Keith Richards „Crosseyed Heart“ gehört, „Life“ und „Under the Influence“

Oktober 31, 2015
Lichtgeschwindigkeit 5999

Vom Samstag, 31. Oktober 2015

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Musikindustrie ist funktionaler Bestandteil der Kulturindustrie – wer verachtet Industriearbeiter?

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Wer von Anbeginn „total“ dabei war, darf mitreden.

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Keith Richards hat also sein neues „Solo-Album“ herausgebracht:

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Crosseyed Heart“ – Universal Records / Mindless Records 2015, das Projekt wird publizistisch mit dem dicken Buch verharkt und angestrickt, die („Auto-)-Biografie mit dem etwas schiefen (weil anmassenden bzw. irreführenden Titel „Life“) sowie mit einem Kinofilm „Under the Influence“ – nur bei NETFLIX – über einen persönlichen Rundgang des heutigen Keith Richards (71), durch Orte und Vergangenes, wie und wo und mit wem gemeinsam, seit 1962 bis heute, die Londoner Beatband „The Rolling Stones“ musiziert, Musikkonserven produziert und gelebt hat. The Rolling Stones sind inzwischen ein musikindustrielles Warenzeichen, ein Konzern mit ausgefuchstem internationalem Marketing, der allerdings von der genialen Organisationsdynamik und dem vokalkünstlerischen Spitzenkönnen von Mick Jagger ausgeht und ohne das nicht sein könnte.

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Also KEITH RICHARDS:

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Ich komme sofort zur Darstellung und Kurzkritik des neuen CD-Albums “Chrosseyed Heart“, aber ganz kurz:

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Nun: Sie mag die Vielweiberei nicht!

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Schreckliche Ödnis geht von dieser Songsammlung „Crosseyed Heart“ aus, die Keith Richards vollkommen zutreffend und ehrlich mit einer Paraphrase nach Robert Johnson einleitet: „That’s all I got“. Dies ist Alles, was ich habe (was ich als Soloproduzent noch zu geben habe)“.

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Keine hochziehenden Songeröffnungen, „She said Yeah“ – kein anständiger Abschlag – nur ausblendende Fade outs.

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Es wird hoffentlich auch zukünftig noch lustige Perfekt-Shows der STONES als Life-PARTIES für 150 EURO pro Stehplatz geben, wo Keith als Tonne mit Mantel und inzwischen auch Ron Wood völlig die Form zu verlieren scheint – immer farblich gut abgestimmt. Wo dann der Leistungssportler Charly Watts den Schlüssel bildet, nämlich solange er altersmäßig noch das Dauertraining „BEATSCHLAGZEUG“ spielen kann bzw. anders, Mick Jagger zu musikantischem Material übergehen könnte, filigrane Bluesstücke, wie sie mal von Brian Jones und Keith Richards geradezu in heilige Gitarrengewebe verwandelt worden waren, aufzuführen, „There’ve been good times, there’ve been bad times, I had my share of hard times too“, High and Dry“, „I am waiting ting“. Während auch Mick Jaggers Brüll-Nummern inzwischen nicht mehr zulänglich rauskommen, aus dieser goldenen Kehle. Was soll „Get off of My Cloud“ oder „It’s All Over Now“, auf der dritten Unterstimme. „Out of Controll“ aus „Bridges to Babylon“ – Sowas mag dann gehen, wo sie wirklich miteinander spielen.

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Nun Crosseyed Keith Richards:

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EINS: Die angeblich von der fünfseitigen G-Stimmung herrührenden KEITH-RICHARDS -RIFFS – ich weiß nicht, welcher Mittelschüler das mal aufbrachte.

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Halten wir jetzt bereits „Nothing on me“ für ein Lick? Ist es ein Motiv? ein Intervall? – das spielt Keith Richards seit 40 Jahren in jeder Liveaufführung aller seiner 4/4-Takt-Songs – voll Barré im Open Tuning.

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Als 1969 der Hammer-Hit „Honky Tonk Women“ erschien – es war definitiv nach The Beatles „Get Back“-Single, die zweite namhafte Single-45U/min, die in klarer Zweikanal-Stereo-Qualität herauskam. Da war von Open-Tuning nicht die Rede – wir spielten das selbst nach, in normaler E-Stimmung mit sechs Saiten. Das Irre war, diese unerhörte Kuhglocke zum Charly Watts-Intro und dem Gitarren-Riff auf der Tanzfläche vom „Milly Vanilli“ in der hannoverschen Grupenstraße oder im „Pferdestall“ in Burg auf Fehmarn oder im Club 4 auf der Bahnhofstraße in Hannover (da habe ich das erlebt) – mit diesem faszinierenden STEREO-Effekt: das hörte die Band aus den Bühnenecken her, wo die Boxen gestanden haben müssen, der Schlagzeuger hinten, Gitarren und Klavier im Raum verteilt, der hervorragende Gesang von Mick Jagger und von Keith im Chorus, ungewöhnlich stark und ergreifend. Und wer die Gitarre spielte, ob nicht vielleicht Brian Jones mit im Studio war? – er starb im Juli 1969. Honky Tonk Women war im August Nummer EINS der US-Charts.

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Das Hidepark-Free-Concert 1969 war nicht darauf angelegt, BRIAN JONES als Rolling Stone auszulöschen – darüber hat jetzt, 2015, ein Wichtigtuer ein Buch geschrieben: Paul Trynka „Sympathy for the Devil“  (vermutlich ist das auch im musikindustriellen Kommunikationspaket von Mick and Keith aufgesetzt worden; ähnlich die lachhafte Blueboys-Plakette auf dem Bahnsteig in Dartford, mit der Aufschrift: Hier gründeten Mick Jagger und Keith Richards 1962 die Rock-Band The Rolling Stones; egal, ob es die Stadtverwaltung oder die Glimmer-Twins selbst veranlassten – ihr Treffen war der Beginn der Mick&Keith-Story, nicht die Gründung der damals raketenhaft aufsteigenden Rolling Stones, die fraglos Brian Jones gründete und zum Welterfolg ausformte).

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Also diese neue Keith Richards-CD „Crosseyed Heart“ mag nach Riffs schielen – es sind ihm aber leider keine RIFFS eingefallen.

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ZWEI: Die Song-Lyrics genannten Liedtexte sind derart dümmlich, wie man sie in der gesamten bunten Sommerhit-Welt wirklich suchen müsste, um solche zu finden. Dabei ist nichts davon so witzig wie „Lass‘ mich rein, lass‘ mich raus“, oder wie „Dadada“. Keith Richards hat offensichtlich mit einem us-englischen Reimlexikon gearbeitet. Während wir seit Neil Young „Monsanto“ längst wissen, dass Popsong-Lyric nun auch ohne Reime auskommen – wenn: WENN MAN WAS ZU SAGEN HAT:

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„She’s a vegetarian, but me, I love my meat

She likes it when it’s cool, but I just love the heat“

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„But when she holds me something starts anew

She forgives me

and I forgive her too“ (Heart Stopper)

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„Someone stole my money

Who it is

it ain’t quiet clear

Stolen from my honey“ (Stolen Blind)

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Immer wieder peinlich die Auffüllung der Zeilen mit sinnlosen Wortwiederholungen oder Einsilbeneinschüben, „but“, „I“, „too“, „some“ sympathy he – Goethe te die Flöte te heu eu te – neu te te.

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So gesehen muss man Keith Richards wirklich leer, hohl und humorlos finden, wenn er stets wieder neu Chuck Berry kitsch-pathetisch als ein Rocker-Vorbild erklärt – Chuck Berry der herausragende legendäre Dichter legendärer Kurzromane als Rock-Lyrik:

SHORT LIST:

1. CROSSEYED HEART

2. HEARTSTOPPER

3. AMNESIA

4. ROBBED BLIND

5. TROUBLE

6. LOVE OVERDUE

7. NOTHING ON ME

8. SUSPICIOUS

9. BLUES IN THE MORNING

10. SOMETHING FOR NOTHING

11. ILLUSION

12. JUST A GIFT

13. GOODNIGHT IRENE

14. SUBSTANTIAL DAMMAGE

15. LOVER’S PLEA

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Es ist völlig unvorstellbar, dass Chuck Berry so einen Scheiß singen würde. Genau wie unvorstellbar ist, dass der legendäre „Like A Rolling Stone“-Rocksong und dem enigmatischen Text, jemals der Sänger und Dichter Bob Dylan ein Lied von „Crosseyed Heart“ spielen würde – NEVER, nicht mal als Witz.

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Diese 2015er Texte sind so schlecht, dass es Keith selbst nicht möglich ist, das Zeug unaffektiert zu singen – ich höre den echten Rocker Neil Young „Tonight’s the night“:

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Statt Geld nur Löcher in der Tasche?“ Hahahaha – vielleicht in der Lunge.

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Meist macht er den Bob Dylan-Nuschel, aber man spürt förmlich, wie scheißegal ihm sein Sugar oder Honey ist, wenn man noch an „The Worst“ erinnert wird, handelte es sich da zumindest um ein Bekenntnis der kleintheoretischen Reichweite. Er muss kein Denker sein, aber ohne eine persönliche Mitteilung geht es nicht – dann ist „IRENE Goodnight“ (Cover auf der CD) tatsächlich vom Niedlichentext her wenigstens so, dass unser Keith versucht zu singen. So ist es akzeptabel – er macht es, weil er es kann. Jede Run Rudolph Run-Weihnachts-Lieder-CD von Keith wäre musikalischer.

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Und die Kluft dazu, wie Charly Watts sagt: „Mick Jagger is the best Lyricist a brillant Singer and Dancer – ich habe kein weiteres Interesse beim Trommeln viel auf dessen Arsch zu schauen“. Keith Richard ist hier nur schnöde – es kommt derart substanzlos, dass es rückwirkend zweifelhaft scheint, die sehr guten Stones-Songs stammten auch von ihm, dem synkopenschlagenden „Rhythmusgitarrist“.

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DREI: Keith Richards additional „Musicians and Friends“ wurden viele Male über die vergangenen 40 Jahre zielsicher eingesetzt. Wir hören auf „Bridges to Babylon“ sensationelle Solo-Bläser, den speziellen Saxophonisten Bobby Keys, Wayne Shorter, die Klavieristen Ian Steward, Nicky Hopkins, Ian Mc Lagan, Chuck Leavell, es gab virtuoseste Instrumentenspieler, von Mouth-Harp bis Jimmy Miller Drums, von Bläsersätzen wie Background-Musikern und Sängern, Billy Preston oder Merry Clayton, Lisa Fisher und weitere für „Gimme Shelter live“.

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Steve Jordan

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Schwer vorstellbar, dass hier Jimmy Miller oder Phil Spector oder Glyn oder Andy Jones als klangliche Layouter mitgewirkt hätten.

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Ja und hier auf „Crosseyed Heart“ werden die angeblich so kostspieligen „X-Pensiv Winos“, der Gitarrist Wachtel und der Schlagzeuger Steve Jordan, geradezu verheizt. Wer STEVE JORDAN anderswo kennt, ja beispielsweise auch auf Keith hervorragender erster Soloplatte „TALK IS CHEAP“ oder bei Neil Young (1989 mit „Keep on Rocking in a free world“ und Crazy Horse), erlebt auf „Crosseyed Heart“, wie die Honigsaugerei nicht mehr klappt. Keith Richards hatte sich Input erhofft. Aber die bezahlten Kollegen liefern nicht mehr – man hätte sie austauschen können. Das hätte Paul McCartney alles ebenso schlicht für Keith Richards spielen können, vom Gitarrensolo bis zum Schlagzeug, und Background-Singen kann der sowieso genial.

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VIER: Ich habe die CD im Auto gehört, auf meinem Lenovo-Laptop, aber auch auf einer optimalen AUDIO-Anlage, wo die Klangdynamik zur Wirkung kommen kann: Es kommt Soße.

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DIETMAR MOEWS 1983 Erdbeerrock-Studio Völksen

DIETMAR MOEWS 1983
Erdbeerrock-Studio Völksen

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Denke ich, wie sich Keith Richards über die 1980er Disco-Sample-Percussion beschwert hatte oder wie er auf die echte Gitarrenblues-Sache angeblich schwört – dann ist es nach dreißig Jahren „Black and Blue“ dem gescheiterten Reggae „Oh Cherry Oh Baby“ oder „Too Rude“ und den hervorragenden Inselmusiken der jamaikanischen „Wingless Angels“, mit Keith als Gitarrenhalter, dann ist so eine Reggae-Pleite, wie hier „Love Overdue“ – mein Gott, Keith, lass‘ sowas – Krampf-Reggae.

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Mick Jagger als Bübchen in Dartford

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Dietmar Moews meint: Gut, ich habe die Nase voll. Keith Richards ist mit aller Keith-Musik eine bedeutende Einflussgröße meines Lebens, daran kann dieser Quatsch nichts ändern. Allerdings die Lobeshymne von Willy Winkler:

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Süddeutsche Zeitung, Freitag, 18. September 2015, Seite 12, Willy Winkler:

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„Der einsame Zwilling. Keith Richard erzählt in einem Dokumentarfilm Legenden und er nahm ein neues Album auf. Das ist grandios. Auch wenn Jagger fehlt.“, schrieb Willy Winkler, der besser über Erich Kästner und Erytropel schreiben kann, über Hermann Lenz und Christian Geyer, Frank Schirrmacher und Jürgen Kaube, Fritz J. Raddatz und Fritz W. Adorno – meinetwegen noch über The Small Faces. Diese KEITH-ELOGE kann nur eine Strafe verdienen: Willy Winkler muss diese Platte wöchentlich mindestens einmal anhören und dann abwechselnd Around and Around, Out of Our Heads, After Math, Beggars Banquet, Sticky Fingers, Tattoo You.

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Bildschirmfoto vom 2015-05-21 02:35:02

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Insbesondere die Seitenhiebe Winklers auf „Voodoo Lounge“, „Bridges to Babylon“ und „Bigger Bang“ (die letzten Stones-Alben, die angeblich nicht an „Crosseyed Heart“ heranreichen) definieren Winklers geringer Beatmusik-Kompetenz seitlich von Geschmacksfragen, da lobe ich Edo Reents bei der FAZ:

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Es gähnt eine absurde Kluft zwischen „It’s All Over Now“ und dem neuen „Trouble“ – auch wenn beide Stücke ähnliche Ambitionen rhythmisch fixieren.

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Es ist ein Trouble, der nicht wünschenswert ist.

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Auch wenn man Alles nimmt, was kommt, ist die Länge von Mick Jaggers kleinem Pimmel, der naseschlagende Charly Watts, der Anita-Pallenberg-schlagende Brian Jones oder die „Sergeant Pepper-Ächtung“ Kindesregress aus „LIFE“, eine launige Zurschaustellung, die durchaus als Marketing-Konzept der Zukunft zu verstehen ist: AMNESIA?

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KEITH drückt damit aus: Ich habe Alles gegeben – jetzt will er nur noch viel Geld – „Heartstopper“ – nein, ist das wahr? Will Willy Winkler etwa auch Geld?

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Bobby Keys 1943 – 2014 – Kurznachruf

Dezember 3, 2014

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am Dienstag, 2. Dezember 2014

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Gestern, am 2. Dezember 2014, starb der us-amerikanische Saxophonist Bobby Keys (geboren 1940 in Texas, gestorben 2014 in Tennessee), der viele Jahre als Studio- sowie Konzert-Musiker der ROLLING STONES berühmt geworden ist.

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Bobby Keys spielte seit der Emigration der Stones nach Frankreich, im Jahr 1969 mit Gründung der „Rolling Stones-Records“, auf den meisten Studioproduktionen mit.

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Wirklich weithin beachtet werden Bobby Keys Saxophon-Soli in den LP-Stücken von „Sticky Fingers“, besonders bei „Brown Sugar“ und „Can’t you hear me knocking“.

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Auch bei der 14 on Fire-Tour der Stones (2014) gehörte Keys zur Band, verpasste aber aus gesundheitlichen Gründen zuletzt die Auftritte in Australien.

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Keys litt angeblich an Leberzersetzung (Zirrhose) und starb am 2. Dezember 2014 im Alter von 70 Jahren in seinem Zuhause in Franklin, Tennessee.

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Damit steht fest, man wird die Rolling Stones nicht in Live-Konzerten mehr hören und sehen können, wie es im Wandel von über fünfzig Jahren zu einer Unterhaltungsmusikqualität geworden war.

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