Hans Stilett – 1922- 2015 – Kurznachruf

Januar 26, 2015

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vom Montag, 26. Januar 2015

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Der Autor Hans Stilett (Pseudonym für Hans Adolf Stiehl), geboren am 20. April 1922 in Witzenhausen (Thüringen) und jetzt am 18. Januar 2015, 92-jährig, ist altersbedingt und infolge gesundheitlicher Schläge über Jahre hin, nun gestorben. Er hat es geistreich gelebt.

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Stilett war Redakteur beim Bundespresseamt in Bonn, wo er lebte und arbeitete, verfasste einige Gedichtbände, noch als Pensionär intensives Studium der Philologie an der Universität in Bonn, im Jahr 1989 Promotion zum Dr. phil. mit „Reisetagebüchern Montaignes“, mehrfach ausgezeichneter Preisträger als Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke, dann Schriftsteller der äusserst anerkannten eigenen Übersetzung der „Essays von Michel de Montaígne“, dem großen französischen Renaissancemeister, Orientierungsgröße für Giordano Bruno und für Shakespeare – erschienen als Sonderband bei Eichborn in der „Besonderen Bibliothek“ (hrsg. Hans Magnus Enzensberger) sowie im Anschluss noch ein Stilett-eigenes Raisonnement als Kommentarband der besonderen Art „VON DER LUST, auf dieser Erde ZU LEBEN – Wanderungen durch Montaignes Welten“, 2008 ebenfalls bei Eichborn und zuletzt, als 91-jähriger: „Eulenrod“ – seine biografische Kindheitserinnerung, 2013 bei Antje Kunstmann Verlag, München.

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Während es Hans Stilett mit „Montaigne“ ehrenhalber gelungen ist, eine weltgeschichtliche Qualität zu berühren und damit zeigen konnte, dass er selbst zum kleinen Kreis der geistigen Elite unserer Welt zählte, statt nur am großen Namen zu surfen, sind seine eigenen Reflexionen „VON DER LUST …“ durchaus als sinnliche Eröffnung Montaignes für das 21ste Jahrhundert zu nutzen.

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Ich möchte Hans Stilett nachrufen: Dass Sprachformung wie hochfeinstes Konfekt einen geistigen Fluss auslöst, wie nur bei den leuchtendsten Sternen, wo Prosa Lyrik wird: Hölderlin, Heinrich Heine, Friedrich Nietzsche, Hamed Charhadi, Antoine de Saint Exupéry …

Ein Leser ist darauf angewiesen, dass der Autor Schauen und Schaffen konnte, dass bei ihm sein Schreiben aus dem Sprechen des Denkens vom Handeln entsprang – im Gefühl des justierenden Verdichtens kultiviert gefesselt ist.

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Man muss ihm dankbar sein.

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Hans Stilett war ein Vorbild in unserer deutschen Sprache. Wie bescheuert, dass seine Kunst derart unbeachtet ist, dass nicht einmal Schulkinder davon erfahren.

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Das muss sich ändern – wie Walter Bauer schrieb: „Allein isst man nur, was man eingekauft hat“.

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EUROPA WÄHLT 2014 – Flexi-Armut und Gebrochenes zur Rente

Mai 19, 2014

 

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am 20. Mai 2014

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Kommenden Sonntag ist Wahltag. In 28 Staaten wird das neue Parlament der Europäischen Union in Strassbourg gewählt.

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Großes Reliquiar DMW 21.9.74 185 cm / 155 cm Öl auf Leinwand in Springe gemalt

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Diese Wahlen sind nationale Wahlen. Der Wahlkampf in Deutschland wird von den Blockparteien der Großen Koalition mit unsinnigen Ablenkungsthemen zugekleistert:

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Nun der Beschluss dieser Bundesregierung: RENTE.

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Rente? – ja, kaum zu glauben. Sie beschließen über Rente in der absurdesten Weise. Und als sei das gottgegeben hinzunehmen, sie vertuschen den bisherigen Rentenskandal und wurschteln weiter. Immer in der Weise, dass großen Wählergruppen das Blaue vom Himmel versprochen wird.

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Erstens: Deutsche Rente hat nichts im EU-Wahlkampf verloren

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Zweitens: Der Rentenbetrug besteht darin, dass Rentenzahler ihr Leben lang Rente ansparen und schließlich, wenn sie selbst als Rentner ihre Rente verlangen wollen, kein angespartes Geld vorhanden ist. Man gibt die Rentner-Milliarden stets anderweitig aus. Der Skandal schreit.

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Drittens: Die Schaumschlägerei, jetzt im EU-Wahlkampf, dreht sich um „Früher in Rente“, bei 45 Einzahljahren – wer hat heutzutage 45 Einzahljahre?

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Viertens: Stichwort GENERATIONENVERTRAG und Kinderzahl.

Was hat eine 45 Jahre lang einbezahlte Rentenansparung mit Generationenvertrag zu tun? – ANTWORT: Nichts.

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Fünftens: Was soll die Diskussion über Regelaltersgrenze, wenn kaum noch ein Mensch zu den reichen Arbeitnehmern zählt, weil fast alle keine ungebrochene Erwerbsbiografie erreichen können? Hier ist die absurde Rentenpolitik, ähnlich der absurden DGB-Gewerkschaftspolitik, doch immer nur für die wenigen reichen Arbeiter überhaupt gültig.

Eine Altersversorgungsdiskussion ist längst fällig zur Frage der großen Zahl der Unversorgten –  nicht die Frage von Schuld oder Unschuld.

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Sechstens: Die Rentendiskussion mit Arbeitgeberlobbyisten ist ebenfalls lächerlich. Was sollen denn Arbeitgeber, die oft selbst keine ausreichende Altersversorgung ansparen konnten? Sie können höhere Löhne meist nicht erwirtschaften, also müssen sie entlassen und schließen.

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Siebtens: Eine Wahlkampf-Diskussion hätte sich einer gesellschaftlich verlangten GRUNDVERSORGUNG zu stellen. Dabei geht es um Kapitalversorgung und Umlageversorgung, nicht um eine Armutssparversorgung: Spare in der Not, dann hast du Zeit dazu.

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Achtens: Fragen des Grundversorgungsanspruchs lassen sich einfach – für Jedermann gültig – festlegen. Ablenkungsdebatten über Lebensleistung, Flexigrenzen, Frührente, Regelaltersgrenze, Kinderzahl, Armutsprävention, sind auf längeres Leben und alters- und gesundheitsadäquate Formen auszulegen.

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Neuntens: Die in der Präambel des Grundgesetzes vereinbarte WÜRDEFORMEL muss an keine Würdedefinition gebunden werden.

Ein staatsbürgerliches Leben erfüllt sich dann in Würde, wenn keine Versorgungsangst organisiert wird.

Man darf nicht glauben, durch Überlebens- und Versorgungsstress sei aus entwürdigten Sklaven mehr Leistung herauszuquetschen.

Ein unbestreitbares Bürgergeld ist als Grundversorgung staatlich zu organisieren.

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Zehntens: Wir brauchen schleunigst eine (Maschinen-) Steuer, die die Produktivität von Produktionsfirmen und die Erträge am Sitz der Firma steuerlich veranlagen.

Es muss aufhören, über Lohnstückzahlen oder die Lebenserwerbsarbeit einzelner Menschen, ein Kopfgeld zu errechnen, während längst Erträge und Produktivität aus der Höhe heutiger Ertrags- und Profitmethoden – aus Robotern und Computern – rührt.

Wer nicht mit der Gesellschaft in der er lebt, teilen will, muss sich ausbürgern lassen.

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Elftens: Kaum etwas Lachhafteres als die Lügen über Mindestlohn.

Es ist nicht anständig, das Wort Mindestlohn zu gebrauchen, wenn so ein Mindestlohn unter (heute, 19. Mai 2014) unter 13 Euro 50 Cent liegt.

Work poor verbietet von Mindestlohn zu sprechen, zumal dabei ohnehin nur eine kleine Zahl Beschäftigter dazu passt.

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Dietmar Moews meint: Politiker, die überhaupt eine Grundversorgung aus sozialen Implikationen nicht begriffen haben, müssen den Beruf wechseln.

Wer die empirischen Katastrophen in aller Welt nicht als Katastrophen schlechter lückenhafter Versorgung mit materiellen und geistigen Lebensmitteln begreift, ist ungeeignet als politischer Stellvertreter zu fungieren.

Die Neue Sinnlichkeit verlangt die Einsicht, dass Gemeinschaft und Zusammenhalt keine Konstruktion der Postmoderne, sondern als eine positivistische Lebensdienlichkeit auf positivistische Urteile und Konsequenzen zu stellen ist. Brot und Geist sind die harten Tatsachen, nicht the Message, nicht the Medium.