Lichtgeschwindigkeit 484

Juli 25, 2010

LICHTGESCHWINDIGKEIT 484

GRAUSAMKEITEN 7th 24th LIFE IN A DAY am U-Bahn-Eingang

BUNDESTAG in BERLIN mit einer kurzen LESUNG aus PRINZIP

DER GRAUSAMKEIT des CLEMÉNT ROSSET von dem Kölner

Philosophen GÜNTER SCHULTE. Ferner wird ein neuinstalliertes

Gestaltungselement am Dach der Schweizer Botschaft angemerkt:

Matterhorn als Anspielung zur verosteten Hungerharke von Chilida

am Kanzleramt?

Dietmarmoews meint: Diese Aufnahme im Berliner Regierungsviertel

fand zeitgleich zum Duisburger LOVE-PARADE-Unglück, als dieses

noch nicht bekannt war. Schreie, Angst, Panik! Tausende Menschen

prallten zusammen, viele wurden zerquetscht, kippten in dem

Gedränge um, stürzten von einer Treppe, versuchten an den s

enkrechten Betonwänden hochzuklettern, mussten von Sanitätern

reanimiert werden. Bereits zwei Stunden vor der Panik waren

zehntausende Besucher, die auf das Partygelände wollten, eingesperrt.

Die Ordner durften die Schleuse nicht öffnen. Es drängten immer

mehr von hinten nach.

Am Tag danach standen inzwischen 19 Todesopfer und ca. 340 V

erletzte fest. Die Verantwortlichen nehmen nicht Stellung, weil die

Staatsanwaltschaft untersucht; es gibt bereits mehrere Strafanzeigen,

vermutlich von Nebenklägern, z. B. von einem Feuerwehrmann,

der die Organisatoren vorher über diese Todesfalle gewarnt hatte.

Clemént Rossets Prinzip der Grausamkeit findet hier eine hellsichtige

Parallelität. Die Wirklichkeit ist undiskutabel und unbestreitbar,

wenns grausam wird. Grausamkeit empfindet der Mensch als

Wahrheit und die ist idiotisch. Denn man kann sie nur umarmen.

Die Todesopfer in Pakistan, in Afghanistan und in Duisburg sind

idiotisch. Die Zweckrationalität des Einzelnen und seiner einzelnen

kritischen Urteilskraft vermögen Leben dann nicht zu retten oder

zu bewahren, wenn es nicht gelingt, daraus eine soziale

Verhaltensweise zu bestimmen, wie am Duisburger Partyeingang.

Die praktische Vernunft des Einzelnen müsste bereits ohne Kenntnis

der praktischen örtlichen Gelegenheiten davon abhalten überhaupt

sich auf den Weg zu einem solchen Love-Parade-Party-Geländes zu

begeben. Man müsste schon mit Skepsis daran zweifeln, dass

verantwortliche Organisatoren keinesfalls eine solche Eingangsfalle

einrichten. Man müsste die unverantwortliche Idiotie für möglich

halten, die Absurdität solcher Unverantwortung durch Fernbleiben

vorwegnehmen. Während der Kulturhauptstadt-Intendant Fritz

Pleitgen/SPD gestern bereits erklärte, er fühle sich verantwortlich

für das Unglück, findet keiner der Hauptverantwortlichen die

passenden Verhaltensweise, außer mauern.

Hiergegen ist das verostete Chilida-Stahlobjekt vor dem

Bundeskanzleramt nun, ganz wie Arsch auf Eimer, von einer

Matterhorn-Silhouette auf der Schweizer Botschaft ergänzt. Da wird’s

nun unpathetisch-idiotisch. Die Schweiz macht das, damit ich hier

darüber schreibe. Da findet sich ein geistiger Bezug zwischen

Lichtgeschwindigkeit, Staatspathos und Grausamkeiten.

Produktion, Idee, Autor, Direktion, Dr. Dietmar Moews;

Aufnahmetechnik und Admin, Piratencrew Berlin