INES GEIPEL >Umkämpfte Zone< Woher kommt die Wut im Osten

März 3, 2019

Lichtgeschwindigkeit 8985

am Montag, den 4. März 2019

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Heute meine Buchempfehlung: KAUFEN-LESEN-WEITERERZÄHLEN – es werden die wirklichen Abenteuer von heute bezeugt:

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Fremdenfeindlichkeit und Hass auf „den Staat“:

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Was ist von der Radikalisierung im Osten Deutschlands zu halten – Schweigegebote nach dem Ende der NS-Zeit, der Geschichtsklitterung der DDR und den politischen Umschreibungen nach der deutschen Einheit, Verdrängung und Verleugnung prägen die deutsche Gesellschaft bis ins Private hinein.

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Ines Geipel, die im DDR-Sport geschundene Meister-Leichtathletin und Tochter eines DDR-Terror-Spions, berichtet aus der Sicht einer Hochbegabten.

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Ines Geipel hat kaum Aussicht auf Verständnis oder Wirkung mit ihren Schriften, obwohl die Schwerinvaliden des DDR-Dopings Ines Geipel Hilfe verdanken (wir fragen nicht nach den Doping-Opfern der UDSSR – Florence Griffith-Joyner und Carl Lewis dopten auf eigene Rechnung). Man findet aber den herzzerreißenden Durchgriff auf den „Weltroman“ „Nackt unter Wölfen“.

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Das neueste Buch von Ines Geipel, UMKÄMPFTE ZONE, ist erneut ein Läuterungsschritt, für alle Gutmenschen, geeignet sozio-kulturelle Hoffnung zu konstituieren.

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Ich zitiere aus UMKÄMPFTE ZONE (277 Seiten), ohne das Buch insgesamt vorzustellen, ohne es zu kritisieren, ohne die einzelnen historischen Darlegungen oder Konkludenz oder Ausblendungen zu bemängeln; Geipels Buch ist eine stilistisch beachtlich innovative, auktoriale Sozialdarstellung mit konkreten empirischen Rollen, auch aus dem engen Kreis ihrer Familie (außer: Hannah Arendt war Korrespondentin für THE NEW YORKER in Nürnberg bei dem Nürnberger Prozess der Alliierten gegen die Hauptkriegsverbrecher; das war 1945-1946, nicht erst 1949):

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UMKÄMPFTE ZONE, Mein Bruder, der Osten und der Hass; 277 Seiten bei Klett-Cotta 2019; S. 58-72:

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„Das Ding mit den Zetteln. Zettel eins: Ulbricht und seine diversen Initiativgruppen, die im Land für „Ordnung“ sorgten. Zettel zwei: Buchenwald als der antifaschistische Urstoff. Ein Wort, das automatisch Wuchtringe schlägt. Es geht um einiges. Buchenwald, das sich wie ein Massiv in die Familienarchive des Ostens schieben wird. Buchenwald, der Staatsmythos, die eigentliche Gründungsszene des Ostens, das gemachte Herz seiner Kollektividentität. Für diesen Ort müsste es viele Zettel geben. Dabei war Buchenwald zunächst vor allem eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden, in dem zwischen 1937 und April 1945 annähernd 266.000 Menschen inhaftiert waren. In keinem anderen Konzentrationslager hatte sich der kommunistische Widerstand so „außergewöhnlich effektiv“ organisieren können wie auf dem Ettersberg oberhalb von Weimar. Das Kammergebäude, das Büro der Arbeitsstatistik und das Lazarett standen ab 1942 unter der Kontrolle roter Funktionshäftlinge. Es waren Schlüsselstellungen innerhalb einer Zwangsgemeinschaft, die über Leben und Tod entschieden: Von den 56.000 Häftlingen, die in Buchenwald zu Tode kamen, waren 72 deutsche Kommunisten. Als das Lager befreit wurde, zeigten sich die eintreffenden US-Geheimdienstler irritiert darüber, einer speziellen Gruppe deutscher Kommunisten gegenüberzustehen, die „wie wohlhabende Geschäftsleute“ aussahen. Die Rede war von „selbsternannten Aristokraten“.

72 von 56.000? kann das sein? Meine Augen laufen irritiert zwischen den beiden Zahlen hin und her. Wie kommt eine solche Zahl zustande? Mein Blick geht zurück. Ich sehe eine 14-Jährige mit Stoppelschnitt über das riesige Lagergelände stolpern. Es ist das Jahr 1974, und Buchenwald Programm. Noch eine Stunde und auf dem Appellplatz werden wir den Schwur sprechen, der uns zu Staatsbürgern der DDR macht. Es würde um Treue, um Kampf, Revolution und Ideale, um uns als „wahre Patrioten“ gehen. Die Bilder der Lager-Doku, der Jugendweiheschwur, das graue, hilflose Zusammenstehen oben zwischen den SS-Kasernen, unser gemeinsames Frösteln. Ein Akt ohne Widerrede. Sieben Jahre später stand auch Robby* da. Wie ist es ihm ergangen? Hat er auch so gebibbert wie wir?

*(A. D. M Robby war der sechs Jahre jüngere Bruder der Autorin, der im Januar 2018 nach einem eiligen Gehirnkrebs in Dresden sterben musste).

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Buchenwald. Die Wand, der Block, an dem sich Gut und Böse trennten. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns, hieß es. Buchenwald und seine verletzten, gequälten Körper, die wir Jugendweihler verstanden, ohne dass wir hätten sagen können, warum. Wieso bin ich später immer wieder da hingefahren? Was wollte ich da? Was war es, was mich an diesem Ort beschäftigte? Das Lager? Die große Umschreibung? Von der ich nichts wissen konnte? Von der bis auf den inneren Parteiclan niemand etwas wusste? denn bei allen Verdiensten, darunter auch dem, in den letzten Tagen des Lagers die Evakuierung von Zehntausenden Juden verzögert und damit viele Leben gerettet zu haben, geriet das kommunistische Lagernetzwerk mit der Befreiung von Buchenwald unter den Akutverdacht, aktiv in die Verbrechen der Nazis involviert gewesen zu sein. Die Anwürfe waren gravierend und zielten auf strafrechtlich relevanten Mord als ein innerhalb des Lagers systematisiertes Disziplinierungsprinzip, auf Machtgier und Nutznießerei. Das erste alliierte KZ-Dossier, veröffentlicht am 24. April 1945, hielt denn auch konsterniert fest: „Der Bericht schildert, wie die Häftlinge selbst einen tödlichen Terror innerhalb des Nazi-Terrors organisieren.“ Die US-Behörden fahndeten von daher nicht nur intensiv nach SS-Lagerleuten, sondern auch nach deutschen Kommunisten, die wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt werden sollten. Eine Kerngruppe wurde nach der Befreiung von Buchenwald für Wochen auf dem KZ-Gelände festgesetzt, da gegen sie ermittelt wurde. Einige von ihnen wurden verhaftet.

Ich erinnere mich an das Frühjahr 1994, an die mediale Aufregung um die „Geheimakte Buchenwald“ und an den Dokumentenband „Der gesäuberte Antifaschismus“, der ein halbes Jahr später erschien, um die Sensationsprotokolle wissenschaftlich einzuordnen. Ich las jedes einzelne Dokument und erinnere mich, was das in mir auslöste. Hier stimmt ja gar nichts. Was hatte man uns die ganze Zeit über im Osten erzählt? Was bedeutete das alles? Die DDR – politisch ein Staat auf Abruf, offiziell ein Land aus Kampagnen und Jubelbildern, intern ein vor dem Zusammenbruch stehendes Wackelkonstrukt aus Opfern, Tätern und Mitläufern. Das alles von Beginn an dominiert von einer Gruppe trainierter Politkader, die erbittert um die Macht kämpften und hemmungslos ihre Geschichten frisierten. Wie ging damit Hoffnung? Klar war, dass die Offenlegung der tödlichen Lagerpraxis die „kommunistische Kampfgemeinschaft“ komplett desavouiert hatte. An dieser Tatsache kamen auch die remigrierten Moskauer um Ulbricht nicht vorbei. Das bessere Deutschland mit Mördern zu starten, selbst wenn diese als Häftlinge ums blanke Überleben unter extremen Zwangsbedingungen gekämpft hatten, wäre der skeptischen, desolaten Ostgesellschaft, aber auch der Welt nicht zu vermitteln gewesen. Das Wissen war brisant, Gefahr im Verzug.

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DACHHASEN. Der Gordische Knoten des Nachkriegs und das Dickicht seiner unendlichen Geschichten. Der in seinem Sessel erstarrte Großvater. Der erhoffte Umbruch, der schnell an seine Grenzen stoßen sollte. Das betraf den Teil marodierender und mordender Sowjets, die nicht als Befreier, sondern als Eroberer durchs Land zogen und die Ostdeutschen unter Schock setzten. Das betraf die im April 1946 durchgezogene Zwangsvereinigung von Kommunisten und Sozialdemokraten, auf die hin 20.000 Sozialdemokraten ihre Arbeitsstellen verloren. 100.000 flohen in den Westen, 5.000 wurden in Lager gesperrt, 400 ermordet. Das betraf die Sonderpolitik der neuen Partei gegenüber den Nazis, die unter der Devise lief: „Wenn ihr euch uns unterordnet, werden wir euch nicht an eure Vergangenheit erinnern, die wir aber kennen.“ Anfangs waren 80 Prozent der Lehrer im Osten ehemalige Mitglieder der NSDAP, außerdem 45 Prozent der Ärzte und rund drei Viertel der Hochschulmediziner, wie Henry Leide in seinem Buch „NS-Verbrecher und Staatssicherheit“ betont.

Realitäten, die nicht sein durften, ein Osten, der zur hart umkämpften Zone wurde und eine einzige Zerreißprobe war: gebeutelt, desillusioniert, provisorisch. Die beißenden Winter, die rationierten Lebensmittel. Zwei Ami-Zigaretten oder vierundvierzig Reichsmark für ein Roggenbrot. Wegen Kohlemangels musste die Mehrheit der soeben erst eröffneten Schulen wieder geschlossen werden. Die Leute trafen sich in Wärmestuben, in Volksküchen oder auf dem Schwarzmarkt. In Berlin gab es bald keine Hunde und Katzen mehr, sie wurden als Dachhasen serviert. In den Kantinen auf den Großbaustellen des Landes hockten SED-Leute, Nazis, Goldgräber, Kriminelle, Frauen und jede Menge junge Leute getrennt an den Tischen und belauerten sich. Jeder Tisch eine eigene Wahrheit, ein eigenes Schweigen. Wie die Ostdeutschen für das Neue einnehmen, wenn die Kommunisten nicht mal ihre eigene Geschichte klar kriegen?

Im Land die Not, in der neuen Partei ein verdeckt laufender brutaler Kulissenumbau. Drei Viertel deutscher Buchenwald-Kommunisten standen einem Viertel Moskau-Rückkehrer gegenüber. Eigentlich hätte das reichen müssen. Aber Pieck und Ulbricht hatten ein die Buchenwaldler schwer belastendes Notizkonvolut in der Hand, ebenfalls im Band „Der gesäuberte Antifaschismus“ dokumentiert. Sie wussten nicht nur um die Gulags und um weggesperrte Angehörige, sie wussten auch um den Buchenwald-Komplex. „Die meisten deutschen Genossen haben sich nicht gut verhalten“, heißt es da. Oder: „als Schläger betätigt, als Henkersknechte betätigt, 20 erschlagen“. Es kam zu internen Anhörungen. Die Aussagen waren eindeutig. Die Zeugen berichteten zweifelsfrei von der systematischen Abspritzpraxis im Lager, vom „Spritzerkommando“ und der „Todesspritze“, das heißt von Injektionen mit Phenol, Luft oder Krankheitserregern. Im Herbst 1946 schließlich die parteiinterne Untersuchung, bei der ehemalige Buchenwalder aussagen mussten. Das Ergebnis: Die Vorwürfe wurden fast ausnahmslos entkräftet und den Beschuldigten „hervorragende Verdienste“ im Lager bescheinigt. Trotz eindeutiger Informationen schluckte die Kommission nebst Pieck und Ulbricht das dunkle Buchenwald-Wissen. Warum? Mit diesem Coup war der harte Fraktionskampf zwischen der Moskau-Gruppe und den anfangs so selbstbewussten Buchenwaldkommunisten entschieden. Sie waren über diesen Weg in der Hand der Parteispitze, erpressbar und für die neue Moskau-Linie problemlos einzusetzen.

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PERSILSCHEINE. Aber war das Naheliegendste dieser Zeit nicht ohnedies Panik, die Panik vor dem Bodenlosen? Davor, den Verlust und das Leid nicht bewältigen zu können? Bestand nicht eine heillose Angst vor dem Zusammenbruch? In der Gesellschaft, aber auch beim Einzelnen? Was wäre aus Großvater geworden, wenn er seine Zeit in Riga hätte anschauen können? Was bedeutet Schweigen unter diesen Umständen? War es ein ungeschriebenes Gesetz, das die Macht zugesprochen bekam, ein ganzes Land zu regieren? Klar war, dass jeder von etwas anderem schwieg. Die Moskauer, die Wehrmachts-Offiziere, mein Großvater, die roten Kapos von Buchenwald.

Denn deren Geschichte war natürlich nicht aus der Welt. Die Ermittlungen liefen weiter. 1950 griff die sowjetische Militäradministration zu und verhaftete Ernst Busse, nach 1945 Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident in Thüringen, und Erich Reschke, zunächst Thüringer Polizeipräsident und dann Zuchthaus-Chef von Bautzen, zwei kommunistische Buchenwald-Spitzenkader. Beide wurden aufgrund der Aussagen von Mitgefangenen in den Gulag verschleppt. Man sah sie nie wieder. Mittlerweile war auch der Westen auf das prekäre Wissen von Buchenwald aufmerksam geworden. Im Frühjahr 1947 berichteten westdeutsche Zeitungen im Vorfeld des Dachauer Buchenwaldprozesses über das „Geheimnis von Buchenwald“. Das ab da offene Geheimnis wuchs sich zum politischen Stigma aus. Es war wie Milch, die in Wasser strömt. Der Malus träufelte, sickerte und breitete sich aus, ohne Widerstand.

Noch einmal meine Buchenwald-Touren. Noch einmal der riesige Himmel über der Ebene, die hohen, flirrenden Wolken und meine Frage, was ich eigentlich dort suchte. Warum wollte ich dahin? Wenn man auf der Autobahn von Jena gen Erfurt fuhr, sah man rechts auf der Höhe den Glockenturm von Buchenwald. Ein dominanter Punkt, eine Ikone, die in meinem Kopf längst begonnen hatte, ein dunkles Eigenleben zu führen. Vielleicht ist unser Nachgedächtnis eine Art Lagergedächtnis, das nie etwas anderes versucht hat, als rauszukommen, die eine Tür zu finden, um endlich auszusteigen?

Der Konflikt um das politische Stigma der Buchenwald-Kommunisten. Die Verstrickung, die Schuld, die nun zum neuen Feind wurde und genauso hart bekämpft wurde, wie man im Lager widerstanden hatte. Die Milch der Geschenke musste gestoppt werden. Dafür wurden Kampagnen in Szene gesetzt, Ausschüsse und Komitees gegründet, Korrespondenzen in alle Welt eröffnet, Überlebendenverbände polarisiert und Persilscheine im Sinne eines unverdächtigen Narrativs zu Buchenwald eingeholt. Jede Menge Aktionismus, mit dessen Hilfe die prekäre Achsendrehung über die Jahre sogar gelang. Auf diese Weise wurde es möglich, einen Helden-Katechismus aufzubauen, der Lagergeschichte und kommunistischen Widerstand zunehmend verklärte. Irgendwann standen die Kinder des Landes auf dem Gelände von Buchenwald. Sie froren, sie fingen an zu bibbern, sie sprachen ihren Schwur.

An der brutalen Zwangssituation im Lager kann es keinen Zweifel geben. Auch wäre es unmenschlich und historisch ohne Maß, den deutschen Kommunisten entgegenzuhalten, sie hätten sich unter dieser Zwangslage nicht retten sollen. Unerträglich und noch immer folgenreich ist jedoch, was sie daraus gemacht haben. Denn es dürfte keinen Ort in Deutschland geben, an dem sich rote und braune Gewalt-Welten so nah gekommen waren und nach 1945 derart kategorisch wieder voneinander getrennt wurden. Zumindest war Buchenwald denkbar ungeeignet, zur Zentralfeste des kommunistischen Widerstands und zum Staatsmythos zu werden. Doch genau so kam es.

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DIE GLATTE WAND. Zum Buchenwald-Komplex gehört noch der Erinnerungsbeton, der sich in den fünfziger Jahren über das Lager legte. Als Stellschraube für ein notwendiges Agreement zwischen neuer Macht und den Ostdeutschen war Buchenwald unerlässlich. Sein Symbolwert war enorm. Die Moskauer als absolute Experten in Sachen strategischer Geschichtspolitik brauchten diesen Ort. 1959 erschien der Schlüsselroman „Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz. Es war ein Text eines ehemaligen Buchenwald-Häftlings über den dramatischen Kampf deutscher Kommunisten um das Überleben eines jüdischen Jungen im KZ Buchenwald. Der Autor hatte die Anschuldigungen und anhaltenden Angriffe gegenüber seinen Kampfgenossen natürlich mitbekommen. Er wusste um die Degradierungen und Verhaftungen. Bruno Apitz wollte Zeugnis ablegen über einen Todesraum, über Angst und Überlebensschuld. Er musste es. Die Jahre in Buchenwald waren eine schwere Hypothek. Ihn quälte die Erfahrung, aber auch die nach Ende des Krieges erfolgte Zurückweisung der Erinnerung vor allem auch durch seine Partei. Das Rohmaterial des Manuskripts legt den Blick frei, dass und wie der Autor seinen Roman zum Zeugen seines Martyriums machen wollte. Er hatte ihn nötig, als Anwalt, zur Verteidigung des Erlittenen, als Bewältigungsraum und als Verpflichtung.

Dabei hing der Status des Zeugen in mehrerer Hinsicht immer wieder in der Luft. Zunächst war der Text gar nicht gewollt. Als Bruno Apitz sich 1954 mit seinem Stoff an die DEFA wandte, wurde er abgelehnt. Ein Jahr später bat er den Berliner Schriftstellerverband um ein Darlehen, um das Buch schreiben zu können. Auch von dort kam ein Nein. Es ging dem Autor nicht gut zu der Zeit: Er lebte praktisch mittellos, seine Ehe war geschieden, sein Körper durch die lange Haftzeit angegriffen. Allein seine Freunde und der Mitteldeutsche Verlag bestärkten ihn, an seinem Vorhaben festzuhalten. 1957 war der Roman endlich fertig. Aber was für ein Text war da entstanden? Durfte sich das Geschriebene außerhalb der Erzähl-Erlaubnis bewegen, auf die sich das rote Schweigekollektiv nach Buchenwald eingeschworen hatte? Bereits im April 1945 hatten die US-Behörden verstört festgestellt, auch das dokumentiert im „Gesäuberten Antifaschismus“, dass die vernommenen deutschen Kommunisten immer denselben stereotypen Lagerbericht ablieferten: „Wenn die Armeeuntersuchungsbeamten die Mitglieder der kommunistischen Organisation über ihre Grausamkeitsmenschen befragten, war es, als wenn sie gegen die glatte Wand rannten. Kein Kommunist gab mehr zu, als dass die kriminellen Elemente in dem Kampf um die Macht rauh behandelt wurden.“

Welchen Status spricht Bruno Apitz also seinem Textzeugen zu, der den Roman ausdrücklich als Roman verstanden wissen wollte, zugleich aber durch ihn Rehabilitation beanspruchte? Seine frühen Berichte über das reale Buchenwald sind reihenweise wortwörtlich in den Text aufgenommen worden. Auch seine Widmung nimmt direkten Bezug auf die reale Geschichte: „Ich grüße mit dem Buch unsere toten Kampfgenossen aller Nationen, die wir im Lager Buchenwald zurücklassen mussten. Sie zu ehren, gab ich vielen Gestalten des Buches ihren Namen.

Das Changieren des Autors im Hinblick auf die Realität war sicherlich ein Grund für die unermüdliche Rezeption des Buches. Die erste Auflage von 10.000 Exemplaren war über Nacht vergriffen. Anderthalb Jahre später waren bereits 200.000 Exemplare verkauft. Das Buch wurde zum Welterfolg. Kaum ein Leser, der mit ihm nicht auch sein Bild von Buchenwald geformt hätte. Doch stellt sich damit nicht umso dringlicher die Frage, wie viel Erinnerung der Roman eigentlich gestattet? Wer erzählt was und bis wohin? Existiert die „glatte Wand“ auch im Text? Und wenn ja, was geschieht vor ihr und was hinter ihr?

Mit der Fassung, die im Oktober 1957 abgeschlossen vorlag, reagierte Bruno Apitz ganz unmittelbar auf den chronischen Verdacht, der im Hinblick auf die „rote Kampfbereitschaft“ seit Ende des Krieges die Diskussion beherrschte. Bei Lichte besehen, hielt er sogar direkt auf die Anwürfe zu und baute die Romanhandlung entlang der faktischen Konfliktmasse auf. Die systematische Ermordung von Mithäftlingen durch Giftinjektionen unter Assistenz der deutschen Kommunisten wurde genauso wenig ausgespart wie die Rolle der roten Funktionshäftlinge im Hinblick auf die Transportlisten, die über Leben und Tod entschieden. Susanne Hantke, die Herausgeberin der 2014 neu edierten Ausgabe von „Nackt unter Wölfen“, die sich zum Ziel gesetzt hatte, die 1957 fertig gestellte Autorenfassung erstmals freizulegen, vermutet denn auch folgerichtig: „Apitz wollte nicht nur die Erfolge politischer Funktionshäftlinge bei widerständigen Aktionen herausstellen, sondern er wollte vor allem die zwiespältige Erfahrung ihrer Ohnmacht und ihres Ausgeliefertseins bei der Verrichtung der von der SS angeordneten Tätigkeiten zu einer Erzählung verdichten.“

Damit war allerdings der heikle Grat zwischen Zwangssituation und eigenen Verbrechen von vornherein nivelliert. Nicht die diskreditierten Vorgänge wurden demnach abgewehrt, was verleugnet wurde, waren die Dimension des Mordgeschehens, die Frage nach der Eigenbeteiligung und die nach einem angemessenen Umgang damit. Die historische Wahrheit blieb in der Erstversion unausgesprochen und als tiefe Realität hinter der „Wand“ verborgen. Strafrechtlich Relevantes verschwand hinter hochemotionalisierten Textmasken. So wird in einer Schlüsselszene über den SS-Lagerarzt „Papa Berthold“ am Anfang des Romans das „Abspritzen“ eines polnischen Mithäftlings thematisiert, die systematische Abspritzpolitik der deutschen Kommunisten aber im Hinblick auf ihre polnischen Mithäftlinge bleibt strikt ausgespart. Die Szene wird somit entlastend ambivalent besetzt, die Beteiligung an den Verbrechen aber im Unerreichbaren hinter der Wand abgelegt.

So entstand ein anachronistischer Text, der aufzeigte und zugleich zudeckte. Die problematischen Szenen wurden zur Chiffre, die an die konkreten Daten der Auslöschungen im Lager und an die Großtraumata der deutschen Kommunisten im Lager heranführten. Der involvierte Leser ist auf diese Weise stets im Bilde, der nicht involvierte bleibt mit dem zensierten Buchenwaldgedächtnis außen vor. Bruno Apitz bricht das kommunistische Sprachverdikt nicht auf, sondern überlässt es dem Textzeugen, im Binnenraum des Romans durch sein System der Verweise das Unaussprechbare sprechen zu lassen.

Dieser mehrwandige Apitzsche Rettungsversuch, schon als solcher ein Zeugnis für die Schizophrenie der Situation, war dann aber nicht mal das, was das Publikum in die Hände bekam. Anfangs ungewollt, dann dem Gedächtnisfilter des Autors erlegen, musste „Nackt unter Wölfen“ nach Fertigstellung des Manuskripts noch durchs zähe DDR-Zenzurmahlwerk. Das symbolische Kapital des Romans war den SED-Oberen und der Crew der angestrengt am Mythosblock Buchenwald arbeitenden Gedächtnispolitiker mittlerweile durchaus bewusst. Ein gut ausgesteuerter Roman, der die Ostdeutschen tatsächlich erreichen konnte, wäre das Geschenk der Stunde und käme der dringend nötigen Machtsicherung der Ulbricht-Clique sehr zupass. Aber für das, was die Partei mit Buchenwald vorhatte, war einzig eine lupenreine Buchenwald-Version denkbar. „Nackt unter Wölfen“ durchlief alle nur erdenklichen Instanzen, wurde gesiebt und geschüttelt, jedweder Ambivalenz beraubt und zum populistischen Politmärchen umgeschrieben. Über die Ladentische ging letztlich eine Version im Exklusivton einer geschlossenen kommunistischen Kampfgemeinschaft aus Solidarität, Märtyrertum und Selbstbefreiung.

Ein verletztes Buch, ein verletztes Gedächtnis und ein auf sich und seine Erinnerungen zurückgeworfener Autor, der in einem Interview auf die Frage nach seinem Lektor nur noch zwei Worte parat hatte: „Walter Ulbricht!“ Dennoch oder vielleicht deshalb hatte „Nackt unter Wölfen“ spektakulären Erfolg. Das ostdeutsche Publikum nahm das Buch dankbar auf. Es wurde zur Staatsbibel. Man konnte sich durch sie in den Zustand einer solidarisch verbundenen Opfer-Gesellschaft hineinarbeiten und zu „Siegern der Geschichte“ werden, rein und erhaben, ohne jede Schulddynamik, Verstrickung oder Widerspruch.

Im September 1958 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald mit allem ideologischen Tamtam eröffnet. Ein Datum, das den kollektiven Identitätshort der DDR begründen sollte und es auch tat. Am Vorabend brachte der DDR-Rundfunk die Hörspielfassung des Romans, 1960 erschien die erste Dokumentation zu Buchenwald, gleich drauf kam das Fernsehspiel zum Stoff, 1963 lief der DEFA-Film „Nackt unter Wölfen“ in den ostdeutschen Kinos, den bis Anfang 1964 eine Million Zuschauer sahen. 1970 hielt der Roman Einzug in die Lehrpläne der DDR-Oberschulen und wurde von da an in jeder 9. Klasse gelesen.

Das Buchenwald-Staccato war Programm geworden, ein Absolutum, die Staatsdoktrin schlechthin. Eine gedächtnispolitische Hypnose, unter der Millionen Ostdeutsche DDR-loyal gemacht wurden, insbesondere, weil in ihr die seelischen Tiefenformate der postfaschistischen DDR verhandelt und in der Folge betoniert wurden. Verschweigen, wegerzählen, umdeuten, nivellieren, ausblenden, vermeiden, vergessen. Es waren Mimikry-Angebote der Macht. Das Mehrheitsbewusstsein nahm sie an. Der Druck war enorm. In dieser psychohistorischen Basisszene hat sich der Osten gleichsam konstituiert. Sie war derart unhintergehbar, dass er sich in ihr auch konservierte. Es ist seine politische Bewusstseinshaut.

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UMGRUPPIERUNGEN. Zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald brachte die ARD im April 2015 zur besten Sendezeit und für ein Millionenpublikum die Neuverfilmung von „Nackt unter Wölfen“. Der MDR, der die Neuverfilmung übernommen hatte, kündigte an, dass es sich nicht um ein Remake des einstigen DEFA-Films handeln würde, sondern ausdrücklich um eine „Neuinterpretation“. Die Produzenten erhofften sich eine „neue deutsch-deutsche Debatte über Antifaschismus“. Die Mitteldeutsche Zeitung, der Tagesspiegel, die Superillu berichteten vorab von den Dreharbeiten im tschechischen Vojna. Die Sächsische Zeitung warnte: „Das Risiko ist groß, dass der MDR mit der Neuverfilmung die Erinnerungskultur seiner Zuschauer durcheinanderwirbelt oder sie vor den Kopf stößt.“ Die Rezeption des Films fiel dann stark und mehrheitlich überschwänglich aus. „Eine Revision der antifaschistischen Bibel“, schrieb die ZEIT. „Die Neuvermessung des antifaschistischen Urmeters“, mutmaßte DIE WELT.

Stefan Kolditz, der in Ostdeutschland geborene Drehbuchautor, äußerte in einem Interview, dass das Werk dazu beitragen möge, die noch immer getrennten kollektiven Gedächtnisse in Ost und West zusammenzuführen. Die Schlussszene des Films zeigt den kleinen jüdischen Jungen. Seine Hand berührt den Körper des sterbenden Kommunisten, der ihn gerettet hat. Die Conclusio des Streifens setzt auf die Engführung von jüdischer und kommunistischer Leidensgeschichte. Ein eklatanter historischer Missbrauch. Der Stand der historischen Forschung hätte es zum Zeitpunkt der Produktion durchaus hergegeben, den Buchenwald-Mythos zu destruieren. Es wurde anders entschieden.

In vielen Sequenzen folgten die Filmemacher zwar der 2014 freigelegten Erstfassung des Romans und rekonstruierten im Bild, was einst die Zwischenerinnerungen von Bruno Apitz gewesen waren: eine deutlich widersprüchlichere Lagerwelt, die ausbleibende heroische Selbstbefreiung, ein nicht allwissendes rotes Widerstandsnetz, vielmehr Angst und Willkür. Aber auch die „Neuinterpretation“ ließ ihr Narrativ an der glatten Erzählwand abprallen, die die Buchenwaler bereits 1945 aufgestellt hatten. Eine sehr eigene Generationenerzählung? Bruno Apitz wurde mitten in diesem Rezeptionsschub von Neuherausgabe, Film, Dokumentation und Biografie von seinem Biografen Lars Förster mit erstaunlicher Verve zum „Oppositionellen dreier deutscher Staaten“ umerzählt….“

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Dietmar Moews meint: Mit ihrem neuen Buch „Umkämpfte Zone“ (Clett-Cotta 2019) macht die Autorin Ines Geipel eine empirisch-angebundene Interpretation zur akuten Frage:

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Wie kommt es zu der weitreichenden rechten ostdeutschen Gemüts-Einheit?

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Geipel betont erstaunt, dass auch die heutigen Westdeutschen Schuld an Ressentiments sind, die diese rechte Grundposition im Osten stärken. Die bekannten Formen wie AfD, Pegida, Heimatschutz, Reichsbürger sind inzwischen relevante Größe in den Parlamenten geworden.

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INES GEIPEL kommt zu dem Schluss, dass alle eigenen Defizite der Ostdeutschen mit dem tief verankerten Plot gängig werden, dass die Hitlerei im Westen ihre postmoderne Formierung, auch in Geringschätzung des Ostens, entwickelt habe, kurz: Der Westen ist Schuld.

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Der Westen verursacht die rechten Orientierungen im Osten – in Zusammenwirkung mit den kommunistischen Lebenslügen à la Buchenwald und der Indianerjagd in Amerika.

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Es möchte Ines Geipel gelegentlich noch mal die Frage hochkommen, ob nicht ihre Westmoderne-Gläubigkeit – mit Büchner, Bauhaus und Beuys – nur eine ausgekochte kulturindustrielle Variante der Staatsmonopolpropaganda-Schublade ist, die bei Machiavelli begann und nicht bei Stalin oder Ulbricht und nicht bei Kohl endet; sie hat den Westen als „umkämpfte Zone“ noch nicht verstanden.

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(S. 82)“Eine Generation, die durch Hitler sozialisiert und zwischen Ruinen groß wurde, die nur tote, abwesende oder orientierungslose Eltern kannte, unglaubwürdige Lehrer, den Sturz aller Instanzen und eine angstbesetzte Zukunft. Die also schwer angeschlagen war und trotzdem irgendwie durch das Vakuum des Nachkriegs musste. Von 1948 bis 1952 machte Lothar Geipel eine Lehre bei den Klingenthaler Harmonienwerken .. FDJ-Kreisvorstand ,, Leiter Dresdner Pionierpalast, 1954 wurde er mit 20 Jahren Mitglied der SED…“

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(S.80) „HARTWARE. In Ost-Berlin rief Ulbricht 1952 den Sozialismus aus, ein Jahr später starb Stalin in Moskau. Bis dahin hatte es in der jungen Republik eine Säuberungswelle nach der anderen gegeben. Es herrschte Kopfroll-Klima. Zuerst in der Partei selbst, schließlich weitete sich die Paranoia in jeden Winkel des Landes aus. Tribunale, Ausschlüsse, Inhaftierungen, Morde, Deportationen, Entlassungen, hanebüchene Anklagen. Allein zwischen Mitte 1952 und Mitte 1953 flohen 500 000 Ostdeutsche in den Westen. Das Land schien nur noch aus Volksfeinden zu bestehen, die schnellstmöglich liquidiert werden mussten. Die Bevölkerung schwieg über den Nationalsozialismus, die aus Moskau Zurückgekehrten schwiegen über den sowjetischen Terror. Ein klammheimlicher Pakt, der gegenseitig Entlastung garantierte und zur Basis für die Säuberungen wurde. Es war die Hardware für das Angstsystem DDR, die Bedingung dafür, dass es so lange dauern konnte. Die frühe DDR und der leiseste Anflug von Kritik, Widerspruch, Differenz, eigenen Ideen, freiem Denken? Musste weggehobelt werden. Es gab nur ein Denksystem und das wiederum kannte nur zwei Kategorien: Freund oder Feind, gut oder böse, richtig oder falsch, Sieg oder Niederlage…“

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Ines Geipel umreißt ihre eigenen ideologischen Ostmädchen-Horizonte ausreichend, ihre Vorstellungen von den westkollektiven sozio-geistigen Tatsachen und Anhängigkeiten irren bodenlos (auch wenn sie mal in Damstadt lebte). Wenn der Geipel-Osten ohne Brecht, ohne Beatles/Silly-Blick, ohne Marx, ohne Honecker, ohne DDR-Überschuldungszwängen, ohne DDR-Massenmedien, auskommen mag, so sind die Beatles-Mania und der 68er-Generationskonflikt, die StaMoKap-Verdichtung im korporatistischen westdeutschen Verbändestaat, der Besatzungsstatus mit US-Farben und BBC-Publizistik usw. die Salonpersonnage der Adorniten und Habesatts, die abgeriegelte Kulturindustrie – unerlässlich anzuschauen und auch in den jeweiligen Abfärbungen über den Eisernen Vorhang wirksam gewesen. Sie hat weder Vietnamdiskussionen oder die Alternativbewegung und Bürgerinitiativen verstanden. Und der Zusammenhang von Siegfried Buback und den NSU-Zwickauern als Marionetten der deutschen Geheimdienste ist ihr völlig egal – vermutlich ist sie nicht wirklich informiert, was MfS und westdeutsche Führung unterscheidet. Dass sie den ganzen Beuyskrempel und Psychoanalyse als Aspekte eigener Emanzipation beschreibt, aber weder Nietzsche noch die verirrte Kunstorganisation durch Auflösung des Kunst- und Künstlerbegriffs, hin zu den GRÜNEN, unerachtlich behandelt, sind schon bemerkenswerte Blindstellen im Buch, die „umkämpfte Zone“ unzureichend zu fassen.

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Ines Geipel sagte kürzlich in der MARKUS-LANZ-ZDF-TALK-Show:

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Es sei für sie schwer, erleben zu müssen, dass und wie die DDR-Geschichtsklitterung (die für Geipel selbst, durch das Doping und die chirurgische Verstümmelung ein Todesraum war) in der westdeutschen Öffentlichkeit gelten gelassen wird. Da wird eine verlogene Neuverfilmung des „Nackt unter Wölfen“ von der ARD/MDR produziert, genau wie das DDR-Sport-Doping als „Preis“ für das West-Doping, das erneut und ebenso indolent im Abseits politischer Unmoral endgelagert wird, täglich: Von Brecht bis SED – Lügen über Wahrheit als Geschäft der Schranzen und Bonzen der „Salonpersonnage“.

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Ich wünsche der deutschen Intelligenz aufmerksame Lektüre dieses stilistisch epochalen und innovativen Meisterwerks und danke der Autorin, die ihrem früh gestorbenen Bruder mit dem „Familiennarrativ“ einen wahrheitsgebundenen Dienst erweist.

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FINE E COMPATTO,

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Wolf Biermann im Bundestag – Mauerrede gegen die heutige Linkspartei

November 15, 2014

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am Samstag, 15. November 2014

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Der Deutsche Bundestag hat zum 9. November 2014 eine Feier zur Erinnerung an die Öffnung der Berliner Mauer, vor 25 Jahren, im Jahr 1989, abgehalten. Dazu wurde geredet. Als besondere Attraktion hatte man den DDR-Liedermacher Wolf Biermann gebeten. Die Folge war Stimmung und Verstimmung.

Biermann, inzwischen 76 Jahre alt, kam also mit seinem von innen angerauhten Arbeiterhemd und seiner Klampfe, und bedankte sich für die Gelegenheit. Dafür war er extra aus Hamburg, wo er lebt, nach Berlin gereist.

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Biermann brachte, was so erwartet wurde, einen gewissen DDR-Stallgeruch und eine Rückversetzung in die Vergangenheit der Konfliktlage zwischen dem USA-beherrschten Westen und dem stalinistischen Osten.

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Biermann nahm sich die Freiheit, seinen angekündigten Musikvortrag noch mit einer persönlichen Rede einzustimmen. Damit verhinderte er, dass falschverstandene Nostalgie bestimmte Zuhörer ergreifen konnte. Denn mit denen hat Biermann eine Lebenskrankheit – und die mit allen Menschen, die von der DDR geschunden worden sind:

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Wolf Biermann nannte sie im Bundestag: Drachenbrut.

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Sara Wagenknecht, die es vorgezogen hatte, nicht im Plenum zuzuhören, bestätigte Biermann später: Biermann habe einen Eimer Gülle ausgeschüttet.

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Im Raum des Biermannauftrittes schwamm natürlich die „Unrechtsstaat-Diskussion“, in der es um Unrecht und Staat DDR ging, eigentlich Unrechtstaat hätte genannt werden müssen. Das gäbe der Angelegenheit Sinn.

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Dietmar Moews meint: Ich nehme oft Anstoß, wenn Stellvertreter als Stellvertreter handeln oder reden, aber die Untergrenze der zu verlangenden Qualität unterschreiten. Das betrifft beispielsweise sehr häufig schlecht ausgewählte Bundespräsidenten, so zuletzt den Pastor Dr. hc. Joachim Gauck.

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Ich meine, stets soll jeder seine Meinungen äußern dürfen und so weit es geht, sollte man sie auch anhören. Wenn es eben ein Bundespräsident ist, sind öffentliche Diskussionen erforderlich, dessen Thema und Wertung auszuloten, zu erörtern und auszubalancieren. Es ist auch nötig, zu wissen und zu verstehen, wenn man einen blöden Bundespräsidenten hat, wie das geht und gehen kann.

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So ist es auch mit einem Sänger und auch mit dem DDR-Sänger Biermann. Biermann soll frei seine Meinung mitteilen. Was sein Publikum daraufhin denkt und von Biermann denkt, kann er nicht bestimmen. Meinungsfroh sollte er munter seine Impulse aussenden, frei und ehrlich.

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Biermann stellte in seiner Beschimpfung der Linkspartei fest, dass die Linkspartei organisationell eine Fortsetzung der SED und der PDS ist. Dass sie personell und programmatisch eine Fortsetzung der SED und der DDR ist. Und, dass die Rückständigkeit der neuen Linkspartei-Genossen nicht die wesentlichen im heutigen vereinten Deutschland geltenden Werte verfolgen würden.

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Ich meine, es lohnt sich hier zu diskutieren:

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Einerseits leben und arbeiten die Linken gemäß und in der heute geltenden Gesellschaftsordnung. Zu unterstellen, die Linkspartei wolle diese Gesellschaftsordnung abschaffen oder etwa durch einen neuen Verfassungsentwurf „abschaffen“, halte ich für eine neurotische Angstneurose.

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Andererseits haben die Linkspartei und die Genossen eine unersetzliche Qualität zur Integration und Reproduktion des heutigen Deutschlands, auch wegen der DDR-Bewusstseins-Reste: Sie kennen viele Schwächen vom heutigen westlichen Deutschland und – das ist mir das Wichtigste:

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Die heutige Linkspartei ist das einzige kleine Oppositionslicht im Bundestag und im deutschen Föderalismus, das das StaMoKap-Blockparteien-Unwesen der Großen Koalitionen kritisch parlamentarisch begleiten kann.

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Was wäre eine Demokratie ganz ohne Opposition.

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Nun kommt der Beweggrund, weshalb ich auf den alten Biermann am 9. November 2014 eingehe, und warum ich den beschränkten alten Lutheraner Gauck stets referiere:

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Die übele stalinistische Menschenzerschmetterung erfordert, für ewig aufbewahrt zu werden. Wir sind es den Opfern schuldig, ansonsten sind wir viehisch.

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Wir dürfen nicht die deutschen Vernichtungslager, die bis 1945 einen unglaublichen Untermenschenfilm über das alte Testament aufgezogen hatten, vergessen.

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Wir dürfen nicht die Massaker gegen die Tausende Kinder von Gaza, erst vor Kurzem, ignorieren.

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Sind Hiroschima und Nagasaki vergessbar?

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Ist menschliche Dummheit zwar unabänderlich, aber deshalb stets eine soziale und kulturelle Aufgabe, die alle verpflichtet.

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Und nun also der konkrete Fall, wie es in der DDR ging und wie es deshalb ausgeschlossen ist, damals und heute zu sagen: Mir ging es doch gut – ich hatte keine Einwände gegen die DDR und den DDR-SED-Sozialismus.

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Ausnahme, wie gesagt, ist durch Dummheit gegeben: Wer nicht wusste, was geschah, war dumm. Aber er muss heute wissen:

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Im DDR-Sport wurden Spitzenleistungen organisiert und zu politischen Zwecken genutzt. Olympiamedaillen und Weltrekorde wurden bestmöglichst herausgestellt.

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Es gab damals einen überragenden WELTREKORD der 4X100 Frauen-Sprint-Staffel. Es lief INES GEIPEL – zusammen mit drei anderen Läuferinnen diese Weltrekord-Staffel.

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Wegen politischer Missliebigkeit hat die DDR die Doping-Sportlerin Geipel  aus dem Sport beseitigt, ihr anlässlich einer Blinddarmoperation den Unterleib zerschnitten und ihr Leben als junge Frau vernichtet. Das volle DDR-Doping-Programm für Ines Geipel kam auf diese Weise an ein natürliches Ende.

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Es ist nicht erlaubt, zu sagen: Mir ging es damals in der DDR gut, wenn man in Unkenntnis war und, genau so wenig, nicht, wenn man davon Kenntnis hatte. Wer nicht wusste, welche Praktiken in der DDR-Sozialpsychiatrie mit Patienten regelmäßig und „normal“ exekutiert wurden, ist nur so weit ein unschuldiges Kind, wie er kindisch und unzurechnungsfähig ist.

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Hier ist auch heutigen Linkspartei-Genossen Zurechnungsfähigkeit abverlangt. Dies hat Biermann auch erinnert. Er sang heute nicht: „Hängt sie an die Laternen“ – wie er es nach 1989 tat.

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Universität Freiburg als deutsche Dopingvergangenheit und Zukunft

Oktober 20, 2014

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am Montag, 20. Oktober 2014

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Universität Freiburg, Fachbereich Rehabilitive und präventive Sportmedizin – sollte einer externen Aufarbeitung ausgesetzt sein.

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Die Vorsitzende der Doping-Kommission wirft der Universität Freiburg massive Behinderungen ihrer Arbeit vor. Jetzt hat Letizia Paoli mit ihrem Rücktritt gedroht. Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer zeigt sich mehr als verwundert.

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Die „Badische Zeitung“ berichtet heute: „… Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer zeigt sich mehr als verwundert. …Die personelle Besetzung der Kommission unterlag in den vergangenen siebeneinhalb Jahren einem stetigen Wandel. Hans-Joachim Schäfer, der erste Kommissionschef, trat Ende 2009 aus gesundheitlichen Gründen zurück. Damals übernahm die gebürtige Italienerin Paoli, die sich nicht nur mit ihren Doping-Forschungen, sondern auch ihrer Arbeit über die italienische Mafia international einen Namen gemacht hat. Der Heidelberger Doping-Bekämpfer Werner Franke, ein Gründungsmitglied der Kommission, schied im Jahr 2012 aus. Allerdings rückte ein anderer namhafter Experte im Anti-Doping-Kampf nach: der Heidelberger Professor Gerhard Treutlein. Zusammen mit dem Wissenschaftler Andreas Singler hatte Treutlein bereits zur Jahrtausendwende die bislang umfassendste Studie zur Doping-Vergangenheit des westdeutschen Sports erstellt („Doping im Spitzensport“). Treutlein gilt auch als intimer Kenner der Freiburger Doping-Historie …“

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Freiburg war die „Hauptstadt des deutschen Dopings“. Insbesondere Radrennfahrer haben jahrelang im Profi-Doping-Radfahren in der Weltspitze mitgedoped. Aber auch alle anderen Sportler fanden in Freiburg Zugang, namentlich Leichtathleten, auch Fußballer und andere. Die vor Jahren namhaftesten Professoren Keul und Klümper traten auch stets als Fachleute in der Öffentlichkeit auf, immer mit eigenen „klaren“ praktischen Abgrenzungen zwischen verbotenem Doping und angewandter Sportmedizin zur Heilung, Vorbeugung und Stärkung der Sportler.

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Eine Aufarbeiterin, Professorin Paoli, beklagt sich jetzt darüber, dass die Universität bei der Aufklärung mauere.

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Der Rektor der Universität Freiburg, Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer, hat nunmehr die Einrichtung einer „Forschungsstelle Sportmedizin“ als universitätseigene Aufarbeitungskommission an der Medizinischen Fakultät angekündigt. Alles, was jetzt von der externen Kommission bemängelt wird, soll nachgearbeitet werden.

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Statt dass verabredungsgemäß im Mai 2014 einen Bericht mit wesentlichen Gutachten zu den Dopern Professor Keul und Professor Klümper, als Freiburger Doping-Vergangenheit, vorlegen zu können, wird die Untersuchungsarbeit nachhaltig von der Universität, insbesondere auch durch den Rektor selbst, durch Verschleppung und Zeitverzögerungen verhindert.

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Die heute neuangekündigte Aufarbeitungskommission des Rektors Schiewer ist insofern unglaubhaft, wie die jetzt gescheiterte Kommission ebenfalls den Selbstreinigungs-Heucheleien der Universität Freiburg entsprungen war.

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Auch hier scheint Zeitverzögerung durch Verfahren das organisatorische rechtswidrige Mittel des Rektors zu sein, dem Geheiß durch die Politik,  auf Verhinderung der Aufklärung, zu folgen, statt der Aufklärung zu dienen.

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Erstaunlich ist auch, dass die frühere Leistungssportlerin und Doping-Aufklärerin Brigitte Bärendonk nicht in gleichem Maße staatsmedial vorne gehalten wird, wie die DDR-Sprinterin Ines Geipel – die allerdings gut lesbare Erlebnisberichte publiziert.

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Angeklagt werden muss das unmoralische und kriminelle Gladiatorendenken der Politik, sich bereits flächendeckend an Kinderdoping zu verbrechen. Während dann die Invaliden Ex-Spitzensportler dem sozialen Elend überlassen werden.

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Nach Bericht des Jahres 2009 liegen die Hauptvorwürfe über die Aktionsfelder des in Freiburg praktizierten Dopings vor, insbesondere die Namen derjenigen Freiburger Koryphäen Klümper und Keul. Auch die beiden kommerziellen Freiburger Geschäftspartner des bekannten spanischen Blutdopers Fuentes haben hier mitgespielt und arbeiten weiterhin.

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Der heutige Rektor erklärte heute, er könne zu dem nichtabgeschlossenen externen Aufarbeitungsbericht der Prof. Paoli nicht Stellung nehmen, da er den nicht gelesen habe.

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Dietmar Moews meint: Man könnte über die Doping-Vergangenheit der Bundesrepublik hinwegtäuschen – reicht es doch wunderschön mit dem Zeigefinger auf das stalinistische Doping der DDR-Armeesportler zu zeigen.

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Dabei hat das Gesamtdeutsche Doping inzwischen eine Sprachregelung: DDR-Doping war flächenmäßig und ohne Aufklärung und Einwilligung der Sportler. Freiburger Doping war freiwillig und individuell.

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Es ist völlig klar, dass die riesigen staatlichen Geldaufwendungen durch die Bundesregierungen (Ressort des Bundesinnenministeriums, namentlich die Minister Genscher, Kinkel, Baum, Wolfgang Schäuble) für Doping,mit dem Ziel internationale Spitzenleistungen herzustellen, nachträglich so weit wie möglich vertuscht werden soll bzw. gar nicht erst aufgewirbelt wird.

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Ohne Zweifel handelt der Freiburger Rektor Hans-Jochen Schiewer als unterworfene Schranze, das Doping, als eine Spielart der Staatskriminalität, nicht „unnötig“ aufzuklären.

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Die Einberufung einer universitätseigenen Aufarbeitungskommission, anstele der jetzt erfolglosen externen Gutachter-Aufklärungsarbeit durch Prof. Paoli ist ein Skandal.

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Denn Prof. Paoli hat mit dem Eklat, dass die Untersuchung vom Freiburger Rektor Schiewer indirekt behindert bzw. nicht ausreichend ermöglicht wurde, die verdächtigung und konkrete Hinweise verbunden, dass auch heute weiterhin in Freiburg Doping praktisiert wird, Doping vermarktet wird und dass Doping-Forschung fortgesetzt wird.

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Hierüber sollten jedenfalls Klärung und politische Maßgaben erfolgen. Indem die Regierungen und Parlamente festlegen, welches Doping der deutsche Staat von der Universität erwartet und wo die strafrechtlichen Grenzen sein sollen. Bislang arbeitet man mit definitorischen und praktischer Verschleierung und mit internationalen Graubereichen.

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