Perverse Überbelohnung einer marginalen Untat in psychopathischer Synchronschaltung

Oktober 3, 2018

Lichtgeschwindigkeit 8547

am Mittwoch, 3. Oktober 2018

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Wenn ein Privat-Kurz-Video von der Brückenstraße in Chemnitz eine unübersichtliche Straßenszene zeigt, und dann heißt es „NAZI-MOB jagt Ausländer“, dann wird die deutsche Medienöffentlichkeit mit diesem Video erregt, alle halben Stunden in allen Nachrichten, wie eine endlos Hetzschleife gesendet, mit den absurden Kommentierungen dazu und zu den höchstbedeutenden besorgten Politiker-Diskussionen, zwischen Polizeistaat und Neo-Nazi, Geheimdiensten und AfD-Propaganda, zwischen Wichtigtuern und vielen vielen anderen, denen das ganze ekelhaft und zu blöd ist.

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Dennoch – die Nachrichtenseiten und Meldungen laufen wie geschmiert. Die ausdrückliche Betonung, dass die Journalisten keine LÜGENPRESSE bilden, keine Informationsmanipulation, keine Verschwörung betreiben, wird alle zwei Minuten angesprochen – aber

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für eine solche inhaltliche Sonorisierung der Themen und Meldungen ist keine Verabredung nötig, damit sie verlässlich gelingt, denn alle Journalisten haben doch gut abgerichteten Sinn für die THEMEN des MAINSTREAMS.

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Denn nur beim Mainstream kommt die überlebenswichtige QUOTE zustande, die jeder Personalchef von seinen freien Text-Baustein-Maurern erwartet.

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DIE ZEIT, Feuilleton Seit 45, bringt in No 40, vom 27. September 2018:

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„Die BRD ist doch ein großer Kurort“ Der Philosoph Peter Sloterdijk führt seit vielen Jahren ein Tagebuch. Nächste Woche erscheinen „Neue Zeilen und Tage“ seine Notizen aus den Jahren 2011 bis 2013, über das Zeitalter der Erregungsindustrie, Professorengehabe, die Tour de France und Safaris durch das eigene Wohnzimmer. Ein Vorabdruck…“

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Eine Tagebuchnotiz aus dem Jahr 2013 spricht so:

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„…bis ich auf den Nachrichtenseiten die Meldung entdecke, man habe den überlebenden Urheber des Sprengstoffattentats am Rand jenes Boston-Marathonlaufs vom 15. April gefasst. Man zeigt den armseligen Dampfkochtopf, der zum Bau der Amateurbombe benutzt wurde.

Wie üblich kam es auch diesmal zur perversen Überbelohnung einer marginalen Untat durch Medienaufmerksamkeit ohne Grenzen. Kaum einer der Berichterstatter ist sich seiner Komplizenrolle im Terror-Eskalationsgeschäft bewusst. Es scheint, was man unter heutigen Bedingungen eine Nation nennt, ist eine einzige Überreaktions-Gemeinschaft in psychopatischer Synchronschaltung. Die hat nichts anderes im Sinn, als einen kriminellen Nadelstich, von ein paar Verwirrten ausgeführt, zu einem Angriff auf ein 300-Millionen-Kollektiv emporzurechnen.

Niemand zieht die Kosequenz, die sich aufdrängt: dass es an der Zeit wäre, die Epidemie zu stoppen, bei der die Infektionsbereiten triebhaft in Szenarien des Sich-angegriffen-Fühlens schwelgen. Würde die Mahnung zur Abstinenz beherzigt, blieben uns Schlagzeilen wie diese erspart: „Die Jagd ist zu Ende, Boston jubelt.“

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Dietmar Moews meint: Ich stimme Sloterdijk zu. Ich könnte diverse soziologische Fakten anfügen, die zeigen, dass zwischen Propaganda und Weglassen von ITEMS eine erhebliche Führungsmacht liegt und ganz gezielt dazu genutzt wird, unagemessene Übertreibungen zu erregen.

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Wie weit hierzu tatsächlich weltfinanzmächtige Denkfabriken die Taktiken einrichten, ist schwer zu beweisen. Aber die Erregungs-Praxis, die Betroffenheitsreaktion, die Angst und die lautstarke, ebenfalls massenmedial prolongierte Forderung nach Recht und Ordnung, Erhöhung der Waffenbudgets, Verstärkung der Panzerpolizisten (jetzt auch als Bundespolizei), dazu das Interventionsrecht im „Lissabon-Vertrag“ für die USA als bewaffnete Schutzmacht für Deutschland und die EU –

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dieses Alles sieht nach Faschisierung der Staatsgewalten und nach Abkopplung und Zersetzung demokratischer Teilhabe und politischer Information und Massensteuerung überhaupt aus.

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Demokratie braucht Führung und Fühlung. Dabei geht es nicht um „emotionale Intelligenz“. Es geht um politische Bildung, Zugang und Teilhabe an politischen Willensbildungen.

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