Von der Unermeßlichkeit des Schönen

Mai 9, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4390

am 9. Mai 2014

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VIII,7

Der Rüger im Schönen ist der Überdruß am Menschlichen, den das Innewerden empfindet, sobald ein sinnmehrendes Werk geschaffen ist.

Mit dem Dasein der offenbaren Entsprechung wird vieldeutiges Formgutes wirksam, das eigenmächtig urteilt.

Übermenschliche Vorwürfe aus dem Gefüge-Selbst des Gewordenen halten das Werkgewissen wach und stellen dem Zeugerischen neue Aufgaben.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

April 22, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4326

am 22. April 2014

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VII,1

Der Ursprung im Schönen ist jener Vor-Satz des Erheblichen der sinngebenden Kraft, mit dem sie sich hinwegsetzt über Widerstrebendes, um bestimmtes Inhaltswahres in entsprechendes Formgutes zu verwandeln.

Mit berückender Entschlossenheit ermutigt sinngeführtes Wittern das Zeugerische zum Gestalten von Unerwartetem.

Aus dem Baugesetzlichen wachsen dem Vollbringen wesentliche Werkzuchten, Prüfmittel und Handhaben zu.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979

 


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

April 21, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4324

am 21. April 2014

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VI,12

Die Umsicht im Schönen ist die geheime Lenkerin des Anmutstrebens jener Sinnkräfte, die bereit sind, bestimmtes Inhaltswahres in entsprechendes Formgutes zu verwandeln.

Mit umsichtiger Prüfsamkeit im Bunde erzielt zeugerisches Ermessen jeweils im Gestalteten eine Gleichgewichtsruhe, die berückt durch Gesetzwürde.

Paart sich das Berückende mit dem Erhabenen, ersteht das Erbauliche.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979

 


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

März 31, 2014

 

Lichtgeschwindigkeit 4261

am 31. März 2014

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V,3

Die Würde im Schönen ist die Spürbarkeit von dessen Herkunft aus der Unerschöpflichkeit der Wachstumswunder, – somit zugleich die überlegene Bereitschaft, das menschliche Wahrnehmen in andächtiges Besinnen zu steigern.

Mit der Würdingung des Schönen lässt sich Gesittung nur dort fördern, wo das Gewissen wacht und Demut vor dem Seienden das Innewerden mehrt.

Das zeugerische Unterscheiden beginnt genau da, wo Schöngeisterei und Krittelsucht enden.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979

 


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

März 10, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4199

am 10. März 2014

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III,6

Das Helle im Schönen ist das Erleuchtende des Inhaltswahren, dem das Formgute einer vollentsprechenden Gefüge-Einheit sinnfällige Gestalt verleiht.

Ohne ein Innewerden der übersinnlichen Lichtquelle im Inhaltswahren kann sich das Helle im Schönen eines sinnerfüllten Gestaltbefundes nicht als solches auswirken.

Schau gehört somit nicht nur zum Erfinden, Schaffen und Vollenden, sondern auch zum Sinnspüren, Empfangen und Ermessen.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979

 


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

März 9, 2014

 

Lichtgeschwindigkeit 4195

am 9. März 2014

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III,5

Das Holde im Schönen ist das Gebärdenscheue des Anmutleisen einer Gefüge-Einheit aus Inhaltswahrem und Formguten.

Ohne solches Beharren des Sinnreinen im Verhaltenen und des Gestalthaften im Beseelten kann holdes Schönes nicht erblühen.

Verbindet sich Maßvolles mit Seltenem im Erfinderischen, so können wirkstarke Gebilde von überlegener Sinnwürde entstehen.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

März 8, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4192

am 8. März 2014

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III,4

Das Milde im Schönen ist das Innige seines offenbarten Formguten, zugleich also das Sinnige des Inhaltswahren einer vollentsprechenden Gefüge-Einheit.

Ohne solches beseelte Echte im Formwillen kann das Milde im Schönen nicht entstehen.

Hieraus folgt unter anderm, dass zuinnerst allein schöpferische Wärme zu mildern vermag.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

März 8, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4190

am 8. März 2014

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III,3

Das Strenge im Schönen ist das Verschränktsein von Sinnwürde des Inhaltswahren und Gefügemaß des Formguten in der Gestalt-Einheit.

Ohne solches Erfindungsdichte, die allein das gemeinsame Empordringen der Wägbarkeiten zum Erfülltsein ermöglicht, kann das Strenge im Schönen nicht reifen.

Im Erhobenen und im Erhabenen bewirken Sinnfülle, Gefügestrenge und Kräfteanmut zusammen das Überzeugende.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

März 5, 2014

 

Lichtgeschwindigkeit 4185

am 5. März 2014

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III,1

Das Ernste im Schönen ist das betonte Sinngewicht seines Inhaltswahren, dem Innewerden wägbar gemacht durch Formgutes von entsprechender Eigenwürde.

Ohne solches Gleichgewicht der Kräfte im Erfinderischen können keine ernsthaften Gestaltungen entstehen.

Hier muß darauf hingewiesen werden, daß die zeugerische Ordnung auf dem seelischen Gleichgewicht im Schaffenden beruht.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979


Von der Unermeßlichkeit des Schönen

März 4, 2014

Lichtgeschwindigkeit 4182

am 4. März 2014

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II,12

Das Feine im Schönen ist das Auserlesene seines Inhaltswahren, sinnmehrend gestaltet durch unerwartetes Formgutes der vollentsprechenden Gefüge-Einheit.

Ohne freuliches Taugen solchen Ranges verbleibt bereits das Uranfängliche erfinderischen Gestaltens im Groben.

Daraus folgt, dass alles schöpferische Streben allein erst über tragende Stufenfolgen des Feinen zum Kostbaren im Schönen emporgelangen kann.

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Zitiert nach: Otto Nebel, Von der Unermeßlichkeit des Schönen (1961-63) in Frühwerke, Schriften zur Sprache und zur Kunst – Das dichterische Werk Band 3 in Frühe Texte der Moderne, herausgegeben von René Radrizzani der edition text+kritik herausgegeben von Jörg Drews, Hartmut Geerken und Klaus Ramm, München 1979