Von der Unermeßlichkeit des Schönen

Mai 19, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4430

am 19. Mai 2014

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IX,5

Das Urteil im Schönen ist jenes inhaltswahre Sinngerechte, das die Gefäßwürde einer werdenden Gefüge-Einheit bestimmt.

Durch zeugerische Prüfsamkeit entsteht mit der formguten Entsprechung das Unweigerliche im Sinnfälligen des Gestaltbefundes.

Das Ur teilt sich im Geiste des Werdens mit in unerschöpflicher Formenvielfalt; jede sinnerfüllte Form behält daher den Wertrang eines Ur-Teils aus dem Werden.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

Mai 13, 2014

 

Lichtgeschwindigkeit 4407

am 13. Mai 2014

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VIII,11

Der Warner im Schönen ist der unbestechliche Zuchtgeist angesichts des Formguten, der dem Missbrauch von Bildekräften und Entsprechungen entgegenwirkt.

Mit dem Siege über Willkür, Unmaß und Fürwitz gewinnt zeugerischer Werkwille die volle Bewährungsfreiheit.

Unwarnbarkeit führt durch Zuchtmangel zur Entartung der Könnerschaft.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

April 18, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4313

am 18. April 2014

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VI,9

Die Einheit im Schönen ist die Untrennbarkeit von Sinngehalt und Kräftegleichgewicht im Maßgefüge einer Formordnung, welche Gleichniswürde zeigt.

Mit dem Einswerden von Anlaßgut und Wirkgestalt im dichten Sinngebilde zeugerischen Ursprungs vollendet sich jeweils das wesenhafte Werkgeschehen.

Dem Wertrange angewandter Prüfsamkeit entspricht der Höhengrad des erzielten Formguten bei hinreichendem Können.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979

 


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

April 3, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4271

am 3. April 2014

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V,6

Die Macht im Schönen ist die Unabhängigkeit der nutzwirkenden Sinngefüge-Einheiten vom Beschränktsein und Meinen der Menschen.

Mit der zeit- und raumlosen Eigenwürde des offenbaren Offenbarten verbinden alle beseelten Schöpfungen die unbeirrbare und unverlierbare Eigen-Sinnigkeit des Nichtwiderleglichen.

Die Macht im Schönen bleibt fühlbar als unbestechliche Urteilskraft zweckbestimmter Gestaltbefunde, deren Formgesetzliches sich sinnfällig und dauerhaft behauptet wider alle Vernünftelei.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

April 2, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4268

am 2. April 2014

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V,5

Die Kühle im Schönen ist die Sinnfrische eines Gestaltbefundes, dessen innere Wahrheit Unerwartetes birgt.

Mit dem vom Menschen sinnig aufgenommenen Unerwarteten, das alsbald nicht mehr befremdet, kehrt die Willenswärme in das empfängliche Gemüt zurück; – die Kühle im Schönen ist somit eine bloße Scheinbarkeit.

Völlig kalt jedoch lassen alle Gebilde, die ohne innere Güte sind.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979

 


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

März 28, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4254

am 28. März 2014

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IV,12

Der Glanz im Schönen ist ein sinnerfüllter Widerschein des Inhaltswahren, das durch Verwandlung in entsprechendes Formgutes einer Gefüge-Einheit beseelte Maßgestalt empfing

Ohne geheimnisvolles Einwirken von Lichkräften des Wahren auf die entstehende Gestaltordnung kann sich Wärme der Sinnfülle im Formguten nicht sammeln.

Das Vollendete verhüllt im Offenbarwerden den Wunderglanz seines heilen Erscheinens.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979

 


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

März 26, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4248

am 26. März 2014

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IV,10

Der Reiz im Schönen ist jener Ansporn seitens einer Gefüge-Einheit, durch das Sinnfällige ihres Formgutes auch ihr Inhaltswahres zu erschließen.

Ohne das Ergründen der inneren Gefäßwürde kann aber durch Sinnfälliges des Gestaltbefundes allein dessen Inhaltswahres nicht ermittelt werden.

Dank schöpferischem Ermessen erhält das Reizvolle im Schönen durch Zusammenwirken mit dem Geheimnisreichen sinnmehrendes Gewicht und tiefere Bedeutung.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979

 


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

März 23, 2014

 

Lichtgeschwindigkeit 4239

am 23. März 2014

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IV,7

Der Trost im Schönen ist der Kraftbescheid jenes Geheimnisgehaltes an Inhaltswahrem, welchen das Formgute eines Entsprechungsgefüges ausstrahlt.

Ohne eine sinnfällige Formenordnung aus beseelten Gestaltbefunden des Schönen kann kein Inhaltsgeheimnis seinen innersten Nutzzweck des Tröstens erfüllen.

Das Verquicktsein von Zweckleere, Sinnmangel und Unmaß kennzeichnet allenthalben das Trostlose im Unnützen.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979

 


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

März 20, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4230

am 20. März 2014

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IV,4

Der Hort im Schönen ist der erzielte Gewinn an Beseelkraft in einer wohlgestalten Sinngefüge-Einheit aus Inhaltswahrem und Formgutem.

Ohne solchen Zuwachs an innerstem Geistwerks-Nutzen aus frischem Inhaltswahrem läßt sich durch Formenreize allein nichts Sinnmehrendes im Schönen horten.

Folglich geschieht im Schaffen von Schönem wahrhaft Neues niemals durch äußeren Formenwandel, sondern stetsfort nur durch Einstrahlungen aus zusätzlich erforschten Innenschau-Bereichen.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979

 


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

März 15, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4215

am 15. März 2014

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III,11

Das Späte im Schönen ist das offenbare Dasein des Enthaltenden, also das Bestehen einer Gefüge-Einheit, deren Formgutes jenem Inhaltswahren entspricht, das der sinnführende Endzweck verursachte.

Ohne solchen sinnfälligen Befund, der Endzweck, Ursache und Wirkung im dreifachen Bestande unauflöslich in sich enthält, kann auch Schönes nicht Gefäßwürde erlangen.

Die Willenswärme bedient sich des Verstandeslichtes im beseelten Handwerk, um dem Geistwerk Maßgestalt zu geben.

…“

Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979