Hans Küng 1928 – 2021 Kurznachruf

Lichtgeschwindigkeit 10197

am Dienstag, den 6. April 2021

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Hans Küng wurde am 19. März 1928 in Sursee, Kanton Luzern in der Schweiz geboren. Küng lebte am Sempacher See, in seiner Schweizer Heimat. Er war an Parkinson erkrankt und starb jetzt 93-jährig in Tübingen. Hans Küng war ein höchstgebildeten Europäer unserer Zeit, außerdem Schweizer Theologe, Deutscher Professor, römisch-katholischer Priester und Autor. Küng war Mentor von Josef Ratzinger (später Papst Benedikt XIV.) zum Professor in Münster und wurde im Jahr 1979 von Papst Johannes Paul II als Kirchenkritiker mit päpstlichem Dekret des Entzuges der kirchlichen Lehrerlaubnis belegt.

Der Sohn eines Schuhhändlers wuchs in einer katholischen, wohlhabenden Familie auf. Nach dem Abitur in Luzern studierte er Philosophie und Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, anschließend in Paris.

Neben seinen Abschlüssen lic. phil. und lic. theol. wurde Küng auch zum katholischen Priester geweiht. Er beschäftigte sich damals über mehrere Jahre hinweg intensiv mit der mehrbändigen Kirchlichen Dogmatik Karl Barths. Von 1955 bis 1957 folgten Studien an der Sorbonne und dem Institut Catholoque in Paris. Dort wurde er mit einer Dissertation zum Thema „Rechtfertigung. Die Lehre Karl Barths und eine katholische Besinnung“ promoviert. Karl Barth schrieb einen zustimmenden Geleitbrief. Mit diesem Werk versuchte Küng, die Differenzen zwischen Protestanten und Katholiken in der Frage der Rechtfertigung des Sünders zu überwinden. Er wurde damit zu einem der Vorbereiter der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre von kirchenoffizieller Seite im Jahre 1999. Es folgten weitere Studien in Amsterdam, Berlin, Madrid und London. Unmittelbar nach seiner Promotion begann Küng, sich intensiv mit Hegel zu befassen.

1954 wurde er in Basel zum Priester geweiht. 1960 kam der damals 32-Jährige als Professor für Fundamentaltheologie bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 an die Eberhard Karls Universität Tübingen, zuletzt für ökumenische Theologie. Küng setzte sich innerkirchlich für die Abschaffung des Zölibats, die Gleichberechtigung der Frau und die Ökumene ein sowie gegen die strikten Verbote von Empfängnisverhütung und Abtreibung. Als einen Erfolg beim Zweiten Vatikanischen Konzil verbuchte er die Einführung der Volkssprache in der Liturgie. Bis zum Jahr 2013 war er Präsident der von ihm mitgegründeten Stiftung Weltethos.

Küng galt nicht nur im deutschsprachigen Raum als einer der bekanntesten Kirchenkritiker unter den akademisch herausragenden katholischen Theologen der Zeitgeschichte. Doch in Rom beäugten sie zunehmend kritisch, was Küng lehrte und publizierte. Bücher über kirchliche Strukturen und die päpstliche Unfehlbarkeit brachten ihm Untersuchungen und eine Rüge durch die Glaubenskongregation ein. 1979, kurz vor Weihnachten, entzog ihm die Deutsche Bischofskonferenz die kirchliche Lehrerlaubnis. Seine erste Reaktion damals: Insbesondere seine Kritik am  Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit führte ein Jahr nach der Veröffentlichung seines vielbeachteten Buches Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit aufgrund eines von Papst Johnnes Paul II. gebilligten Erlasses der Glaubenskongregation im Jahr 1979 zum Entzug seiner kirchlichen Lehrbefugnis für die römisch-katholische Glaubenslehre durch die Deutsche Bischofskonferenz.

Küng war der Förderer des etwas jüngeren Ratzinger, mit dem er in Tübingen einen katholischen Theologiegipfel bilden wollte. Ratzinger enttäuschte Küng sehr, indem er Kardinal wurde um bald der ideologische Kopf des Vatikans wurde. Hierher kam schließlich auch das Lehrverbot, das als Mobbing des Ratzingers, später Papst Benedikt, die realsatirische Kontroverse versinnlichte.

Im Februar 1989 legte Küng das Basispapier für ein Symposium an der UNESCO zum Thema „Kein Weltfriede ohne Religionsfriede“ vor. Mitten während des Umbruchs in Osteuropa sprach er dann 1990 auf dem World Economic Forum in Davos zur Frage „Warum brauchen wir globale ethische Standards, um zu überleben?“. Im selben Jahr erschien das Buch Projekt Weltethos. Küng war Initiator und war von 1995 bis 2013 Präsident der Stiftung Weltethos mit Sitz in Tübingen. 

Küng gehörte einer zwanzigköpfigen „Group of Eminent Persons“ an, die vom damaligen Generaksekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan dazu berufen worden war, einen Bericht zum Dialog der Kulturen auszuarbeiten. Er trägt den Titel Crossing the Divide und wurde am 9. November 2001 vorgestellt. Aus diesem Anlass sprach Küng in New York vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen.

Seit März 2015 erscheint im Herder Verlag, Freiburg i.Br., eine auf 24 Bände angelegte Gesamtausgabe der Werke von Hans Küng. Diese sind nach inhaltlichen Gesichtspunkten zusammengefasst und jeweils mit einer kontextuellen Einführung des Autors versehen. Ältere Texte werden aus seiner heutigen Sicht neu bewertet.

Küng glaubte, jedes künftige Gottesverständnis vor folgendem Horizont zu sehen:

  • Keine naiv-anthropologische Vorstellung: Gott als ein im wörtlichen oder räumlichen Sinn „über“ der Welt wohnendes „höchstes Wesen“.
  • Keine aufgeklärt-deistische Vorstellung: Gott als ein im geistigen oder metaphysischen Sinn „außerhalb“ der Welt in einem außerweltlichen Jenseits wesendes, verobjektiviertes, verdinglichtes Gegenüber.
  • Sondern ein einheitliches Wirklichkeitsverständnis: Gott in dieser Welt und diese Welt in Gott. Gott nicht nur als Teil der Wirklichkeit ein (höchstes) Endliches neben Endlichem. Sondern das Unendliche im Endlichen, das Absolute im Relativen. Gott als die diesseitig-jenseitige, transzendent-immanente wirklichste Wirklichkeit im Herzen der Dinge, im Menschen und in der Menschheitsgeschichte.
  • Gott ist der nahe-ferne, weltlich-unweltliche Gott, der gerade als der Tragende, Haltende, Geleitende uns in allem Leben und Bewegen, Scheitern und Fallen schon immer gegenwärtig ist und uns umfängt.
  • Gott ist durch keinen Begriff zu begreifen, durch keine Aussage voll auszusagen, durch keine Definition zu definieren. Er ist der Unbegreifliche, Unaussagbare, Undefinierbare.

Küng stand Lehrmeinungen der römisch-katholischen Kirche kritisch gegenüber und hinterfragt diese, wie:

  • die Unfehlbarkeit des Papstes,
  • die Unsittlichkeit der künstlichen Empfängnisverhütung,
  • das strikte Verbot der Abstreibung,
  • die Unmöglichkeit der Frauenordination
  • die Ungültigkeit der anglikanischen Weihen,
  • das Festhalten an der Zölibatsverpflichtung für Kleriker der katholischen Kirche.

Jetzt ist dieser Zeitgenosse und Mitdenker Hans Küng in die Ewigkeit für immer verschwunden. Hätte man ihn zur Zeit zum Papst gewählt, wären Katholiken wie der heutige Kölner Wölki unmöglich.

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Dietmar Moews meint: Ich bin nicht kirchlich. Ich bin pagan. Aber Herr Küng hat mich mit einer Ansprache zur Ausstellungseröffnung des Deutschen Künstlerbundes in Stuttgart erheblich angesprochen, da er die Wirklichkeit der modernen Kunst zur postmodernen Kunstpolitik sehr pointiert verstanden, und integrieren konnte. Küng hatte den Künstlern in Stuttgart beim Deutschen Künstlerbund etwas zu sagen, wo die Künstler selbst längst die Sprache verloren hatten.

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