und Begreifen, durch ein aktuell erschienenes Buch von Jochen Hörisch, in die Sichtweise der Neuen Sinnlichkeit ins Auge zu fassen versucht wurde, darauf beschränkt, wie er es in der deutschen Literatur fand:

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„Hände – Eine Kulturgeschichte

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“Vom Greifen und Begreifen in der deutschen Literatur und Sprache“

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Für den Deutschlandfunk hat sich Volkmar Mühleis bemüht, den Sinn der Problemstellung des Buches von Hörisch an prominenten Namen und an klassischen Hand-Habungen vorzustellen:

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Er meint im DLF zu „manus“ und „Emanzipation:

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„Goethes „Faust“, das Management und die Emanzipation haben mit der gleichen Sache zu tun: mit der Hand, lateinisch „manus“. In einer wilden Kulturgeschichte denkt Jochen Hörisch nach über das Handspiel auf dem Fußballrasen, die Hand Gottes und die unsichtbare Hand des Kapitalismus

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Eine Kulturgeschichte der Hände verspricht die neue Studie von Jochen Hörisch. Diese ist weit gefasst. Sie reicht über die Literaturwissenschaft hinaus bis in anthropologische Überlegungen. Zugleich orientiert sie sich an Zeichen, vor allem Zeichen der Sprache. Der Akzent liegt auf der deutschen Sprache und Literatur. Wer also bereit ist, dieser Tendenz beim Thema der Hände und Taktilität zu folgen, der wird mit einer Vielzahl überaus anregender Einsichten und Beispiele belohnt, nach dem Grundsatz:

Die Hand ist nicht die handfeste Alternative zur Abstraktion, sondern die handgreifliche Bedingung ihrer Möglichkeit.“  

Ich gebe Dir die Hand

Wer dagegen die versprochene Kulturgeschichte genauer betrachtet sehen möchte, oder die Frage der haptischen Sinnlichkeit, dem werden schnell auch Zweifel kommen. Hörisch bezieht nicht-westliche Kulturen durchaus in seine Ausführungen ein, etwa die indisch-hinduistische Tradition, doch eher am Rande. Er widmet sich ausdrücklich einer Phänomenologie der Hand, wie genau aber diese beschrieben ist, dazu gleich mehr! Folgen wir erst der Hauptorientierung im Buch, nämlich wie Hände zur Sprache kommen und was das bedeuten mag.

Der Autor eröffnet ein eindrucksvolles Feld historischer Herleitungen von Wörtern und Begriffen, die sich entweder allesamt der lateinischen Herkunft von Hand, manus, verdanken – von Emanzipation bis Management – oder dem deutschen Wortstamm und seinen Verzweigungen selbst. Daneben geht er von zahlreichen Redewendungen aus, angefangen von frühen lexikalischen Einträgen:

Von Händen kommen, s. Abhanden. Eine Arbeit unter den Händen haben (…). Unter der Hand, insgeheim (…). Ich gab es ihm unter der Hand zu verstehen (…). Nicht mehr haben als aus der Hand in den Mund (…). Ein Gewerbe mit leeren Händen anfangen (…). Einem etwas auf die Hand geben (…), siehe Handgeld.“

Wie man richtig zupackt

Die These der Studie ist: Im Sprachgebrauch wird bedeutsam, was uns als Menschen prägt. Am Beispiel der Hände lässt sich dieser Zusammenhang gut veranschaulichen. Hörisch will hinter die vermeintliche Trennung von Sprache und Körperlichkeit zurück, um erneut Anschluss an die anthropologische Sprachphilosophie Johann Gottfried Herders zu finden. Ob ihm das gelingt? Zunächst ein Beispiel seines vorsichtigen Abtastens von gebräuchlichen Ausdrucksweisen:  

Der Arm ist größer und stärker, aber eben auch weniger komplex und subtil als die Hand. Es wäre eigentümlich, vom Arm statt von der Hand Gottes oder dem unsichtbaren Arm statt von der unsichtbaren Hand des Marktes zu sprechen. Gott und der Geist des Marktes krempeln nicht die Ärmel hoch, um dann kräftig zuzupacken; ihre feingliedrige Hand waltet vielmehr bis zur Unsichtbarkeit subtil. Umgekehrt wäre es irritierend, wenn man von der Hand statt vom langen Arm des Gesetzes sprechen würde.“

Aus eigener Hand befreit

Was lässt sich sinnvoll sagen, was nicht? Welcher Ausdruck legt welche Gedanken nahe? Inwieweit geht dieses Reden einher mit Erfahrungen von Körperlichkeit? Der Autor filtert Motive und Themen aus dem Wortgebrauch – wie etwa die Hand Gottes oder der lange Arm des Gesetzes. Diese Motive und Themen bilden die Angelpunkte seiner kulturellen Reflexion, die vom Fußball über Ökonomie bis hin zur Dichtkunst reicht. Der Prüfstein für die Aussagekraft des Ganzen ist die Literatur, als Reflexion im Medium der Sprache selbst. Zum einen sind Autoren an die Verständlichkeit bekannter Redewendungen gebunden, zum anderen offenbaren mögliche Abwandlungen den Spielraum unserer Vorstellungen, arbeiten Schriftsteller an den Grenzen des Sagbaren, an den Grenzen auch zur Wirklichkeit. So verweist Jochen Hörisch auf einen Satz aus Heinrich von Kleists Erzählung

Marquise von O“:  

Durch diese schöne Anstrengung mit sich selbst bekannt gemacht, hob sie sich plötzlich, wie an ihrer eigenen Hand, aus der ganzen Tiefe, in welche das Schicksal sie herabgestürzt hatte, empor.“

Und er meint dazu: „Sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen, ist – Münchhausens fabelhafter Geschichte zum Trotz – nicht möglich. Sich „wie an (…) eigener Hand“ aus der Hand höherer Gewalten zu befreien, ist hingegen möglich und kann zur Maxime gelingenden Lebens werden.“

Aus der Handelsstadt Frankfurt

Der Leitstern für Hörischs Betrachtungen ist Goethe, weil die literarische Reflexion und Gestaltung zum Thema Hände hier am umfassendsten sei. Tatsächlich bildet das Werk des Weimarer Klassikers eine ungemein ergiebige Fundgrube, von der Handprothese des Götz von Berlichingen angefangen, über Werthers Faszination für die Hände seiner geliebten Lotte, die Besiegelung von Verbundenheit im Schauspiel „Torquato Tasso“, Hand-Motive in den Bänden des Romans „Wilhelm Meister“, der Tragödie des „Faust“, schließlich in den Erinnerungen „Dichtung und Wahrheit“.

Hörisch zitiert aus „Dichtung und Wahrheit“ Goethes Dank an Herder, der ihm das tiefere Nachdenken über Tastsinn und Gefühl erst nahegebracht hätte. Dabei wird als Quelle allein Herders „Abhandlung über den Ursprung der Sprache“ von 1772 genannt. Die Fixierung auf die Sprache verstellt dem Germanisten an dieser Stelle den eigentlichen Hintergrund von Herders und Goethes Auseinandersetzung mit Taktilität, und zwar Herders Schriften zur „Plastik“, über die beide korrespondiert haben. Begeistert schrieb Goethe seinem Freund, gleichfalls 1772:

(…) ich finde dass ieder Künstler so lang seine Hände nicht plastisch arbeiten nichts ist. Es ist alles so Blick bey euch, sagtet ihr mir oft. Jetzt versteh ich’s (…).“

Das Plastische nicht plastisch genug

Was auf die Art unkenntlich bleibt, ist der ganze kunsttheoretische Diskurs zur Plastik bis hin zum Begriff des Autoplastischen. Das Stichwort „autoplastisch“ nimmt Hörisch zwar mehrfach in Anspruch, jedoch – da der entsprechende Diskurs fehlt – ohne Möglichkeit es näher zu bestimmen. Dabei hätte ihm die Beschäftigung mit Herder erneut weiterhelfen können.

Denn gerade gegen Herders Vorstellungen des Plastischen richtete sich der Blindenpsychologe Ludwig Münz mit seinem Begriff des Autoplastischen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Autoplastisch bedeutet etwa, ein Lächeln nicht vom Anblick her zu gestalten, vielmehr aus der eigenen körperlichen Empfindung. So beinhaltet diese ungemein detaillierte, kenntnisreiche und im besten Sinne auch sprachverliebte Studie leider ebenso Seiten, die dem Anspruch anderer Disziplinen als jener der Germanistik nicht gerecht werden, schon gar nicht einer „Phänomenologie der Hand“.

Die private und die öffentliche Hand

Als eine Kulturgeschichte überzeugt das Buch „Hände“ von Jochen Hörisch deshalb vor allem mit Blick auf Sprache und Literatur. Nachdem die Bedeutung der dichterischen Höhenflüge nun besprochen wurde, muss mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, wie der Autor die historische Dimension seines Vorhabens entfaltet. Nicht nur Wortherleitungen und Redewendungen stehen im Vordergrund. Vielmehr entwickelt er ein mentalitätsgeschichtliches Panorama, wiederum am Beispiel der haptischen Metaphorik.

Mit Hilfe des Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache erkundet er etwa die Übergänge der Sprechweisen von der „Hand Gottes“ zu jener von der „unsichtbaren Hand des Marktes“ bis hin zur Unterscheidung von „privater und öffentlicher Hand“. Mentalitätshistorisch spiegelt sich darin der Wechsel von metaphysischer Verabsolutierung zur Verbildlichung des nur mehr Angenommenen bis hin zur konkreten Benennung wirkender Kräfte:

Private und öffentliche Hände stehen nicht nur miteinander im Widerstreit, gemeinsam schwächen sie auch den Glauben an die eine herrschende Gotteshand.“

Die unsichtbare Hand Gottes

Sein Hauptinteresse gilt in dieser Entwicklung der sogenannten unsichtbaren Hand. So verweist er auf den Bericht von Daniel Defoe über die große Pestepidemie in London 1665, und wie darin die Hand Gottes als unsichtbare Hand gedeutet wurde. Im Laufe des 18. Jahrhunderts dann, dem Zeitalter der Empfindsamkeit, fand die Metapher von der unsichtbaren Hand Eingang in Ausdrucksweisen unergründlicher Leidenschaften, etwa in Christoph Martin Wielands Trauerspiel „Clementina von Porretta“.

Zur unpersönlich waltenden Vision einer schicksalhaften, unsichtbaren Hand gesteigert, findet sich die Metapher bei Friedrich Schiller, Jean Paul oder Ludwig Tieck, während im englischsprachigen Raum der Ökonom Adam Smith den Wohlstand im Kapitalismus davon bewirkt sehen wollte oder die Schriftstellerin Mary Shelley den künstlichen Menschen von Viktor Frankenstein damit identifizierte. Hörisch:

Diese kleine Zitatreihe, die nur durch die allen Texten gemeinsame Wendung von der unsichtbaren Hand zusammengehalten wird, belegt die Intensität eines Problems, an dem sich große Literatur abarbeitet. Wer hat wie und in welchem Maße sein Leben in der Hand; welche anderen, erst einmal nicht eindeutig erkennbaren, ja unsichtbaren Hände fallen unseren Versuchen, das Spiel des Lebens in der eigenen Hand zu halten, in die Hände?“

Die kleinen nachzeichnenden Menschen

Das Bild der unsichtbaren Hand rückt Jochen Hörisch vor allem deshalb in den Vordergrund, weil hier sprachliche Mentalitätsgeschichte und poetische Versprachlichung der einzelnen Dichterinnen und Dichter nachweislich ineinandergreifen, treffend zum Beispiel in einer Passage aus Wilhelm Raabes Roman „Chronik der Sperlingsgasse“ von 1855:

Wie traurig hat dieser Tag geendet! Ich wollte die Geschichte der armen Tänzerin über mir, die wir einst auf den Weihnachtsmarkt begleiten, nicht erzählen, aus Furcht, diesem Bilderbuch eine dunkle Seite mehr zu schaffen; aber die unsichtbare Hand, welche die gewaltigen Blätter des Buches „Welt und Leben“ eins nach dem andern umwendet, mit ihren zertretenen Generationen, gemordeten Völkern und gestorbenen Individuen, will es anders als der kleine nachzeichnende Mensch.“

Dass die Dichter, die „kleinen nachzeichnenden Menschen“, im Sog der prosaischen Sprachgeschichte stehen, wird dort deutlich, wo sich die Nachwirkung metaphysischer Herkünfte verbraucht – in wachsender Kritik und Transparenz und der Zuweisung schließlich konkreter Gründe für bestimmte Auswirkungen auf das eigene Leben, ökonomische Zwänge etwa.

Eine Hand wäscht die andere

Die private und die öffentliche Hand schälen sich als rationalisierte Metaphern aus der geheimnisumwitterten Rede vom Unsichtbaren. Sie tauchen dementsprechend vornehmlich in sachlichen Organen auf – Zeitungen, Wörterbüchern – und nicht in Romanen oder Dramen. Dass der Germanist Hörisch auch ein versierter Medientheoretiker ist, macht die Lektüre dieses Abschnitts zu einem besonderen Vergnügen. Statistische Graphiken des Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache veranschaulichen die rasante Popularisierung des Begriffspaares der öffentlichen bzw. privaten Hand im 20. Jahrhundert. Zu dieser Popularisierung vermerkt der Autor:

In vormodernen und vordemokratischen Zeiten (…) war die klare Unterscheidung zwischen der privaten und der öffentlichen Hand kaum möglich. Denn die öffentlichen Staats- und Verwaltungsgeschicke lagen ja zumeist in der Hand einer regierenden Privatperson, die diesen ihren Status, als erwählte Privatperson über öffentliche Belange entscheiden zu können, auf Gottes Gnade und Ratschluss zurückführen konnte (…). Die Privatschatulle und die Privatkapelle eines Herrschers sind scheue Ausprägungen der Vermutung, dass das öffentliche Wohlergehen der Bevölkerung und das private Wohl eines Herrschers unterschiedlichen Impulsen und Logiken folgen können. Die Illusion einer großen Übereinstimmung zwischen den Interessen des Landesvaters und des Landes war um jeden Preis aufrechtzuerhalten (…). Moderne, funktional ausdifferenzierte Gesellschaften verabschieden sich von solchen Homogenisierungstendenzen. Sie setzen auf binäre Unterscheidungen wie die zwischen der privaten und der öffentlichen Hand.“

Das Wort ist zum Greifen nah

Eingangs wurde auf den anthropologischen Horizont von Hörischs Kulturgeschichte der Hand hingewiesen, mit Blick auf Herder, und daran knüpfte sich die Frage, ob sein Buch hierzu einen überzeugenden Beitrag leistet. Das Beispiel des Wandels von der Bildsprache der Hand Gottes über die unsichtbare Hand bis hin zur öffentlichen bzw. privaten Hand, zeigte seine Verbindung mit poetischen Wendungen in diesem Rahmen, als reflexive Kristallisationen der Sprachkunst. Zugleich bildet die Hand in ihrer Körperlichkeit den allgemeinen Bezug und Rückhalt für die Sinnhaftigkeit dieser kollektiven wie individuellen, historischen wie kulturellen Zuschreibungen.

Auch wenn die Analyse sinnlicher Taktilität und Plastizität in seiner Studie nicht weit genug führt, so bleibt davon doch unberührt, dass der Autor Hände als greifbare Gliedmaßen ernst nimmt. Ein Wort ist nicht zum Greifen nah, doch lässt es sich begreifen. Dieses Paradox der eigenen Versprachlichung, mit der Körperlichkeit, gilt es zu ergründen. Das Staunen über dieses Paradox offenbart sich am auffallendsten in seinem Buch am Beispiel zweier Textpassagen, die sein Angebot darstellen, von der Literatur her das rätselhafte Ineinander von Fühlen und Denken zu betrachten, wie es für Menschen typisch ist. Die erste Passage stammt aus den Aufzeichnungen von Franz Kafka, mit dem einleitenden Satz: „Meine zwei Hände begannen einen Kampf.“ Die zweite Passage entstammt Jean-Paul Sartres Roman „Der Ekel“:

Ich sehe meine Hand, die auf dem Tische liegt. Sie lebt – sie ist ich. Sie öffnet sich, die Finger spreizen sich, sie liegt auf dem Rücken, zeigt mir ihren fetten Bauch. Sie sieht aus wie ein umgeworfenes Tier, die Finger sind seine Beine. Es macht mir Freude, sie sehr schnell zu bewegen wie die Beine eines Krebses, der auf den Rücken gefallen ist. Der Krebs ist tot, die Beine krümmen, schließen sich über dem Bauch meiner Hand. Ich sehe die Nägel – das einzige an mir, das nicht lebt. Meine Hand dreht sich um, liegt platten Bauches auf dem Tisch, zeigt mir ihren Rücken. Ein Silberrücken, ein wenig glänzend, beinahe ein Fisch, wären nicht die roten Härchen an den Ansätzen der Glieder. Ich fühle meine Hand. Diese beiden Tiere, die sich da am Ende meiner Arme berühren – das bin ich.“

Nichts weiß die linke Hand

Der eigene Körper als Fremdkörper; die Kreatur, die man ist, spielerisch erfahren – die Hände erlauben es, sie zueinander in Bezug zu setzen und sich selbst dazu in Bezug zu setzen. Man bildet ein Dreieck mit seinen Händen, so scheint es, eine intime Dreiecksgeschichte auch, bei der die linke Hand nicht immer weiß, was die rechte tut, Hände sich in einen Kampf verstricken können, sie den Dichter und Philosophen nicht weniger faszinieren als den Maler und Zeichner. „Die denkende Hand“, so nannte Gerhart Hauptmann 1922 einen Vortrag, in dem er die Wendung von der „Arbeit der denkenden Hand an uns selbst“ prägte.

Auguste Rodin zeigte einen Denker auf seine Hand gestützt, und in dem Band von Hörisch ist eine Skulptur von ihm abgebildet, mit dem Titel „Die Kathedrale – Hände“. Zwei fremde, offene Hände bilden in der Begrüßung ein schützendes Oval, einen Bogen. Oder sind es doch die Hände ein- und derselben Person?

Im Text dazu zitiert der Autor Rainer Maria Rilke, wie er von Handdarstellungen bei Rodin sprach. „Es gibt eine Geschichte der Hände, sie haben tatsächlich ihre eigene Kultur“, so der Dichter. Jochen Hörisch hat diese Kulturgeschichte der Hände nun ausgebreitet – in Erinnerung auch daran, dass, wer vom digitalen Zeitalter spricht, es nach dem Finger benennt, lateinisch digitus. Hörisch dagegen reicht uns die ganze Hand.

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Dietmar Moews meint: Hörischs Rosinenpicken ist keine Reflektion – wie es der DLF-Autor Mühleis insinuiert. Es ist keine Phänomenologie der Hände, wie es meines Erachtens das Bezugsfeld sein müsste, wenn ich hier als Soziologe und Künstlergelehrter – Maler, der mit Händen und Augen Neues schafft.

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Es ist mehr ein Rosinenpicken bei Goethe, Herder usw. – mehr ein Karteikasten eines Germanisten und nicht Semantik oder Literaturwissenschaft in der Philosophie – EGAL. Jochen Hörisch hat sich und den Lesern und DLF-Hörer eine Tür zum Thema Leibwahrheit und Realitätsverluste: Humanismus gegen Scholastik im Bereich der Hände gefunden.

Autor Hörisch hat einen Ausschnitt der Kulturgeschichte der Hände zusammengetragen – mithilfe der Suchmaschinen im Internetz, eine fleißige Textverarbeitung. Der Autor (geb. 1951) war Professor für Medien- und Literatur in Mannheim und ist in der eigenen Lektüre auf seine Lebensjahre sehr begrenzt, wollte er ein solch universelles Händebuch zuschneiden.

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So geht es heute allen – in den Geisteswissenschaften, sobald sie die enge Empirik verlassen, wird es realitätsverlustig und narrativ. Etwas von Edmund Husserls Phänomenologie und von Hermann Schmitz‘ Leibperspektiven hätte Hörisch gut getan.

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Ich kann immer nur täglich staunen, wie wenig die Gesellschaft und ihre organisierte Wahrnehmung den Sinnlichkeitsverlust durchschauen, den die technische Instrumenten- und Prothesenwelt all der Erleichterungsmaschinen für uns bedeutet – wie dringlich diese Neue Sinnlichkeit mit Hänen zu greifen ist und anscheinend doch nicht begriffen wird, stattdessen über den Bezahlpreis sich und den Profitgetriebenen selbst überlassen ist.

Und der Deutschlandfunk hat mal wieder keine kritische Höhe der Darstellung dieses durchaus wichtigen Buches „Hände“ von Jochen Hörisch, bei Hanser, zu erreichen vermocht, hier mit Vokmar Mühleis.

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Ich warte jetzt auf „Die Ohren“ – von Hörisch

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hip-hip-hurra CHIP CHIP HURRA in jedem Mensch lauert der Tod im Chip nicht

April 6, 2017
Lichtgeschwindigkeit 7251

Vom Freitag, 7. April 2017

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Winziger Micro-Chip, wie heute gebräuchlich, automatische Verrichtungen zu vereinfachen

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IT-REVOLUTION ist auch, wenn die Auslegung der Computermaschinen die Menschen umformen, den Benutzern Microchips implantieren, damir der Mensch selbst Teil der Maschine wird und – so elektronisch gespeist – ein maschinengerechtes Verhalten annimmt.

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CYBORG wird der computertechnisch umgerüstete Mensch genannt.

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CYBORG ist kein ROBOTER. CYBORG ist der manipulierte Mensch, der von sich glaubt – nach dem Prinzip von Prothesen, Zahnersatz, Brille und Herzschrittmacher – lediglich zu seinem äußerlichen Menschen-KÖRPER nun noch einen leistungsfähigeren MENSCHEN-LEIB haben zu können und abei doch Mensch bleibt.

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Wir benutzen eine Treppe und richten uns beim Treppensteigen natürlich nach den Stufenhöhen und Tritttiefen – jeder richtet sich nach dem Sturz an der Kellertreppe, beugt sich vor der „Technik“, um nicht anzustoßen. Wer eine Tür öffnet formt, mittels mimetischem Vermögen, die Form der Türklinke mit seiner Handinnenseite nach. Niemand würde deshalb von CYBORG sprechen, wenn der Mensch sich Technik zulegt, die ihm dienlich und nützlich ist.

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Wer also seine Wahrnehmung „verbessert“ wird damit nicht zum CYBORG, wenn er sehen kann wie ein Adler, hören kann wie ein Fledermaus und hören kann wie ein Hund. Wenn seine geistigen Kapazitäten durch eine IT-Vernetzung, über implantierte Microchips, Sensoren und Cloud-Verbindung die größten Computer für sich „rechnen“, „beobachten“, „urteilen“ lassen kann, hat er bessere Zielführung seiner Aktivitäten, besseres Gesundheits-Monitoring, ist in Vielem sehr viel schneller u. u. u.

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Doch da, wo der IT-Einsatz das Verhalten des verchipten CYBORGS auf Maschinen abrichtet, wo die Maschine opitimiert und bestimmt und der Maschinist affiziert die Maschinenprozesse so, wie es die Produktion verlangt, dann ist die Grenze überschritten, wo aus einem geknechteten Fließbandarbeiter eine CYBORG-Edelnutte geworden ist. Und dann gibt es kein zurück mehr.

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Zum IT-Unit können dem Körper „Roboter-Funktionen“ eingepflanzt werden, Microchips, Prothesen, Auswahl- und Verstärkungstechnik. Damit wird aus einem Mensch ein CYBORG.

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Der CYBORG kann Aktionen vollführen, die ein Mensch nicht könnte. Dazu werden riesige Computerkapazitäten dem menschlichen Körper angeschlossen, die in Echtzeit, ohne Verkabelung, arbeiten und selbständig steuern, was darauf der „getunete“ Körper macht.

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Dem Invaliden im 30-jährigen Krieg wurde ein Holzbein oder ein Rollbrett untergeschnallt. In der modernen Zeit können Brillen die Augen korrigieren, Hörgeräte „laut stellen“ und alle möglichen somatischen Drogen gute Laune verbreiten. Dann wird aus dem Körper der Leib.

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Der CYBORG ist der entleibte, neubeleibte Mensch – der sich darüber nicht einmal Gedanken machen muss; denn er ist auch insgesamt zu blöde, noch einschätzen zu können, was der „liebe Gott“ noch Alles mit ihm vorhat.

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Ja – und hat man das denn früher besser wissen können?

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Der Prozess dauert nur wenige Sekunden, etwas schmerzhaft ist der Eingriff allerdings schon.

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Mittlerweile sind die Mikrochips bei Epicenter so beliebt geworden, dass der Eingriff monatlich kostenlos auf Events vorgenommen wird.

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Für die Mitarbeiter scheint das hingegen kein großes Thema zu sein. Ein junger IT-NATIVE wollte einfach etwas Neues ausprobieren und sieht es als Technik der Zukunft, echte Sorgen um Privatsphäre und seine Daten mache er sich keine, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete.

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Für die einen ist es eine gruselige Vorstellung, für die anderen ist es praktisch und der nächste logische Schritt: das Einsetzen eines Mikrochips in den eigenen Körper. Im schwedischen Start-up Epicenter ist genau das längst zum Alltag geworden. Die Mitarbeiter machen sich sogar freiwillig zum Cyborg.

 

Bei Epicenter wird Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, sich einen Mikrochip in die Hand implantieren zu lassen. Für Kollegen, die sich einen Chip einsetzen lassen wollen, werden sogar eigene Parties veranstaltet.

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Der Chef von Epicenter sieht das allerdings ganz anders. Für einen IT-NATIVE ist es einfach eine Möglichkeit, um den Alltag bequemer zu gestalten. Eine einfache Handbewegung reicht aus, um eine Tür zu entsperren, einen Drucker zu bedienen oder um sich einen Smoothie zu kaufen. Damit dient der Mikrochip als Ersatz für andere Hilfsmittel, etwa Schlüssel, Zugangs- und Kreditkarten.

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Eingesetzt wird der Mikrochip mittels Spritze, zwischen dem Daumen und Zeigefinger. Der Chip hat dabei in etwa die Größe eines Reiskorns. Komplett neu sind solche Mikrochips nicht, bereits bei Tieren und R/Paketen werden ähnliche Methoden genutzt, um etwa die Ortung zu jedem Zeitpunkt zu ermöglichen. Allerdings wurden Chips zuvor noch nicht im großen Maßstab bei Menschen implantiert und in Unternehmen eingesetzt.

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Biologisch soll es beim Einsatz des Chips unter die Haut keinerlei Bedenken geben, anders sieht dies aber beim Datenschutz und der Privatsphäre aus.

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Und das lässt sich demnächst in der neuen CYBER-WAR-Abteilung im deutschen Bundesverteidigungsministerium gut für die it-gestützten Infanteristen und Sonderkommandos implantieren – dann haben die Soldaten auch Angst nur, wenn es passt.

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Die Chips ermöglichen die Erfassung von diversen Daten, so ist es möglich zu sehen, wann und ob ein Mitarbeiter zur Arbeit erschien und was er wann gekauft hat. Im Gegensatz zu klassischen Chipkarten oder Smartphones besteht bei den implantierten Chips keine Möglichkeit, die Datenerfassung zu unterbinden. Der Mikrochip ist stets aktiv und fest mit dem Menschen verbunden.

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Die Mikrochips setzen auf Near Field Communication (NFC), eine Technik die besonders bei der mobilen Bezahlung mit dem Smartphone weit verbreitet ist.

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Epicenter in Schweden ist das Zuhause von mehr als 100 Firmen und rund 2000 Mitarbeitern. Die ersten Implantate wurden bereits im Januar 2015 eingesetzt, mittlerweile nutzen rund 150 Menschen die Chips. Auch in Belgien gibt es bereits ein Unternehmen, dass Mitarbeitern optional Mikrochips einsetzt.

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Dietmar Moews meint: Während ich von Platon und Aristoteles, zu Edmund Husserl und dem Neu-Phänomenologen Hermann Schmitz die NEUE SINNLICHKEIT aktuell erfasse, sind die massenhaften Doofmänner davon kaum zu beeindrucken, denn sie kommunzieren verstärkt in ihren sozialen „BLASEN“ – das heißt, sie wissen und erleben nichts davon, wie groß die Welt und die Menschlichkeit eigentlich ist und durch die persönliche Entwicklung den Sinn schlechthin erreichen kann.

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Allerdings sind nicht alle von der neuen Technik begeistert. Ben Libberton, ein Mikrobiologe des Stockholmer Karolinska Instituts, warnt davor, dass Hacker sich Zugang zu vielen Informationen verschaffen könnten. Die Mikrochips könnten Details zum Standort, dem Arbeitsverhalten, Pausen, Arbeitszeiten und Gesundheitsdaten beinhalten.

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Ja, gut, auf den Einzelnen kommt es doch nicht an (glauben die meisten). Und was kann man schon groß anders machen, wenn die heutige Berufswelt eben aus Bildschirmgucken und Tasten-Tippen besteht und zwar überwiegend nicht mit Selbergedachtem, sondern mit Prozessschritten und Modul-Pasten, die angelegentlich ebenfalls von Prozessoren ersetzt werden werden.

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Schoki-Test mit LINDT ZARTBITTER mit 52% Cacao

Januar 18, 2016
Lichtgeschwindigkeit 6189

Vom Montag, 18. Januar 2016

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Dietmar Moews meint:

All solchen Fragen, Problemen, Zweifel gegenüber gibt es zunächst nur eine Stellung: Was uns irgendwie bei unserer Denkrichtung hier fraglich ist, müssen wir als fraglich behandeln, und nur festhalten, was unserem Fragen und Erwägen als sinnvolles Fragen zugrundeliegt.

Also die cartesianische Evidenz dürfen wir nicht preisgeben, wir müssen sie aber andererseits richtig verstehen, richtig fassen und begrenzen. Auch nicht zu eng begrenzen. Sie appelliert an die absolute Selbstgegebenheit des Zweifels im Zweifel, des Wahrnehmnes im Wahrnehmen usw. …“

(„Aber alle Erlebnis fließen dahin“, Edmund Husserl, 1911)

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Ich probierte eine in Deutschland hergestellte Schweizer LINDT&SPRÜNGLI AG Kilchberg / Schweiz, hergestellt von Lindt&Sprüngli GMBH D-52072 Aachen und vertrieben durch LINDT & SPRÜNGLI (Austria) Ges. m. b. H. Hietzinger Hauptstraße 1A, AT-1130 Wien, genannt Lindt ZARTBITTER mit 52 Cacao PREMIUM CHOCOLADE.

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Kurz vorab: Diese dunkle Schokolade ist preisgerecht, mit einer amerikanischen Aufmachung. Sie knackt überzeugend und bricht sauber. Die frischgeöffnete Packung duftet angenehm. Der Schmelz im Mund schleimt wie Schoko-Likör und ist dem Tester zu süß. Sie ist mit 1 EURO 59 für 100 Gramm überzeugend – aber kein Souvenir. Leider kein BIO, angeblich Bean to Bar, nicht Fair Trade – also ein mit künstlichem Vanille und Aromen, agrachemikalisch und genpatentrechtlich aufgejazztes Industrie-Produkt.

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Die Geschichte der Firma SPRÜNGLI beginnt bereits anfang des 19. Jahrhunderts und kreuzte sich dann später mit dem zweiten Gründer des Unternehmens SPRÜNGLI. Im zwanzigsten Jahrhundert wurden zahlreiche kleine und auch ganz große Schokoladenmarken aufgekauft. Inzwischen ist LINDT&SPRÜNGLI eine der drei größten Schokoladenindustrien auf dem Weltmarkt, besonders auch in den USA.

(vgl. „SCHOKOLADE – DAS STANDARDWERK“ von Georg Bernardini, S. 149)

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http://www.lindt.com

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Für mich als Schokoladen-Liebhaber ist eine Schokolade, die nicht zu hell, aber nicht ganz dunkel ist und Milch-Schokolade heißt, das Schönste von der Welt. Auf diese dunkle Schokolade trifft das nicht zu. Sie ist vom Kakaogehalt als Schokolade zwar nicht zu dunkel, hat aber die typischen „Zartbitter-Geschmackseigenschaften“ und den sauren Nachklang ohne deutlichen Kakaogeschmack. Diese Schokoladenkomposition hat auch als aufgelöster Schmelz im Mund extrem „homogenisierende“ Eigenschaften, wie schokoladiger Lack, die von Fett, Eiwaiß, Lecithin und weiteren künstlichen Zusatzstoffen herrühren, als löse sich ein Schokoladenabbiss gar nicht wirklich auf, sondern verschleimt nur.

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Die klassische 100 gr. Tafelpackung im us-amerikanisch-dekorativen, flachen Standard-Format aus hochglänzend und gold bedruckter Pappe enthält die Schokoladentafel mit einem klassisch abgesetzten Bruchkanten-Relief oben, darauf je in feiner Schreibschrift eingeprägt das Wort Lindt. Die Unterseite ist glatt, dunkelbraun matt. Die Konsistenz ist völlig homogen und ziemlich fein und kommt dem Feinheits-Superlativ nahe. Knackig ist diese Lindt sehr gut, dass man hartkantigen sauberen Abbruch ohne Bröckeln hat. Man beißt ab und hat dann eine schleimig langweilige Kauarbeit -, das Gemenge ist süß und irgendwie tot.

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Die Aufmachung hat bei dieser Sorte eine 100 g Dunkel-Tafelschokolade dekorativ in der ruby-krimson-dunkelbraun changierenden, wiederverschließbaren Papphülle außen, mit Fotoreproduktionen einiger Lindtstückchen drauf, die zu einer anderen Sorte (Farbe) gehören mögen, und innen ist die Schokolade in einem wunderbar klassischen Silberpapier gut und sogar wiederverschließbar verpackt – haltbar laut Kennzeichnung mindestens bis: „10 / 16“

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Hinten steht noch was fürs Leseauge in leserfreundlich großem Schriftgrad und leserunfreundlich kleiner Schrift:

ZARTBITTER Genießen Sie diese feinschmelzende Lindt Zartbitter Kreation. Ihren ausgewogenen chocoladigen Charakter erhält diese klassische Lindt Kreation durch einen Anteil von 52% Cacao. Sorgfältiges Conchieren macht sie zu einem einzigartigen Geschmackserlebnis. Die besondere Note aber bleibt ein kleines Geheimnis unserer Maitres de Chocolatiers.“

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Der Kaufpreis liegt mit 1 Euro 59 für 100 Gramm angemessen. Äußere Aufmachung und Verpackung sind angeberisch. Die innere Papier-Aufmachung ist angenehm und schön.

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LINDT teilt auf dieser ZARTBITTER folgende Zutaten auf der Rückseite der äußeren Papphülle in Deutsch, mit dem größten Anteil beginnend, mit:

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Zartbitter-Schokolade: Kakao: 52% mindestens; Zutaten: Kakaomasse, Zucker, Kakaobutter, Emulgator (Sojalecithin), Aroma Vanillin

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ACHTUNG: Diese LINDT ist nicht BIO! Diese LINDT ist nicht Fair Trade.

OHNE die Kennzeichnung BIO haben wir es folglich mit genmanipulierten und agrachemikalisch optimierten Rohstoffen, also Kakaobohnen, Zucker, Milcheiweiß, zu tun.

OHNE die Kennzeichnung FAIR TRADE haben wir es nicht mit einem sozialverträglichen Herstellungs- und Handelsprodukt zu tun. Leider NEIN.

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Eine Nährwertinformation und Tabelle bietet LINDT auch auf der Packungsrückseite PRO 100g:

Energie 2165 kj / 520 kcal

Fett 31 g

davon gesättigte Fettsäuren 19 g

Kohlenhydrate 49 g

davon Zucker 47 g

Eiweiß 6,7 g

Salz 0 g

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EMPFEHLUNG: Der Tester empfiehlt diese Lindt Zartbitter, trotz der gewissen Feinheit und des passablen Kaufpreises, nicht, denn sie ist nicht lecker sondern tot, nicht wirklich Spitze, aber mit der üblichen Zartbitter-Säure.

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Besonders unangenehm sind die geradezu massenhaften Geschmacksvarianten von gefüllten Lindt&Sprüngli-Sorten in den Regaken bei REWE auf der Bonner Straße der Kölner Südstadt – die den Tester als Schokoladenliebhaber derart ärgern, dass er darüber nicht schreibt – während die passable, geschätzte feine Lindt Vollmilch-Nuss seit Monaten im Regal fehlt (REWE erklärte: Bei uns kommt der Sortimenter direkt von Lindt! – Diesen Lindt-Sortimenter scheinen die Kunden nicht zu interessieren).

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Georg Bernardini macht eine Verbeugung für die Größe des Marktführers Lindt&Sprüngli in seinem Schokoladen-Buch von 2015. Diese Lindt Zartbitter 52% Kakao, hier im Test, testet Bernardini im Einzeltest nicht, aber gibt dem Chocolatiers generell zwei von sechs Kakaobohnen und folgendem Fazit:

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Die Produkte sind im Vergleich zu anderen industriellen Produkten … die Kreativität der Produktentwickler … auch wenn vieles von den kleinen Produkzentwicklern abgeschaut ist …“

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