Tomi Ungerer 1931 – 2019 Kurznachruf

Februar 9, 2019

Lichtgeschwindigkeit 8928

am Sonntag, den 10. Februar 2019

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Jean-Thomas „Tomi“ Ungerer wurde am 28. November 1931 in Strassburg, Frankreich, geboren und ist jetzt 87-jährig, am 9. Februar 2019 in Cork, Irland, gestorben.

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Tomi Ungerer war ein international bekannter französischer Grafiker, Schriftsteller und vor allem Illustrator von Bilderbüchern für Kinder und Erwachsene. Ungerer war im Elsass aufgewachsen, ging 1956 nach New York und lebte später in Kanada und danach abwechselnd in Irland und in Straßburg.

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Ungerer überwand Mitte der 2000er Jahre eine jahrelang andauernde, schwere gesundheitliche Krise mit drei Herzinfarkten und einer Krebserkrankung und fand danach erneut zu seiner alten Produktivität zurück.

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Tomi Ungerer wurde 1931 nach zwei Schwestern und einem Bruder als viertes und jüngstes Kind der Familie geboren. Sein Vater Théodore Ungerer war der Familientradition nach ein Uhrmacher und ein Turmuhrenfabrikant, aber auch ein Künstler, Historiker und Büchersammler, der unter anderem die Astronomische Uhr des Strassburger Münsters wartete. Er entwarf und baute auch die größte astronomische Uhr der Welt im Dom von Messina auf Sizilien. Großvater Alfred Ungerer war ebenfalls Turmuhrenfabrikant. Ungerers Mutter Alice, geborene Essler, stammte aus einer oberrheinischen Industriellenfamilie (gestorben 1989). Zu Hause sprach man nur Französisch, denn Elsässisch galt als die Sprache des Volkes. Er wurde von früh an ermutigt, zu zeichnen und zu schreiben. Seine Bushaltestelle zur Matthias Grünewald-Schule, Oberschule für Jungen“ (heute Lycée Bartholdi) in Colmar lag zufällig vor dem Musée d’Unterlinden, in dem er sich immer bei Regen aufhielt und so oft Grünewalds Isenheimer Altar bewundern konnte. Er schaftte das Abitur nicht. Seine Schuljahre wurden zunehmend von Krieg und Besetzung geprägt. Später konnte er unter den Deutschen nach der Berlitz-Methode so gut Englisch lernen, dass er nach dem Krieg als Dolmetscher für die französischen Offiziere arbeiten durfte.

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1956 wanderte Ungerer mit 60 Dollar und einigen Zeichnungen in der Tasche in die USA, nach New York, aus. Die Karikaturen stellten Potenzwahn, Sexismus und Gier bloß. Seine Drastik und Radikalität blieben immer die Mittel eines Moralisten. Die Ironie der dargestellten sexuellen Praktiken basierte auf dem Prinzip der Übertreibung und dem Übermaß einer noch nie gesehenen Technisierung und Mechanisierung sexueller Wünsche. Ungerer war daher nicht nur mit der Prüderie in den USA und England konfrontiert,

„Kein Kuss für Mutter“ erhielt in den USA den Preis für das schlimmste Kinderbuch, da darin u. a. Toby mit seinem Freund Zigarre raucht und beim Frühstück mit seinen Eltern eine Flasche Schnaps auf dem Tisch steht. Mit Bildern wie diesen hält er sich zugute, einen neuen Realismus in die Kinderbuchliteratur eingeführt zu haben: „Keiner hat die Kinderbuchtabus so zerschmettert wie ich.“ In seinen Kinderbüchern spielen eher negativ bewertete Tiere wie Schlangen, Esel, Schweine, Tintenfische und Fledermäuse eine positive Hauptrolle, um damit Vorurteile gegenüber den Tieren und auch im Allgemeinen abzubauen.

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Seit 1976 lebte Ungerer mit seiner Frau, seiner Tochter (geb. 1976) und seinen beiden Söhnen (geb. 1978 und 1980) abwechselnd in Straßburg und auf einer 160 Hektar großen Farm nahe der Stadt Cork in Irlands Südwestprovinz Munster. Dort arbeitete er als Farmer mit (2006) 600 Schafen und 48 Kühen. 1985 wohnte er für einige Monate in Hamburg bei der damals als Domina tätigen Domenica Niehoff, um sich Anregungen für einen Bild- und Interviewband über BDSM-Praktiken zu holen (Die Schutzengel der Hölle, 1986). Sein „Großen Liederbuch“ verkaufte sich über 1,4 Millionen Mal verkaufte.

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Neben seiner künstlerischen Arbeit setzte sich Ungerer unter anderem auch für Aktionen und Programme ein, um jugendliche Straftäter von der Straße zu holen, für eine Integration von Einwanderern in französischen Schulen sowie für eine Hilfe für Aidspatienten und krebskranke Kinder. Ungerer selbst sah sich als Elsässer, aber nicht als Franzose oder Deutscher, er bezeichnete sich als überzeugten Europäer.

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Neben seinem grafischen Werk hat Ungerer auch architektonische Entwürfe konzipiert. Anlässlich der Zweitausendjahrfeier Straßburgs im Jahr 1988 entwarf er ein Denkmalensemble, bei dem ein janusköpfiger Bronzekopf von drei Pfeilern eines römischen Aquädukts überragt wird. Das Aquädukt führt tatsächlich Wasser, das an beiden Enden des Viadukts in ein Bassin fällt. Das Ensemble wird verschiedentlich als „Aquädukt des Janus“ (l’Aqueduc de Janus) oder als Janusbrunnen (Fontaine de Janus) bezeichnet und symbolisiert die durch Deutschland und Frankreich gleichermaßen geprägte Doppelkultur der Stadt. Es befindet sich auf der place Broglie neben der Opéra du Rhin. Im Jahre 2002 wurde ein Kindergarten in Wolfartsweier nach der Konzeption von Ungerer eröffnet. Die Form des Gebäudes gleicht einer stilisierten Katze, so ist der Haupteingang zugleich auch das Katzenmaul. Auch diese – begehbare – Skulptur widmete er der deutsch-französischen Freundschaft und einer Kooperation „ohne Grenzen“ zwischen Baden-Württemberg und dem Elsass. Auf weniger Gegenliebe stieß Ungerers dritter Ausflug in die Architektur – les toilettes, Plochingen, in der Nähe eines Hundertwasserhauses. Zunächst hatte eine Mehrheit des Stadtrats von Plochingen für den Bau einer öffentlichen Toilette gestimmt, die von Ungerer mit einem überdimensionalen menschlichen Hinterteil als Bedachung ausgestattet worden war. Aufgrund von heftigen Protesten seitens der Bevölkerung sah sich der Bürgermeister 2007 veranlasst, Ungerer um eine andere Ausführung zu bitten.

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Es gibt bemerkenswerte Zitate von Tomi Ungerer, der auch in Künstlerkreisen, sein Leben lang, teils mit Meinungshass überzogen wurde: „Man muss sich fragen, ob das Elsass nicht direkt vom Mittelalter im Rentenalter gelandet ist, das schneckenhafte elsässische Wesen.“„Jedoch leidet der Elsässer immer noch unter Unsicherheitsgefühlen und einer zerspaltenen Identität. Was bin ich? Durch das Pendeln zwischen zwei Mächten haben wir genug Zweifel, um gut zu vergleichen. Die Relativität füttert unseren Humor, einen Humor (wie das Jüdische oder Irische) der Minorität. […] Mein elsässischer Humor hat mir geholfen, meinen inneren Zorn, Ekel und Verdruß zu überwinden und die Menschen zu respektieren und zu mögen, solange sie ihre Arroganz unterdrücken.“
(in: Hornbostel 1999, 7)

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„Ich war immer an Vögeln interessiert – und auch am Vögeln, beides.“„Ich habe kein Abitur gehabt. Ich bin sogar per Anhalter nach Karlsruhe gegangen, um zu wissen, ob ich da Mineralogie und Geologie studieren könnte. Nein, ohne Abitur war das nicht möglich. Und jetzt bin ich von der gleichen Universität als doctor honoris causa. Es ist unglaublich.“Meine Satiren waren härter geworden, das konnten die Amerikaner nicht akzeptieren. Ich wurde im US-Kongress attackiert, wie ich es wagen könne, Kinderbücher mit erotischen Zeichnungen zu machen. Ich habe geantwortet, dass es ohne Sex nun mal keine Kinder gäbe. Danach war ich in Amerika erledigt. Bis vor acht Jahren standen meine Bücher auf der schwarzen Liste.“ [1993]. „Seit damals bin ich allergisch gegen Amerika, aber nicht gegen die Amerikaner, schließlich ist meine Frau Amerikanerin.“ (26. November 2001)„Wie kann man mit Hoffnungslosigkeit in der Welt hoffen? Ich trage den Weltschmerz auf meinen Schultern.

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In seinen letzten 40 Jahren brachte er rund 40.000 Zeichnungen zu Papier und veröffentlichte über 140 Bücher. Ab 1979 waren seine Werke in etwa 100 Ausstellungen zu sehen.

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Ungerer bezeichnete sich selbst als einen „Aufzeichner“: „Ich zeichne, was ich aufschreibe, und ich schreibe auf, was ich zeichne, um einen Gedanken klar, kurz und bündig auszudrücken.“

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In Straßburg befindet sich seit 2007 das Musée Tomi Ungerer – centre international de l’illustration. Die Museumssammlung gründet sich auf eine Schenkung des Künstlers mit einem Teil seines grafischen Lebenswerks (8000 Zeichnungen, 2000 Plakate und Grafiken usw.) sowie einer großen Spielzeugsammlung, dem Familienarchiv, Presseartikeln und Fotografien.
Nach langjährigen Vorbereitungen und Verzögerungen wurde am 2. November 2007 in der klassizistischen „Villa Greiner“ im Stadtzentrum von Straßburg das Tomi-Ungerer-Museum (Musée Tomi Ungerer) eröffnet. Es befindet sich unmittelbar neben dem Nationaltheater.

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In den USA kritisierte Tomi Ungerer den Vietnamkrieg, die Rassentrennung und zuletzt US-Präsident Donald Trump. Der Elsässer hat sich sein Leben lang für die deutsch-französische Freundschaft eingesetzt, 2008 wurde er dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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